Annuket: Willkommen zu einem neuen Kapitel von Schattenmagier 2.^_^ Falls es noch jemand liest... Ich weiß es hat sehr lange gedauert und ich kann leider nicht versprechen, dass es bald weitergeht, da ich leider auch noch mindestens das nächste halbe Jahr noch sehr beschäftigt sein werde. Ich hoffe aber, dass es nicht 3 Jahre dauern wird, die letzte Szene von Kapitel 38 endlich fertig zu schreiben und dann zu korrigieren.
An Jenny: Danke für deine zwei Reviews für Schattenmagier 1. Ich habe mich sehr gefreut, dass auch nach so langer Zeit noch jemand mitliest. Auch wenn ich mich gleich danach schämen musste, das ich so lange nicht weitergeschrieben hatte. Zu deinem Hinweis, dass der Geist des Grabräubers Akefia ist: Danke für die Information. Haben sie ihm im Deutschen tatsächlich einen Namen gegeben? Ich dachte, das sei eine Fanerfindung, die nur in vielen Geschichten übernommen wurde. Ich habe die letzten beiden Staffeln nur auf japanisch gesehen und da wurde er nie mit Namen genannt und auch im Manga nicht. Da ich außerdem aus Akefia keinen altägyptischen Namen machen kann (vielleicht bin ich auch nur zu unfähig?), habe ich mich für die Variante Baku-Ra entschieden.

Leider gehört mir auch nach so langer Zeit und vielen Gebeten immer noch nicht Yugioh und Harry Potter. Aber wer weiß, vielleicht irgendwann einmal... die Hoffnung stirbt zuletzt, oder? ;-)

((...)) Anmerkungen von Annuket und Magician
Gedankenverbindung: /.../ Yami; /-/.../-/Yugi; /'/.../'/ Kaiba
„..." Gespräch
‚...' Gedanken, Schrift lesen bzw. in Gespräch wörtliche Rede wiedergeben
Tierstimmen: :...: Benu (Yamis Phönix, heiliges Tier des Re); :-:...:-: Miut (Yugis Katze, heiliges Tier der Bastet); :':...:': Scha (Kaibas Hund, heiliges Tier des Seth); -:…:- Chetmety (Baku-Ras Schlange, heiliges Tier des Apopis); :-…-: Trevor (Nevilles Kröte, heiliges Tier von Hu und Hauet); -…- Schutniu (Ryous Vogel, heiliges Tier der Maat) -…- Heka (heiliger Falke der Isis)
Blabla
Parsel


Kapitel 37: Erste Pläne

Nur langsam und widerwillig erwachte Yugi. Die Morgensonne fiel nur gedämpft herein und tauchte den Raum in ein sanftes Dämmerlicht. Es war warm und behaglich unter der weichen Bettdecke, so dass Yugi nur zu gern hineingekuschelt liegenblieb. Dazu pulsierte die Schattenmagie in und um ihn, als würde sie ein sanftes Schlaflied für ihn singen. Sicher konnte er noch etwas liegen bleiben, dachte er in seinem schlaftrunkenen Geist. Seto und Yami würden sicher auch nichts dagegen haben, oder? Geistig und körperlich tastete er nach ihnen und schreckte schließlich hoch, als er sie weder auf die eine noch auf die andere Art finden konnte. Augenblicklich war er hellwach.

Während er sich in dem von Schatten geschützten Bett umschaute, fiel ihm wieder ein, was passiert war: der ‚Test', das Vielfachmonster, die Trennung von Yami und Kaiba, die Begegnung mit Isis und Chui-m-Seth. Zwei sanfte, stille Tränen rannen seine Wangen hinab, ehe er sie, wütend über sich selbst, energisch wegwischte. Er musste nur zu den beiden zurück in die Zukunft, und die Verbindung würde wieder hergestellt werden, da war er sich sicher. Vorher würde er nur die Sachen erledigen müssen, die erforderlich waren, damit er später keine Gewissensbisse hatte, und außerdem hier sozusagen den Grundstein für die gemeinsame Zukunft mit seinen Geliebten legen.

Entschlossen verließ Yugi den Schattenschleier um das Bett, nachdem er sich mit Zaubern gesäubert und wieder angekleidet hatte. Ein Blick aus dem Fenster zeigte ihm, dass es kurz nach Sonnenaufgang war. Auch wenn das bedeutete, dass er eine ungewöhnlich lange Zeit geschlafen hatte, so überraschte ihn das nicht, angesichts der Flut von Informationen, die er am Vortag genau wie Yami und Kaiba bei Betreten der Schattenwelt erhalten hatte. Zwar würde er das alles noch genauer betrachten und analysieren müssen, doch stellte er erleichtert fest, dass sich sein Kopf nun auf jeden Fall besser anfühlte, da sein Unterbewusstsein im Schlaf alles vorsortiert und geordnet hatte und sein Gehirn nun nicht mehr willkürlich mit irgendwelchen nicht zusammenhängenden Erkenntnissen bombardiert wurde.

Ein Blick zur Sitzbank zeigte ihm, dass Heka offenbar über einem extrem üppigen Mahl, das aus den Opfergaben des Isistempels bestand, eingeschlafen war. Yugi trat zum Fenster, von dem aus er einen herrlichen Blick über den Palastgarten hatte, und genoss einen Moment den sanften Wind, der um seine verhüllte Gestalt spielte. Als er allerdings hörte, wie die Zimmertür fast lautlos geöffnet wurde, drehte er sich um und betrachtete ruhig den alten Mann, der seinem Großvater so unglaublich ähnlich sah, nur dass seine Haut etwas dunkler war.

Der junge Japaner musste unwillkürlich lächeln. Er erinnerte sich an die vielen lustigen Geschichten über diesen bemerkenswerten Mann, der bereits während der Regentschaft von Atemus Großvater an den Hof gekommen war und sich im Laufe der Zeit dank seiner Fähigkeiten und seines Charakters zu einem der wichtigsten Berater hochgearbeitet hatte. Sowohl Yami als auch später Kaiba hatten mit scheinbar unzähligen Anekdoten über ihren damaligen Lehrer aufwarten können. Dass gerade er sich um den unerwarteten Gast kümmern und ihn auch im Auge behalten sollte, amüsierte Yugi noch mehr, vor allem, da der alte Mann ihn offenbar im Schatten des Fensters noch immer nicht bemerkt hatte. Stattdessen hatte er seine ganze Aufmerksamkeit dem noch immer von Schattenmagie geschützten Bett zugewandt und runzelte nun verwirrt die Stirn. Yugi wusste, dass der Mann einen Zauber über den Raum gelegt hatte, der ihn informierte, sobald das Bett verlassen wurde. Der Amethystäugige konnte praktisch die Gedanken hören, die dem anderen durch den Kopf gingen, nämlich, was den Alarm ausgelöst hatte, wenn das Bett noch immer mit Schatten verhangen und demnach sicher noch okkupiert war.

Der junge Japaner war versucht sich von hinten an den alten Mann zu schleichen und sich über dessen Schulter zu neigen, bis dieser ihn bemerkte, wie er es öfter mit seinem Großvater tat. Doch unterdrückte er diese Neigung augenblicklich, als er einen Anflug von Unsicherheit über die Züge des alten Mannes huschen sah, die ihm schmerzlich ins Gedächtnis rief, wie wenig Vertrauen ihm die meisten am Hof entgegenbrachten. Unwillkürlich musste er an ein Gespräch zwischen dem König und den Millenniumspriestern denken, das er aus Kaibas Träumen kannte und das in dieser Zeit am vorigen Abend stattgefunden haben musste.

-Erinnerung an Kaibas Traum-

Nachdem Chui-m-Seth und der Palastvorsteher das Gästezimmer des Gesandten der Götter verlassen und fast das Ende des langen Gang, der zu besagtem Raum führte, erreicht hatten, sagte letzterer der beiden Männer leise: „Seine Majestät erwartet Euch in seinem Arbeitszimmer, ehrenwerter Hohepriester."

„Danke", erwiderte der Priester, während er zufrieden zwei Wachen zunickte, die an diesem Gang postiert worden waren. „Kümmere du dich inzwischen um die Versorgung der Heka. Lass ihren Teil der Opfer für die mächtige Isis zu ihr bringen."

„Sehr wohl", erwiderte der Palastvorsteher und verneigte sich tief, ehe er von dannen eilte.

Chui-m-Seth hingegen schlug einen anderen Weg ein, der ihn direkt zum Arbeitszimmer des Königs brachte. Dort angekommen trat er sofort ein, nachdem die Wachen ihm durch ein Nicken zu verstehen gegeben hatte, dass er wirklich unverzüglich erwartet wurde.

Die restlichen Millenniumspriester und Berater Atemus warteten mit diesem auf ihn. Zu seiner Zufriedenheit sahen sie durchaus angespannt und alarmiert aus, so dass sie innerhalb von Sekunden kampfbereit sein würden, falls erforderlich. Mahadoo hatte also trotz seiner üblichen Vertrauensseligkeit die Warnung an sie weitergegeben, wie er es von ihm verlangt hatte.

„Chui-m-Seth", riss ihn die ernste und respektgebietende Stimme seines geliebten Herrschers aus den Gedanken. „Mahadoo unterrichtete uns von unserem neuen Gast. Berichtet!"

Nach einem flüchtigen Seitenblick auf besagten Priester gehorchte Chui-m-Seth. Er berichtete noch einmal kurz von den Ereignissen, die auch Mahadoo schon wiedergegeben hatte, sowie von der Fahrt in den Palast. Nachdenklich lauschte der Pharao den Worten seines Geliebten. „Ihr haltet den Gesandten der Götter für eine Gefahr?" wollte er schließlich wissen, nachdem der blauäugige Priester seinen Bericht beendet hatte.

Chui-m-Seth' Augen fanden die amethystfarbenen seines Herrschers. Nach einem Moment des Schweigens sagte er schließlich nachdrücklich: „Ja, mein König." Er hörte, wie die anderen Priester und Ratgeber teilweise nach Luft schnappten, und spürte, wie sich fast alle im Raum anspannten. Nach ein paar Sekunden fügte er, bevor jemand anderes das Wort ergreifen konnte, in neutralem Tonfall hinzu: „Als die zwei ‚unbekannten' Wesen im Millenniumstempel wüteten, war ich ihm als einziger der Millenniumspriester nahe genug, um ihre höchst ungewöhnliche Energie deutlich zu spüren und die Macht dahinter erkennen zu können. Für mich besteht kein Zweifel, dass unser Gast eines von diesen beiden Lebewesen war. Beide müssen aufgrund der dort freigesetzten Schattenmagie als äußerst gefährlich eingestuft werden. Außerdem scheint unser neuer Gast nichts über die Grundprinzipien unserer Kultur zu wissen. Wer weiß schon, wo er tatsächlich herkommt und was seine Absichten sind. "

„Die große Isis weiß es sicher, und Ihr wagt es, ihr zu unterstellen, uns in Gefahr zu bringen?" ereiferte sich ihr Hohepriester Akunadin, wie Chui-m-Seth es nicht anders erwartet hatte. Der Mann war von Grund auf konservativ und seiner Göttin hundertprozentig ergeben. „Glaubt Ihr, sie würde uns schaden wollen? Wenn sie erzürnt wäre und so etwas wollte, würde sie sicher andere Wege nutzen. Sie ist eine der mächtigsten Göttinnen überhaupt! Es wäre ihr ein Leichtes, uns zu vernichten und auch die anderen Götter gegen uns aufzubringen. Sie hat Ägypten stets beschützt. Ohne sie-"

„Verzeiht, ehrenwerter Akunadin, dass ich Euch unterbreche", fiel Chui-m-Seth dem alten Mann ins Wort und klang dabei eher gezwungen höflich und keineswegs so, als würde er die Entschuldigung ernst meinen. Der Priester der Isis starrte ihn überrascht an und schwieg tatsächlich, und so nutzte der Priester des Millenniumsstabes seine Chance, ehe der andere sich wieder fangen konnte, und sprach weiter: „Ich wollte nicht andeuten, dass die große Isis uns absichtlich schaden will. Aber leider wäre es, wenn ich Recht habe mit meinem Misstrauen, nicht das erste Mal, dass der gut gemeinte Rat oder Befehl eines Gottes uns in eine Katastrophe führt. So unendlich weise und mächtig die Götter sind, so haben sie dennoch ihre Schwächen und irren sich gelegentlich oder schätzen die Reaktionen von ihnen nicht bekannten Wesen falsch ein, so dass dadurch Probleme entstehen. Was ist zum Beispiel, wenn unser neuer Gast der Göttin erst kurz vor unserem Erscheinen begegnet ist und sie dabei belogen hat, um sich ihrer Hilfe zu versichern? Oder wenn er sie irgendwie durch fremden Zauber beeinflussen konnte? Würdet Ihr Euch nicht später wünschen, dass wir ihn zumindest unter Beobachtung gehalten hätten, damit wir etwas unternehmen können, bevor er alles vernichten kann, was uns lieb und teuer ist?"

Einige Augenblicke herrschte Schweigen, teilweise weil die anderen zu geschockt waren, aber größtenteils, weil sich keiner der Anwesenden gerne in einen Streit zwischen diesen beiden einmischen wollte. „Frevler!" zischte Akunadin schließlich, nachdem er seine Fassung endlich wiedergefunden hatte, und es hätte niemanden im Raum gewundert, wenn Chui-m-Seth unter seinem mörderischem Blick tot umgefallen wäre. „Für andere Götter mag so etwas vielleicht zutreffen, aber meine ist die weiseste überhaupt! Ihr haben wir die Millenniumsgegenstände zu verdanken und damit den Sieg im letzten Krieg. Ohne sie würde keiner von euch hier so vor mir stehen!"

„Aber auch Ihr könnt nicht leugnen, dass sie damals ebenfalls Teil jenes Götterrates war, der den Vater unseres ehrenwerten Königs mit seiner Abstimmung zu diesem Krieg bewegt hatte", ergriff Mahadoo mit seiner ruhigen und vorurteilsfreien Stimme das Wort, ehe Chui-m-Seth etwas sagen konnte. Dem Gesichtsausdruck des blauäugigen Priesters war anzusehen, dass seine Antwort sehr heftig ausgefallen und eine Eskalation des Streites damit vorprogrammiert gewesen wäre.

Akunadin ließ auch tatsächlich von seinem bisherigen ‚Gegner' ab und richtete seinen bösen Blick auf den Hofzauberer, der diesen nur ruhig erwiderte. Bevor er ihn aber anschreien konnte wie vorher Chui-m-Seth, ergriff Atemu persönlich das Wort, und seine ruhige Stimme, die von Kindheit an ehrfurchtgebietend gewesen war, unterband jeglichen Streit. Alle wußten, dass sein Wort Gesetz war, wenn er so sprach. „Wir haben entschieden. Die Sicherheit Kemets geht über alles, vergesst das nicht, keiner von euch. Wir wünschen, das mindestens ein mächtiger Zauberer stets in der Nähe des Gesandten der Götter verweilt. Das bedeutet also, einer der jetzt hier Anwesenden muss es sein."

Er schaute während seiner nächsten Worte Akunadin an, der äußerst empört aussah. „Dies geschieht zu seinem Schutz ebenso wie zu dem Kemets. Da sein Wissen über uns gering zu sein scheint, ist es sicherer, wenn jemand von hohem Ansehen bei ihm ist, damit es nicht zu unerwünschten Zwischenfällen kommt, weil er etwas tut, was als Frevel gilt oder als etwas, was sich nicht geziemt."

Akunadins Gesichtsausdruck zeigte nun, dass er aufgrund dieser Argumentation nicht mehr grundsätzlich dagegen war, da sie keinen Zweifel an seiner Göttin beinhaltete. „Weiterhin", fuhr der Herr der beiden Länder an alle gewandt fort, „soll ihm alles gewährt werden, was er benötigt, um seine ihm von den Göttern übertragene Aufgabe zu erfüllen."

Nach einem nachdenklichen Blick in die Runde verkündete Atemu: „Wir sind uns bewußt, dass alle hier Anwesenden durch die herannahenden Festlichkeiten sehr in Anspruch genommen werden, daher soll Schimon unseren Gast begleiten und ihm zur Seite stehen. Seine Aufgaben und zumindest ein Teil der Akunadins können von den anderen mit übernommen werden."

„Ihr meint, Schimon alleine reicht nicht?" fragte Karim verwundert. Er wusste, dass der Berater nicht mehr der jüngste war -genauer gesagt war er einer der ältesten des ganzen Hofes-, aber ungeachtet dieser Tatsache war er bekannt für seine Tatkraft und Zuverlässigkeit.

„Wir sind sicher, dass Isis unserem Gast zur Seite stehen will und sicher wird sie dafür auch die Hilfe ihres Hohepriesters heranziehen. Um dies zu gewährleisten, halten Wir es für klug, auch Akunadins Aufgaben zumindest teilweise zu delegieren. Somit sind die Vorbereitungen abgesichert, und Wir können den Göttern und dem Volk einen reibungslosen Ablauf der Festlichkeiten garantieren", erwiderte der Herrscher ruhig. „Da der Gesandte der Götter Chui-m-Seths Bericht zufolge nun schläft, werden Wir ihm morgen Vormittag eine Audienz gewähren, nachdem die wichtigsten Tagesgeschäfte erledigt sind."

„Mein König", warf Chui-m-Seth ein und klang dabei wesentlich höflicher als zuvor bei Aknadin. „Sollten dabei nicht alle Hohepriester und Berater anwesend sein?"

„So sei es", antwortete der Sohn des Re nach kurzer Überlegung. „Plant also ein, nach der Ratssitzung noch etwas länger im Thronsaal zu bleiben. Wenn es weiter nichts gibt, dass wir jetzt besprechen müssen, könnt Ihr zu Euren Aufgaben zurückkehren."

-Ende der Traumerinnerung-

„Guten Morgen", grüßte Yugi den Berater des Pharao mit sanfter Stimme, um Heka nicht zu wecken, und machte ein paar Schritte auf den alten Mann zu.

Dieser war sofort überrascht zusammengezuckt und hatte sich zu ihm umgedreht. „Guten Morgen. Verzeiht, ich hatte Euch nicht gesehen", grüßte er nach wenigen Sekunden zurück. Er verbeugte sich, sprach dabei aber weiter. „Ich darf Euch im Palast Kemets willkommen heißen, Imby, Gesandter der Götter. Mein Name ist Schimon, und ich wurde von unserem mächtigen Herrscher, Sechemre((1)), beauftragt, für Euer Wohl zu sorgen."

„Es freut mich, Euch kennen zu lernen, Schimon", antwortete Yugi und erwiderte nach japanischer Art die Verbeugung des alten Mannes.

„Sicher ist es Euer Wunsch, Euch zunächst zu reinigen und danach zu frühstücken", sagte der alte Mann und ehe der junge Japaner auch nur seinen Mund aufmachen konnte, klatschte der Berater des Pharao, und vier Diener traten herein. Zwei hielten große Tabletts mit Speisen und Getränken, die anderen zwei große Krüge mit Wasser.

„Danke, aber ich habe mich schon mit Magie gereinigt", erwiderte der Amethystäugige. Zwar liebte er es, morgens zu duschen, und er wusste aus Kaibas und Yamis Erinnerungen, dass es in Ägypten üblich war, sich in einer Art ‚menschenbetriebener Dusche' von anderen mit Wasser übergießen zu lassen, doch würde das bedeuten, dass er sich vor diesen zumindest teilweise würde entblößen müssen. Das wiederum konnte er nicht zulassen, da er sich auch daran erinnerte, dass, zumindest soweit Yami und Kaiba wussten, niemals jemand Imby unverhüllt gesehen hatte.

Von dem äußerst üppigen Mahl, das vor ihm aufgebaut wurde, aß er nur sehr wenig, was man von Heka, die beim Eintritt der Diener erwacht war und sich nach einer kurzen Begrüßung auf das Essen gestürzt hatte, nicht sagen konnte. Nachdem Yugi genug gegessen hatte, ergriff Schimon erneut das Wort: „Seine Majestät möchte Euch kennen lernen, ehrenwerter Imby. Da er nicht wusste, wann Ihr erwachen würdet, hat er eine Audienz anberaumt, wenn Chepri zu Re wird.((2)) Doch ich werde ihn umgehend informieren, damit er Euch nach den morgendlichen Riten empfängt."

„Danke, das ist nicht nötig", erwiderte der junge Japaner. „Ein späteres Treffen ist für mich zufriedenstellend. Sicher hat er viele Pflichten, die wichtiger sind als das Treffen mit mir."

„Ganz wie Ihr wünscht", erwiderte der Berater mit einer leichten Verbeugung. „Was gedenkt Ihr, in der Zwischenzeit zu tun? Ich könnte Euch den Palast zeigen."

Ein wenig Traurigkeit überkam Yugi über das distanzierte Verhalten, das der alte Mann, der seinem Großvater so ähnlich sah, ihm gegenüber zeigte. Sein Großvater war offenherzig und fröhlich in der Gegenwart von Fremden und was er über Schimon wusste, deutete eigentlich darauf hin, dass er diesen Charakterzug ebenfalls besaß. Daher war ihm um so schmerzlicher bewusst, dass dessen extrem höfliches und ruhiges Verhalten darauf hinwies, dass der Ägypter die Einschätzung Chui-m-Seths zumindest in Teilen ernst nahm. Er versuchte, ihn zu ergründen und ließ ihn keinen Augenblick aus den Augen, zweifellos um ihn genau einschätzen zu können, ehe er ihm Vertrauen entgegenbrachte.

„Ja, das wäre schön", erwiderte der Amethystäugige. „Wenn es möglich ist, möchte ich aber lieber zunächst in den Tempel der Isis, um mit ihrem Hohepriester zu sprechen und meine Nachforschungen zu der vor mir liegenden Aufgabe in Angriff zu nehmen."

„Noch werden in dem Tempel, wie in den anderen auch, die morgendlichen Riten vollzogen, was die Anwesenheit Akunadins, des Priester, den Ihr verlangt, erforderlich macht", antwortete Schimon. „Aber ich könnte Euch ein paar Dinge im Palast und in der umliegenden Stadt zeigen, so dass wir am Ende unserer kleinen Tour am Tempel der Isis sind, um den Hohepriester direkt nach Erfüllung seiner Pflichten zu treffen."

-Eine gute Idee- stimmte Heka zu, die gerade die letzte der mit Honig gesüßten Datteln gierig verschlungen hatte. -Wenn Ihr nichts dagegen habt, werde ich mich schon während der Tour auf den Weg zum Tempel machen, so dass ich Akunadin von Eurer baldigen Ankunft unterrichten kann.-

„Ich bin einverstanden", erklärte Yugi und erhob sich. Und mit einer einladenden Handbewegung sagte er: „Weißt bitte den Weg, ehrenwerter Schimon."

Der Berater des Königs tat wie ihm geheißen und zeigte dem jungen Japaner große Teile des Palastes und der umliegenden kleineren Tempel der Götter, die ursprünglich nicht in dieser Stadt zu Hause waren. Schließlich kamen sie zum Tempel der Isis. Dort herrschte das hektische Treiben, das nach der morgendlichen Zeremonie üblich war.

Heka flatterte ihnen entgegen, sobald sie durch den Pylon((3)) geschritten waren. -Akunadin erwartet Euch jetzt in seinen Studienräumen- berichtete der kleine Falke aufgeregt und geleitete die beiden zu dem alten Priester.

„Willkommen, ehrenwerter Imby. Mein Göttin unterrichtete mich bereits von Eurer Ankunft", begrüßte der Priester Yugi mit einer Verbeugung. Dann wandte er sich an den Berater: „Danke, dass Ihr Euch seiner angenommen habt, Schimon. Sicher werdet Ihr aber jetzt noch andere Dinge zu erledigen haben."

„Aber nicht doch, ehrenwerter Akunadin", antwortete der Ältere betont freundlich. Yugi musste schmunzeln, da ihn der Austausch der beiden an ein Ehepaar erinnerte, dass sich darüber stritt, ob das Enkelkind etwas tun durfte oder nicht und ihre Auseinandersetzung nicht zu offensichtlich werden zu lassen. „Seine Majestät war in seinen Anweisungen für meine Person ziemlich eindeutig. Ich soll dem Gesandten der Götter behilflich sein und wurde dafür von meinen übrigen Aufgaben befreit."

„Sehr gut", entgegnete der Priester der Isis, auch wenn er dabei nicht sehr glücklich aussah. „Meine Göttin beauftragte mich während der Riten, mich der Sache anzunehmen und unterrichtete mich auch schon über die vor uns liegende Aufgabe."

„Dann wisst Ihr bereits, was zu tun ist?" wollte Schimon neugierig wissen.

„Ich wurde über das Problem unterrichtet", antwortete Akunadin. „Aber wir werden noch einige Nachforschungen anstellen müssen, um zu einer Lösung zu kommen. Dafür benötigen wir aber zunächst die geheimen Dokumente über die Millenniumsgegenstände, die im Archiv des Millenniumstempels aufbewahrt werden. Wie Ihr sicher versteht, möchte ich nicht die niederen Priester mit einer solch wichtigen Aufgabe betrauen und hatte schon die Befürchtung, ich müsste Sie selbst holen. Würdet Ihr sie uns holen? Das wäre eine sehr große Hilfe."

Schimon sah mit leichtem Misstrauen von Akunadin zu Yugi und wieder zurück. Der Japaner spürte, wie der Priester der Isis sich verkrampfte und inständig hoffte, dass der ältere Mann den Raum verließ, so dass ersterer ungestört mit ihm sprechen konnte, ohne das sich aus den Aussagen später unangenehme Fragen zur Schaffung der Millenniumsgegenstände ergeben würden. Schließlich seufzte der Berater des Königs und nickte zustimmend. Während der weise alte Mann den Raum verließ, bot der Priester dem jungen Japaner eine weiche Matte an, und sie setzten sich in den für ägyptische Beamte üblichen Schneidersitz. „Ehrenwerter Imby", hob der alte Mann an, „meine Göttin hat mir, wie eben schon angedeutet, von Eurer Unterhaltung berichtet. Sie hat mir eine Zusammenfassung ihrer damaligen Forschungen anvertraut, die alle Informationen enthält, die nicht in den Dokumenten zu finden sind, die Schimon nun holt. Bitte sagt mir, was genau Ihr braucht und wie ich Euch behilflich sein kann."

Yugi zögerte kurz, entschloss sich dann aber dazu, als erstes zu prüfen, ob er wirklich in der Vergangenheit war, wofür viel sprach. „Zunächst einmal würde ich gerne wissen, ob Euch bekannt ist, welche Ka-Monster geopfert wurden."

„Nicht direkt", erwiderte Akunadin. „Vorher wussten wir nichts von den Schattenmonstern und wollten eher die Energie der Kas an sich nutzen. Das war der Grund, dass wir überhaupt...", er schaute nervös durch den leeren Raum und flüsterte schließlich die nächsten vier Wörter, „Ihr-wisst-schon-was meinem Bruder vorschlugen. Ansonsten hätte ich es ohne sein Wissen hinter seinem Rücken getan, auch wenn ich dafür sicher hingerichtet worden wäre."

Yugi nickte enttäuscht und schaute nachdenklich zu Boden. Ehe er aber etwas sagen konnte, fuhr der Priester fort, der die kurze Pause selbst zum Überlegen genutzt zu haben schien. „Aber wenn ich mich richtig erinnere, dann sind auf den Innenseiten der Mauern Kul Elnas Abbilder von Ka-Monstern. Damals, kurz nach dem Ritual, nahm ich sie gar nicht wahr, aber ich weiß, dass ich bei meinem letzten Besuch -ich war nämlich unter denen, die die Tore hierher in die Hauptstadt holten- ein paar wenige Formen erkannte. Ich achtete nicht allzu sehr darauf und habe sie nicht gezählt, aber ich kann mir gut vorstellen, dass dort von allen geopferten Ka-Monstern ein Schatten an der Wand ist."

„Gut", erwiderte Yugi, der sich etwas mulmig dabei fühlte, den Ort in natura zu sehen, den er in der Erinnerung des Monsters gesehen hatte, aber wusste, dass es nötig war. „Ich halte es für das Beste, wenn wir Kul Elna so schnell wie möglich aufsuchen. Ich glaube ohnehin, dass ich den Ort besuchen sollte. Vielleicht hilft es mir."

„Ich werde Euch selbstverständlich begleiten", sagte der Priester schnell. Etwa eine Stunde später hatten sie eine Liste mit Dingen erstellt, die sie mitnehmen mussten. Derweilen war auch Schimon mit den gewünschten Schriftrollen zurückgekehrt, die ein Stundenpriester((4)) unter seiner Aufsicht trug, und auch er wurde von dem Vorhaben unterrichtet.

Kurz nachdem sie mit der Planung der Reise begonnen hatten, brachte ein Schreiber den drei Männern die Nachricht, dass der König den Gesandten der Götter jetzt erwarten würde. Daher begaben sie sich zum Thronsaal, in dem Atemu Besprechungen abhielt und Gäste empfing.

Auch wenn Yugi den Raum aus den Erinnerungen seiner Geliebten kannte, so war es doch ungleich beeindruckender, ihn in der Realität zu sehen. Die Farbenpracht und Eleganz des Gesamtbildes war kaum mit den wenigen beschädigten Blöcken zu vergleichen, die in den Museen zu bewundern waren, und auch die anwesenden Menschen und ihre Magie vermittelten einen Eindruck der Stärke und des Selbstbewusstseins Ägyptens.

Nur der König und seine höchsten Priester, Würdenträger und Berater waren nach den morgendlichen Regierungsgeschäften noch geblieben, weshalb der riesige Raum leer wirkte. Als er Atemu umringt von seinen Vertrauten sah, erinnerte sich Yugi unwillkürlich an den Besuch der Auroren nach der Priesterweihe Forrests. Yami hatte damals die gleiche Aura von Stärke und Selbstbewusstsein ausgestrahlt, auch wenn die ihn umgebenden Personen damals zahlenmäßig weniger gewesen waren.

„Mein König, Sohn des Re, Bewahrer der Maat, lebender Horus, Sechemre", begrüßte Aknadin den jungen Ägypter und sank dicht gefolgt von Schimon in gebührendem Abstand zum Thron auf die Knie. Yugi folgte ihrem Beispiel, auch wenn er wusste, dass er auch ohne dies nicht in Schwierigkeiten geraten wäre, da er als Gesandter der Götter mit dem Herrrscher auf einer Stufe stand. „Ich habe die Ehre, Euch den Gesandten der Götter, Imby, vorzustellen."

Dann wandte er sich dem Japaner zu und verkündete feierlich: „Ehrenwerter Imby, dies ist Horus Anchmesut, die zwei Herrinnen Wachnesit, Goldhorus Schutypechty, König von Ober- und Unterägypten Sechemre, Sohn des Re Atemu."((5))

„Seid gegrüßt, Imby", ergriff der Herr der beiden Länder das Wort. Yugi schmerzte es, so neutral von seinem zukünftigen Geliebten angesprochen zu werden. Bei Chui-m-Seth empfand er es nicht ganz so schlimm, da sich Kaibas Ausstrahlung und Aura von der seines früheren Lebens unterschieden. Aber Atemu war dieselbe Person, die Yugi in seiner Zeit über alles liebte. Der einzige Unterschied zwischen beiden war, dass Yami mehr von seinem Potential nutzen konnte, da er so lange in Koexistenz mit den Schatten gelebt hatte. „Wir möchten Uns bei Euch zunächst in aller Form persönlich entschuldigen, dass Wir Euch nicht früher empfingen."

„Es gibt in diesem Fall nichts zu entschuldigen, großer König Kemets", erwiderte Yugi sanft und schaute dem Ägypter in die Augen, auch wenn dieser die seinen nur erahnen konnte. „Ich verstehe und respektiere, dass Ihr die Geschäfte Eures Landes zuerst erledigen müsst. Das zeugt davon, dass Ihr ein guter König seid."

Der Funken Wärme, der in den Augen des Herrschers erschien und der sich auch in seinen nächsten Worten zeigte, freute Yugi außerordentlich. „Wir danken Euch für Euer Verständnis. Allerdings ist auch Eure Aufgabe nicht zu vernachlässigen. Die große Isis suchte Uns gestern in Unseren Gemächern auf, um Uns über diese neue Bedrohung ins Bild zu setzen. Was könnt Ihr Uns darüber mitteilen und wie können Wir und Unsere Gefolgsleute Euch von Nutzen sein?"

Da Chui-m-Seth zum Glück auch dabei zugegen gewesen war, wusste Yugi, was Isis dem König anvertraut und was sie verheimlicht hatte. „Wie Euch die göttliche Mutter sicher erklärt hat, ist das Wesen, das ich gestern im Millenniumstempel bekämpfte, ein sehr mächtiges Schattenwesen", erklärte der junge Japaner. „Es ist durch eine Vereinigung von verschiedenen Schattenmonstern entstanden, äußerst zerstörungswütig und sehr gefährlich. Im Moment ist es sicher noch erschöpft von dem Kampf mit mir und hält sich versteckt, aber dem wird nicht mehr lange so sein. Ich empfehle Euch dringend, Boten in die Städte und Dörfer der näheren Umgebung zu schicken und die Menschen vor dem Wesen zu warnen. Sie sollen ihm, soweit möglich, aus dem Weg gehen und fliehen, wenn sie ihm doch begegnen."

„Sollten wir nicht lieber ganz Kemet in Alarmbereitschaft versetzen und nicht nur die nähere Umgebung?" wollte Karim wissen.

„Das wird nicht nötig sein", erwiderte Yugi, der während seines Spazierganges mit Schimon angefangen hatte, das Wissen, das er und seine Geliebten nach Betreten des Schattenreiches erhalten hatten, zu verarbeiten, und dabei einiges über das Wesen gelernt hatte. „Ich mag es nicht spüren können, aber es kann meine Gegenwart fühlen, da bin ich sicher. In den Augen dieses Geschöpfs ist der Kampf mit mir und meine Auslöschung im Moment sein Lebensinhalt. Solange ich lebe, wird es sich daher auch nicht bewusst und willentlich anderen Kämpfen widmen, da es weiß, dass ich es dann entdecken würde und im Vorteil wäre, sollte es sich dabei verletzen."

„Dann können wir es doch suchen und angreifen, wenn wir es finden", schlug Mahadoo vor. „Ihr könntet zu uns eilen und es besiegen, solange es geschwächt ist."

„Ihr seid, zumindest einzeln, nicht stark genug, um es lange genug aufzuhalten, und die Suche würde daher ziemlich lange dauern", entgegnete Yugi. „Außerdem will ich vorher mehr über die Forschungen der Isis wissen, da ich einen Weg suche, das Wesen in seine ursprünglichen Teile aufzuspalten. Es ist nicht durch seinen eigenen Willen das geworden, was es ist, und ich will versuchen, den Schaden wieder gutzumachen, der von anderen verursacht wurde."

„So etwas kann Monate und Jahre dauern", stellte Chui-m-Seth, dessen finsterer Blick auf den jungen Japaner fixiert war, fest. „Meint Ihr nicht, dass es bis dahin in Kemet wesentlich mehr Opfer geben wird, als ihr zu retten versucht?"

„Chui-m-Seth-", zischte Akunadin aufgebracht.

Ehe der alte Mann aber sagen konnte, was er wollte, hielt er inne, da Yugi ihm eine Hand auf die Schulter legte zum Zeichen, dass er schweigen sollte. „Euer Einspruch ist begründet", sagte der Amethystäugige schlicht. „Aber ich kann Euch versichern, dass ich nicht einmal einen vollen Mondzyklus brauchen werde und bis dahin müssen die Menschen nur auf der Hut sein. Wenn Ihr sie warnt und sie dem Wesen aus dem Weg gehen, sollte es keine Opfer geben."

„Ich glaube, dass es auch vernünftig wäre, das Fest des Amun ausfallen zu lassen", gab Schada zu bedenken. „Falls das Wesen doch angreift und genau zu diesem Zeitpunkt, würde es nur unnötig viele Opfer geben."

„Das Fest ist in zwei Tagen, nicht wahr", erwiderte Yugi, der schon aus den Erinnerungen wusste, das nichts geschehen würde. Nachdem Schada genickt hatte, fuhr er fort: „Dann wird ein Verschieben oder Ausfallen-lassen des Festes nicht nötig sein. Ich halte es aus verschiedenen Gründen für vernünftig und informativ, den Ort zu besuchen, an dem die Millenniumstore gefunden wurden. Die Reise dorthin wird ein bis zwei Tage dauern. Ich werde also nicht hier sein, wenn das Fest stattfindet und daher das Wesen sicher auch nicht. Es wird wissen wollen, was ich tue, und mich daher verfolgen."

„Seid Ihr ganz sicher, dass den Teilnehmern des Festes keine Gefahr droht?" fragte Schada.

Yugi nickte. Chemet-Isis((6)) hatte sich derweilen auf ihre Kette konzentriert und sagte nun: „Die spätere Zukunft ist so ungewiss und vor mir verborgen wie nie zuvor, doch ich sehe, dass das Fest ohne Komplikationen stattfinden wird."

„Gut", mischte sich nun wieder die ruhige Stimme des Königs in das Gespräch ein. „Sagt Uns, was Ihr für Eure Reise braucht, ehrenwerter Imby. Wir werden Sorge tragen, dass Ihr alles bekommt, was Ihr benötigt."

„Ich danke Euch, König Sechemre", erwiderte der junge Japaner mit einer Verbeugung und hatte sich zusammenreißen müssen, ihn nicht ‚Atemu' oder gar ‚Yami' zu nennen. „Die Priester Akunadins, der sich bereit erklärt hat, mich auf der Reise zu begleiten, haben schon mit den Reisevorbereitungen begonnen. Mit Eurem Einverständnis werden wir morgen in aller Frühe aufbrechen."

„So sei es", antwortete der ägyptische Herrscher bestimmt. „Wir möchten, dass Euch auch Schimon und ein paar Unserer besten Wachen begleiten, um die Sicherheit Eurer Reise zu gewährleisten."

‚Und um mich besser beobachten zu können', setzte Yugi in Gedanken lächelnd hinzu. Er wusste, dass der Herr der beiden Länder ihm zwar nicht misstrauisch gegenüberstand, aber trotzdem lieber Vorsicht walten ließ. „Ich danke Euch, König Sechemre."

Damit wurde die Audienz beendet, und der junge Japaner zog sich mit den beiden alten Männern in den Isistempel zurück, Schimon, um die Reisevorbereitungen zu überwachen, Akunadin und Yugi, um die Schriftrollen des Millenniumstempels durchzugehen.

Fortsetzung folgt…

Anmerkungen

((1))Annuket: Ich hatte da zuerst ‚Atemu' zu stehen, doch dann hatte Magician angemerkt, dass er laut dem Manga (ich muss gestehen, ich habe das Manga immer noch nicht bis auf die ersten Kapitel gelesen) ja nicht so genannt werden würde, sondern nur mit Titel. Also grundsätzlich, wenn ein ägyptischer König vorgestellt wurde, wäre das mit seinen 5 Königsnamen erfolgt. Das waren der Horusname, der ‚nebty'-Name (=etwa Herrinnen-Name, was sich auf die 2 Landesgöttinnen Ägyptens bezieht), der Goldhorusname, der ‚Vorname' (normalerweise ist das der Thronbesteigungsname) und der Name (das war normalerweise der Geburtsname). Die beiden letzteren sind also nicht zu vergleichen mit unseren Vor- und Nachnamen und sowieso gibt sich der König die meisten der Namen selbst und sagt damit auch an, worauf er wert legt bzw. was ihm in seiner Herrschaft wichtig ist, soweit ich weiß. Vielleicht ist das am ehesten vergleichbar mit den Parteien aus unserer heutigen Zeit: Die CDU stand zumindest zu Anfang ja für christliche Werte, die SPD und PDS für soziale, die Grünen für Umweltschutz usw.. Aber zurück zu den pharaonischen Namen: In Kartouchen wurden nur die letzten beiden Namen geschrieben. Da ‚Atemu' ja im Anime in einer solchen stand und er als Kind damit angesprochen wurde... 'überleg' Oder erinnere ich mich da falsch?
Magician: Sein Name wird bis zum Ende der Serie nie benutzt, als Kind wird er immer ‚Ouji' gerufen...
Annuket: Ok, also nur Prinz... Lange her... Gut. Trotzdem würde ich von meinem falschen Eindruck ausgehend annehmen, dass das sein ‚letzter' Name war, auch wenn das nicht so eindeutig ist. Ich glaube, man musste seinen Geburtsnamen aber auch nicht wirklich behalten, und somit vielleicht nur die selbstgegebenen Namen benutzen lassen (was zu der Mangaaussage passen würde, dass Atemu aus irgendeinem Grund nicht mehr ‚Atemu' genannt werden wollte)
Magician: Na ja, es ist ja nicht so, dass er so nicht mehr genannt werden wollte, sondern eher, dass es keiner mehr tat. Ich denke, dass hat viel damit zu tun, dass wir in der Serie nur die Memory World zu sehen kriegen, die sich ja aus Atemus fragmentierten Erinnerungen zusammensetzt und in der sein Name versiegelt ist. In der echten Vergangenheit wurde er wahrscheinlich schon auch mal mit ‚Atemu' angesprochen, aber wohl eher selten. Ich kenn mich mit der Namensvorstellung der Ägypter ja nicht sonderlich gut aus, dementsprechend musst du mir sagen, welcher von den vielen Namen denn als der galt, dem die meiste Macht innewohnte bzw. welcher am seltensten benutzt wurde. Das wäre dann ‚Atemu', denke ich..
Annuket: Ahhhh. Jetzt komme ich langsam vollkommen durcheinander. … Ich weiß nicht genau, welcher am meisten Macht hat. Nach meinem Eindruck der Magie der Ägypter musst du alle Namen kennen, um Macht über diese Person zu erlangen. Ich denke, das ist auch der Grund, warum die beiden letzten in Kartouchen geschrieben wurden: Um sie zu beschützen. Ebenso wie der Goldhorusname auch in einem Kästchen mit Horus drauf geschrieben wurde. Aber die Namen in den Kartouchen wurden nach meinem Verständnis öfter benutzt, weshalb sie Deiner Forderung nicht entsprechen. Also treffe ich eine Entscheidung. Um es mir einfacher zu machen, habe ich jetzt beschlossen, dass Atemu der ‚Name' und Sechemre der Thronbesteigungsname ist (Sechemre hießen mehrere Könige der 17. Dynastie, also zum Ende der 2. Zwischenzeit, wo ich Atemu historisch am ehesten einordnen würde, hätte es ihn gegeben).

((2)) Chepri ist die morgendliche Sonne. Sie erscheint in Gestalt eines Skarabäus... was ich irgendwie in Menschengestalt ziemlich eklig finde, da dabei ein Menschenkörper mit einem Skarabäus als Kopf dargestellt wird (oft aber auch einfach als Kind, soweit ich weiß, also ohne Käfer). Die Mittagsgestalt ist dann Re und abends wird sie dann zu dem Greis Atum. Hier möchte ich sagen, Vormittag, vielleicht 10:00 Uhr oder so.

((3)) Magician: Was das? 'Kopf fragend schief leg' Hab's schon mal gehört und bin mir ziemlich sicher, dass ich das wissen sollte, aber... ‚schäm' Vielleicht auch Erklärung für deine Leser?
Annuket: So passt du auf... (Ok, ich frage auch zig mal das gleiche...) Das hatten wir schon beim Tempel des Anubis und ist einfach nur das Prunktor (zwei turmartige Pfeiler und dazwischen ein Mittelstück über dem Eingang).

((4)) Magician: Stundenpriester? Was ist das?
Annuket: Oh, hatte ich das noch nicht? Ich Schussel! Stundenpriester sind die niedrigsten Priester. Davon gab es am meisten. Die waren auch eher so etwas wie Teilzeitpriester, die dann mal einen Monat oder so im Tempel dienen und dann wieder ihrer eigentlichen Tätigkeit nachgehen.

((5)) Annuket: Jetzt hatte ich doch noch Lust auf die vollständige Titulatur... Muss ich das alles übersetzen?
Magician: Also, die Titel hattest du ja oben schon erklärt. Sind die Namen dahinter ‚nur' Namen oder haben die auch eine besondere Bedeutung? Wenn da keine speziellen Gründe sind, warum gerade diese Namen ausgewählt wurden, kannst du dir, denk ich, eine Erklärung sparen. Aber ich muss schon sagen, ganz schön beeindruckend dieser Monstertitel.^^ Der wird wahrscheinlich auch nur bei hochoffiziellen Anlässen benutzt, oder?
Annuket: Naja, die Kaiser im Mittelalter und auch die Könige in der Frühen Neuzeit hatten da noch einiges mehr zu bieten, was Titel betrifft. Ich erinnere mich, mal eine Urkunde gelesen zu haben, bei der der Text nur 2 Zeilen oder so lang war und der Rest der Seite nur der Titel des Herrschers war. Und zu der Bedeutung der Namen: Die hatten die immer. Unsere Namen haben ja auch Bedeutungen, auch wenn sie heutzutage meist aus Fremdsprachen kommen und wir sie daher nicht mehr kennen. Mir fällt das eher im Englischen auf, wenn Leute ihre Tochter Hope beispielsweise nennen. In diesem Sinne lasse ich die Übersetzung mal weg.

((6)) Nach einer Anmerkung von Magician, dass es zu Verwechslungen zwischen der Göttin und der Priesterin der Kette kommen kann, wenn sie beide Isis heißen, habe ich ihren Namen erweitert, wie auch schon vorher bei Seth. Er bedeutet einfach ‚Dienerin der Isis'.


Annuket: Ok, soweit zu Kapitel 37. Ich hoffe, es hat euch gefallen, auch wenn nicht wirklich viel passiert ist.
Magician: Aber Spaß macht es doch auch, wenn mal nicht so viel los ist. Ich für meinen Teil habe furchtbar gelacht bei all den schönen Zankereien. 'lach' Seth ist toll.
Annuket: Atemus Szenen allgemein mochte ich. Hoffentlich auch die Leser. Ich wünsche allen eine schöne Weihnachtszeit und einen guten Rutsch ins neue Jahr, bis zum nächsten Mal.