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Das Tal der verlorenen Seelen
Snape war nicht in der Küche als Hermione zum Mittagessen kam, aber es stand eine Platte mit Sandwiches auf dem Tisch. Sie aß allein und kehrte in ihr Zimmer zurück.
Auch am Abend war sie allein, dabei hatte sie gehofft Snape zu begegnen.
Sie hatte den ganzen Tag allein und gelangweilt in ihrem Zimmer verbracht und musste dabei ständig an die vielen Bücher denken, die sie am Tag zuvor gesehen hatte. Sie hatte gehofft, Snape würde ihr vielleicht erlauben etwas zu lesen.
Auf den ersten Blick schien es sich um Bücher zu handeln, die den Dienerinnen veboten waren, aber vielleicht durfte sie eine wissenschaftliche Zeitschrift oder sogar eine Kopie der Witch Weekly lesen. Alles was gegen die Langeweile half, war ihr mehr als willkommen.
Die anderen Häuser waren „lebendiger" gewesen. Sie war die Attraktion gewesen und wie ein exotisches Haustier in den Salons gezeigt worden.
Hier herrschte nur Stille und Einsamkeit und sie fragte sich, wie Snape das verkraftete.
Aber er konnte ja auch das Haus verlassen oder in seinem Labor arbeiten. Wo auch immer sich das befand.
Die Versuchung, die verbotene Gänge erkunden war groß. Aber sie wußte nicht welche Art von "Vorsichtsmaßnahmen" Snape ergriffen hatte, um sein Haus zu schützen.
Inzwischen war es fast Mitternacht und als Snape noch immer nicht aufgetaucht war, entschloss sich Hermine zurück in ihr Zimmer zu gehen.
Nach einer unruhigen Nacht wachte sie früher als sonst auf und nutzte die zusätzliche Zeit um eine lange Dusche zu nehmen.
Als sie aus dem Badezimmer kam, stand auf dem Tisch ein hellgrünes Gefäß. Neben dem Glas lag ein kleines Stück Pergament.
„Reiben Sie damit Ihre Arme ein. Werfen Sie es nicht weg."
Hermione schraubte den Deckel auf und roch daran.
Nicht schlecht, dachte sie. Ein schwacher Hauch von Wacholder.
Sie begann die betroffenen Stellen einzureiben und fühlte sofort wie der Juckreiz nachlies.
Sie kleidete sich schnell an und eilte in die Küche, in der Hoffnung Snape zu treffen und ihm für die Salbe zu danke.
Auf dem Weg hörte sie Stimmen, die aus dem Wohnzimmer kamen. Sie erkannte Snape und auch die andere Stimme war beunruhigend vertraut.
„Severus, mir ist klar, dass Du nicht weißt wie man Frauen behandelt. Und auch Dienerinnen sind Frauen. Man muss sie hegen und pflegen."
"Oh, ich verstehe", sagte Snape. "Sie sind wie zarte Pflanzen."
„Genau."
„Zählst Du Deine Schwäägerin Bella auch zu dieser Spezies?", fragte er sarkastisch.
"Bella ist ... etwas Besonderes", gab Malfoy lachend zu.
Die beiden lachten über Bellatrix ?
Sie musste unbedingt herausbekommen wer der zweite Mann war.
Vielleicht, wenn sie sehen konnte ... Die Tür zum Wohnzimmer war nur angelehnt und Hermione schlich näher heran und schaute vorsichtig hinein.
Sie sah Snape und ihm gegenüber saß Lucius Malfoy. Er hielt eine Teetasse in der Hand und wirkte gelangweilt.
„Warum richtest Du Dich nicht etwas besser ein. Alles ist so … einfach."
Das andere Thema schien beendet.
„Glaub mir, Severus, ich weiß wovon ich rede."
Hermine war sich nicht sicher warum, aber die Überheblichkeit Malfoys ärgerte sie. Sicher ihre Mahlzeiten waren einfach, aber ausreichend. Und obwohl Snape Haus war weit entfernt von den prachtvollen Herrenhäusern in denen sie schon gelebt hatte war, fühlte sie sich sicher.
Lucius stellte die Tasse ab und stand auf. Seine eleganten Roben machten ein leises Geräusch als er auf und ab ging.
"Aber es gibt wichtigere Dinge, die ich mit Dir besprechen muss. Du hast Wishington verängstigt. Der Mann kam ganz aufgeregt in mein Büro."
"Ich habe ihn so behandelt, wie er es verdiente."
Alle Fröhlichkeit war Severus Stimme verschwunden.
Hermine spürte die deutliche Veränderung seiner Stimmung, obwohl sie nicht wußte warum. Malfoy jedenfalls reagierte nicht darauf.
"Er hat mir erzählt, dass Du Deine neuen Dienerin Miss Granger genannt hast. Wenn ich nicht irre, gab es eine Miss Granger auf Hogwarts. Ich hoffe, es handelt sich nicht um die gleiche Person?"
Hermine war gespannt auf Severus Antwort, aber bevor es dazu kam, erschreckte sie eine hohe Stimme.
„Miss, das Frühstück ist fertig."
Hermione drehte sich um und versuchte sich schnell in Sicherheit zu bringen, aber es war zu spät.
Neben ihr stand ein wütender Snape.
"Sie lauschen, Miss Granger? Diese Gewohnheit sollten Sie sich ganz schnell abgewöhnen."
Hermione stotterte.
"Ich war nicht ... Ich habe nicht ... Ich hatte gehofft, ich könnte mit Ihnen sprechen, Sir."
Snapes Augen huschten zu Malfoy, der die Szene einer seltsamen Mischung aus Unterhaltung und Überraschung in seinem Gesicht beobachtete.
"Gehen Sie in die Küche. Ich werde in Kürze bei Ihnen sein," befahl ihr Snape.
Hermione nickte und lief an Snape vorbei.
Der ging zurück is Wohnzimmer und legte eine Schweigezauber über den Raum. Er konnte nur hoffen, dass diese Szene nicht schlimmeres anrichten würde.
Hermine indessen hatte die Küche betreten, die heute morgen ganz anders aussah.
Auf dem Tisch lag ein weißes Leinentuch und in der Mitte stand eine Vase mit Blumen.
Der köstliche Duft von Speck und Marmelade erfüllte die Luft, und die alten Teekessel war durch einen aus Porzellan ersetzt worden. Die größte Veränderung war allerdings die Anwesenheit der Hauselfe. Hermine zuckte zusammen als die winzige Elfe neben ihr erschien.
"Miss wollen Ihr Frühstück ?"
"Ja bitte."
Wenn sie schon bestraft werden würde, dann wenigstens mit vollen Magen. Sie blickte auf ihren Teller und begann ihre Rühreier zu essen und es waren die bei weiten besten, die sie je gegessen hatte.
"Entschuldige, wie ist dein Name?" fragte sie nach dem dritten Bissen.
"Ich Fritzlee, Miss", antwortete die Hauselfe und ein Teeservice schwebte sanft auf den Tisch.
Hermine griff nach der Teekanne.
"Ich wusste nicht, dass Snape Hauselfen hat", kommentierte sie und beobachtete wie sich ihre Tasse mit heißer Flüssigkeit füllte.
"Master Snape hat keine Hauselfen, Miss. Master Malfoy sagt Miss brauchen Betreuung."
Fritzlee Aussage erklärte einen großen Teil des Gespräches, obwohl sie bezweifelte, dass Snape seinem Freund für diese Geste danken würde.
In diesem Moment stürmte ein wütender Zauberer in die Küche.
"Master Snape wollen sein Frühstück ?" fragte Fritzlee hoffnungsvoll.
„Nein, ich habe plötzlich keinen Appetit mehr."
Er fegte um den Tisch herum und stand direkt vor seiner ehemaligen Schülerin.
"Tun Sie das nie wieder", schrie er Hermine an.
"Dann Tee, vielleicht?" versuchte Fritzlee ihn zu unterbrechen.
Snape wollte schon ablehnen, schien es sich aber zu überlegen. "Tee ist in Ordnung ", blaffte er die Haus-Elfe an.
"Sie haben keine Ahnung was Sie angerichtet haben, Miss Granger."
"Zucker?" fragte Fritzlee.
"Nein!"
Snape schlug mit der Hand auf den Tisch. Das Geschirr klapperte und der heiße Tee schwappte über die Tischdecke.
Fritzlee verschwand mit einem lauten Knall und Hermine kämpfte gegen das überwältigende Gefühl der Verlassenheit - sie wusste, dass sie nun ganz allein Snapes Zorn ausgesetzt war.
„Ich wollte nicht lauschen, Sir. Ich wollte mit Ihnen reden,
aber als ich jemanden hörte, wusste ich nicht was ich machen sollte."
Das war nicht einmal gelogen.
"Lügen Sie mich nicht an, Sie undankbares Wesen," schrie Snape.
Sie wollte nicht weinen, dabei würde ihn es nur noch wütender machen.
Aber so sehr sie es auch versuchte, die Tränen kamen.
„Sir, wenn Sie mich nicht ertragen können, warum lassen Sie mich denn nicht gehen?", bot sie leise an.
Snape starrte sie an als wenn sie verrückt geworden war.
„Sie gehen lassen, sagen Sie? Ein faszinierender Vorschlag. Und wohin, bitte, würden Sie gehen?"
„In die Verbannung. Ich habe gehört, was Wishington gesagt hat. Wenn Sie mich zurückschicken, dann werde ich verbannt und Sie sind mich los."
"Wirklich verlockend. Es gibt nur einen Haken an Ihrem außergewöhnlichen Plan."
"Der wäre, Sir?" , fragte Hermine mit leiser Stimme.
Aber sie war nicht sicher, dass sie die Antwort hören wollte.
"Es gibt kein Exil, du dummes Mädchen!"
Snape musste lügen. Sie hatte die Nachricht im Daily Prophet gelesen: Verbannung aus der magischen Welt für alle Unerwünschten. Percy Weasly war als einer der ersten, zusammen mit Colin Creevey. Viele andere waren ihnen gefolgt. Sie mussten doch irgendwo hingegangen sein.
"Ich glaube Ihnen nicht", forderte sie ihn heraus.
"Dann sehe ich nur einen Weg Sie davon zu überzeugen. Fritzlee!"
Die Haus-Elfe erschien.
"Master Snape wollen ...?"
"Miss Granger Umhang, sofort!"
"Ja, Sir."
Hermione versuchte zu sprechen, zu fragen, wohin sie gingen, aber bevor sie irgendwelche Worte zu formulieren konnte, war Fritzlee mit dem Umhang zurück.
Hermine zog ihn mit zitternden Fingern an und folgte Snape nach draußen.
Es war angenehm frisch draußen, aber keinesfalls brauchte sie für diese Temparturen einen Umhang.
Ohne Vorwarnung umfasste sie Snape.
"Bleiben Sie nah bei mir und zappeln Sie nicht", wies er Hermine an.
Im nächsten Moment begann die von ihr verhasste Apparition.
Als sie wieder gelandet waren, war es dunkel. Eisiger Wind peitschte über sie hinweg. Durch den dichten Nebel konnte man nichts sehen.
Snape stand dicht hinter ihr, den Zauberstab in der Hand. Als sich der Wind legte und der Nebel verschwand, sah Hermine dass sie auf einer Klippe standen. Unter ihnen war ein dunkler Wald zu sehen, aus dem ein merkwürdiges Geräusch kam.
Jemand stöhnte, dachte sie voller Angst.
Aber im nächsten Moment sah sie Menschen - Hunderte, vielleicht Tausende von Menschen - ihre zerfetzten Kleidern hingen in Fetzen von ihren abgemagerten Gliedmaßen. Sie schwankten wie im Sturm, rührten sich aber nicht von der Stelle.
Hermine trat einen Schritt zurück und sties mit Snape zusammen.
"Wo sind wir, was ist das ?", fragte sie.
"Das, Miss Granger, ist Ihr Exil - das Tal der verlorenen Seelen."
Sie schüttelte den Kopf und versuchte, den Sinn des grausigen Anblicks zu erfassen.
"Ich verstehe nicht, sind sie ...?"
"Tot? Ihre Körper sind tot und längst verrottet. Das hier sind ihre Seelen. Gefangen für alle Ewigkeit. "
"Alle ? Alle die wegen geringfügiger Delikte ...?" , flüsterte sie.
"Nichts ist geringfügig in den Augen des Dunklen Lord. Denken Sie an die Mauer der Verräter im Ministerium. Das war nur eine Demonstration, ein Schauspiel für die Massen. Hier sehen Sie was die größere Strafe ist."
„Sie wissen davon und haben nichts getan um ihn zu stoppen?"
"Was schlagen Sie vor, einen geharnischten Beschwerdebrief an den Dunklen Lord? Obwohl, Petitionene sind wohl eher Ihr Stil."
Sie konnte nicht glauben, dass man nichts gegen dieses Unrecht tun konnte. Aber je länger sie nachdachte, desto unsicherer wurde sie. Auch ihr fiel nichts ein und was noch schlimmer war, sie könnte einer dieser Seelen sein.
„Warum haben Sie mich gerettet? Ich habe Sie beleidigt und provoziert und trotzdem bin ich am Leben. Warum ?"
"Ich hatte den Eindruck, dass Sie leben wollen. Aber vielleicht habe ich mich geirrt."
Ein Schrei durchdrang die Dunkelheit und Hermine kämpfte gegen den Drang auf die Knie zu fallen. Stattdessen fuhr sie mit der Hand über ihre Wange und wischte die Tränen weg.
"Nein, Sie haben Recht, ich will leben."
Snape trat näher, bis sie seinen Körper fühlte und fragte sie leise:
„Selbst wenn Sie meine Aufmerksamkeiten ertragen müssen?"
Es war eine Ironie des Schicksals, dass alles was Snape ihr antun konnte, nichts im Vergleich zu dem war was sie dort unten sah.
"Ja", antwortete sie schlicht.
"Bitte, ich möchte nach Hause."
In dieser Nacht träumte Hermine von ihren Freunden, ihren offenen Mündern, den stummen Schreien.
Und sie war eine von diesen Seelen.
Eine traurige, aber doch sehr beeindruckende Fanfiction, oder ? Vielleicht habt Ihr Lust zu spekulieren was passieren wird ?
Das nächste Kapitel kommt am Montag oder Dienstag.
