„Zum knurrenden Werwolf"

Disclaimer: Ja wem gehören Potter&Co wohl? Mir leider nicht. . Dafür aber alles was nicht ihr gehört und das ist ja wohl Parvati Shrivastav. Die Namensähnlichkeit mit Parvati Patil ist nicht beabsíchtigt, aber ich fand den Namen so schön.

25. Februar 1994

Dear Unknown,

es ist lange her, dass ich jemanden begegnet bin, den ich noch aus meiner Kindheit in der Nockturngasse kenne. Noch dazu jemanden der einst mein bester Freund gewesen war, den ich jedoch nie wieder gesehen habe. Es ist nun mittlerweile gut dreizehn Jahre her, dass ich ihn, Droughnan Belial nicht mehr gesehen habe. Onkel Ajay hatte uns damals so schnell aus unserer gewohnten Umgebung geholt, dass wir kaum Zeit gehabt hatten uns richtig zu verabschieden. Er ist nie ganz aus meinem Kopf verschwunden, doch ich kann auch nicht sagen, dass ich ihn nicht ab und zu vergessen habe, ich bin eben kein sehr guter Freund, glaube ich.

Dennoch hat ein Blick ausgereicht und ich war wieder die 8-jährige Parvati, zumindest in meiner Erinnerung. Wir haben wieder miteinander gespielt, sind durch die Gassen gerannt und hätten nie daran gedacht, dass wir uns jemals trennen müssten.

Doch nun sehen wir uns erst als erwachsene Menschen wieder. Ich erkannte ihn, er war schon immer unverwechselbar gewesen. Selbst wenn er nur mit dem Rücken zu mir stand, ich konnte ihn mir gut vorstellen. Seine Haare waren von klein auf schon weiß-silbrig gewesen. Und seine Augen waren immer grau gewesen. Ich hatte mich gefragt, wo er all die Jahre gewesen war.

Wahrscheinlich habe ich gestarrt, jedenfalls sah er zu mir herüber und drehte sich zu mir. Er war es gewesen, ich hatte mich nicht getäuscht was auch möglich gewesen wäre ich es jedoch nicht hatte wahrhaben wollen, mich so zu irren. Hände und Füße waren in Ketten gelegt. Warum? Er sah mich an, erkannte mich jedoch nicht, da wurde er auch schon von einem Auroren abgeführt und zu den Gerichtssälen im 10. Stock gebracht. Dort sind nicht nur die Gerichtssäle untergebracht, auch das Archiv der Rechtsabteilung befindet sich dort. Unter dem Vorwand einige Unterlagen holen zu müssen bin ich ihnen gefolgt.

Doch ich konnte ihnen nicht so schnell folgen, ein Kollege rief mich zu sich. Droughnan hatte gerade erst den Aufzug betreten und mich dann erst bewusst angesehen und wahrscheinlich auch erkannt. Ich werde nie diesen Gesichtsausdruck vergessen. Kein Hass, nicht einmal Vorwurf konnte ich in seinem Gesicht erkennen.

Von einem Auroren der mich beobachtet hatte erfuhr ich nach Feierabend, weshalb er in Ketten gewesen war. Er war in der Nockturngasse an einem Aufstand der Werwölfe gegen einige Auroren, die die Nockturngasse inspizieren sollten, beteiligt gewesen, dabei waren die Auroren schwer verletzt worden, ein Auror hatte jedoch einen Hilferuf zur Zentrale mithilfe seines Zauberstabes schicken können und so wurden der Anführer namens Damian Belial, sein Bruder, und einige andere Werwölfe verhaftete worden. Damian erwartete sogar die Todesstrafe, weil er zwei Auroren so massiv verletzt hatte, dass diese im Hospital gestorben waren.

Ich hoffte inständig dass Droughnan nicht dasselbe erwartete. Sein Urteil kam dem Todesstoß schon recht nahe. Zwei Jahre Azkaban. Azkaban war die Hölle, das hatten mir einige der wenigen Überlebenden erzählt. Es kamen nicht viele von dort zurück. Du erhältst von deinen Verwandten oder Freunden nur einmal Besuch und zwar dann, wenn du stirbst erzählte man mir. Das entsprach nicht ganz der Wahrheit, es gab einige sehr wenige, die ihre Freunde, Ehemänner oder –frauen, Kinder, wenn auch schon erwachsen, trotz ihrer Angst besuchten. Doch es war so selten, dass man wirklich erst besucht wurde wenn es mit einem zu Ende ging. Und selbst dann konnte man nicht erwarten, dass jemand kam. Azkaban war der Tod in Gestalt eines Gefängnisses.

Ich weiß nicht ob ich noch einmal die Gelegenheit haben werde Droughnan lebendig zu sehen. Ich werde ihn in Azkaban besuchen, ohne Angst vor den Schrecken. Aber ich werde erst Abschied von ihm nehmen wenn es so weit ist, hoffen wir, dass es niemals soweit kommt.

Selbst wenn er es übersteht, er wird nicht mehr der sein, der er mal war. Er hat sich sicherlich sehr verändert in den 13 Jahren, doch wenn er als freier Mann wieder zu uns kommt wird er uns noch fremder sein denn je. Aber diesmal werde ich bei ihm bleiben und es ist mir egal, was die Leute sagen. Ich habe meinen Freund einmal im Stich gelassen, das wird mir nicht noch einmal passieren.

Parvati Shrivastav, 22.

Es war kurz und knapp, aber es erzählte genug. Und sie hatte Recht, das wusste Sirius. Wenn dieser arme Teufel Namen Droughnan noch lebte hatte er nur noch knapp ein paar Monate abzusitzen. Es war schon Dezember 1995. Wenn alles gut lief war er bald wieder frei, aber er würde Azkaban niemals als Droughnan Belial verlassen, niemand ging nach Azkaban und kam als derjenige zurück, der er früher war. Azkaban veränderte, machte labil, ließ gestandene Männer und noch so starke Frauen zusammenbrechen. Das er, Sirius Black, nicht verrückt geworden war, grenzte beinahe an ein Wunder. Sicher er hatte einen Leitfaden gehabt, der ihn davon abhielt in dieselbe Leere abzurutschen wie all die anderen um ihn herum. Die Rache an Peter Pettigrew und der Gedanke an Harry, der irgendwo da draußen gewesen war und die Wahrheit über den sinnlosen Tod seiner Eltern erfahren musste. Und nur er, Sirius Black, konnte das tun und er hatte es geschafft.

Vielleicht war Droughnan Belial auch schon tot, er wäre nicht der erste gewesen und auch nicht der letzte. Niemand wusste wie viele namenlose Gräber Azkaban unter seiner verfluchten Erde hatte und es würde niemand erfahren.

„Zum knurrenden Werwolf"

Parvati Shrivastav saß an einem Tisch in der dunkelsten Nische des Pubs, die nur von einer kleinen Kerze auf dem Tisch erhellt wurde. Vor ihr saßen Albus Dumbledore, Minerva McGonnagall und Kingsley Shaklebolt.

Noch vor weniger als 24 Stunden war sie völlig aufgelöst, beinahe hysterisch gewesen, nun war sie wieder gefasster.

Minerva sah sie aufmerksam an, sie hatte sie schon einige Male gesehen seit sie aus der Schule weg war, stets in Begleitung Serenus Doyles. Die junge Frau sah die drei Personen mit vor der Brust verschränkten Armen und zurückgelehntem Oberkörper an. Sie kannte zwei dieser Personen noch aus ihrer Schulzeit, den Dritten im Bunde nicht. Sie wollte die ganze Sache auf sich beruhen lassen, das war jedoch nicht möglich, meinte Albus Dumbledore. Sie wüsste zu viel.

„Ich lass mich von Ihnen verhexen", sagte Parvati leicht drohend. „Wer hat etwas davon gesagt?", fragte Kingsley. „ Ich weiß, dass sie es in Erwägung ziehen. Aber ich sage: „Nein".

Ich kann schon dicht halten, darin hab ich doch seit über 15 Jahren genug Übung", erwiderte sie und in ihrer Stimme schwang Bitterkeit mit. „Was haben Sie verschwiegen?", fragte Minerva interessiert. „Würde ich es Ihnen sagen, wenn ich es nicht einmal einem Tagebuch anvertrauen würde?". „Sicher nicht. Aber selbst wenn sie dicht halten können, dann sind sie immer noch in großer Gefahr. Die Todesser haben Sie gesehen und werden Ihr Gesicht nicht mehr so schnell vergessen", meinte Albus und hoffte sie zu überzeugen. „Sie sind auf einmal witzig Professor Dumbledore, ich weiß nicht warum. Wissen sie, selbst wenn sie mein Gesicht kennen würden, sie haben es vergessen, sobald sie das Ministerium verlassen haben. Es gibt keinen Menschen der sich um mich schert. Das tun nicht mal meine Geschwister, die sehen nur ihre Arbeit. Mein Onkel Ajay ist zurück nach Indien um sich da ihm Alkohol und Selbstmitleid zu ersäufen. Das ich ihn brauche war ihm egal. Meine besten freunde sind mit ihrem Sohn nach Kuba gezogen um dort ein neues leben anzufangen oder was weiß ich. Ich meine es kann Ihnen egal sein, es sind im Prinzip „nur" meine Freunde, von denen erwarte ich nicht, das sie wegen mir ihre Lebensträume über den Haufen schmeißen, ich würde es noch nicht einmal von mir selbst erwarten. Ich habe ihnen geholfen beim Umzug und beim Suchen eines Hauses, eines neuen Job, also einem neuen leben, ich bin selber daran Schuld, wenn ich es bedauern würde, aber ich freue mich für sie Serenus Doyle sieht nur die Arbeit und zwischendurch mal seine Umwelt. Der Rest meiner Familie, der sich um mich geschert hätte, liegt unter der Erde. Und jetzt sagen sie mir, gibt es noch jemanden der sich um mein Leben schert. Ach ich vergaß, es gibt da vielleicht einen, aber der sitzt in Azkaban, bis der da raus kommt werden noch viele Jahre vergehen, weil er bestimmt nicht nach Ablauf seiner Haft wieder aus dem Gefängnis holen werden, erst wenn sie mal genau auf eine Liste sehen und bemerken „Ups, da war ja noch jemand". Und dann hat er selbst mich vergessen, also ist da doch niemand. Ich habe bis vor ein paar Jahren noch gehofft, das Leben würde sich zum Guten für mich wenden, habe sogar ein Tagebuch angelegt, mein Gott war ich naiv. Dieses Tagebuch ist nichtig", erklärte sie mit vor Wut und Bitterkeit bebender Stimme.

„Sie irren. Sie würden vermisst werden, denn ich glaube nichts ist schlimmer als eine Lücke im Leben und die wären sie bestimmt für einige Leute wenn sie weg wären, sie wissen es nur noch nicht. Sie haben einen Platz in den herzen vieler Menschen und werden noch in vielen ihren Platz einnehmen. Sie sind wichtig für uns und ihre freunde und deshalb müssen Sie leben", erwiderte Albus ruhig. Parvati biss ihre Zähne zusammen und presste die Lippen zusammen.

Sie antwortete nichts darauf, starrte nur stumm an Kingsley vorbei. „Ok, Sie haben gewonnen. Erzählen Sie mir was genau Sie vorhaben", seufzte sie resigniert.

„Wir wollen nur das Beste für Sie, Miss Shrivastav", meinte Minerva McGonnagall ermahnend. „Für mich bedeutet es das ich ein ganzes Stück Unabhängigkeit wieder verliere. Ich habe versucht mich von allem abzukapseln, nicht zu abhängig von meiner Umgebung und Arbeit zu sein, nur eben so abhängig wie es nötig ist", erwiderte Parvati. „Ich kann mich nicht erinnern, Sie so als meine Schülerin kennen gelernt zu haben". Minerva schien enttäuscht. „Damals war ich jung, naiv, abhängig und kam noch nicht einmal mit mir selbst klar. Das hat nur niemand bemerkt und es war auch jedem egal, denn zwischen all den anderen Menschenleben und traurigen Seelen in diesem Internat war ich nebensächlich. Es gab die Kinder, die Waisen durch Voldemort und seine Todesser geworden waren und in Pflegefamilien aufwachsen mussten und vom Schicksal gezeichnet worden waren. Ich hatte es für alle anderen ja gut. Jeder wusste das meine Eltern vom Ministerium abgeführt worden waren und wohin auch immer verfrachtet wurden und man glaubte es sei zurecht, denn sie waren Werwölfe und es war unsere Schuld das wir geboren waren und ihre Schuld das sie uns gezeugt hatten, schlichtweg, es war für jeden Menschen berechtigt. Niemand hat je den Menschen in einem Werwolf gesehen, nur den Werwolf in einem Menschen, verstehen Sie was ich meine? Ich wuchs bei meinem Onkel, einem Nicht-Werwolf, wie man ihn nannte, auf, mit meinen sechs anderen Geschwistern. Und nun muss ich Ihnen danken, dass sie sich jetzt um mich Sorgen machen, jetzt wo eigentlich alles zu spät ist. Sie haben mich als Schulmädchen in Gryffindoruniform kennen gelernt. Tut mir leid, aber dieses Mädchen gibt es nicht mehr und sie kommt nicht mehr zurück. Ich kann Ihr Angebot nun doch nicht mehr annehmen, vergessen Sie alles was hier gesagt wurde und leben Sie weiter bis hierher. Sollten Sie eines Tages an meinem Grab stehen, weil ich von diesen Leuten umgebracht worden bin, dann machen Sie sich um Himmels Willen keine Vorwürfe, denn es ist allein meine Entscheidung", erwiderte sie mit Tränen erstickter Stimme, stand auf und verließ den Pub.

Der wirt kam zu den dreien und sah sie missmutig an, neben ihn trat eine schlanke Frau fortgeschritteneren Alters, die aussah als sei sie mit ihrem purpurroten Korsett, dem knappen bisschen Reifrock und sehr gefährlich aussehenden Stiefeln mit spitzem hohen Absätzen einem Westernfilm entsprungen. Kokett setzt sie sich auf Kingsleys Schoß . „Sie nehmen die Kleine doch nicht ernst oder? Wissen Sie das Mädel mag zwar manchmal etwas emotional überdreht sein und so, aber sie ist schwer in Ordnung. Ich kenne sie seit sie ein kleines Mädchen war. Ihr Onkel ist ein Freund von mir. Wenn Sie sie also dort draußen allein lassen und sie sterben sollte, dann haben Sie uns auf dem Hals. Und Serenus Doyle würden Sie etwas sehr schlimmes damit antun, der Junge liebt sie nämlich schon seit Jahren und Droughnan Belial, der in Azkaban sitzt, ist seit seiner Kindheit in die Kleine verschossen. Auf ihre eigene süße Art hat sie schon jedem hier den Kopf verdreht und das ganz unbewusst, versteht sich. Wäre doch ein Wunder wenn Sie niemals einen findet, der sie erobern könnte und wir alle warten schon seit Jahren darauf. Manche hier haben schon Wetten darauf abgeschlossen, sie könne sich Hals über Kopf in Sirius Black verlieben, aber das waren Irre, das erklärt ja wohl alles, oder?". Sie sah in die Runde, als könne es keinen Zweifel daran geben. „Ja, das ist eindeutig. Und wir haben nicht vor das zuzulassen. Ihr wird geholfen, Sie haben mein Wort als Gentleman", versprach Albus. „ Na da bin ich aber beruhigt. Wenn Sie Hilfe brauchen, wir sind immer für Sie da. Hat sie gerade erzählt sie sei unabhängig? Das stimmt nicht, zumindest nicht ganz. Keiner weiß es, aber sie könnte nicht ohne Werwölfe leben. Werwölfe haben sie geboren, aufgezogen und ihr ein gutes Herz mit gegeben, sie gehört hierher und das weiß sie. Sie darf sich nur nicht allzu oft mit uns blicken lassen. Aber sie steht zu uns, nimmt uns in Schutz. Ich schätze das ist mein Einfluss. Ich bin keine Werwölfin, aber ich gehöre irgendwie dazu.

Ach ich quassele zuviel aus dem Nähkästchen, nun ja. Sorgen Sie dafür, dass diese Geschichte ein Happy End hat. Retten Sie sie vor diesen Ungeheuern und vor ihrer eigenen Torheit, unabhängig zu sein. Sie darf abhängig sein. Es ist nicht falsch, Abhängigkeit kann durchaus positiv sein, wenn man weiß wo man aufhören muss". „Carlotta!", hallte plötzlich Parvatis Stimme durch den Raum. Fassungslos sah die junge Frau Carlotta an. „Ich habe nur erzählt, was ich meine und denke. Und du solltest, das Angebot annehmen", erwiderte die resolute Dame. „Das hatte ich auch vor. Sie sollten nämlich wissen, jetzt da Sie ja schon so viel von mir Wissen, das ich manchmal voreilige Entscheidungen treffe". „Na endlich wird das Mädchen vernünftig", brummte der Wirt und kümmerte sich weiter um die anderen Gäste.

„Es freut mich das zu hören", lächelte Albus zufrieden. Parvati verdrehte leicht die Augen.

„Ich schlage vor, Sie finden sich morgen in dieser Adresse ein. Aber erst morgen aufmachen. Fahren Sie zum Grimmauldplatz, sie wissen ja wo das ist", sagte Albus. Und reichte ihr einen Brief und die drei erhoben sich und machten sich auf den Weg nach draußen, bevor sie die Türschwelle überschritten fragte Parvati: „Sie wussten, dass ich zurückkommen würde, nicht wahr?". „Albus drehte sich um und sagte mit einem viel sagenden Blick: „Ich ahne mehr und Sie haben mich nicht enttäuscht". Parvati lächelte zum ersten Mal an diesem Abend und es war eines der schönsten Lächeln, die Albus je zu Gesicht bekommen hatte. dann verließ der den Pub und machte sich mit den anderen auf den Rückweg nach Hogwarts.