Sorry, ich bin einen Tag zu spät, da mich gestern die Schule ziemlich eingespannt hat. Deshalb kommt Kapitel 5 erst heute online °um entschuldigung bittet°
Kapitel 5: Strafe muss sein?
~ Daren ~
Ungeduldig streifte Daren durch den Gemeinschaftsraum.
Vorbei an der Sitzgruppe in der Ecke, ein Abstecher zu den Treppen, welche in die Schlafsäle führen, an der Eingangstür vorbei, Endspurt zum Kamin und dann auf in die nächste Runde.
Noch war niemand außer ihm zu sehen, es war zu früh, selbst für einen Schultag.
Nur er hatte nicht mehr schlafen können.
Nachdem er sich stundenlang – so war es ihm zumindest vorgekommen – im Bett herum gewälzt hatte, war er schließlich aufgestanden und hier herunter gekommen.
Natürlich war Julie noch nicht da, es war irrsinnig gewesen darauf zu hoffen.
Selbstverständlich hatte er sich gestern Abend so lange durch den Gemeinschaftsraum gefragt, bis er genau wusste, was passiert war. Oder zumindest genau wusste, was die Anderen dachten.
Von ‚Julie hat die halbe Bibliothek abgefackelt' bis ‚Julie hat Madame Pince angegriffen' war alles dabei.
Strich man die Superlative weg, reduzierte die Aussagen auf das Wesentliche und verglich, was alle Gerüchte gemeinsam hatten, kam man zu dem Ergebnis, dass es Fräulein Ming, in der Bibliothek, mit dem Leuchter…
Also, dass Julie in der Bibliothek ein feuriger Unfall geschehen war.
Wenn das stimmte, dann konnte er verstehen, warum sie den Gemeinschaftsraum erst einmal mied.
Nach einem verlorenen Quidditchspiel waren sie auch nicht gerade die Helden des Hauses und wenn sich das ganze Schloss schon so den Mund über das Vorgefallene zerriss, würden sie Julie sicher nicht in Ruhe lassen.
Deckung suchen war da sicher nicht die schlechteste Wahl.
Aber warum musste sie in den Mädchenschlafsaal, wo er nicht hin kam?
Wollte sie selbst ihn nicht in ihrer Nähe wissen? Dieser Gedanke wurmte ihn gewaltig.
Er hätte sie schon mehr als einmal vor den sensationslüsternen Klatschmäulern geschützt, warum war sie nur nicht zu ihm gekommen?
Grübelnd drehte er weiter seine Runden und murmelte den Anderen, welche sich nun nach und nach zum Frühstück begaben, einen abwesenden Gruß zu.
Seine Wanderung machte ihn langsam hungrig, doch er blieb standhaft während der Rest hinunter in die Große Halle pilgerte.
Der Schülerstrom ebbte ab und wieder war er alleine.
Julie war noch nicht herunter gekommen. Wollte sie sich etwa den ganzen Tag oben verstecken?
Sie mussten doch zum Unterricht…
Oder war sie etwa an ihm vorbei geschlüpft, ohne dass er es bemerkt hatte?
Nein, er hatte doch gut aufgepasst, oder?
„Daren?"
Die leise, unsichere Frage ließ ihn fast einen Luftsprung machen.
Sie war nicht an ihm vorbei geschlichen!
Als er sich umdrehte sah er seine bedenklich blasse Freundin an der Treppe stehen.
Erfreut eilte er auf sie zu und schloss sie fest in seine Arme.
Erst als sie einen protestierenden Laut ausstieß gab er sie wieder frei und ging einen Schritt zurück.
„Guten Morgen", grüßte er wie immer und betrachtete sie genau.
Anscheinend war er nicht der Einzige mit Schlafstörungen gewesen, Julies Augenringe waren nicht gerade schwer zu übersehen.
Besonders unauffällig war seine Musterung scheinbar nicht, denn seine Freundin verzog das Gesicht und senkte den Blick.
„Weißt du… Hast du…", stotterte sie herum und er antworte mit einem schnellen „Ja", um sie nicht noch weiter in Verlegenheit zu bringen. Unglücklicherweise bewirkte das aber genau das Gegenteil, ihr Kopf senkte sich noch mehr und die Haare fielen über ihr Gesicht.
Unsicher, was er tun und sagen sollte, tätschelte er sachte ihren Kopf und strich über die weichen, duftigen Locken.
Julie machte ein dumpfes Geräusch und als er es als Schluchzer identifizierte, stieg seine Hilflosigkeit rapide an.
„Wollen… wir runter gehen und frühstücken?", versuchte er sie abzulenken, aber sie schluchzte nur noch lauter.
„Nicht?" Langsam kam er sich wirklich dämlich vor und außerdem viel ihm nichts mehr ein.
„Die lachen… mich doch… alle aus", kam es gepresst und stockend aus dem Haarbüschel vor ihm.
Erleichtert atmete er tief ein. Das war es also, warum sagte sie das nicht gleich?
Behutsam legte er ihr seine Hand auf die Schulter.
„Wenn sie lachen, dann bekommen sie es mit mir zu tun!", versprach er. „Komm, gehen wir, du hast sicher auch ganz schön Hunger?"
Auf dieses Stichwort hin hörte er ihren Bauch knurren, was Antwort genug war.
Vorsichtig teilte er ihre Strähnen und zum Vorschein kam ein verheultes, gerötetes Gesicht.
„Ja, habe ich", gab sie verlegen zu.
Lächelnd schob er ihre Haare noch weiter zurück bis sie wieder eine normale, wenn auch nicht besonders sorgfältie, Frisur hatte.
„Dann gehen wir", entschied er, gab ihr einen sanften Kuss, nahm sie an den Händen und zog sie aus dem Gemeinschaftsraum, bevor sie es sich wieder anders überlegte.
Während sie durch das Schloss liefen, immer noch Händchen haltend, sah er aus den Augenwinkeln, wie sie über ihr Gesicht fuhr um die Tränenspuren zu beseitigen.
Vor dem Tor zur Großen Halle stoppte er kurz und nickte ihr aufmunternd zu, dann traten sie ein.
oOoOoOo
Das übliche Stimmengewirr schlug ihnen entgegen und im allgemeinen Chaos bemerkte sie niemand.
Unbehelligt schlenderten sie zu ihren Plätzen und ließen sich darauf nieder.
Fürsorglich schenkte er Julie etwas Kürbissaft ein, welchen sie auch sofort hinunter stürzte, das gereichte Marmeladenbrot verschlang sie mit derselben Begeisterung.
Hätte er das gewusst, er hätte Ginger - seiner Eule – gleich noch ein Fresspacket mitgegeben.
Erst nachdem er überzeugt war, dass Julie genug Essbares in Reichweite hatte, kümmerte er sich um sein eigenes Wohlergehen.
Er kam bis zur Milch für seine Cornflakes, da kreischte es vom Nachbartisch herüber: „Hey, Sorrey! Stimmt es, dass du ein Feuer in der Bibliothek gelegt hast?"
Alle Augen richteten sich auf sie und er konnte spüren, wie Julie neben ihm immer kleiner wurde und in sich zusammensank.
Bedächtig stellte er den Milchkrug weg und legte einen Arm um die Schulter seiner Freundin.
„Ich glaube nicht, dass dich das irgendetwas angeht", sagte er laut und sah wütend zu der Fragestellerin hinüber. Ein Seitenblick hatte seine Annahme bestätigt, Julie sah aus als würde sie gleich im Boden versinken.
Manchen stand schon der Mund offen, weil sie ihm etwas entgegnen wollten, doch sein drohender Blick brachte sie glücklicherweise zum Schweigen.
Nach und nach wandten sie sich wieder ihrem Essen und ihren unterbrochenen Gesprächen zu.
Möglichst unauffällig tätschelte er Julies Schulter, zog den Arm dann zurück und aß weiter, als wäre nichts geschehen.
Seine Taktik ging auf, nach einer Weile konnte er spüren, wie sie sich wieder entspannte und das Frühstück erneut in Angriff nahm.
Wenn sie gestern Abend nichts gegessen hatte war das dringend nötig, auch stand zu befürchten, dass sie Energie brauchte um den Tag zu überstehen.
Momentan hielten die Lästermäuler zwar den Mund, oder sprachen zumindest so leise dass sie es ignorieren konnten, aber Hogwarts war immer noch Hogwarts. Leider gab es keine Regel, die Diskretion gewährleistete.
Aber zumindest konnte Julie in Ruhe frühstücken und das war schon mal ein Anfang.
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Der nächste Angriff erfolgte ausgerechnet im Gemeinschaftsraum, in welchen sie zurückgekehrt waren, um ihre Schulsachen zu holen.
Unglücklicherweise mussten sie sich trennen, da ihre Taschen in den Schlafsälen lagen und Julie war schneller gewesen.
Als er die Treppe aus dem Jungenschlafsaal herunter kam, konnte er gerade noch die letzten Sätze einer Schmährede vernehmen.
„Du glaubst wohl du bist was Besonderes? Dass ich nicht lache! Hast du schon mal in einen Spiegel gesehen? Merlin, ich wüsste gerne was du Genger angehext hast, bei klarem Verstand würde er sich doch nie mit einem Halbtroll wie dir abgeben! Denkst wohl, du kannst uns beweisen, dass du doch Verstand in deinem Trollhirn hast, indem du in der Bibliothek eine Show abziehst? Wie krank bist du eigentlich?"
Mit schnellen Schritten war er bei dem Haufen und brachte Julie vor diesen Chimären in Sicherheit.
„Von Slytherins hätte ich so etwas vielleicht erwartet, aber nicht von einer Ravenclaw", rief er über die Schulter zurück und bedachte die Wortführerin mit einem Blick, der ganz sicher keine Hochachtung ausdrückte.
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Nicht viel anders ging es den Tag über weiter.
Ihre Mitschüler, allen voran jene aus Slytherin - die hatten schließlich einen Ruf zu verteidigen – stichelten, wann immer kein Lehrer in der Nähe war.
Julie blieb stumm und ließ sich von Daren mitziehen, dessen Antworten und Zurechtweisungen immer gereizter und schärfer wurden.
Meist verging keine halbe Minute, ehe er Julie mit einem Kontrollblick bedachte, selbst im Unterricht.
Das wiederum hatte zur Folge, dass er nicht besonders gut mitarbeitete. Selbst bei Jones, dessen Unterricht eigentlich immer spannend und kurzweilig war, schaffte er es nicht, aufzupassen.
Während die Klasse damit beschäftigt war Tassen zu zerdeppern, bei dem Versuch sie zu entfluchen, galt seine Aufmerksamkeit nur seiner Freundin.
Diese saß mit hängenden Schultern neben ihm, sah durch ihre Tasse hindurch und tippte sie hin und wieder mit dem Zauberstab an, um wenigstens so zu tun, als würde sie mitmachen.
Als ihm eine Idee kam überzeugte er sich davon, dass Jones am anderen Ende des Zimmers beschäftigt war, beugte sich dann zu Julie hinüber und flüsterte ihr ein verschwörerisches „Sch-scht!", zu.
Konzentriert dachte er an die Formel und richtete seinen Zauberstab auf die Tasse.
Lautlos schrumpfte diese zusammen, verfärbte sich und bildete eine neue Form.
Vor ihnen, auf dem Tisch, saß nun eine kleine weiße Maus, die sich mit ihren Pfötchen geschäftig die langen, pinken Hasenohren putzte.
Julie gab einen gedämpften Laut von sich und das Tierchen sah sie mit seinen großen dunklen Augen misstrauisch an.
Abwägend bewegte sich der Kopf hin und her, dann wurden die beiden Menschen offenbar als ungefährlich eingestuft und das Hasen-Mäuschen hoppelte über den Tisch um die Umgebung zu erkunden.
Kurz bevor es am Tischrand ankam blockierte Daren den Weg mit seinem Buch und es drehte um.
Dieses Spielchen wiederholten sie noch einige Male, bis die Neuschöpfung auf dem Tisch sitzen blieb, sich niederkauerte, die Ohren hängen ließ und vorwurfsvoll zu ihnen aufschaute.
Daren warf Julie einen fragenden Blick zu und sah mit wachsender Begeisterung, wie sie ihre Hände über den Mund gelegt hatte und ein Kichern zu ersticken versuchte.
Jackpot!
Ah, auwei, da kam auch schon die Glücksspielkommission.
Hastig wurde die Tasse in ihren Ursprung zurückversetzt und als Jones gleich darauf an ihrem Platz vorbei ging, konnte er zwei fleißige Schüler beobachten, die ihrer Aufgabe ziemlich amüsiert nachgingen.
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Ob es nun an seinen Aufmunterungsversuchen lag, oder ob Julie im Verlauf des Tages einfach ein dickeres Fell wuchs, jedenfalls trug sie den Kopf am späten Nachmittag schon wieder deutlich höher und beachtete hämische Fragen gar nicht mehr.
Seine Sorgen kamen aber wieder, als Flitwick Julie nach der Zauberkunststunde zu einem Gespräch bat.
Eigentlich wollte er vor dem Büro ihres Hauslehrers warten, aber zu seinem Pech musste Snape daran vorbei kommen und der giftige Tränkemeister schickte ihn in den Gemeinschaftsraum zurück.
Willkommen zurück Tiger, es geht doch nichts über einen schönen Käfig, in dem man sich heimisch fühlt.
Nicht einmal umhergehen konnte er, dazu war es kurz vor dem Abendessen zu voll.
Angespannt saß er vor dem Kamin und versuchte sich auf seine Hausaufgaben zu konzentrieren.
„Ich kann wirklich nicht verstehen was er an ihr findet. Seht sie euch doch mal an! Allein diese Frisur, grässlich! Wahrscheinlich weiß sie gar nicht was eine Bürste ist!"
Das gehässige, unangenehm hohe Lachen der Mädchen brachte ihn so aus dem Konzept, dass er einen ganzen Satz streichen musste.
Konnten die Hühner nicht woanders hingehen? Er versuchte sich gerade mit den Hausaufgaben von Julie abzulenken! Da war ja ein singender Augurey leichter zu ertragen als dieses gehässige Gackern.
Gut, vermutlich wussten diese Klatschmäuler nicht einmal, dass ihre Stimmen durch den ganzen Raum schallten, aber half ihm das irgendetwas?
Missmutig nahm er seine Sachen und trug sie zu einem Sessel in der Ecke.
Hoffentlich konnte er hier besser arbeiten.
Vielleicht waren die lästernden Stimmen einfach zu laut, oder er war einfach zu unkonzentriert, jedenfalls hatte er noch nicht sehr viel auf dem Pergament als sich die Tür öffnete und Julie herein kam.
Er winkte heftig um auf sich aufmerksam zu machen und hatte sich schon halb erhoben, um sie abzufangen, sollte sie die Richtung zu den Schlafsälen einschlagen.
Doch sie schien nicht vor zu haben, sich wieder zu verkriechen, sondern kam zu ihm.
Ohne viel Aufwand legte er seine Unterlagen auf dem Boden ab und zog sie auf seinen Schoß, als er sie erreichen konnte.
Ein Blick in die Runde gab den Anderen zu verstehen, dass es hier nichts zu glotzen gab.
„War's schlimm?", fragte er leise, als sie nicht mehr angestarrt wurden.
Ihre hübschen Mundwinkel wanderten nach unten. „Ja", murmelte sie und fuhr sich mit den Händen durch die Haare während sie seufzte.
„Ich musste mich bei Pince entschuldigen, das war vielleicht ein Theater!", klagte sie und an ihrer Stimme konnte er hören, wie genervt sie war. Die alte Trockenpflaume hatte sicher wieder eine Rede über ihre Heiligkeiten, die Bücher, gehalten.
Tröstend zog er sie in seine Arme, ließ dann aber wieder los um sich nach einer eventuellen, okay, recht wahrscheinlichen, Strafarbeit zu erkundigen.
Ein Blick in ihr Gesicht und ihm war klar, dass Flitwick dieses Mal nicht besonders gnädig war.
Ihre Antwort wandelte seine vage Vermutung leider in traurige Gewissheit. „Filch."
Falls sich manche von euch bei diesem Satz: "dass es Fräulein Ming, in der Bibliothek, mit dem Leuchter…" gewundert haben, empfehle ich ihnen, einmal 'Cluedo' zu spielen ;)
