2. Wunschdenken
Nahezu bewegungslos stand sie da. Ihr Blick war auf den braunen Teppich gerichtet und sie fragte sich wo sie gelandet war. Man hatte sie in den Floo gezerrt und nur gesagt, dass sie jetzt ihren zukünftigen Herren treffen würde.
Um wen es sich handelte, wusste sie nicht, niemand hatte sich die Mühe gemacht ihr etwas zu erklären. Aber jede Dienerin wusste, dass nur die treuesten Gefolgsleute des Dunklen Lords ihre Dienste in Anspruch nehmen konnten.
Wishington stand nervös neben ihr.
Der Mann erinnerte Hermine an eine Haus-Elfe, allerdings ohne deren Würde. Es kostete Hermine einiges den Blick nicht zu heben als jemand den Raum betrat.
Dieser Mann bestimmte ihr zukünftiges Schicksal und sie konnte nur hoffen, dass es nicht einer der Todesser war, die sie von früher kannte.
Einige Namen gingen ihr durch den Kopf - Nott und Dolohov, Carrow und McNair, Lucius Malfoy, Rodolfus Lestrange.
Sie betete inständig, dass es nicht der letzte war - Hermine konnte sich nicht vorstellen in einem gemeinsamen Haushalt mit Bellatrix zu leben.
"Miss Granger, darf ich fragen was Sie hier machen?"
Die sanfte Stimme war wie ein Schlag ins Gesicht und alles Blut schien aus ihrem Körper zu weichen. Sie war plötzlich wieder in einem Kerker, der als Klassenzimmer diente.
Ihre Kehle war wie zugeschnürt und sie kämpfte gegen den Drang zu weinen.
"Nun?", fragte Snape nach.
Überraschender Weise kam ihr Wishington zur Hilfe.
„Mr. Snape, Sir. Dies ist die Dienerin Nummer 2 - 8 -3, Eigentum von Snape während der Dauer ihrer Dienstleistung."
"Wie kommen Sie darauf, verdammt !"
Snapes wütende Stimme hallte in den Raum und Hermine zuckte wider Willen zusammen.
Wishington wurde plötzlich unsicher und sie fühlte einen Anflug von Mitgefühl für den Beamten.
"Ich bin mir ziemlich sicher, dass kein Fehler gemacht wurde. Alle Papiere scheinen in Ordnung zu sein."
Er beugte sich zu Hermine und flüsterte: "Du bist doch 2 - 8 - 3, nicht wahr?"
Sie hatte sich noch immer nicht von dem Schock erholte und nickte nur.
"Sehen Sie, Sir. Alles ist in Ordnung", erklärte Wishington.
Langsam kam Hermine wieder zu „Bewußtsein" und die Begegnung mit diesem Mann löste in ihr widersprüchliche Gefühle aus. Auf der einen Seite, war Snape jemand, den sie kannte, sogar widerwillig gelegentlich vertraut hatte und das war irgendwie tröstlich.
Sicher, der Mann konnte grausam sein, aber sie konnte sich nicht erinnern, dass er seinen Schülern geschadet hatte.
Auf der anderen Seite war Snape ein Verräter der übelsten Art - jemand, der vielleicht mit Schuld daran war, dass sie den Krieg verloren hatten und ihre Freunde tot waren.
Sie war nicht sicher, ob sie ertragen konnte in den gleichen Raum mit ihm zu sein, geschweige denn die Dienste zu leisten, die man von ihr erwartete.
Wie durch einen Nebel hörte sie den Streit von Snape und Wishington.
"Wenn das ein Witz von Lucius ist ..."
"Ich bitte um Verzeihung, Sir", warf Wishington ein.
"Dann muss es ein Irrtum sein."
Hermine fand, dass Snapes immer verzweifelter klang.
"Ich glaube nicht, Sir. Sie haben ausdrücklich um eine Dienerin gebeten und der Minister ist dieser Bitte freundlicherweise nachgekommen."
"Ich habe nicht nach ihr gefragt!"
Snape zeigte anklagend auf Hermine.
"Sir, wenn diese Anordnung für Sie inakzeptabel ist, kann ich 2-8-3 in die Verbannung schicken. Aber es ist meine Pflicht, Sie zu warnen. Es gibt keinen Ersatz. Der Minister hat sich bereits sehr viel Mühe gegeben, um Ihre Wünsche zu erfüllen. "
Etwas in Wishingtons Worten gab Hermine Hoffnung. Es war das Wort Verbannung.
Immer wieder hatte sie davon gehört, dass der Dunkle Lord unerwünschte Personen weggeschickt hatte. Wohin wusste zwar niemand, aber im Moment schien Hermine diese Strafe sehr erstrebenswert. Ja, sie hoffe darauf.
Sie war nicht sicher, was die Verbannung brachte, aber sie würde weg sein - weg von dem Ministerium, weg von Todessern.
Vielleicht könnte sie dort sogar Gleichgesinnte, ehemalige Mitkänpfer finden, die bereit waren gegen die Tyrannei des Dunklen Herrschers rebellieren.
Sie könnten sich zusammentun und kämpfen, wie sie in alten Tagen. Es war nur eine Fantasie, aber es war genug um ihr die Hoffnung zu geben, die sie am Leben erhielt.
Für die beiden Männer überraschend, sah sie hoch und öffnete ihren Mund.
"Mr. Wishington, ich möchte nicht bei Mr. Snape zu bleiben", sagte sie.
Die Stille im Zimmer war schlimmer als Snapes harsche Worte zuvor.
Wishington starrte sie mit offenem Mund an.
Snapes Reaktion sah sie nicht. Sie hatte viel zu viel Angst in seine Richtung zu schauen.
Ein Stück Pergament rutschte aus Wishington Hände und landete auf dem Boden, aber niemand rührte sich um es aufzuheben.
"Was?
Wishington hatte es endlich geschafft seine Stimme wieder zu finden.
Seine nervöse Blicke in Snapes Richtung gaben ihr zu denken.
Vielleicht hatte sie doch das Falsche gesagt, aber nun war es zu spät.
"Ich sagte, diese Platzierung ist für mich inakzeptabel. Ich würde eine Verbannung bevorzugen."
Hermine hoffte mit genügend Nachdruck gesprochen zu haben.
"Miss Granger."
Als Snape nicht weiter redete, schaute Hermine zu ihm hinüber und was sie auf seinem Gesicht sah, erschreckte sie – sein Blick war voller Hass.
"Miss Granger", wiederholte er, "Sie irren, wenn Sie glauben in dieser Sache etwas zu sagen haben."
Snapes Stimme war ruhig, zu ruhig und damit tödlich. Das schien auch Wishington so zu sehen, denn er rückte von ihr ab.
Aber sie weigerte sich nachzugeben.
"Ich bin kein Kind mehr, Professor, Sie können mich nicht einschüchtern."
"Wir werden sehen."
Snape griff nach seinem Zauberstab.
Hermine straffte die Schultern und wappnete sich für das, was als nächstes passieren würde. Allerdings war sie sehr überrascht, als Snape seine Aufmerksamkeit in Richtung Wishington wandte.
"Ich glaube, Sie sagten alle Papiere sind in Ordnung?"
Wishington nickte. Er umklammerte den Stapel Pergamente, als ob er sie von einem drohenden Ansturm von Flüchen schützen wollte.
"Sehr gut. Dann können wir ja auch weitere Formalitäten verzichten. Mir wurde Mis – Dienerin 2-8-3 zugeteilt und dabei bleibt es."
Er lächelte.
Wishington zögerte nicht.
"Ja, natürlich. Ich bin mir sicher, das wird das beste sein. Es gibt nur ein paar Dokumente, die Sie unterschreiben müssen."
Hermine sah mit sinkenden Herzen zu wie der Beamte Snape das erste Stück Pergament gab.
Snape berührte es mit seinem Zauberstab und sein Name erschien am unteren Rand des Dokuments in blau leuchtenden Buchstaben, die in das Pergament sanken. Das war sie - die unauslöschliche und magisch verbindliche Unterschrift.
Jeder Nerv in ihrem Körper protestierte gegen die Ungerechtigkeit dieser Vereinbarung.
Und sie verstand nicht warum Snape sie behalten wollte.
Er hatte deutlich sein Missfallen zum Ausdruck gebraucht und hätte sie sofort wegschicken können.
Stattdessen hatte er ein Dokument unterzeichnet, das sie an ihn für eine ungewisse Zeit binden würde. Warum war er bereit ihre Anwesenheit zu ertragen? Wollte er sie bestrafen?
Jedenfalls kam es er ihr wie die Unterzeichnung eines Todesurteils vor.
Na toll, ich wollte das nächste Kapitel nach 3 Reviews posten. Dankt allen die Euch das neue Kapitel so schnell ermöglicht haben. Falls Euch Fehler auffallen, bitte melden !
