Zauberhafte Nächte

Autor: Lukka1801

Disclaimer: Außer der Familie Shrivatsatv und deren Freunden, deren Namen nicht in den Büchern von Joanne K. Rowling auftauchen, gehört alles J.K.R.

Inhalt: Sirius findet in seinem Kaminzimmer das Tagebuch der Parvati Shrivastav. Weil ihm langweilig ist, beginnt er es zu lesen und gerät jedoch immer tiefer in die Welt der jungen Frau, die verzweifelt nach ein bisschen Liebe inner- und außerhalb ihres verbliebenen Familienkreises. Außer ihrem Onkel ist niemand für sie da und der zieht sich mehr und mehr aus der Familie zurück.

Sirius würde ihr gern helfen, aber dies scheint ihm unmöglich. Doch manchmal geschehen Wunder.

Die erschreckende Wahrheit

Drei Wochen später

18. Januar 1994

Dear Unknown,

es ist fragwürdig, wie ich mir überhaupt noch in die Augen sehen kann. Ich sehe wie alles an mir vorbeirauscht und ich lasse es zu.

Hätte ich auch nur einen Funken Mut in meiner Seele, ich würde ihn aufwenden und mich selbst aber auch einige andere Dinge um mich herum verändern.

Ich wünschte ich könnte stopp sagen, wenn wieder jemand vorschnell verurteilt wird sei es sein Charakter oder seine Tat, beides ist manchmal so eng verwoben , manchmal aber auch so gegensätzlich, dass es beinahe widernatürlich erscheint.

Man merkt ich spreche von meinem Job. Tagein, tagaus begegne ich vielen Leuten, manche verstört und verrückt, andere einfach missverstanden. Es sind zu viele Beispiele um sie hier aufzuzählen, aber ich will mindestens einen Versuch starten.

In unserer Gesellschaft wird nicht ,mehr in das innere eines Menschen geschaut, es reicht die Oberfläche einer Person, um diese zu be- oder auch verurteilen.

Das gemeine ist, man weiß nicht immer wie man nach außen hin wirkt, man kann es sich nur denken. Das beste ist es, sich zu verstecken wie eine graue Maus und nur hin und wieder aufzutauchen, wenn es nötig ist. Nur manchmal gelingt dieses Versteckspiel vor der Welt nicht ganz, du äußerst dich zu einem Thema, erwachst für deinen Chef zum Leben, der dachte du seiest ein Schatten. Ich war immer ein Schatten, ich bin es immer noch. Nur manchmal wird aus meinem Schatten wieder jenes Kind, das diese Unterdrückung nie geduldet hätte. Dieses Kind und ich sind noch so sehr miteinander verbunden und wir schließen uns ein in jene Person, die da draußen im Ministerium ihren Job macht und alles tut, was die anderen sehen wollen.

Und vielleicht kommt irgendwann jemand, der mich bei der hand nimmt und mich ermutigt zu sagen was ich denke. Offen und ehrlich, mit dem Mut zu diesen Worten zu stehen.

Ich erinnere mich nur an einen Moment, an dem ich wirklich ich war, damals redete ich über die Ungerechtigkeit der Verurteilung eines Werwolfes. Da stand ich zu mir und meinen Worten, ich war mir meiner Worte bewusst und musste auch mit den Konsequenzen leben.

Dolores Umbridge hat mich auf dem Kieker, seit sie hörte wie meine Einstellung zu Werwölfen war. Seither werde ich ein weniger skeptischer betrachtet.

Es macht mir nichts aus, sie sollen ruhig sehen, wer ich bin und dass ich lebe.

Parvati Shrivastav, 22.

28. Dezember 1995

Ministerium

Rechtsabteilung

„Jingle bells, jingle bells, jingle all the way. O, what fun it is to ride in a one-horse open sleigh". Die vergnügte Frauenstimme klang durch die kalten verlassenen Flure.

Eigentlich war schon längst Feierabend und nur noch sehr wenige Angestellte trieben sich derzeit herum.

Die Rechtsabteilung befand sich im zweiten Geschoss des Ministeriums. Nur in zwei der kleinen Büros brannte noch Licht, dann löschte jemand eines der lichter und verließ sein Büro pfeifend, die Weihnachtsmelodie auf den Lippen. Sie wanderte zu dem Büro in dem noch Licht brannte und wünschte der alten Dame, die mühselig noch einige, das sie schon sehr müde war, einige letzte Zeilen zu Papier.

„Dotty, ich muss die Akten in das Archiv bringen, hast du noch irgendwelche Akten bei dir?", fragte Parvati Shrivastav die ältere Dame.

„Nein, hab ich nicht", antwortete Dotty abwesend und arbeitete fieberhaft weiter.

„Okay", meinte Parvati und trat den Weg zum Aufzug an. Sie pfiff weiter munter „Jingle Bells" und hörte damit nicht auf bis sie das Untergeschoss erreichte. Ruckartig kam der Aufzug im neunten Stockwerk, der Mysteriumsabteilung, zum stehen. Von hier aus musste sie zu fuß weiter und bis zur engen Treppe am anderen Ende des Flures entlanglaufen um in den letzten Stock zu kommen.

Sie mochte die Mysteriumsabteilung nicht sonderlich, denn sie war unheimlich und kühl. Die grauen Wände waren ungeschmückt und bedrückend. Sie zog ihren Zauberstab und flüsterte: „Lumos". Schnurstracks lief sie den Gang entlang und rannte beinahe die Treppe herunter. Hastig sortierte sie die Akten ein, schulterte ihren Rucksack, denn sie gleich mitgenommen hatte, um nicht noch einmal ins Büro zu müssen.

Als sie wieder nach oben in den neunten Stock lief, hörte sie plötzlich wie der Aufzug nach oben fuhr. Nun musste sie wohl die Treppen nehmen um wieder nach oben zu kommen. Sie zog sich ihren alten braunen Ledermantel über, die ihr nur bis zu den Knien reichte. Innen war er jedoch wunderbar warm, da er eine Fütterung aus Lammfell besaß.

Eilig stieg sie die erste Treppe hinauf, als sie hörte wie hinter ihr eine Tür zugeschlagen wurde, obwohl sie doch niemandem im Gang begegnet war.

Sie wollte schon weiterlaufen. „Feiglinge leben länger", versuchte sie leise ihr Tun zu rechtfertigen, aber sie wollte wissen, wer sich noch zu solch später Stunde höchstwahrscheinlich unerlaubt in der Mysteriumsabteilung herumtrieb.

Also ging sie wieder hinunter und sah den hinunter und wieder hinauf.

Da stand plötzlich jemand hinter ihr.

„Was soll das werden? Schlafwandeln Sie junge Frau oder treibt Sie die Neugier?", fragte eine tiefe leicht belustigte Stimme. Sie sah über ihre Schulter und erblickte einen dunkelhäutigen Mann mit Glatze und einem goldenen Ohrring. Er versuchte belustigt zu schauen. Doch der Ernst in seinem Blick war zu offensichtlich.

„Es tut mit Leid Sir", meinte sie plötzlich und rannte die Treppen hinauf. Ihre Augen waren vor Schreck geweitet. „Was haben Sie gesehen?", fragte Kingsley scharf. „Einen Umriss. Als ob jemand einen Tarnumhang tragen würde. Ich habe Umrisse gesehen. Lassen sie uns bitte schnell weggehen. Ich habe kein gutes Gefühl dabei", meinte sie ein wenig ängstlich. „ich auch nicht. Ich sehe es nämlich auch. Vor uns", flüsterte er leise, nur sie hörte es. „Gehen Sie!", flüsterte er und sie wandte sich so unauffällig zum Gehen wie nur möglich. Sie wusste, dass sie so tun musste als hätte sie gar nichts gesehen, was ihr sehr schwer fiel. Dann rauschte etwas an ihr vorbei, der fast unkenntliche Umriss war verschwunden, aber hinter ihnen musste ein zweiter sein, denn sie hatte zwei solcher Umrisse gesehen. Sie schluckte schwer. Dennoch spielte sie ihre Rolle weiter. Dann huschte auch der zweite Schatten an ihr vorbei. Sie atmete leise auf.

Was war das?

„Sie sind weg", sagte Kingsley. Sie nickte und ging weiter. Doch vor ihr auf der obersten Treppenstufe stand einer der „Schatten". Der Fremde Mann trat nun hinter Parvati und flüsterte leise: „ Ich bin Kingsley Shaklebolt, Auror. Verhalten Sie sich ruhig!", flüsterte er ihr zu. Dann verschwand der Schatten. „Weg", atmete sie erleichtert auf. „Glück gehabt", atmete Kingsley erleichtert auf. „Was zum Teufel war das?", fragte sie. „Das würden Sie mir nicht glauben", antwortete Kingsley. „Vielleicht, vielleicht auch nicht. Einen Versuch ist es wert". „ Es waren Todesser, vermute ich ganz stark zumindest", antwortete Kingsley. Sie sah ihn schweigend an. „Sie meinen, dieser komische Clan mit der Schlangenfresse an der Spitze, der schon mal versuchte die Herrschaft über uns zu erlangen und uns das Fürchten zu lehren?", fragte sie. Dann schlug sie sich die Hand vor den Mund und wurde leicht rot. Ihr eigentlich weniger lockeres Mundwerk hatten sich wieder den Weg zur Außenwelt gebahnt.

„Genau die", antwortete Kingsley. „ ich wusste, dass…" „ Oh nein. Entschuldigen Sie bitte. Normalerweise bin ich nicht so. Nur manchmal, da kommt eine Parvati zum Vorschein, die mir selbst weniger sympathisch ist. Ich meine, ich bin nicht schizophren oder so. ich glaube das irgendwie, weil…ach ich habe es irgendwie gespürt. Ich habe es schon damals gespürt. Ich wusste irgendwie immer, dass es noch nicht vorbei war. Es war zu…einfach. Unspektakulär eben. Ich meine so ein Monster lässt sich doch nicht von so einem kleinen einfach beseitigen. Oder?

Und Fudge versucht viel zu krampfhaft, das alles zu vertuschen, was dieser Junge sagt. Da muss doch etwas dahinter stecken", versuchte sie sich zu rechtfertigen. Kingsley hört ihr genau zu.

„Sie haben es als Kind geahnt?", fragte er ungläubig. „Irgendwie schon. Aber es kann sein, dass ich nicht wollte, dass es so einfach ging. Meine Eltern wurden wenige Tage vorher in ein Gewahrsamslager gebracht, in der wahrscheinlich irrwitzigen Annahme, dass sie als Werwölfe zu Voldemort überlaufen konnten. Ich sah Voldemort als Rechtfertigung dafür an, dass sie mir weggenommen wurden. Ich habe als zumindest nicht sinnlose Maßnahme empfunden, allerdings als große Ungerechtigkeit ihnen und uns gegenüber. Aber als Voldemort weg war, sah ich keine Notwendigkeit, uns weiterhin unsere Eltern vorzuenthalten. Der Grund war nicht mehr da. Und dann habe ich nur noch gehasst, ich wollte meine Eltern zurück, aber sie kamen nicht. Nacht für Nacht lag ich wach und wartete und nach zwei Wochen, da schlief ich ein und wachte mit noch mehr Hass auf. Ich wünschte diese verdammte Bande, die uns die Eltern nahm, zur Hölle. Ich habe Leute wie Sie es sind zur Hölle gewünscht und das tue ich noch heute, denn sie haben mir meine geliebte Mama und meinen Papa nie zurückgebracht.

Jetzt erzählen Sie mir, dass wir da eben Todesser gesehen haben und mir ist egal was sie hier suchten, aber wenn sie da sind dann ist auch er wider da und es geht alles von vorne los. Das Chaos bricht aus und die Andersartigen werden wieder diskriminiert, verspottet, verdächtigt und weggesperrt. Und dann gibt es noch mehr Kinder wie mich und meine Geschwister. Die Nockturngasse wird wieder gefüllt sein von den Schreien der Kinder, denen man die Eltern nimmt. Das Wehklagen wird immer lauter, aber es wird wieder keiner zuhören", schluchzte sie und vergrub das Gesicht in den Händen. Sie war schon vor einer Minute in die Knie gegangen. Alles kam wieder. Sie wusste nicht warum sie diesem Auror glaubt, der anders war, aus irgendeinem Grund, aber sie wusste es war richtig.

Kingsley hielt sie und dachte nach. Er dachte über diese Worte nach, die echtem Schmerz entsprangen und ihn etwas schockierten. Sie konnte eine andere Geschichte erzählen. Eine andere Geschichte über Voldemorts Zeit. Eine Geschichte die jene war, die sie alle gemeinsam erlebt hatten. Eine ganz eigene Perspektive von Schmerz, die sie aber alle zusammenhielt und sie bestrebte gegen das drohende Leid anzukämpfen.

„Je grausamer Voldemort wieder werden wird umso grausamer wird sich das Ministerium gegen Volk und Feind wenden, ohne den Unterschied zu erkennen, wer denn nun der wahre Feind ist", wisperte sie leise mit niedergeschlagener Stimme.

To be continued…