Magician: Herzlich Willkommen zu Kapitel 2.^^ Ein bisschen enttäuscht bin ich ja schon. Nur eine Review und insgesamt auch nicht gerade viele Leser. Aber gut, ich freu mich über jeden, der das hier liest. Und ein ganz Riesen-Dankeschön an dich, Isana, für die nette Review. Ich hab mich sehr gefreut.^^ Und da hab ich mir gedacht: ‚Sie verdient es, dass ich mit dem nächsten Kapitel mal aus dem Knick komme.'
Annuket: Ja. Und Du bist immerhin sehr viel schneller als ich.
Magician: Na ja, so kannst du das auch nicht sagen. Du hast schließlich ziemlich lange in einem unglaublichen Tempo Kapitel produziert und auch hochgeladen.
Annuket: Das war einmal... Nun mach aber schnell den Disclaimer, damit es los gehen kann. ^^
Magician: Ja, ja, ich mach ja schon. Also: Yu-gi-oh gehört mir nicht. Ich spiele nur. ^_~
Verloren
Kapitel 2: Was der Morgen enthüllt...
Ein ruhiger Morgen brach an über Kemet. Der Palast des Pharao erstrahlte in der aufgehenden Sonne, während die Stadt in seinem Schatten langsam erwachte. Türen öffneten sich, Fenster wurden aufgedeckt und fröhliche Stimmen erklangen überall. Ein paar Kinder entwischten nach draußen, bevor ihre Mütter sie aufhalten konnten, und trafen sich lachend auf einer der schmalen Straßen vor den niedrigen Häusern. Das Leben in der Stadt begann zu pulsieren. Auch im Palast herrschte bereits reges Treiben, vieles war vorzubereiten, bevor der König mit dem allmorgendlichen Ritual den Tag begann.
In einem der Gemächer stand eine schlanke Gestalt am Fenster und beobachtete, wie die Sonne das Land in einen strahlend roten Schleier hüllte. Seth genoss diesen kurzen Moment der Ruhe, während die Bediensteten sein Bad vorbereiteten.
Doch es sollte nicht lange so friedlich bleiben, denn nicht weit entfernt in einem anderen Teil des Palastes brach in diesem Moment Panik aus, die nur wenig später auch den Hüter des Millenniumsstabes erreichte. Schnelle Schritte näherten sich seinem Gemach, und dann stürzte ein junger Priester in den Raum, atemlos und kreidebleich im Gesicht.
„Lord Seth! Der Pharao ist verschwunden!"
Abrupt drehte sich der Angesprochene um.
„WAS?"
Der Bote zuckte zusammen und wich unter Seths durchdringendem Blick ein paar Schritte zurück. Doch er fing sich schnell wieder und als ihm auffiel, dass sein Verhalten dem Hohepriester gegenüber keineswegs angemessen war, sank er respektvoll auf die Knie, bevor er weitersprach.
„Niemand weiß, wie es geschah. Keiner der Wachen hat etwas Ungewöhnliches bemerkt. Der Vorsteher der Wache hat mich und ein paar andere ausgesandt, Euch und die anderen Millenniumspriester von der Situation zu unterrichten. Er bittet darum, dass Ihr sofort zum Gemach des Königs kommen möget."
Seth nickte und entließ den jungen Mann. Seine Gedanken drehten sich im Kreis, die verrücktesten Ideen kamen ihm in den Sinn in den paar Augenblicken, die er brauchte, um die Situation wirklich zu begreifen. Doch nur eine Sache war klar: Größte Eile war geboten. Sein Bad würde an diesem Morgen wohl ausfallen müssen.
Ein paar Minuten später betrat Seth die königlichen Gemächer. Mahad, Isis und Schada waren bereits anwesend und diskutierten mit zwei aufgeregten Wachen. Er sah sich kurz um. Ihm fiel sofort auf, wie normal alles aussah. Nichts deutete darauf hin, dass hier ein Kampf stattgefunden haben könnte. Er trat zu den anderen Priestern, die soeben die Wachen entließen, und machte sich bemerkbar.
„Ah Lord Seth, da seid Ihr ja", begrüßte Isis ihn.
Seth nickte ihr höflich zu. „Was ist geschehen?"
„Das wissen wir noch nicht. Wie Ihr sicher bemerkt habt, sieht es hier nicht gerade nach einem Kampf aus. Wir haben die Männer befragt, die heute Nacht Wache gestanden haben, und es ist nichts Ungewöhnliches geschehen, seit sie ihren Dienst angetreten haben."
„Was ist mit der Zeit davor?" hakte Seth nach.
„Laut den Aussagen ging auch der Wachwechsel völlig normal vonstatten", antwortete Mahad. „Außerdem hat Set-nechet((1)) bereits mit der Patrouille gesprochen und es scheint auch da alles in Ordnung gewesen zu sein. Wir haben aber jemanden ausgesandt, der die beiden Wachen von gestern Abend holen soll, damit wir sie ebenfalls befragen können."
„Das bedeutet also, niemand hat auch nur eine Kleinigkeit bemerkt?" Seth klang verärgert über diese Tatsache.
„Ja", sagte nun wieder Isis. „Erst als die Priester heute Morgen kamen, um den König zu wecken, wurde sein Verschwinden bemerkt. Sie fanden das Gemach leer vor. Pharaos Flügelkrone lag auf dem Bett, das Millenniumspuzzle fehlt jedoch. Es wirkt alles so, als wäre er aus eigenen Stücken gegangen."
Seth sah kurz Mahad an und bemerkte in dessen Augen die gleiche Gewissheit, die auch ihn selbst erfüllte. Er schüttelte den Kopf. „Nein, das ist völlig unmöglich. Der König wäre niemals gegangen, ohne jemandem bescheid zu geben. Er muss- -"
In diesem Moment kamen Schimon, Akunadin und Karim herein, gefolgt von Set-nechet, der so erschüttert aussah, dass es nicht schwer zu erraten war, dass er schlechte Nachrichten hatte. Während Schada die beiden anderen Priester und den engsten Berater des Pharao über das informierte, was bis jetzt besprochen worden war, wandte Mahad sich an den Vorsteher der Wache.
„Set-nechet, was ist geschehen?"
Der Mann zitterte, ob vor Wut oder Sorge war schwer zu sagen. „Mein Lord, die Männer, die bis gestern Abend die Gemächer des Königs bewacht haben, sind unauffindbar."
Abrupt verstummten alle im Raum und starrten ihn an, während er weitersprach.
„Seit dem Wachwechsel hat sie niemand mehr gesehen. Sie sind ebenso verschwunden wie der Pharao. Verzeiht mir."
Set-nechet senkte den Kopf. Ebenso wie Seth und Mahad war er sich sicher, dass der König niemals ohne ein Wort aufbrechen würde, schon gar nicht, wenn er beabsichtigte, zwei der Wachen mitzunehmen. Und das konnte nur bedeuten, dass jene Männer für das Verschwinden ihres Herrschers verantwortlich waren. Set-nechet konnte dies nicht begreifen. Die Männer, die für diesen Wachdienst eingeteilt wurden, mussten hohe Anforderungen erfüllen und wurden streng überprüft. Sie alle hatten sich um den Pharao verdient gemacht und waren ihm persönlich treu ergeben. Wie konnten sich Attentäter dort einschleichen? Der Vorsteher der Wache sah dies als seinen Fehler an und somit auch das, was deswegen geschehen war.
Die Priester begriffen sofort, was seine Worte bedeuteten, und es schockierte sie ebenso wie Set-nechet. Schada brachte die Gedanken der anderen auf den Punkt.
„Dies wurde von langer Hand geplant."
Angespanntes Schweigen folgte, denn allen war klar, dass es einen Verräter geben musste, der die Entführer eingeschleust und unterstützt hatte. Ebenso offensichtlich war, dass die Entführung des Pharao verschleiert werden sollte, um Verwirrung zu stiften. Hier jedoch hatten die Attentäter die Millenniumspriester unterschätzt. Zumindest Mahad, der den König von klein auf kannte, und Seth hatten die List sofort durchschaut. Doch welchen Zweck all dies hatte, entzog sich auch ihnen völlig. Schließlich räusperte sich Schimon.
„Wir sind uns also einig darüber, dass der Pharao entführt wurde." Alle nickten. „Ebenso sind wir uns einig, dass dies nicht ohne Hilfe bewerkstelligt werden konnte. Jemand aus dem Palast hat den König verraten."
Wieder einstimmiges Nicken, doch Isis setzte hinzu: „Und es muss jemand sein, der den Tagesablauf des Pharao kennt."
„Das engt die Zahl der Möglichkeiten zwar ein, hilft uns aber nicht wirklich weiter", sagte Karim. „Was bezweckt diese Person damit?"
Diese Frage konnte keiner von ihnen beantworten. Nach ein paar Augenblicken erklang Schadas Stimme, leise aber eindringlich.
„Woher wissen wir, dass es nicht einer von uns ist?"
Alle starrten ihn an, dann einander. Die Spannung im Raum wurde so deutlich spürbar, dass ihnen allen ein Schauer über den Rücken lief. Allein der Gedanke, dass der Verräter in ihren Reihen zu finden war und all ihre Vermutungen gehört hatte, war schon beängstigend. Doch sich auszumalen, was es für den Pharao bedeuten konnte, wenn der Verräter dies weitergab an jene, die ihn entführt hatten... Das erschreckte sie alle zutiefst.
„Unmöglich." Isis brach das Schweigen, und alle Aufmerksamkeit richtete sich auf sie. Sie stand da, mit funkelnden Augen und einer Überzeugung im Blick, die jeden Widerspruch verbot. „Keiner von uns würde so etwas tun. Ich bezweifle nicht die Treue, die jeder von uns dem Pharao geschworen hat. Jedoch, wenn wir sichergehen wollen..." Sie blickte von Schada zu Karim und dann zu Akunadin. „Wir haben die Möglichkeit, Herz, Seele und Geist zu prüfen."
Akunadin erwiderte ihren Blick. „Ihr habt Recht, Lady Isis. Doch jene Prüfung darf nicht ohne Einverständnis jemandem auferlegt werden, es sei denn, er hat Unrecht begangen."
Set-nechet, der bis zu diesem Moment schweigend neben Seth gestanden hatte, trat nun einen Schritt vor und sank vor dem alten Priester auf die Knie. „Mein Lord, wenn dies die Zweifel beseitigen kann, so beginnt bei mir."
„Eure Entschlossenheit ehrt Euch, Set-nechet", antwortete Akunadin, „Doch wisst Ihr, was Euch erwartet? Wir werden Euer innerstes Wesen erforschen. Ihr werdet nichts verbergen können. Nichts."
Der andere Mann begann zu zittern, blieb jedoch standhaft. „Wenn wir den Pharao finden wollen, müssen wir einander vertrauen können", sagte er fest. „Nicht der Schatten eines Zweifels darf zurückbleiben. Prüft mich. Ich bin bereit."
Akunadin nickte. Er, Karim und Schada bildeten einen lockeren Kreis um Set-nechet, während sich Schimon und die drei restlichen Priester ein wenig zurückzogen. Karim hob die Millenniumswaage.((2))
„Dies ist die erste Prüfung. Die Seele möge Zeugnis ablegen."
Ein paar Sekunden tat sich gar nichts, dann senkte sich eine Seite der Waage kaum merklich. Die Bewegung war so schwach, dass die Waagschalen nicht einmal ins Schwanken gerieten.
„Gleichgewicht herrscht. Nichts hat die Seele verwirrt."((3)) Mit diesen Worten trat Karim einen Schritt zurück. Nun hob Schada seinen Schlüssel und schloss die Augen.
"Dies ist die zweite Prüfung. Das Herz möge Zeugnis ablegen."
Der Schlüssel funkelte im Licht. Set-nechet, der bisher ruhig zwischen ihnen gekniet hatte, verspannte sich. Überraschung zeichnete sich auf seinem Gesicht ab, und ein leiser Laut des Unbehagens entrang sich seiner Kehle. Doch so schnell, wie es begonnen hatte, war es auch wieder vorbei.
„Licht überwiegt. Nichts hat das Herz verdorben." Auch Schada trat zurück. Set-nechet blickte auf, und Akunadins scharfer Blick durchbohrte ihn.
„Dies ist die dritte Prüfung. Der Geist möge Zeugnis ablegen."
Das Millenniumsauge begann zu leuchten, und es war leicht zu erkennen, dass jetzt der schwerste Teil begonnen hatte. Set-nechet erstarrte für einen Moment, dann krümmte er sich mit einem Aufschrei wie unter einem Peitschenhieb zusammen und blieb zitternd liegen. Schweiß stand ihm auf der Stirn, und er atmete schwer. Die letzte Prüfung dauerte länger als die beiden anderen zusammen, doch nach ein paar Minuten erklang erneut Akunadins Stimme.
„Aufrichtigkeit ist der Mittelpunkt, Ehre, Mut und Treue stehen ihr zur Seite. Nichts wird den Geist brechen." Damit trat auch er zurück.
Mahad kniete neben Set-nechet nieder, der sich langsam beruhigte, aber noch sichtbar aufgewühlt war von dem, was er soeben erlebt hatte. Vorsichtig half er dem anderen aufzustehen.
Der erste von ihnen hatte die Prüfung bestanden. Nacheinander ließen sich erst Seth, dann Isis und nach ihr Schimon prüfen. Mahad war schließlich der letzte, der vortrat. Als der Hüter des Ringes sich dann wieder erhob, wandte sich Karim zu den anderen um.
„Wer wird über mich wachen?"
„Ich. Weist mir den Weg." Isis trat zu ihm und umfasste den Griff der Millenniumswaage oberhalb seiner Hand. Diese rituellen Worte leiteten Karims eigene Prüfung ein.
Jene war eigentlich ein absolut sicheres Mittel, um die Loyalität eines Menschen zu testen, doch führte sie einer der Millenniumspriester an sich selbst durch, bestand die Möglichkeit, dass er das Ergebnis beeinflusste oder nicht wahrheitsgemäß mitteilte. Deswegen gab es den ‚Wachenden'. Ein anderer Priester mit vergleichbarer magischer Kraft, in diesem Fall Isis, berührte während der Prüfung den entsprechenden Millenniumsgegenstand und übernahm so, angeleitet vom eigentlichen Hüter, die Rolle des Prüfers. So wurde jeder Verschleierungsversuch ausgeschlossen. Für den ‚Wachenden' war dies jedoch sehr anstrengend, da er oder sie nicht mit dem Gegenstand in Einklang war. Wurden mehrere ‚Wachende' gebraucht, übernahm deshalb jeder Priester diese Aufgabe nur einmal.
Also teilten sich die drei verbleibenden Millenniumspriester auf. Isis ‚wachte' über Karim, Mahad über Schada und Seth über Akunadin. Schimon stand an der Seite und beobachtete das Ganze. Er war als ‚Wachender' ebenfalls geeignet, vor allem, da er lange Jahre der Hüter des Schlüssels gewesen war, bevor er ihn an Schada übergeben hatte. Doch seine Magie war seitdem schwächer geworden, seine Kraft hatte mit jedem Jahr ein wenig nachgelassen, und so gab er Mahad den Vortritt. Er wusste, er konnte es sich nicht leisten, später auszuruhen, um sich von der Anstrengung zu erholen und begnügte sich bereitwillig mit der Rolle des Beobachters. Schließlich war die Prüfung abgeschlossen, und er nahm ihre Diskussion wieder auf.
„Gut, wir wissen nun, dass wir jedem in diesem Raum vertrauen können. Doch mit allen anderen im Palast sieht das anders aus. Es muss absolut geheim bleiben, was wir hier besprechen, bis wir mehr wissen oder der Pharao gefunden wurde."
„Könntet Ihr mit dieser Prüfung nicht den Verräter finden?" fragte Set-nechet.
Akunadin schüttelte den Kopf. „Rein theoretisch könnten wir das. Doch wir wissen weder, wer den König entführt hat, noch warum, und Ihr wisst, wie viele Menschen im Palast arbeiten. Wenn wir beginnen, die Leute zu prüfen, wird das auffallen, und wenn der Verräter das erfährt, bevor wir ihn erwischen, könnte das den Pharao in ernsthafte Gefahr bringen. Und was wäre, wenn es nicht nur einen Verräter gäbe? Außerdem... Nicht jeder ist so standhaft wie Ihr, Set-nechet. Es erfordert viel Mut, sich dieser Prüfung zu unterziehen, und es mag Personen geben, die sich schlicht aus Angst verweigern. Wie sollen wir jene von den wahren Tätern unterscheiden?"
Set-nechet nickte. „Wir müssen also zuerst den Pharao finden. Erst wenn er in Sicherheit ist, können wir handeln."
„Bis dahin muss über unseren Verdacht absolutes Stillschweigen bewahrt werden", setzte Mahad hinzu. „Am besten wird es sein, wir erwecken den Eindruck, dass die Verschleierungstaktik gewirkt hat. Wir werden den König mit allen Mitteln suchen, doch werden wir so tun, als wüssten wir nicht sicher, was geschehen ist. Wenn der Verräter denkt, dass wir nicht an eine Entführung glauben, wird er sich sicherer fühlen und vielleicht einen Fehler machen."
„Wir werden jemanden brauchen, der hier im Palast nach Beginn der Suche die Geschehnisse beobachtet, sich umhört und Informationen sammelt", wandte Schada ein und sprach damit erneut einen sehr wichtigen Punkt an. „Wenn einer von uns dies täte, könnte es dem Verräter leicht auffallen und ihn misstrauisch machen. Und was das für den Pharao bedeuten könnte, wissen wir alle."
„Das stimmt", antwortete Schimon, „und wir können uns keinerlei Fehler leisten. Doch das bedeutet, wir müssen noch jemanden einweihen. Das ist gefährlich. Es muss jemand sein, den wir, sollte er oder sie sich der Prüfung verweigern, unauffällig im Auge behalten können."
„Mana."((4)) Alle wandten sich Mahad zu. Überrascht waren alle von seinem Vorschlag, doch Seth war alles andere als begeistert.
„Ihr wollt allen Ernstes dieses Mädchen mit solch einer wichtigen Aufgabe betrauen?" sagte er verärgert. „Sie ist kindisch, nimmt nichts ernst und kann ihren Mund nicht halten. Wenn wir ihr erzählen, was geschehen ist, weiß der ganze Palast davon, bevor Res Barke in die Unterwelt aufbricht!"
Mahad ließ sich nicht aus der Ruhe bringen. Er sah Seth ernst an, und seine Augen funkelten. „Ihr habt Recht mit dem, was Ihr sagt. Jedoch... Mana kann sehr entschlossen sein, wenn ihr etwas wichtig ist, und sie ist dem Pharao ebenso treu ergeben wie jeder von uns. Wie ich ist sie mit ihm aufgewachsen und liebt ihn wie einen Bruder."
Seth lachte abfällig. "Das ist kaum zu übersehen. Sie ist nicht einmal in der Lage, den König angemessen anzusprechen.((5)) Oder leugnet Ihr, dass Ihr ihr deswegen bei offiziellen Anlässen nicht von der Seite weicht, damit sie Euch keine Schande macht?"
Das saß. Mahad presste die Lippen zusammen und starrte den anderen wütend an. Wenn Blicke töten könnten, wäre Seth auf der Stelle tot umgefallen. „Urteilt nicht über jemanden, wenn Ihr Euch nicht einmal die Mühe machen wollt, denjenigen kennenzulernen!" zischte er. „Ihr wisst nichts über Mana!" Einen Moment herrschte angespanntes Schweigen, dann atmete Mahad einmal tief durch und fuhr etwas ruhiger fort: „Sie mag noch recht kindlich sein, doch wenn sie etwas erreichen will, verfolgt sie das ernsthaft und mit aller Kraft. Sie lässt sich durch nichts davon abbringen. Wenn sie erfährt, was geschehen ist, wird sie nicht zögern." Noch immer schwang Wut in seiner Stimme mit, und die nächsten Worte, die er an Seth richtete, waren kalt wie Eis. „Ich vertraue ihr mehr als Euch."
Ein ebenso kaltes Lächeln legte sich auf Seths Lippen, doch er sagte nichts mehr. Die anderen blickten von einem zum anderen und wussten nicht so recht, was sie von diesem Abschluss halten sollten. Schließlich räusperte sich Schimon.
„Nun gut, was meinen die anderen dazu?"
„Ich halte die Idee für gut", antwortete Isis. Sie kannte Mana und wusste ebenso gut wie Mahad, dass das Mädchen der Aufgabe gewachsen sein würde. „Sie mag jung sein, doch das wird sie nicht davon abhalten, helfen zu wollen. Und da viele Seths Meinung teilen, fällt es kaum auf, wenn sie zurückbleibt. Als Mahads Schülerin hat sie Zugang zu fast allen Bereichen des Palastes und niemand wird sich wundern, wenn sie herumstreift." Sie sah den Hüter des Rings an und lächelte, bevor sie hinzusetzte: „Ihr seid doch oft genug damit beschäftigt, sie zu suchen."
Im Gegensatz zu Seths Worten vorher waren die ihren gutmütiger Spott, und Mahad verstand dies auch. Sein Ärger verflog, und er erwiderte das Lächeln.
Schada sprach als nächster. Besorgnis schwang in seiner Stimme mit. „Die Frage ist nicht nur, ob sie die Aufgabe erfüllen kann, sondern auch, ob sie sich der Prüfung stellen wird. Sie ist kaum zwölf Jahre alt... Können wir ihr so etwas zumuten? Glaubt Ihr, sie wird den Mut dafür aufbringen, Mahad?"
„Ich bin mir nicht sicher", erwiderte der ehrlich. „Selbst jemand, der weit mehr Lebenserfahrung hat, mag davor zurückschrecken. Doch sollte sie sich verweigern, kann ich sie auf die Suche mitnehmen. Ich werde ihr keine Minute von der Seite weichen. Auch wenn ich nicht glaube, dass sie der Verräter ist, so dürfen wir doch kein Risiko eingehen. Und dass ich sie oft mitnehme, wenn ich etwas erledigen muss, ist allgemein bekannt."
„Dann ist sie die beste Wahl, auch wenn ein paar Unsicherheiten bleiben", sagte Karim. „Es gibt sonst kaum jemanden, der sowohl zurückbleiben als auch mitgehen kann, ohne Verdacht zu erregen."
Schimon nickte. „Ich stimme dem zu. Wir haben in dieser Hinsicht keine große Wahl. Wir können nur hoffen, dass sie so charakterstark ist, wie Mahad und Isis sagen. Aber hat sie überhaupt eine Chance, etwas herauszufinden?"
Mahad setzte an, um etwas zu sagen, doch Isis kam ihm zuvor. „Die Aufgabe ist nicht leicht. Jedoch... Mana kann sich sehr viel unauffälliger umhören als jeder von uns. Jeder hier kennt sie, viele mögen sie und werden mit ihr offener reden, einfach weil sie durch ihren unbeschwerten Charakter von den meisten noch als ein Kind angesehen wird. Es mag sein, dass sie mehr erfahren kann, als wir alle denken."
„Also gut", sagte Schimon, „sind alle damit einverstanden, Mana diese Aufgabe zu übertragen, sollte sie die Prüfung bestehen?" Alle nickten, auch Seth, und Akunadin wandte sich an Mahad. „Würdet Ihr bitte Eure Schülerin hierher holen? Wir werden solange unsere weiteren Schritte besprechen."
Der Hüter des Rings nickte und verließ eiligst den Raum. Die anderen begannen, die Suche zu planen. Schimon, Akunadin und Isis würden im Palast bleiben, die ersteren, um sich um die zu erledigenden Aufgaben zu kümmern, während letztere mithilfe ihrer Kette etwas über den Pharao herauszufinden versuchte. Die anderen würden so bald wie möglich aufbrechen, um den König zu suchen. Es wurde festgelegt, dass jeder von ihnen einen der Suchtrupps anführen würde. Die Wachen, die sonst den Pharao bewachten, würden ebenfalls Trupps führen. Das stand außer Frage, denn sie alle hatten sich bereits freiwillig für die Suche gemeldet. Die restlichen, etwas kleineren Gruppen sollten von den engen Beratern des Pharao geleitet werden, sofern sie sich beteiligen wollten. Doch das bezweifelte keiner. Sie brauchten jeden Mann, der entbehrt werden konnte.
Als sie soweit waren, betraten Mahad und Mana den Raum. Das Mädchen war sichtbar aufgewühlt, offenbar hatte sie bereits vom Verschwinden ihres besten Freundes erfahren, was nicht weiter verwunderlich war. Die Nachricht hatte sich inzwischen sicherlich schon im ganzen Palast herumgesprochen. Doch mehr wusste sie augenscheinlich nicht, denn ihr Blick huschte nervös von einem Priester zum anderen, bevor sie wieder ihren Meister ansah. Der erwiderte den Blick ernst, was sie nicht unbedingt beruhigte.
„Mana", setzte er an, „du weißt, was geschehen ist, nicht wahr?"
Das Mädchen nickte. „Alle sagen, dass der Prinz verschwunden ist." Ihr Meister warf ihr einen strengen Blick zu, und sie wurde rot. „Entschuldigung, ich meine natürlich der Pharao."
Isis, Karim und Schada mussten trotz der ernsten Situation lächeln, als sie sahen, wie Mahad angesichts des Ausrutschers seiner Schülerin die Augen verdrehte, und auch Schimon, Set-nechet und Akunadin amüsierten sich still. Nur Seth sah aus, als wollte er sagen: ‚Ich hab's doch gewusst.'
Mahad ignorierte das jedoch und konzentrierte sich stattdessen ganz auf das Mädchen.
„Hör zu, Mana. Die Situation ist sehr ernst. Der König ist nicht nur verschwunden, er wurde entführt, und es gibt einen Verräter im Palast." Mana gab einen entsetzten Laut von sich, unterbrach Mahad jedoch nicht. „Ich habe eine wichtige Aufgabe für dich, doch vorher müssen wir wissen, ob wir dir vertrauen können." Bei diesen Worten wurden Manas Augen groß, und es war deutlich zu erkennen, dass sie verletzt war, weshalb Mahad sanft hinzufügte: „Ich weiß, dass du niemals jemanden verraten würdest, am allerwenigsten den Pharao, doch wir müssen sichergehen. Alle in diesem Raum haben sich zu absolutem Stillschweigen verpflichtet und haben sich bereits der Prüfung durch die Millenniumsgegenstände unterzogen, die auch dir bevorsteht, solltest du einverstanden sein."
Jetzt wurde Mana blass. Sie wusste von dieser Prüfung und ebenso, was es bedeutete, sich ihr zu unterwerfen. Ihr Blick geisterte zu Karim, Schada und Akunadin, dann wieder zurück zu Mahad. Sie schluckte. Ihre Gedanken kreisten um das, was sie soeben erfahren hatte. Sie hatte Angst vor der Prüfung, doch sie verstand, warum ihr Meister dies von ihr verlangte. Und Ihre Sorge um den Prinz –‚Pharao' korrigierte sie sich in Gedanken– war größer als ihre Angst je sein konnte. Ihr Meister hatte gesagt, dass er eine wichtige Aufgabe für sie hatte, und sie wollte helfen, so gut sie konnte. Wenn sie dafür diese Prüfung durchstehen musste, würde sie es tun. Unsicherheit wich Entschlossenheit. Sie nickte, drehte sich um und sank vor Karim auf die Knie.
„Wenn dies nötig ist, dann lasst uns beginnen. Ich bin bereit. Je schneller das erledigt ist, desto schneller können wir dem König helfen." Ihre Stimme zitterte ein wenig, klang jedoch so ernst und entschlossen, dass nun jeder Mahads Vertrauen in ihre Fähigkeiten nachvollziehen konnte.
Akunadin und Schada traten zu Karim, vervollständigten so den Kreis um das Mädchen, und ein paar Minuten später war auch ihre Prüfung vorbei. Sie zitterte heftig, doch als Mahad ihr aufhalf und sie anlächelte, erwiderte sie das Lächeln glücklich, denn sie konnte sehen, dass ihr Meister enorm stolz auf sie war. In den nächsten paar Minuten erfuhr sie, was genau sie tun sollte, und auch wenn sie nur ungern zurückblieb, war sie sich der Wichtigkeit dieser Aufgabe bewusst.
„Was soll ich tun, wenn ich etwas erfahre?"
„Sende mir meinen Falken mit einer Nachricht", antwortete Mahad. „Er wird mich finden, wenn du ihm die richtige Richtung angibst. Ich werde dann den anderen bescheid geben."
Mana nickte. „Ich werde mein Bestes geben, Meister. Ich werde Euch nicht enttäuschen."
„Sei aber vorsichtig. Niemand darf wissen, dass wir Verdacht geschöpft haben. Stell keine Fragen, hör dich nur unauffällig um. Und pass auf dich auf. Ich will nicht, dass dir etwas geschieht."
„Ja, Meister", erwiderte sie ernst, lächelte dann aber wissend. „Ich werde einfach tun, was ich immer tue. Alle erwarten, dass ich im Palast herumstreife, besonders wenn Ihr nicht da seid. Wer bin ich, dass ich sie widerlege?" Sie warf Seth einen kurzen Blick zu, bevor sie sich wieder an ihren Meister wandte. „Keiner wird auf mich achten."
Mahad starrte sie einen Moment perplex an, als ihm klar wurde, dass das Mädchen den abfälligen Blick Seths vorher sehrwohl bemerkt hatte, obwohl sie anderweitig beschäftigt gewesen war. Dann lächelte er.
„Gut, wenn das so ist... Dann müssen wir nun nur noch die Suchtrupps organisieren. Was habt Ihr in meiner Abwesenheit besprochen?"
Die anderen erklärten ihm ihre bisherigen Überlegungen und gemeinsam einigten sie sich über die Verteilung der Suchtrupps. Schada und Karim würden den Nil überqueren und dort die Gruppen aufteilen, die sie begleiteten, Seth und Mahad würden in die andere Richtung aufbrechen und dasselbe tun, sobald sie ein Stück weit in der Wüste waren. Set-nechet würde mit seiner Gruppe erst die Stadt durchsuchen, bevor er sich in Richtung Süden ebenfalls auf den Weg in die Wüste machte. So würden sie ein sehr großes Gebiet abdecken können. Und dann blieb ihnen nur die Hoffnung, dass sie ihren König schnell fanden. Keiner von ihnen wollte im Moment an die Möglichkeit denken, dass er bereits nicht mehr am Leben war. Sie brauchten die Hoffnung, um Kraft daraus zu schöpfen.
Sie klärten noch einige Kleinigkeiten, dann schickte Mahad Mana los, um die Nachricht zu verbreiten, dass jeder, der nicht dringende Aufgaben zu erledigen hatte, sich so schnell wie möglich im Audienzsaal einfinden sollte. Das Mädchen machte sich sofort auf den Weg und verschwand in Richtung der Quartiere, um sich Unterstützung für diese Aufgabe zu holen.
Die sechs Priester, Schimon und der Vorsteher der Wache verließen ebenfalls das Gemach ihres Herrschers. Sie waren die ersten, die den großen Saal betraten. Die nächste halbe Stunde warteten sie und beobachteten, wie sich der Raum langsam füllte. Die engsten Berater des Pharao waren sehr bald nach ihnen gekommen und standen nun in einer losen Gruppe neben den Millenniumspriestern. Obwohl inzwischen schon sehr viele Personen anwesend waren, waren nur leise Gespräche zu hören. Die Stimmung war gedrückt, und jeder schien sich dem anzupassen. Schließlich trat Schimon vor, und die Aufmerksamkeit aller richtete sich auf ihn.
„Inzwischen werden alle wissen, was heute Nacht geschehen ist. Der König ist verschwunden." Und damit begann er, die Fakten, die sie sich vorher zurechtgelegt hatten, zu erläutern.
Alle hörten ihm aufmerksam zu, auch der Verräter, der sich ebenfalls unter den Anwesenden befand. Er achtete sorgfältig auf alles, was der alte Mann sagte, wägte jedes Wort sorgfältig ab. Er konnte sich keine Fehler erlauben. Doch je länger er zuhörte, desto ruhiger wurde er. Die Verschleierungstaktik schien funktioniert zu haben. Und als Schimon die Suchtrupps mit dem Hinweis einzuteilen begann, dass der Pharao eventuell in Verkleidung unterwegs sei und sie auf alles Ungewöhnliche achten sollten, frohlockte er. Sein Plan lief perfekt. Nicht einmal die Priester, die dem Pharao am nächsten standen, hatten die List durchschaut. Die Früchte all seiner langwierigen, schwierigen Arbeit waren nun in greifbare Nähe gerückt.
Er hatte sehr viel Geduld gebraucht. Fast ein Jahr hatte es gedauert, die beiden Attentäter in die Position zu bringen, die ihnen die Entführung des Königs ermöglichte. Erst musste er sie unauffällig in die Dienste der Palastwache schmuggeln. Er hatte das um sieben Ecken tun müssen, damit niemand sie später mit ihm in Verbindung bringen konnte. Danach hatte er auf eine Gelegenheit warten müssen, um ihnen die Gunst des Vorstehers der Wache zu sichern. Der Verräter wusste, dass Set-nechet nicht käuflich und seinem Herrscher treu ergeben war. Also mussten die Söldner Gelegenheit bekommen, ‚sich um den Pharao verdient zu machen'. Seine Geduld wurde in diesem Punkt auf eine harte Probe gestellt und als sich auch nach mehreren Monaten noch immer keine Chance ergeben hatte, sah er sich gezwungen, erneut einzugreifen und selbst dafür zu sorgen, dass die beiden Männer ihre ‚Treue' und ‚Ergebenheit' dem König gegenüber beweisen konnten. Diese Aktion hatte ihm große Sorgen gemacht, und die Planung hatte sehr viel Zeit in Anspruch genommen, doch am Ende zeigte sie Erfolg. Nach einem dreiviertel Jahr wurden die Attentäter in den Kreis der persönlichen Wachen des Pharao aufgenommen und einen weiteren Monat später erhielten sie das Recht, die Gemächer des Herrschers zu bewachen. Es hatte noch eine Weile gedauert, bis sich die passende Gelegenheit für die Entführung bot, doch gestern Abend war es endlich so weit gewesen. Zum ersten Mal waren die beiden Männer gemeinsam für eine Wache eingeteilt worden. Der Pharao war so gut wie tot. Die Wüste verschluckte einen Menschen, ohne eine Spur zurückzulassen. Niemand würde die Leiche finden. Jetzt würde es nicht mehr lange dauern.
Der Verräter meldete sich für eine der Gruppen, die in der Wüste auf dieser Seite des Flusses suchen sollten. Es würde kein Problem sein, sich kurz mit den beiden Söldnern zu treffen und das Millenniumspuzzle in Empfang zu nehmen. Und dann würde seine große Stunde kommen. Er hatte alles genau mit seinen Komplizen besprochen. Sein Bruder war ein hochrangiger Offizier in der Armee, und die meisten seiner Soldaten waren nicht dem König sondern ihm persönlich ergeben, auch wenn das niemand wusste. Er war die Rückversicherung, sollte etwas nicht nach Plan laufen. Der andere Komplize war der Oberpriester im Tempel des Amun, der zur richtigen Zeit eine Weissagung tätigen würde, die besagte, dass der Pharao tot war und derjenige, der das Millenniumspuzzle fand, sein Nachfolger sein sollte. Zu diesem Zeitpunkt würde er bereits auf dem Rückweg zum Palast sein, um die Nachricht dorthin zu bringen, dass er das Puzzle in der Wüste gefunden hatte, vom König jedoch jede Spur fehlte. Und dann musste er nur noch Überraschung heucheln angesichts der Entscheidung der Götter, ihn zum nächsten Pharao zu bestimmen. Der Thron Kemets erwartete ihn.
Der Verräter unterdrückte ein hämisches Grinsen, als er in die sorgenvollen Gesichter der Millenniumspriester schaute. Sie hofften noch immer darauf, den König lebend zu finden. Als die Versammlung schließlich aufgehoben wurde, verließ er als einer der ersten den Saal und machte sich auf den Weg, um seine Vorbereitungen zu treffen.
Set-nechet stand etwas abseits in einer Ecke und beobachtete, wie sich der Saal langsam leerte. Er war so in Gedanken, dass er nicht bemerkte, wie Mahad neben ihn trat.
„Irgendetwas Auffälliges, Set-nechet?"
„Nein, mein Lord", antwortete er kopfschüttelnd. „Ich musste nur daran denken, dass der Verräter höchstwahrscheinlich ebenfalls hier war... So viele Menschen, die sich sorgen, und er verspottet sie alle!" Der Vorsteher der Wache war erfüllt von kalter Wut, und das war deutlich zu hören.
Mahad legte ihm eine Hand auf die Schulter. „Wir werden herausfinden, wer er ist. Er wird nicht entkommen. Doch jetzt müssen wir erst einmal all unsere Kraft darauf verwenden, den Pharao zu finden."
„Ja", sagte Set-nechet langsam, als müsste er sich erst selbst davon überzeugen.
„Wir haben Verbündete im Palast, vergesst das nicht. Sollte irgendetwas geschehen, wissen wir innerhalb kurzer Zeit ebenfalls davon. Und auch, wenn wir mit der Suche beschäftigt sind, können wir Augen und Ohren offen halten. Verliert nicht den Mut, Set-nechet. Wir werden den Verräter erwischen, und der König wird über ihn richten."
„Ja, mein Lord", erwiderte der Vorsteher der Wache und diesmal klang er entschlossen. Für trübe Gedanken hatten sie keine Zeit.
„Gut, dann lasst uns gehen. Wir müssen noch Vorbereitungen treffen."
Der andere Mann nickte. Als sie schließlich den Raum verließen, war sonst niemand mehr dort.
Die Vorbereitungen dauerten den halben Tag, doch endlich saßen alle auf ihren Pferden. Schada und Seth gaben den jeweiligen Gruppen die letzten Befehle, bevor sie sich zu den anderen Priestern an die Spitze gesellten.
Und dann kam der Befehl zum Aufbruch. Langsam setzte sich die lange Kolonne in Bewegung und verließ geordnet den großen Vorplatz. Vor dem Palast trennten sich die drei Einheiten. Die beiden größten lenkten ihre Pferde Richtung Nil bzw. Richtung Wüste, während die einzelne Truppe unter Set-nechet weiter in die Stadt ritt. Nun waren die Weichen gestellt, beide Seiten hatten ihre Vorbereitungen getroffen, und bald würde sich herausstellen, was ihnen das brachte. Der Verräter befand sich unerkannt unter ihnen und wartete seine Zeit ab. Die Priester hatten keine Ahnung, was er plante, doch ebenso wenig ahnte er, dass sie bereits von ihm wussten. Und so begann die große Suche. Ihr Ausgang war ungewiss.
Fortsetzung folgt...
Anmerkungen
((1)) Das ist der Oberste der Wachen, falls sich jemand wundern sollte. Sein Name bedeutet ‚Stätte der Stärke'. Und wieder mal ein Riesen-Dankeschön an Annuket für den Namen. Ich wär echt verloren ohne sie.^^
((2)) Annuket: Legt er auch eine Maatfeder drauf? Im Manga/erster Serie macht Shadi es, glaube ich, noch, in der letzten Staffel macht es Karim nicht. Aber ich hielte es für besser, weil im Totengericht ja auch eine Feder benutzt wird. Andererseits wenn es danach geht, müsste Karim auch das Herz prüfen und nicht die Seele.
Magician: Ich orientiere mich hier ja hauptsächlich am Memory Arc und da war es tatsächlich so, dass Karim mit der Waage nur ein Mal festgestellt hat, dass Bakuras böse Energie unglaublich stark ist, und da hat die Waage einfach nur stark ‚gewackelt', als er sie hochgehalten hat. Schada hingegen konnte mit dem Schlüssel in die böse Energie hineinsehen und erkennen, welches Monster dahinter steckt. Und deshalb habe ich diese Aufteilung gewählt.
((3)) Nur eine kleine Erklärung, weil Annuket hier nachgefragt hatte. Die Waage reagiert hier nur auf den winzigen Teil Dunkelheit, den meiner Meinung nach selbst der ehrbarste und gutherzigste Mensch in sich trägt. Karim weiß das natürlich, deshalb sein positives Urteil.
((4)) Ich musste sie einfach irgendwie reinbringen. Ich find das Mädchen einfach nur toll (nicht dass mein PenName das nicht klar machen würde... ‚lach'), allerdings nur in der japanischen Version.
((5)) Ich beziehe mich hier auf die Originalversion des Anime. Im Amerikanischen/Deutschen ging das leider verloren, aber im Japanischen nennt Mana Atem die ganze Zeit „Ouji", was „Prinz" bedeutet, weil sie das aus den Jahren, in denen Atems Vater noch lebte und er eben ‚nur' der Prinz war, so gewöhnt ist. Sie wird deshalb am Anfang öfter von Mahad gerügt. Es gibt da eine putzige Szene, wo er sie erst verbessert und es ihm dann zwei Sätze später im Eifer des Gefechts auch rausrutscht, woraufhin Mana grinst und (so ungefähr) sagt: „Meister, Ihr habt ‚Prinz' gesagt." Ich liebe die Beziehung der drei im Original, weshalb ich diese halbgare Liebesgeschichte zwischen Atem und Mana, die sie im Amerikanischen (und somit auch Deutschen) da reingedichtet haben, überhaupt nicht ab kann.
Magician: So, das war's. Hoffe, ihr hattet Spaß. Und ich weiß, dass ich bettele, aber bitte, bitte, lasst mir eine Review da (gilt auch für alle, die das nach Abschluss der Story lesen ^_~). Dieses Kapitel wäre ohne Isanas Review auch noch nicht da. Also sagt mir eure Meinung. Ich beiße nicht.^^
