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Die Wahrheit des Herzens (2)
Seit zwei Tagen hatte Hermine ihren neuen Zauberstab und in den zwei Tagen hatte sie nichts anderes getan als zu üben.
Ginny war eine strenge Lehrerin. Sie hatte sie nicht nur einmal fast zur Verzweiflung getrieben.
Aber sie hatte so viel mehr gelernt als auf Hogwarts und ihr war klar, dass man von ihr nicht mehr verlangte als den anderen. Sie musste bereit zum Kampf gegen Voldemort sein, Punkt.
Was ihr noch immer große Schwierigkeiten machte, war der Patronus. Egal wie sehr sie es versuchte, aber Hermine hatte einfach keine glückliche Erinnerung entstehen lassen können. Das beste was sie hervorbrachte war ein silberfarbenes Etwas, dass sich sofort wieder auflöste.
Langsam ging die Sonne unter und Hermine steckte ihren Zauberstab in den Ärmel ihrer Robe.
„Ich denke, dass wir für heute aufhören sollten."
Ginny sah das ganz anders.
„Die Sonne geht erst in einer halben Stunden unter. Bis dahin sollten wir unbedingt üben."
Hermine wusste, dass Ginny recht hatte. Aber sie vermisste Snape. So einfach war das. Sie sahen sich viel zu selten. Auf der einen Seite stand ihr Training, dann musste Snape Tränke für den zukünftigen Kampf brauen und zu guter letzt verlangten Remus und Kingsley seine Anwesenheit bei irgendwelchen Meetings.
Und morgen würde er sich mit Draco treffen.
Nein, der heutige Abend würde nur ihnen gehören.
„Ich musst das Essen vorbereiten", erklärte sie Ginny.
Deren Lächeln verschwand.
„Du willst zu ihm?"
„Ihm?", stellte sich Hermine dumm.
„Snape. Die Leute reden über Euch."
Hermine begann zu laufen. Sie wollte nichts davon hören, aber Ginny folgte ihr.
„Worüber reden sie?", fragte sie nach ein paar Minuten.
„Über Dich und Snape. Darüber, dass Ihr zusammenlebt, obwohl Du andere Angebote bekommen hast. Darüber, dass du das Thema wechselst, wenn wir Dich über Eure gemeinsame Zeit fragen."
„Ich will niemanden zur Last fallen. Die Hütte war leer und wir sind die letzten Ankömmlinge hier. Also ist es doch logisch, dass wir dort wohnen."
„Du hast ihn geküsst."
Hermine sah, dass sich ihrer Freundin wirklich Sorgen um sie machte. Es war ja nur eine Frage der Zeit bis man alles sah, dachte sie schließlich.
„Ich bin schwanger und Snape ist der Vater."
Ginny wurde blass.
„Verdammt. Hat er dich gezwungen?"
„Nein. Es ist kompliziert. Er hat mich gut behandelt, sein Leben für mich eingesetzt."
„Bist du in ihn verliebt?"
Die Frage kostete Ginny viel Überwindung. Sie konnte sich nicht vorstellen, dass jemand Snape auf dieser Basis begegnen konnte.
Hermine seufzte.
„Ich weiß es nicht. Es ist so schnell passiert. Aber du musst Dir keine Sorgen machen. Snape würde mir nie etwas tun."
Ginny hatte da eine andere Meinung.
„Er ist ein Spion. Lügen ist für ihn ganz normal. Bist Du sicher, dass er Dich nicht verzaubert hast um mit dir zu schlafen?"
„Vielleicht beim ersten Mal. Aber danach wollte ich es. Ich wollte ihn."
Bevor sie das Gespräch fortsetzen konnten, sah Hermine Harry auf sie zukommen.
„Wir reden später darüber. Bitte Ginny."
Diese nickte und die beiden Mädchen gingen Harry entgegen.
„Hallo, ihr beiden. Wie läuft es? Ginny kann manchmal sehr streng sein."
Die so angesprochene gab ihm eine Kopfnuss.
„Hey."
Für einen Moment war es wie auf Hogwarts.
„Ginny, Deine Mutter schickt mich. Du drückst Dich vor der Hausarbeit. Also komm, sonst reißt mir Molly den Kopf ab."
Die beiden stampften durch den Schnee zu ihrem Haus, Hermine machte sich zu ihrer Hütte auf.
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Hermine sah zu wie sich Snape anzog. Sie hatten sich am frühen Morgen in ihrem Bett geliebt und noch einmal als Snape ins Badezimmer ging und sich für sein Treffen mit Draco bereitmachte.
Sie wollte ihn einfach nicht gehen lassen.
Ihr Herz wurde schwer bei dem Gedanken an einen Abschied.
„Ich habe kein gutes Gefühl."
„Ich bin bald wieder da und bis zur meiner Rückkehr wird Dir nichts passieren. Wie läuft der Unterricht mit Miss Weasley ?"
Beide wussten, dass die Frage nur eine Ablenkung sein sollte.
„Ich kann noch immer keinen Patronus entstehen lassen."
Er sah sie ernst an, sagte aber nichts.
Wie konnte sie ihm begreiflich machen, dass sie keine Angst um sich selbst hatte. Würde er verstehen, dass sie den Gedanken nicht ertragen konnte ihn nie wieder zu sehen. Verstand sie es denn selbst ?
„Bitte geh nicht allein. Frag Harry, ob er mit kommt."
„Nach Malfoy Manor? Bist Du verrückt ? All denken, dass er tot ist."
„Dann frag Remus."
Er schüttelte den Kopf.
„Das geht nicht. Er hat wichtige Aufgaben im Ministerium zu erledigen. Wir brauchen ihn dort."
„Bitte geh nicht allein."
„Hermine, wenn Draco jemanden sieht, dann wird er sofort verschwinden. Er vertraut niemanden."
Sie wollte ihm gerade erklären, dass auch er Draco nicht vertrauen konnte, dann hörten sie beide einen lauten Knall.
Sofort griffen sie nach ihren Zauberstäben.
Bevor sie dem Geräusch auf den Grund gehen konnten, hörten sie Harrys wütende Stimme.
„Snape. Wo sind Sie?"
Sekundenspäter standen sich Snape und Harry wütend im Wohnzimmer gegenüber.
Hermine zog sich schnell etwas über und folgte Snape.
„Hurensohn. Ich habe Ihnen vertraut. Sie sollten Sie beschützen", schrie Harry wütend.
„Ihr wusstet nicht einmal wo sie war. Ich habe sie gefunden."
„Sie haben sie nur zu uns bringen sollen. Statt dessen – Sie haben sie verführt."
„Hört auf!", rief Hermine dazwischen, aber die beiden achteten nicht auf sie.
Harry stand vor Snape und war kurz davor ihn anzugreifen. Sie stellte sich zwischen die beiden, war aber froh als Ginny und Remus kamen und sich zu ihr stellten.
„Harry. Hör auf."
Ginny versuchte zu ihm durchzudringen.
„Niemanden geht die Beziehung zwischen Miss Granger und mir an."
Harry hatte seinen Zauberstab inzwischen unbewusst auf Hermine gerichtet.
„Ginny, hat mir gesagt, dass Du schwanger bist."
Hermine sah Ginny an.
„Du hast es ihn gesagt?"
„Ich hatte Angst um Dich. Er hat sich gewundert warum Du nicht bei uns wohnst. Das mit Snape und Dir – das ist doch nicht richtig. Er sollte Dich beschützen."
„Aber das hat er getan", versuchte Hermine Snape zu verteidigen.
Harry konnte und wollte das nicht glauben.
„Hat er Dich bedroht ? Dich erpresst ?"
„Nein."
„Dann hat er Dich verzaubert? Oder Dir einen Trank gegeben ?"
Obwohl Harrys Anschuldigungen unglaublich erschienen, konnte Hermine die Neugier in den Gesichtern der anderen sehen.
„Das geht Sie nichts an, Potter."
„Genug."
Hermine stellte sich vor Snape.
„Harry, ich verstehe Deine Besorgnis. Aber meine Schwangerschaft geht Dich nichts an. Niemanden, um genau zu sein. Das betrifft nur mich und Snape."
„Harry, du hast gehört was Hermine gesagt hat", tönte plötzlich Mollys Stimme von der Tür.
„Alle legen jetzt sofort ihre Zauberstäbe zur Seite. Alle."
Zum Glück konnte sich Molly noch immer Respekt verschaffen und alle hörten auf sie. Als die Zauberstäbe verschwunden waren, ging sie zu Harry und nahm ihn zur Seite.
„Komm. Wir haben noch etwas zu tun. Nicht war, Remus?"
Dieser verstand sofort.
„Natürlich."
Gemeinsam führten sie Harry zur Tür.
Aber bevor er das Haus verlies, drehte sich Harry noch einmal um.
„Das hier ist noch nicht vorbei. Sie werden dafür bezahlen, Snape."
Dann zerrte ihn Remus endgültig weg.
Hermine wollte gerade tief durchatmen, dann zog Snape sie zur Seite.
„Stell Dich nie wieder vor mich, wenn ein Zauberstab auf mich gerichtet ist."
„Unsinn, Harry hätte mir nie etwas getan."
„Vielleicht nicht. Aber er hatte sich nicht mehr unter Kontrolle. Da kann alles passieren."
„Ich kann gut auf mich aufpassen", erwiderte Hermine.
„Du verstehst das nicht. Ich hatte Angst um Dich und vielleicht hat er ja recht."
Snapes Atem ging schneller als sonst. Diese Situation – er hatte das Gefühl alles musste heraus.
„Ich habe wirklich getan was ich konnte. Ich habe Dich beobachtet, meine Kontakte im Ministerium haben mich immer informiert. Ich habe versucht Dich in guten Häusern zu platzieren, 5 Jahre lange habe ich das getan. Und trotzdem solltest du verbannt werden."
Er stoppte und Hermine wusste, dass er das alles eigentlich nicht sagen wollte.
„Und dann? Was hast Du dann getan?", fragte Hermine mit brüchiger Stimme.
„Ich bin zum Ministerium gegangen und habe Lucius um eine Dienerin gebeten", erwiderte er leise.
„Du hast Lucius gefragt ? Nach mir?"
„Nicht direkt. Er hat Dich angeboten. Aber ich hätte ihn auch gefragt."
Sie war verwirrt.
„Aber als ich ankam, wolltest Du mich nicht?"
„Ich musste meine Rolle spielen."
Er sah sie genau an. Er wollte, nein er musste wissen wie sie auf seine Enthüllung reagierte.
Ginny hatte Recht. Er war ein Spion, er hatte sie beobachtet, gewartet und erlegt als sie schwach war.
Ihre Augen füllten sich mit Tränen.
„Die ganzen Jahre … warum hast du mich nicht kontaktiert?"
Es war schwer diese Frage zu stellen.
„Wir konnten Dich nicht retten und hielten es deshalb für besser nichts zu sagen."
Er räusperte sich.
„Und Du warst zwei Jahre lang in den Lagern. Wir wussten nicht, ob wir Dir noch trauen konnten."
Sicher konnte Hermine das verstehen, aber zu wissen, dass ihre Freunde sie nicht befreiten, dass war wie ein Stoß mitten ins Herz.
„Aber für Dich war ich gut genug."
"Nein, bitte. So habe ich das nicht sagen wollen."
Aber Hermine hielt es nicht mehr aus. Sie wollte nicht, dass er sie weinen sah. Also rannte sie ins Schlafzimmer und schloss sich ein.
Später, als alle gegangen waren, fiel ihr ein, dass sie sich nicht von Snape verabschiedet hatte.
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Sie begann sich Sorgen zu machen als Snape am nächsten Morgen nicht zurück war. Solange sollte das Treffen mit Draco nicht dauern.
Schließlich hielt sie es nicht mehr aus und lief zu der Lichtung auf der Ginny und sie geübt hatten.
Sie setzte sich auf einen Stein und dachte über alles nach. Sie war wütend auf Snape, weil er ihr nicht die Wahrheit gesagt hatte und wütend, weil sie ihm nicht vergeben konnte.
Plötzlich setzte sich jemand neben sie. Remus.
„Ich glaube wir müssen miteinander reden."
„Über ihn?"
Remus verneinte.
„Über Veera."
„Ist alles in Ordnung?"
„Sie ist nicht in Gefahr, wenn Du das meinst. Aber alles in Ordnung ist sicher die falsche Beschreibung."
„Was meinst du?"
„Nachdem Tonks gestorben war und wir den Krieg verloren hatte, habe ich nicht gewusst was ich machen sollte. Meinst war ich im Ministerium oder bei Fenir."
„Du warst ein Spion."
„Sicher. Aber ich habe auch Dinge getan ..."
Er holte tief Luft.
„Eines Tages kamen wir zu einer kleinen Hütte. Fenir ermordete den Mann, nahm die Frau und deren Sohn mit. Und er biss sie."
„Veera und Gavril?", fragte Hermine, die die Antwort schon kannte.
Remus nickte.
"Veera war Fenrir's Sklavin; Gavril musste zuschauen wie seine Mutter missbraucht wurde. Ich weiß nicht, ob er sich daran erinnert. Er war damals noch sehr klein."
"Aber Du hast doch nicht mitgemacht."
"Nein. Aber sie gefiel mir und ich wollte sie. Nur nicht um jeden Preis."
"Einen Monat später habe ich Fenir bei einem Kampf das Leben gerettet und er hat mir einen Wunsch erfüllt. Er gab mir Veera."
„Du hast sie gerettet?"
„Habe ich das? Mancher sagt, dass sie jetzt meine Sklavin ist. Hier in der Stadt kann sie tun was sie möchte, aber für Fenir und den Dunklen Lord ist sie meine Sklavin. Sie gehört mir, mit Haut und Haaren."
„Aber Du würdest ...?"
„Mit ihr schlafen? Ich bin kein Heiliger."
Hermine wurde rot.
„Ich wollte sagen – ihr weh tun."
Remus schaute sie verstehend an.
„Nein. Sie ist meine Familie. Ich werde sie und Gavril mit meinem Leben beschützen."
„Sie scheint glücklich zu sein."
Er zuckte mit den Schultern.
„Wir sind beide zufrieden mit unserem Leben und unserer Liebe."
„Liebe?"
Remus lächelte.
„Ja, unsere Geschichte ist eine Liebesgeschichte. Und wie alle Liebesgeschichte, ist es nicht wichtig wie sie angefangen hat, wichtig ist das Ende."
Er stand auf und ging ein paar Schritte, dann drehte er sich kurz um.
„Manchmal muss man verzeihen können."
„Remus", rief ihm Hermine hinterher.
Der Werwolf blieb stehen.
„Veera geht es gut. Sie hat dich."
Sein Lächeln zeigte ihr, dass sie das Richtige gesagt hatte.
Plötzlich veränderte sich sein Blick.
Etwas lief in ihre Richtung.
„Was ist das?", fragte Hermine.
„Ein Patronus."
Tatsächlich, ein silberfarbener Fuchs stoppte vor ihnen.
„Aber wessen ?"
„Ich weiß nicht."
Der Fuchs sah Remus an und die beiden vernahmen Snapes atemlose Stimme.
„Die Anhänger des Dunklen Lords haben mich umkreist. In zwei Tagen ist ein Staatsstreich geplant.
Bitte achtet auf Hermine."
Dann verschwand der Fuchs.
Sie liefen ihm hinterher, vergeblich.
Remus holte seinen Zauberstab heraus und lies drei große rote Feuerbälle erstehen. Sie schwebten in Richtung der Stadt und waren das Zeichen für die Einwohner, dass der Kampf kurz bevor stand.
tbc
