Kapitel 1 The Quiet before the Storm

Now I believe it when people say love is blind... 'cause I must have been blind to love a person like you.

"Ginny, ich möchte dir danken. Du warst der Gedanke, der mich stets auf Kurs

gehalten hat. Ich wüsste nicht, wo ich heute wäre, wenn es dich nicht geben würde. Ich liebe dich".

Mit einem Mal saß Draco Malfoy aufrecht in seinem Bett und strich sich mit der Hand durch das feine, platinblonde Haar. Immer wieder träumte er von jenem Abend vor zehn Jahren, als Harry Potter vor der versammelten Presse Ginny Weasley seine Liebe gestanden hatte.

Zehn verfluchte Jahre waren seitdem vergangen und doch konnte er diesen Abend nicht vergessen. Die Schmach, die er erlitten hatte, als er dem Held des Krieges hatte zujubeln müssen, während das Ansehen der Malfoys ins Bodenlose gefallen war. Nie würde er den Hass vergessen, den er in diesem Moment empfunden hatte.

Potter bekam alles, ein Leben, eine Familie, Rum und Reichtum. Zurück in Hogwarts war er der Liebling der Lehrer gewesen, noch mehr, als je zuvor und kaum einen Tag hatte man Ruhe vor Zeitungsartikeln gehabt, die davon kündeten, wie großartig Harry Potter doch war.

Mittlerweile besaß der ehemalige Gryffindor einen Merlinorden erster Klasse, für seinen Mut und seine Verdienste rund um England.

Draco wurde schon schlecht, wenn er nur daran dachte. Zehn Jahre nach Kriegsende leitete Potter die Aurorenzentrale und unterstand nur dem Leiter des Departments for magical Lawenforcment und dem Minster for Magic selbst. Aber das sollte wohl kein Problem darstellen, denn sowohl Arthur Weasley als auch Kingsley Shaklebolt waren dem jungen Mann wohl gesonnen.

Wie viel Glück hatte der verfluchte Potter eigentlich?

Während Draco sich in den letzten Jahren mühevoll seinen Rang in der Gesellschaft zurück erarbeiten musste, bekam der Auror alles zu Füßen gelegt.

Doch Draco hatte es ebenfalls zurück an die Spitze geschafft. Er hatte sich einen Namen gemacht, als Anwalt für magisches Recht. Und er war einer der Besten, wenn nicht sogar der Beste. Es fehlt ihm nur noch ein großer Fall, der die Aufmerksamkeit alle englischen Zauberer auf sich ziehen würde.

Seufzend ließ er sich wieder in die weichen Kissen fallen und warf einen Blick auf die magische Wanduhr rechts von ihm.

Sechs Uhr am Morgen. Normalerweise stand er um sieben auf, aber heute würde er wohl eine Ausnahme machen, denn meist konnte er eh nicht mehr einschlafen, wenn er von jenen Tagen vor zehn Jahren träumte, als der Krieg gerade gewonnen worden war.

Als er eine halbe Stunde später die ausladenden Treppen von Malfoy Manor hinunter ging, saß seine Mutter bereits am Frühstückstisch. Ihr blondes Haar hatte sie zu einem strengen Knoten gebunden, dazu trug sie dunkelgrüne Seidenroben mit goldenen Applikationen.

"Guten Morgen Draco, was führt dich so früh hier runter?", fragte sie, ihre Stimme noch immer perfekt beherrscht wie früher. Da hatten auch zehn Jahre ohne Lucius nichts ausrichten können.

"Ich kann nicht mehr schlafen. Und dich, Mutter?".

"Ich habe gleich einen Termin im Ministerium", antwortete sie mit einem Stück Melone auf der Gabel.

Narcissa hatte ebenfalls alles daran gesetzt den Ruf des Malfoys wieder herzustellen und war somit zu einer beliebten und geschätzten Ratgeberin des Ministeriums geworden. Doch egal wie angesehen sie auch wieder sein mochten, in Momenten des Alleinseins sah Draco den Schmerz der Vergangenheit in den Augen seiner Mutter.

Nur mit Mühe hatten sie Malfoy Manor halten können und immer wieder mussten die Hausdurchsuchungen über sich ergehen lassen. Das Ministerium wollte ganz sicher sein, dass Voldemort nichts im Haus hinterlassen hatte, das irgendwann einem anderen Tyrannen zum Aufstieg verhelfen würde.

Seit ein paar Jahren hatten sie Ruhe davor, aber der ehemalige Slytherin war sich sicher, dass das Ministerium noch immer ein Auge auf hatte, gerade jetzt, denn wenn alles gut ging würde Lucius binnen des nächsten Jahres freigelassen werden.

Ob Draco das gut oder schlecht finden sollte wusste er noch nicht. Vor dem Krieg war sein Vater ein einflussreicher Mann gewesen, doch Voldemort hatte ihn zerbrochen und Azkaban war auch nicht sonderlich nützlich gewesen, um Lucius wieder auf die Beine zu helfen. Vor Draco lag also vermutlich eine Menge Arbeit und die große Angst, dass das neu gewonnene Ansehen wieder Kratzer bekäme.

Seufzend ließ er sich auf einen der eleganten Stühle sinken und häufte sich Obst auf seinen Teller. Eine Frühstücksgewohnheit, die er ganz offensichtlich mit seiner Mutter teilte.

Narcissas blaue Augen richteten sich auf ihn.

"Hast du heute viel zu tun?", fragte sich, scheinbar rein aus Interesse, aber ihr Sohn kannte sie gut genug, um zu wissen, dass es vermutlich im mehr ging.

"Nein, nur zwei Mandantentermine. Den Rest des Tages wollte ich mit Aktenarbeit verbringen, warum fragst du?"

"Nun, dein Vater hat heute eine Anhörung im Ministerium. Es wäre wünschenswert, dich dabei zu haben".

Draco nickte kurz. "Natürlich. Ich werde zur Mittagszeit dort eintreffen, wenn es recht ist".

"Ja, ist es. Die Anhörung beginnt um vierzehn Uhr".

Während der Blonde ein Stück Ananas aufgabelte wanderten seine Gedanken zurück zu dem Lucius Malfoy, den er vor zehn Jahren gekannt hatte. Innerlich an der Wut seines Meisters zerbrochen, wie die Prophezeiung, die er nicht hatte retten können.

Seit dem Tag, an dem Lucius verurteilt worden war, hatte Draco seinen Vater nicht mehr gesehen. Besuche in Azkaban hatte er bewusst vermieden, denn er wollte sich, so schnell als möglich, von der Vergangenheit freischwimmen und mit dem Neuanfang beginnen.

Heute würde er seinen Vater also nach zehn langen Jahren wiedersehen. Irgendwie raubte ihm dieser Gedanke den Appetit und er beschloss, obwohl es erst kurz vor sieben war, und seine Sekretärin vermutlich noch nicht im Büro, zur Arbeit zu gehen.

"Mutter, wir sehen uns später im Ministerium", sagte er und erhob sich von der Tafel.

"Du gehst schon?", fragte Narcissa mit hochgezogenen Augenbrauen.

"Ja, ich werde mich schon mal in die beiden Fälle einlesen, die ich heute besprechen muss. Und Vaters Akte sollte ich wohl ebenfalls anfordern, nicht wahr?"

Ein kurzes Lächeln huschte über das Gesicht seiner Mutter, ehe sie ihm ohne ein weiteres Wort zunickte.

Draco verließ den Speisesaal und betrat das angrenzende Kaminzimmer, das während des Krieges viele DeathEater als Anreisemöglichkeit genutzt diente er einzig dem jungen Hausherrn und seiner Mutter als Reiseabkü Dracos Büro in London besaß einen Kamin, den allerdings nur er er aus den Flammen trat und sich umblickte, bestätigte sich seine Annahme, dass seine Sekretärin noch nicht da ging er in sein Büro und ließ sich hinter den schlichten Schreibtisch sinken, auf dem noch die Akten des Vortages lagen. Diese schob er achtlos beiseite und rief mit einem Wink seines Zauberstabs die Unterlagen zum "Fall Lucius Malfoy" den letzten zehn Jahren hatte er kaum mehr als zwei mal in diese Akte hinein gesehen. Viel zu groß war seine Distanz zu seinem Vater geworden, nachdem Voldemort diesen aus Azkaban heraus geholt hatte er die Akte geöffnet, da fielen ihm auch schon die ersten Beweisfotos in die Hände. Zu sehen war ein Mann, eindeutig Lucius, der das Dark Mark an den Himmel zeichnete. Ebenso waren Bilder von der Festnahme im Ministerium 1996 dabei. Beweise für weitere Beteiligungen nach seiner Befreiung gab es zumindest nicht in Bildform.Während Draco sich durch die Papiere arbeitete wurden die Erinnerungen in ihm wach. Erinnerungen, an eine Zeit, in der er sich beinahe selbst verloren hätte. Von Voldemort mit Dumbledores Ermordung beauftragt, war er völlig überfordert ürlich schob er den rechten Arm seines Hemdes nach oben und betrachtete die weiße Haut darunter. Das Mal war verschwunden, in dem Moment in dem Harry Potter Lord Voldemort vernichtet diesem Moment war Draco seinem Rivalen zum ersten Mal im Leben dankbar gewesen. Etwas, das sich sehr schnell wieder geändert Klopfen an der Tür riss den Blonden aus seinen Gedanken. Kurz darauf betrat Mafalda Mommson den Raum, seine Sekretärin."Guten Morgen, Mr Malfoy, so früh habe ich sie gar nicht erwartet.""An meinem Tagesplan hat sich etwas geändert. Man erwartet mich gegen Mittag im Ministerium zu einer Anhörung.""Ich verstehe, soll ich ihnen die Akte raussuchen?""Danke, aber das habe ich bereits selbst getan. Rufen Sie doch bitte bei Mr Goyle an und machen Sie einen Termin aus. Wir wollen doch alle, dass seine Scheidung glatt über die Bühne geht", Draco konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen.

"Ganz wie Sie wünschen, Mr Malfoy", antwortete seine Sekretärin und ließ in anschließend wieder allein.

Golye hatte doch tatsächlich vor zwei Jahren geheiratet. Doch wie es schien war Draco nicht der einzige Mensch, der irgendwann nicht mehr mit der rudimentären Art seines ehemaligen Freundes zurecht kam. Die Ehe war also schnell zerbrochen und nun stand die Scheidung bevor. Natürlich hatte Goyle sich dabei an Draco erinnert und ihn als Anwalt gewählt.

Eine Tatsache, die den Blonden eigentlich nicht störte, auch wenn es ihm lieber gewesen wäre Golyes Exfrau zu vertreten. Doch solange er hinterher ein Honorar bekam und wieder einen Fall zum Vorteil seines Mandanten gewonnen hatte, sollte es ihm recht sein.

Den Rest des Vormittags verbrachte der ehemalige Slytherin damit sich für seine Gerichtstermine im Laufe der Woche vorzubereiten. Strategien mussten bereit gelegt werden, die Schwächen der Gegner herausgefunden und ausgenutzt werden. Manchmal erinnerte ihn seine Arbeit an bisschen an die Quidditchspiele aus seiner Zeit in Hogwarts, wenn auch ohne Bälle und Schläger, aber dafür mit Papier und Worten.

Kurz vor dreizehn Uhr trat er, in seinen Gerichtsroben, mit einer Ledertasche unter dem Arm, aus einem der Kamine im Ministerium und steuerte auf den Aufzug zu, der ihn ins Department of Mysteries bringen würde, in dem noch immer die Strafgerichtssäle zu finden waren. Eines der wenigen Dinge, die sich nach dem Krieg nicht geändert hatten.

Das Strafrecht war komplett umgestellt worden und das war auch der Grund, warum Draco heute hier war. Früher wäre sein Vater in Azkaban verrottet, ein Abschied ohne Wiederkehr wäre das gewesen. Heute musste nach zehn Jahren geprüft werden, ob der Verurteile seine Strafe abgesessen hatte. Entschied sich das Wizengamot dagegen, so musste ein halbes Jahr später noch einmal geprüft werden und erst wenn man dann noch immer der Meinung war, dass ein längerer Aufenthalt in Azkaban angebracht wäre, musste der Verurteilte für weitere zwei Jahre sitzen, bevor er die nächste Chance auf Freilassung bekam.

Das galt zumindest für jene, die als DeathEater verurteilt worden waren.

Als Draco den Verhandlungsraum betrat war das Wizengamot bereits anwesend. Jene fünfzig höchsten Richter der Zauberer, deren Stimme über Freiheit oder Gefangenschaft entscheiden würden.

Lucius brauchte mindestes sechzig Prozent, die einer Freilassung zustimmten, sonst würde er sofort zurück nach Azkaban gebracht waren. Ein Gedanke, der Draco gar nicht so unlieb erschien. Wenn er ehrlich war, war er noch nicht bereit seinen Vater zu Hause willkommen zu heißen.

Alles, was er sich in den letzten Jahren erarbeitet hatte, waren die Früchte seines Handelns gewesen. Er hatte sich an die Rolle des Hausherrn gewöhnt und er war eigentlich nicht gewillt, sie wieder seinem Vater zu überlassen.

Schnell schüttelte der Blonde den Gedanken ab und ließ den Blick über die Anwesenden wandern, die ihm höflich zunickten. Sie alle trugen noch immer die pflaumenfarbenen Roben mit dem silbernen W auf der linken Brust. Die Gesichter waren ernst wie immer.

Den Vorsitz hatte Kingsley Shaklebolt persönlich. Nichts anderes war zu erwarten gewesen.

Draco ging zu einem alten Schreibtisch, den man nach dem Krieg der Verteidigung zugestanden hatte, und breitete seine Unterlagen aus. Kaum hatte er sich einen Überblick verschafft, da öffnete sich auch schon die Tür und zwei Auroren brachten Lucius Malfoy hinein.

Zehn Jahre waren nicht spurlos an dem aristokratischen Mann vorbei gegangen. Das einst seidige blonde Haar wirkte stumpf, die Wangen waren eingefallen, denn er hatte viele Kilos verloren. Sein Umhang war alt und abgetragen und die Hände zitterten, als er sich auf den magischen Stuhl setzte, der ihn sofort in Ketten legte.

Doch ein Blick in seine Augen genügte und Draco wusste, dass Lucius Malfoy im Inneren noch immer der selbe war. Kalt, berechnend und ungebrochen musterten sie den jüngeren Malfoy.

Dieser Mann, so war Draco klar, war noch immer gefährlich und er würde es auch immer sein, egal wie lange man ihn wegsperrte. Ein eisiger Schauer lief dem ehemaligen Slytherin den Rücken hinab. Worauf hatte er sich hier nur eingelassen?

Schnell wandte er den Blick von seinem Vater ab und setzte seine perfekte, gleichgültige Maske wieder auf. Er musste im jeden Preis professionell wirken. Dieser Prozess würde hinterher in der Zeitung landen, egal, wie er ausging.

Kingsley Shaklebolt räusperte sich und richtete sich auf.

"Meine Damen und Herrn vom Wizengamot, Mr Malfoy jr., Mr. Malfoy sen., Mr Potter, wir verhandeln heute darüber, ob der als DeathEater verurteilte Lucius Malfoy bereits eine Strafe erhalten hat, die als tat- und schuldangemessen erachtet werden kann oder nicht".

Erst jetzt bemerkte Draco die Blicke auf sich, spürte den Druck der Smaragde, als Potter ihn fixierte. Und doch vermied er es, selbst hinüber zu sehen. Er musste sich auf das konzentrieren, was vor ihm lag. Angestrengt versuchte er den Worten des Ministers zu lauschen.

"Mr. Lucius Malfoy wurde vor zehn Jahren, nach dem Ende des Krieges gegen You-know-who als DeathEater verurteilt. Unter anderem war er für die Überfälle beim Quidditch Worldcup mitverantwortlich, genauso, wie er sich des mehrfachen versuchten Mordes an Harry Potter und den Mitgliedern des Phoenixordens schuldig gemacht hat. Mr. Malfoy jr. Was denken Sie, warum sollte ihr Mandant heute freigelassen werden?", die fragenden Augen des Ministers richteten sich auf Draco und mit ihm die Blicke des gesamten Wizengamots.

"Nun, wie Ihnen bekannt sein dürfte, wurde Mr. Malfoy bereits 1996 zum ersten Mal nach Azkaban gebracht. Er hatte nicht vor, von dort zu fliehen, sondern wurde von seinem Meister befreit. Danach hat Mr. Malfoy sich jedoch nicht mehr aktiv an Voldemorts Taten beteiligt. Viel mehr hat auch er nur gehofft der Sturm möge vorüber gehen. Es ist nicht zu verneinen, dass Mr. Malfoy für seine Taten vor 1997 eine Strafe verdient hatte, doch diese hat er verbüßt und mit seinem Verhalten während der Kriegszeit bewiesen, dass er bereits zuvor verstanden hatte, dass sein Weg der falsche war", er klang sachlich wie immer, als würde er über etwas völlig triviales sprechen und nicht über die Freiheit eines Menschen.

Die Maske saß perfekt, auch wenn Potters Blicke ihn noch immer nervös machten.

Shaklebolt nickte sachte.

"Nun, Mr. Malfoy das entspricht in der Tat der Wahrheit. Mr. Malfoy Sen. Was haben Sie selbst zu dieser Sache zu sagen?".

Nun richteten sich alle Blicke auf den blonden Mann in der Mitte des Raumes. Lucius Malfoy räusperte sich kurz, dann füllte seine Stimme den Raum und es war, als wäre er keine Sekunde aus Dracos Leben verschwunden gewesen.

"Was mein Verteidiger gesagt hat stimmt. Ich habe Dinge getan, die einer Strafe bedurften und ich war geständig, als ich nach dem Krieg festgenommen wurde. Doch ich möchte betonen, dass ich ab 1997 nicht freiwillig auf der Seite des Dunklen Lords gekämpft habe. Man hat meine Familie bedroht und uns unter Druck gesetzt. Zu diesem Zeitpunkt habe ich nur noch gehofft, er möge aufgehalten werden".

Er klang noch immer genauso überzeugend, wie eine Dekade zuvor. Nichts schien sich verändert zu haben und Draco war sich beinahe sicher, dass Lucius nur schauspielerte, um endlich Azkaban verlassen zu können.

Nun war dem Blonden bewusst, er wollte heute nicht gewinnen, er wollte nicht, dass sein Vater nach Hause kam und wieder versuchen würde, Macht über ihn auszuüben.

Shaklebolt nickte erneut.

"Und doch Mr. Malfoy sen. waren die Taten, die sie im Vorfeld des Krieges begangen haben schwerwiegend und auch im ersten Krieg haben Sie aus eigenem Antrieb auf der Seite des Unnennbaren gekämpft, ist das richtig?".

"Ja, Minister das ist richtig. Doch ich habe meinen Fehler eingesehen".

"Gut. Kommen wir zum ersten Zeugen. Mr. Arthur Weasley bitte!".

Draco seufzte. Weasley würde kein gutes Haar an Lucius lassen, was prinzipiell nicht schlecht war und doch würde der ehemalige Slytherin versuchen müssen seine Argumentation zu brechen.

Arthur Weasley betrat den Raum. Er trug noch immer die gleichen abgetragenen Roben wie früher, auch wenn er jetzt eine leitende Position im Ministerium inne hatte. Draco fragte sich kurz, wie viele Enkel dieser Mann wohl schon hatte, schob den Gedanken dann aber von sich.

"Mr. Weasley, Sie haben damals im Krieg gegen You-know-who auf Seiten des Widerstands gekämpft, wie haben Sie Mr. Malfoy erlebt?", wollte der Minister wissen.

"Nun, Mr. Malfoy war schon immer ein glühender Anhänger des Lords. Bereits während unserer Schulzeit hat er seinen Idealen nachgehangen. Es war also nicht sehr verwunderlich, dass er sich dem Unnennbaren gleich nach dessen Rückkehr wieder anschloss. Doch auch schon vorher hat er meine Familie und insbesondere Mr. Potter immer wieder bedroht. Rechnet man seine Taten vor 1981 hinzu, so hat er sich, im Namen seines Meisters einiges zu Schulden kommen lassen", antwortete der Leiter des Departments for magical Lawenforcement.

"Hatten sie jemals das Gefühl, Mr. Malfoy sei nicht mit den Taten seines Meister einverstanden?", fragte eine Hexe aus dem Wizengamot, deren Name Draco nicht kannte.

"Nein. Wann immer ich ihm begegnete, kämpfte er mit Feuereifer für seine falschen Ideale. Ich habe ihn nie zögern sehen".

Nun war es an Draco selbst ein paar Fragen zu stellen.

"Nun, Mr. Weasley, wann haben Sie Mr. Malfoy in der Zeit des Krieges zum letzten Mal gesehen?".

"Während der Schlacht im Ministerium 1996, kurz vor seiner Festnahme".

"Und da kämpfte der Verurteilte auf Seiten des Lords?"

"Richtig, das tat er. Er wollte seinem Meister Zugang zu einer Prophezeiung ermöglichen. Es war der Abend, an dem Sirius Black starb".

"Und nach seiner Befreiung aus Azkaban? Haben Sie ihn da gesehen?", wollte Draco wissen, seine grauen Augen hielten Arthur Weasley förmlich gefangen.

"Nein. Während des Kampfes in Hogwarts bin ich nur seinem Sohn, Ihnen, kurz begegnet".

Dem Blonden entging der Seitenhieb nicht, doch er ging nicht weiter darauf ein. Der Krieg hatte ihm seine ganz eigenen Hürden gestellt, die er sicher nicht hier und heute diskutieren würde.

"Dann können Sie also gar nicht mit Bestimmtheit sagen, wie sich Mr. Malfoy nach seiner Befreiung verhalten hat?"

"Nein, kann ich nicht", antwortete Arthur Weasley sichtlich unerfreut.

"Vielen Dank, keine weiteren Fragen", setzte Draco nach und blickte zu Shaklebolt.

"Mr. Weasley, Sie können gehen".

Der Angesprochene erhob sich von seinem Stuhl und verließ den Gerichtssaal. Kurz herrschte Stille im Raum.

"Dann bitte ich nun Mr. Blaise Zabini in den Zeugenstand!", rief der Minister und kurz darauf öffnete sich die Tür.

Blaise Zabini war groß, schlank und hatte dunkles Haar und dunkle Augen. Man sah ihm seine italienischen Wurzeln eindeutig an. Zumeist trug ein selbstgefälliges Lächeln auf den Lippen, doch heute wirkte er ausnahmsweise ernst.

Außerdem war er der einzige frühere Mitschüler, zu dem Draco noch so etwas wie Kontakt hatte.

"Mr. Malfoy, Ihr Zeuge!".

Draco nickte und richtete seinen Blick auf Blaise, der grade auf dem Zeugenstuhl Platz nahm.

"Mr. Zabini, Sie sind früher bei den Malfoys ein und aus gegangen. Wie haben Sie den Hausherrn erlebt?"

"Nun, Mr. Malfoy war seine Familie immer sehr wichtig, er stellt Sie über alles andere", antwortete Blaise.

"Hätte er seinen Meister über seine Familie gestellt?", wollte der junge Anwalt wissen.

"Nein, hätte er nicht. Die Familie Malfoy hat eine lange Tradition, diese hätte Lucius Malfoy niemals aufs Spiel gesetzt. Ich würde sogar soweit gehen, zu sagen, dass er sich nach dem ersten Krieg auf Grund seines damals wenige Monate alten Sohnes dazu entschieden hat, nicht nach Azkaban zu gehen".

Draco nickte zufrieden, während er innerlich schrie. Er wollte seinen Vater nicht wieder zu Hause haben, er wollte sein eigener Herr bleiben.

"Dann können Sie also mit Sicherheit sagen, dass Voldemort ihn durchaus mit der Gesundheit seiner Familie erpresst haben könnte, während des zweiten Krieges?".

"Das ist mehr, als nur wahrscheinlich, ja. Der Lord wusste von diesem wunden Punkt", antwortete Blaise wahrheitsgemäß.

"Keine weiteten Fragen".

"Ich habe jedoch noch welche", erwiderte Shaklebolt. "Mr. Zabini, entspricht es der Wahrheit, dass der Unnennbare in den Jahren 96 und 97 Draco Malfoy dazu zwang mehrere Mordversuche auf Albus Dumbledore auszuüben?".

"Ja, Minister, das ist wahr", antwortete Blaise.

"Wusste Mr. Malfoy sen. davon?"

"Ich gehe davon aus, ja. Voldemort hat immer dafür gesorgt, dass die richtigen Informationen zur den richtigen Personen kamen".

"Und er hat nichts unternommen, um das zu verhindern?", wollte Shaklebolt wissen.

"Nun… das kann ich nicht sagen. Er befand sich immerhin in Azkaban zu dieser Zeit".

"Und nach seine Freilassung? Hat er versucht, seinen Sohn davon abzuhalten Mr. Potter anzugreifen?".

"Nein, hat er nicht", Blaise wirkte nun etwas unsicher.

"Als Mr. Potter sich in Malfoy Manor befand, war Mr. Malfoy sen. da nicht fest entschlossen, ihn an den Unnennbaren auszuliefern?", Kingsleys Fragen trafen ins Schwarze. Lucius hatte Voldemort auch nach seiner Befreiung aus Azkaban geholfen.

"Ja, Minister. Er wollte Mr. Potter ausliefern".

"Keine weiteren Fragen. Mr. Zabini, Sie können gehen".

Blaise folgte Arthur Weasley aus dem Raum und wieder herrschte Stille.

Draco spürte Potters Blick noch immer auf sich, doch er versuchte ihn zu ignorieren.

"Mitglieder des Wizengamot, wie entscheidet ihr in der Sache Lucius Malfoy? Wer stimmt für eine Haftverschonung?", fragte Shaklebolt.

Etwa ein drittel der Hände hoben sich, die anderen blieben unten. Draco konnte sich bereits denken, was das heißen würde, auch wenn er die Gegenprobe abwarten musste.

"Wer stimmt dafür, dass Mr. Malfoy weiter in Azkaban bleiben muss?"

Die restlichen zwei Drittel meldeten sich. Die Schlacht war verloren. Lucius würde zurück nach Azkaban gebracht und in einem halben Jahr würden sie alle sich wieder hier treffen, um erneut über diese Sache zu verhandeln.

Jetzt musste Draco dies nur noch seiner Mutter beibringen.

Während er seine Unterlagen zusammen suchte wurde Lucius von dem magischen Stuhl freigelassen. Ihre Blicke trafen sich für einen Augenblick. Silber traf auf Silber. Sie waren einander so ähnlich und doch so verschieden.

Dann wurde Lucius von den beiden Auroren, die ihn hinein gebracht hatten, wieder abgeführt und Draco hatte nicht das Bedürfnis vor dem Ablauf eines halben Jahres wieder über diese Sache nachzudenken.

Mit einem letzten Nicken in Richtung des Minister verließ nun auch er den Gerichtssaal und ging den langen, dunkeln Flur entlang Richtung Fahrstuhl.

"Malfoy!"

Die bekannte und doch verhasste Stimme ließ ihn inne halten. Er wirbelte herum und blickte in die grünen Augen von Harry Potter, seinem Schulrivalen.

"Was willst du, Potter?", fragte Draco genervt.

"Mir dir reden", erwiderte der Angesprochene.

"Ich wüsste nicht, worüber wir beide reden sollten".

"Es tut mir leid, dass dein Vater heute nicht freigelassen wurde. Er hätte es verdient. Kaum jemand weiß das wohl besser als ich", sagte Potter, ehrliches Bedauern spiegelte sich in seinen Augen wieder.

Draco seufzte. "Jetzt hör mir mal zu, Potter. Ich brauche deine Entschuldigungen nicht. Mein Vater hat Verbrechen begangen und er wird dafür so lange büßen, wie das Wizengamot es für richtig hält. Und ich wäre dir sehr dankbar, wenn du dich dahin verziehen würdest, wo du die letzten zehn Jahr warst, nämlich auf die Titelseiten der Zeitungen. Lass mich in Ruhe, okay?".

Ohne Potter eines weiteren Blickes zu würdigen drehte der Blonde sich um und betrat den Aufzug, der gerade auf ihrem Stockwerk Halt machte.

Er hatte keine Lust auf tiefgründige Gespräche mit Harry Potter. Er konnte den Helden noch immer genauso wenig leiden, wie zu ihrer Schulzeit und das würde sich vermutlich auch nicht ändern.

In den letzten Jahren hatte er zum Glück seine Ruhe vor diesem Gutmenschen gehabt und er hoffte, dass dies auch so bleiben würde.

Als Draco gegen Abend nach Hause kam, saß seine Mutter im Kaminzimmer auf einem der Barockstühle und las in einem Buch. Mit dem Knistern der Flammen blickte sie davon auf und lächelte ihren Sohn kurz an.

Zu ihren Füßen lag Jeff, der große irische Wolfshund, den Draco vor fünf Jahren als Welpen nach Malfoy Manor geholt hatte.

"Wie war die Anhörung?", fragte sie, ihre blauen Augen schienen den ehemaligen Slytherin förmlich gefangen zu halten.

"Schlecht. Shaklebolt hat Blaise vor dem Wizengamot auseinander genommen. In einem halben Jahr bekommen wir eine neue Chance".

"Ich verstehe. Nun ich will dich nicht weiter aufhalten, du hast Besuch", erwiderte Narcissa. Die Enttäuschung über das Urteil ließ sie sich nicht anmerken.

"Besuch?", fragte Draco erstaunt.

"Ja, am Besten gehst du nach oben und siehst selbst nach".

Seufzend nickte der Blonde seiner Mutter zu und machte sich auf den Weg nach oben in seinen Flügel des Hauses.

Als er seine Kanzlei eröffnet hatte, wurde auch gleichzeitig ein Besucherzimmer in Malfoy Manor eingerichtet, falls ein Mandant sich doch mal zu ihm nach Hause verirren sollte. Sich innerlich also auf ein Arbeitsgespräch vorbereitend öffnete Draco die Tür zum Besucherzimmer und blieb wie festgewurzelt im Eingang stehen.

Auf dem gemütlichen Sofa neben dem Kamin saß niemand anderer als Harry Potter.

"Potter!", spie Draco, noch immer im Türrahmen stehend.

"Guten Abend, Malfoy", erwiderte sein Gegenüber freundlich.

"Was willst du hier, verdammt?", blaffte der Blonde.

"Mit dir reden; immer noch. Immerhin bin ich nicht ganz unschuldig am Verlauf des heutigen Tages. Ich habe diese Gesetze auf den Weg gebracht, die deinen Vater heute zurück nach Azkaban befördert haben. Dabei weiß ich, dass es ihm selbst nur noch ums blanke Überleben ging, nachdem er Voldemorts Gunst verloren hatte".

Draco glaubte sich verhört zu haben. Glaubte Potter wirklich, der Blonde wäre traurig, weil sein Vater im Gefängnis lieb? Und versuchte er sich nun dafür zu entschuldigen? Wut kochte in seinen Adern. Was bildete Potter sich eigentlich ein? Wie konnte er glauben, zu wissen, was in dem Blonden vorging?

"Jetzt noch mal für Dumme, du Held, ich brauch dein Gelaber nicht. Ich bin nicht traurig drum, dass mein Vater in Azkaban verrottet. Ich will ihn hier nicht haben, verstehst du? Bilde dir also nie wieder ein, mich zu kennen, klar? Und halt dich fern aus meinem Leben! Ich will dich und deine Gryffindorfreunde nicht darin haben! Hast du keine eigenen Probleme, um die du dich kümmern kannst?", Draco war wütend und das ließ er Potter spüren.

Der Schwarzhaarige seufzte.

"Doch habe ich. Vermutlich so viele, dass ich mich lieber um die der anderen kümmere. Entschuldige, dass ich hier war, Malfoy. Leb wohl".

Ohne ein weiteres Wort schob Potter den jungen Anwalt aus dem Weg und verschwand die Treppe hinunter Richtung Kaminzimmer.

Draco war noch immer völlig verwirrt. Wo war dieser plötzliche Sinneswandel hergekommen? Was war los mit Potter?

Schnell versuchte er den Gedanken abzuschütteln.

Viel zu viel Zeit hatte er in seinem Leben schon darauf verwendet Harry Potter nach zu jagen und nun durfte er keinesfalls wieder in dieses alte Muster zurückfallen.

Es war schon schlimm genug, dass es ihm nicht gelang im Hier und Jetzt anzukommen, sondern immer noch in der Vergangenheit lebte. Der Krieg ließ ihn nicht los, da brauchte er nicht auch noch einen Schulrivalen, der ihn noch weiter aus Bahn warf.

Energisches Klopfen hinter ihm riss Draco aus seinen Gedanken. Blaise Zabini lehnte im Türrahmen und grinste von einem Ohr zum Anderen.

"Warum ist mir grade Potter in deinem Kaminzimmer begegnet?", fragte er und kam leichten Schrittes auf den ehemaligen Slytherin zu.

"Er hatte wohl den 'heldenhaften' Gedanken er müsste mich wieder aufbauen, nachdem mein Vater heute nicht freigekommen ist. Meinte er müsste sich entschuldigen".

Draco verzog angewidert das Gesicht und ließ sich auf das Sofa sinken, auf dem eben noch Potter gesessen hatte.

"Und was hast du getan?", fragte Blaise, während er sich neben den Blonden setzte.

"Ich hab ihn rausgeworfen, was sonst?"

Der Italiener lachte kurz.

"Typisch. Du warst nicht mal bereit, dir anzuhören, was Potter zu sagen hatte".

"Natürlich nicht! Er soll aus meinem Leben verschwinden!", entrüstete sich Draco und warf Blaise einen anklagenden Blick zu.

"Ganz wie du meinst. Was würdest du davon halten, wenn ich dich jetzt auf ein paar andere Gedanken bringe?", flüsterte dieser und hauchte dem Malfoyerben einen Kuss in den Nacken.

Normalerweise wäre Draco der Einladung nach einem solchen Tag gerne nachgekommen, doch heute hatte er absolut keine Lust auf solche Nähe, wie Blaise sie zu bieten hatte und schob den Italiener bestimmt von sich.

"Davon halte ich gar nichts. Ich würde dich bitten nun ebenfalls zu gehen, ich muss den Kopf frei kriegen und das nicht mit Sex, ja?", der ehemalige Slytherin klang ruppiger als beabsichtigt, aber seine Worte taten ihre Wirkung.

Etwas beleidigt erhob Blaise sich von dem Sofa und nickte ihm zu. "Ganz wie du willst. Schönen Abend noch!", maulte er und verließ das Zimmer, nicht ohne die Tür laut hinter sich zuschlagen zu lassen.

Draco seufzte zum gefühlt tausendsten Mal an diesem Tag und spürte, wie sich langsam Kopfschmerzen in seinem Schädel breit machten.

Er würde sich also einen Trank aus den Vorratsräumen holen lassen, warten bis der Schmerz vorbei ging und dann nach unten gehen, um ein wenig frische Luft zu schnappen.

Der Tag war lang und frustrierend gewesen, auch ohne Potter und Blaise, die dem ganzen nur die Krone aufgesetzt hatten.

Ein halbes Jahr… mehr Zeit blieb Draco nicht. Zehneinhalb Jahre… würde das reichen, um Lucius Schuld zu begleichen? Und wie würde sein Leben weiter gehen, wenn der Vater wieder auf der Bildfläche erschien? Zu viele Gedanken gingen ihm im Kopf herum, auf die er im Moment noch keine Antwort wusste.

Es gab nur eines, das im Moment wichtig war. Er musste sich auf seine Arbeit konzentrieren und auf die Gegenwart. Vielleicht sollte er dem Drängen seiner Mutter nachkommen und die Augen nach einer Frau offenhalten, die er heiraten konnte, auch wenn sein Interesse am weiblichen Geschlecht eher begrenzt war. Welche Frau würde auch einen Mann heiraten wollen, der wie ein Verrückter versuchte sich von seiner dunklen Vergangenheit zu lösen?

'Unsere Fehler begleiten uns bis ins Grab, Draco', flüsterte eine Stimme in seinem Kopf, die auf erschreckende Weise der seiner toten Tante Bellatrix ähnelte.

Es wurde scheinbar dringend Zeit für einen Trank gegen die Kopfschmerzen, wenn ihm sein Hirn bereits solche Streiche spielte.

Von jetzt an würde Draco sich noch mehr auf die Gegenwart konzentrieren und die Vergangenheit endlich hinter sicher lassen. Er war immerhin ein Malfoy und darum sollte ihm auch das Unmögliche möglich sein: er konnte sich lösen von den Fehlern des Vergangenheit.

Kapitel1 Ende