Kapitel 7: Eine Basiliskenschuppe zum Frühstück

Es war ein heißer Tag und die meisten Schüler lagen am See oder gingen spazieren, um sich von den harten Prüfungen zu erholen.

Doch trotz des schönen Wetters und des überstandenen Schulstresses saßen zwei Gryffindors in der schülerleeren Bibliothek.

„Schon wieder nichts." Seufzend schlug James das Buch zu.

„Wen wundert`s? Ich hab dir gleich gesagt, dass wir nur in der Verbotenen Abteilung etwas Gescheites finden," erwiderte Sirius und schlug sein Buch ebenfalls zu.

„Ja, ja. Aber vorhin war Henson noch da und wie Filch immer sagt: „Die Verbotene Abteilung heißt nicht umsonst verbotene Abteilung!" James imitierte die raue Stimme und den grimmigen Gesichtausdruck des Hausmeisters so gut, dass sein Freund unweigerlich lachen musste.

„Idiot!", murmelte Sirius immer noch grinsend und stand auf. „Wer zuerst einen guten Fluch für Snape findet, wird vom anderen die ganzen Sommerferien über bedient," sagte er und verschwand hinter dem nächsten Bücherregal.

„Dann übe schon mal kochen und putzen, Hauself!", rief ihm James hinterher.

„Wer ist das gefährlichste Buch auf der ganzen Welt?"

„Du natürlich!", antwortete James gedehnt. Das größte Problem in der Verbotenen Abteilung waren die selbstverliebten und egoistischen Bücher. Mit einem kurzen Blick registrierte er, dass es seinem besten Freund nicht besser erging. Dieser stritt sich gerade mit einem Buch, das mit schwarzem Samt überzogen war.

„Ich will Berti Botts Bohnen! Ich will, ich will, ich will!", schrie es Sirius an.

„Nein!"

„Doch!"

„Nein!"

„Doch!"

„Aah. Verdammt!" Wütend knallte Sirius das Buch ins Regal und rieb sich mit Schmerz verzogenem Gesicht seine linke Hand, deren Zeige-, Mittel-, und Ringfinger schon blau anliefen.

„Tja, wenn das so weiter gehst, dann wirst du tatsächlich diesen Sommer zum Hauself mutieren," grinste James spöttisch. Sirius setzte zu einer giftigen Antwort an, aber jemand kam ihm zuvor.

„Vielleicht werdet ihr beide zu Hauselfen," sang es hinter den zwei Rumtreibern. Erschrocken drehten sie sich um, aber niemand war zu sehen.

„Wo bist du? Komm raus," befahl Sirius grimmig und mit gezücktem Zauberstab.

„Direkt neben dir," erklang es.

„Da! Es ist dieses hässliche Buch." James deutete auf etwas, das sich rechts von Sirius befand.

„Bist du sicher, dass es ein Buch ist?", spöttelte dieser, „Der Einband sieht aus wie das Klopapier von Spoison."

„Woher weißt du, wie das Kl..."

„Der Schein trügt," brummte das Buch beleidigt.

„Das ist egal! Hör gut zu, wenn du nicht sofort aufhörst zu singen, dann wirst du Versuchsobjekt für meinen neusten Feuerzauber." Die Drohung von Sirius verfehlte ihr Ziel nicht. Schlagartig war das Buch still und die beiden Gryffindors konnten ihre Suche ungestört fortsetzen.

Aber eine Viertelstunde später meldete sich das Buch jedoch erneut.

„Vielleicht kann ich euch helfen," trällerte es. „Die wirklich gefährlichen Zauber stehen auf meinen Seiten. Überzeugt euch selbst!", fuhr es in düsterer Tonlage fort. Die zwei Rumtreiber waren schon unzählige Male durch die verbotenen Bücherreihen gestreift, aber noch nie war ihnen ein Buch begegnet, das sein Geheimnis freiwillig offenbarte. Es musste neu sein und das machte die Sache noch wesentlich interessanter. Die Neugier der beiden Jungen war geweckt.

James nahm den Plagegeist aus dem Regal und setzte sich im Schneidersitz davor. Sirius tat es ihm gleich. Obwohl das Buch sehr dünn war, lag es schwer auf James Oberschenkeln.

Je mehr Seiten die Zwei umblätterten, desto sicherer wussten sie, dass sie in diesem Buch fündig werden würden. Sie hatten nicht einmal die Mitte des Buches erreicht, als sie sich einigten.

„Ein Zaubertrank! Das ist doch perfekt für unseren kleinen Schniefelus." Sirius Augen leuchten vor lauter Vorfreude.

„Schon, aber schau dir mal die Zutaten an. Der Großteil ist kein Problem, doch geriebene Basiliskenschuppe..." James schaute zweifelnd zu seinem Freund.

„Stimmt, es könnte schwierig werden, eine zu bekommen. Aber so schwer wird es nun auch wieder nicht sein..."

„Das meine ich nicht," unterbrach ihn James heftiger als beabsichtigt, „Basiliskenschuppen zählen zu den schwarzen Zutaten."

„Oh Mann, Krone. Kannst du nicht einmal deinen Schwarze-Magie-Komplex vergessen?", entgegnete Sirius schnaubend.

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„Was ist eine schwarze Zutat?", fragte Harry erstaunt. Er hatte diesen Ausdruck noch nie gehört.

Sirius warf ihm einen unergründlichen Blick zu und begann zu erklären: „Alle Zutaten werden in zwei obere Kategorien geteilt, in legale und illegale – letztere auch die Schwarze Kategorie genannt. Eine Zutat, die hauptsächlich für verbotene Zaubertränke verwendet wird, zählt zu der Schwarzen Kategorie."

„Ach so," murmelte Harry. „Und? Habt ihr den Zaubertrank gebraut?"

„Tja, weißt du, ich bin ein Überredungskünstler," grinste Sirius. „Nein im Ernst... Ich musste Tausende Versprechen abgeben, bevor James endlich zustimmte. Der Zaubertrank war nicht gerade einfach und man brauchte sehr viel Zeit zur Zubereitung, deswegen beschlossen James und ich, ihn über die Sommerferien zu brauen und ihn als Willkommen-Zurück-Aus-Den-Sommerferien-Geschenk für Snape zu benutzen."

„Aber in den Ferien darf man doch gar nicht zaubern. Wie konntet ihr denn da den Trank brauen?"

„Man merkt, dass du im ersten Schuljahr bist," seufzte Sirius augenverdrehend.

„Aber ich bin doch schon," brauste Harry auf, „im ersten Jahr," fügte er kleinlaut hinzu, als er Sirius fragendes Gesicht sah.

„Sag ich ja," lachte Sirius spöttisch. „Also, um einen Zaubertrank zu brauen, braucht man nicht immer seinen Zauberstab. Bei den wirklich gefährlichen sogar gar nicht. Die Gefahr besteht nicht im Zauber sondern in den Zutaten. Bei diesem Trank mussten wir nur am Anfang und am Ende mit dem Zauberstab arbeiten und das konnten wir am letzten und am ersten Schultag erledigen."

„Ok und weiter? Wie seid ihr an die Zutat gekommen?", erkundigte sich Harry neugierig.

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„Wo bekommt man am besten eine schwarze Zutat her?", überlegte Sirius laut. Er und James schlenderten durch die Gänge von Hogwarts, auf der Suche nach ihren beiden Freunden Remus und Peter.

„Keine Ahnung! Vielleicht hat Moony eine Idee oder...."

„Pssst!", machte Sirius plötzlich.

„Was is' los?", wollte James überrascht wissen.

„Hörst du nicht? Da vorne sind McGonagall und Spoison." Sirius deutete in die Richtung, aus der Stimmen näher kamen. „Schnell! Hier rein!" Er öffnete die nächstbeste Tür und schubste James in den dahinter liegenden Raum.

„Ich finde, das ist nicht in Ordnung," schimpfte Professor McGonagall.

„Was Sie finden, ist mir ziemlich egal," erwiderte Spoison im gehässigen Tonfall.

„Wie haben Sie nur die Erlaubnis für den legalen Besitz von Schwarzen Zutaten erhalten? Und was ist, wenn einer unser Schüler das heraus findet," tadelte sie weiter.

„Oh, so viele Fragen auf einmal? Welche soll ich denn zuerst beantworteten?", fragte der Zaubertranklehrer sarkastisch. Wütend blieb McGonagall stehen.

„Wie wäre es mit einer nach der anderen?", antwortete sie kalt.

„Wenn es Ihnen so wichtig ist....", wandte sich Spoison an seine Kollegin, „Vielleicht haben Sie schon mal davon gehört, dass es Schwarze Zutaten gibt, die auch heilende Kräfte haben. Diese dürfen im Besitz von Heilern sein und da unsere liebe Poppy in gewisser Art und Weise eine Heilerin ist, ist es ihr erlaubt, sie zu besitzen. Es gibt nur sechs solcher Zutaten, auf die diese Sonderregelung zutreffen. Zum Beispiel Basiliskenschuppen..."

„Und Sie verwahren diese für Poppy, nehme ich an," unterbrach ihn McGonagall.

„Exakt! Zur zweiten Frage kann ich nur sagen, wenn Sie sich nicht weiter so laut darüber aufregen, wird es auch keiner unserer Schüler erfahren." Professor Spoison lächelte McGonagall nochmals eisig zu und ging weiter. Sie blickte ihm einige Sekunden giftig nach und verschwand dann wieder in dem Gang, aus dem sie gekommen waren.

„Du schuldest mir fünf Galleonen, Tatze," lachte James. „Ich habe dir gesagt, dass Spoison die nächste Runde gewinnen wird."

„Musst du gerade jetzt an Geld denken?", grummelte Sirius, „Immerhin weiß ich jetzt, wie wir an die Basiliskenschuppe kommen. Denn, falls es dir, du Genie, entgangen ist, gehört sie zum Ausnahmefall."

„Keine Sorge, dass ist mir auch aufgefallen. Entnehme ich deinen Worten richtig, dass du Spoison bestehlen willst?", schmollte James.

„Du hast es erfasst! Und einen Plan habe ich auch schon. Wir sorgen einfach dafür, dass wir von Spoison Strafarbeit bekommen. Am besten für die gesamte letzte Schulwoche. Schließlich brauchen wir Zeit, um rauszufinden, wo er die Schwarzen Zutaten aufbewahrt..."

„Wenn wir sie gefunden haben, gibt es am nächsten Tag ein Ablenkungsmanöver und wir schnappen sie uns," vollendete James den Plan.

„Genau! Bist ja doch nicht so schwer von Begriff, wie ich dachte," grinste Sirius hämisch.

„Du hast nur etwas übersehen, du Schlaumeier," wendete James zuckersüß ein.

„Was?"

„Es heißt nicht ‚wir' sondern ‚du' !", fuhr James in derselben Stimmlage fort, „Du wolltest diesen Zaubertrank, also wirst du auch Lockvogel spielen und alleine nachsitzen dürfen."

„Ihr wollt was?", brauste Remus auf.

„Geht es noch lauter?", maulte Sirius und lächelte Lily unschuldig an, die misstrauisch zu den drei Rumtreibern spähte. Es war Abendessenszeit und die drei saßen am langen Gryffindortisch.

„Vergiss es! Da mach ich nicht mit," widersprach Moony leiser.

„Och, komm! Stell dich nicht so an."

„Du bist der Beste für diesen Job. Dir wird er am längsten zuhören," unterstützte James Sirius.

„Ihr wollt einen Professoren bestehlen. Findet ihr nicht, dass ihr zu weit geht?" Remus blickte von einem zum anderen, doch in den Augen seiner Freunde konnte er eindeutig lesen, dass sie seine Meinung nicht teilten.

„Fragt doch Peter," murmelte er schließlich.

„Der ist für so etwas nicht geeignet," schmatzte Sirius, der mittlerweile bei seiner dritten Hühnerkeule angekommen war.

„Wenn du weiter so viel isst, wirst du platzen," stichelte James.

„Ich hatte kein Mittagessen."

„Ist das vielleicht meine Schuld?"

„Remus, willst du es dir nicht noch mal überlegen?", wechselte Sirius das Thema. „Spoison wird sicherlich nicht einmal merken, dass eine Schuppe verschwunden ist und du musst ihn lediglich eine Frage stellen... oder auch zwei."

„Na gut. Aber nur, weil ihr es seid," gab sich Remus geschlagen, „Doch falls man euch erwischt, habe ich nichts damit zu tun. Ist das klar?"

„Aye, Aye, Sir!", antworteten James und Sirius wie aus einem Munde.

„Potter! Black!", dröhnte es plötzlich durch die Große Halle.

„Ihr habt doch nicht schon...", erkundigte sich Remus mit knirschenden Zähnen.

„Nun ja! Wir können es uns nicht leisten, Zeit zu verlieren," lächelte James entschuldigend, stand eilig auf und ging dem wütenden Professor Spoison entgegen.

Sirius schluckte noch hastig den letzten Bissen runter, rief ein „Wir sehen uns!" zu Remus und folgte James.

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„Was habt ihr angestellt?", wollte Harry aufgeregt wissen.

„Berufsgeheimnis," wandte Sirius ein. Harrys Enttäuschung stand ihm ins Gesicht geschrieben.

„Hey, wenn James wüsste, dass ich dir von dem Streich von heute morgen erzähle, würde er mir... ich denke lieber nicht dran... also ,kann ich weitererzählen?"

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Krachend schlug das Kürbissaftglas auf und verteilte seinen Inhalt auf dem eben frisch geputzten Fußboden.

„So ein Pech! Das wollte ich nicht," sagte Professor Spoison mit gekünsteltem Schuldgefühl.

„Kann jedem passieren," murrte Sirius und nahm die Zahnbürste, die er gerade in den Putzeimer gedonnert hatte, wieder heraus. Müde ließ er sich auf die Knie fallen und begann den Kürbissaft mit der Zahnbürste wegzuschrubben.

„Helfen Sie erst mal Potter! Das können Sie später wegmachen," befahl Spoison.

Ja, nachher klebt es nämlich schön und ist schwieriger zu entfernen, dachte Sirius düster. Es war ihr vorletzter Tag und sie hatten immer noch keinen Hinweis über den Aufenthaltsort der Basiliskenschuppen gefunden.

„Tatze, könntest du mir einen Gefallen tun?", fragte James leise, als Sirius sich neben ihn hockte, um einen weiteren Kessel zu säubern.

„Kommt drauf an, was für einen?"

„Überrede mich nie wieder, freiwillig Strafarbeit zu machen! Ich hätte darauf bestehen sollen, dass du es alleine machst," fauchte James. Erschöpft begutachtete er seine Arbeit. Er konnte sich darin spiegeln, so wie es Spoison gewollt hatte. „Die ganze Aktion hat uns nichts gebracht."

„Ist das vielleicht meine Schuld?", giftete Sirius.

„Hat Ihnen jemand erlaubt, zu reden?", meldete sich Professor Spoison von seinem Schreibtisch.

„Nein, Sir," antworteten die zwei Gryffindors im Chor.

Plötzlich klopfte es an der Tür.

„Herein," knurrte Spoison.

„Ähm, Professor?" Vorsichtig trat Remus in den Raum.

„Was wollen Sie, Lupin?"

„Ich hätte eine Frage." Remus zog zwei kleine Taschenbücher unter seinem Umhang hervor und legte sie aufgeschlagen vor Professor Spoison hin. „Also, Sie haben doch letzte Stunde von den Schwarzen Zutaten erzählt und weil mich das Thema interessiert, habe ich mich in der Bibliothek umgeschaut. Allerdings stehen in diesen zwei Büchern zwei verschiedene Dinge. In dem einen wird die Basiliskenschuppe als reine Schwarze Zutat angesehen und in dem anderen gehört sie zu der legalen Kategorie. Außerdem sind die Bilder unterschiedlich. Ich war bei Madam Pomfrey und sie hat gesagt, dass beide Bilder nicht stimmen und ich solle doch zu Ihnen gehen, denn Sie hätten eine und Sie würden sie mir sicherlich zeigen."

„So, hat sie das gesagt?" Spoison legte seine Feder weg und stand auf. „Woher soll ich wissen, dass Sie die Wahrheit sagen?"

„Sie hat mir einen Brief für Sie mitgegeben. Sie meinte, wenn ich eh zu Ihnen gehe, kann ich den ja gleich mitnehmen." Unsicher holte Remus eine Pergamentrolle aus dem Umhang.

„Danke!", brummte Spoison und riss ihm die Rolle aus der Hand. „Also, dann zeige ich Ihnen eine Schuppe. Warten Sie hier!" Der Professor verschwand im Nebenzimmer. Remus zwinkerte seinen beiden Freunden zu, bedeutete ihnen aber still zu sein.

„Also hier haben wir das gesuchte Objekt." Professor Spoison kam mit einem Glas, das gefüllt war mit glänzenden Schuppen, zurück. „Basiliskenschuppen gehören eigentlich zu den Schwarzen Zutaten, aber weil sie auch eine heilenden Wirkung haben, dürfen Heiler sie besitzen. Ich bewahre sie für Madam Pomfrey auf."

„Aha. Darf ich mal eine anfassen?"

„Ihre Neugier wird Sie eines Tages Kopf und Kragen kosten, aber weil ich heute gute Laune habe, dürfen Sie." Behutsam schraubte Spoison das Gefäß auf, nahm eine raus, und stellte das Glas ab. „Hier!"

„Das ist alles deine Schuld," schrie James plötzlich. „Hätte ich mich von dir nur nicht überreden lassen, diesen Blödsinn zu machen."

„Ach ja? Wer hatte denn die tolle Idee, es an Spoisons Büro auszuprobieren?", zischte Sirius zurück. Beide sprangen auf und zückten ihre Zauberstäbe.

Pertrificus totalus", rief Spoison. Sofort wurden Sirius und James bewegungsunfähig. Diese kleine Ablenkung genügte Remus, um eine weitere Schuppe aus dem Glas in seiner Tasche verschwinden zulassen.

„Danke für die Hilfe, Professor!" Remus legte die Schuppe zurück, warf seinen zwei Freunden noch einen mitleidigen Blick zu und verließ den Raum.

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„Dann habt ihr es Remus zu verdanken, dass ihr an die Zutat gekommen seid," stellte Harry überflüssigerweise fest. „Und heute morgen habt ihr den Trank ausprobiert. Aber warum war Lily so wütend?"

„Wenn du mich mal ausreden lassen würdest, wüsstest du es schon längst!", sagte Sirius sarkastisch.

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„Endlich! Die Wochen des Wartens sind vorbei," jubelte James. „Heute wird ein Schniefelus ganz schön schniefelig aus der Wäsche schauen."

„Hör auf, hier so einen Wind zu machen, sondern hilf lieber mir. Ich kann den Trank nicht finden." Sirius Kofferinhalt war schon im ganzen Zimmer verteilt.

„Ich habe ihn." Remus stand am Türrahmen gelehnt, hielt eine kleine dunkelblaue Flasche in der Hand und beobachte die zwei Rumtreiber mit ernstem Blick.

„Mann, Moony, jag mir nie wieder so einen Schreck ein. Da steckt die Arbeit von vielen Wochen drin," lachte Sirius erleichtert und wollte ihm den Trank abnehmen.

„Nicht so schnell. Erinnert ihr euch noch an euer Versprechen letztes Jahr?"

„Hey, wir mussten schon Erstklässler wecken, was willst du noch?", beklagte sich James.

„Es wird nicht wieder so eine Aktion wie im Zug, klar?"

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„Was war im Zug?"

„Erstens: Hab ich dir nicht gesagt, dass du mich ausreden lassen sollst? Und zweitens: Auch das geht dich Naseweiß ganz und gar nichts an," belehrte ihm Sirius.

„Also wir mussten den Trank in seinen Saft mischen. Ein Glück hat Snape einen Stammplatz..."

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Die zwei Rumtreiber standen im Schutze einer Ritterstatur in der Nähe der Grossen Halle.

„Ok, jetzt kommt der schwierigste Moment. Der Saft muss in Snapes Glas. Weißt du noch, wie es geht?" James schaute Sirius prüfend an.

„Wir haben das während der Sommerferien jeden Tag geübt. Ich bin doch nicht doof," schnaubte dieser.

„Soll ich dir darauf antworten?", grinste James.

Ohne ein weiteres Wort zog sich Sirius den Tarnumhang an und riss James den Trank aus der Hand. „Bis später!", grummelte er.

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„Woher hat James den Tarnumhang?", unterbrach Harry schon wieder.

„Frag ihn selber! Willst du nun wissen, was wir gemacht haben oder nicht?", fauchte Sirius.

Harry nickte etwas eingeschüchtert.

„DANN. LASS. MICH. AUSREDEN! Kapiert?"

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James starrte ungeduldig zur Eingangstür der Großen Halle. Noch immer lehnte er neben den eisernen Ritter. Wo bleibt Tatze nur? Zum zehnten Mal in den letzten zwei Minuten fuhr er sich durch sein strubbliges Haar. Aber plötzlich packte etwas Schleimiges seine Hand. Erschrocken schrie er auf und drehte sich ruckartig um, doch es war niemand zu sehen.

„Du bist sehr ängstlich, Potter," lachte es hämisch.

„Sirius," fuhr James auf.

„Rache ist süß und die für Schniefelus ist vorbereitet." Sirius zog den Tarnumhang nur mit der linken Hand aus. Von seiner rechten fielen dickflüssige Tropen zu Boden.

„Was ist das?" Angeekelt sah James von seiner Hand, wo ein paar Spuren des Schleimes schimmerten, zu Sirius, der das Zeug genüsslich von seinen Finger lutschte.

„Was wohl? Mach die Augen auf Krone! Das ist Haferschleim. Noch nie gesehen oder was?", lachte Sirius spöttisch. „Und du nennst mich doof?"

Snape saß mittlerweile am Tisch und goss sich Kürbissaft ein. Verschlafen blickte er auf seinen neuen Stundenplan. Erst am Mittwoch hatte er Zaubertränke. Seufzend nahm er sein Glas und nippte an dem Saft. Jedoch spuckte er ihn reflexartig wieder aus, mitten in das Gesicht seines Gegenübers. Das Zeug schmeckte widerlich und das könnte heißen, dass ihm etwas ins Getränk gemischt wurden war. Leider hatte er einen winzigen Teil davon geschluckt und wenn sein Verdacht stimmte, dann war das alles andere als gut. Den gellenden Aufschrei seiner Mitschülerin, die er getroffen hatte, beachtete er gar nicht. Alarmiert sprang er auf und schaute sich um. Es blickten zwar viele neugierige Gesichter zu ihm rüber, doch auf keinen war ein unterdrücktes Grinsen zu sehen. Vielleicht hatte er sich geirrt.

„So Schniefelus," wisperte James, der mit Sirius unter dem Tarnumhang hinter Severus stand. Vorsichtig zog er seinen Zauberstab. „Jetzt zeig uns mal, wie gut du tanzen kannst."

„Warte, Krone! Schau, da kommt Lily" Auch Sirius hielt seinen Zauberstab bereit.

„Was hast du vor?", fragte James lauernd.

„Das wirst du gleich sehen." Sirius murmelte etwas und James beobachte gespannt, wie Snape sich vor Lily niederkniete und ihre Hand nahm.

„Severus... was... was soll das?", stammelte Lily ganz rot im Gesicht.

„Lily, ich... ich liebe..." Snape schüttelte den Kopf. Verwundert starrte er von Lily zu seiner Hand, die ihre immer noch hielt. Was hatte das zu bedeuten?. Währenddessen riss sich Lily von ihm los. In dem Moment landete eine kleine, graue Eule mit einem Pergament auf seiner Schulter. Snape hatte gar nicht mitbekommen, dass die Morgenpost gekommen war. Wütend stand er auf, nahm die Rolle, riss das rotgelb gestreifte Band runter und lass die Nachricht:

Willkommen zurück aus den Ferien, Snape!!

Gezeichnet:

Darunter war eine Pfote und eine Krone zu sehen. Er kannte die Zeichen. Aus Zufall hatte er letzte Ostern mitbekommen, wer sie als Kürzel benutzte.

„Black und Potter," knurrte er. Lily, die von Zorn gerötet davonrannte, bemerkte er gar nicht mehr.

„Er hat nicht genügend von dem Trank getrunken," meinte Sirius enttäuscht, „Aber wenigsten kam der Brief pünktlich," fügte er lächelnd hinzu.

„Hey Snape. Bist du so tief gesunken, dass du sogar ein Schlammblut zur Braut nimmst," gackerte eine Slytherin aus der Abschlussklasse.

„Ach sei still, Bellatrix," fuhr Snape sie an und rannte wütend aus der großen Halle.

„Severus und Lily, Severus und Lily," sangen sie ihm nach.

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„Severus und Lily," wiederholte Harry leise, „War James nicht böse?"

Doch Sirius kam nicht zum antworten.

Ein Wutschrei erklang aus dem Krankenzimmer und ein zorniger Spoison riss die Tür auf. Er funkelte die zwei Gryffindors böse an.

„Creevey," schnauzte er, „Soweit ich weiß, haben Sie jetzt bei mir Unterricht. Also, warum sitzen Sie hier herum? Sie müssten seit fünf Minuten im Zaubertrankklassenzimmer sein."

McGonagall, die auch aus dem Zimmer kam, blickte Harry mitleidig an. Sirius dagegen murmelte so leise, dass nur er es hören konnte: „James, du schuldest mir fünf Galleonen. Ich hab dir doch gesagt, dass Spoison das nächste Mal den Kürzeren zieht."