Meine Handwerker kommen erst morgen, deshalb doch schon das neue Kapitel. Die Pause verschiebt sich also.

Alex: Die Kapitel sind im Original so kurz. Das kommt mir auch beim Übersetzen sehr entgegen. Allerdings werden die Kapitel bald länger.

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Das Foto

In ihrer fruchtbaren Periode waren die Dienerinnen per Gesetz gezwungen, vier Nächte mit ihrem Herrn zu verbringen.

Abgesehen von Krankheit gab es keine Ausnahme und so war Hermine mehr als besorgt als Snape in den nächsten Nächten nicht zu ihr kam.

Allerding nicht nur, weil Snape damit das Gesetz brach. Auch ihre persönlichen Gefühle spielten eine Rolle dabei.

War sie erleichert oder vermisste sie Snape ?

Zum Glück waren die Bücher eine gute Ablenkung.

Methodisch begann sie zu lesen, genoss dabei das Gefühl Pergament in der Hand zu halten.

Sie wünschte sich einen Federkiel und natürlich ihren Zauberstab.

Der Wunsch nach letzterem war natürlich sinnlos, aber niemand konnte ihr verbieten zu träumen.

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Nach drei einsamen Tagen begann Hermine sich nach Snapes Gesellschaft zu sehnen.

"Fritzlee, wo ist Snape?" fragte sie zwischen zwei Bissen von gebratenem Rindfleisch und Kartoffelpüree.

"Fritzlee nicht wissen. Master Snape seit zwei Tagen nicht zu Hause gewesen."

"Nicht einmal zum schlafen?"

Die Elfe schüttelte den Kopf.

"Ich nehme an, das ist ungewöhnlich für ihn?", sagte sie.

Fritzlee nickte, ihre großen Augen suchten bei Hermine eine Antwort, die sie beide nicht hatten.

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Nach dem Mittagessen machte sich Hermine auf den Weg zurück in ihr Zimmer.

Seit drei Wochen war sie nun hier, aber das Haus war ihr noch immer fremd. Vielleicht sollte sie die Abwesenheit des Hausherren nutzen und sich damit vertraut zu machen?

Zumindest würde es sie von weiteren Nachdenken über Snapes Motive ablenken (auf der einen Seite wollte er mit ihr ein Kind produzieren, auf der anderen Seite kam er seinen Pflichten nicht war).

Sie musste einsehen, dass sie von ihm und seinem Leben genauso wenig wusste wie zu Hogwarts-Zeiten.

Hatte er Freunde ?

Seine Isolation und sein Misstrauen hatten früher Sinn gemacht, schließlich war er ein Spion – aber heute ?

Diese Antworten würden ihr nicht einfach zufliegen, sie musste sich auf die Suche danach machen.

Beginnend mit dem Haus.

Der Weg zu und von den wenigen Räumen, die Snape ihr gezeigt hatte, war schnell zu ihrer zweiten Natur geworden.

Vielleicht konnte sie den Rest des Hauses in einer ähnlichen Weise kennenlernen ?

In den nächsten 30 Minuten schritt sie verbotene Korridore ab, zählte die Türen, prägte sich die Treppen ein.

Am nächsten Tag hatte sie drei neue Flure erforscht und zwei weitere Räume entdeckt.

Ihre Ausflüge durch das Haus fanden jedoch ein jähes Ende als Snape zum Abendessen erschien.

Als sie die Küche betrat, drehte er sich kurz zu ihr um, sagte aber nichts weiter.

"Guten Abend, Sir."

Hermine nahm ihren Platz wie immer ein, fühlte sich aber zum ersten Mal in seiner Gegenwart befangen.

Auch Fritzlee schien ungewöhnlich ruhig.

"Wie gehen Ihre Studien voran?"

Die Frage überraschte Hermine. Sie hatte nicht erwartet, dass er sich für ihre tägliche Lektüre interessierte.

"Gut, obwohl ich ein paar Fragen habe."

Snape amüsierte ihre Aussage.

"Vielleicht kann ich nach dem Essen bei der Beantwortung helfen."

Es war ein seltsames Angebot, aber Hermine würde den Teufel tun und es ablehnen.

Was auch immer Snape getan hatte, er war ein brillianter Lehrer.

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Vier Tage später war sie davon nicht mehr überzeugt.

Tagsüber las sie und am Abend übte Snape mit ihr.

Er hatte darauf bestanden, dass sie sich besonders auf Verteidigungszauber konzentrierte.

Aber so sehr sich Hermine auch bemühte, Snapes Stimmung wurde immer schlechter und seine verbalen Attacken bösartiger.

In der vierten Nacht nahm er ihr das Buch aus der Hand und warf es gegen die Wand.

Hermine zuckte zusammen, wollte aber nicht klein beigeben.

Sie hatte ihr bestes getan um eine komplexe Reihe von Bewegungen zu zeigen, aber ohne den Einsatz eines Zauberstabes konnte keiner von beiden sagen, ob es richtig war.

"Das ist sinnlos!" brüllte Snape.

"Wissen ist niemals sinnlos", erklärte Hermine.

"Doch, Miss Granger, wenn man es nicht anwenden kann. So elegant Ihre Bewegungen auch sind, so sind sie noch immer ungenau."

Er hielt kurz inne.

"Dann zeigen Sie es mir noch einmal", forderte sie.

Er ging um sie herum. Sein linker Arm schlang sich um ihre Taille, während seine rechte Hand ihr Handgelenk festhielt.

Seine Nähe erschien ihr unangemessen, sie konnte sich nicht daran erinnern, dass er jemals einen Schüler so berührt hatte.

Statt dessen wurde ihr wieder bewußt, dass er der Mann war der sie schwängern würde.

"Stellen Sie sich besser hin. Sie müssen das Gleichgewicht halten können, wenn Sie ein Rückstoß trifft."

Ohne zu widersprechen folgten sie seinen Anweisungen. Zusammen führten sie die Bewegung des Zauberstabs durch. Plötzlich zog sie näher heran und sein Atem ging schneller.

Der Körperkontakt löste in Hermine eine Welle der Leidenschaft aus, besonders als seine Hand langsam über ihre Hüfte glitt und dann auch ihrem Bauch liegenblieb.

Es war eine perverse Sehnsucht, die sie fühlte und die nur er stillen konnte.

"Es ist gegen das Gesetz. Meine fruchtbare Tage sind vorbei", flüsterte sie, nicht sicher, ob sie Snape daran erinnern wollte oder sich selbst.

Er lies sie sofort los und trat einen Schritt zurück.

"Für heute reicht es. Ruhen Sie sich aus."

Hermine nickte.

"Gute Nacht, Sir."

"Gute Nacht, Miss Granger", sagte Snape als er so schnell wie es ging den Raum verlies.

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Am nächsten Morgen erfuhr Hermine von Fritzlee, dass Snape noch in der Nacht das Haus verlassen hatte.

Damit konnte Hermine ihre Erkundungstour fortsetzen.

Anfangs lief alles wie gewohnt. Plötzlich bemerkte Hermine eine leichte Temperaturschwankung.

Es begann mit einer kühlen, sanften Brise.

Dann flimmerte die Luft und ein paar Sekunden später stand Hermine in einem völlig anderen Raum ohne das sie sich einen Schritt bewegt hatte.

Anscheinend hatte sie genau den Augenblick abgepasst, in dem sich die Räumen verschoben.

Hermine drehte sich um und verließ den Raum auf dem gleichen Weg wie sie gekommen war. Als sie wieder in Flur stand, sah sie eine neue Tür. Sehr massiv, mit Schnitzerein.

Sie sah ein Dutzend hölzernen Schlangen die sich durch die Zweige der Bäume schlängelten. Sie alle zischten leise.

Hermine hatte plötzlich Angst, dass sie einen Alarm ausgelöst haben könnte und versuchte deshalb zurückzugehen.

Aber jedesmal wenn sie eine Bewegung machte, wurde das Zischen lauter.

"Fritzlee!" rief sie zaghaft.

Die Hauselfe erschien mit einem lauten Knall.

"Miss?"

Sie keuchte und ihre Augen weiteten sich.

"Miss sollte nicht hier sein!"

"Ich weiß, Fritzlee - ich habe mich verlaufen. Kannst Du mir helfen ?"

Der Schock hatte die Hauselfe sprachlos gemacht.

"Fritzlee, wohin geht die Tür ?" fragte Hermine.

„Das ist Master Snapes Labor. Miss sollte nicht hier sein!"

Sein Labor. Hermine versuchte ihre Freude über diesen „Fund" zu verbergen. Die Hauselfe war schon aufgeregt genug.

"Es ist in Ordnung, Fritzlee, es ist in Ordnung", versuchte sie

die Elfe zu beruhigen.

"Wir können gehen, zeig mir den Weg zurück in mein Zimmer."

Bevor Hermine wusste wie ihr geschah, schnappte sich Fritzlee ihre Hand und apparierte sie beide in Hermines Schlafzimmer.

„Wow."

„Du kannst uns beide apparieren."

Die Hauselfe nickte, sichtlich verwirrt.

Hermine wußte natürlich seit langem, dass Hauselfen apparieren konnten – wie sonst solten sie die Befehle ihrer Herrschaft ausführen, aber das Fritzlee sie beide apparieren konnte, war eine Offenbarung.

Und keinesfalls ein Grund für eine Selbstbestrafung wie Fritzlee vorschlug.

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In den nächsten zwei Tagen unternahm Hermine erfolglose Versuche das Labor wiederzufinden.

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Als Snape wiederauftauchte, hatte er besonders schlechte Laune.

Bevor er sich zu Hermine an den Tisch setzte, warf er ihr Päckchen zu.

"Sie haben Post."

Hermine starrte das Päckchen mit ihrem Namen an.

"Es ist ... Ich verstehe das nicht."

Niemand außer Snape kannte ihren Namen.

Niemand hatte sie seit sieben Jahren damit angeredet.

Dienerinnen per Gesetz ihrer Identität beraubt, im wörtlichen und im übertragenen Sinne. Jede von ihnen war nur noch eine Zahl.

"Es ist ein Paket, Miss Granger. Machen Sie es auf", knurrte ihr ehemaliger Lehrer.

Hermine riss in das Paket auf und ein gerahmtes Foto kam zum Vorschein.

Man sah ein kleines Mädchen, es war etwa ein Jahr alt, ganz in rosa gekleidet mit einer großen Schleife in Haar. Braune Locken umrahmten ihr Gesicht.

Sie blickte zu Snape, der auf seinen Teller starrte.

"Wissen Sie wer das ist?" flüsterte sie schließlich.

"Das ist ein Geschenk von Madam Crispus", sagte er trocken.

Hermines Augen füllten sie mit Tränen.

"Madam Crispus kennt meinen Namen nicht."

Sie umklammerte das Foto und versuchte vergeblich ihre zitternden Hände zu verbergen.

"Mag sein. Aber sie konnte meinem Angebot nicht wiederstehen."

Angebot ? Was für ein Angebot konnte Snape machen?

Die Familie war reich. Vielleicht hatte er etwas gegen sie in der Hand ? Aber warum – warum brach Severus das Gesetz?

"Warum tun Sie das?"

Die Frage schien Snape zu verblüffen.

"Lucius erwähnte, dass Sie ein Kind hätten. Und ich nahm an …"

Er wusste nicht was er sagen sollte.

„Vielleicht war es ein Irrtum und Sie wollen kein Foto von ihr haben?"

Hermine drückte das Foto an ihre Brust und schüttelte den Kopf. Nein, er hatte sich nicht geirrt - er verstand nur nicht wie weh es ihr tat, das Mädchen zu sehen.

Man hatte es ihr gleich nach der Geburt abgenommen und sie zurück ins Center geschickt.

In ihren Träumen hatte sie sich vorgestellt wie sie aussehen könnte und nun hatte sie ein Foto mit ihrem Baby.

Sie wiederholte es in ihren Gedanken: Snape hatte ihr ein Foto geschenkt.

"Im Gegensatz zur allgemeinen Meinung, Miss Granger, bin ich kein Monster", murmelte dieser und wandte sich wieder seinem Essen zu.

Hermine hatte nie gedacht, dass er das war. Böse ja, aber kein Monster.

"Und doch zwingen Sie mich hier zu bleiben und Ihr Kind zubekommen."

Hermine war sich nicht sicher warum sie das gesagt hatte.

Auf jeden Fall war Snapes Reaktion heftig.

Er sprang auf und sein Stuhl fiel laut zu Boden.

Er lief zu ihr und riß sie hoch.

"Machen Sie keinen Fehler, Miss Granger! Nicht ich halte Sie hier fest, es ist das Gesetz. Soweit ich es sehe, habe ich Sie zu nichts gezwungen. Nein, ich habe Ihnen das Leben gerettet. Dafür habe ich einiges auf mich genommen, einschließlich Lucius Hauselfe. Alles nur damit Sie sicher sind. Und das einzige was ich mir wünsche und was ich von Ihnen verlange, ist ein Kind."

Snapes nahm Hermine das gerahmte Foto weg.

„Nein."

Sie versuchte es ihm zu entreißen, aber er war stärker.

„Schauen Sie es sich an", schrie er.

Durch ihre Tränen betrachtete Hermine das glücklich lachende Baby.

"Bitte nicht", bat sie.

Er würde ihr das Bild doch nicht wegnehmen oder was fast schlimmer war, zerstören ?

"Schau sie Dir an und sag mir was Oliver Crispus jemals für Dich getan hat?"

Hermine kämpfte weiter um das Foto und dieses Mal überlies er es ihr.

Hermine wartete keine Sekunde. Sie wich vor ihm zurück und hielt sie auch nicht auf als sie weinend wegrannte.

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Der Wechsel von Sie und Du ist absichtlich erfolgt.