Puh, fast hätte ich das Mittwochschap vergessen o.O Danke fürs Erinnern edi :)
Kapitel 6: Filch mit Folgen
~ Julie ~
Verdammt!
Es war Samstagnachmittag, Hogsmeadesamstagnachmittag!
Und was tat sie? Verfaulte in diesem verhassten Pokalzimmer, umgeben vom Gestank dieses ekelhaften Putzmittels!
Filch hatte sich mal wieder selbst übertroffen.
Sie hatte sogar zusehen dürfen, wie er am Morgen die Anderen nach Hogsmeade entlassen hatte.
Mistkerl, verfluchter!
Wie gerne wäre sie mit Daren gegangen.
Hand in Hand wären sie in das Dorf hinunter geschlendert und hätten sich an dem guten Wetter erfreut. Vielleicht wären ein paar Jungs aus dem Quidditchteam mitgekommen, doch diese hätten sich spätestens vor Zonko's von ihnen getrennt.
Dann wären sie in den Honigtopf gegangen und hätten ihre Tüten mit allerlei Süßigkeiten gefüllt, sich schon ausmalend, wie sie sich damit gegenseitig füttern würden.
Mit voll bepackten Taschen wären sie dann die Hauptstraße entlang geschlendert und hätten die bunten Schaufenster bewundert.
Nachdem sie dann in den Drei Besen eine Stärkung genossen hätte, wären sie noch zur Heulenden Hütte gewandert. Irgendwo dort, hinter einem Baum oder einem Strauch, hätten sie sich dann umarmt und geküsst, bis sie Schritte vernommen hätten und dann wären sie – völlig unschuldig – aus ihrem Versteck hervor gekommen und hätten die anderen Hüttenbesichtiger gegrüßt.
Eine handbreit neben ihrem Fuß knallte ein Besenstil auf den Steinfußboden und das Krachen ließ sie zusammenzucken.
„Wird hier etwa geträumt? Ist die Arbeit etwa nicht angenehm?", schnarrte Filch und wieder knallte der Besen. Misstrauisch beobachtete sie den Stock, der sie recht schnell treffen konnte, wenn der perverse Hausmeister seine Hand nur ein wenig bewegte.
„Du kommst hier erst raus, wenn alles glänzt!", knurrte er. „Und mit Alles meine ich auch Alles. Wenn du das da fertig hast", er meinte vermutlich die Medaille in ihrer Hand, „dann kommen die Vitrinen an die Reihe und der Fußboden wird auch geputzt!"
Empört riss sie ihre Augen auf, doch der knallende Stock, so nah an ihren Zehen, verbot jedes entrüstete Wort.
Wütend tauchte sie den löchrigen Putzlappen in die mit grünen Schlieren durchzogene Brühe im Eimer und wienerte das Ehrenmetall so heftig, dass sich Fussel von dem Tuch lösten.
Wie sollte man bitte mit so schmutzigem Wasser etwas sauber bekommen? Es war Ekelhaft!
oOoOoOo
Der Arm fiel ihr fast ab, als sie endlich den letzten Pokal wegstellen konnte.
Auch knurrte der Magen – seit dem Frühstück hatte sie nichts mehr gegessen – ihre Finger hatten eine Reinigung dringend notwendig und sie stank so penetrant nach dem Putzmittel, dass sie selbst es schon kaum mehr aushielt.
Aber kaum war sie einige Sekunden ruhig da gestanden und hatte versucht, ihre geschundenen Gliedmaßen zu entspannen, da war der Sklaventreiber schon wieder bei ihr.
Während die Anderen in Hogsmeade zum Nachmittag Kaffee und Leckereien in den Cafés verzehrten, nahm sie leise stöhnend den Lappen wieder auf und machte sich daran, die Vitrinen und Sockel der schon ausreichend begutachteten Ehrungen zu entstauben.
Nur in Gesellschaft eines schülerhassenden Hausmeisters, dessen stinkender Atem nicht wirklich zur Unterhaltung beitrug.
Sie hätte es ja nie für möglich gehalten, doch in diesem Moment wünschte sie sich sogar in die Zaubertrankstunden bei Snape zurück. Schlimmer konnte es nicht mehr kommen.
Das Mittagessen war ausgefallen, es war wirklich zu optimistisch gewesen anzunehmen, mit dem Abendessen könnte es sich anderes verhalten.
Schüler kamen zurück und liefen schwatzend durch die Gänge, sie hörte ihre Schritte und Stimmen durch die verschlossenen Türen, während sie Glas und Stein mit dem Lumpen bearbeitete.
Kurz war sie guter Hoffnung, dass Filch verschwinden würde, um etwaige Regelverstöße zu ahnden, doch ihm bereitete es anscheinend mehr Vergnügen sie beim Schuften anzutreiben.
Als sie endlich den Raum verlassen durfte, in dem nun wirklich kein Staubkorn mehr zu finden war - Filch hätte es sicher entdeckt, um sie weiter schikanieren zu dürfen – war sie fast am Heulen.
Einzig das Bestreben, ihrem Peiniger nicht auch noch diesen Triumph zu gönnen, gab ihr die Kraft die Tränen zurückzuhalten.
Am liebsten wäre sie, wie ein kleines Kind, schnurstracks zu Daren gelaufen, um sich bei ihm auszuweinen.
Stattdessen bog sie, nach einem entgeisterten Blick auf die Uhr, Richtung Küche ab.
Dieser Wahnsinnige hatte sie bis halb zehn beschäftigt! Zwölf Stunden lang ununterbrochen Beleidigungen, das war selbst für Filch ein neuer Rekord.
Müde bettelte sie die Hauselfen um etwas Essbares an.
Sie konnte sehen, wie manche von ihnen die Nase rümpften, sie musste schlimmer riechen als Filch, und das hieß einiges Trotzdem durfte sie sich an einen kleinen Tisch an der Wand setzen und wurde fürstlich bewirtet.
Merlin, so dankbar war in Hogwarts vermutlich noch niemand für Speis und Trank gewesen. Ihr traten die zuvor verdrängten Tränen in die Augen, als sie sauberes, kühles Wasser trinken durfte so viel sie wollte.
Die Hauselfen mussten an ihr große Freude gehabt haben, so wie sie Schüsseln und Teller leer putzte, als gäbe es kein Morgen.
Ihr Magen war jedenfalls beruhigt, als sie sich gerührt von ihnen verabschiedete und den kleinen Kerlchen eine gute Nacht wünschte.
Jetzt wollte sie nur noch den Gestank los werden und dann schlafen, nur noch schlafen.
oOoOoOo
Schlafen? Wer hat da was von schlafen gesagt?
Daren hatte auf sie gewartet!
Gut, er war nicht der Einzige der sich um diese Uhrzeit noch im Gemeinschaftsraum befand, schließlich war es Samstagabend und der nächste Tag schulfrei. Aber er war noch da und das war alles, was in diesem Moment für sie zählte.
Schniefend - warum kamen die dummen Tränen jetzt schon wieder hoch? – schlängelte sie sich durch den Raum und wollte sich in seine Arme werfen.
Glücklicherweise, ihr erstes Glück an diesem Tag, dachte sie rechtzeitig daran, dass es um ihr Aussehen und ihren Geruch gerade nicht zum Besten stand.
Deshalb trat sie gleich wieder einen Schritt zurück, als er sein Buch weglegte, aufstand und mit ausgebreiteten Armen auf sie zu kam.
„Bleib weg!", sagte sie schnell und wich von ihm, bis er endlich stehen blieb.
„Ich will erst duschen", erklärte sie, als sich auf seinem Gesicht Verwunderung ausbreitete.
Ihm war anzusehen, dass er sie immer noch nicht verstand – Merlin sei Dank, dass sie weit genug von ihm entfernt stehen geblieben war – nickte dann aber und sagte zwei Worte, welche das erste Lächeln des Tages auf ihren Mund legten: „Ich warte."
Liebend gern hätte sie ihn geküsst, doch das ließ der Sicherheitsabstand nicht zu.
Deshalb nickte sie nur und verschwand so schnell sie konnte hinauf in den Mädchenschlafsaal.
Kurz überlegte sie, entschied dann aber, dass das kleine Bad, welches zu jedem Schlafsaal gehörte, heute nicht ausreichte.
Glücklicherweise standen den Schülerinnen auch noch mehrere große Badezimmer, außerhalb der hauseigenen Räumlichkeiten, für ihre Körperpflege zur Verfügung.
Also schnell Shampoo und Seife in eine Tasche geworfen, diese über die Schulter gehängt und dann zurück nach unten.
Möglichst unauffällig, ihr Anblick hatte sie bei einem kurzen Blick in den Spiegel selbst schockiert, versuchte sie durch den Raum zu schleichen.
Wenigstens das schien ihr gelungen, denn sie erreichte die Tür, ohne dass ihr auch nur eine blöde Bemerkung folgte.
Dass ihr Vorhaben gescheitert war, merkte sie erst, als sich die Tür hinter ihr wieder öffnete und Daren heraus trat.
„Wo gehst du hin?", fragte er und sie konnte einen Hauch Besorgnis aus seiner Stimme heraus hören. Normalerweise hätte sie das als absolut süß empfunden, aber in ihrem Zustand war er ihr nun eher lästig, wollte sie doch so schnell wie möglich wieder zu einem einigermaßen vorzeigbaren Äußerem gelangen – für ihn.
„Ähm, nur ins Bad", murmelte sie, drehte ihm den Rücken zu und eilte davon.
Tja, sie hätte wissen müssen, dass er sich nicht so leicht abschütteln ließ.
Dass sie weit ausschritt, um schneller an ihr Ziel zu kommen, hinderte ihn in keinster Weise daran, sie nach wenigen Sekunden einzuholen.
Verbissen sah sie gerade aus und auch er sagte nichts, bis sie vor der Tür zum Bad stehen blieb.
„Darf ich mit kommen?", fragte er, bevor sie auch nur den Mund auf gemacht hatte.
Eh, halt, WAS wollte er?
„Mitkommen?", fragte sie verdattert und wurde durch sein strahlendes Lächeln nur noch mehr verwirrt.
„Guckst du mal ob jemand drin ist?", bat er und deutete auf die Tür.
Automatisch erfüllte sie ihm seine Bitte und sah in den Raum, nur um dann kopfschüttelnd zu bekunden, dass sie niemanden sah.
Er sah sich um, ob sie beobachtet wurden, und als dies nicht der Fall war, schob er sie sanft ins Bad, folgte ihr gleich und verriegelte die Tür mit einem Tippen seines Zauberstabes.
Immer noch verdutzt blieb sie stehen und sah ihn an.
„Ehm, wenn es dir nicht recht ist geh ich natürlich wieder", meinte er kleinlaut.
Langsam schüttelte sie den Kopf. „Nein, schon gut…" Als ob sie ihm bei diesem Dackelblick irgendetwas abschlagen könnte.
Freudestrahlend gab er ihr einen Kuss auf die Wange und ging dann an ihr vorbei, weiter in den Raum hinein, um sich umzusehen.
Sie hatte keinen Schimmer was genau das werden sollte und beobachtete einfach einmal, was er tat.
Das war aber nicht viel, denn nachdem er sich rasch einen Überblick verschafft hatte, setzte er sich einfach auf einen der Hocker, die an der Wand standen.
„Hübsch habt ihrs hier", bemerkte er und zollte damit dem großen, beinahe luxuriös ausgestatteten Bad seinen Tribut.
„Ähm", Julie war das nicht geheuer. „Und weiter?"
„Weiter? Ich sitz hier ganz gut." Seine Worte unterstreichend lehnte er sich bequem an die Wand zurück.
„Und da willst du blieben? Und mir zusehen?", vergewisserte sie sich ungläubig.
Er hatte die Stirn seelenruhig da zu sitzen und zu nicken, wobei sein Blick schon wieder in die Dackelrichtung driftete.
Seufzend gab Julie sich geschlagen, sie konnte ihm ja doch nichts verwehren.
Außerdem wollte sie endlich aus den stinkenden Klamotten raus!
Ohne weiter auf ihn zu achten, denn das wollte er offenbar, zog sie sich aus und schmiss die Sachen auf den Boden.
Okay, das war gelogen, natürlich konnte sie ihn ignorieren, weshalb sie ihm wohlweißlich den Rücken kehrte. Aber irgendwie… sie hatte sich vorhin, als sie so schmutzig und zerzaust war, sogar mehr geschämt als jetzt, obwohl sie nun nackt vor ihm stand.
Mit viel Konzentration schaffte sie es, nicht zu Daren zu blicken und ging zu den Duschen, welche an der anderen Wand befestigt waren.
Sobald das warme Wasser auf sie nieder strömte schloss sie die Augen und entspannte sich langsam.
Gelöst blieb sie eine Weile ganz ruhig stehen und ließ sich den Schmutz einfach vom Körper spülen, dann erst nahm sie das Shampoo und seifte sich gründlich ein.
Dabei konnte sie es sich nicht verkneifen, Daren hin und wieder einen kurzen Blick zu zuwerfen.
Der sah genauso entspannt aus wie sie sich mittlerweile fühlte und hatte sich nicht vom Fleck bewegt.
Seine Augen ruhten auf ihr, doch sie konnte seinen Gesichtsausdruck nicht deuten.
Ob ihm gefiel was er sah?
Genau beobachtend verteilte sie den Schaum auf ihren Brüsten, konnte jedoch keine Reaktion bei ihrem Freund feststellen.
Obwohl, liebte sie ihn nicht gerade deshalb so, weil er eben nicht so war wie andere Jungs?
Vor ihm war sie eine Weile mit Einem aus Gryffindor gegangen und bei dem hatte sie nur ein etwas tiefer ausgeschnittenes Shirt tragen müssen, schon wollte er sie begrapschen.
Daren dagegen blieb still sitzen, während sie sich hier vor seinen Augen wusch.
Gab es in Hogwarts ein Mädchen das beneidenswerter war als sie? Sicher nicht.
Genüsslich blieb sie noch etwas unter der Dusche stehen, auch als der Schaum schon längst fort gespült war. Das Wasser hatte all den Schmutz und den Gestank mit sich genommen und floss nun streichelnd über ihre Haut.
Hm… eigentlich hätte sie nichts dagegen, wenn Daren jetzt doch noch zu ihr kommen würde und…
Wie jetzt, er stand tatsächlich auf! Konnte er jetzt schon ihre Gedanken le-
Ach so.
Mit seinem Zauberstab bearbeitete er ihre Sachen und sie war ziemlich sicher, dass es eine Art Reinigungszauber war.
Um ihn nicht länger warten zu lassen stellte sie die Dusche ab, schüttelte sich und ging dann zu dem großen Regal mit Handtüchern.
Daren wartete wieder geduldig, während sie sich abtrocknete und die Haare mit ihrem Zauberstab föhnte.
Tatsächlich hatte er ihre Sachen gereinigt. Wie aufmerksam von ihm, denn sie hatte natürlich die Wechselkleidung vergessen.
Schnell zog sie sich an, ging dann zu ihm und küsste ihn dankbar auf beide Wangen.
Lächelnd nahm ihre Hand und zog sie zur Tür.
Nachdem sie sich überzeugt hatte, dass sich draußen niemand befand – Daren würde einige Schwierigkeiten bekommen, würde man ihn beim Verlassen eines Mädchenbadezimmers beobachten - traten sie hinaus und schlenderten, nun händchenhaltend, zurück in den Gemeinschaftsraum.
Erst, nachdem sie es sich dort auf ihrer Couch gemütlich gemacht hatten, fragte Daren wie ihre Strafarbeit ausgesehen hatte und sie konnte sich in Beschimpfungen auf Filch ergehen.
Das Reden tat ihr überaus gut, bald beruhigte sie sich und schmiegte sich an seine Schulter.
„Und was hast du gemacht?", fragte sie leise und schloss die Augen, da die Müdigkeit langsam wieder Oberhand gewann.
„Hm, ich bin mit den Jungs los", meinte er und strich ihr über die Haare. „Das Übliche halt. Ohne dich ist Hogsmeade nicht besonders interessant."
Lächelnd nahm sie das Kompliment entgegen und kuschelte sich noch enger an ihn.
„Aber ich hab dir etwas mit gebracht, warte kurz." Damit schob er sie sanft von sich weg und stand auf, um die Treppe zum Schlafsaal der Jungen hoch zu sprinten.
Durch ihre Neugierde wieder etwas wacher, blieb Julie zurück und machte es sich nun eben allein auf dem Sofa bequem.
Aber lange wurde sie nicht auf die Folter gespannt, denn Daren kam schnell zurück, etwas hinter seinem Rücken verbergend.
„Mach die Augen zu", wies er sie an und gespannt tat sie, was er verlangte.
Irgendetwas raschelte - vielleicht eine Tüte? Angestrengt spitzte sie die Ohren, doch dann war da nur wieder das Knistern der Holzscheite, die in Feuer aufgingen.
Dass Daren wieder auf das Sofa kam konnte sie nur dadurch erfühlen, dass sich das Polster sich auf einer Seite etwas absenkte. Uh, wie lang musste sie denn noch warten?
Ein warmer Luftzug streifte ihr Gesicht und dann fühlte sie etwas Weiches an ihren Lippen.
Impulsiv wollte sie im ersten Moment zurück weichen, doch der Druck verstärkte sich, feuchte Wärme streichelte ihre sensible Haut.
Nur zu gerne öffnete sie ihren Mund ein wenig und erwiderte Darens Kuss.
Umfp?
Erstaunt öffnete sie die Augen und betastete mit ihrer Zunge das runde, harte, aber sehr süß schmeckende Ding, welches sie plötzlich in ihrem Mund wieder fand.
Daren saß vor ihr und lächelte. „Ich habe dir Sirupkirschen aus dem Honigtopf mitgebracht. Schmeckt's?"
Selig nickte sie und lutschte hingebungsvoll an einem Bonbon. Sirupkirschen waren für Julie der Himmel. Erst nach einer Weile schmolzen sie im Mund und dann schmeckte man den absolut kirschig-fruchtigen Sirup, welcher sich im Inneren verborgen hatte.
Grinsend, da seine Überraschung zweifelsfrei gelungen war, saß Daren neben ihr und schloss sie in die Arme.
Eigentlich wollte sie sich bedanken, doch ihre Sprechfähigkeit war im Moment etwas eingeschränkt. Deshalb gab sie ihm gleich den Kuss zurück, wobei dieser nun zungenlos ausfallen musste.
Hm, war nun der Kuss oder das Kirsch-Bonbon besser? Schwere Frage…
