Annuket: Und hier Kapitel 28. Zuerst wie immer zu den Reviews.
An Brielle: Ich hoffe, dir gefällt die 'Yami-Pharao-Szene'. In der ersten Fassung war es etwas kürzer, aber ich habe sie verlängert. … Dadurch ist das Kapitel auch ziemlich lang geworden… Was Remus betrifft, warte bis zum nächsten Kapitel und zu Sirius… äh, wir sind im fünften Band, und Harry feiert gerade noch Weihnachten mit ihm. Also muss (oder müsste) er erst noch am Ende des Jahres verschwinden, ehe er 'zurückgeholt' werden kann. Mehr verrate ich nicht. Und das Prequel will ich tatsächlich erst nach Teil 2 weiterschreiben, es sei denn, ich habe so einen enormen Drang wie bei Kapitel 1.
An Heavenfly: Na ja, Anubis (und vermutlich auch andere Götter) haben wahnsinnig viel zu tun, also beneiden tue ich sie nicht wirklich. Wenn ich könnte, würde ich dir trotzdem ein Eisopfer bringen (schon damit ich im Jenseits vor den ägyptischen Göttern in meinem Tatenbericht auch sagen könnte: "Ich habe den Überhitzen Eis gegeben." ). Das mit Remus ist, wie du hier lesen wirst, nicht wirklich gefährlich, vor allem da die Auroren ja nicht bis zu ihm kommen und dann daraufhin dumme Fragen stellen können.
An Claudia: Schön, dass du mir in Bezug auf die Anstrengungen zustimmst. Besonders bei so wenigen Priestern hat er keine Zeit für andere Dinge. Der Tempel ist eigentlich nur grob ägyptisch, so, wie ich mir die Säulenhalle vorstelle, ist sie zumindest nicht ganz üblich für Ägypten. Außerdem finde ich sehr lieb von dir, dass du extra diesen kleinen Text geschrieben hast. Ich kopiere ihn rein, auch wenn ich sowieso (im Moment?) nicht so viele Klicks habe. Ich weiß nicht, ob's am Sommer liegt oder -wie Magician meint- weil ich nicht aus dem Knick komme.
Magician 'murmelt': Na toll, jetzt bin ich wieder die Böse… 'setzt sich beleidigt in eine Ecke'
Annuket: Hey, das war eine berechtigte Anmerkung. Und auch wenn wir jetzt schon die Hälfte des Jahres geschafft haben, bin ich ja wirklich nicht die schnellste, weil mir immer einfällt, dass sie dies und jenes noch tun könnten/müssen. Aber ehe wir zu weit vom Thema abkommen, hier Claudias Text:
"An alle Schwarzleser da draußen.
Ja, genau DU!! Brauchst DICH nich zu verstecken, ich hab DICH deutlich beim Lesen dieser Story erwischt.
Jetzt lass bitte der Autorin ein Review da,
wenigstens nen kleines oder ein Smiley.
Die Autorin wird es DIR am Anfang des nächsten Kapitels danken und sie bekommt eine Rückmeldung, ob Ihre Story überhaupt Anklang findet.
Lieben Gruß, eine regelmäßige Reviewerin!"
So, und nun noch der Disclaimer. Da wir heute wieder einmal das Kapitel nicht aus der Sicht der Schattenmagier erleben, darf die Person, die es so erlebt, den Disclaimer machen. 'hebt Vorhang' Ich präsentiere den zukünftigen Zaubereiminister Rufus Scrimgeour.
Scrimgeour 'schaut nervös auf seine Uhr': Könnten wir das schnell hinter uns bringen? Die Akten auf meinem Schreibtisch sind keine Dekoration…
Annuket: Oh, natürlich. Sagen Sie nur den Spruch, den ich ihnen gesagt habe, dann können sie weiterarbeiten.
Scrimgeour 'rollt mit den Augen und leihert Worte runter': Annuket gehören weder irgendwelche Dinge von der Harry-Potter-Serie noch von der von Yugioh.
Annuket: Danke. Das war's schon. ‚Scrimgeour kehrt schnell in sein Büro zurück' Ok, los geht's.
((...)) Anmerkungen von Annuket und Magician
Gedankenverbindung/.../ Yami; /-/.../-/Yugi; /'/.../'/ Kaiba
„..." Gespräch
‚...' Gedanken, Schrift lesen bzw. in Gespräch wörtliche Rede wiedergeben
Tierstimmen:...: Benu (Yamis Phönix, heiliges Tier des Re); :-:...:-: Miut (Yugis Katze, heiliges Tier der Bastet); :':...:': Scha (Kaibas Hund, heiliges Tier des Seth); --:…:-- Chetmety (Baku-Ras Schlange, heiliges Tier des Apopis); :--…--: Trevor (Nevilles Kröte, heiliges Tier von Hu und Hauet); --…-- Schutniu (Ryous Vogel, heiliges Tier der Maat)
Blabla Parsel
Kapitel 28: Audienz
Rufus Scrimgeour hasste Neujahr und die Tage danach mehr als alles andere, seitdem er Auror geworden war, und die Gefühle für diese Zeit des Jahres hatten sich noch einmal verstärkt, seit er zum Leiter der Aurorenabteilung((1)) des Zaubereiministeriums befördert worden war. Immer wenn ein Jahr in das nächste überging, war die ganze Abteilung damit beschäftigt, Zauberer und Hexen zu jagen, die sich angetrunken, aufgeputscht mit illegalen Tränken oder einfach nur so einen Spaß daraus machten, in der allgemein übermütigen Stimmung dieser Zeit ‚witzige' Streiche zu spielen. Die Zusammenarbeit mit den Angestellten der ‚Vergiss-mich'-Abteilung war gerade dann auch besonders eng, was überflüssiger Weise zu einem noch größeren Papierkrieg führte als gewöhnlich, da die Formulare fünf- statt zweimal ausgefüllt werden mussten, und das machte die Sache natürlich nicht gerade einfacher.
Seufzend betrachtete der Zauberer die Berichte vor ihm, bevor er sich kurz streckte, einen Schluck Tee zu sich nahm und sich anschließend wieder dem Papierberg widmete. Lange konnte er nicht daran weiterarbeiten, bevor es heftig an seiner Tür klopfte und einer der jungen Aurorenanwärter in sein Büro stürmte. „Mr. Scrimgeour, wir haben--", begann er panisch, ehe er das irritierte Gesicht des Leiters sah und sich daran erinnerte, dass er nicht auf die Erlaubnis gewartet hatte, das Büro zu betreten. „Ent- Entschuldigung… Ich wollte Sie nicht stören… Es--"
Der ältere Mann seufzte leise, legte das Blatt nieder, das er gerade zu studieren begonnen hatte, und versuchte, möglichst ruhig zu klingen, als er sagte: „Schon gut, Adept Pleaus. Sagen Sie mir einfach, was Sie so aufregt."
Der Jüngere, der beschämt zu Boden geschaut hatte, sah nun Scrimgeour wieder aufgeregt an. „Es ist nur, dass wir gerade einen Ruf vom St. Mungos erhalten haben. Anscheinend ist dort ein Werwolf entführt worden… oder geflohen… ich weiß nicht genau… die Nachricht war etwas wirr…"
Der Ältere schaute nachdenklich auf seinen Kalender. „Heute Nacht ist Vollmond, nicht wahr?"
„Ja, Sir, der erste der drei", bestätigte der Adept eifrig.
Der Leiter der Aurorenabteilung schien einen kurzen Moment zu zögern, sagte dann aber nach einem Blick auf den riesigen Papierstapel auf seinem Schreibtisch entschieden: „Das ist ein Auftrag der Priorität 1, da Werwölfe so gefährlich sind. Wo ist das Problem? Verfahren Sie, wie es im Protokoll steht: Informieren Sie ein Aurorenteam, damit es sich sofort darum kümmert."
„Das würde ich ja gerne, aber alle ausgebildeten Auroren sind schon auf Missionen, und daher ist niemand mehr verfügbar", berichtete Pleaus.
Scrimgeour, der bereits nach dem nächsten Dokument gegriffen hatte, um mit seiner Arbeit fortzufahren, hielt mitten in der Bewegung inne. Jetzt, da der Jüngere es erwähnte, erinnerte er sich daran, dass fast ein Viertel seiner Auroren damit beschäftigt war, Verkäufer von gefährlichen Feuerwerkskörpern zu jagen, deren Artikel schon mehrere Verletzte gefordert hatten, und viele weitere für den Schutz einer internationalen Zaubererkonferenz angefordert worden waren. Die wenigen verbleibenden Auroren waren eigentlich schon nicht genug, um die normalen Anfragen an die Behörde zu meistern. „Dann sind nur noch Sie und die anderen vier Adepten hier?" fragte Scrimgeour. Er nahm seine Brille ab und rieb sich mit einer Hand über die Augen. Er konnte die Kopfschmerzen, die ihm diese Sache einbringen würde, bereits spüren, und das verbesserte seine Laune nicht unbedingt.
Pleaus nickte. „Ja, Sir."
„Also schön", sagte der Leiter des Aurorenbüros und erhob sich seufzend. „Da Sie und Juka die Erfahreneren sind, werden Sie mich zum St. Mungos begleiten, während die Adepten Zeach und Leop hier bleiben und die Stellung halten, bis andere zurückkehren. Wir treffen uns in fünf Minuten am Kamin."
„Verstanden, Sir", erwiderte der junge Mann und eilte davon.
Scrimgeour nahm seinen Zauberstab von einer Ablage, ehe er zum Kleiderständer hinkte. Nachdem er seinen Mantel übergezogen hatte, verließ er sein Büro, verschloss es und traf sich am Kamin mit den beiden Aurorenanwärtern, die reichlich nervös zu sein schienen. ‚Kein Wunder', dachte sich der erfahrene Auror. ‚Adepten werden normalerweise nicht auf Missionen der Priorität 1 geschickt.'
Nach einem kurzen, ermutigenden Blick auf die beiden zukünftigen Auroren, ging der Leiter der Abteilung durch den Kamin. Als sie im St. Mungo eintrafen, wurden sie sofort von einem aufgeregten Heiler und dem verunsicherten Sicherheitsmann, der die Zimmer der isolierten Patienten bewachen sollte, empfangen. Die Geschichte, die sie erzählten, fand Scrimgeour zwar wenig glaubwürdig -seit wann war es möglich, im Zaubererkrankenhaus Portschlüssel zu benutzen, insbesondere zu einem der Zimmer auf der isolierten Station- aber es war nicht zu leugnen, dass ein Mann, der beim letzten Vollmond infiziert worden war, nur wenige Stunden vor seiner ersten Verwandlung aus seinem Zimmer verschwunden war und das auch noch ganz offensichtlich, ohne den Wolfsbanntrank genommen zu haben. Diese Tatsache war mehr als besorgniserregend.
Nachdem sie die ganze Geschichte gehört und mit Hilfe einer Selbstschreibefeder protokolliert hatten, deren Gegenstück im Ministerium auch dort eine Abschrift anfertigte, aktivierte Scrimgeour in dem Raum, in dem der Werwolf namens Forrest zuletzt gewesen war, einen Suchzauber. Vom Bett ausgehend war es so möglich, nach der magischen Spur des Mannes zu suchen. Leider war diese Art der Suche relativ zeitintensiv, da der Zauber sich im Gegensatz zu anderen Suchzaubern nur langsam in Kreisen ausbreitete, dafür aber flächendeckend funktionierte. Der Heiler, der sie als Fachmann begleiten sollte, nutzte die Zeit, um Betäubungspfeile zu holen, mit denen Werwölfen am besten beizukommen war, falls sie erst nach dem Aufgang des Mondes auf ihn trafen und ihn in dem Fall unschädlich machen mussten. Unterdessen verließ sie der Wachmann, um zu seinen Pflichten zurückzukehren.
Schon bald war der Heiler zurück und erklärte den wissbegierigen Adepten, was in dem Trank für die Betäubungspfeile war und wie er zubereitet wurde. Mit wachsender Unruhe warteten die vier Zauberer darauf, dass der Zauber sie zum Aufenthaltsort des Werwolfes bringen würde. Nach fast einer Stunde war es endlich soweit, und die Zauberkugel, die den Suchstatus angab, färbte sich rot. Nachdem Scrimgeour sich überzeugt hatte, dass alle bereit waren, aktivierte er den integrierten Transportzauber, der sie bis auf wenige Meter an die Zielperson heranbringen würde oder zumindest so nah wie möglich, wenn sie von starken Schutzzaubern umgeben sein sollte.
In einem Lichtblitz verschwanden sie aus dem Krankenhaus und tauchten wenig später auf einer weiten, schneebedeckten Fläche auf. Das einzige, was sie sahen, war eine hohe, massive Mauer, die anscheinend ein etwas größeres Gebäude umgab. Da der Suchzauber das Ziel dahinter lokalisierte, versuchte der Leiter des Aurorenbüros mit seiner Magie unter den neugierigen Blicken seiner Untergebenen und den ungeduldigen des Heilers die Mauern auf Zauber zu untersuchen, doch musste er erstaunt feststellen, dass selbst das von den starken Schutzmechanismen derselben abgeblockt wurde.
Da ihnen nichts anderes übrig blieb, entschied Scrimgeour, dass sie einen Eingang suchen mussten. Er hinkte mit Juka rechtsherum, während Pleaus mit dem Heiler die andere Richtung nahm. Der Auror musste feststellen, dass der Gebäudekomplex recht groß war, und erst nach etwa einer dreiviertel Stunde waren sie soweit um ihn herum, dass sie um die zweite Ecke bogen. Als sie das getan hatten, konnten sie die anderen beiden sehen, die bereits ein paar Meter an dieser Seite entlanggelaufen waren. In der Mitte trafen sie sich schließlich vor einem gewaltigen Prunktor, dass den Leiter der Aurorenabteilung stark an die ägyptischer Tempel erinnerte, die er einmal gesehen hatte. „Wir haben keinen Eingang außer diesem gefunden, Sir", meldete Pleaus eifrig.
„Nun gut", erwiderte Scrimgeour und ging zu dem Tor. Als hätte es seine Anwesenheit gespürt, öffnete es sich ein wenig und ein in einen ägyptischen Schurz gekleideter Hauself stand vor ihm.
„Seien Sie gegrüßt", sagte er mit einer kleinen Verbeugung. „Was wünschen Sie?"
„Wir sind Auroren vom Zaubereiministerium", erklärte Scrimgeour selbstbewusst, ohne sich von dem Kleidungsstück irritieren zu lassen. „Sag deinem Meister, dass wir ihn sprechen wollen."
„Mein Meister empfängt niemanden, außer seinen Vertrauten", erwiderte der Hauself freundlich.
Einen Augenblick sah der Leiter der Aurorenabteilung den Elf irritiert an, da er es so grundweg ablehnte. „Wie kannst du da so sicher sein? Sag ihm, dass wir Auroren sind und dass laut unserem Suchzauber ein Werwolf ohne Wolfsbanntrank in diesem Gebäude ist. Sicher will er nicht sich und andere gefährden."
„So eine Lappalie ist für meinen Meister((2)) nicht gefährlich", erwiderte der Elf ruhig, aber auch mit einem bewundernden Funkeln in den Augen. „Mein Meister ist ein Gott. Wir danken für Ihre Besorgnis, aber es gibt keinen Grund dazu. Guten Tag."
Scrimgeour war so verdutzt über die Antwort, dass er erst einmal nichts sagen konnte. Erst als der Elf die Tür wieder fast geschlossen hatte, fand er seine Stimme wieder. „Warte!" sagte er und hielt die Tür fest, um zu verhindern, dass sie zuging. Der Elf hielt inne und schaute den Leiter der Aurorenabteilung fragend an. „Dennoch befindet sich der von uns gesuchte Werwolf hier. Wir sind nicht sicher, ob er entführt wurde oder geflohen ist, aber es ist eine Tatsache, dass er hier ist und wir ihn zu seinem und eurem Schutz zurück ins Krankenhaus bringen müssen."
Der Elf schaute nachdenklich zu Boden. „Aber unser Gott empfängt niemanden…", sagte er unsicher.
Der alte Auror fand es ziemlich anmaßend, dass sich hier irgendjemand als ein Gott aufspielte, aber andererseits gab es kein Gesetz, dass Zauberern untersagte, so etwas auf ihrem eigenen Land zu tun. Dennoch trieb es dieser Typ nach Scrimgeours Meinung eindeutig ein bisschen zu weit. „Wenn wir nicht rein dürfen, holen wir uns schnell einen Durchsuchungsbefehl und durchsuchen das Grundstück notfalls mit Gewalt", erklärte er.
„Aber das hier ist heiliger Boden!" erwiderte der Elf empört.
„Das ist egal", antwortete Scrimgeour drohend. „Das ist ein Auftrag der Priorität 1, da Werwölfe zu den gefährlichen Geschöpfen zählen, insbesondere so kurz vor Vollmond. Wenn du uns nicht mit deinem Meister sprechen lässt, kann ich dir versichern, dass wir in einer Viertelstunde mit einer Genehmigung, alles hier auseinander nehmen zu dürfen, wieder da sind."
„Unser Meister wird Sie aber trotzdem nicht empfangen", murmelte der Elf mit hängenden Ohren. Fieberhaft schien er unter dem bösen Blick des Leiters der Aurorenabteilung zu überlegen und sagte schließlich zögerlich: „Dissy könnte höchstens den obersten Priester fragen, ob er bereit ist, mit den Herren zu reden."
„Tu das", erwiderte Scrimgeour.
„Warten Sie hier", sagte der Elf und schloss die Tür wieder. Der Leiter der Aurorenabteilung drehte sich zu seinen Begleitern um. Die beiden Adepten warfen ihm weiterhin gespannte und aufgeregte Blicke zu, während der Heiler ungeduldig mit gerunzelter Stirn zu Boden schaute.
Kurze Zeit später öffnete sich die Tür erneut, und der Elf erschien wieder. „Der Pharao ist bereit, Sie zu empfangen", verkündete er strahlend. Er ging ein paar Schritte zur Seite, so dass die vier Zauberer das Innere des Prunktores((3)) betreten konnten. Der Raum war warm, auch wenn keine Kamine oder Ähnliches zu sehen waren. Ein paar Fackeln brannten an den Wänden und erhellten den Raum, der ansonsten leer war. Vier Türen gingen von ihm ab, und man konnte angefangene Malereien in ägyptischem Stil an den Wänden sehen, doch ansonsten bot der Raum nichts Außergewöhnliches.
Der Elf verbeugte sich und führte die vier Menschen zu der gegenüberliegenden Tür. Kurz bevor sie sie erreichten, öffnete sie sich allerdings, und eine kleine vermummte Gestalt trat in den Raum. „Sie!" rief der Heiler aufgebracht. „Was haben Sie sich dabei gedacht, Mr. Forrest mit sich zu nehmen?"
Sofort waren Scrimgeour und seine Auroren in Alarmbereitschaft und richteten ihre Zauberstäbe auf die Person. Die kleine Gestalt schien einen Moment vor Überraschung kein Wort sagen zu können, doch als der Heiler auf sie zustürmte, musste er ein wenig schmerzhaft feststellen, dass sie von einem Schutzschild umgeben war, gegen den er etwa einen halben Meter vor ihr prallte und zu Boden fiel. Sofort rappelte er sich aber wieder auf und starrte sein Gegenüber böse an.
„Es tut mir leid", sagte die Gestalt endlich mit ruhiger Stimme. „Aber ich weiß nicht, wovon Sie reden. Ich habe Sie noch nie gesehen und auch nicht ‚Mr. Forrest mit mir genommen'."
Das Gesicht des Heilers rötete sich ein bisschen, als er die Stimme der Person hörte, da der Besucher im Krankenhaus eindeutig eine andere gehabt hatte. „Entschuldigung", sagte er verlegen. „Aber Sie tragen die gleiche Kleidung wie er…"
Abwehrend hob der Vermummte die Hände. „Schon gut", erwiderte er mit einer Stimme, die verständnisvoll klang. Mit einer leichten, fast beiläufigen und doch eleganten Handbewegung, von der der Leiter der Aurorenabteilung überzeugt war, dass niemand außer ihm sie bemerkt hatte, bedeutete die kleine Gestalt dem Hauself, sich zurückzuziehen, was dieser auch schweigend mit einer Verbeugung tat. „Ich bin sicher, es war für Sie ein anstrengender Tag, und daher ist es verständlich, dass Sie etwas gereizt sind."
„Sind Sie dieser ‚Pharao'?" mischte sich nun Scrimgeour ein, der die scheinbar zierliche Person etwas misstrauisch betrachtete, die er für einen jungen Knaben hielt.
Das Gesicht der Person schien sich nun dem Leiter der Aurorenabteilung zuzuwenden, soweit dieser es beurteilen konnte. „Nein", erwiderte sie und schien leicht amüsiert. „Ich bin nur einer seiner Priester, Imby((4)), der Ihnen entgegen geschickt wurde, um Sie alle zu ihm zu geleiten."
„Nun gut", antwortete Scrimgeour. „Dann zeigen Sie uns den Weg."
„Das werde ich, aber ich fürchte, dass Sie so nicht vor ihn dürfen", sagte die Gestalt. „Dies ist ein Tempel, und der Pharao ist der Abgesandte der ägyptischen Götter auf Erden und daher können Sie mit dem Schmutz der Außenwelt behaftet nicht vor ihn. Mit Ihrer Erlaubnis werde ich Sie schnell mit einem Zauber reinigen…"
„Wir sollten unsere Zeit nicht mit so etwas verplempern!" rief der Heiler und versuchte, an Imby vorbeizustürmen, doch erneut rannte er gegen ein Kraftfeld.
„Ich fürchte, ich muss dennoch darauf bestehen", sagte die vermummte Gestalt ernst. „Es ist Teil unseres Kultes, und das müssen Sie laut dem Zauberergesetz von 1289 respektieren. Es verpflichtet Sie dazu, die Kultpraktiken anderer Zauberer zu achten."
„Das betrifft nur von unserer Regierung anerkannte Kulte", warf Juka, der fast alle Gesetze auswendig konnte, mit einem unsicheren Blick auf Scrimgeour ein. Dieser nickte ihm anerkennend zu, was den ansonsten in der Gegenwart des Aurorenleiters extrem schüchternen Adepten strahlen ließ.
„Dieser Kult hier ist ein ägyptischer… der, der dem Gott Anubis huldigt, um genau zu sein", konterte die kleine Gestalt ruhig. „Ägyptische Kulte sind zwar erst seit drei Tagen hier in Großbritannien anerkannt, aber demnach trotzdem legal und das ohne Einschränkungen irgendwelcher Art. Daher möchte ich Sie noch einmal bitten, sich zu reinigen."
Scrimgeours Blick verfinsterte sich und er beschloss, der Sache auf den Grund zu gehen, sobald er wieder im Ministerium war. Eine solche Genehmigung zu erteilen, ohne ihn, den Leiter der Auroren, darüber zu informieren, war skandalös. In jedem Fall entschied er aber, dass sie schneller zu der verantwortlichen Person kommen würden, wenn sie dieser Anweisung Imbys folgten. Schnell sprach er über sich und die drei anderen einen Reinigungszauber, woraufhin der Vermummte anerkennend mit dem Kopf nickte, ehe er mit einem Zeichen, dass sie ihm folgen sollten, umdrehte und durch die Tür in einen kleinen Hof schritt.
Sie überquerten den Hof, der größtenteils mit Schnee bedeckt war und in dessen Mitte nur ein Weg so breit wie die Tür frei war, der direkt zu einer weiteren Tür gegenüber führte. Insgeheim war Scrimgeour beeindruckt, wie der Tempel aussah, doch ließ er sich nichts davon anmerken. Im Gebäude wurden sie dann zielsicher von dem Kleinen durch einen weiteren kurzen Gang geführt, der in einem Säulenhof endete. Ein großes durchsichtiges Dach ließ das schwächer werdende Tageslicht in den Raum, und jede zweite der Säulen am Rand hatte die Form eines merkwürdigen Mischwesens, eines Mannes mit einem Schakalkopf, welches Anubis war, wenn sich der Leiter der Aurorenabteilung richtig erinnerte.
Jede dieser fünf Meter hohen Statuen trug eine Fackel, die zusätzlich zur Beleuchtung des Raumes beitrugen. Unweigerlich wurden die Augen der Auroren und des Heilers auf einen Thron gezogen, der im Halbdunkeln vor einer weiteren Tür aufgestellt war. Auf ihm saß eine Gestalt, deren Gesicht und Oberkörper nicht zu erkennen waren. Die Füße und Beine hingegen waren sichtbar und ließen Scrimgeour vermuten, dass dieser ‚Pharao' noch relativ jung war. Dennoch konnte selbst der erfahrene Auror, der schon viel in seinem Leben gesehen hatte, nicht leugnen, dass diese Person eindeutig respekteinflößend war. Natürlich war dem Leiter der Aurorenabteilung durchaus bewusst, dass ein Teil dieser Ausstrahlung auf den Raum und seine Beleuchtung zurückzuführen war, doch musste er sich eingestehen, dass auch die Person selbst, durch ihre kaum erkennbare, aber dennoch majestätische Haltung selbst eine solche Aura vermittelte. Somit konnte der alte Auror durchaus nachvollziehen, warum dieser junge Mann Anhänger hatte, die ihn als ‚Pharao' ansahen.
Als sie sich dem Thron bis auf etwa sieben Meter genähert hatten, sank Imby auf die Knie und verneigte sich. Scrimgeour musste mit sich kämpfen, nicht das Gleiche zu tun, und im Gegensatz zu seinen beiden Adepten und dem Heiler gelang es ihm auch, dem Drang zu widerstehen, obwohl es ihm besonders schwer fiel, weil er den brennenden Blick des Sitzenden auf sich spürte, auch wenn er ihn nicht sehen konnte. „Ehrenwerter Pharao", sagte Imby mit einer viel sanfteren Stimme als der, die er bei Scrimgeour und seinen Begleitern verwendet hatte. Sie war voll von Liebe, Vertrauen und Respekt. Dass sich der Leiter der Aurorenabteilung nicht hingekniet hatte, ignorierte der Kleinere kommentarlos, und dieser war sehr dankbar, dass zumindest für den Augenblick der Blick des ‚Pharao' nicht mehr auf ihn gerichtet war. „Wie es Euer Wunsch war, habe ich die Besucher zu Euch geführt."
„Wir danken Euch, Priester Imby", erwiderte die kraftvolle Stimme des sitzenden Mannes. Der Kleine verbeugte sich erneut, bevor er sich auf eine Handbewegung des ‚Pharao' hin erhob und in den Schatten nahe des Throns trat, wo Scrimgeour dank seines extrem guten Sehvermögens, das er durch zusätzliche Zauber auf seiner Brille hatte, vage weitere Gestalten erkennen konnte. Genau konnte er sie allerdings nicht sehen, da die tiefen Schatten in jenem Teil des Raumes sie ebenso gut verbargen, wie sie die Identität des ‚Pharao' verschleierten. Außerdem hatte er kaum Zeit, sie zu mustern, da seine Aufmerksamkeit, ohne dass er es wollte, auf die sitzende Gestalt gezogen wurde, als der ‚Pharao' das Wort an sie richtete.
„Wir begrüßen Euch, Auroren des britischen Zaubererstaates", begann er würdevoll, und seine Stimme war voller Kraft. „Unser Name ist Atemu. Wir sind als Pharao das Oberhaupt aller ägyptischen Kulte, die Euer Land großzügig genug war, hier willkommen zu heißen."((5))
Scrimgeour runzelte die Stirn. „Ich muss gestehen, dass die Legalisierung dieser Kulte mir nicht bekannt gemacht wurde, aber um ehrlich zu sein, bin ich heute nicht deshalb mit meinen Begleitern hierher gekommen", erwiderte er. In kurzen Worten erklärte er Atemu, was im Krankenhaus geschehen war.
„In der Tat, ist der Mann, den Ihr sucht, hier in diesem Tempel", sagte der ‚Pharao', als Scrimgeour mit seiner Erzählung fertig war. „Wir selbst haben dem St. Mungos auf seinen Wunsch heute einen Besuch abgestattet und ihn, ebenfalls mit seinem Einverständnis, hierher gebracht."
„Sie waren das?" fragte der Heiler, erhob sich aufgebracht und war anscheinend bereit, sich auf den ‚Pharao' zu stürzen.
Scrimgeour seufzte leise über das Verhalten des Heilers und bedeutete ihm mit einem Zeichen, das er zum Glück dank des strengen Blickes des älteren Mannes nicht ignorierte, sich zurückzuhalten. Der Leiter der Aurorenabteilung hatte sehen können, wie auf die Bewegung des Heilers hin die Gestalten um Imby und dieser selbst sich alarmiert bewegt hatten, und war sich sicher, dass sie sofort bereit gewesen wären, ihren ‚Pharao' vor jeglichem Angriff zu schützen.
„Ja, Wir waren es", erwiderte der Pharao, und das Eis in seiner Stimme kündete unverkennbar von seinem Zorn, aber auch davon, dass er, anders als die meisten jungen Leute, über genug Selbstkontrolle verfügte, diesem nicht freien Lauf zu lassen, was Scrimgeour sich anerkennend eingestehen musste. „Und da Wir es mit seinem Einverständnis taten, ist kein Unrecht geschehen. Es handelt sich demnach weder um eine Entführung, wie Ihr andeutetet, noch um eine Flucht. Mr. Forrest war als Patient in Eurem Krankenhaus und nicht als Gefangener. Demnach hat er das Recht, jederzeit zu gehen, wenn er es wünscht, aus welchen Gründen auch immer."
„Aber er ist gefährlich!" protestierte der Heiler.
„Wenn es sein Wunsch ist, das Krankenhaus zu verlassen, da sie ihm ohnehin nicht mehr helfen können außer mit einem Trank, den er nicht zu nehmen wünscht, bzw. weil er sich nicht gut genug behandelt sieht, ist es dennoch sein Recht zu gehen", erklärte Atemu fest. „Vor allem da Wir Euch versichern können, dass von ihm nicht mehr Gefahr ausgeht als von jedem anderen Menschen."
„Verzeihen Sie, dass ich Ihre Zuversicht in dieser Beziehung nicht teile", antwortete der Leiter der Aurorenabteilung, der es dieses Mal mit einem bösen Blick zu verhindern geschafft hatte, dass der Heiler sprach und den ‚Pharao' noch wütender machte. „Dieser Mann ist ein Werwolf--"
„Genau", unterbrach ihn der Heiler an dieser Stelle trotzdem wieder. „Der Mond geht bald auf und wenn der Mann seinen Wolfsbanntrank nicht nimmt, wird er zu einer unkontrollierbaren Bestie."
Scrimgeour spürte förmlich, wie sich der Pharao bei diesen Worten extrem anspannte. „Er ein Mensch und keine Bestie. Er ist ein Priester dieses Kultes und als solcher beschützt ihn der große Gott Anubis vor allem Übel", informierte Atemu ihn mit eisiger Stimme.
„Glauben Sie wirklich, dass der Wolf in ihm sich darum schert, dass der Mann Ihr Priester ist?" rief der Heiler aufgebracht.
„Wagt es nicht, Unsere Götter zu beleidigen und das auch noch in ihrem eigenen Haus!" sagte Atemu in einem Ton, der keinen Widerspruch duldete. Scrimgeour und seine Begleiter zuckten zusammen. Sie konnten deutlich die Energie und die Kälte des Zornes im Raum spüren, und das schien anscheinend selbst den Heiler zu ängstigen. „Mr. Forrest ist dank des Kontaktes mit dem großen Gott Anubis kein Werwolf mehr."
Der Leiter der Aurorenabteilung und seine Begleiter konnten sich nicht erinnern, jemals etwas Dümmeres gehört zu haben. „Das ist absolut lächerlich" sagte der Heiler, nachdem auf die Aussage Atemus hin einige Sekunden nur Totenstille gefolgt war. „Ich habe Ihnen schon vorher gesagt, dass es keine Heilung für Lykanthropismus gibt."
„Nur weil Ihr und Eure heutige Heiltechnik keine kennt, heißt das nicht, dass es sie nicht gibt", erwiderte der Mann auf dem Thron bestimmt.
„Heilgeschichte gehört zu der Ausbildung eines Heilers und daher bin ich mir sehr sicher, dass es in Ägypten keine Werwölfe gab!" konterte der Heiler fest.
„Natürlich nicht, weil Unsere Ahnen sie ‚heilen' konnten", antwortete Atemu verächtlich, und auch wenn Scrimgeour fand, dass er etwas merkwürdige Ansichten zu haben schien, so konnte er nicht bestreiten, dass er die Geduld des jungen Mannes mit dem Heiler bewunderte. Er hatte nicht gedacht, dass jemand, der von sich behauptete, ein ‚Pharao' zu sein, es duldete, derart in Frage gestellt zu werden. Als der junge Mann fortfuhr, wurde seine Stimme etwas melancholischer, und der Zorn verschwand ein wenig aus ihr: „Euer Wissen und auch das der heutigen ägyptischen Zauberergemeinde mag aufgrund der langen Zeit des Vergessens und der Tatsache, dass es auch damals nur sehr wenigen bekannt war, verloren sein, aber nicht alle haben vergessen. Uns und Unseren treuen Priestern sind die Geheimnisse noch wohl bekannt."
„Und woher wissen Sie so viel darüber?" mischte sich der Leiter der Aurorenabteilung ein, um zu verhindern, dass der Heiler vielleicht doch etwas sagte und den Sitzenden dadurch wieder verärgerte. „Woher wollen Sie wissen, dass das so stimmt?"
„Nun, Wir sind Pharao", erwiderte Atemu, und in seiner Stimme klang die unausgesprochene Frage mit, wieso Scrimgeour das Offensichtliche nicht verstand.
„Es gibt seit Jahrtausenden keine Pharaonen mehr", sagte Scrimgeour grimmig. „Was, glauben Sie, berechtigt Sie dazu, aus dem nichts aufzutauchen und sich plötzlich so zu bezeichnen?"
Empört erhob sich Atemu und donnerte: „Wir sagten bereits, dass Ihr Unsere Götter nicht anzweifeln sollt! Das ist unerhört! Wir sind Pharao aus dem gleichen Grund wie Unsere Ahnen in der alten Zeit. Re war und ist es, der Uns als seinen Sohn auserwählt und Uns damit zum obersten Priester aller ägyptischen Kulte macht, so wie alle Pharaonen vor Uns!"
Gleichzeitig, wie um seine Worte zu bestätigen und ihn zu verteidigen, flog plötzlich ein riesiger Feuervogel durch die magische Barriere im Dach und landete schützend zwischen dem Pharao und den Auroren. Das Lied, das er dabei sang, klang ebenso empört wie zornig, so dass sie alle, selbst Scrimgeour, ein wenig zurückwichen. Der nun stehende junge Mann verbeugte sich zum Rücken des Vogels und sagte: „Danke, dass Ihr Uns heute mit Eurer Anwesenheit beehrt, um Unsere Ehre zu verteidigen, Gesandter und Kind des Re."
Der riesige Feuervogel, der den Leiter der Aurorenabteilung ein wenig an einen Phönix erinnerte, auch wenn er brannte und wesentlich größer als jedes ihm bekannte Exemplar dieser Art war, zwitscherte nun sanft und liebevoll den ‚Pharao' an, bevor er seine Flügel zusammenfaltete und sich damit begnügte, die Auroren böse anzuschauen.
Bevor irgendjemand noch etwas sagen konnte, erregten leise Schritte die Aufmerksamkeit aller im Raum, und sie wandten sich der hinteren Wand zu, wo in diesem Moment eine Gestalt ins Licht trat...
--
Nachdem Yami und die anderen gegangen waren, herrschte in dem Raum, in dem Lupin und Forrest allein zurückgeblieben waren, zunächst totale Stille. Hin und wieder wagte der Werwolf einen verstohlenen Blick auf den neuen Anubispriester, der mit geschlossenen Augen seinen eigenen Gedanken nachzuhängen schien. Schließlich öffnete dieser seine Augen und lächelte den älteren Mann an.
„Wenn Sie Fragen haben, dann stellen Sie sie ruhig, Mr. Lupin", forderte er ihn freundlich auf. „Mein Gott würde sich freuen, wenn Sie sich dazu entschließen könnten, ebenfalls sein Geschenk anzunehmen. Ich werde also Ihre Fragen, so gut es geht, beantworten, so dass Sie Ihre Entscheidung bewusst treffen können."
Lupin schaute zu Boden und sagte schließlich zögerlich: „Ich… habe natürlich viele Fragen. Aber woher weiß ich, dass Sie mir die Wahrheit sagen? Sie könnten, bewusst oder in Unwissenheit mir alles erzählen, was ich hören will, damit ich mich bereit erkläre, auch Priester zu werden."
Forrest sah ihn gutmütig an, doch auch eine Spur Mitleid wegen der tiefen seelischen Wunden des anderen Mannes war in seinen Augen zu sehen. „Das ist richtig, und ich weiß nicht, wie ich Sie von der Aufrichtigkeit meiner Worte überzeugen soll. Außerdem bin ich ja selbst erst kurze Zeit so und ich weiß sicher selbst nicht alles, doch da Sie selbst ein Anwärter sind, kann ich Ihnen immerhin alles relativ offen erzählen. Am besten, Sie fragen einfach, und ich antworte Ihnen nach bestem Wissen. Wenn Sie mir dann nicht glauben wollen, ist das natürlich Ihr gutes Recht."
Der Werwolf zögerte, und es herrschte wieder ein paar Minuten Schweigen. Dann blickte er auf und fragte unsicher: „Was ist mit Ihnen geschehen? … Es war so ein Heulen zu hören…"
Forrest sah verträumt aus dem Fenster. „Nun ja, der wichtigste Teil der Zeremonie findet zwischen den Anwärtern und unserem Gott statt. Der Anwärter geht allein in das innerste Heiligtum, die Wohnung des Gottes und begegnet ihm dort", antwortete er. Lupin konnte sehen, wie wohlige Schauer den Körper seines Gegenübers bei der Erinnerung an dieses Ereignis durchfuhren. „Ich will nicht lügen, ich hatte große Angst, was aber vermutlich natürlich ist, wenn solch wilde, rote Augen, deren Blick derart intensiv ist, dass man den Eindruck hat, sie würden die Seele entblößen und zerreißen, auf einen gerichtet sind. Man spürt direkt, dass man von ihnen gerichtet wird, und weiß instinktiv, dass es nicht gut endet, wenn ihm nicht gefällt, was er sieht."
„Dann ist es also wirklich ein so blutrünstiger Gott?" flüsterte Lupin mehr zu sich selbst. „Was ich über Anubis gelesen habe, ließ es ja schon vermuten…"
„Er ist sicher kein Schoßhund oder Ähnliches, aber er greift normalerweise auch nicht grundlos an", verteidigte der Priester seinen Gott entschlossen. Als er jedoch weitersprach, war seine Stimme wieder sanfter. „Aber zurück zur Zeremonie. Ich dachte, dass er mich eine halbe Ewigkeit nur umkreiste und betrachtete, wobei ich denke, dass es letztendlich nur wenige Minuten waren. Dann akzeptierte er mich, und ich spürte, wie der ‚Wolf' in mir reagierte. Es war, als ob ich lag und er sich beschützend und wärmend um mich gelegt hätte. Unter den Augen des großen Gottes wurden der Wolf und ich eins und--"
„Aber der Wolf ist mordlüstern und gefährlich!" protestierte Lupin und schien in schlechten Erinnerungen zu versinken. Er kauerte sich auf seinem Stuhl zusammen und zitterte leicht. Als er spürte, wie Forrest seine Hand beruhigend auf die seine legte, zuckte er zunächst zusammen, bevor er aufsah.
„Nicht, wenn er Kontakt zu unserem Gott hat", erklärte der neue Hohepriester mit sanfter Stimme. „Sie fühlen es doch auch, hier ihm Tempel, nicht wahr?"
Der ältere Werwolf zögerte einen Moment, nickte aber schließlich. Der Anubispriester lächelte. „Leider hat der Öffner der Wege keinen großen Einfluss auf seine kleinen… wie soll ich sagen… Ableger. Erst an einem Ort wie diesem hier, wo seine Präsenz in dieser Welt mehr gefestigt ist als sonst, da es sein Gebiet ist, hat er die erforderliche Kontrolle, und das spüren Werwölfe."
„Und woher wollen Sie das so genau wissen?" fragte Lupin ein bisschen misstrauisch.
„Weil man während der Zeremonie einen kurzen Moment mit dem Gott eins wird. Alles, was ich als Priester wissen muss, hat er mir in diesem Augenblick beigebracht", er deutete verschmitzt lächelnd auf eine der vielen bemalten und beschriebenen Wände, „sogar das Lesen der Hieroglyphen. Und das ganz ohne lernen. Oh, und ich weiß jetzt beispielsweise, dass die gesegneten Priester durch den göttlichen Teil in ihnen eine Verbindung untereinander haben… bzw. haben werden, wenn es mehr gibt als nur mich."
„Dann lebt man ständig beobachtet?" fragte Lupin relativ beunruhigt.
„Nun ja, der Gott zumindest weiß meistens wenigstens grob, was man denkt und tut, wobei er versuchen will, bei den neuen Priestern die Privatsphäre des Einzelnen mehr zu wahren, da die Zeiten ja anders sind und auch die Kultur nicht die gleiche ist. Aber das Positive ist natürlich, dass man nie allein ist, wenn man jemanden braucht. Und wer ist ein besserer Verbündeter als ein Gott?"
Der Werwolf antwortete nicht, sondern schaute nachdenklich zu Boden. Er stellte noch ein paar weitere Fragen, bevor er plötzlich zusammenzuckte. Besorgt betrachtete Forrest Lupin, doch als dieser begann, sich in einen Werwolf zu verwandeln, verstand er und beruhigte sich wieder. Die beiden waren derart in ihr Gespräch vertieft gewesen, dass sie nicht gemerkt hatten, wie die Sonne unter- und der Mond aufgegangen war. Da Lupin seinen Trank genommen hatte, behielt er aber seine Sinne und legte sich auf den Boden, um wie üblich zu schlafen, bis er sich am nächsten Morgen zurückverwandeln würde.
„Nur noch eins, bevor Sie schlafen", sagte plötzlich der Priester, und der Werwolf sah ihn mit großen Augen an. „Ich habe ja noch gar nicht erzählt, dass es auch physische Vorteile gibt, oder? Wenn Sie ein Priester des Anubis werden, dann wird nicht nur die Verwandlung bei jedem Vollmond unterbunden, Sie können auch die Werwolfssinne jederzeit noch intensiver nutzen und, wenn Sie wollen oder es benötigen, die Gestalt unseres Gottes annehmen…"
Nachdem er kurz zur Demonstration seine Anubisgestalt angenommen hatte, verwandelte er sich sofort zurück. Dann entschloss Forrest sich dazu, Lupin über alles nachdenken zu lassen und nachzuschauen, was draußen los war. Mit seinem nun sehr scharfen Gehör hatte er bis in die Kammer gehört, dass Yami draußen mit den Besuchern heftig diskutierte. So stark, wie sie debattierten, bezweifelte Forrest, dass sie mitbekommen hatten, dass die Nacht hereingebrochen und der Vollmond aufgegangen war. Seinem eigenen und dem Wunsch seines Gottes folgend, trat er schließlich in den Hof. Selbstbewusst trat er ins Licht und sobald er erkennbar war, zeigte der Heiler auf ihn und machte ein paar Schritte in seine Richtung. „Da sind Sie ja!" rief er sofort aufgeregt und kramte panisch in seiner Tasche. „Sie müssen sofort den Trank nehmen, und dann müssen wir schleunigst ins Krankenhaus zurück."
„Das mit dem Trank wird nicht nötig sein", erwiderte Forrest ruhig. Auf die ungläubigen und entsetzten Blicke der vier Besucher des Tempels grinste er überlegen. „Der Vollmond ist bereits vor mehreren Minuten aufgegangen, und wie sie sehen, bin ich kein Werwolf geworden."
Der Heiler schaute unsicher auf seine Armbanduhr, die eindeutig auf ‚Vollmondnacht' stand. Er tippte dagegen und schüttelte sie, doch sie zeigte stets das gleiche. „Damit Sie mir glauben", fuhr der Anubispriester fort, „und sich davon überzeugen können, dass ich gesund bin und nicht mehr an Lykanthropismus leide, bin ich bereit diese und die nächsten beiden Nächte unter ihrer Obhut im St. Mungo zu verbringen."
Der Heiler war aufgrund seines Misstrauens nur allzu gern bereit, auf diesen Vorschlag einzugehen. „Seid Ihr Euch sicher, Hohepriester des Anubis?" fragte Yami ihn auf Ägyptisch in dem Wissen, dass die Zauberer es nicht verstanden. „Ihr müsst das nicht tun."
„Mein Gott und ich sind der Meinung, dass auf diese Weise die Heiler des St. Mungos meine ‚Heilung' nicht mehr in Zweifel ziehen und uns somit helfen können, es öffentlich zu machen", erwiderte Forrest in der gleichen Sprache. „Da wir glauben, dass viele Werwölfe dann gleich zu uns kommen werden, ohne dass wir sie suchen müssen, macht das die Rekrutierung für die anderen Priester einfacher."
Yami zuckte mit den Schultern, und der Anubispriester wandte sich lächelnd den mehr oder weniger verwirrt schauenden vier Zauberern zu. Der ehemalige Werwolf sagte ihnen, dass er zum Aufbruch bereit sei, und als sie sich daraufhin zum Gehen wandten, begleitete er sie stolz und selbstbewusst aus dem Tempel.
Fortsetzung folgt…
Anmerkungen
((1)) In Band 6 wird er ja Zaubereiminister, aber hier in Band 5 ist er noch Leiter der Aurorenabteilung.
((2)) Weil Magician das zunächst falsch verstanden hatte, will ich hier mal gleich klarstellen, dass der ‚Meister' hier in diesem Fall Anubis ist. Die Elfen wurden zwar von Yami gekauft, aber er hat ihnen schließlich Kleidung gegeben, und dann wurden sie Anubis als Priester verpflichtet, was ihn zu ihrem Meister macht.
((3)) Zumindest bei mir ist das auch so eine Art erste Empfangshalle bzw. Wachhäuschen. Normalerweise ist ein Pylon das Tor mit zwei massiven Steintürmen, die hohl waren, also Räume und Treppen bargen, aber bei mir ist außerdem noch das Stück dazwischen, also praktisch zwei Tore mit einem kleinen Raum dazwischen.
((4)) Es handelt sich hier um Yugi, der sich selbst diesen Tarnnamen gibt. Das ist eines der ägyptischen Wörter für ‚Spiel', da Yugi ja das gleiche bedeutet. In anderen Geschichte habe ich oft gelesen, dass Heba Spiel bedeuten soll, kann das aber nicht so ganz nachvollziehen, weil dieses Wort dummerweise das Verb ist und demnach ‚spielen' bedeutet. Für die, die es interessiert, ‚Spiel' bedeutet nach meinem Wörterbuch entweder Daba oder Imby, spielen Heba, Seker oder Chebi.
((5)) Magician: OO Voller ‚Pharao-Modus'... Uh-oh ... Das kann ja heiter werden. ‚lach' Aber klingt schon ein bisschen merkwürdig, wenn Yami den ‚Pluralis Majestatis' benutzt... Da werd ich mich erst noch dran gewöhnen müssen.
Annuket: Ja, wobei ich zwar nicht glaube, dass es so etwas bei den Ägyptern wirklich gab, aber ich finde, es klingt toll und es ist beeindruckender für die Auroren.
Annuket: Ok, bis in zwei Wochen dann.
