Ich weiß noch, dass es ein total verregneter Tag war, als ich dieses Kapitel geschrieben habe. Tja, das hat wohl das ganze ein wenig beeinflusst...


Kapitel 3: Regenwetter

~ Daren ~

Schon der erste Blick aus dem Fenster zeigte Daren, dass dieser Tag wohl nicht der Geeignetste für Quidditch war. Verwirbelte Wolkenbänder zogen über den Himmel, der ganz in dunkelgrauen Schattierungen gefärbt war. Es war nur noch eine Frage der Zeit, bis der Regen kam.

Nichtsdestotrotz schwang er sich motiviert aus dem Bett und saß nicht viel später in der Großen Halle am Frühstückstisch. Während er sich mit der Gabel Eier und Speck in den Mund schaufelte, sah er sich am Tisch um. Julie war noch nicht da und auch sonst blieben sehr viele Plätze leer. Kein Wunder, die Meisten hatten es wohl nicht besonders eilig, ihre warmen Betten an einem regnerischen Samstagmorgen zu verlassen.

Zumindest seine Mannschaft war schon vollzählig und bald darauf marschierten sie zusammen Richtung Quidditchfeld.

Noch bevor sie die Umkleiden erreichten schlugen ihnen die ersten Tropfen ins Gesicht.

Als sie dann schließlich umgezogen waren und die Besen bei Fuß standen, hatte niemand mehr Lust darauf, sich dem Regen zu stellen.

Daren tat sein Möglichstes sie zu motivieren, musste sich aber eingestehen, dass auch er selbst auch kein großes Verlangen nach einer kalten Dusche hatte. Doch es half nichts. Mit viel gutem Zureden scheuchte er alle nach draußen und wäre, dort angekommen, am liebsten sofort wieder umgekehrt. Das Tröpfeln hatte sich zu einem Platzregen entwickelt.

Mühsam schrie er ihnen seine Anweisungen entgegen, schwang sich dann auf den Besen und flog direkt in die Wasserfront hinein.

oOoOoOo

Das einzig Gute, was sich zwei Stunden später sagen ließ, war, dass niemand zugesehen hatte.

Die Stimmung hatte ihren Nullpunkt erreicht, als sie sich völlig durchnässt und verdreckt in die Umkleide zurück schleppten.

In der Luft war keine Verständigung möglich gewesen. Worte schluckte der Wind und die Sicht... eine Katastrophe.

Das Daren, als Hüter, nicht Unmengen an Toren kassiert hatte lag vor allem daran, dass die Jäger die Torringe von Weitem nicht sahen und wenn doch, der Ball vom Wind verweht wurde.

Jedenfalls hatte er keine Ahnung, wie sie gespielt hatten. Er hätte es nicht einmal bemerkt, wenn die halbe Mannschaft gelandet und verschwunden wäre.

Umziehen hatte keinen Sinn. Bis sie wieder im Schloss waren, wären ihre anderen Klamotten auch nass, deshalb stapften sie so zurück, wie sie waren.

Auf dem Weg in den Ravenclawturm liefen sie auch noch prompt Filch über den Weg.

Einhellig schreckten sie zurück, als der Hausmeister hinter einer Statue hervor schlurfte, und sie, einen Besen schwingend, ankeifte: „Was meint ihr was ihr hier tut? Den Boden verschmutzen! Als ob ich nichts Besseres zu tun hätte als hinter euch her zu wischen. Na wartet, das hat ein Nachspiel. Strafarbeit! Für Jeden!"

Angeekelt wich Daren, als Anführer seiner Gruppe, zurück, als Filch einen irren Blick bekam und bei jedem Wort seinen Speichel in alle Richtungen verteilte.

„Ihr werdet die Kerker scheuern bis man sich in den Steinen spiegeln kann! Dann wisst ihr, was für ein Vergnügen das ist, hinter so kleinen, verzogenen, stinkenden, -„

„Gibt es hier ein Problem Mr. Filch?"

Erleichtert atmete Daren auf und seine Mannschaft tat es ihm gleich. Die Rettung in Gestalt ihres untersetzten Hauslehrers kam gerade den Gang entlang, auf sie zu getrippelt.

„Die Kinder verschmutzen das Schloss, Professor", schnarrte Filch und wedelte mit einer Hand zu der Schlammspur, welche sie hinterlassen hatten.

„Es tut uns leid Professor", erklärte Daren schnell. „Aber wir kommen vom Quidditchtraining und das Wetter…"

„Ja in der Tat, es stürmt ganz fürchterlich! Und ihr seid heute geflogen?" Mitleid, Ungläubigkeit und Hochachtung schwangen in Flitwicks Worten mit.

„Natürlich Professor, schließlich wollen wir uns dieses Jahr den Hauspokal holen! Slytherin wird es nicht leicht haben!" Daren war ganz in seinem Element als Kapitän.

„Recht so, recht so!", strahlte der kleine Mann begeistert.

„Aber Sir, die Kinder haben mutwillig das Schloss verschandelt", empörte sich Filch.

„Ich glaube nicht, dass sie es mit Absicht getan haben, oder?" fragte Flitwick wohlwollend. Allgemeines Kopfschütteln antwortete ihm.

„Da sehen Sie", strahlte er daraufhin Filch an. „Ich denke nicht, dass hier Strafarbeiten nötig sind. Die Damen und Herren werden von nun an bestimmt darauf achten die Schuhe auszuziehen wenn sie schmutzig sind, nicht wahr?"

„Ja Sir", antwortete die Mannschaft im Chor.

„Dann gehen Sie nun flugs in ihren Gemeinschaftsraum, aber ohne uns wieder Anlass für Strafarbeiten zu geben", zwinkerte er ihnen zu und entließ sie damit.

Flugs hatten sie die Schuhe ausgezogen und tapsten auf den Socken weiter, froh, dem finster dreinblickenden Filch zu entkommen.

Daren nahm sich fest vor, sich dafür später bei Flitwick zu bedanken. Wäre nicht er sondern Snape vorbei gekommen, das hätte böse ins Auge gehen können.

In der Sicherheit des Gemeinschaftsraumes angekommen trennten sie sich und Daren stellte sich erst einmal unter die Dusche.

Während das warme Wasser auf seinen Kopf prasselte wurde ihm langsam wieder warm und die verspannten Muskeln lockerten sich.

Beim Abtrocknen viel ihm dann ein großer blauer Fleck ins Auge, der unübersehbar auf seinem Oberarm prangte. Das war die Krönung des Trainings gewesen.

Jonny, einer seiner Treiber, hatte ihn mit einem Klatscher verwechselt und den Schläger voll durchgezogen, woraufhin Daren fast vom Besen gefallen wäre. Doch solange die Stelle nur blau und nichts kaputt war, musste er nicht in den Krankenflügel.

Madame Pomfreys endlose Ermahnungen und auch noch die scheußliche Medizin würde er sich gerne ersparen.

Einigermaßen erfrischt ging er dann hinunter zum Mittagessen.

Hier traf er auch endlich Julie und begrüßte sie mit einer stürmischen Umarmung, ehe er seinen Teller bis zum Anschlag füllte.

Wieder einmal dankte er Merlin dafür, mit Julie eine Freundin zu haben die ihn erst einmal essen ließ, ehe sie zu reden anfing.

Sie wusste, dass er erst einmal etwas zwischen die Kiemen brauchte, wenn er schon halb am Hungertuch nagte.

„Wo warst du heute Vormittag? Ich hab dich gesucht", kam die Fragen dann zusammen mit dem Nachtisch.

„Wir waren draußen, Quidditchtrainig. Ich habe es dir doch gestern noch gesagt?", antwortete Daren etwas unsicher. Normalerweise informierte er Julie über ihre Trainingszeiten um eben zu vermeiden, dass sie nach ihm suchte. Oder zumindest wusste, wo er zu finden war.

Während er sein Kuchenstück verdrückte konnte er zusehen, wie Julie ihre Stirn in Falten legte und mit den Fingern an ihrer Unterlippe zupfte. Ein sicheres Indiz dafür, dass sie scharf nachdachte. Dann hellte sich ihr hübsches Gesicht auf, nur um gleich darauf betrübt auszusehen.

„Stimmt, hast du. Ich hab's vergessen."

Am liebsten hätte er sie sofort geküsst, entschied dann aber, dass sich das mit vollem Mund nicht so gut bewerkstelligen ließ.

Aber es war einfach zu süß, mit anzusehen wie sich ihre Gedanken immer auf ihrem Gesicht spiegelten.

„Nicht so schlimm", beruhigte er sie, nachdem er geschluckt hatte.

Ihrem Lächeln, das darauf folgte, war er schon lange verfallen.

„Hm, hast du den Aufsatz für Goni schon gemacht?", ging sie zu schulischen Themen über.

Diesmal hatte der Löffel gerade wieder den Weg in seinen Mund gefunden, weshalb er nur den Kopf schütteln konnte.

„Wollen wir das zusammen machen? Oder hast du heute Nachmittag schon was anderes vor?" Wieder verneinte er. Er hatte genau das Selbe vorgehabt wie sie: Hausaufgaben.

Gerade mal einen halben Monat waren sie nun in Hogwarts, und schon überschüttete man sie mit Arbeit. Dazu musste er sich auch noch um das Training kümmern und wie befürchtet hatte er nur noch sehr wenig Zeit für Julie.

Wenigstens verbrachten sie diesen Nachmittag zusammen im Gemeinschaftsraum, nebeneinander auf dem Sofa, vor dem Kamin sitzend.

Zwar war die Lautstärke - das ganze Haus schien hier versammelt, niemand wollte bei diesem Wetter einen Schritt vor die Tür tun - nicht gerade geeignet zum Arbeiten, doch sie zogen es der Bibliothek vor. So konnten sie sich wenigstens auch unterhalten, ohne einen Rüffel von Madame Pince zu riskieren.

In den Diskussionen um die einzelnen Aufgaben war Daren zwar meist Tonangebend, doch wenn er zu übereifrig wurde bremste ihn Julie. Er war sich wohl bewusst, dass seine Aufsätze strukturierter waren, seit sie zusammen arbeiteten.

Die Ironie daran war, dass Julie selbst in dieser Hinsicht eher chaotisch veranlagt war. Aber sich gegenseitig kontrollierend, schafften sie, alles in allem, ganz annehmbare bis gute Noten.

oOoOoOo

Geistig erschöpft lehnte sich Daren zurück und rieb sich zuerst die Finger, dann die malträtierte Schulter.

Nicht nur Verwandlung, auch Magische Geschöpfe und Zauberkunst hatten sie erledigt. Es war ein harter Kampf gewesen.

Träge sah er Julie dabei zu, wie sie aufstand und Holz nachlegte.

„Was hast du?", wollte sie wissen, und deutete auf seine Schulter. Natürlich hatte sie seine Bewegung bemerkt.

„Quidditch", murmelte er leise und winkte abfällig mit einer Hand. Es war nur eine Lappalie, sie musste sich keine Sorgen machen.

„Was ist denn passiert?", hakte sie nach, während sie schon die obersten Knöpfe seines Hemdes öffnete.

Halbherzig versuchte er sie davon abzuhalten, aber wer ließ sich nicht gerne von einem hübschen Mädchen ausziehen?

Als er aber ihre Angst bemerkte, erzählte er von dem Vorfall mit dem blinden Treiber.

Vorsichtig streifte sie den Stoff zur Seite und besah die verfärbte Stelle.

Was als nächstes kam, wusste er, deshalb hatte er es ihr ja nicht sagen wollten.

„Das sieht nicht gut aus Daren. Geh lieber zu Madame Pomfrey!"

Er hatte schon den Mund geöffnet, um ihr diesen Gedanken auszureden.

Ein absolut hoffnungsloses Unterfangen, das war ihm von vornherein klar. Julie würde erst beruhigt sein, wenn er sich von der Krankenschwester untersuchen ließ und genau das würde er auch machen, weil er nicht sehen konnte, wie Julie sich sorgte – schon gar nicht um ihn.

Doch er kam gar nicht zu Wort, denn den Selben Moment suchte sich einer seiner Mitschüler aus, um quer durch den Raum zu ihnen herüber zu schreien: „Hey, wenn euch zu warm wird in euren Klamotten, dann sucht euch doch einen ruhigeren Ort!"

Daren stimmte nicht in das aufkommende Gelächter mit ein, doch ein breites Grinsen zierte sein Gesicht während Julie rot wurde.

„Hast Recht Greg", brüllte er nur zurück, zog sein Hemd lässig zu Recht und stand auf.

Mit Leichtigkeit hob er Julie hoch und trug sie erhobenen Hauptes aus dem Gemeinschaftsraum, gefolgt von amüsierten bis neidischen Blicken.

Kaum fiel die Tür hinter ihnen ins Schloss, stellte er Julie wieder auf ihre eigenen Beine, hielt sie aber noch einen Moment fest, bis sie sicher stand.

Entschuldigend lächelte er sie an. „Tut mir leid, aber wenn die schon so einen blöden Kommentar bringen…"

Gerade noch hatte sie sehr verdattert ausgesehen, nun öffnete sich ihr roter Mund zu einem herzlichen Lachen. Prustend stand sie vor ihm und japste nach Luft.

Hieß das, sie war nicht sauer? Vorsichtshalber mal abwarten…

„Deren Blicke waren aber auch zu komisch!", presste sie irgendwann hervor, was ihn vollends beruhigte. Sie fand das genauso komisch wie er.

Doch leider hatte sie ihr Vorhaben nicht vergessen. Nachdem sie sich zusammen über die Anderen amüsiert hatten, schnappte sie seine Hand und zog ihn Richtung Krankenflügel.

Auf dem Weg jammerte er zum Steinerweichen, aber sie ließ sich dadurch nicht stören. Unbarmherzig schob sie ihn durch die Tür in den großen, mit Betten gesäumten Raum und rief nach Madame Pomfrey.

Missmutig ließ er die nervenaufreibende Prozedur über sich ergehen. Die brennende Salbe auf seiner Haut war schon nicht gerade angenehm, aber da schwafelte die Krankenschwester während der ganzen Behandlung auch noch wie gefährlich Quidditch sei, „unverantwortlich", „werde mit dem Schulleiter sprechen", und so weiter. Julie hatte natürlich nichts Besseres zu tun, als nickend daneben zu stehen.

Nur seine gute Erziehung hielt ihn ruhig und still ließ er diese Folter über sich ergehen.

Dann befahl man ihm sich hinzulegen, damit die Salbe ordnunsgemäß einziehen konnte.

Okay, das war vielleicht nicht ganz so schlecht.

Auf dem weichen Bett war es ganz bequem und Julie hielt seine Hand, während er die Schmerzen heldenhaft, ohne einen Mucks von sich zu geben, ertrug.

Trotzdem war er froh, nach einer halben Stunde endlich entlassen zu werden, auch wenn er zugeben musste, dass sein Arm nun nicht mehr schmerzte.

Dass es beim Abendessen seine Lieblingsnachspeise, Eis mit heißen Himbeeren gab, tröstete ihn etwas über die erlittenen Qualen hinweg.

Auch konnten sie den Abend nun in Ruhe genießen, die Hausaufgaben waren ja erledigt.

Gemütlich kuschelte Julie sich auf ihrem Sofa an ihn und er genoss sowohl ihre Wärme, als auch die des Feuers.

„Hast du gewusst, dass Professor Jones einen Fanclub hat?", murmelte Julie irgendwann, schon recht träge und schläfrig.

„Bist du etwa auch beigetreten?", neckte er sie gutmütig, nahm eine ihrer blonden, weichen Strähnen und wickelte sie um seine Finger.

Ein Kichern antwortete ihm.

„Meinst du ich trete irgendwo bei, wenn die MontGommery-Schlange die Anführerin ist?"

„Echt?" Er war milde erstaunt. Die Oberslytherin der Kerker himmelte einen Lehrer an. Ts ts, das gehört sich aber nicht.

„Hmhm", bekräftigte Julie ihre Aussage und unterstrich es noch mit einem Nicken. „Was ich so mitbekommen habe, sind die Hälfte aller Mädchen auf Hogwarts schon Mitglied."

„Und du nicht?", fragte er alarmiert. Wenn die anderen Mädchen den Professor so toll fanden, vielleicht gefiel er Julie dann auch? Aber sie verstand es, seine Unruhe sofort zu zerstreuen.

„Ich hab doch dich!"

Er konnte nichts dagegen tun, ein seliges Lächeln erschien auf seinen Lippen. Glücklich beugte er sich vor um Julie einen langen Kuss zu geben. Hatte er vorhin etwas von Wärme erwähnt?

Das wohlige Gefühl, die Gewissheit geliebt zu werden, wärmte ihn von Innen. Mehr, als jede Flamme bewirken konnte. Merlin hilf, jetzt wurde er auch noch romantisch.

Fest schloss erJulie in die Arme und zufrieden genossen sie ihr Beisammensein.

Später am Abend saß Daren in seinem Schlafsaal am Fenster, schon umgezogen und mit seinem Pyjama bekleidet.

Solche Abende mit Julie vergingen immer viel zu schnell und vor den Schlafsälen mussten sie sich trennen.

Gedankenverloren folgte er dem Weg der Regentropfen, die auf der Scheibe kleine Bäche bildeten und langsam nach unten wanderten.

Er konnte es Julie nicht sagen. Es ging einfach nicht. Gerade in den Augenblicken, in denen sie so glücklich miteinander waren, schnürte es ihm einfach die Kehle zu.

Nicht, noch nicht. In einem Jahr würde er es ihr sagen müssen, wenn sie Hogwarts hinter sich ließen.

Aber bis dahin konnte noch so viel geschehen…

Seufzend fuhr er sich mit der Hand durch die Haare. Warum musste immer alles so kompliziert sein?

Der Tag, und vor allem das Quidditchtraining, hatte ihn geschafft. Müde warf er sich in die Kissen und zog mit einem Ruck die schweren, blauen Vorhänge zu.