Es geht weiter – Edward begibt sich auf seinen Weg.
Und immer noch gehört weder Charakter (Stephenie Meyer) noch Lied (Subway to Sally) mir.
So, nun geht's weiter. Und weil ihm der erste Einblick so gut gefallen hat, widme ich dieses Kapitel meinem Freund.
Durch
den aderblauen Himmel ging ein breiter Riß,
dunkle Wasser brachen
über ihn herein.
Eine unbekannte Macht erhob sich tief in
ihm,
und mit einem Mal war ihm alles klar,
dass nichts mehr so
wie gestern war.
Noch während er rannte, zogen dunkle Wolken wie eine schwarzgraue Front am Himmel über ihm auf – Gewitterwolken. Es würde einen heftigen Sturm geben. Wie passend. Die Wut in Edward hingegen klang langsam ab, wurde ebenso still wie der Wald, in dem nur das leise Säuseln der Blätter das Gewitter ankündigte. Edward verlangsamte seinen Schritt, wurde wieder zu seinem eigentlichen Ich. Er dachte nun überlegt und ruhig über das nach, was er bald tun würde. In seinem Kopf hatten sich bereits messerscharfe Gedanken geformt und ein Plan war bereits ausgearbeitet, bevor er sich überhaupt entschieden hatte, wohin er gehen sollte. Schließlich entschied er sich für eine Stadt etwas weiter entfernt, gut 60 Meilen. So konnte er womöglich Carlisle, sollte der ihm nicht folgen wollen, in Sicherheit zurücklassen. Carlisle, so wusste Edward sehr genau, würde das, was er tat, nicht gutheißen. Er würde es für moralisch falsch erklären. „Wenn einer dich auf die rechte Backe schlägt, so halte auch die Linke hin" – so oder so ähnlich stand es in der Bibel, die in ihrem Wohnzimmer lag.
Edward glaubte nicht an Gott. Er glaubte ebensowenig an die Unsterblichkeit der Seele wie an das Paradies. Doch der Sündenfall – das war etwas anderes. Allerdings war es nicht Eva, die durch ihren Biss in den Apfel gefallen war. Vielmehr sah Edward die Entstehung des ersten Vampirs – wie auch immer er entstanden war – als den Sündenfall der Menschen.
Es musste etwas mit der inneren, grundsätzlichen Schlechtigkeit der Menschen zu tun haben, dass es IHN gab. In keinem Kopf, den er nun in den letzten Jahren gezwungenermaßen besucht hatte, hatte er nur Gutes finden können. Der eine war von Gier getrieben, der nächste von Eifersucht oder von Geiz. Bei den Menschen gab es nur sehr schlecht und weniger schlecht. Aus diesem Grund existierte er. Die Menschheit an sich war schuld daran, dass er kein normales Leben fristen durfte. So sollten sie auch dafür büßen. Menschen waren unrein. Und war Carlisle nicht das perfekte Beispiel, wie wahre Selbstaufopferung aussehen konnte? Er verkniff sich sein innerstes körperliches Bedürfnis, den Durst nach Blut, um diesen Würmern zu helfen. Noch mehr, er forderte sich selbst jeden Tag aufs Neue, wenn er blutige Operationen durchführte und ihm dabei der köstliche Duft süßen Lebenstranks in die Nase stieg. Doch Carlisle hatte noch nie gefehlt.
Gesetzt dem Falle, man sah seine ganze Lebensweise nicht als Fehler an. Er, Edward, würde einen neuen Weg einschlagen. Er würde sich einmal ganz von seinen Instinkten leiten lassen und sehen, wohin es ihn führte. Halt, nein. Nicht von seinen Instinkten, denn ein Massaker wäre ganz und gar nicht sein Stil. Er würde mit Eleganz herüberkommen und wieder die töten, die es verdienten. Doch dieses Mal würde er es öffentlich tun und zeigen, wer er war. Oh nein, er würde das Blut der Mörder, die er fand, nicht trinken. Er würde es lediglich vergießen. Er wusste, die Menschen würden sich wie die Fliegen aufs Licht auf diese Sensation stürzen und er könnte ihnen allen beweisen, was sie für Kreaturen waren. Er würde auf sie niederkommen wie der Engel des Todes, im Auftrag eines nicht existenten Gottes, und sie richten noch vor dem Tag des Letzten Gerichts!
In jenem Moment, in dem sich dieser Gedanke in seinem Kopf formte, zerriss ein lauter Donner die relative Stille. Das Gewitter musste näher sein, als er gedacht hatte. Schon begannen die ersten Regentropfen auf die Erde zu prasseln als wollten sie eine Sturmflut heraufbeschwören. Edward musste lächeln, als er sich selbst in diesem Kreisel der religiösen Metaphern ertappte, die so gar nicht in die Zeit passen wollte, in der er sich befand. Doch er konnte nicht anders, wenn er mit sich selbst sprach – dies war die Sprache, in der er aufgewachsen war, die Sprache, die ihn auch ein Stück weit geprägt hatte.
Genüsslich ließ er die Tropfen auf seine Haut perlen, spürte das Gefühl des Wassers, das bei dem Zusammenprall mit hartem Stein zerplatzte. In gewisser Hinsicht war er unverletzlich. Unbesiegbar? Nun, er hatte bisher noch nichts Gegenteiliges gehört. Er würde also die Welt von allem Übel reinigen und nichts und niemand könnte ihn aufhalten. Wunderbar.
Warum er plötzlich so anders, so machtbewusst fühlte, wusste er selbst nicht. Es war eine Regung im schweigenden Herz aus Stein, die er nicht verstand, so sehr er sich auch bemühte. Doch eines war ihm klar: Er könnte die Welt verändern. Und er würde es tun.
Soo, das war's erstmal, damit ich dieses Chappi überhaupt noch fertig bekomme…
Wie immer – über Leser freu ich mich, über Reviews noch mehr.
Liebe Grüße
Jarynne
