Annuket:
Da sind wir wieder mit dem nächsten Kapitel… Und das hier ist
zumindest in meinen Augen wesentlich besser als das letzte. Magician
ist zum Glück wieder gesund, auch wenn sie dauernd beschäftigt
ist. Nun zu den Review-Antworten: Danke, dass du was geschrieben
hast, Dax. Ich hoffe, das Kapitel gefällt auch dir besser als
das letzte…
An
Heavenfly: Die drei werden relativ neutral bleiben… Sie werden zwar
bei der DA mitmachen und dementsprechend mit Harry zu tun haben, aber
Draco wird sich ihnen gegenüber doch relativ zivilisiert
benehmen… denke ich… Ich weiß noch nicht, ob sie den
Hauspokal gewinnen werden, eigentlich habe ich es nicht geplant -weil
das Haus nach ihrem Jahr sowieso wieder versiegelt werden wird- aber
sie werden nicht gerade wenig Punkte haben. Erstens bekommen sie
viele und zweitens haben sie nicht andere Schüler in ihrem Haus,
die dafür sorgen, dass ihnen Punkte abgezogen werden.
‚hust-wie-Harry-und-Zwillinge-hust' Übrigens habe ich jetzt
endlich Kapitel 13 beenden können und ich sag nur, dein Wunsch
wird in Erfüllung gehen…
Magician
‚murmel': Mir graut's schon vor der Korrektur... ‚Annuket
anguck' Muss ich das wirklich korrigieren?
Annuket:
Nun stell dich nicht so an. Vielleicht spornt das Heavenfly an,
möglichst bald ihr neues Kapitel zu schreiben...
Magician:
Stimmt auch wieder. Na gut, ich geb mir Mühe. Und vielen Dank
für deine Aufmunterung, Heavenfly. Ich hab mich gleich besser
gefühlt. Und Tee und Schokolade war auch genau das Richtige.
Vielen, vielen Dank.
Annuket:
Und auch dir danke, Claudia, für die Review. Da ich allerdings
nur am Mittwoch bei Magician war, hätte ich sie höchstens
da pflegen können. Danach habe ich sie in Ruhe gelassen, damit
sie sich ausruhen konnte. Am Montag, als wir uns wiedergesehen haben,
ging es ihr zum Glück schon wieder ziemlich gut.
Magician:
Na ja, sonst wär ich auch nicht zur Uni gekommen. Aber
eigentlich ist das ja egal, wir sollten mit dem Kapitel anfangen,
oder?
Annuket:
Ja, wenn du mich bitte entschuldigst... ‚nimmt sich Kamera und
flüchtet aus Smaragd'
Magician:
...?
Annuket
‚schaut sich um': Gut, heute wird mir niemand den Disclaimer
wegnehmen. ‚grins'
((Barnabas
und die Trolle unterbrechen ihre Tätigkeiten, bemerken Kamera,
posieren und versuchen, im Bild aufzufallen))
Annuket
‚sieht die Bewegungen auf dem Wandteppich': Was macht ihr denn
da?
Barnabas:
Wir wollen ins Fernsehen. Das ist unsere Chance...
Annuket:
Ok, aber es geht hier nicht um euch. Ich will nur in Ruhe den
Disclaimer machen.
Barnabas:
Sieh mal, da draußen ist ein Einhorn!
Annuket
‚läuft zum Fenster': Wo?
Barnabas:
Annuket gehört weder Yugioh noch Harry Potter. Und auch dieses
wunderschöne Trollballett gehört ihr nicht.
Annuket
‚hat Disclaimer mitbekommen': Das ist ja so fies... ‚läuft
ohne Kamera weg, um sich bei Magician auszuweinen'
Barnabas:
Meine Damen und Herren, ich darf ihnen mit Stolz die erste Aufführung
dieser Weltsensation präsentieren. ‚flüstert' Los,
Jungs, auf die Positionen...
((Trolle
gehen auf Position und beginnen, nicht sehr elegant zu tanzen))
Barnabas
‚zischt': Hey, Kondel, du musst deine Beine höher
schwingen... Jiba, du musst die Arme zu einem wunderschönen ‚O'
formen...
((Trolle
werden wütend durch die ganze Kritik und verprügeln trotz
Kamera wieder Barnabas. Kamera geht aus...))
((...))
Anmerkungen Annukets oder Magicians
Gedankenverbindung/.../ Yami; /-/.../-/Yugi; /'/.../'/ Kaiba
„..."
Gespräch
‚...'
Gedanken, Schrift lesen bzw. in Gespräch wörtliche Rede
wiedergeben
Tierstimmen:...: Benu (Yamis Phönix, heiliges Tier des Re); :-:...:-: Miut
(Yugis Katze, heiliges Tier der Bastet); :':...:': Scha (Kaibas
Hund, heiliges Tier des Seth); --:…:-- Chetmety (Baku-Ras Schlange,
heiliges Tier des Apopis); :--…--: Trevor (Nevilles Kröte,
heiliges Tier von Hu und Hauhet)
Dieser Tag ist aus Harrys Sicht ist beschrieben in ‚ Harry Potter und der Orden des Phönix' S. 316-318.
Kapitel 9: Mittwoch
Am nächsten Morgen stürzte bereits um 7:00 Uhr Sarlena in das Zimmer der drei Schüler des Hauses Smaragd. Aufgeregt lief sie zum Bett und weckte die schlafenden Jugendlichen. „Aufstehen, los, schnell, dringend", rief sie mit ihrer panischen Stimme, die vermutlich Tote hätte aufwecken können.
„Was ist denn?" fragte Kaiba nach einem kurzen Blick auf seinen Wecker irritiert. „Es ist doch erst sieben, und wir können noch mindestens eine Stunde schlafen."
„Nein", schrie die hysterische Elfe. „Ihr müsst aufstehen. Glaubt ja nicht, ich lasse euch zum Frühstück gehen, wenn ihr nicht alle eure Hausaufgaben erledigt habt."
„Wovon redest du?" fragte Yami verschlafen. „Wir hatten doch alle Hausaufgaben zu heute erledigt."
„Nein, habt ihr nicht, sonst würde der ‚Anzeiger-der-zu-erledigenden-Aufgaben' nicht auf ‚Hausaufgaben fertig stellen' stehen", erwiderte Sarlena panisch und wies auf ein uhrenähnliches Instrument.((1))
„Aber wir haben doch alles erledigt, oder?" fragte Kaiba seine beiden Geliebten, während er sie verwirrt musterte.
Plötzlich hellte sich Yugis Miene auf. „Stimmt ja... Die Hausaufgaben zu meiner ersten Stunde habe ich noch nicht gemacht", erklärte er.
„Ach ja?" fragte Yami, war aber kaum zu verstehen, weil Sarlena in diesem Moment bereits wieder empört loskreischte. „Seht ihr? Zum Glück schaue ich immer gleich auf die Uhr, wenn ich aufstehe. Nun aber schnell raus aus den Federn und dass mir die Hausaufgaben ja ordentlich gemacht werden und dass mir das nie wieder vorkommt!"
„Aber ich habe diese Hausaufgaben in Wahrsagen aufbekommen und konnte sie nicht vorher machen. Ich soll ein Traumtagebuch führen und das kann ich schließlich erst schreiben, nachdem ich geträumt habe", verteidigte sich Yugi.
„Dann wurde es gestern vermutlich doch noch nicht angezeigt, und ich habe es nicht übersehen", erwiderte Sarlena nachdenklich und schien etwas erleichtert. Doch nur Sekunden später war ihre Stimme wieder genauso ungeduldig wie vorher: „Trotzdem solltest du es jetzt noch so schnell wie möglich machen. Los, beeil dich, zieh dich an und dann hopp, hopp an das Schreibpult."
„Ich mach ja schon", sagte Yugi und setzte sich auf, woraufhin das weibliche Duelmonster nicht mehr panisch, sondern nur noch hektisch aus dem Raum fegte. Yugi stand schnell auf und ging ins Bad, während seine beiden Geliebten sich etwas mehr Zeit ließen und noch etwas im Bett miteinander kuschelten. Nachdem Yugi seine Morgentoilette erledigt hatte und eine frische Schuluniform seine schlanke Gestalt umhüllte, verließ er das Bad, das gleich darauf Yami und Kaiba betraten. Yugi küsste jeden von ihnen leidenschaftlich und entschuldigte sich gedanklich bei ihnen, dass sie wegen ihm so früh geweckt worden waren.
Als der Kleinste der drei Schattenmagier den Gemeinschaftsraum betrat, scheuchte Sarlena ihn ungeduldig zum Tisch und beobachtete ihn wachsam, bis er seine Schreibutensilien hervorgeholt hatte. Zufrieden damit, dass er nun seine verbleibende Hausaufgabe in Angriff nahm, verließ sie schließlich den Raum, um sich anderen Dingen zu widmen. Doch nachdem sie weg war, saß Yugi nur über sein Pergament gebeugt da und überlegte, nicht sicher, was er schreiben sollte.
Etwas später kam Yami allein die Treppe herunter. Er grinste von einem Ohr zum anderen, weil er vor ein paar Minuten eine ‚kleine' Wasserschlacht mit Kaiba begonnen hatte, wegen der sich der CEO nun noch einmal umziehen musste. Über den Link konnte er immer noch Kaibas Gebrummel über ‚unreife Pharaonen' hören, was ihn nur noch mehr amüsierte. Doch einen Augenblick später leckte sich Yami über die Lippen bei der Erinnerung an die halbnackte und dazu noch klitschnasse Form seines größeren Geliebten. Es war eine gute Idee gewesen vorzugehen, entschied der ehemalige Geist des Millenniumspuzzles, da er sonst diesem äußerst verführerischen Anblick nicht lange hätte widerstehen können und über ihn hergefallen wäre. Als der ehemalige Pharao jedoch unten ankam und seinen kleineren Geliebten mit einem abwesenden Blick ins Leere starren sah, wurde er sofort wieder ernst. Er setzte sich auf die Armlehne des Sessels, in dem Yugi am Tisch Platz genommen hatte, schlang seinen Arm um die Schultern des amethyst-äugigen Jugendlichen und küsste ihn auf die Schläfe.
Yugi schreckte hoch und sah in die rubinroten Augen des ehemaligen Pharao. „Was ist los, Aibou?" fragte der in diesem Augenblick.
„Yami, Seto, ihr seid schon fertig?" antwortete der Kleine scheinbar etwas orientierungslos.
„Ja, wie du siehst", erwiderte der CEO, der den Raum gerade betreten hatte, als Yami Yugi geküsst hatte. Yami drehte sich kurz zu Kaiba um, um ihm zuzunicken, während ein spielerischer Glanz in seinen Augen erschien, bevor er sich wieder Yugi zuwandte, und in seinen Augen leichte Besorgnis zu lesen war. „Und was ist nun los mit dir? Können wir dir helfen?" fragte Kaiba in der Zwischenzeit weiter.
Yugi sah grübelnd auf sein Pergament, auf das er bisher nur ordentlich eine Tabelle gezeichnet hatte, in deren erster und zweiter Spalte Datum und Planetenkonstellation der entsprechenden Nacht standen und deren dritte und vierte Spalte, in die die Träume und später die Deutung kommen sollten, noch leer waren. „Ich weiß nur nicht, was ich schreiben soll."
„Wieso? Erinnerst du dich nicht an deine Träume?" fragte Yami und strich dem anderen liebevoll eine Strähne des blonden Ponys aus dem Gesicht.
„Doch schon… irgendwie", erwiderte Yugi zögerlich. „An den Traum letzte Nacht erinnere ich mich ziemlich gut, aber ich werde ihn bestimmt nicht aufschreiben! Schon gar nicht so, dass ihn jemand zu lesen bekommt, der ihn interpretieren soll."
„Und wieso nicht?" fragte Kaiba und setzte sich nun auf die andere Armlehne des Sessels. Da er von seiner neuen Position aus Yugis Gesicht sehen konnte, bekam er eine gute Vorstellung von dem Grund für Yugis Zögern, diesen Traum aufzuschreiben, denn der amethyst-äugige Jugendliche war knallrot.
„Ich sag nur: Ihr beide kamt darin vor, eine Sauna, Duftöle und sehr viel Eiscreme. Muss ich ins Detail gehen?" erwiderte Yugi leise. Das Rot in seinem Gesicht schaffte es, noch etwas intensiver zu werden, und er versuchte, sich kleiner zu machen in der Hoffnung, im Sessel verschwinden zu können.
Yami und Kaiba grinsten. „Ja, ich will mehr Details", entgegnete der CEO. „Wir wollen doch dafür sorgen, dass es ein hellseherischer Traum ist, oder? Da fällt mir ein: Habe ich euch schon mal die Sauna in der Kaiba-Villa gezeigt? Wenn nicht, dann sollten wir das nachholen." Er genoss einen Moment die Vorstellung, wurde dann aber ernst, besonders nach dem halb nervösen, halb erregten Blick, den Yugi ihm zuwarf. „Und was ist mit heute Nacht? Hattest du noch so einen… anregenden Traum?"
Yugi blickte wieder auf sein Blatt. „Nein. Aber um ehrlich zu sein, erinnere ich mich auch nicht an allzu viel davon", berichtete er nachdenklich. „Ich erinnere mich nur noch an Dunkelheit. Ich war ganz allein… Und dann war da Geflüster. Ich konnte nicht verstehen, wer gesprochen hat oder was gesagt wurde. Es schienen aber mehrere Personen zu sein. Ich habe mehrmals gerufen und gefragt, wer dort sei, aber wer auch immer sich da unterhalten hat, hat weiter geflüstert, ohne mir zu antworten oder auf mich zu reagieren. … oder zumindest konnte ich es nicht verstehen, falls sie etwas zu mir sagten." Nachdem Yugi keine Reaktion auf seine Erzählung bekam, schaute er auf und sah, dass Yami und Kaiba ihn anstarrten und ebenfalls sehr nachdenklich schienen. „Seto? Yami?"
Die beiden schreckten aus ihren Gedanken hoch und schauten sich kurz gegenseitig an, bevor sie sich wieder Yugi zuwandten. „Ich… ich hatte den gleichen Traum", sagte Yami schließlich zögerlich.
„Ich auch", bestätigte der CEO. „Was, glaubt ihr, bedeutet das?"
„Keine Ahnung", erwiderte Yugi und seufzte. „In diesem Traumdeutungsbuch, das wir für Wahrsagen benutzen, finde ich dazu überhaupt nichts. Wobei ich auch nicht denke, dass dieses Buch wirklich was taugt. Selbst ich als absolut untalentierter Laie für diese Kunst kann erkennen, dass dieses Lehrbuch viel zu grob für so eine Arbeit ist, die so viele Feinheiten hat und soviel Fingerspitzengefühl verlangt. Es ist, als würde man versuchen, mit einem äußerst groben Sieb, wie zum Beispiel einem für Kies, Elementarteilchen von einander zu trennen."
„Ich habe auch keine Idee, was dieser Traum bedeuten könnte", sagte Yami nachdenklich. „Aber wir sollten in der Bibliothek suchen, ob wir etwas zu diesem Thema finden. Aber was wirst du nun mit deiner Hausaufgabe machen? So viel Zeit hast du nicht mehr. Es ist schon fast acht Uhr, und wir müssen noch frühstücken."
„Ich weiß nicht", erwiderte Yugi verzweifelt.
„Erfinde doch einfach ein paar Träume", schlug Kaiba vor.
„Aber ist das nicht schummeln?" fragte Yugi besorgt. „Und außerdem bringt das doch nichts."
„Besser als keine Hausaufgaben zu haben", meinte Kaiba schulterzuckend. Dann fuhr er überzeugt fort: „Und Sarlena wäre bestimmt sehr wütend, wenn du ohne welche losgehst."
„Ok, du hast mich überredet", erwiderte Yugi. „Irgendwelche Vorschläge für Träume?"
Etwa 15 Minuten später hatte er ein paar erfundene Träume feinsäuberlich in die beiden Spalten geschrieben und packte seine Sachen wieder alle in seine Schultasche. Dann nahmen die drei ihre Unterrichtsmaterialien und gingen zum Frühstück.
Dieses Mal konnten sie sich etwas mehr Zeit lassen und genossen entspannt ihre Mahlzeit. Währenddessen kamen auch die Posteulen an. Eine schöne Schleiereule landete auf dem Tisch, dicht gefolgt von einem großen Walduhu und einem kleinen, aufgeregten Steinkauz, der den Tagespropheten auslieferte. Nachdem Kaiba das Geld für den Propheten in den Beutel des Kauzes gesteckt hatte, erhob sich dieser sofort wieder in die Luft und sauste zum Fenster. Die Eule hopste auch an den CEO heran, und er nahm ihr einen Brief ab. Der Uhu hingegen ließ ein Päckchen vor Yugi fallen, bevor auch er sich wieder in die Lüfte erhob und durch das nächste Fenster nach draußen flog.
Yami sah neugierig seine beiden Geliebten an. Kaiba überflog seinen Brief, und ein kleines Lächeln spielte um seine Lippen. „Der Brief ist also von Mokuba", stellte der Pharao seinerseits lächelnd fest.
Kaiba sah ihn kurz überrascht an, nickte dann aber. „Ja, ist das denn so offensichtlich?"
„Ja, eigentlich schon", erwiderte Yami. „Wer sonst könnte dir so ein Lächeln entlocken? Und, was schreibt er?"
„Nur, dass seine ersten beide Schultage sehr schön waren. Und er will eine Genehmigung, dass er an den Wochenenden nach Hause darf, wenn er will. Er schreibt, es gibt eine Sonderregelung für Schüler, die in Domino wohnen. Diese dürfen auch an den Wochenenden nach Hause, wenn die Eltern einverstanden sind."
„Wirst du es ihm erlauben?" wollte Yugi neugierig wissen, während er vorsichtig sein Päckchen auswickelte.
„Ich weiß noch nicht. Da ich selbst ja auch nicht da bin, mache ich es von seinen Leistungen abhängig. Solange er wenigstens das schafft, was 75-80 Punkten entspricht, kann er unter unseren üblichen Regeln auch nach Hause und sich mit seinen alten Freunden treffen", antwortete Kaiba. Als Yugi einen Moment später den Deckel des Pakets anhob, setzte er hinzu: „Und was ist in deinem Päckchen, Yugi?"
Yugi durchstöberte kurz die Papiere, die er aus dem Karton gezogen hatte, bevor er sich dem Brief zuwandte. „Es ist von Jii-chan. Albus-jii-chan hat ihm wohl erzählt, dass ich Wahrsagen besuche, und deshalb schickt er mir alte Aufzeichnungen einer entfernten Verwandten, die laut Jii-chan die Gabe der Zukunftsschau besaß. Der letzte ihrer Nachkommen ist vor kurzem gestorben, und damit ist ihr Familienzweig ausgestorben, und wir sind die nächsten Familienangehörigen und somit Erben. Da er gerade dabei ist, die Sachen durchzugehen, hat er diese Aufzeichnungen gefunden und schickt sie mir nun in der Hoffnung, dass sie mir helfen", erklärte Yugi.
„Und steht was zu Traumdeutung drin?" fragte Yami interessiert.
„Soweit ich beim Überfliegen sehen konnte, schreibt sie nur, dass sie auf diese Weise nie eine Voraussage erzielen konnte und dass sie andere Methoden bevorzugt."
„Das ist ja nicht sehr hilfreich", meinte Kaiba enttäuscht.
„Ja, aber wir können es nicht ändern. Da bleibt uns nur, weiterhin die Bibliothek zu durchforsten", erwiderte Yugi.
Kaiba und Yugi verstauten die Post in ihren Schultaschen, und dann beendeten die drei ihr Frühstück. Anschließend verließen sie die große Halle und gingen durch die mit tratschenden Schülern gefüllten Gänge zu ihren Klassenräumen.
Yugi betrat das Turmzimmer, das als Klassenraum für Wahrsagen diente und setzte sich auf den Platz, den Professor Trelawney ihm in der letzten Stunde zugewiesen hatte. Viele der anderen Kursteilnehmer waren schon anwesend, und die zwei Mädchen, die der Lehrerin am nächsten saßen, erzählten dieser schon aufgeregt, was sie geträumt hatten und was das wohl zu bedeuten habe. Ein paar Minuten später schlurfte Neville in den Raum, dicht gefolgt von Ron und Harry, die anscheinend sehr abgehetzt waren.
Neville winkte Yugi zu, doch da die Schulglocke bereits läutete, setzte er sich sofort auf seinen Platz, genau wie die anderen beiden Gryffindors. „Guten Morgen", begrüßte Yugi sie.
„Morgen", antworteten die beiden, und Ron fügte hinzu: „Das war knapp."
„Warum kommt ihr denn so spät?" wollte Yugi wissen.
„Wir mussten noch die Hausaufgaben machen", erklärte Harry.
„Oh, verstehe", meinte Yugi. „Sarlena hat uns heute morgen auch frühzeitig geweckt, weil ich Wahrsagen noch nicht gemacht hatte."
„Sarlena?" fragte Harry. „War das die mit den kurzen Haaren und der Brille?"
„Ja", erwiderte Yugi. „Und sie ist immer sehr leicht in Panik zu versetzen. Bei uns gibt es da so ein Ding, das anzeigt, wenn wir noch unerledigte Hausaufgaben haben."
Bevor die anderen beiden etwas erwidern konnten, ergriff Professor Trelawney das Wort: „So, und nun wird der Unterricht beginnen. Ich habe gesehen, dass Sie alle schön brav Ihre Hausaufgaben erledigt haben, nicht wahr? In ihren Traumtagebüchern sollten nun ein paar Träume aufgeschrieben stehen, die sie diese und die letzte Nacht hatten. Vor Ihnen liegt wieder ‚Das Traumorakel', mit dem Sie entsprechend ihrer Begabung versuchen können, Ihre Träume zu deuten. Beginnen Sie!"
Augenblicklich erhob sich im Klassenraum ein Gewirr von Stimmen, als die Schüler sich gegenseitig ihre Träume erzählten. Auch bei Yugi, Harry und Ron war es nicht anders. „Und wer fängt an?" fragte Yugi seine beiden Nachbarn. „Wie ist es denn mit dir, Ron? Was steht in deinem Traumtagebuch?"
Ron reichte dem amethyst-äugigen Jungen sein Blatt. „Ich habe geträumt, dass ich ein neues Paar Schuhe gekauft habe", erwiderte er.
Yugi schaute auf das Pergament und nickte nachdenklich, während Harry begann, ‚Schuhe' im Traumorakel nachzuschlagen. Trelawney war zu ihnen geschwebt und schaute ebenfalls auf das Traumtagebuch. „In der letzten Stunde hatte ich leider keine Gelegenheit mit eigenen Augen zu sehen, was mir mein geistiges Auge schon längst über ihre Fähigkeiten offenbart hat, Mr. Muto", säuselte die Lehrerin in ihrer mystischen Stimme, während sie Yugi mit ihren durch die dicke Brille enorm vergrößerten Augen musterte. „Nun, wie interpretieren sie den Traum von Mr. Weasley?"
„Nun ja", sagte Yugi etwas unsicher. „So weit ich mich erinnere, muss man zuerst die Bedeutungsebenen einzeln auflisten und dann aus ihnen zusammen eine Vorhersage treffen, oder?"
„Ja, nur weiter", nickte ihm die Lehrerin ermutigend zu.
„Ähm", fuhr der Japaner fort. „Die erste Bedeutungsebene ist das Kaufen. Es steht für etwas bekommen und auch neue Erfahrungen machen, aber in gewisser Weise auch kontrolliert, weil man ja beeinflussen und wählen kann, was man kauft. Dann ist da, dass es sich um Schuhe handelt. Da kommt es vermutlich darauf an, um was für Schuhe es geht..." Er wandte sich nervös an Ron. „Was waren es denn für Schuhe?"
Ron sah ihn etwas betreten an. „Ähm… Sie waren schwarze Herrenschuhe… mit Lack… Ähm… ja."
„Nun...", erwiderte Yugi, „solche zum Tanzen geeignete Schuhe stehen normalerweise für Liebe und so((2)). Ähm, alles in allem heißt das wohl, dass du dich für eine neue Liebe entscheidest… glaub ich zumindest", sagte er und schaute die Lehrerin fragend an.
„Nun ja", erwiderte diese. „Das könnte man so deuten. Wie ich es vorhergesehen habe, ist Ihr Talent für diese Kunst immerhin in Ansätzen vorhanden und nicht wie bei Ihren unglücklichen Übungspartnern, die überhaupt kein Talent haben. Aber auch Sie werden nie die Zukunft schon im Voraus kennen können. Und was war ihr Traum?" fragte sie und nahm nun Yugis Pergament.
Sie las es und schüttelte nur traurig den Kopf. „Sie armer, armer Junge", sagte sie, nahm seine Hände in die ihren und streichelte mit ihrem langen, dünnen Daumen über die Handrücken seiner kleineren Hände. „Sie haben geträumt, dass sie allein in der Bibliothek Ihres Großvaters lesen? Das heißt, dass ihr Großvater sehr krank werden und vielleicht sogar sterben wird und sie nur noch aus Büchern über sein Wissen verfügen können."
Sie ließ seine Hände los und verließ den Tisch der drei, um sich anderen Schülern zuzuwenden, während Yugi vor sich hin starrte, so dass seine Augen nicht zu sehen waren. „Hey, mach dir nichts draus", sagte Ron und legte dem Kleineren eine Hand auf die Schulter. Dann flüsterte er: „Das wird bestimmt nicht passieren. Sie ist eine Hochstaplerin, und ihre Vorhersagen treten auch fast nie ein. Seit wir in der dritten Klasse mit Wahrsagen angefangen haben, sagt sie ständig Harrys vorzeitigen Tod voraus, und wie du siehst, lebt er immer noch."
Yugi blickte auf und grinste verlegen. „Nun ja, selbst wenn ihre Trauminterpretation zutreffen würde, müsste ich das erstmal wirklich geträumt haben, damit es eintreffen könnte. Und um ehrlich zu sein, habe ich mir das nur ausgedacht und mich deshalb nicht getraut, Trelawney-sensei anzusehen, weil ich dachte, sie merkt das."
Nun grinsten auch Harry und Ron. „Unsere Träume sind auch ausgedacht", informierte der Junge, der lebt, Yugi. „Erinnerst du dich nicht an deine Träume?"
Yugi wurde rot. „Doch schon, aber die will ich nicht rumerzählen", sagte er. „Aber ich bin beruhigt, dass du dir deinen Traum nur ausgedacht hast. Ich war schon besorgt, was mit Hermine werden würde."
„Was hast du nur immer mit Hermine?" fragte Ron.
Yugi wandte sich kopfschüttelnd von Ron ab und sah Harry erwartungsvoll an. „Und was hast du nun ‚geträumt'?" fragte er und zwinkerte dem anderen wissend zu.
Nach Wahrsagen machten sich Yugi, Harry, Ron und Neville, der sofort nach der Stunde zu ihnen kam, auf den Weg zu Verwandlung. Kurz bevor sie den Raum erreichten, nahm Harry Yugi kurz zur Seite und dankte ihm für die Creme, die dafür gesorgt hatte, dass es seiner Hand heute deutlich besser ging und er ohne Schmerzen hatte schlafen können.
In Verwandlung langweilten sich die drei Schattenmagier schnell, weil sie keine Probleme hatten, auch komplexere Tiere verschwinden zu lassen. Nachdem sie jeder fünf weitere Schnecken hatten verschwinden lassen, gab McGonagall ihnen und Hermine((3)) Frösche, mit denen sie sich den Rest der beiden Stunden beschäftigten. Yugi, Yami und Kaiba bewältigten auch diese Aufgabe ohne Probleme, was ihnen ein paar Hauspunkte einbrachte, und dann unterhielten sie sich den Rest der Stunden miteinander auf Japanisch und lasen ein paar ihrer Bücher.
Nach einer entspannenden Mittagspause, in der sie schnell die Hausaufgaben für Verwandlung erledigten, machten sie sich auf den Weg zur Hütte am Waldrand. In der Doppelstunde danach hatten sie nämlich Pflege magischer Geschöpfe, wo sie sich weiter mit den Bowtruckles beschäftigten. Nachdem sie in der ersten Stunde erst einmal grundsätzliche Verhaltensregeln durchgenommen hatten, gingen sie in der zweiten Stunde am Waldrand entlang zu einem großen, alten Baum, in dem die Bowtruckles lebten, die Professor Raue-Pritsche mit in den Unterricht gebracht hatte. Dort beobachteten sie die Interaktionen der kleinen Zweiggeschöpfe untereinander und wie sie sich in ihrer normalen Umgebung verhielten, wobei die Lehrerin dabei den Schülern viele zusätzliche Tipps zum Umgang mit besagten Lebewesen gab.
Nach dieser Doppelstunde hatten sie zum ersten Mal eine Stunde Astronomie. Dieses Fach wurde in Hogwarts zwar schon seit der ersten Klasse unterrichtet, fehlte aber im japanischen Lehrplan völlig, weil die asiatischen Hexen und Zauberer dafür Talismanmagie lernten. Insofern waren beide Fächer nicht in dem gemeinsamen Test vorgekommen, den die fünf Schattenmagier hatten bestehen müssen. Dementsprechend war das Wissen Yamis, Yugis und Kaibas in diesem Fach nur auf die Grundlehrbücher der ersten vier Klassen beschränkt, die nicht sehr umfangreich gewesen waren. Dennoch schienen die drei nicht sehr weit hinter den anderen zu sein. Am Ende der Stunde bekamen sie auch von Professor Sinistra viele Hausaufgaben, doch dieses Mal hatten die drei nicht genug Vorwissen und beschlossen, sie nach dem Abendessen in der Bibliothek zu machen.((4))
Nachdem Astronomie vorbei war, verstreuten sich die meisten der Fünftklässler fröhlich schnatternd in der Schule, da für sie der Unterrichtstag beendet war. Aber Kaiba, Yami und Yugi sowie vier anderen Schülern aus den Reihen der Hufflepuffs und Gryffindors, die zusammen Astronomie hatten, stand noch eine Stunde bevor: Alte Runen. Da sie wussten, dass Hermine dieses Fach auch belegt hatte, ließen sie sich von ihr führen. Auch Ernie Macmillan, Seamus Finnigen und Parvati Patil hatten diesen Kurs und schlossen sich ihnen daher ebenfalls an((5)). „Ist es wahr, dass ihr eure Kurse erst mal ausprobieren dürft und euch dann entscheidet, was ihr wirklich machen wollt?" fragte Parvati und schien besonders Yami ihre Aufmerksamkeit zu schenken. Als dieser ihre Frage bejahte, fuhr sie fort: „Und ihr wollt Alte Runen lernen? Dieses Fach ist nicht wirklich sehr spannend. Obwohl… Wenn ihr mitmacht, könnten wir zusammen Hausaufgaben machen."
Hermine warf ihr einen zweifelnden Blick zu, der zu sagen schien: ‚Als ob das ihnen helfen würde. Du bist doch total mies in Alte Runen.'
„Nun ja, das wissen wir noch nicht so genau, aber es scheint an sich sehr spannend zu sein", erwiderte der ehemalige Pharao lässig.
„Ich würde mich freuen, wenn ihr, und insbesondere du, Yami, es besucht", stellte die Gryffindor fest, während sie ihn mit ihren Augen förmlich auszuziehen schien. „Das würde die Stunden sehr viel erträglicher machen."
Yami ging etwas langsamer, so dass er zwischen Yugi und Kaiba lief und nicht mehr zwischen Hermine und Parvati. Seine beiden Geliebten warfen Parvati ein paar missgünstige Blicke zu, während sie sich ab und zu umdrehte, um Yami noch weiter schöne Augen zu machen. „Das ist keine gute Einstellung, wenn man eine Sprache lernen will", sagte Kaiba. „Warum besuchst du den Kurs überhaupt?"
„Meine Eltern wollen, dass ich es lerne", gab sie schulterzuckend zurück. „Viele der Familien, die auf Tradition bestehen, wollen, dass ihre Kinder alte Runen lesen können."
„Du besuchst das nur wegen deiner Eltern?" fragte Kaiba verächtlich.
„Alte Runen ist durchaus ein interessantes Fach", mischte sich nun Hermine ein. „Aber hab ich das richtig verstanden? Ihr klingt so, als hättet ihr dieses Fach noch nie gehabt. Ist es da nicht besser, den Kurs des 3. Jahrgangs mit zu besuchen? Ihr habt doch gar nichts davon, an einem Kurs teilzunehmen, wo euch die anderen Schüler zwei Jahre voraus sind."
„Jetzt entmutige sie doch nicht", erwiderte Parvati empört. „Wer will schon zusammen mit diesen kleinen Rotznasen Unterricht haben? Von den Kindern in Alte Runen im dritten Jahrgang kenne ich zwar nur meine Cousine Prudencia genauer, aber die ist wirklich anstrengend. Und wie sie sich immer anzieht! Egal was, Hauptsache es ist hauteng und kurz. Und sie und ihre Freundinnen sind solche Tratschtanten!" Hermine verdrehte die Augen, aber Parvati, die schon wieder Yami anhimmelte, bemerkte es nicht und fuhr unbeirrt fort: „Insofern ist es natürlich besser, mit uns Unterricht zu haben, nicht wahr, Yami?"
„Das ist mir ziemlich egal, solange sie mich in Ruhe lassen. Ich bin schon vergeben." Besonders den letzten Satz betonte er, woraufhin Parvati einen leicht enttäuschten Gesichtsausdruck bekam. „Aber abgesehen davon denke ich schon, dass wir auch mit dem Stoff der fünften Jahrgangsstufe in Alte Runen klarkommen werden."
„Hattet ihr denn bei euch auch schon Alte Runen?" mischte sich nun Ernie ein.
„In Japan gibt es kein Alte Runen", erwiderte Yugi. „Das einzige, was dem nahe kommt ist ‚maho no moji'((6)). Aber das müssen alle lernen, denn es ist fest mit Talismanmagie verbunden, und das gehört zu den Pflichtfächern. Aber wir haben uns schon ein bisschen mit Runen beschäftigt."
„Ich glaube nicht, dass es reicht, sich ein bisschen damit zu beschäftigen, um zwei Jahre zu überspringen", sagte Seamus.
„Na ja, wir müssen den Kurs ja nicht besuchen oder können ja dann immer noch bei einem jüngeren Jahrgang mitmachen" erwiderte Yugi.
Während ihrer Unterhaltung erreichten die sieben Schüler das Erdgeschoss, wo sich das Klassenzimmer für Alte Runen befand. Die drei Schattenmagier schauten sich erst einmal um. Der Boden war mit Erde bedeckt, an den Wänden hingen Bilder von alten Mysterienstätten wie Stonehenge und die Steinköpfe auf den Osterinseln.((7)) Die Tische waren anscheinend aus Stein und die ‚Stühle' Baumstümpfe. Sie bildeten einen Kreis um einen großen, flachen Stein in der Mitte, dessen Höhe ungefähr mit der der Tische übereinstimmte. Auf ihm saß im Schneidersitz, anscheinend meditierend, eine alte Hexe, die kaum größer zu sein schien als Yugi. Sie trug ein schlichtes weißes Gewand, dessen Gürtel ein Strick bildete.((8))
Die dreizehn Schüler aus Slytherin und Ravenclaw, die diesen Kurs ebenfalls besuchten, waren bereits anwesend und hatten sich auf ein paar der Baumstümpfe niedergelassen. Da auch die Gryffindors und Hufflepuffs sich gesetzt hatten, während sich die drei Austauschschüler umsahen, waren nun die meisten Sitzgelegenheiten besetzt und nur fünf standen noch zur Verfügung. Diese waren, zum Ärger der Schattenmeister, nicht nebeneinander. Zwei der Plätze waren zwischen Crabbe und Ernie frei, einer zwischen Parvati, die Yami zuwinkte und ihm bedeutete, sich dahin zu setzen, und ihrer Schwester, und noch einmal zwei Einzelne auf der rechten und der linken Seite eines Ravenclawschülers, der tief in Zetteln und Büchern versunken war, die um ihn herum ausgebreitet lagen und den Tisch vor beiden Plätzen blockierten.
Yami ignorierte Parvati und setze sich neben Ernie. Yugi folgte ihm und setzte sich neben Crabbe, dem er lächelnd als Begrüßung zunickte, bevor er von Malfoy in ein Gespräch verwickelt wurde. Kaiba nahm zwischen den beiden Patil-Schwestern Platz. Was, wie er kurze Zeit später bemerkte, offensichtlich ein Fehler war, denn auch wenn Parvati kurz etwas enttäuscht war, dass Yami nicht neben ihr saß, so war ihrer Schwester das anscheinend viel lieber und sie starrte den CEO verträumt lächelnd an. Parvati trauerte auch nicht lange, sondern versuchte nun ebenfalls, die Gunst Kaibas zu bekommen und so wurde von beiden Seiten versucht, ihn in ein Gespräch zu ziehen. Zunächst ignorierte er sie in der Hoffnung, dass sie aufgeben würden, aber da das nicht funktionierte, warf er jeder von ihnen einen vernichtenden Blick zu. Die beiden schluckten und starrten von da an auf den Tisch.
Wenige Sekunden später klingelte es, und augenblicklich öffneten sich die Augen der Lehrerin. „Guten Tag, Klasse", sagte sie und während sie sich im Raum umschaute, blieb ihr Blick etwas länger an den neuen Schüler hängen. „Wie ich sehe, haben wir Zuwachs bekommen. Ich erinnere mich, dass der Schulleiter etwas Derartiges erwähnte. Tzz, tzz, tzz, im ZAG-Jahr ein Austauschjahr zu machen, ist wirklich mutig. Die ZAGs sind eine so wichtige und bedeutende Prüfung und sollten nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Und es dann noch in einer anderen Sprache zu machen… tzz, tzz, tzz, ich kann nur für Sie hoffen, dass Sie ordentlich arbeiten, und das gilt für Sie alle." Sie drehte sich weiter um, um allen Schülern in die Augen zu schauen. „Sie haben sich für einen schwierigen Kurs entschieden, und ich erwarte, dass keiner durchfällt, also strengen Sie sich an oder Sie spüren meinen Missmut und die meisten von Ihnen wissen, dass damit nicht zu spaßen ist." Viele der Schüler schluckten. Anscheinend wusste die Lehrerin nur zu genau, wie sie ihre Klasse unter Kontrolle halten konnte.
„Beginnen wir mit ein paar einfachen Zeichen und Sätzen, die Sie bereits mit Leichtigkeit übersetzen können sollten. Dabei können wir gleich das Wissen unserer Neuzugänge prüfen. Wer von ihnen ist Mr. Kaiba?" fragte sie.
„Ich", sagte der CEO.
Sofort richtete sich der strenge, durchbohrende Blick der Lehrerin auf ihn. Innerlich zuckte Kaiba etwas zusammen. Bei diesem Blick fühlte er sich stark an die Art und Weise erinnert, in der ihn früher die Lehrer Gozaburos angeschaut hatte. „Nun, wenn sie meinen, sie könnten zwei Jahre Stoff von Alte Runen überspringen, dann müsste dieser Satz für sie kein Problem sein." Plötzlich hatte sie ihren Zauberstab in der Hand und mit einer Handbewegung erschienen über ihr in der Luft Schriftzeichen, so dass der CEO und seine Sitznachbarn sie problemlos lesen konnte. Außerdem erschien der gleiche Satz in glühenden Runenzeichen auf jedem der Tische.
Kaiba betrachtete die Schriftzeichen und war froh, dass er sie und die grammatische Form erkannte. „Ich denke, da steht in etwa: ‚Reisender, sei gewarnt. Ein Fluch lastet auf dieser Höhle, also gehe nicht ohne Vorbereitungen weiter.'"
Die Lehrerin starrte ihn noch einen Moment länger an, in dem er darum kämpfte, seine Miene unberührt erscheinen zu lassen. Schließlich wurde ihr Blick etwas wohlwollender, und sie sagte: „Das stimmt", und wandte sich von ihm ab, um sich Yami zuzuwenden. Dieser saß in seiner üblichen stolzen Pose, die er in jungen Jahren hatte lernen müssen. Das Auge der Lehrerin zuckte kurz wegen der selbstsicheren Haltung des ehemaligen Herrschers, und ihr Blick verfinsterte sich etwas. „Und welcher der Herren Muto sind sie?"
„Ich bin Yami", erwiderte der Schattenmagier und zwang sich dazu, weder seine Pose noch seinen Gesichtsausdruck zu verändern.
„Nun, Mr. Yami Muto", hob sie an. „Können sie mir sagen, was dieser Satz bedeutet?" Erneut schwang sie ihren Zauberstab, und wieder erschienen über ihr und auf den Tischen die Runen.
Yami betrachtete sie einen Moment und überlegte. „Nicht ganz", gab er schließlich zu, aber trotzdem blieb seine Mimik und Position unverändert. „Wenn ich mit meinem Wissen daraus einen vernünftigen Satz machen sollte, so wäre es etwa: ‚Ihr Götter steht mir bei und schickt einen Sturm, um meine Feinde zu vernichten oder zu vertreiben, doch verschont meine Schutzbefohlenen.' Aber dieser Sinn ist von mir nur geraten, weil die Zeitformen wild durcheinander gewürfelt sind. Außerdem fehlt bei dem Wort für ‚vernichten' ein Strich, aber sinngemäß müsste es vernichten heißen, denn jetzt steht da ‚segnen', und ich glaube nicht, dass Feinde gesegnet werden sollen. Aber natürlich habe ich nicht so viel Erfahrung wie Sie. Bitte erleuchten Sie mich."
Ihr Blick verfinsterte sich weiter. „Sie haben Recht", gab sie schließlich zu und wandte sich an die Klasse: „Da sehen Sie mal, was ich als Professorin so mitmachen muss. Vielleicht erinnern sich einige von Ihnen, dass dies einer der Sätze der Prüfung letztes Jahr war. Mr. Muto hat soeben sämtliche Fehler in dieser Übersetzung, die von einem ihrer Mitschüler stammt, aufgezählt((9)). Ich hoffe, die betreffende Person sieht das als Anlass, seine oder ihre Bemühungen, Alte Runen zu erlernen, zu verstärken."
Da Kaiba günstig saß, konnte er deutlich sehen, wie Goyle rot wurde und auf seinen Tisch schaute. „Nun denn", fuhr derweilen die Lehrerin fort. „Nun zu unserem letzten Neuen: Mr. Yugi Muto."
Immer noch finster dreinblickend, wandte sie sich dem amethyst-äugigen Jungen zu. Doch als sie in die großen verschreckten Augen Yugis schaute, der wirklich wie ein Reh im Autoscheinwerferlicht aussah, wurde ihr Blick sofort etwas weicher und als sie weitersprach, war auch nicht mehr ganz so viel Strenge in ihrer Stimme zu hören. „Keine Angst, in Ihrem Satz sind keine Fehler. Hier, probieren Sie es."
Ein erneuter Schwung ihres Zauberstabes ließ ein drittes Mal Runen erscheinen. Yugi musterte sie und sagte dann nervös: „Ähm,… ich glaube, das heißt: ‚Um diesen Zauber auszuführen, benötigt der Druide zunächst ein Stück von dem zu verfluchenden Menschen, am besten ein kleines Büschel Haare.' Oder muss ich Zauberer statt Druide sagen?"
Die alte Hexe lächelte leicht und sagte dann sanft: „Sie können beides benutzen. Sehr schön. Sie drei können bleiben. Wie es scheint sind Sie durchaus in der Lage, Sätze auf demselben Niveau wie Ihre Mitschüler zu übersetzen." Dann wandte sie sich an alle. „Doch wiederholen wir weiter. Miss Parkinson, Sie übersetzen bitte den nächsten Satz…"
Die restliche Stunde wurden noch ein paar Sätze wiederholt, und bei bestimmten Fällen erklärte die Lehrerin noch einmal die Grammatik. Schließlich war aber auch diese Stunde zu Ende, und die Schüler gingen, nachdem sie Hausaufgaben bekommen hatten, zum Abendessen in die große Halle.
Fortsetzung folgt…
Anmerkungen
((1)) Magician: Dumme
Frage: Stand der nicht im Gemeinschaftsraum? Oder ist das nicht diese
‚Uhr', die auch Dumbledore darauf hingewiesen hat, dass er gehen
sollte? ‚verwirrt sei'
Annuket: Die ‚Uhr' im
Gemeinschaftsraum zeigt, wo die Hausmitglieder sind bzw. ob gerade
Gäste da sind und wenn ja, wann sie gehen müssen. Aber so
ein Anzeiger wie hier steht auch noch einmal extra im
Gemeinschaftsraum rum und da hat Sarlena das überhaupt gelesen,
dass sie etwas nicht getan haben.
((2)) Annuket: In unserem
Kunstgeschichte-Seminar haben Magician und ich gelernt, dass
ausgezogene Schuhe für zügellose Leidenschaft usw. stehen.
Zumindest bei Frauen. Aber da Rons vorgetäuschter Traum ja war,
dass er sich ein neues Paar Schuhe kauft (S.317), musste ich sofort
daran denken und wollte es unbedingt mit reinbringen.
Magician
‚breit grins': Das kann ich mir vorstellen... Wir hatten ziemlich
viel Spaß in dieser Stunde... ‚lach' Der Dozent ist einfach
nur klasse.
((3)) Ich weiß, dass das nicht so drinstand, aber ich dachte mir, auch Hermine muss nicht ewig weiter Schnecken verschwinden lassen.
((4)) Ok, ich habe eigentlich ein großes Problem, wenn ich den Zeitpunkt und die Stundenanzahl von Astronomie wiedergeben soll. Es ist nur beiläufig erwähnt, dass Harry Astronomie gehabt haben muss. Zitat: „… und die Professorinnen McGonagall, Raue-Pritsche und Sinistra ((ihnen)) noch mehr Hausaufgaben ((aufgaben)), die er an diesem Abend wegen seines zweiten Nachsitzens bei Umbridge unmöglich erledigen konnte." S. 317. Die Informationen sind also doch arg spärlich, doch er muss nachmittags Astronomie gehabt haben. Ich verstehe aber leider überhaupt nicht, warum es nicht abends/nachts ist. Sie können also nur Theorie machen und haben dann irgendwann noch mal praktische Stunden? Ich persönlich dachte bei meinem aufgeschriebenen Stundenplan daran, es Mittwochabend gegen 20 Uhr stattfinden zu lassen, aber dann müsste Umbridge Harry gehen lassen (man darf ja keinen Schüler während anderen Unterrichtszeiten nachsitzen lassen, und er hat ja auch die ganze Woche immer Nachsitzen ab 17 Uhr). … Wobei ich noch dachte, dass ich mit meiner Angabe, das von Unterricht um 20 Uhr, schon gemein zu den Schülern bin, aber in ‚Harry Potter und der Stein der Weisen' scheint es sogar so zu sein, dass sie Astronomie jeden Mittwoch (zu Donnerstag?) um 0 Uhr haben. Leider habe ich keine Lust, die Stelle noch einmal rauszusuchen (vergessen, es aufzuschreiben… ‚seufzt'). Auf jeden Fall beschließe ich jetzt offiziell, dass sie erst einmal nur diese eine Theoriestunde und dann im Oktober (wo es ja schon etwas früher dunkel ist) Mittwochabend noch mal 2 praktische Stunden haben.
((5)) Ich habe absolut keine Informationen zu Alte Runen, außer dass Hermine diesen Kurs gewählt hat.
((6))
Annuket: Da ich keine Ahnung vom japanischen habe, darf Magician das
jetzt erklären. Ich wusste nur, dass es da irgendwelche alten
Zeichen gibt, die in Mangas usw. wohl immer wieder auftauchen, wenn
es um Magie geht...
Magician: Ich bin mir nicht sicher, ob das
tatsächliche Zeichen sind oder sich nur jemand was ausgedacht
hat, das altmodisch und mysteriös aussieht. Na egal, auf jeden
Fall haben wir einen Namen gebraucht und keinen gefunden. Also
mussten wir uns selbst einen zusammenstoppeln. Unsere Idee ist leider
nicht besonders kreativ, er bedeutet einfach nur ‚Schrift der
Magie' oder ‚magische Schrift'.
Annuket: Aber
er erfüllt seinen Zweck und damit bin ich zufrieden.
Magician:
Auf jeden Fall hier auch noch ein großes Dankeschön an
unsere Japan-Expertin, die uns von allzu großen Abwegen bewahrt
hat.
Annuket: Ja, auch von mir danke.
((7)) Soweit ich weiß, hat weder das eine noch das andere mit Runen zu tun, wobei ja Stonehenge immerhin England ist und insofern in dem Gebiet, in dem Runen verbreitet waren. Aber die Lehrerin von Alte Runen ist ein Fan von diesen alten Mysterien und hat deshalb auch ein paar Bilder davon in ihrem Klassenzimmer.
((8)) So stelle ich mir die Druidenkleidung vor :-)
((9)) Auf Magicians Frage hin: Ja, sie müssen auch vom Englischen in Alte Runen übersetzen… Schließlich muss man das in den meisten Sprachen (egal ob sie tot sind oder nicht…).
Annuket
‚Kakao schlürf': Und... Und.. Und dann hat Barnabas einfach
so den Disclaimer gemacht... ‚Kuchen ess'
Magician ‚tröstend':
Mach dir nichts draus. Im nächsten Kapitel hast du doch wieder
eine Chance. ‚nimmt unauffällig den Tee und die Kekse aus
Annukets Reichweite'
Annuket: Ok, nächstes Mal schaffe ich
es. Oh, und wir sind ja auch schon wieder fertig. Also, ich hoffe das
Kapitel hat euch gefallen, liebe Leser. Bis in zwei Wochen dann
wieder.
