Der lange Weg nach unten (1)
Es geschah schneller als man es erwarten konnte.
Hermine und Snape lagen noch im Bett als eine große, weiße Eule vor dem Schlafzimmerfenster landete.
Ungeduldig pickte sie gegen die Scheibe bis Snape endlich das Fenster öffnete.
Sofort lies sie einen weißen Umschlag fallen, den Snape gleich öffnete.
In der Zwischenzeit war auch Hermine aufgestanden und schaute ihm über die Schulter.
Sie kannte die Handschrift nicht, aber das Papier schien teuer zu sein.
„Malfoy?", fragte sie.
„Ja."
Sie sind unterwegs. Ich habe Vorkehrungen getroffen um Dich in Sicherheit zu bringen.
Ihr kann man nicht mehr helfen. Auch Du nicht, also versuche es gar nicht
Sie hatten kam zu Ende gelesen, da zerfiel das Stück Papier. Zurückblieb etwas Asche.
„Ich verstehe nicht ?"
Er hatte keine Zeit ihr seine Beziehung zu Lucius zu erklären.
„Zieh Dich an."
Er warf ihr ihre Roben zu und zog sich an.
„Du gehst in die Küche und versteckst Dich im Labor."
Sie nickte und folgte Snape durchs Haus.
„Können Sie nichts tun?"
„Ich kann das Haus absichern, aber das Ministerium kann durch die Kamine eindringen."
Inzwischen waren sie in der Gemäldegalerie angelangt und nur noch wenige Schritte von der Küche entfernt als 6 Todesser durch die Kamin eindrangen. Hermine erkannte Yaxley und Macnair, sie waren offensichtlich die Anführer der Gruppe.
„Severus, wir haben den Befehl, Dich und Deine Dienerin ins Ministerium zu bringen."
Für ein paar Momenten standen sie sich schweigend gegenüber. Dann drehte sich Snape um und sagte ganz ruhig.
„Lauf, Hermine. Lauf los."
Die nächsten Momente waren das reinste Chaos. Snape richtete seinen Zauberstab auf die beiden. Grünes Licht blitzte auf und dann noch zwei rote Lichtstreifen. Ein Todesser fiel getroffen zu Boden, ein zweiter schrie vor Schmerz auf.
Hermine wollte in Küche, aber die Tür wurde von einem anderen maskierten Mann blockiert. Als er nach ihr greifen wollte, lief sie in die andere Richtung.
Es war egal wohin, nur weg. Die Todesser schleuderten Flüche in ihre Richtung, die sie aber nicht trafen. Sie fast an der Küchentür angelangt als zwei weitere Todesser genau vor ihr landeten. Plötzlich entstand eine Falltür und die beiden fielen hinein als sie einen Schritt auf Hermine zu machten. Ohne zu zögern lief sie in die Küche und warf sich gegen eine Wand. Sie gab sofort nach und Hermine landete in einem anderen Raum.
Zumindest war sie fürs erste ihren Verfolgern entkommen, aber wo sie sich befand, wusste sie beim besten Willen nicht.
Außerdem machte ihr die Dunkelheit Angst. Sie versuchte ruhig zu werden.
Plötzlich bemerkte sie eine kleine Bewegung, aber bevor sie schreien konnte, legte sich eine Hand auf ihren Mund.
„Ich bin's", flüsterte Snape.
Voller Erleichterung nickte Hermine.
„Ich habe es versucht, aber ich habe mich verlaufen", erklärte sie ihm die Situation.
Snape nahm ihre Hand.
„Hier entlang."
Wie konnte er in diese Dunkelheit den Weg finden, fragte sich Hermine. Trotz seiner Führung lief sie gegen Wände oder stolperte über ihre eigenen Füße.
So kamen sie nicht wirklich voran und Snape flüsterte ein leises Lumos damit sie besser sehen konnte.
Leider war das ein großer Fehler. Bereits nach einigen Schritten flog ein Fluch in ihre Richtung und traf Snape.
„Wir sollen ihn leben fassen", brüllte ein Todesser den anderen an.
Hermine bückte sich und sah nach dem auf dem Boden liegenden Mann.
„Snape, Snape?", fragte sie ängstlich.
Zum Glück schien der nur leicht verletzt und konnte sich noch bewegen.
„Geh." befahl er.
Hermine ignorierte seine Worte. Er hatte offensichtlich seinen Zauberstab verloren und ohne ihn würden sie nicht frei kommen. Sie tastete um sich herum und musste dabei weiteren Angriffen auszuweichen.
„Wir haben sie", rief einer der Angreifer und rannte auf sie zu. In diesem Moment sah Hermine den Zauberstab und griff danach.
„Dissaeptum" rief sie und eine Barriere erschien. Damit hatte sie Snape Zeit verschafft. Er griff nach seinem Zauberstab und Hermine, die noch ganz im Banne dessen stand was sie gerade getan hat.
„Es hat funktioniert, haben Sie es gesehen ?"
„Ja, Miss Granger. Das war eine gute Aktion. Aber wir sollten uns doch nicht länger mit dem Lob aufhalten."
Tatsächlich waren wütende Stimmen zu hören, denn die Barriere schien noch immer zu halten. So kamen sie endlich sicher ins Labor und Snape begann sofort damit mehrere Schutzschilder zu errichten.
Erst dann sank er zu Boden und gab Hermine die Möglichkeit sich seine Verletzungen anzusehen, die viel schlimmer waren als sie gedacht hatte.
Seine Robe war aufgerissen und Blut lief an seinem Arm entlang. Wie auch an seiner linken Wange. Außerdem hinkte er leicht.
„Sie sind verletzt, Sir. Lassen Sie mich nachsehen."
Er wehrte sie ab.
„Dafür haben wir jetzt keine Zeit. Ich muss Sie in Sicherheit bringen."
Er ging zum Kamin und nahm Flohpulver aus der Holzkiste.
„Kommen Sie."
Bevor sie fragen konnte, nahm er ihre Hand, warf das Pulver in den Kamin und sie verschwanden in den grünen Flammen.
Sie landeten in einem schmutzigen Platz, aber nur für ein paar Sekunden. Snape beförderte sie von einem Ort zum anderen und Hermine war kurz davor das Bewusstsein zu verlieren, als er sie schließlich umfasste und an ihr endgütiges Ziel apparierte.
Dort atmete Hermine tief durch und lies sich fallen. Alles drehte sich.
Beide ruhten sich eine Weile aus bis Hermine endlich soweit war und sich umsehen konnte.
Sie standen auf einem Berg, keine Häuser weit und breit. Es lag Schnee und alles wäre ganz romantisch, wenn sie nicht auf der Flucht gewesen wären.
„Wo sind wir?"
„In Rumänien", antwortete Snape als wäre es das normalste der Welt.
„Kommen Sie, Miss Granger. Wir müssen los."
„Aber Sie sind verletzt", wandte sie ein.
Er hörte gar nicht zu.
„Es ist nicht mehr lange hell und es wird bald noch kälter werden. Leider können wir keine Magie benutzen."
Ohne auf Hermine zu warten ging er los.
Kopfschüttend folgte sie ihm.
Stundenlang liefen sie durch die Berglandschaft, meist hintereinander, manchmal nebeneinander. Immer schweigend.
Die Kälte machte sich bemerkbar, ausserdem hatte sie Hunger.
„Können wir uns einen Moment ausruhen?"
Snape setzte sich auf einen Stein und sah sich um.
„Wir sind bald da."
Was Snape unter „bald" verstand fragte sich Hermine viel, viel später. Zumindest lief Snape etwas langsamer, was wahrscheinlich an seinen Verletzungen lag.
Plötzlich blieb er stehen und zog seinen Zauberstab.
Er murmelte ein paar Worte und vor ihnen erschien der Eingang einer Höhe.
Sein Zauberstab sprühte ein paar Sterne und er atmete erleichtert aus.
„Kommen Sie. Ich habe die Schutzschilder deaktiviert damit wir hineinkommen."
„Hier gibt es Schutzschilder?", fragte sie erstaunt.
„Natürlich. Ich habe versprochen Sie in Sicherheit zu bringen. Und der Platz ist nur sicher, wenn ihn nicht jeder einfach betreten kann."
Er hatte keine Geduld mehr. Es war doch klar, dachte er als er die Höhe betrat.
„Lumos."
Mit Hilfe des kleinen Lichtes fanden die beiden den Weg durch die Höhle. Nach einer Weile sah Hermine etwas schimmern und sie fragte sich, ob das eine optische Täuschung war.
Aber nein, sie hatten das Ende der Höhle erreicht und schauten auf eine kleine Stadt, die sich ins Tal schmiegte.
„Ist das wirklich eine Stadt?"
„Ja, Miss Granger. Die Stadt der Hoffnung, die Stadt des Widerstandes."
Des Widerstandes.
Hermine lief zu Snape, wollte ihn umarmen, küssen was auch immer tun, weil sie so glücklich war.
Nur sein ernster Gesichtsausdruck hielt sie davon ab.
Sollte er sich nicht auch freuen ?
„Was ist?"
„Miss Granger", begann er mit leiser Stimme.
„Ich …. was immer sie immer sagen, ich wollte Ihnen niemals weh tun."
„Natürlich nicht. Sie haben mein Leben gerettet. Sie haben mich hierher gebracht. Sie arbeiteten gegen Voldemort. Wer sollte Ihnen einen Vorwurf machen?"
Snape sah sie endlich wieder an.
„Das ist nicht so einfach."
Hermine wusste nicht was er meinte. Aber im Moment war es auch egal. Sie war so froh und glücklich, da war kein Platz für andere Gedanken.
Plötzlich tauchte ein Junge mit einer Laterne vor ihnen auf.
Er trug einen Fellmantel und hielt den Zauberstab auf sie gerichtet.
„Snape. Wir haben nicht mit Ihnen gerechnet."
„Gavril. Das ist Miss Granger."
Der Junge nickte ihr nur kurz zu und wandte sich dann wieder an Snape.
„Sie sind verletzt. Was ist passiert ? Wo ist Ihr Besen ? Hat der Kampf begonnen?"
Der ältere Zauberer nahm dem Jungen seine Fragen nicht übel.
„Ja, ich bin verletzt. Aber es sieht schlimmer aus als es ist. Ich kann laufen. Und ja, es waren Todesser. Mein Haus wurde angegriffen, aber der Kampf hat noch nicht begonnen."
Der Junge beachtete Snapes Proteste nicht. Er stützte ihn und gemeinsam näherte sich die kleine Gruppe der Stadt. Allerdings ging es Hermine diesmal viel zu langsam.
Endlich erreichten sie das erste Haus und er Junge öffnete, ohne zu klopfen, die Tür. Offensichtlich wohnte er hier.
Hermine war gerade dabei sich umzusehen, da wurde sie von jemanden in den Arm genommen.
„Hermine, ich bin so froh Dich zu sehen."
Sie machte sich los um zu sehen wer sich so freute.
„Professor Lupin", rief sie aus und diesmal war sie es die ihn umarmte.
„Ich bin schon lange kein Professor mehr", erwiderte dieser mit tränenerstickter Stimme.
„Einfach Remus."
Gavril kam zurück und zog eine kleine Frau hinter sich her.
„Siehst du. Ich habe recht."
Die Frau nickte.
„Hermine, das ist Veera. Du hast ja ihren Sohn bereits kennengelernt. Veera, das ist Hermine. Ich habe Dir schon von ihr erzählt", stellte Remus fest.
Man merkte ihm an, dass er die Frau mochte.
Veera reichte Hermine die Hand und suchte Snape. Der stand noch immer in der Tür und sagte kein Wort.
„Kommt, Euch ist sicher kalt und bestimmt habt Ihr Hunger. Außerdem kann ich mich um Deine Verletzung kümmern", sagte sie zu Snape. Der folgte der Frau ohne zu widersprechen.
Gemeinsam gingen sie in die Küche und Hermine setzte sich auf den Stuhl, den ihr Remus zu schon. Gavril setzte einen Kessel Tee auf und Veera begann damit Severus zu untersuchen.
Sie blickte sorgenvoll auf dessen Verletzungen.
„Es sieht nicht gut aus. Ein paar Schnitte kann ich verschließen, aber Du solltest in die Klinik gehen."
„Nein, das ist nicht nötig. Bitte mach was Du kannst. Ich kümmere mich um den Rest", erwiderte Snape.
„Aber Ihr Bein", warf Hermine ein, die bemerkte das Remus und Snape kein Wort gewechselt hatten.
Veera sah Remus fragend an.
„Könnten sie ..."
Remus nickte.
„Sie können bei uns schlafen. Hermine, Du kannst Gavrils Zimmer nehmen. Severus unser Schlafzimmer. Veera und ich kampieren im Wohnzimmer."
Hermine schaute zu Gavril, der begeistert war, sein Zimmer zu teilen. Bevor Snape etwas sagen konnte, entschied sie für ihn.
„Das ist nicht nötig. Ich schlafe bei Snape."
Remus blickte sie erstaunt an, sagte aber nichts.
Veera führte Snape in das Schlafzimmer.
„Wie lange gibt es diese Stadt?"
Gavril, Hermine und Remus setzten sich an den Küchentisch und nippten an dem heißen Tee.
„Seit Kriegsende. Charlie Weasley hatte den Platz noch zu Dumbledores Zeiten entdeckt und begonnen ihn als sicheren Ort auszubauen. Als Voldemorts Sieg abzusehen war, flüchtete eine kleine Gruppe hierher. Seitdem wird die Stadt immer größer."
Sieben Jahre lang gab es diese Stadt. Sieben Jahre lang existierte dieser sichere Platz und niemand hat sich die Mühe gemacht sie zu suchen und zu retten.
Wie es schien, hatte Remus ihre Gedanken erraten.
„Es ist nicht so einfach Hermine. Dienerinnen haben keinen Namen, keine Identität. Nur Nummern und wir haben oft nur zufällig erfahren welche Hexen wo platziert wurden. Erst vor kurzer Zeit haben wir den Zauber des Ministeriums geknackt mit dem das Ministerium die Dienerinnen belegt hatte."
Hermine verstand, so war es möglich gewesen die flüchtenden Hexen zu finden und zu bestrafen.
In der Zwischenzeit war die Suppe fertig und Gavril hatte Hermine den Teller hingestellt.
„Danke. Ich verhungere."
„Veera ist eine gute Köchin."
„Was ist mit Snape ? Er ist sicher auch hungrig."
Gavril sprang sofort auf.
„Ich bringe ihm etwas."
Remus sah dem Jungen stolz hinterher.
„Ist er Dein Sohn?"
Remus schüttelte den Kopf.
„Nicht biologisch. Veeras Ehemann ist vor einiger Zeit gestorben."
Hermine nickte nur und saß weiter. Sie wollte die Gastfreundschaft der beiden nicht zu sehr strapazieren. Schnell war der Teller leer und sie stand auf. Jetzt konnte sie nach Snape schauen.
Aber Remus legte seine Hand auf ihre Schulter und hielt sie so zurück.
„Ich bin froh, dass Du hier bist. Es tut mir leid, dass wir nicht anderes machen konnte als zu hoffen, dass Snape auf Dich achtet und Du sicher bist."
„Das hat er getan."
Remus nahm seine Hand nicht weg.
„Hermine, hier gibt es viele die sich Sorgen gemacht haben. Alle wollen helfen, vergiss das nicht. Du kannst gern bei Veera und mir wohnen."
Sie lies sich nicht anmerken was sie von seinem Angebot hielt.
„Ich freue mich hier zu sein und mir geht es wirklich gut. Du musst Dir wirklich keine Sorgen machen. Und vielen Dank für das Angebot hier zu bleiben."
Remus entspannte sich ein wenig.
„Ich wollte Dir nur sagen, dass wir froh sind Dich endlich hier zu haben."
Es war ein Leuchten in seinen Augen, dass die junge Hexe neugierig machte.
„Darf ich fragen wen Du meinst?"
„Soll das heißen, dass er Dir nichts gesagt hat?"
„Was gesagt?", fragte Hermine ungeduldig.
„Das Harry und Ginny hier leben."
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Ich konnte diesem Cliffhanger nicht widerstehen.
Habt Ihr damit gerechnet ?
