Annuket: Und hier das nächste Kapitel. Das hatte, wie schon letzte Woche gesagt, eine schwere Geburt... Magician konnte es nur ein Mal Korrektur lesen, daher sind vielleicht noch nicht alle Fehler raus, aber die Hauptsache ist ja, dass alle Sätze Sinn ergeben und die Handlung in sich schlüssig ist.

Magician: Ich habe diesmal auch extra gründlich gearbeitet, um möglichst wenig zu übersehen, aber das darf ich nicht zu oft machen, da wird mir ganz komisch von... So nach drei Stunden am Stück sieht man nur noch Buchstabensalat. Aber ich denke, es ist recht gut geworden.

Annuket: Danke für die Review, Claudia. Es freut mich, dass ich auch unberechenbar sein kann. Auch wenn sich das mit diesem Kapitel bestimmt wieder gibt. Man erfährt zwar nur, was mit Yugi passiert ist, aber daraus kann man zumindest meiner Meinung nach Rückschlüsse auf Kaiba ziehen. Aber eins nach dem anderen. Das mit Yugi dauert ja erst mal ein bisschen... ‚Yugi-Plüschi knuddel'

Damit es jetzt möglichst schnell geht, mache ich den Disclaimer selbst. Mir gehört weder Yugioh, noch Harry Potter... Auch wenn dieses und die nächsten Kapitel mit den Harry Potter-Bänden nicht wirklich viel zu tun haben...

((...)) Anmerkungen von Annuket und Magician
Gedankenverbindung: /.../ Yami; /-/.../-/Yugi; /'/.../'/ Kaiba
„..." Gespräch
‚...' Gedanken, Schrift lesen bzw. in Gespräch wörtliche Rede wiedergeben
Tierstimmen: :...: Benu (Yamis Phönix, heiliges Tier des Re); :-:...:-: Miut (Yugis Katze, heiliges Tier der Bastet); :':...:': Scha (Kaibas Hund, heiliges Tier des Seth); --:…:-- Chetmety (Baku-Ras Schlange, heiliges Tier des Apopis); :--…--: Trevor (Nevilles Kröte, heiliges Tier von Hu und Hauet); --…-- Schutniu (Ryous Vogel, heiliges Tier der Maat) -…- (?)
Blabla
Parsel

Kapitel 36: Begegnungen

Aus dem Augenwinkel hatte Yugi gesehen, wie sich das Monster auf ihn zu bewegte, doch noch ehe er sich ihm wieder ganz zuwenden konnte, traf ihn auch schon die Macht des Angriffs. Als die Energieblase, die sein Gegner ihm entgegengeschleudert hatte, ihn vollständig umhüllte, spürte er, wie sein Seelenraum gewaltsam und äußerst schmerzhaft von denen seiner Geliebten getrennt wurde. Das Monster fiel mit ihm, hasserfüllte Laute ausstoßend, durch einen merkwürdigen leeren Raum und versuchte, ihn mit weiteren kleinen Energiestößen und seinen vielen Klauen zu verletzen, auch wenn es dank der Schutzschilde des Schattenmagiers wenig anrichten konnte.

Nur mühsam konnte der Amethystäugige sich auf das Sammeln seiner Kräfte konzentrieren, da er sich durch den Verlust seiner Geliebten unglaublich schwach fühlte. Er konnte noch nicht einmal seinen Zorn über die Trennung als Katalysator für die Verstärkung seiner Magie nehmen, da er jedes Mal, wenn er das Wesen sah, von Mitleid für es übermannt wurde. Endlich, nachdem er, wie ihm schien, eine Ewigkeit gefallen war, brachte er genug Energie auf, um selbst anzugreifen. Das Wesen wich zurück, obwohl es durch den Energieschub nicht ernsthaft verletzt worden war, und die aufgebaute Energieblase zerplatzte.

Schlagartig änderte sich ihre Umgebung und sie schienen wieder in der Menschenwelt zu sein. Yugi achtete nicht darauf, sondern konzentrierte sich auf das Monster, um auf den nächsten Angriff vorbereitet zu sein, der auch sofort kam, und ein verbitterte Kampf entbrannte zwischen den beiden. Nur am Rande bekam Yugi mit, dass sie sich während des Duells nach und nach durch die Räume des Gebäudes, in dem sie gelandet waren, bewegten und schließlich draußen unter strahlend blauem Himmel in einem Hof ankamen. Geistesabwesend und ohne richtig darüber nachzudenken, was er tat, hatte der Schattenmagier dabei die Menschen, die sich in den Räumlichkeiten aufgehalten hatten, vor etwaigen fehlgeleiteten Angriffen mit Schutzschilden geschützt.

Der Amethystäugige merkte deutlich, wie seine Kräfte schwanden, ohne dass sich ein Ergebnis des Kampfes abzeichnete. Mit Erleichterung stellte er aber ebenso fest, dass auch die Angriffe seines Gegenübers schwächer und die Bewegungen langsamer wurden, da auch das Wesen sehr erschöpft war. Schließlich starrte es ihn wie ein in die Enge getriebenes, verletztes Tier an, nachdem der Schattenmagier es mit einem mittelschweren Angriff getroffen hatte. Mit seinen vielen Augen schien es abzuschätzen zu wollen, ob es noch gewinnen konnte oder ob es klüger wäre, sich erst mal zu erholen und den Kampf später fortzusetzen. Nach wenigen endlos scheinenden Sekunden, die Yugi nutzte, um Energie für seinen nächsten Angriff zu sammeln, entschied es sich offensichtlich für letzteres, da es sich plötzlich umwandte und blitzschnell den Hof verließ.

Der Amthystäugige, der eigentlich damit gerechnet hatte, dass das Wesen sich aufgrund seines Zorns sofort für einen neuen Angriff entscheiden würde, blinzelte erst einmal überrascht, was seinem Gegner die Zeit gab zu verschwinden, ohne dass er es verfolgen konnte. Dennoch war der junge Schattenmagier für die Unterbrechung des Kampfes durchaus dankbar und sank erschöpft zu Boden, um sich einen Moment zu sammeln und die für den weiteren Kampf gesammelte Energie wieder zu entlassen. Zwar war ihm nicht ganz wohl bei dem Gedanken, dass das Wesen nun vielleicht andere verletzen würde, doch fühlte er sich viel zu entkräftet, als dass er es hätte verfolgen können. Da er die Präsenz des Wesens auch nicht spüren konnte, hätte er ihm ohnehin nur ‚blind' in die gleiche Richtung nachjagen können, und es war fraglich, ob er in einer Auseinandersetzung dann nicht den Kürzeren ziehen würde, insbesondere, wenn es ihm auflauern sollte. Der Verlust der Verbindung mit seinen Geliebten hatte seine Konzentration stark geschwächt und auch sonst hatte ihn der Kampf sehr mitgenommen, wenn auch hauptsächlich emotional. Die wenigen physischen Wunden, hauptsächlich Kratzer und blaue Flecke, waren jeweils Sekunden nach ihrer Entstehung geheilt.

Während er sich ausruhte, warnten ihn die Schatten, dass sich die Menschen, an denen sie vorbei gekommen waren, nun mit Verstärkung auf ihn zu bewegten. Zum ersten Mal schaute Yugi auf und sah sich genau um. Er war definitiv nicht in dem Tempel im Verbotenen Wald, auch wenn ihm der Ort dennoch vage bekannt vorkam. Der junge Japaner erstarrte, als er sich erinnerte, wo genau er diesen Tempelhof schon einmal gesehen hatte. Kaiba hatte Yami und ihm die Bilder, an die er sich in seinen Träumen erinnerte, gezeigt und dies war eindeutig ein Platz im Millenniumstempel.

‚Das ist doch unmöglich', dachte Yugi. Er erinnerte sich genau daran, wie er mit seinen Geliebten nicht lange vor ihrer ‚Prüfung' den Ort des ehemaligen Tempels aufgesucht hatte und dass nun an dieser Stelle ein Krankenhaus stand. Ishizu hatte für sie monatelang Nachforschungen angestellt und schließlich durch einen Zufall herausfinden können, dass der Tempel irgendwann im Mittelalter abgetragen worden war. Doch hier war er in ihm, und er sah so tadellos aus wie in Setos Erinnerung.

Der junge Japaner wurde aus seinen Gedanken gerissen, als die Schatten ihn unruhig an die Menschen erinnerten, die nun fast an den Eingängen zum Hof angekommen waren. Yugi spürte selbst auf diese Entfernung die misstrauische Feindseligkeit der Leute und entschied, dass es besser wäre, zunächst mehr über diesen Ort herauszufinden und sich etwas auszuruhen, ehe er hier Kontakt mit irgendwem aufnahm.

Um nicht später erkannt zu werden und dadurch in Schwierigkeiten zu geraten, zauberte er sich mit seinem Zauberstab einen Umhang, da so etwas mit den Schatten nicht so leicht ging, und benutzte ihn, um seine Gestalt vollständig zu umhüllen. Gerade noch rechtzeitig hatte er das getan, denn gerade, als er die Kapuze über seinen Kopf zog, stürmten die Männer, die wie Priester und Wachen im alten Ägypten gekleidet waren, in den Hof.

„Ergib dich, Frevler!" befahl ein Wachmann, der durch seinen Stab als Unteroffizier gekennzeichnet war, in der Sprache des alten Ägyptens, doch noch während er das sagte, nutzte Yugi seine Schattenkräfte, um über die nächste Mauer zu entkommen.

‚Das kann doch nicht sein', dachte er verwirrt, während er in den Schatten versteckt das Treiben auf den Straßen beobachtete, die er ziellos entlanglief. ‚Es scheint so, als ob ich mit dem Vielfachmonster im alten Ägypten gelandet bin, aber wie ist das möglich? Weder die Schattenkräfte noch die normale Magie ermöglichen einen Zeitzauber, der stark genug wäre, jemanden so weit in der Zeit zurückzuschicken.'

Während ihm diese Gedanken durch den Kopf gingen, erreichte der Schattenmagier eine abgeschiedene Stelle am Ufer des Nils. Nachdem er sich mit einem intensiven prüfenden Blick davon überzeugt hatte, dass wirklich niemand in seiner Nähe war, tauchte er erschöpft aus den Schatten auf und setzte sich auf die weiche Erde, angelehnt an einen Felsbrocken. ‚Ist das also eine Illusion?' fragte er sich. ‚Es gibt ein paar Monster, die Illusionen heraufbeschwören können, aber eigentlich müsste ich das spüren können…'

Der Amethystäugige konzentrierte sich. Die Magie, die ihn umgab, fühlte sich etwas anders an als die, die er gewohnt war, aber das schien nur an der Art zu liegen, wie ein Großteil der Magie von den Menschen und den magischen Wesen in dieser Umgebung gebraucht wurde. ‚Andererseits…' überlegte er, ‚Es gibt ein Duelmonster, das dazu fähig wäre, eine solche Zeitreise zu ermöglichen. Der Zauberer der Zeit((1)). Er ist zwar unter den Monstern extrem selten -soweit ich weiß, gibt es nur zwei- aber was, wenn einer weiterer in Kul Elna war? Wenn er mit den anderen geopfert und dann mit ihnen vereint wurde? Mit seinen Kräften könnte das hier tatsächlich Ägypten zu einer vergangenen Zeit sein… Aber wie kann ich herausfinden, ob dort tatsächlich--?'

Bevor Yugi den Gedanken zu Ende denken konnte, wurde er von einer Stimme aufgeschreckt, die ihm sehr vertraut war, auch wenn sie jetzt etwas älter klang. :Hey, das ist mein Lieblingsplatz! Verschwinde von hier!:

„Benu…?" fragte der Amethystäugige überrascht und drehte sich zu dem Besitzer der Stimme um. Tatsächlich handelte es sich um den Phönix, auch wenn er, wie seine Stimme schon hatte vermuten lassen, älter aussah. Er hatte sich auf dem Felsen niedergelassen, an den Yugi sich lehnte, und schaute hochmütig auf ihn herab.

:Der einzig Wahre; Bote und Diener des mächtigen Re, der immer wiedergeboren wird: erwiderte der Vogel und setzte sich in eine ‚Bewundere-mich'-Pose. :Und jetzt entferne dich und lass mich ungestört die Aussicht genießen, Sterblicher.:

Yugis Augenbrauen wanderten nach oben. Dieser Benu war ja noch viel verwöhnter als der, den er kannte und der von Yami immer ziemlich verhätschelt wurde. „Das ist aber nicht sehr nett", entgegnete der Japaner. „Dieser Platz ist doch groß genug für uns beide. Außerdem störe ich dich schließlich nicht dabei, hier die Aussicht zu genießen, da du über mich hinwegschauen kannst."

:Unverschämtheit!: entrüstete sich der Phönix, nachdem er Yugi einen Moment fassungslos angeschaut hatte, nicht begreifend, warum ihm dieser Mensch nicht genau wie die anderen jeden Wunsch erfüllte. :Ich bin der heilige Vogel des mächtigen Re! Also musst du tun, was ich dir sage, Mensch. Und ich möchte mich jetzt hier ausruhen und daher befehle ich dir, woanders hinzugehen, bevor ich meinem Vater sage, wie respektlos du bist, und er dich vernichtet.:

Yugis Stirn legte sich in Falten. „Wäre dies ein heiliger Platz des Re würde ich dir zustimmen, aber ich glaube nicht, dass der große Sonnengott--" hier unterbrach sich der junge Japaner selbst, da er eine mächtige magische Energie spürte, die sich schnell auf ihn und den Phönix zu bewegte. Sofort stand er auf und machte sich kampfbereit.

:Siehst du?: sagte Benu sofort triumphierend. :Jetzt hast du doch Angst, weil eine Göttin herkommt, um meinen Anspruch zu verteidigen. Wenn du vor mir auf die Knie fällst und dich in dieser Pose entfernst, bin ich vielleicht dazu bereit, dir zu vergeben und den göttlichen Zorn der Isis von dir abzuwenden.:

Der Amethystäugige ignorierte ihn und wich ein paar Schritte in Richtung des Nilufers zurück, um im Notfall etwas mehr Platz zum Kämpfen zu haben. Er glaubte zwar nicht, dass die Göttin ihn, wie der alte Benu suggerierte, für sein Verhalten ihm gegenüber bestrafen würde, doch wusste der Japaner, dass sie als Göttin der Zauberei über den Millenniumstempel wachte und dass sie ihn daher wegen des Kampfes, den er sich dort mit dem Vielfachmonster geliefert hatte, sofort, ohne vorher darüber zu reden, angreifen könnte. Da er ihr noch nie zuvor begegnet war und sie daher nicht so gut einschätzen konnte, hielt er es für vernünftiger, Vorsicht walten zu lassen und ihr nicht unvorbereitet zu begegnen.

Nur wenige Sekunden später landete ein übergroßer weiblicher Falke elegant neben dem Felsen, auf dem Benu saß. Dabei verwandelte er sich in eine wunderschöne, wenn auch leicht zerzaust wirkende, ägyptische Frau mit langen Flügeln über den Armen. Ihre merkwürdig funkelnden Augen waren auf Yugi fixiert.

:Große göttliche Mutter: begann Benu, der wie ein kleines Kind, das petzen wollte, klang. :Dieser unverschämte Mensch--:

„Ja…", hauchte sie schließlich verzückt, den Phönix offensichtlich ignorierend und sich Yugi vorsichtig nähernd. Dieser wahrte allerdings den Abstand, indem er mit jedem Schritt der Göttin ebenfalls einen zurück tat. „Du bist es. Du bist eines der beiden mächtigen Schattenwesen, die vor kurzem in diese Welt kamen, nicht wahr?"

:Isis, beschwerte sich der Phönix quengelnd. :Was soll das Ganze? Das werde ich meinem Vater berichten!:

„Husch, Benu. Vergiss nicht, wer Macht über deinen Vater hat((2))", entgegnete die Göttin leise, aber mit einem unverkennbar ermahnenden Unterton, um ihn zum Schweigen zu bringen.

Benu flog schmollend und aufgebracht weg, nachdem er ‚Das muss ich mir nicht bieten lassen' gesagt hatte.

Während des kurzen Wortwechsels mit dem Phönix war der Blick der Isis nicht von dem Japaner gewichen, den sie auch, kaum dass Benu weg war, wieder mit einem Tonfall ansprach, den sie wohl auch benutzt hätte, wenn er ein verängstigtes Tier gewesen wäre. „Hab keine Angst. Willst du mir nicht deinen Namen verraten?"

Der Schattenmagier war immer weiter zurückgewichen, bis er schließlich einen Schritt ins Wasser machte. Erschrocken drehte er sich zur Seite und schaute in den Strom, um sicher zu gehen, dass nicht von dort irgendeine Gefahr drohte. Dabei sah er zufällig sein Spiegelbild in dem fast stehenden Wasser der kleinen Nilbucht, in der sie waren, und seine Augen weiteten sich erstaunt. „Imby", entfuhr es ihm denn tatsächlich sah er wie der Gesandte der Götter aus Kaibas Erinnerung aus.

„Imby ist dein Name?" schnurrte Isis förmlich, was Yugi zwar von Bastet gewöhnt war, aber gewiss nicht von einer Falkengöttin erwartet hätte. „Wie schön. Nun, Imby, möchtest du mir nicht erklären, was da im Tempel passiert ist? Und was hinter dem Vorhang ist, aus dem du mit dem anderen Wesen gekommen bist?"

Während sie das sagte, hörte Yugi nur halb zu. Wie vom Blitz getroffen, war ihm klar geworden, dass er, vorausgesetzt dass das keine Illusion war, nun Imby war und nun mindestens das tun musste, woran sich sein Geliebter in seinen Träumen erinnert hatte. Sie hatten viel gerätselt, warum der Gesandte der Götter so ‚unägyptisch' gekleidet war und sich auch so verhielt, doch wenn Yugi es die ganze Zeit gewesen war, dann war es verständlich, dass er vieles, aber nicht alles wusste. Einen Moment versuchte er, sich zu erinnern, was er alles tun musste, doch anhand der Masse der zu beachtenden Details entschloss er sich, diese zunächst zu vernachlässigen, um sich auf das ‚Gesamtbild' zu konzentrieren.

„Nun? Willst du nicht antworten?" fragte die Göttin sanft, nachdem der Japaner ihr nicht geantwortet hatte. Sofort richtete er seine Aufmerksamkeit wieder auf sie. Dabei fiel ihm jetzt erst auf, dass sie nicht nur leicht zerzaust wirkte, sondern dass auch ein kleiner Rest Schattenmagie an ihr haftete.

„Ihr wart mit euren Fragen bei dem anderen Wesen wohl nicht sehr erfolgreich und versucht es daher jetzt bei mir, nicht wahr?" entgegnete Yugi, und auch wenn es eher geraten war, so sah er doch an dem kurzen Schock, der in ihren Augen zu sehen war, ehe sie sich wieder zusammenreißen konnte, dass er richtig gelegen hatte. Sie war zunächst dem Vielfachmonster gefolgt, und es hatte sie angegriffen. Danach war es ohne Zweifel entflohen, bevor sie sich von seinem Angriff erholen konnte, oder entkommen, weil sie sich zurückgezogen hatte. „Aber sagt mir, woher wollt Ihr wissen, dass ich Euch die Wahrheit sagen werde? Selbst wenn ich Euch antworte, kann es sein, dass ich Euch anlüge, um mir Eure Hilfe zu sichern."

„Das ist wahr, ich habe nur Euer Wort", erwiderte die Göttin. Yugi bemerkte, dass sie jetzt auf einmal die höfliche Anrede benutzte, was darauf schließen ließ, dass sie ihn nun eher als Gleichgestellten sah als vorher. „Aber da Ihr nicht zuerst angreift, sondern Gesprächsbereitschaft zeigt und nach dem, was ich von dem Kampf im Tempel mitbekommen habe, auch eher auf das Wohl anderer bedacht zu sein scheint, seid Ihr wohl derjenige, der im Recht ist, worum es auch immer in Eurem Kampf gehen mag. Ich bin sicher, dass dieses scheußliche Wesen Euer Reich angegriffen hat oder etwas Ähnliches."

„Dieses ‚scheußliche' Wesen", sagte Yugi in einem bedrohlichen Tonfall, da er nicht wollte, dass sie so über ihre Opfer sprach, selbst wenn sie es nicht besser wusste, „ist das Werk Eurer Experimente."

„Bitte?" fragte die erstaunte und ungläubige Isis. „Ich war nie hinter dem Vorhang und habe das Wesen nie gesehen. Ich kann Eure Welt nicht betreten, und meine Forschungen beziehen sich allein auf Magie. Ihr müsst Euch irren."

„Ach, Ihr seid nicht mit für die Ermordung eines ganzen Dorfes verantwortlich?", fragte der Japaner gereizt. „Erinnert Ihr Euch nicht mehr an Kul Elna? Das, wie Ihr so schön sagtet, ‚scheußliche Wesen' ist das Ergebnis Eures Rituals. Durch Eure Schuld ist es auf die Welt hinter dem Vorhang losgelassen worden, und die Wesen dort sind ihm seitdem absolut hilflos ausgeliefert."

„Wie ist das möglich?" fragte Isis bestürzt und ließ sich zittrig auf dem Stein, auf dem vorher Benu gesessen hatte, nieder. „Es sollte nicht derartige Nebenwirkungen gegeben haben. Meine Forschungen hatten ergeben, dass zwar die Seelen der Menschen des Ortes zerstört und ihre Macht und Lebenskräfte in die Gegenstände übergehen würden, doch was Ihr sagt, konnte gar nicht nicht geschehen. Meine Experimente zeigten das."

„Ihr kennt unsere Welt und seine Wesen nicht einmal", empörte sich Yugi und ging auf die Göttin zu, während sein Zorn seine Schattenkräfte aufflammen ließ, obwohl er noch immer erschöpft vom Kampf mit dem Vielfachmonster war. „Wie konntet Ihr Euch anmaßen zu denken, ihr hättet alle Komponenten berücksichtigt und würdet alles verstehen? Niemand kann das. Ich kann Euch nur sagen, dass bei Eurem Ritual die Kas der Dorfbewohner nicht zerstört wurden und ihre Kraft auf die Gegenstände überging, sondern dass sie stattdessen gezwungen wurden, sich zu vereinen. Die gewaltige Energie, die dabei frei wurde, übertrug sich auf die Gegenstände, keine Frage, aber das erzwungene Wesen ging den normalen Weg in unsere Welt hinter dem Vorhang und zerstört seither alles in Sichtweite ohne Sinn und Verstand."

„Wie können wir den Schaden wiedergutmachen?" fragte die Göttin nach einem Moment der Stille mit zittriger Stimme. „Ihr könnt es doch sicher vernichten, oder? Bevor es auch diese Welt zerstört, oder?"

Yugi seufzte und lehnte sich gegen den Stein. Er spürte, dass es Isis ernst war und sie nicht gewusst hatte, was der Zauber anrichten würde. Sie liebte die diesseitige Welt und insbesondere Kemet und wollte es daher beschützen, doch ebenso wollte sie auch ihren Fehler wiedergutmachen.

„Ihr seid doch noch bereit, etwas gegen das Wesen zu tun, auch wenn es Eure Welt jetzt nicht mehr unsicher macht, oder?" wollte die Göttin besorgt wissen, als der Japaner nicht antwortete.

„Verzeiht, ich war in Gedanken", erwiderte der Amethystäugige erschöpft. „Natürlich werde ich mit aller Macht verhindern, dass die diesseitige Welt in Mitleidenschaft gezogen wird, doch ich sage Euch gleich, dass ich nicht allmächtig bin. Weder weiß ich alles, noch kann ich das Wesen spüren, so dass ich wüsste, wo es ist. Ich denke zwar, dass ich dem Wesen ebenbürtig bin, aber ich werde es nicht rücksichtslos angreifen."

„Das kann ich verstehen", antwortete die Göttin. „Sagt mir, was Ihr braucht, und ich werde alles tun, was ich kann, um Euch zu helfen."

Yugi seufzte müde. „Ich bin ziemlich erschöpft von dem Kampf vorhin und daher müsste ich mich zunächst ausruhen und erholen."

„Kein Problem. Ich werde dafür sorgen, dass Ihr als Gast im Palast aufgenommen werdet. Wenn Ihr damit einverstanden seid, deklariere ich Euch als Gesandten von uns Göttern, damit Ihr alle Privilegien erhaltet, die Ihr bekommen könnt. Es sei denn, Ihr erhebt Einspruch dagegen, in unserem Namen geehrt zu werden, weil Ihr uns alle für Verbrecher haltet. Ich allein bin für die Geschehnisse in Kul Elna verantwortlich, zumindest von göttlicher Seite aus, weil ich für die Rettung Kemets jeden Preis zu zahlen bereit war", erklärte Isis mit leidenschaftlicher Stimme. Doch als sie weitersprach, war deutlich Nervosität zu hören. „Außer mir weiß auch nur mein Hohepriester Akunadin, der an jenem Tag das Ritual durchgeführt hat, von den damaligen Ereignissen, und ich würde es gerne dabei belassen, wenn es möglich ist."

„Ich verstehe und bin einverstanden", erwiderte Yugi, dem das schon klar gewesen war, ohne nachdenken zu müssen. Jetzt alles ans Licht kommen zu lassen, würde definitiv dem Lauf der Vergangenheit widersprechen, falls das wirklich die Vergangenheit war, wofür seiner Meinung nach viel sprach. „Ich danke Euch für die Mühe. Allerdings möchte ich Euch um noch mehr bitten. Ich möchte dem Wesen, oder eher ihnen, nach Möglichkeit helfen. Dafür wäre es äußerst wichtig, dass ich mir Eure Forschungsergebnisse ansehen könnte, um nach einer Möglichkeit zu suchen, den Kas Erlösung zu verschaffen."

„Selbstverständlich", antwortete die Göttin, mit einem Funkeln in den Augen, der von einem wahren Entdecker- und Wissenstrieb zeugte. „Meine Bibliotheken stehen Euch offen, und ich werde Euch persönlich in Euren Nachforschungen unterstützen."

„Danke" erwiderte der Japaner.

„Das ist das Mindeste, was ich tun kann", wehrte die Göttin ab. Während Hufgetrappel in der Ferne hörbar wurde, fuhr sie fort: „Doch nun kommt, Imby, ich werde dafür sorgen, dass Ihr Euch ausruhen könnt."

Die Göttin erhob sich, dicht gefolgt von dem Schattenmagier, und wandte sich zu dem Palmenhain hinter ihnen, aus dessen Richtung die Geräusche kamen. „Wie es aussieht, kommen einige der Priester der Gegenstände hierher. Ihr habt doch nichts dagegen, von diesen in den Palast gebracht zu werden, oder? Dann würde ich, nachdem ich Euch vorgestellt habe, den Körper meiner Dienerin verlassen und schon einmal mit den Nachforschungen in meinen Arbeitsräumen beginnen. Meine Dienerin wird Euch natürlich begleiten und mich informieren, falls Ihr mich braucht. Seid Ihr damit einverstanden?"

„Ja", antwortete Yugi.

„Phantastisch", erwiderte die Göttin in dem Moment, als gerade zwei Streitwagen unter den Bäumen sichtbar wurden. Die Pferde wurden von den Wagenlenkern gebremst, als sie die beiden Gestalten sahen und kamen etwa drei Meter von Yugi und Isis entfernt zum Stillstand. Sofort sprangen die vier Neuankömmlinge ab, und während die beiden Wagenlenker sich sofort zu Boden warfen und in dieser Pose still an den Wagen liegen blieben, kamen die beiden anderen Insassen, die Yugi als Chui-m-Seth und Mahadoo erkannte, näher heran, ehe sie sich tief verneigten. Nachdem sie einen Moment so verharrt hatten, richteten sie sich auf und blieben mit ehrfürchtig gesenkten Häuptern vor Isis stehen. Dabei entging es Yugi nicht, dass der Millenniumsring, den der Hofzauberer trug, leuchtete und seine Enden auf ihn zeigten.

„Es freut mich, dass ihr hergekommen seid, Priester, das erspart mir die Mühe, zu Euch zu kommen", wandte sich die Göttin an die beiden Männer und legte, während sie weitersprach, einen Arm um Yugi. „Wie euch nicht entgangen sein wird, ist ein Feind der Götter durch das Schattentor gekommen. Daher haben wir Götter uns entschlossen, euch Imby als unseren Gesandten zu schicken, da er sich mit dem Gegner bereits auskennt und euch somit unterstützen kann."

„Aber große Isis", wandte Chui-m-Seth vorsichtig ein, nachdem er mit Mahadoo einen Blick getauscht hatte und danach misstrauisch zu der verhüllten Gestalt des Japaners schaute. „Ist dies nicht der Frevler, der es gewagt hat, den Millenniumstempel durch einen Kampf zu entweihen? Er ist erfüllt mit einer Form der Schattenmagie, und diese ist doch nur den Menschen zugänglich. Müsste er dann nicht hart bestraf--"

„Schweig, Priester, oder willst du es tatsächlich wagen, meine göttlichen Worte in Frage zu stellen? Glaubst du, ich würde so ruhig und tatenlos neben einem Frevler stehen?" fragte Isis drohend. „Er war in unserem Auftrag im Tempel, und als annähernd göttlichem Wesen war es ihm gestattet, ja, sogar seine Pflicht, den Tempel zu verteidigen, denn das und nichts anderes hat er getan."

Chui-m-Seth verneigte sich daraufhin sofort wieder tief, und Mahadoo folgte seinem Beispiel. „Verzeiht meine unbedachten Worte, große Isis, Mächtigste der Göttinnen und Zauberreiche", versicherte ersterer ihr schnell. „Bitte vergebt mir."

„Nun gut", erwiderte Isis und ihre Stimme klang wieder etwas sanfter, doch hatte sie einen Unterton, der zeigte, dass sie keine weitere Widerrede duldete. „Leider konnte er den Feind nur verjagen und nicht besiegen. Geleitet unseren Gesandten in den Palast und lasst ihn erst einmal ausruhen. Ihm soll es an nichts fehlen und nichts sei ihm verwehrt. Er soll so behandelt werden, als wenn ich selbst oder ein anderer Gott euch für kurze Zeit mit unserer Anwesenheit beehrt."

„Sehr wohl, große Isis, es soll geschehen, wie ihr es befohlen habt", sagte Chui-m-Seth.

„Gut. Dann werde ich mich nun zurückziehen", antwortete die Göttin. Dann wandte sie sich an Yugi und lächelte ihn sanft an. „Imby, dies sind die Millenniumspriester Chui-m-Seth und Mahadoo. Sie werden für Euer Wohl Sorge tragen. Ich werde Euch später wieder aufsuchen, doch wenn Ihr mich vorher sprechen wollt, sagt es einfach meiner Dienerin."

Als Yugi daraufhin nickte, antwortete sie nur mit einem Lächeln. Danach leuchtete ihre Gestalt auf, und ein kleiner, vermutlich noch sehr junger Falke saß an ihrer Stelle. Der Falke flatterte mit etwas Mühe auf Yugis Schulter.

-Guten Tag-, sagte sie in dem Tonfall eines kleinen Mädchens, dass sich erwachsen verhalten wollte, -ich bin Heka((3)), mächtiger Imby, und es ist mir eine Ehre, euch im Namen meiner Göttin zu begleiten und zu beschützen.-

„Danke, Heka", erwiderte Yugi und streichelte sanft ihren Kopf, was sie sich gern gefallen ließ. Dann wandte er sich den beiden Priestern zu, die ihn beobachteten, der eine mit einem extrem misstrauischen, der andere mit einem etwas unschlüssigen Gesichtsausdruck.

„Es ist uns eine Ehre, Euch hier zu haben", sagte Mahadoo kaum das Yugi in seine Richtung sah. Währenddessen erhoben sich die Wagenlenker vom Boden, da die Göttin ja nicht mehr anwesend war, und bestiegen wieder die Streitwagen. Der junge Schattenmagier konnte ihre neugierigen Blicke auf sich spüren, obwohl sie sich Mühe gaben, ihn nicht offen anzustarren. Derweilen sprach der Hofzauberer mit einer einladenden Bewegung in Richtung der Wagen weiter: „Wollen wir aufbrechen?"

„Danke", erwiderte Yugi und bewegte sich auf den Zauberer zu.

Doch Chui-m-Seth stellte sich ihm in den Weg. „Ich glaube, es ist besser, wenn Mahadoo voraus fährt, um unsere Ankunft zu verkünden, wenn Ihr nichts dagegen habt. Die Pferde vor seinem Wagen sind etwas ausgeruhter", sagte er in einem ‚freundlichen' Tonfall, dem man leicht anmerkte, wie aufgesetzt er war, wenn man den Priester kannte.

„Einverstanden", sagte der Japaner und nickte lächelnd. Da er die Erinnerungen Kaibas kannte, wusste er, wie sehr Chui-m-Seth ihm schon jetzt misstraute. Das kurze Aufleuchten des Stabes bedeutete, dass der größere der beiden Priester Mahadoo gerade gedanklich befohlen hatte, schnellstmöglich zum Pharao zu fahren und ihm Bericht zu erstatten. Der Zauberer sollte dem Herrscher die Empfehlung übermitteln, dass ein Zimmer für ihren Gast vorbereitet werden sollte, welches aber so weit wie möglich von den königlichen Gemächern entfernt liegen und mit bestimmten Sicherheitszaubern belegt sein sollte.

Also eilte Mahadoos Kampfwagen von dannen, wenn auch nicht, ohne dass besagter Priester seinem Kollegen, während Yugi den zweiten Streitwagen bestieg, einen Blick zusandte, der diesen dazu ermahnte, acht zu geben. Als ihre Fahrt in einem etwas langsameren Tempo begann, konnte Yugi sich nicht davon abhalten, Chui-m-Seth genauer zu betrachten. Tatsächlich war er etwas kleiner als seine Wiedergeburt, doch der Rest des Aussehens war erstaunlich ähnlich, auch wenn Haut, Haar und auch die Augen ein kleines bisschen dunkler waren als bei seinem Geliebten. Durch die Erinnerungen wusste der Japaner, dass dieses für einen Ägypter trotz allem untypische Aussehen auf die Magie zurückzuführen war, die dem Mann innewohnte.

Während der Besitzer des Millenniumsschlüssels den Priester anstarrte, ohne es zu merken, weil er so in Gedanken über die Unterschiede zu seinem Geliebten war, wurde dieser immer irritierter durch den Gesandten der Götter. „Kann ich etwas für Euch tun, Gesandter der Götter?" fragte Chui-m-Seth schließlich, seine Stimme zitterte bei den Worten, so dass man merkte, wie angestrengt er versuchte, seinen Mitfahrer nicht anzuschreien.

„Hu?", sagte Yugi, der dadurch wieder aus seinen Gedanken gerissen worden war. „Oh, verzeiht, Priester Chui-m-Seth", fuhr er fort, als ihm klar wurde, dass er gestarrt hatte, und schaute stattdessen auf die Landschaft.

„Hm", erwiderte der Besitzer des Millenniumsstabes und wandte seinen Blick ebenfalls auf die schlammigen Felder, an denen sie gerade vorbeifuhren.

Chui-m-Seth nickte den arbeitenden Bauern zu, wenn diese sich respektvoll verbeugten, was sie taten, sobald sie sie bemerkten. Da sie bei der Arbeit keine Kleidung trugen((4)), errötete Yugi unter seiner Kapuze und wandte seinen Blick beschämt ab. Zwar war ihm die Tatsache, dass die Bauern nackt arbeiteten, durchaus durch seine Geliebten bekannt, doch es in natura zu sehen war für ihn dennoch etwas gewöhnungsbedürftig.

„Was habt Ihr?" fragte Chui-m-Seth neben ihm, da er die Bewegung der kleineren Gestalt mitbekommen hatte. Er fragte sich aufgebracht, ob der ‚Gesandte der Götter' etwa glaubte, so hoch über den Bauern zu stehen, ohne die ihre Gesellschaft nicht existieren konnte, dass er sie nicht einmal eines Blickes für würdig hielt.

Schnell wich diese Theorie aber Unverständnis, als er die schüchterne Antwort des Kleineren hörte. „Entschuldigt, ich bin es nicht gewohnt, entblößte Menschen zu sehen. Ich fühle mich, als würde ich ihre Privatsphäre verletzen, wenn ich diese fleißigen Menschen anschaue."

Genau wo hatte der ‚Gesandte der Götter' bisher gelebt, dass er sich an soetwas Merkwürdigem störte und solch merkwürdige Ansichten hatte, fragte sich Chui-m-Seth. Gewiss nicht nur bei den Götter, da er ja den Worten der Isis nach nur ‚annähernd göttlich' war. Wollte er etwas sagen, dass die Bauern sich in seiner Heimat nur bekleidet an die Arbeit machten? Da wären doch die Frauen die ganze Zeit nur am Wäschewaschen oder die Männer müssten immer total verdreckt rumlaufen, ganz abgesehen davon, dass die Kleidung um so schneller kaputt ginge und erneuert werden müsste.

„Was genau ist Privatsphäre?((5))" wollte der Hohepriester schließlich nach ein paar Minuten intensiven Nachdenkens wissen, während der Wagenlenker sie zielsicher durch die Stadt, die sie inzwischen erreicht hatten, manövrierte. War das irgendetwas Wichtiges, das das Tragen von Kleidung bei Feldarbeit rechtfertigte?

„Ähm", erwiderte der Japaner unsicher. „Ich weiß nicht, wie ich das genau erklären soll…"

So verbrachte Yugi die letzten Minuten, ehe sie den Palast erreichten, damit zu versuchen, Chui-m-Seth zu erklären, was Privatsphäre war, wobei der Priester diesen Ideen nicht sehr offen gegenüberzustehen schien und das ganze Konzept für extrem albern hielt. Als sie endlich an ihrem Ziel ankamen, wurde ihnen von dem Palastvorsteher mitgeteilt, dass der Pharao gerade sehr beschäftigt sei und sich dafür bei dem Gesandten vielmals entschuldigte, sowie ihn bat, ihn zu treffen, sobald er sich erholt hatte.

Der Japaner stimmte gerne zu, vor allem, da er sich erinnerte, dass das Treffen an einem späten Vormittag stattgefunden hatte, es jetzt aber früher Nachmittag war. Chui-m-Seth und der Palastvorsteher begleiteten ihn zu seinem Zimmer, das er aus den Erinnerungen schon vorher kannte, und nachdem sie ihm einen Diener zur Seite gestellt und angenehme Ruhe gewünscht hatten, zogen sich die beiden zurück.

Nachdem er dem Diener gesagt hatte, dass er ihn im Moment nicht brauchte und dieser das Zimmer verlassen hatte, beschwor Yugi Schattenschleier um das Bett, um ungestört und unbeobachtet schlafen zu können. Heka beobachtete ihn neugierig von einem Stuhl aus, auf dem sie sich nach ihrer Ankunft im Zimmer niedergelassen hatte. Er wünschte ihr eine angenehme Ruhe und zog sich in das Innere des Schattenschleiers zurück. Erst als er darin war, legte er seine Sachen ab, wechselte in einen Schlafanzug, den er sich zauberte, und schlief Sekunden, nachdem er sich endlich richtig hingelegt hatte, ein.

Fortsetzung folgt…

Anmerkungen

((1)) Ich denke, der sollte auch allgemein bekannt sein, auch wenn er im wirklichen Spiel einen ein bisschen anderen Effekt hat (soweit ich mich erinnere). Seine ATK sind 500, seine DEF 400 Punkte.

((2)) Anspielung darauf, dass Isis als einzige Person den geheimen Namen des Re kennt und damit als einzige Macht über ihn hat. Den Namen von etwas zu kennen, bedeutet ja bei den Ägyptern, Macht darüber zu haben.

((3)) Da Isis ab und zu als weiblicher Falke dargestellt wird, habe ich ihr heiliges Tier auch einfach zum Falken gemacht. Wobei mir bei ihr nicht bekannt ist, dass in ihrem (Haupt-)Tempel welche gehalten wurden. Das Wort ‚Heka' bedeutet einfach Magie/Zauber und da Isis in 2 großen Zusammenhängen bekannt ist, nämlich als gute Ehefrau/Mutter (Osiris-Mythos usw.) und als listige Zauberin (das mit Re, wo sie seinen Namen erfährt), fand ich, dass ein solcher Name perfekt zu ihrem Tier passt.

((4)) Soweit ich weiß, trugen die Bauern bei der Feldarbeit nichts (auf einigen Wandbilder ist das ja auch durchaus zu sehen, wenn auch nicht auf allen). Das ist ja auch verständlich, wenn man bedenkt, dass es in Ägypten warm ist, was das Tragen von Kleidung nicht unbedingt erforderlich macht, und ich denke, dass man sich so freier bewegen kann (ganz abgesehen davon, dass man nicht so viel Wäsche waschen oder erst einmal haben muss…). Dazu kommt, dass es natürlich nicht so in der Kultur verankert ist, sich seiner Nacktheit zu schämen, wie es bei uns der Fall ist (ich persönlich mag z.B. FKK, Sauna o.ä. nicht wirklich…).

((5)) Hier nehme ich Bezug darauf, dass es früher eine ganz andere Einstellung zum Individuum gab. Als sich die griechischen Philosophen unter Epikur (341-270 v. Chr.) begannen, für den einzelnen Menschen zu interessieren, war das etwas Neues. Natürlich waren Menschen auch vorher egoistisch/egozentrisch usw., aber ich denke, dass sich die Ansichten, die für uns selbstverständlich sind, erst zu der Zeit entwickelten.

Annuket: So, das war's erst einmal wieder. Hoffentlich hat es euch gefallen, auch wenn ich es nicht so spannend finde (wenn auch leider notwenig). Das nächste Kapitel ist zumindest in der Rohform fertig. Ich bin so langsam geworden...

Magician: Das kann doch jedem Mal passieren, mach dich nicht so fertig. Ich für meinen Teil hatte enormen Spaß bei diesem Kapitel. ‚lach' Seth ist einfach nur klasse! Und was das nächste Kapitel angeht: Ich verspreche auch, mich mit der Korrektur zu beeilen. Jetzt, wo mein Computer wieder halbwegs funktioniert und ich nicht ganz so überarbeitet bin wie letztes Semester, dauert es hoffentlich nicht wieder so lang. Also, liebe Leser, seid doch bitte so lieb und spornt uns mit hübschen kleinen Reviews an.

Annuket: Wir werden sehen, wir schnell wir es schaffen. Bis zum nächsten Mal.