Regeln

Hermine sah wie Wishington eine Handvoll Flohpulver in den Kamin warf und in den grünen Flammen verschwand.

Als Snape sich zu ihr umdrehte, sah sie Wut in seine Augen, die aber schnell hinter einem starren Gesichtsausdruck verschwand.

"Sie enttäuschen mich, Miss Granger. Ich dachte immer, Sie wären die einzig intelligente Gryffindor im Orden. Offensichtlich ein Irrtum."

"Sir, ich ..."

Sie biss sich auf die Lippe, unsicher, was sie sagen sollte.

Eine Entschuldigung wäre ratsam, aber heuchlerisch - sie hatte gemeint, was sie sagte. Die Verbannung war ihre einzige Hoffnung und er hatte ihr diese weggenommen.

Glücklicherweise schien Snape weder eine Entschuldigung noch eine Erklärung zu erwarten.

"Folgen Sie mir", zischte er sie an und drehte sich auf dem Absatz um. Hermine folgte ihm so schnell sie konnte.

Dabei versuchte sie sich den Weg genau einzuprägen.

Ihr letzter Herr hatte sie hart bestraft als sie eine halbe Stunde zu spät zum Essen kam, weil sie das Wohnzimmer nicht gefunden hatte. Für einen Außenstehenden hörte sich das merkwürdig an, aber die großen Herrenhäusen waren nicht nur verwinkelt, sondern oft auch nicht Zaubern belegt.

Snapes Haus war ein riesiges Labyrinth aus dunklen Gängen und Treppenhäusern. Sie konzentrierte sich auf ihren Weg und versuchte, nicht über den Mann, der vor ihr lief, nachzudenken.

Sie gingen aus der Wohnstube und in einen angrenzenden Speisesaal, bogen nach links durch eine Tür und stießen dann auf eine Wendeltreppe. Nach etwa zwanzig Schritten in einem schmalen Durchgang, nahmen sie die kleine Treppe auf der linken Seite - nicht die auf der rechten Seite und kamen zu einer kleinen Sitzecke mit Bücherregalen. Der langen Korridor auf der rechten Seite schien ins nichts führen, aber Snape ging selbstbewusst durch den Wandteppich am Ende und Hermine folgte ihm einfach.

Sie gelangten in ein anderes Wohnzimmer, das mit Porträts von mehreren wachsam schauenden Zauberer und Hexen dekoriert war.

Rund 12 Schritte später blieb Snape vor einer massiven Holztür stehen.

"Das, Miss Granger, ist Ihr Zimmer."

Die Tür öffnete sich und Hermine schaute in einen Raum, der in helles Sonnenlicht getaucht war.

Wie die anderen Zimmer, die sie gesehen hatte, war er geräumig, aber einfach eingerichtet. Es gab ein Bett, einen Tisch und eine Lampe.

Das große Fenster wurde von weißen Vorhängen eingerahmt, darunter stand eine Bank.

Dann gab es noch einen Schrank, einen ovaler Teppich und ein Bett.

Sonst nichts - keine Spiegel oder Blumenvasen, keine Bilderrahmen.

Der dunkle Kreis an der Decke, von wo offensichtlich ein Kronleuchter entfernt worden war, wirkte wie eine leere Augenhöhle.

Hermine sah ein Fenster, das nur durch den Herrn des Hauses geöffnet werden konnte.

Das Zimmer war nach Vorschrift vorbereitet worden - nichts Zerbrechliches, nichts Scharfes, nichts mit dem sie sich umbringen konnte.

Das Ministerium hatte diese Vorschriften nach zahlreichen Selbstmorden im ersten Jahr des Programms eingeführt.

"Es ist ein großes Haus", sagte sie.

"Eigentlich ist das Haus nicht so groß wie es scheint. Es ist verzaubert. Eindringlinge sollen verwirrt werden. Wir sind nicht mehr als ein Flug und zehn Meter von dem Platz entfernt an dem wir begonnen haben."

Sie wandte sich überrascht an Snape.

„Das ist genial."

"In der Tat", er räusperte sich.

„Ihre Kleidung kam heute morgen und hängt im Schrank. Ich lasse Sie jetzt allein."

Snape wandte sich hastig ab und war fast verschwunden, bevor Hermine reagieren konnte.

"Warten Sie, Sir! Darf ich eine Frage stellen?"

Snape drehte sich mit einer hochgezogenen Augenbraue zu ihr um und seufzte.

"Wenn es sein muss, Miss Granger", zischte er.

"Wann werde ich sie treffen ?"

Snape runzelte die Stirn.

"Wen?"

"Ihre Frau."

Snape trat einen Schritt zurück und seine Augen flackerten kurz.

"Es gibt keine Madam Snape. Ich bin nicht verheiratet."

"Sie leben hier allein?"

"Das sind zwei Fragen, Miss Granger, aber ja. Wir beide werden für den Moment die einzigen Bewohner sein."

Hermine wusste, was er meinte - bis ihr zukünftiges Kind geboren wurde. Sie wollte nicht weiter fragen.

Sie fühlte sich plötzlich sehr müde.

"Ich glaube, ich würde mich gern für eine Weile hinlegen."

Snape nickte.

"Wie Sie wünschen."

Er schloss leise die Tür hinter sich.

Durch die Massivholztür hörte Hermine wie er einen Schutzzauber über ihr Zimmer legte.

Sobald sie allein war, setzte sich Hermine auf die Bank vor dem Fenster und starrte auf die schnell untergehende Sonne. Sie hatte keine Ahnung wo sie war, es gab keine Gebäude, nur Felder und Gärten.

Sie nahm an, dass sie sich irgendwo in den Highlands von Schottland aufhielt, aber auch das war natürlich nur eine Vermutung. Es war auch nicht wichtig, denn sie würde nicht von hier wegkommen.

In der Vergangenheit hatte sie mehrfach versucht zu fliehen. Jedesmal wurde sie gefasst und hart bestraft. Ihre Fußsohle waren ein sichtbares Zeichen und sie hatte nicht vor weitere Narben zu bekommen.

Seufzend erhob sie sich und ging zum Bett. Sie zog sich aus, faltete ihre Kleidung ordentlich zusammen und kletterte hinein.

Die Matratze war weich und das seidene Laken duftete leicht nach frischen Äpfeln. Es war nicht so hart wie ihr früheres Bett, dass eher ein Feldbett war.

Das Bett hier war für etwas anderes gedacht. Dennoch schloss sie die Augen, genoß den seltenen Moment der Ruhe und Privatsphäre.

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Sie erwachte plötzlich und sah Snapes finsteres Gesicht vor sich.

„Das Frühstück ist fertig, wenn Sie soweit wären."

Hermine runzelte die Stirn und blickte zum Fenster. Strahlender Sonnenschein.

Sie konnte nicht glauben, dass sie so lange geschlafen hatte.

"Entschuldigen Sie", sagte sie schläfrig.

"Miss Granger, Sie haben haben wie eine Tote geschlafen. Ich war zweimal hier. Wenn jemand durch das Schutzschild gedrungen wäre, hätte man sonst etwas machen können."

"Bei allem Respekt, Sir, niemand würde es wagen Ihre Schutzzauber zu durchbrechen. Und wenn doch, dann nicht ungestraft."

Sie erinnerte sich an so einen Zwischenfall auf Hogwarts und der Schüler hinkte noch zwei Jahre später.

"Leichtsinn, Miss Granger, ist ein Luxus, den sich wenige leisten können und die meisten bezahlen ihn mit ihrem Leben. Sie tun gut daran, sich daran erinnern," erklärte Snape, aber das Grinsen auf seinem Gesicht sagte ihr, dass er sich an den Vorfall erinnerte.

Hermine fiel plötzlich auf, dass sie noch immer in ihrem Nachthemd vor Snape saß.

"Sir, wenn Sie nichts dagegen haben, möchte ich mich gern anziehen."

"Sicher. Ich werde vor der Tür warten."

Snape verließ den Raum mit ein wenig mehr Eile als Hermine für notwendig erachtet hätte.

Sie entdeckte eine kleine Tür in der gegenüberliegenden Seite des Raumes und vermutete dort das Bad.

Es war klein, ohne Spiegel und Badewanne - nur eine Toilette, ein kleines Waschbecken und eine Dusche. Sie schaute diese sehnsüchtig an, ihre Haut juckte. Aber Snape wartete auf sie und er was alles, nur nicht geduldig.

Sie ging schnell auf die Toilette, putzte sich die Zähne, spritzte Wasser ins Gesicht und fuhr mit einer Bürste durch ihr kurz geschnittenem Haar. Zurück in ihrem Zimmer, zog sie ihre verhassten Roben an. Nicht nur, dass der Stoff rau war und ihrer Haut reizte, nein auch die Farbe war an Hässlichkeit nicht zu übertreffen.

Hastig schlüpfte in ihre Schuhe, ebenfalls vom Ministerium gestellt, und ging hinaus in den Flur, um Snape zu treffen.

"Dieses Mal, Miss Granger, werden Sie die Führung übernehmen."

Sie war überzeugt den Weg zurück zu finden. Aber heute morgen schien alles anders zu sein. Wie sie sich auch bewegte, alles was sie sah, war ein unbekannter, scheinbar endloser Korridor.

Verwirrt schaute sie Snape an.

"Dort", sagte er und deutete in die Richtung einer Tür.

Sie ging ein paar Schritte, bevor sie angehielt.

"Diese Tür war in der vergangenen Nacht nicht hier, oder?"

"Nein, das war sie nicht. Gehen Sie hinein."

Hermine gehorchte, in der Erwartung in das Wohnzimmer mit den Porträts gehen, aber sie fand ein fremdes Zimmer - eine Art Speisekammer mit Regalen gesäumt.

Es gab keinen anderen Weg aus dem Raum als den den sie gekommen waren. Sie wandte sich abermals an Snape.

"Das Frühstück wird kalt, Miss Granger."

"Es tut mir leid, Sir, ich weiß nicht, wo ich bin."

Er schien über ihre Aussage einen Moment nachzudenken.

"Vielleicht würde es helfen, wenn ich Ihnen sage, dass sich zwar die Aufteilung des Hauses ändert, seine Struktur aber erhalten bleibt."

Hermine dachte über die neuen Informationen nach.

Sie schloss die Augen und visualisierte den Weg, den sie in der Nacht genommen hatte, konzentrierte sich auf Richtung und Entfernungen und ignorieren alles andere.

Als sie zu einem Ergebnis gekommen war, öffnete sie die Augen und deutete auf die Regale zu ihrer Rechten.

"Das ist die Mauer, durch die wir in der letzten Nacht gegangen sind."

Snape nickte.

Hermine ging darauf zu und war mühelos auf der anderen Seite. Sie landete in einem anderen Gang, diesmal zögerte sie nicht. Sie folgte dem Korridor, zählte ihre Schritte und wandte sich dann nach links.

Plötzlich hielt sie Snape fest.

"Wie viele Schritte waren es in der letzten Nacht?"

"Zwanzig", antwortete Hermine.

„Korrekt."

"Die Treppen ändern ihr Aussehen, aber nicht dem Standort."

Damit hatte sie alle Informationen, die sie brauchte und stand dann endlich wieder in dem Wohnzimmer.

"Das war genial!" rief sie aus.

"Danke, Miss Granger. Zehn Schritte nach rechts und hinter dieser Tür ist die Küche."

Snape war kurz angebunden, aber Hermine hörte keinen Zynismus in seinem Ton.

Die Küche war kleiner, als sie erwartet hatte, aber gemütlich, mit einem runden Tisch und vier Stühlen.

Snape deutete auf einen der Stühle und ging zum Herd, wo er zwei Schalen aus einem Schrank nahm und begann sie mit Brei zu füllen.

Hermine setzte sich, war aber noch zu neugierig auf das Haus um ruhig zu bleiben.

Sie hatte in verwunschenen Häusern gelebt - Grimmauldplatz und Hogwarts mit seinen wechselnden Treppen und geheimen Zimmer - aber sie hatte noch nie ein Haus wie dieses gesehen.

"Aber, Sir, da ist eine Sache, die ich nicht verstehe. Wenn die Zimmer sich ständig ändern, wie kann ich wissen wo ich am Ende ankomme?"

"Es ist einfach, Miss Granger. Nicht alle Zimmer wechseln den Standort oder das Aussehen. Die wichtigsten Räume, diese Küche, Ihr Schlafzimmer und mein Zimmer ändern nie Ort oder Aussehen. Andere Räume, wie meine persönliche Bibliothek, mein Labor und ein paar andere, ändern die Lage, aber nicht Aussehen.

Der Rest der Zimmer dient nur zur Verwirrung, sie haben keinen praktischen Nutzen."

Der Teekessel pfiff und die beiden Hausbewohner begannen mit ihrem Frühstück. Sie aßen schweigend, Snape hielt die Augen fest auf seine Schale gerichtet, während sich Hermine umsah und auch verstohlende Blicke in Snapes Richtung warf.

Sie studierte ihn zum ersten Mal seit ihrer Ankunft. Fast sieben Jahre waren vergangen seit sie ihn zuletzt gesehen hatte, aber er hatte sich nur wenig verändert. Er hatte seine offizielle schwarz-silberne Robe der vergangenen Nacht gegen eine einfache aus schwarzem Leinen getauscht.

Seine Bewegungen waren methodisch, aber elegant.

"Stimmt was nicht mit dem Frühstück, Miss Granger?"

Sie schüttelte den Kopf und senkte ihren Blick.

"Nein, ich bin fertig. Vielen Dank."

"Gut."

"Wir haben ein paar Dinge zu besprechen bevor ich in mein Labor gehe."

Er lies ein offiziell aussehendes Pergament zu sich schweben.

Hermine rutschte unbehaglich auf ihrem Stuhl hin und her.

Dies war der Moment, den sie seit ihrer Ankunft gefürchtet hatte.

Snape entrollte das Pergament.

"Es ist mir aufgefallen, dass Ihre bisherigen Platzierungen durch eine Reihe von unglücklichen Zwischenfällen beeinträchtigt wurden. Also sollten wir über die Regeln dieses Hauses sprechen, so dass es keine bedauerlichen Missverständnissen geben wird."

Sie nickte.

„Es gibt kein Spucken, Treten, Schlagen. Sie werden mein Eigentum respektieren."

Hermine zuckte zusammen, sie war wirklich nicht stolz auf ihr Verhalten.

Abwesend kratzte sie sich.

„Miss Granger, ist es etwas mit Ihrem Arm?"

Hermine schüttelte den Kopf und fing an, den anderen Arm zu kratzen.

"Ist das Kratzen Zeichen eines nervösen Zustand? Weil das vererbt werden kann."

Snape sah Hermine besorgt an.

"Nein, Sir. Der Stoff reizt meine Haut."

Snape legte das Pergament ab und ging um den Tisch.

Er griff nach ihrem Handgelenk und schob den Ärmel ihrer Robe hoch und sah sich die roten Flecken an, die durch das viele Kratzen sehr unschön aussahen.

Seine Hände waren überraschend sanft und warm. Aus unerklärlichen Gründen hatte sie immer vermutet, dass seine Haut kalt sein würde.

"Und niemand hat etwas dagegen getan?", fragte er.

"Der Heiler im Center verschrieb eine Salbe, aber die roch nach Desinfektionsmittel und verbrannten Knochen. Ich habe sie weggeworfen."

"Ein Märtyrerin? Wie inspirierend, dass Sie lieber unter dem Schmerz leiden als dem Gestank."

Hermine hatte nicht gelitten. Während ihrer bisherigen Platzierungen hatte sie wunderbar duftenden Lotionen von ihren Meistern erhalten, natürlich nur im Austausch gegen besondere Gefälligkeiten, wenn die Ehefrauen nicht da waren.

Aber das versuchte sie zu verdrängen.

Es gab eine Menge Dinge in Hermines Vergangenheit über die sie einfach nicht mehr nachdenken wollte. So war es einfacher zu überleben.

Und letzlich wollte sie das – Überleben.

"Unterlassen Sie das. Es ist störend."

Snape ließ ihren Arm los.

"Also weiter mit den Regeln in meinem Haushalt. Sie haben absichtlich kochendes Wasser über Oliver Crispus Schoß gekippt?"

Hermine wurde rot.

„Er hat sich schlecht benommen und seine Frau wollte ihn nicht stoppen", erklärte sie kleinlaut.

"Ich verstehe."

Snape sah sie an.

"Sie werden Ihr Zimmer nicht ohne meine Erlaubnis verlassen. Die Mahlzeiten nehmen wir hier ein. Sie werden nicht herumschnüffeln. Ist das klar?"

"Ja, Sir."

"Sehr gut. Ich habe zu arbeiten. Ich nehme an, Sie finden in ihr Zimmer zurück", sagte Snape als er das Pergament zusammenrollte und in seine Robe steckte.

Hermine zögerte.

"Sir, wir haben nicht über den anderen Teil der Vereinbarung gesprochen."

"Welchen Teil meinen Sie, Miss Granger?"

"Ich gehe davon, dass ich Ihnen ein Kind gebären soll. Meine fruchtbaren Tage beginnen in einer Woche", erklärte sie.

"Ja, natürlich. Sie sind mit dem Prozess vertraut?"

"Ja, aber ..."

"Dann haben wir nichts mehr zu diskutieren."

Snapes Ton ließ keinen Raum für Argumente zu, so nickte sie nur. Sie verließ die Küche und ging in ihr Zimmer.

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