Autor: Lukka1801

Disclaimer: Außer der Familie Shrivatsatv und deren Freunden, deren Namen nicht in den Büchern von Joanne K. Rowling auftauchen, gehört alles J.K.R.

Inhalt: Sirius findet in seinem Kaminzimmer das Tagebuch der Parvati Shrivastav. Weil ihm langweilig ist, beginnt er es zu lesen und gerät jedoch immer tiefer in die Welt der jungen Frau, die verzweifelt nach ein bisschen Liebe inner- und außerhalb ihres verbliebenen Familienkreises. Außer ihrem Onkel ist niemand für sie da und der zieht sich mehr und mehr aus der Familie zurück.

Sirius würde ihr gern helfen, aber dies scheint ihm unmöglich. Doch manchmal geschehen Wunder.

25. August 1993

Dear Unknown,

als ich gerade eben meinen ersten Eintrag las, fiel mir auf wie einzelgängerisch ich mich selbst darstellte. Das stimmt nicht ganz, ich habe Freunde, nicht viele, aber dafür gute.

Ich kann gerade mal drei Leute zu meinen wirklichen Freunden zählen. Zum einen wäre da das Ehepaar Noir. Maggien und Dark Noir kenne ich schon seit meiner Schulzeit in Hogwarts. Sie haben mir bei allen Beerdigungen meiner Schwestern Halt gegeben. Dafür danke ich ihnen aus tiefstem Herzen. Devi und sie haben sich ebenfalls sehr gut verstanden.

Ich bin die Patin ihres Sohnes Damien, was mich mit ungeheurem Stolz erfüllt. Maggien und ich sind eigentlich sehr unterschiedlich, sie ist sehr laut, manchmal etwas vorwitzig und temperamentvoll. Ich möchte nicht sagen, dass ich immer ein Kind von Traurigkeit war, aber ich kann von mir sagen, dass ich auf jeden fall ruhiger bin, vielleicht sogar manchmal etwas sarkastisch, wie mir Dark einmal zuflüsterte. Sarkasmus ist eine Grundlage ohne die man in meiner Familie nicht sehr weit kommt. Unter meinen drei anderen Geschwistern herrscht momentan so etwas wie ein Kleinkrieg, jeder will erfolgreicher sein als der andere. Mittendrin stehe ich und da ist Sarkasmus bitternötig.

Allerdings findet das wiederum Serenus (Archimedes) Doyle so „sexy" an mir, wie er selbst zu mir sagte. Das hat mich echt geschockt.

Serenus Doyle ist so etwas wie unsere Streberleiche, in der Schule wusste er immer fast alles, bevor es im unterricht überhaupt behandelt wurde. Das weiß ich, obwohl er drei Jahre älter ist als ich, denn seine Klassenkameraden haben es sehr oft erzählt. Er war zwar Slytherin, aber das tat nichts zur Sache. Derzeit leitet er die Forschungsabteilung des Ministeriums, wo zum Beispiel neue Zauber entwickelt werden, oder Waffen für die Auroren.

Einmal hat er sogar zu mir gesagt, ich sein „eine erotische Frau und solle etwas daraus machen". Bitte???? Ich dachte wir seien Freunde, was sollen jetzt diese Bemerkungen. Wenigstens zum Lachen hat er mich damit gebracht, das ist mehr als ich von meinen Geschwistern erwarten kann. Die haben noch nicht einmal versucht nach der Beerdigung Kontakt zu mir aufzunehmen, obwohl ich ihnen eine Eule geschickte habe um mich nach ihren befinden zu erkundigen, wenigstens einer aus unserer Familie sollte das tun, aber ich erhielt keine Antwort.

Was würden unsere Eltern dazu sagen, wenn sie hier wären, obwohl ich eher glaube das sie insgeheim der Grund dafür sind, wären sie damals nicht vom Ministerium in dieses Gewahrsamslager gebracht worden, hätten wir wenigstens eine halbwegs heile Familie. Doch was wir gerne hätten ist unwichtig, relevant ist, was wir haben und was wir daraus machen.

Parvati Shrivastav, 22.

Sirius merkte gar nicht wie jemand hinter ihn trat und ihm über die Schulter schaute, so vertieft war er.

„Man liest nicht in fremden Tagebüchern, Sirius Black", mahnte die belustigte Stimme eines Bill Weasley.

Sirius erschrak ein klein wenig, doch dann erwiderte er: „ Was ich in meinem Haus finde gehört auch mir". „ Sicher, aber wessen Tagebuch liest du da?", fragte Bill neugierig und lugte über seine Schulter. „ Parvati Shrivastav", las Bill laut. „Kennst du sie?" fragte Sirius. „Nein", antwortete Bill knapp. „Ich habe bisher noch nicht viel über diese Frau gelesen, aber sie erscheint mir sehr interessant. Sie schildert eine andere Form von Leid, aber auch von Glück. Das geht bei ihr beides Hand in Hand".

Sirius begriff es nicht, er konnte nicht begreifen, wie jemand mit solchen Verlusten noch glücklich sein konnte.

Bill seufzte: „Ich lasse dich lieber wieder weiter lesen". „Was ist?", fragte Sirius. „ Gar nichts", antwortete Bill knapp und verließ eilig den Raum.

Sirius schüttelte den Kopf und wandte sich lieber dem nächsten Eintrag zu.

25. September 1993

Dear Unknown ,

ich verfluche diese dämliche Dolores Umbridge. Dieses dumme Weib wagt es doch tatsächlich mir dumm kommen zu müssen, weil meine Eltern Werwölfe sind. Wie kann man nur so rückschrittlich und rassistisch auf einmal sein?

Joseph Parker, ein Werwolf, soll jetzt nach Azkaban gebracht werden, weil er sich gegen die Handgreiflichkeiten eines Cecil Walters, kein Werwolf, dafür Rassist übelster Sorte, zur wehr setzt und ihm eine wunde am Oberarm beibrachte. Dieser hat Parker bei den Auroren angezeigt und nun sitzt der Ärmste in U-Haft.

Als ich zu meinem Kollegen Fawcett meinte, dass das Ministerium hier dem Täter und nicht dem Opfer Recht zuspreche, erwiderte diese Kröte Umbridge, die uns (zufällig?) zugehört hatte, ich wäre wohl kaum in der Lage eine objektive Meinung abzugeben, da ich selbst zur Hälfte Werwolfsblut in mir hätte.

Woher weiß diese Mischung aus Pitbull und Kröte, mit einem Gesicht das nur eine Mutter lieben kann , wenn überhaupt, wer ich bin? Eigentlich ist es mir auch wieder egal, woher sie dass weiß, ich schäme mich nicht für das was ich bin.

In meinem ganzen Leben jedoch habe ich mich selten so gedemütigt gefühlt. Weshalb kann ich nicht objektiv denken, nur weil ich Werwolfblut in mir habe, welches jedoch kaum zum Vorschein kommt.

Ich kann zwar für einen Menschen angeblich erstaunlich gut hören, sagte mir mal ein Arzt, aber es gibt keine Hinweise, dass ich einmal zum Werwolf werden könnte, es sei denn ich werde gebissen, aber sonst bin ich eher ungefährlich. Vielleicht ist mein Mundwerk manchmal etwas locker, aber ich bemühe mich immer keine bissigen Kommentare loszulassen, was meistens auch klappt. Nur diese Gedanken kann ich nicht bremsen und wenn mir solche Menschen wie Umbridge vor die Nase kommen, ist es schwer den Mund zu halten, denn wer Dolores Jane Umbridge zum Feind hat, verlässt das Ministerium nie ohne Heulkrämpfe. Momentan möchte ich mir das allerdings ersparen. Wie gesagt momentan, aber meine Zeit wird kommen. Komisch, ich glaube jemand hat das schon mal gesagt, ich weiß nur nicht wer.

Parvati Shrivastav, Tochter von Dev und Azzura Shrivastav, beide Werwölfe, 22.

Sirius schmunzelte, jeder Eintrag beherbergte eine andere Seite dieser jungen Person. Von Seite zu Seite merkte man wie sie sich aufbäumte, gegen den inneren Schmerz ankämpfte, ihn zwar nicht über Bord warf, aber versuchte aus dieser Schwäche das Beste zu machen, was möglich war. Er las weiter.

24. Oktober 1993

Dear Unknown,

seit langem betrat ich wieder den Boden von Hogwarts. Serenus hat mich mitgenommen, da er mit dem Zaubertrankmeister Severus Snape angeblich eng befreundet ist. Severus Snape ist eng mit jemandem befreundet? Nun gut selbst Außenseiter brauchen Freunde.

Severus Snape privat anzutreffen war ehrlich gesagt nie eines von den Dingen, die ich unbedingt haben muss, aber Serenus meinte ich käme auf andere Gedanken und ich wollte mich damit für seine Bemühungen bedanken.

Die Räume von Severus Snape sind nicht wirklich Räume eher Verliese, was auch richtig ist denn sein unterricht und seine Wohnräume liegen beide in den Kerkern.

Vermutlich lässt sich dadurch auch seine wahrhaft ungesunde Hautfarbe erklären.

Seine Haare sind eine Ölquelle, ein Wunder dass sie nicht tropfen.

Dennoch muss ich zugeben, dass er ein nicht ganz so erschreckendes Bild abgeben würde, wenn er sich mal gründlich waschen und für ein paar Stunden an die frische Luft gehen würde.

Erstaunlich war für mich allerdings, dass er sich auch ganz normal mit Menschen unterhalten kann.

Mich begrüßte jedenfalls sehr entgegenkommend.

„Snape, dieser Schleimer", knurrte Sirius.

Allerdings glaube ich dass er nicht bei jedem so ist, er wollte Eindruck schinden, das merkte man.

Jedenfalls kommt er damit höchstens bei der naiven Damenwelt an, bei mir nicht. Ich bin aus der Nockturngasse, aufgewachsen in dem Viertel „Little Bombay". Aber das hat er wohl irgendwie auch bemerkt, jedenfalls, verzogen sich die beiden Männer irgendwann im Labor und ließen mich zurück.

Diese Zeit habe ich für meine Zwecke genutzt um wieder durch die Gänge zu wandern. Allerdings kam ich nicht umhin, von Minerva McGonnagall und Madame Sprout zu einem Butterbier in die „Der Besen zu werden. Eigentlich war es sehr schön, ich lernte meine ehemaligen Lehrer von einer gänzlich anderen Seite kennen.

Dann lernte ich ihn kennen, den neuen Lehrer von Hogwarts. Remus Lupin. Er war dünn, für sein Alter erstaunlich grau an den Schläfen und hatte irgendwie den Eindruck eines Wolfes im Schafspelz in mir erweckt, im positiven Sinn. Mann musste ihn nur ansehen um zu erkennen, dass hinter diesem gütigen, unschuldigen Gesichtsausdruck

der Schalk wohnte. Allerdings schien er intelligent und irgendwie traurig. Als ob eine eiserne Fessel um sein Herz liegen würde. Es kann auch sein, dass ich mir da etwas einbildete, aber es war derselbe Ausdruck, wie ich ihn auf den Bildern von Sirius Black sah. Die Fesseln um sein Herz trugen den Namen der Trauer, ebenso wie bei Sirius Black.

Erst da wurde mir auch wieder klar, dass Remus Lupin mit Sirius Black einst eng befreundet war und dass deren beste Freunde James und Lily Potter vor ungefähr 12 Jahren von Sirius Black an Voldemort verraten worden sein sollen. Peter Pettigrew, ein weiter Freund, wurde einen Tag nach dem Verrat und Mord an dem jungen Ehepaar selbst von Black ermordet und mit ihm 12 weitere Muggel.

So lautet die offizielle Version, ob man dieser glaubt oder nicht ist eine andere Sache. Leider denken viele immer anderen hinterher. Was das Ministerium sagt ist schon richtig, so denken die meisten. Als ob sie keinen eigenen Kopf hätten.

Vielleicht liegt es daran, dass ich unter anderen Umständen und einer anderen Mentalität aufgewachsen bin. Wir waren schon immer sehr vorsichtig mit dem was das Ministerium sagte. Es sagte ja auch, dass es in Ordnung wäre Kinder und Eltern zu trennen, auf brutalste Weise wenn nötig. Man lässt uns noch heute im Dunkeln tappen, was mit unseren Eltern geschah, aber wir haben schon so oft im Ministerium gefragt und haben nie ein Ergebnis erzielen können.

Nun unterhielt sich Remus Lupin nun mit uns, er hatte mit gegenüber ein leichtes Misstrauen, glaube ich, vermutlich weil er ebenso dachte wie ich. Er achtete sehr auf seine Worte und es ist ehrlich gesagt nicht angenehm, wenn man hinten herum bemerkt, dass man beinahe schon gemieden wird, weil man aus dem Ministerium kommt. Das ist nicht bei allen so, zum Beispiel die Weasleys gelten zwar in höheren Schichten nicht als sehr angesehen, bei uns „Normalen" jedoch sind sie sehr beliebt, zum teil auch, weil sie so offenherzig sind. Allerdings ist das eben nicht bei allen so. Ihre Liebenswürdigkeit und Offenheit der Muggelwelt gegenüber, besonders ausgeprägt ist diese bei Arthur Weasley, machen sie leider auch zum Gespött vieler Leute.

Dennoch ist Remus Lupin bei mir in guter Erinnerung geblieben, nur ich wahrscheinlich nicht bei ihm. Das liegt wahrscheinlich an meiner verschlossenen Miene, die ich letzter zeit, laut meinen Freunden, häufig aufsetze. Allerdings war dieser Eindruck wahrlich nicht von mir gewollt. Vielleicht bin ich irgendwann entspannter, aber momentan ist das wohl eher nicht der Fall, noch muss ich mich daran gewöhnen, dass ich ohne Devi in dieser Welt bin und dass für sehr lange Zeit auch sein werde. Allerdings habe ich absolut nicht die Absicht, diese Zeit ohne jemanden an meiner Seite zu verbringen, dafür bin ich zu wenig Einzelgängerin. Ich war nie wirklich einzelgängerisch, wenn dies auch oft so schien. Ich brauche jemanden an meiner Seite, einer der Zeuge meines Lebens ist und dessen Zeugin seines Lebens ich wiederum sein kann.

Kitschig, oder?

Parvati Shrivastav, 22.

Kitschig für wahr, aber eigentlich ein verzweifelter ruf nach Liebe. So schien es ihm.

Remus hatte Parvati kennen gelernt. Er hatte sie erlebt ihr Auge in Auge gegenüber gestanden.

Sirius würde Remus nur zu gern auf sie ansprechen, doch eigentlich wollte er es niemandem sagen, dass er das Tagebuch einer fremden Frau las. Teilweise fragte er sich auch, warum sie ihr Tagebuch in diesem Hause versteckt hatte. Dieses und noch viele andere Fragen gingen ihm durch den Kopf.

Doch plötzlich, wie aus heiterem Himmel, wurde er müde. Er hätte nicht gedacht, dass ihn dieses Buch über so viele Stunden hinweg beschäftigt hatte.

Um nicht gleich einzuschlafen, rappelte er sich auf, nahm jedoch dass Buch mit. Als er sich aufrichtete, fiel unerwartet ein Foto aus den Seiten.

Es zeigte eine Frau. Sie saß auf einer Fensterbank, man konnte draußen eine verschneite Winterlandschaft erkennen. E war ein Muggelfoto. Sie sah gerade in die Kamera, die Details ihres Gesichtes waren gut zu erkennen. Sie hatte helle Haut und aufregende dunkelblaue Augen, die Lippen strahlten in einer belebenden Farbe. Trotz der niedrigen Außentemperaturen trug sie ein kurzärmeliges weißes Hemd und einen blauen weißen Rock. Er schätzte ihre Größe auf 1,70m. Auf der Rückseite stand: Me, 1992. Falls ich irgendwann einmal vergessen sollte, wie ich aussehe oder falls jemand dieses Buch findet.

Sirius erinnerte sich nun seltsamerweise, dieses Gesicht irgendwo schon einmal gesehen zu haben, nicht in den Zeitungen, sondern persönlich. Konnte er sich auch nicht an ihren Namen erinnern, dieses Gesicht vergaß er nie. Langsam, aber allmählich erinnerte er sich. Es war noch gar nicht lange her und er war schon seit einem Jahr aus Azkaban heraus und auf der Flucht gewesen. Gedankenversunken verließ er das Kaminzimmer. Die Erinnerung kam wieder.

To be continued…