Auseinandersetzung
14. April 1994
Dear Unknown,
Jede Untätigkeit wiegt schwer, aber das Handeln ist keineswegs leichter. Ein kurzer Satz und er reicht aus um alles auf den Punkt zu bringen was ich all die Jahre fühlte und dachte, es bringt viele Stationen meines Lebens auf den Punkt. Die Entscheidung, ob wir handeln oder nicht, kann den ganzen Verlauf unseres Lebens verändern.
Parvati Shrivastav, 22.
Parvati stand vor ihr unbekannten Leuten und sie starrten sie an. Sie war im Grimmauldplatz, sie war tatsächlich hingegangen. Warum? Tief in ihr war da ein Gefühl und eine Pflicht, die beiden für ihr Kommen verantwortlich gewesen waren. Die Pflicht ihres Versprechens, das sie gegeben hatte, und das Gefühl, endlich dieses Tagebuch, das sie hier versteckt hatte, an sich zu nehmen und zu verschwinden. Sie hatte Angst, es könnte entdeckt werden.
Die Tatsache das Sirius Black hier war hatte sie überrascht, aber sie hatte sich kaum etwas anmerken lassen. Als er sich ihr persönlich vorgestellt hatte, verspürte sie nicht die Angst, die sie bei all den Geschichten um ihn eigentlich haben müsste. Seine Augen mochten wohl einmal glasig von der Abgestumpftheit, die in Azkaban zweifellos herrschte, doch dort waren schon wieder die Zeichen von eisernem Lebenswillen zu entdecken, aber auch Einsamkeit. Mit erstaunlich festem Händedruck hatte er ihr die Hand geschüttelt. Dabei hatten sich seine Augen fast in ihre gebohrt. Bei dieser Berührung jedoch hatte sei eine Welle von Wärme durchflutet die ihr neu, aber nicht unangenehm war. Als er den Händedruck gelöst hatte, war die Umgebung um sie herum jedoch wieder so kalt wie zuvor gewesen.
Alles in allem wurde sie mehr geduldet als wirklich freundlich aufgenommen, denn im Prinzip stand sie nur eine zeit lang unter Dumbledores Schutz und damit unter dem Schutz des Phoenixordens. Wenn sich herausstellen sollte, dass sie nicht in Gefahr war, so würde man ihre Erinnerungen löschen und alles wäre so wie zuvor.
Als alle Mitglieder, die sich ihr bei ihrer Ankunft in der großen Eingangshalle versammelt hatten, in der Küche verdrückt hatten, machte sich zu dem Ort auf, an dem sie vor einigen wenigen Jahren erst ihr Tagebuch aufbewahrt hatte. Man hatte sie zwar zu Kaffe und Kuchen eingeladen, aus reiner Höflichkeit, doch dieses Vorhaben duldete keinen weiteren Aufschub.
Das Kaminzimmer war sauberer als damals und dennoch würde sie die Diele immer finden, unter sie ihre intimsten Geheimnisse versteckt hatte. Sie hob die Diele an und sah …nichts. Es war nicht da. Ihr stockte der Atem jemand hatte es gefunden. Hatte er oder sie es gelesen? Oder hatte jene Person soviel Anstand besessen, es geschlossen zu lassen?
„Es tut mir Leid. Ich habs gefunden und gelesen". Die Männerstimme hinter ihr lenkte ihre Aufmerksamkeit auf Sirius Black. „Sie haben mein Tagebuch gelesen?", fragte sie fassungslos. Er nickte. „Wie…Wieso?". „Es lag in meinem haus und ich wusste vor lauter Einsamkeit nicht mehr ein noch aus. Ich wollte nach dem ersten Kapitel aufhören, aber ich konnte nicht. Sie haben mich angezogen wie das Licht die Motte. Verzeihen Sie mir". Er sah sie flehentlich an. Und so sehr sie es auch versuchte sie konnte nicht ärgerlich oder wütend werden. „Mr. Black, ich hätte nie, niemals gedacht, dass die Gedanken, die ich nur einem leblosen Buch anvertrauen konnte, in Ihre, ausgerechnet in Ihre, Hände fallen. Was soll ich dazu sagen ich weiß es nicht. Ich kann ihnen noch nicht einmal verzeihen, weil ich Ihnen nicht böse sein kann. Und ich habe keine Ahnung warum nicht, ich habe allen Grund dazu und dennoch kann ich nicht". Sirius sah sie überrascht an. „Hier steckt ihr also", platzte Bill herein. „Parvarti, wollen Sie nicht mit hinunter kommen?", fragte er sie. „Nein ich will nach Hause. Habe noch ein paar Dinge zu erledigen, verzeihen Sie", entschuldigte sie sich und verließ den Raum. „Komische Frau", meinte Bill und schüttelte den Kopf. „Das ist meine Schuld", seufzte Sirius und setzte sich in dem Sessel. „Wieso das denn?", fragte Bill. „Das Tagebuch, das ich hier gefunden hatte, war ihres. Bill ließ nun einen Seufzer von sich hören. „Dann ist ja alles klar". „Ich hätte es nicht tun dürfen und das weiß ich, aber es hat mich nicht mehr losgelassen". „Aber es ist nicht mehr rückgängig zu machen und vielleicht ist das auch besser so. Es wird einen Sinn gehabt haben". „Welchen, Bill? Welchen?", fragte Sirius. „Da müssen wir uns wohl gedulden".
Parvati saß allein an dem See, der ganz in der Nähe ihres Wohnsitzes gelegen war. Die vereiste Bank am Ufer hatte sie so gut es ging frei geräumt und sich auf eine ihrer mitgebrachten Decken gesetzt. Ihre Gedanken waren schwer wie Blei und zogen ihr Gemüt herunter. Ihr war nicht sehr wohl bei dem Gedanken, dass jemand ihr Tagebuch kannte. Aber sie war selbst Schuld daran. Warum hatte sie es auch in diesem fremden Haus versteckt? Weil es das einfachste gewesen war. Sie hatte sich diesen Ort seiner Verlassenheit wegen ausgesucht, aus keinem anderen Grund und weil es sie dorthin gezogen hatte.
Aus ihrer Jackentasche holte sie eine Kette heraus. Seit Jahren befand sie sich nun schon in ihrem Besitz. Kurz bevor ihre Eltern verschwunden waren, hatte ihre Mutter ihr diese Kette heimlich zugesteckt und ihr verboten je mit ihren Geschwistern darüber zu reden. Diese kette hatte sie einst von ihrem Vater bekommen und ihre Mutter hatte sie ihr gegeben, als sie meinte die Zeit dafür sei reif. Es war mehr als nur eine Einfache Kette. Eigentlich war es eine kleine Spieluhr mit einer Melodie, die sie eigentlich immer wieder gern hörte. Sie erinnerte sie an ein Unbeschwertheit, etwas Geheimnisvolles, aber irgendwie auch an Einsamkeit, dann ein ums andere Mal an so etwas wie aufkeimende Hoffnung. Es war ein ungewöhnlicher Mechanismus für eine Spieluhr. Auf dem so genannten Deckel war eine Blüte, die sie an eine Kamelie erinnerte. Diese war drehbar und wenn sie sich nicht mehr drehen ließ so fing die Melodie an zu spielen. „Parvati", hatte ihre Mutter diese Melodie genannt. Sie hatte gesagt, sie würde ihr einmal viel nützen. Wann hatte sie gefragt. Wirst du schon sehen, war die Antwort gewesen. Wie hatte sich ihre Mutter da so sicher sein können, dass sie es einmal gebrauchen würde? Sie drehte die Kamelie bis zum Anschlag und ließ dann die Spieluhr ihr Lied spielen. Gerade jetzt hatte sie eine beruhigende Wirkung auf sie. Man hörte nichts außer der Melodie, als wäre die Gegend verstummt nur um ihr zu lauschen.
Frühling des nächsten Jahres.
Der Winter zog vorüber und ein wurde von einem relativen kalten Frühling abgelöst. Als Parvati nicht wie erwartet angegriffen wurde meinte man die Vorsichtsmaßnahmen lockern zu können. Den Grimmauldplatz hatte sie nie wieder betreten. Allerdings haderte sie fast täglich mit sich und den Gedanken an diesen Mann, an diesen Sirius Black, der ihr nicht mehr aus dem Kopf gehen wollte. Sie bemerkte jedoch selbst nicht wie sich viele ihrer Verhaltensweisen änderten. Zum Beispiel hörte sie auf, auf den Lippen zu kauen wie sie es fast ständig getan hatte. Nun kam dies nur noch vor wenn sie sehr aufgeregt war oder sehr niedergeschlagen war oder stark über etwas nachdachte. Aber vorher waren Ihre Lippen daher ständig sehr rot gewesen, nun waren sie rosig, hell aber nicht blass.
Als man sich nun endlich sicher war, dass ihr nichts mehr passieren würde, löste man das versprechen ein und löschte ihre Erinnerung an die Todesser und den Phönixorden und auch die Mitglieder des Ordens schienen nach und nach zu vergessen dass es eine Pallas Parvati Shrivastav überhaupt gab. Allerdings konnte einer nicht vergessen.
Sirius Black konnte nicht die Gedanken von ihr lassen. Dachte er gerade nicht an Harry oder den Orden so dachte er an SIE. Sie hatte ihn gefangen genommen. Mit Leib und Seele. Er gehörte mit Leib und Seele Harry, Remus und allen anderen Freunden, die er noch hatte, aber ihr gehörte er auf eine andere Art und Weise. Er liebte seine Freunde, aber SIE auf eine andere Art.
Dass sie um so vieles jünger war, interessierte ihn herzlich wenig. Dass sie ihn vergessen hatte allerdings nicht. Es nagte an ihm, ließ es sich jedoch nicht anmerken.
Er konnte ja auch nicht ahnen, dass sich Parvati nicht an ihn direkt erinnern konnte aber ihn nicht mehr wirklich aus dem Kopf bekam.
Serenus Doyle und Parvati hatten sich für den Abend in den „Drei Besen" verabredet. Mit dabei sollte auch Severus Snape sein. Er kam auch, in den üblichen schwarzen Roben, mit dem finsteren Gesichtsausdruck. Da er sie schon lange nicht mehr gesehen hatte und sie sich auch verändert hatte, erkannte er sie nicht gleich. Bei ihrem Namen jedoch schien es ihm zu dämmern.
„Sie haben sich verändert", fasste er in einem knappen Satz zusammen. Sie selbst nickte nur.
Danach unterhielten sich Serenus und Snape über die neuesten Entwicklungen auf dem Gebiet der Zaubertränke. Bis Dolores Umbridge in ihrem kreischrosafarbenen Kostüm den Pub betrat war sie still und hörte nur zu. Dann stieß sie ein Schnauben aus. „Was?", fragte Serenus, scheinbar überrascht, dass sie ein erstes Lebenszeichen seit nun mehr einer halben Stunde von sich gab. „Warum bleibt die Frau nicht in ihrem Büro? Das hier ist kein Ort für eine Frau, die vorschreibt das Jungen und Mädchen zwanzig Zentimeter voneinander fernbleiben sollen. Diese Frau ist so…wie soll ich sagen?… fern der Realität", sagte sie unüberhörbar, sie wollte geradezu, dass sie es hörte. Doyle lachte leise, Snape sah sie an, ein Ausdruck der zwischen dem Drang wenigstens leise zu lachen und dem Versuch es zu unterdrücken spielte sich auf seinem Gesicht ab. Umbridge hatte es gehört und er war froh, dass sie ihm nicht ins Gesicht sehen konnte. Beleidigt und empört funkelte sie Parvati an. Die erwiderte den Blick gelassen. „Das hat ein Nachspiel. Sie wissen, eine Kritik an mir ist auch immer eine Kritik am Ministerium", erwiderte sie zuckersüß. Sie stand nun vor ihnen. „ Dann äußere ich eben Kritik an Ihnen und am Ministerium sowieso. Niemand hat das Recht mir den Mund zu verbieten. Selbst das Ministerium nicht. Insbesondere nicht". „Das werden wir ja noch sehen", erwiderte Dolores Umbridge süffisant, sie schien sich schon zu bemühen ihre mädchenhafte Stimme beizubehalten. „Was kann das Ministerium mir schon wollen?", fragte sie lächelnd zurück.
„Die Kündigung vielleicht", antwortete Umbridge süßlich lächelnd. „Soll es doch". „Bitte?", fragten Umbridge, Doyle und Snape alle im selben Augenblick und so laut, dass es der gesamte Pub mitbekam. Nun gehörte ihnen die ganze Aufmerksamkeit. „Ja richtig, soll das Ministerium mich doch feuern, ich hab sowieso keinen Bock mehr auf den Saftladen". Serenus Doyle sah sie an. Er hatte schon immer gewusst, dass sie nichts wie raus aus dem Ministerium wollte, aber es nie über sich gebracht hatte, die Kündigung selbst einzureichen, da gab es eine gewisse Hemmschwelle bei ihr. Doch was sie hier veranstaltete war im Prinzip so als ob sie ihre Kündigung dem Zaubereiminister direkt unter die Nase halten würde. „ich habe genug von diesem Leben, Ich habe genug von dieser Stille. Sie alle sagen etwas und doch ist es eigentlich ganz still um sie herum, aber hinter dieser Stille schreit Korruption, Ungerechtigkeit, Macht- und Habgier so laut dass man fast taub wird. Und wenn das Ministerium reinzufällig mal was richtig macht, dann wird dieser kleine Forschritt mit hundert weiteren falschen Schritten niedergetrampelt. So ist meine Meinung. Ihr ruft Gleichberechtigung für alle, aber gleichzeitig tretet ihr die Gleichberechtigung mit Füßen. Werwölfe, Zentauren, Vampire und sonstige Kreaturen, die müssen streng überwacht werden. Das sind ja keine Menschen, keine gleichwertigen Geschöpfe wie wir. Und ich sage das ist falsch. Ihr wundert euch über Aufstände, wollt sie bekämpfen, dabei habt ihr sie hervorgerufen. Ihr erschafft die Ungerechtigkeit und wollt sie bekämpfen. Und damit wird wieder Ungerechtigkeit hervorgerufen. Und so geht das immer weiter. Nicht nur hier, in der ganzen Welt ist es so. Aber ich lebe hier und ich bekomme es hier mit. Und ich will hier weg". Den letzten Satz sagte sie etwas leiser. Sie hatte sich in Rage geredet. „dann würde ich vorschlagen sie erledigen das ganz schnell und auf dem möglichst einfachen Weg. Professor Snape hat bestimmt ein paar Gift für Sie in seinen Verliesen", schlug Umbridge kalt vor. Parvati schien sich verhört zu haben, hatte diese Giftschlange ihr gerade vorgeschlagen Selbstmord zu begehen? „Noch hat die Welt es nicht verdient von mir erlöst zu werden. Und Sie hören nicht zum letzten Mal von mir". Ihre Stimme war nicht mehr als ein Flüstern, aber der Umstand dass sie nur fünf Zentimeter von Professor Dolores Jane Umbridge entfernt stand sorgte dafür dass sie es verstand und auch der restliche Pub war so still geworden, dass selbst der Wind draußen lauter wehte, lediglich das stille Atmen der Umstehenden war zu hören. Die Spannung war unerträglich und so verließ Parvati den Pub. Serenus Doyle folgte ihr. Im schnellen Schritt verließen sie das Dorf. Severus war ihnen nicht gefolgt.
Dolores umbridge kochte innerlich vor Wut, ihr stob beinahe der rauch aus den Ohren, so kam es dem Meister der Zaubertränke vor. Pikiert verließ sie den Pub kurze Zeit später. Nach und nach stellten sich wieder Gespräche ein und die meisten von ihnen handelten von Parvatis Rede. Was sie nicht wussten, eine junge Frau, die zuvor stets eher als zurückhaltend bekannt war, hatte einer hohen Beamtin aus dem Ministerium die Meinung gegeigt und dem Zaubereiminister praktisch ins Gesicht gespuckt, wenn er auch nicht anwesend war.
„Snape, Sie kommen mit!", befahl sie wieder mit ihrem ekelhaft süßen Gesichtssausdruck. Seine Laune verdunkelte sich urplötzlich wieder. Zähne knirschend folgte er ihr.
Parvati kam sich vor wie der dümmste Mensch der Welt. Ihr Handeln war überstürzt und kopflos gewesen. Serenus war ihr gefolgt. „Lass mich in Ruhe!", bat sie ihn. „Schön, wie du willst", erwiderte der wütend und drehte ab. „Ich kann jetzt niemanden gebrauchen, der mir Predigten über mein Verhalten hält". Sie sprach mehr mit sich selbst als zu Serenus.
„Du denkst du hast das Falsche getan? Zu deiner Beruhigung, du hast alles richtig gemacht. Nur leider hört dir keiner zu. Jeder hört nur sich selbst, jeder ist sich selbst der nächste. Schon nächste Woche erinnert sich niemand mehr hier an dich. Weil du für die ein Niemand bleibst. Und das Ministerium wird alles daran setzen, dass du vergessen wirst. Ein Schrei reicht nicht um die alle aufzuwecken, du musst lauter werden. So laut bis sie nicht mehr weghören können". Sie sah ihn an. „du bist ein guter Freund. Selbst wenn man dir sagt, du sollst abhauen bleibst du und versuchst deine Freunde lieber aufzuheitern, als sie mit sich völlig allein zu lassen. Womit habe ich denn so jemanden verdient?". „So etwas muss man sich nicht verdienen, so etwas hat man oder nicht". „Ich will weg hier, aber ich hab nicht genug Mut für so eine Aktion. Und ich kann nicht meine besten Freunde hier allein lassen". „Wir verschwinden von hier sobald die Zeit reif ist. Und dann hört niemand mehr etwas von uns", versprach er ihr. Sie nickte nur stumm und sah zu Boden. „Ich will nach Hause. Lass uns bitte gehen", bat sie ihn und er nickte. Ohne ein weiteres Wort zu reden verschwanden sie aus dem Dorf.
Am nächsten Morgen war auf der Arbeit keinerlei Anspannung zu bemerken. Niemand sah sie irgendwie seltsam oder anders an. Dieselben Leute wie sonst auch sahen sie gar nicht. Selbst wenn sie neben ihnen stand, wurde sie wie immer nicht wahrgenommen.
Dennoch wurde sie stutzig als sie bemerkte dass Serenus bei der Arbeit fehlte. Das sah ihm nicht ähnlich, er kam immer zur Arbeit und wenn er vierzig Grad Fieber hätte, keine zehn Pferde konnten ihn von seiner wichtigen Arbeit hier abhalten. Das kam ihr seltsam vor. Ihr schoss ein Gedanke durch den Kopf, der so unbegründet und lächerlich war, dass man hätte denken können, sie hätte Paranoia oder etwas Ähnliches. Doch hasste sie die Ungewissheit.
In der Mittagspause schließlich fasste sie den Entschluss, zu seiner Wohnung zu gehen. Es war nicht sehr weit vom Ministerium aus und keiner würde ihr Fehlen bemerken.
Er wohnte in der Nähe der Winkelgasse, doch da wo eigentlich seine Wohnung hätte sein sollen war nichts mehr, nur ein riesiges heraus gesprengtes Loch. Massig Schaulustige versammelten sich um den Unglücksort. Die Muggel unter ihnen fragten sich was das für seltsame Leute in seltsamen Uniformen waren, die Verletzte und Tote abtransportierten. Sie hatten nicht die für die Muggel übliche Kleidung an. Sie kämpfte sich durch die Masse wurde auch manches Mal zurückgeschubst, gab aber nicht auf. Es war wie eine Trance, die sie dazu antrieb es immer und immer wieder zu versuchen. Sie musste wissen was mit Serenus geschehen war. Als sie endlich in der ersten Reihe stand sah sie wie gerade wieder ein Leichensack geschlossen wurde. Plötzlich fiel dem Heiler ein Arm der Leiche heraus. Er machte den Fehler wieder rückgängig, aber die menge hatte es gesehen. Parvati glaubte etwas an diesem Arm erkannt zu haben. Ein Armband aus Gold. Sie beugte sich unter der Absperrung durch und der junge Mann bei der leich wollte sie wieder zurückschicken. Zwei Männer kamen zu ihr herüber, aber sie war eher bei der Leiche und sah in den noch nicht geschlossenen Sack hinein.
Als ob er lediglich schlafen würde, jedoch ohne jegliche Atmung. Sein Gesicht war blasser als sonst. Serenuss Gesicht. Sie dachte immer sie müsse bei so etwas umfallen, bewusstlos werden, heulen. Aber all das war gar nicht da. Es kam nicht. Stattdessen dachte sie selbst sie würde aufhören zu atmen. Es tat weh wie stark ihr Herz auf einmal hämmerte. Sie hörte nichts mehr von außen nur ihr eigenes Herz. Schnell, aber ihre Gedanken schienen sich nicht mehr fortzubewegen. Sie blieben an dieser Stelle stehen, bei seinem toten Gesicht. Selbst als er fortgebracht wurde, sah sie ihn. Sie sah ihn noch einmal lebend. Sein Leben, solange sie ihn kannte lief an ihr vorbei. Und immer wieder drängte sich ein Gedanke dazwischen: Er war tot. Ein Warum kam ihr noch nicht in den Sinn, aber das würde sie noch später überkommen.
„Miss Shrivastav? Miss Shrivastav können Sie mich hören?", fragte jemand, eine bekannte sehr tiefe Stimme.
Kingsley Shacklebolt stand vor der jungen Frau, die sich nicht mehr bewegen ließ, nur stumm da stand. „Gibt es ein Problem?", fragte ein junger Mann mit Dreitagebart und kurzer stacheliger Frisur. Er sah anders aus als seine Kollegen, obwohl er selbst Zauberer war, dennoch sah man an ihm keinen Zauberstab, stattdessen eine Muggelhandfeuerwaffe. Er war von einer Sondereinsatzstelle der Aurorenzentrale. Diese Typen wurden zumeist gemieden, weil sie lieber mit Muggelwaffen gegen das Verbrechen vorgingen. Sie waren der Meinung: „Wenn ich schieße habe ich meinen Gegner schneller außer Gefecht gesetzt als der mich mit einem Fluch treffen konnte". Sie waren sonderbar, wurden aber oft für sehr gefährliche Einsätze gebraucht, egal wie seltsam sie waren. Er erkannte ihn.
„Nein Mr. Redfield. Danke", erwiderte Kingsley kühl. „ Diese Person muss aus dem Sperrgebiet", meinte der junge Mann kühl. „Diese Person ist traumatisiert", berichtigte Kingsley ihn. „Sie hat es nicht anders gewollt. Sie wollte eine Leiche sehen und es nicht verkraftet. Zu dumm diese Neugierde". „Schon mal daran gedacht dass die Möglichkeit besteht, dass dieser Person, die tote Person kannte?" „Dann müsste sie uns den Namen nennen können", meinte Redfield. „Sicher kann sie das, aber nicht hier und nicht jetzt. Sie muss sich erst wieder erholen", hielt Kingsley ihn von Dummheiten ab. „ich habe die Leitung dieses Falles bekommen. Geben Sie ihr die Erholung die sie braucht und dann verhöre ich sie", stellte Redfield klar. „Das wird noch sehr lange dauern. Der Körper mag sich schnell davon erholen, aber der Geist wird sich immer daran erinnern. Überlassen Sie mir die Befragung", bat Kingsley ihn. „Vielleicht".
Der Streit der Männer war laut gewesen. Gerade als sie wieder in die Realität zurückgekehrt war wurde sie von Unmengen von Stimmen, Geräuschen und auch Gefühlen überflutet. Das war zuviel. Obwohl keine Tränen über ihr Gesicht rannen, weinte sie leise. Es war lediglich am Zittern ihres Kinnes zu erkennen und an ihren Lippen. Sie konnte weder in die reale Welt da draußen noch zurück in die Trance, sie hing dazwischen fest. Und sie wusste nicht, wohin sie gehen sollte.
Stumm folgte sie Kingsley Shacklebolt und dem anderen jungen Mann. Die Umwelt nahm sie gar nicht mehr wahr.
Fortsetzung folgt
