Annuket: So, willkommen zu Kapitel 30. Ein Kaiba-Kapitel. Der Arme kommt irgendwie zu selten vor… Nun ja. Auf jeden Fall danke für die beiden Reviews. Zunächst wie immer danke für den Smiley, Dax.
An Heavenfly: Zum Muggelausflug… Ich hatte die Idee schon sehr lange, aber irgendwie bin ich nie dazu gekommen Hinweise zu streuen. Es passte irgendwie nie.
Magician 'kommt rein, lässt einen Riesenstapel Unterlagen auf den Tisch fallen': Puh, geschafft. 'guckt Annuket an' Antwortest du gerade Heavenfly? 'Annuket nickt, Magician liest bisherige Antwort' Ach, das mit der Erdbeerwoche hattest du noch nicht. Ganz ehrlich, das ist eine gute Frage gewesen. Aber wahrscheinlich machen die das nicht mit einem Zauber, sondern eher mit einem Trank. Außerdem werden Dinge des täglichen Lebens ja eigentlich einfach hergezaubert (oder vielleicht von Hauselfen besorgt), da wär' es kein Wunder, wenn die Jungs davon absolut keine Ahnung hätten.
Annuket 'schaut derweilen in die Unterlagen': Oh, das sind ja die Infos, weil du mich verlässt… 'schnief'
Magician 'beleidigt': Hey, ist ja nicht so, als würd ich das freiwillig machen. Aber da man in dieser Stadt anscheinend zehn Jahre warten muss, bevor man studieren kann, was man gern möchte, muss ich mir halt eine Uni suchen, wo es keinen NC gibt. Ich würde auch lieber hier bleiben… 'fängt auch an zu schniefen'
Annuket 'umarmt Magician': Ich weiiiiiß… Aber es ist sooooo weit weg. Und die meiste Zeit über Mail zu kommunizieren dauert so lange.
Magician: Das fürchte ich auch. Ich bezweifle, dass wir den bisherigen Zwei-Wochen-Rhythmus dann noch einhalten können, allein schon, weil ich dann auch nicht mehr besonders viel Zeit haben werde. Eine neue Sprache zu lernen kostet immer so wahnsinnig viel Zeit…
Annuket 'nickt': Ja, dass müssen wir mal sehen, wie lange wir dann brauchen.
Magician ''verbeugt sich zu den Lesern': Ich bitte schon im Vorfeld um Entschuldigung, wenn sich die Wartezeit vergrößern sollte.
Annuket: Aber immerhin bist du noch etwa einen Monat hier, also geht es bis dahin so weiter wie bisher. So, nun aber zum Disclaimer. So, und heute darf ihn Professor Timor machen. Ich treffe ihn in dem Kaufhaus. 'geht zum Kaufhaus'
Timor: Oh, da sind Sie ja. 'bekommt nichts mit von den Sicherheitsbeamten, die um ihn rumstehen'
Annuket: Guten Tag, Professor. Machen Sie den Disclaimer für mich.
Timor: Aber sehr gerne. …
Annuket: Ja? Sie können loslegen…
Timor: … Was ist ein Disclaimer?
Einer der Sicherheitsbeamten 'mischt sich ein, nachdem er Annukets Namensschild gelesen hat': Annuket gehört weder Yugioh noch Harry Potter. So, und nun wäre es schön, wenn Sie gehen würden. Andere Kunden fangen an, uns zu meiden, wenn immer solch seltsame Leute hier sind. 'scheucht Timor und Annuket aus dem Kaufhaus'
((...)) Anmerkungen von Annuket und Magician
Gedankenverbindung/.../ Yami; /-/.../-/Yugi; /'/.../'/ Kaiba
„..." Gespräch
‚...' Gedanken, Schrift lesen bzw. in Gespräch wörtliche Rede wiedergeben
Tierstimmen:...: Benu (Yamis Phönix, heiliges Tier des Re); :-:...:-: Miut (Yugis Katze, heiliges Tier der Bastet); :':...:': Scha (Kaibas Hund, heiliges Tier des Seth); --:…:-- Chetmety (Baku-Ras Schlange, heiliges Tier des Apopis); :--…--: Trevor (Nevilles Kröte, heiliges Tier von Hu und Hauet); --…-- Schutniu (Ryous Vogel, heiliges Tier der Maat)
Blabla Parsel
Kapitel 30: Erfahrungen
Chui-m-Seth((1)) betrat eilig den Palastgarten und schaute sich in der nur durch Mondlicht erhellten Umgebung um. Wo steckte nur Kisara((2)), fragte er sich. Ihr Pharao war angegriffen worden und brauchte die heilende Lichtmagie, zu der nur sie als Gesegnete des Lichtes fähig war. Doch sie schien nicht im Palast zu sein.
Als er hastige Schritte hinter sich hörte, drehte er sich hoffnungsvoll um, doch das Gesicht des Dieners war genauso besorgt wie das seine, als der Mann sich nach einer kurzen Verbeugung aufrichtete. „Wir können Lady Kisara nicht finden, ehrenwerter Hohepriester", berichtete er. „Die Wachen wurden ausgesandt und suchen nun am Nilufer und in der Umgebung."
„Sehr gut", erwiderte der Braunhaarige. „Fragt auch in den Tempeln der Umgebung nach."
„Natürlich", sagte der Mann und eilte nach einer weiteren kurzen Verbeugung davon.
Die Hände Chui-m-Seths ballten sich zu Fäusten, als er hoch zu dem Balkon schaute, der zu dem Gemach gehörte, in dem Heiler und einige der Millenniumspriester fieberhaft versuchten, ihren Pharao wenigstens so lange am Leben zu erhalten, bis Kisara ihm helfen konnte. Vor einer halben Stunde hatte die Leibgarde –oder besser was von ihr übrig war- ihren Herrscher blutüberströmt und mit hohem Fieber in den Palast zurückgebracht. Die Männer, die alle selbst mehr oder weniger schwer verletzt worden waren, hatten berichtet, dass sie auf ihrem Ausflug angegriffen worden waren und dass der Pharao dank seiner Ka-Monster das angreifende Wesen zwar hatte vertreiben können, doch nicht, bevor es ihn so zugerichtet hatte.
Der Hohepriester machte sich große Vorwürfe, da er seinen Geliebten eigentlich zu diesem Besuch seines zukünftigen Grabes hatte begleiten wollen und nur kurzfristig etwas dazwischen gekommen war. Hätte er ihn begleitet, hätten sie gemeinsam den Angreifer sicher abwehren können, ehe er den Herrscher derart hätte verletzten können. Nun war Chui-m-Seths geliebter Pharao zwar wieder zurück in der Sicherheit des Palastes, schwebte aber in Lebensgefahr, und der Hohepriester konnte ihn nicht heilen. Er hasste seine Unfähigkeit, irgendetwas tun zu können, außer bei der Suche nach ihrer Geliebten zu helfen. Warum konnte er nicht mächtiger sein? Mächtig genug zu helfen?
Ein Gedanke durchzuckte ihn. Das Tor! Die Götter hatten gesagt, dass, wenn die Auserwählten hindurchgingen und die Aufgabe erfüllten, die ihnen als Prüfung gestellt werde, ihnen große Macht verliehen werde, die sie auch vor dem ansonsten unvermeidlichen Tod im Diesseits bewahren würde. Er wusste, dass es ein gewisses Risiko barg, doch wenn es ihm die Möglichkeit gab, Atem zu retten, war er bereit, jeden Preis zu zahlen. Zwar sollten laut der Botschaft der Götter alle drei zusammen in einer feierlichen Zeremonie den dreifachen Torbogen betreten, doch da Kisara nicht zu finden war und er ihren Pharao in solchem Zustand keinerlei Gefahr aussetzen wollte, würde er wohl oder übel alleine hineingehen müssen.
Ohne weiter zu zögern, ging er zum Tempel der Millenniumsmagie((3)). Er war nahe des Palastes errichtet worden, nachdem die Millenniumsgegenstände mit ihrer Magie erschienen waren, und somit unbestreitbar der jüngste Tempel Ägyptens, wenn auch eindeutig einer der mächtigsten. Schnell erreichte der Hohepriester den Tempel und ging zielstrebig auf die Kammer mit den Toren der Macht zu. Die niederen Priester, die Wache hatten und ihm verwunderte Blicke zuwarfen, ignorierte er. Keiner von ihnen würde es wagen, seine Anwesenheit in Frage zu stellen oder ihn aufzuhalten, da er einer der Millenniumspriester war.
Er verlangsamte seine Schritte etwas, als er sich der Kammer näherte, denn trotz seiner inneren Ungeduld spürte er, wie die Macht des Tempels ihn umgab und ihn daran erinnerte, dass dies ein heiliger Ort war. Auch wenn es keinen Gott gab, der dies hier als sein Territorium betrachtete, war doch die Magie selbst göttlich und heilig und musste dementsprechend respektiert werden. Schließlich erreichte er sein Ziel und betrat den Raum.
Ehrfurchtgebietend standen die fünf Tore in dem großen Raum. Aus jedem von ihnen wehte sanft ein Vorhang aus Schattenmagie, und etwas, das wie das Wispern von Stimmen klang, war schwach zu hören. Er erinnerte sich daran, wie er das erste Mal hier gewesen war. Der Tag, an dem er zum Millenniumspriester geworden war, war auch der Tag gewesen, als das letzte der vier einfachen Tore((4)) aufgestellt worden war und damit alle fünf hier standen. Er wusste nicht genau, woher sie gekommen waren, nur, dass sie nach einer Prophezeiung an einem Ort konzentrierter Schattenmagie gefunden worden waren. Nun standen sie alle in diesem Raum und erfüllten ihn mit ihrer Macht.
Chui-m-Seth hielt einen Moment inne, ehe er entschlossen auf den dreigeteilten Torbogen direkt gegenüber vom Eingang zuging. Kurz vor diesem blieb er stehen und schaute unsicher auf die schleierartigen Schatten. Doch der Gedanke an Atem, besonders wie der Pharao hilflos in seinen Armen gelegen hatte, ließ ihn die Hand ausstrecken und sich bereit machen, durch den Torbogen zu gehen.
„Das solltet Ihr nicht tun, Priester Chui-m-Seth", erklang plötzlich eine sanfte Stimme hinter ihm. Erschrocken drehte er sich um.
„Imby", entfuhr es dem erstaunten Hohepriester, als er die kleine verhüllte Gestalt sah. Er misstraute diesem so genannten Gesandten der Götter. Nie zeigte der kleinere Mann sein Gesicht und gab sich stets mysteriös und unnahbar. Dazu kam seine Unwissenheit vieler alltäglicher Dinge und die großen Lücken in seiner Allgemeinbildung, die selbst bei den ungebildeten Bauern nicht in solchem Ausmaß zu finden waren. All das hatte von Anfang an den Argwohn Chui-m-Seths geweckt. Daher verfinsterte sich sein Gesicht, als er den Mann nun hier sah. „Und was soll ich nicht tun?"
„Durch das Tor der Macht gehen", erwiderte der Kleinere ruhig. „Es würde Euch töten, wenn Ihr allein und ohne Vorbereitung hineingeht."
„Woher wollt Ihr das wissen?" fragte Chui-m-Seth.
„Ich weiß mehr über sie und die Schattenmagie als Ihr. Wie Ihr wisst, haben mich die Götter wegen ihnen zu Euch geschickt, also glaubt mir in dieser Beziehung einfach", antwortete er.
Das Gesicht des Hohepriesters wurde härter, und er sagte irritiert: „Ich bin einer der Millenniumspriester, und Eure Worte überzeugen mich nicht. Wenn Ihr mir nicht überzeugende Gründe gebt, wirkliche Gründe und nicht Euer ständiges ‚Ich weiß es, aber ich verrate es Euch nicht', dann habe ich keinen Grund, auf Euch zu hören, Gesandter der Götter." Bevor der andere auch nur die Chance hatte zu antworten, schüttelte der Priester des Millenniumsstabes den Kopf und sagte zum Tor gewandt: „Egal. Ihr sagt mir ja sowieso nichts, da Ihr es vermutlich selbst gar nicht wisst. Ich brauche dringend die Macht, die nur das Tor verleihen kann, und Ihr werdet mich nicht aufhalten. Wenn Ihr mich dann bitte entschuldigen wollt..."
„Es wird Euch aber die Macht, die Ihr sucht, nicht gewähren", erwiderte Imby ruhig, während eine seiner verhüllten Hände den Arm des Hohepriester umschlang. Gleichzeitig spürte der Träger des Millenniumsstabes, wie sich eine unsichtbare Mauer zwischen ihm und dem Tor aufbaute „Ich weiß wirklich mehr über die Schattenmagie und die Tore der Macht als Ihr."
„Ach ja? Dann erleuchtet mich mit Eurer Weisheit" sagte der Hohepriester gereizt. „Was erwartet mich auf der anderen Seite?"
„Der Tod", erwiderte Imby mit einem Ausdruck in der Stimme, den der Größere nicht wirklich deuten konnte, der ihn jedoch überzeugte, dass der Kleinere die Wahrheit sagte. „Denn letztendlich sind die Tore der Macht nur Übergänge zum Schattenreich… Dorthin, wo die Ka-Monster für alle Ewigkeit leben."
„Wenn es nur das ist", erwiderte Chui-m-Seth und wandte sich wieder dem Tor zu, entschlossen, die Mauer zu durchbrechen. „Das mag gefährlich sein, aber ich habe das Schattenreich, genau wie einige andere Priester, schon mehrmals besucht, schon um Ka-Monster für uns zu holen. Dadurch werde ich nicht sterben."
„Ich fürchte, ich habe mich nicht klar ausgedrückt", hielt ihn die Stimme des Kleineren jedoch erneut zurück, der ihn losgelassen hatte und sich nun dem Tor zuwandte und zusah, wie die Schattenschleier sich sanft bewegten. „Das, was ihr auf der Suche nach Ka-Monstern betretet, ist nur eine Art Vorhof… Dorthin kommen die Kas, um sich an ihre neuen Körper zu gewöhnen. Erst wenn sie dies getan haben, gehen sie in das wahre Schattenreich."
„Dann gibt es zwei Schattenreiche?" fragte der Hohepriester verwirrt.
„Ja und nein", erwiderte der Gesandte der Götter, der Schwierigkeiten zu haben schien zu erklären, was er wusste. „Das, was wir unter Schattenreich verstehen, ist, wie gesagt, nur der Übergang zum richtigen Schattenreich, aber die Definition der Menschen für das ‚Vorschattenreich' und das richtige ist identisch. Beide werden von Ka-Monstern bewohnt, die, sobald sie unsere Welt betreten können, normalerweise nur als Schatten in Erscheinung treten. Daher heißen beide Schattenreich. Das ‚Vorschattenreich' ist der Übergang, aus dem sie in unsere Welt gelangen bzw. aus der wir sie holen, das ‚Echte' ist eine Welt parallel zu der unseren, zu der nur die Toten und die Auserwählten Zutritt haben."
„Nun gut", antwortete der Hohepriester. „Aber soweit ich weiß, bin ich einer dieser Auserwählten, also sollte es kein Problem für mich sein, in diese Welt zu gehen."
„Ihr seid es und seid es nicht", erwiderte der Imby ruhig. „Alles hat seinen Ort und seine Zeit, damit die Maat herrschen kann. Leider ist es erforderlich, dass dieses Tor von drei bestimmten Menschen gleichzeitig betreten wird, und das ist jetzt nicht möglich. Geht Ihr jetzt und ohne Begleitung dort hinein, werdet Ihr nur von dem Hass der Menschen von Kul Elna, der es bewacht, seit die Verbindung zwischen den Welten hergestellt wurde, vernichtet."
„Kul Elna?" fragte Chui-m-Seth verwirrt. „Was ist Kul Elna? Ein Ort?"
Abrupt schaute der Kleinere zu ihm auf, und der Hohepriester hätte schwören können, dass er einen Moment amethystfarbene Augen, denen seines Pharao nicht unähnlich, unter der Kapuze hatte hervorblitzen sehen, die ihn erschrocken angesehen hatten. „Verzeiht", sagte der Kleinere und wandte sich zurück zur Tür der Kammer. „Aber ich weiß nicht, wie viel ich Euch erzählen darf oder sollte… Das Dorf, in dem die Millenniumsgegenstände gefertigt wurden, hieß Kul Elna. Dies waren die fünf Tore dieser Stadt. Als die Gegenstände entstanden, erfüllte die ganze Umgebung deren Energie, und besonders stark sammelte sie sich in den Toren, die zu besagten Übergängen in das Schattenreich wurden."
„Die Umgebung wurde mit Energie erfüllt?" fragte Chui-m-Seth zögerlich. Ohne viel nachdenken zu müssen, war ihm klar, was das bedeutete, und er sagte matt: „Was ist mit den Menschen passiert, die dort lebten? Ich habe nie darüber nachgedacht, wie die Gegenstände entstanden sind, aber… es muss eine gewaltige Energie freigesetzt worden sein, wenn sie ohne die erforderlichen Schutzzauber gefertigt wurden, und das hat sicher viele Tote gefordert."
Imby schaute zu ihm zurück. Er schien einen Moment zu zögern, sagte dann allerdings mit einer Stimme, die unendliche Traurigkeit zu unterdrücken schien: „Seid unbesorgt. Durch die Energie starben nur die Wachen, die das Ritual beaufsichtigten. Der leitende Priester und die anderen direkten Teilnehmer des Rituals überlebten", erklärte er, um den Größeren zu trösten. „Die Bewohner des Dorfes waren zu diesem Zeitpunkt bereits nicht mehr da."
Der Hohepriester atmete zumindest teilweise erleichtert auf. „Zum Glück wurden dann zumindest keine Außenstehenden verletzt", sagte er. „Aber da die Schöpfer der Gegenstände ja fähige Priester sein mussten, war es ja für sie abzusehen, dass es gefährlich sein würde. Gut, dass sie die Zivilisten evakuiert haben."
Der Kleinere antwortete nicht, sondern schaute einen Moment nur stumm in seine Richtung. Dem Besitzer des Millenniumsstabes war nicht ganz klar, was los war, doch ehe er fragen konnte, seufzte der Gesandte der Götter und sagte: „Kommt, Priester Chui-m-Seth. Lasst uns zum Palast zurückkehren."
Der Braunhaarige zuckte zusammen in Erinnerung, warum er durch das Tor hatte gehen wollen. „Sagt, Imby", begann er mit besorgter Stimme, als er schnellen Schrittes den anderen hinter sich her zum Ausgang des Tempels zog, „habt Ihr vor kurzem zufällig Lady Kisara gesehen?"
„Nein, nicht seit heute morgen, warum?" fragte der Kleinere zurück, der Mühe hatte, mit dem Größeren mitzuhalten.
„Wir brauchen ihr heilendes Licht", erwiderte Chui-m-Seth. „Seine Majestät wurde auf seinem Ausflug von einem starken Wesen angegriffen und laut den Heilern kann nur eine sehr starke Lichtseele ihn heilen."
„Warum habt Ihr das nicht gleich gesagt?" fragte Imby. „Wo ist er?"
„In seinem Gemach…" erwiderte der Hohepriester und blinzelte verdutzt, als im nächsten Moment der Kleinere mit einer Geschwindigkeit, die er ihm nie zugetraut hätte, an ihm vorbei in Richtung Palast lief.
Ungeachtet dessen, dass es unwürdig für einen der höheren Priester war zu rennen, tat Chui-m-Seth es trotzdem und eilte mit wehenden Gewändern dem Gesandten der Götter nach, die fragenden Blicke der Bediensteten ignorierend. Als er das Schlafgemach des Pharao betrat, sah er, wie Imby sich unter den Protesten des Heilers und der anwesenden Priester neben den Pharao aufs Bett setzte. Der Kleinere ignorierte die anderen, und auf das Zeichen des Hohepriesters unternahmen sie auch nichts, sondern zogen sich leise murrend vom Lager ihres Herrschers zurück. Zwar vertraute der Braunhaarige Imby noch immer nicht vollständig, doch wusste er, dass er dem Pharao nie etwas Böses tun würde. Die Götter würden es nicht erlauben.
Er sah, wie kleine und relativ weiße Hände, die sonst stets von den überlangen Ärmeln verdeckt gewesen waren, sich aus ihrer Umhüllung befreiten und fachmännisch den Zustand Atems untersuchten. Dieser stöhnte ab und zu leise in seinem Fieberwahn, wenn die zarten Finger sanft über eine seiner Wunden, die mit schwarzer Energie erfüllt waren, glitt. Schließlich legte Imby eine Hand auf die Stirn des Pharao und die andere auf seine Brust, direkt über sein Herz.
Chui-m-Seth spürte erstaunt die starke Magie, die von dem Kleineren ausging, als er den Heilungsprozess begann. Bisher waren weder er noch die anderen Priester dazu in der Lage gewesen, überhaupt etwas von Imby zu spüren, sei es seine volle Macht, sein Ka oder seine anderen Ba. Irgendetwas an ihm blockierte ihre Millenniumsgegenstände.
Eine halbe Stunde später schließlich verebbte die Macht, die den Raum erfüllt hatte, und der Gesandte der Götter zog seine Hände wieder zurück. Er richtete seinen Blick auf die Umstehenden. „Seine Majestät ist außer Gefahr und benötigt nun Ruhe", erklärte er mit müder Stimme. „Ich werde mich nun zurückziehen und auch ein wenig ausruhen."
Damit stand er auf und verließ das Zimmer, während der Heiler und die meisten der anwesenden Priester begannen, den nun schlafenden Pharao noch einmal gründlich zu untersuchen. Chui-m-Seth hingegen schaute Imby durch die halb offene Tür hinterher. Er wurde aus dem Kleinen einfach nicht schlau, und auch wenn er ihm dankbar war, dass er Atem an diesem Tag das Leben gerettet hatte, und scheinbar auch das seine, als er ihn nicht durch das Tor hatte gehen lassen, so war er doch in den Gedanken des Hohepriesters ein Unsicherheitsfaktor, der ständig Probleme bereiten konnte.
Kaiba erwachte plötzlich. Zunächst sah er sich einen Moment irritiert um, doch als er Yami und Yugi neben sich tief schlafend liegen sah, erinnerte er sich daran, dass er nicht einer der alten Millenniumspriester war.
Er wusste, dass er den Traum von diesem Stück seines früheren Lebens schon mehrfach gehabt hatte, doch hatte er sich davor nie richtig daran erinnern können. ‚So ist es immer mit diesen Träumen', dachte er geistesabwesend, ‚sie werden langsam aus dem Schleier des Vergessens befreit.' Sofort richtete sich seine Konzentration auf das Gespräch mit Imby im Tempel. Zunächst dachte er, dass dieser sogenannte Gesandte der Götter ihn mit seinem heutigen Wissen irgendwie ein bisschen an Yugi erinnerte, auch wenn der alte Ägypter etwas größer gewesen war als sein Geliebter. Hatte Yugi vielleicht entgegen ihrer bisherigen Annahmen doch, genau wie Kaiba, ein früheres Leben im alten Ägypten gehabt? Bisher hatte nichts darauf hingewiesen, und der Besitzer des Millenniumsschlüssels hatte auch keinerlei Erinnerungen an ein solches. Schnell wandten sich seine Gedanken allerdings wichtigeren Dingen zu, nämlich dem Gespräch selbst. Insbesondere dachte er über das nach, was der andere über das Tor gesagt hatte. Es war eindeutig dasselbe, das nun in der Höhle im Verbotenen Wald stand.
Es erfüllte ihn mit Sorge, dass das Tor in jener Zeit schon aktiv gewesen war. Das bedeutete, dass es auch in der Epoche der alten Ägypter bereit zum Betreten gewesen war, und er fragte sich, ob es damals Todesopfer gefordert hatte. War Yami im Puzzle gelandet, nachdem er durch das Tor gegangen war? Waren sein altes Ego oder Kisara bei einem Versuch, das Tor zu betreten, gestorben? Was würde passieren, wenn er in diesem Leben mit seinen beiden Geliebten hineinginge? Könnte das ihren Tod bedeuten, falls sie nicht diese ‚Auserwählten' waren? Er wurde aus seinen Gedanken gerissen, als er spürte, wie Yugi sich näher an ihn drückte und auch Yami über den Kleineren hinweg seinen Arm ausstreckte und ihm beruhigend über die Brust strich. Sofort spielte ein liebevolles Lächeln über die Züge des CEOs. Selbst im Schlaf spürten seine Geliebten, dass ihn etwas bedrückte und versuchten unbewusst, ihn zu trösten.
Sanft, um ihn nicht zu wecken, küsste Kaiba Yugi auf die Stirn und streckte seinen Arm aus, um ihm mit seinen Fingern mit einer fast geisterhaften Bewegung die Wangen entlang zu fahren. Im Mondschein, der ihr Zimmer erfüllte, konnte er sehen, dass seine beiden kostbarsten Menschen still und zufrieden zurücklächelten. Da er schon einmal wach war, entschied sich der CEO, etwas zu trinken, ehe er sich wieder hinlegte und weiterschlief.
Vorsichtig löste er sich von Yugi und legte Yamis Arm um ihn, während er sich erhob. Nach einem kleinen missmutigen Laut des Protestes arrangierten die beiden Kleineren sich neu und schliefen ruhig weiter. Sie waren es gewöhnt, dass der CEO ab und zu nachts aufstand und wachten daher nicht mehr immer auf, wenn er dies tat.
Kaiba warf sich seinen Morgenrock über, da es außerhalb des Bettes zu dieser Zeit etwas frisch war und ging in den Gemeinschaftsraum hinunter. Als er diesen betrat, bekam er gerade noch so mit, wie sich die Tür zur Schule schloss. Irritiert runzelte er die Stirn und fragte sich, wer um diese Zeit ihre Räumlichkeiten verließ. Alle, bei denen es normal war, dass sie hier waren, und die die Tür überhaupt benutzen mussten, waren ihre heiligen Tiere sowie Sarlena und Samantha. Mit finsterem Blick ging er ebenfalls zu dem Durchgang und stand nur wenige Minuten später auf dem Gang.
Der CEO schaute sich um, sah jedoch nichts. Schließlich drehte er sich um und wandte sich dem Wandteppich von Barnabas dem Bekloppten zu. Wie immer wurde der mittelalterliche Zauberer von den Trollen seiner Balletttruppe verprügelt. „Hey", sprach er sie an.
Die Figuren des Wandteppichs unterbrachen ihr Treiben und schauten ihn an. „Ja, bitte?" fragte der Zauberer und klang dabei wie immer empört darüber, gestört worden zu sein.
„Habt ihr gerade jemand aus Smaragd kommen sehen?"
„Natürlich", erwiderte Barnabas eingeschnappt mit verschränkten Armen. „Sie!"
Kaiba verdrehte die Augen. Der Zauberer auf dem Teppich raubte ihm den letzten Nerv. Das Schlimme daran war, dass er es nicht einmal tat, um jemanden zu ärgern, sondern es dank der Schusseligkeit seines hohen Alters wirklich ernst meinte. „Ich meinte kurz vor mir!" sagte er gereizt.
„Dann sagen Sie es auch!" antwortete die Teppichfigur. „Aber ich fürchte, ich muss Sie enttäuschen. Niemand ist rausgekommen..."
„Aber ich sah die Tür zugehen...", dachte der CEO laut und schaute sich noch einmal auf dem Gang um.
„Ach, das... Das direkt vor ihnen war nur der Hund", informierte ihn Barnabas abfällig. „Ich dachte, Sie meinen etwas Außergewöhnliches."
Ruckartig drehte sich Kaiba ihm wieder zu. „Hund? Sie meinen Scha?"
„Ja, ich glaube, das ist sein Name", erwiderte Barnabas nachdenklich. „Aber das ist schließlich nichts Besonderes. Immerhin geht er ja bereits seit einiger Zeit jede Nacht raus."
„Was macht er denn um die Zeit draußen?" wollte der CEO wissen.
„Woher soll ich das wissen?" fragte der Teppichzauberer desinteressiert. „Vermutlich geht er Gassi. Er ist schließlich ein Hund. Ich weiß nur, dass er das Schloss zu verlassen scheint, da er öfter nass war von Regen oder Schnee und dass er ab und zu Blätter in seinem Fell hatte."
Ohne etwas zu erwidern, eilte der CEO die Gänge des Schlosses entlang, während sich das Trollballett wieder auf Barnabas stürzte. Noch bevor er dabei um die nächste Ecke bog, veränderte der Braunhaarige mit Magie seinen Schlafanzug und Morgenrock in Alltagskleidung und vorsichtshalber schon einmal einen warmen Mantel, ohne in seinem Lauf innezuhalten. Als Kaiba schließlich aus dem Eingang des Schlosses trat, sah er gerade noch, wie Scha im Wald verschwand.
Sofort rannte er ihm nach, wobei er versuchte, von dem heiligen Tier des Seth nicht bemerkt zu werden, um in Erfahrung zu bringen, was er tat. Eine Weile gelang es dem CEO auch, doch schließlich verlor er den Hund kurz aus den Augen. Er schaute sich nach allen Seiten um, in der Hoffnung, ihn wiederzufinden, doch ohne Erfolg. Dafür meldeten ihm die Schatten, die hier aufgrund der Nähe zum Waldtempel schwerfälliger waren als sonst, eine Bewegung von links. Sofort reagierte er und versuchte, zur Seite zu springen, doch es war schon zu spät, und er wurde von einem großen Körper rücklings zu Boden gestoßen. Er spürte heißen, feuchten Atem in seinem Gesicht, und ein bedrohliches Grollen war zu hören.
Bevor er sich richtig zu wehren anfangen konnte, wurde das Gewicht, das auf ihm lastete allerdings geringer, das Grollen hörte auf und der Körper über ihm schien plötzlich kleiner zu werden. :':Seto?:': ertönte die vertraute Stimme Schas über dem CEO.
„Ja, ich bin es", bestätigte Kaiba, beruhigt, dass es anscheinend nur die Magie der heiligen Tiere gewesen war, die verhindert hatte, dass er den Angriff noch etwas früher bemerkte. „Und jetzt geh von mir runter!"
Scha tat, wie ihm geheißen, und fragte, während der Besitzer des Millenniumstabes sich aufrichtete:':Was tust du hier?:':
„Das Gleiche wollte ich dich gerade fragen", erwiderte der CEO mürrisch. „Du bist derjenige, der sich nachts rausschleicht und das auch noch regelmäßig, soweit ich Barnabas Glauben schenken kann. Was tust du hier immer nachts?"
:':Ähm...:':, antwortete der Hund verlegen in dem Tonfall, den auch Mokuba benutzte, wenn Kaiba ihn dabei erwischte, irgendetwas Ungehöriges zu tun, und es dann zu vertuschen suchte. :':Ich gehe nur spazieren.:':
„Sicher", sagte der Braunhaarige in dem gleichen sarkastischen Tonfall, den er bei seinem kleinen Bruder verwendete. „Allein. Mitten in der Nacht und ohne jemandem bescheid zu sagen."
:':Nein, wirklich, ich muss nur etwas Energie abbauen:':, versuchte es Scha nervös noch einmal. :':Alles ganz harmlos. Warum gehst du nicht ins Bett zurück, während ich noch etwas hier draußen rumlaufe? Ich verspreche, ich bin morgen früh wieder da und werde dir von nun an jedes Mal bescheid sagen, wenn ich rausgehe, ok?:':
Kaiba bedachte den Hund mit seinem besten strengen Blick, während dieser angestrengt versuchte, möglichst unschuldig auszusehen. „Fein", sagte schließlich der CEO. Er wusste, dass Scha ihm nicht die ganze Wahrheit sagte, war aber zu müde, um ihn noch länger auszufragen. Die letzten Nächte hatte er größtenteils hinter seinem Schreibtisch verbracht, da Kaiba Corp. eine weitere Firma übernehmen wollte.
Er wandte sich zum Gehen, und Scha atmete erleichtert auf. Kaiba sah ihn noch einmal streng an und sagte: „Aber morgen, wenn ich ausgeschlafen bin, werden wir noch einmal darüber sprechen!"
:':Ich habe nichts zu verberg--:':, begann Scha, ihm zu versichern, doch ehe er zu Ende sprechen konnte, ertönte ein Heulen aus den Tiefen des Waldes. Das heilige Tier des Seth zuckte zusammen und blickte in die Richtung, aus der das Heulen kam.
Kaiba bemerkte trotz der Dunkelheit im Wald, wie sehr der junge Hund mit sich kämpfen musste, um nicht zu antworten und sofort zu der Ursache des Heulens zu rennen. Plötzlich wurde ihm klar, wieso Scha den Wald aufsuchte. „So, so, du hast also nichts zu verbergen", sagte der Braunhaarige mit einem wissenden Tonfall. Scha legte schuldbewusst die Ohren an. „Warum hast du nicht gesagt, dass du einen Partner hast?"
Verlegen kratzte der Hund mit seinem rechten Vorderbein auf dem Boden. :':Ich dachte, du würdest sagen, dass ich noch zu jung dafür bin:':, gestand er.
„Wieso? Bist du es denn?" fragte der CEO. Nach dem, was er über Hunde und Schas Alter wusste, war dieser nun in seinen Teenagerjahren.
:':Nein:':, erwiderte Scha schnell. :':Aber Miut behandelt mich immer wie ein Kind, obwohl ich schon vollkommen meinen Mann stehen kann.:':
„Wie auch immer", sagte Kaiba. „Auf jeden Fall kannst du mir so etwas erzählen."
Gerade in diesem Augenblick sahen sie beide eine Wölfin, die die beiden aus einiger Entfernung unsicher beobachtete, sich aber scheinbar nicht näher traute. „Nun gut. Ich gehe zurück. Geh schon zu deiner Freundin, aber komm vor dem Morgengrauen zurück, sonst erzähle ich es persönlich Miut."
„Ok", erwiderte Scha strahlend, glücklich darüber, dass der Braunhaarige nichts gegen seine Beziehung zu haben schien, und lief freudig bellend zu der Wölfin. Nachdem sie sich begrüßt hatten, rannten sie tiefer in den Wald.
Kaiba schaute ihnen kopfschüttelnd hinterher, ehe er sich umdrehte und zum Schloss zurückkehrte. Als er schließlich wieder ins Bett stieg, umschlangen ihn sofort die Arme seiner Geliebten, und Sekunden später war er wieder eingeschlafen.
Fortsetzung folgt…
Anmerkungen
((1)) Das ist jetzt Setos Name in der Vergangenheit. Er soll soviel wie ‚beschützt von Seth' heißen.
((2)) Der Name ist zwar wieder nicht wirklich ganz ägyptisch, aber da sie im Anime so heißt, lasse ich es so.
((3)) Natürlich hat das keinen historischen Hintergrund, und der Tempel, wie ich ihn mir vorstelle, ist auch nicht wirklich typisch ägyptisch…
((4)) Annuket: Weil Magician hier fragte… Mit vier einfache Tore meine ich hier einfach gebogen im Gegensatz zum dreifach gebogenen. Ich dachte mir, dass das letztere das Haupttor war und die vier restlichen die normalen.
Annuket: So, dass war's dann für heute. 'schaut zu Magician, die in den Unterlagen fast versinkt' Warte, kann ich dir helfen? 'setzt sich zu ihr und nimmt sich ein paar zum durchschauen, schaut dann aber noch einmal zu Lesern' Ach ja. Bis in zwei Wochen dann.
