Heute mal ein frühes Update^^ Aber man muss ja ausnutzen wenn man einmal früher von der Schule zuhause ist, oder? ;)


Kapitel 8: Rabenjagd und Bettgeflüster

~ Julie ~

„Ravenclaw!", schallte es von der Tribüne, als die in blau gekleideten Spieler auf den Rasen marschierten, die Augen entschlossen nach vorne gerichtet und die Besen präsentiert.

Julie jubelte mit all den Anderen, schwenkte ihren Schal und hüpfte auf und ab. Wobei Letzteres eher darauf abzielte, Daren besser sehen zu können.

Stolz verfolgte sie jede seiner Bewegungen und bedauerte nur, dass sie ihn vor dem Spiel nicht mehr erreicht hatte.

In diesem Moment betrat auch die slytherin'sche Mannschaft das Spielfeld und ihre Anhänger ließen ein ohrenbetäubendes Brüllen los.

Etwas leiser wurde es, als die Kapitäne sich gegenüber standen und sich die Hände reichten. Beide nickten sie sich kurz zu, dann bestiegen sie ihre Besen um sich in die Luft zu begeben. Die restlichen Spieler taten es ihnen gleich.

Die dunklen, tiefhängenden Wolken über dem Stadion entschärften die aufgeladene Stimmung nicht im Mindesten.

Mit dem Anpfiff boten die Zuschauer noch einmal alles an Lautstärke auf, dass sie hatten, während die Spieler schon ihre Positionen einnahmen und sich an den Bällen orientierten.

Daren zischte nahe an den Ravenclaws vorbei, um zu seinen Torringen zu gelangen, und sofort kreischten einige Mädchen hemmungslos seinen Namen.

Wie jeder gute Quidditchspieler achtete er gar nicht darauf und konzentrierte sich nur auf das Spiel, aber Julie ernüchterten diese Anfeuerungsrufe.

Still setzte sie sich auf ihren Platz nieder und verkrampfte die Finger in ihren Schal, welcher selbstverständlich in blauen Farben gehalten war.

Mit Argusaugen verfolgte sie das Geschehen in der Luft, wobei ihr Blick ziemlich häufig zu Daren abdriftete, selbst wenn dieser gerade gar nichts zu tun hatte.

Leider war dies nicht allzu häufig der Fall, viel zu oft musste er gegen den Quaffel bestehen.

„Figges, Miltch, Houtchers", schnarrte der Kommentator in sein magisches Megafon.

„Wieder Miltch und TOR FÜR SLYTHERIN!"

Begeisterung bei den Grünen, allgemeines Aufstöhnen der Gegenseite.

„Da sieht Gender aber alt aus. Gegen die Überlegenheit des Slytherinteams kann sein Team nichts ausrichten."

Während um sie herum wütendes Gemurmel aufbrandete, beschränkte Julie sich darauf, den Stoff ihres Schals noch fester zu umklammern.

Der Kommentator war aus Slytherin und welcher Seite seine Sympathie gehörte, daran konnte wohl niemand zweifeln.

Natürlich waren die Ravenclawspieler nicht ganz so schlecht, wie er es darstellen wollte.

Aber fast.

Wenn sie nach einem Korbwurf der grünen Flugschlangen auch einmal den Quaffel in der Hand hatten, so verloren sie ihn spätestens an der Mittellinie.

Erst zwei Mal waren sie bis zu den gegnerischen Ringen vorgedrungen und einmal hatten sie es geschafft rund und rot durch rund und golden zu befördern.

Das war der einzige kleine Lichtblick gewesen, doch mit jedem Tor des anderen Hauses wurde es auf ihrer Tribüne leiser.

40 zu 10.

70 zu 10.

120 zu 10.

Die Zahlen flogen ihnen nur so um die Ohren. Jedes neue Tor wurde genüsslich verkündet und von der Slytherinseite lautstark untermalt.

Traurig beobachtete Julie Daren, der schon wieder attackiert wurde.

Er flog nach wie vor die waghalsigsten Manöver und gab sein Bestes, doch gegen drei Jäger auf einmal hatte er keine Chance.

Tor für, wie könnte es anders sein, Slytherin.

Ravenclaw im Quaffelbesitz.

Der Ball ging an Jim, welcher ihn weiter zu Pete Onbury passte und als dieser seinen Weg versperrt sah – Julie hatte ja nicht viel Ahnung von Quidditch, aber das sah doch verdächtig nach Blocken aus – und den Quaffel wieder an Jim geben wollte, tauchte ein grünes Etwas aus dem Himmel herunter, fing den Ball und hielt erneut auf den schwergeprüften Daren zu.

Haken, Pass nach rechts und: „TOR, WIEDER TOR FÜR SLYTHERIN! Gender wurde von Figges getäuscht, dieser warf zu Mitch und der zeigte erneut, das er nicht aufzuhalten ist. Slytherin führt mit 140 zu 10. Für das klar unterlegene Ravenclawteam bleibt nur zu hoffen, dass das Spiel schnell endet. Sie werden hier regelrecht vorgeführt."

Der feixende Stadionsprecher zog sich mit diesen Worten einigen Unmut, sowie entrüstete Rufe auf sich.

Das Schlimmste war, dass Julie ihm im Grunde nur zustimmen konnte. Wenn nur endlich der Schnatz gefangen und diese Partie beendet wäre.

Wieder ein zaghaftes, unstrukturiertes Vorstoßen der Ravenclaws, inklusive Ballverlust. Wieder das gekonnte Eingreifen der Schlangenjäger, ein Angriff ohne viel Gegenwehr. Daren hechtete halb vom Besen und erwischte den Quaffel noch mit der geballten Faust.

Schon dieser kleine Erfolg war den Ravenclaws, und mit ihnen auch den Hufflepuffs und Gryffindors, einen kleinen Applaus wert. Wenigstens ein bisschen wollten sie sich freuen, wenn der Ausgang dieser Partie schon absehbar war. Die Hoffnung auf einen Sieg war mittlerweile wohl auch bei dem Letzten erloschen, murrend erwartete man das Unvermeidliche.

Als der Schnatz schließlich auftauchte, ging alles so schnell und unspektakulär, dass die Meisten erst mit dem fanatischen Geschrei der Slytherins begriffen, dass dieses Spiel endlich ein Ende gefunden hatte. Selbstverständlich war es ihr Sucher, der die Schlusspunkte einheimste.

Kein Wunder, dass Snape so zufrieden wie schon lange nicht mehr aussah, er hatte allen Grund dazu. Ein paar schockierte Stimmen verkündeten sogar – leise genug, dass es nicht an die scharfen Ohren des Tränkemeisters drang – er würde lächeln.

Im Pulk flogen die Sieger über die Tribünen, winkten und schrien ihren Triumph in die Menge.

Immer noch ineinander verkeilt setzten sie dann zur Landung auf dem Rasen an und eine grüne Flut ergoss sich von den Rängen, brandete um ihre Helden und ließ sie hochleben.

Grimassen schneidend räumten Gryffindors und Hufflepuffs das Feld und wanderten zurück zum Schloss, den Jubelnden folgend, welche schnellstmöglich zur Siegesfeier kommen wollten.

An den Gesichtern konnte man sehen, dass sie gedanklich schon bei den nächsten Spielen waren und abwägten, ob man diesen Mannschaften über- oder unterlegen war. Prognosen wurden aufgestellt und Trainingspläne ausgearbeitet.

Die Ravenclaws dagegen zogen stumm von dannen.

Einer nach dem Anderen waren die Spieler gelandet und mit hängenden Köpfen zu den Umkleiden geschlurft.

Nicht viel anders sah es nun bei den Zuschauern aus, die still die Plätze räumten und in kleinen Grüppchen – auf Abstand zu den anderen Häusern bedacht – über den Rasen schlenderten.

Eilig hatte es hier niemand und nach der Blamage blieb man auch lieber unter sich.

Julie war mit dem Schlusspfiff aufgestanden um Daren im Blick zu behalten, doch die vielen Köpfe der Zuschauer hatten ihr bald die Sicht versperrt.

Drängelnd hatte sie sich durch die Menge nach unten geboxt, doch als sie auf das Feld trat und sich umsah, konnte sie ihren Freund nirgends entdecken.

Als die restlichen Spieler auf die Umkleide zustrebten, vermutete sie auch Daren dort und stellte sich, etwas von der Tür entfernt, an die Wand, um zu warten.

Ein Tropfen traf sie auf die Wange und sie legte den Kopf in den Nacken um seinen Weg zurück zu verfolgen.

Die Wolken, welche schon die ganze Zeit das Spiel überschattet hatten, ließen ihre Last nun fallen und immer mehr Tropfen prasselten herab.

Frierend schloss Julie ihre Jacke und schlang den Schal fester um ihren Hals. Hoffentlich kam Daren bald, damit sie ins Warme konnten.

Doch erst verließen die anderen Mannschaftsmitglieder die Umkleide und stapften, nach einem kurzen Blick, wortlos an Julie vorbei.

Bald klebten ihre Haare um ihren Kopf und auch die Kleidung wurde langsam unangenehm feucht.

Zudem wurden ihre Finger kalt, obwohl sie diese zum Aufwärmen in die Jackentasche gesteckt hatte.

Von einem Fuß auf den Anderen tretend - die Bewegung wärmte wenigstens ein bisschen - versuchte sie, die Kälte zu ignorieren.

„Julie?"

Endlich! Erleichtert hob sie den Kopf und hatte schon den Mund geöffnet, um Daren zu begrüßen. Als sie Jim erkannte, schloss sie ihn enttäuscht.

„Was machst du denn noch hier?"

Mit dieser Frage hatte sie nun überhaupt nicht gerechnet.

Jim war doch ein guter Freund von Daren, mittlerweile auch von ihr, konnte er sich nicht denken warum sie hier stand.

„Ich warte auf Daren", erklärte sie mit einem Stirnrunzeln das, ihrer Meinung nach, Offensichtliche.

Nun war es an Jim, verwundert drein zu sehen.

„Er ist nicht mehr drin. Vermutlich ist er gleich ins Schloss, denn ich habe ihn überhaupt nicht mehr gesehen." Leichte Sorge schwang in seiner Stimme mit und Julie konnte das nur zu gut verstehen.

Es war wirklich nicht üblich, dass er einfach so verschwand. Außerdem wusste er doch, dass sie nach dem Spiel auf ihn wartete, das tat sie immer.

„Vielleicht war er einfach fertig und ist ins Bett", vermutete Jim und zwinkerte ihr zu, doch seine Unbekümmertheit wirkte angestrengt.

„Komm, gehen wir. Im Turm finden wir ihn sicher."

Julie warf noch einen unsicheren Blick auf die Tür, hinter welcher sie Daren vermutet hatte, nickte dann aber und sie gingen Seite an Seite durch den Regen, hinauf ins Schloss.

oOoOoOo

Als sie endlich in die Eingangshalle traten, tropfte es von ihren Haaren und ihre Kleider waren völlig durchnässt.

Um einer Erkältung vorzubeugen hatte Julie schon ihren Zauberstab in der Hand, aber Jim unterbrach sie mit einer Handbewegung in ihrer Konzentration.

„Lieber nicht, sonst feiert Snape seinen Sieg am Ende noch damit, dass er uns Punkte abzieht. Von wegen unerlaubtes Zaubern…", raunte er ihr zu und sie ließ den Zauberstab schnell zurück in die Tasche gleiten.

Lieber so durch das halbe Schloss laufen als eine Auseinandersetzung mit Snape riskieren – die er zweifellos gewinnen würde.

Doch zu ihrem Glück begegneten sie keinem der unangenehmeren Schlossbewohner, genauer gesagt, sie begegnetem überhaupt niemandem. Hogwarts war wie leer gefegt.

Die Ursache war ihnen klar, sobald sie den Gemeinschaftsraum betraten. Das gesamte Haus schien versammelt, man unterhielt sich leise, in einer Ecke focht man eine Partie Snape Explodiert.

In den anderen Häusern war es vermutlich ähnlich, wenn auch ein wenig – oder sehr viel - fröhlicher.

Julie und Jim gingen spähend durch den Raum und trafen sich vor den Treppen zu den Schlafsälen wieder. Daren war nicht aufgetaucht.

„Ich schau schnell hoch, vielleicht schläft er schon… Also bis gleich." Damit verschwand Jim und ließ sie allein zurück.

Da sie immer noch triefend nass war, lief sie in ihren eigenen Schlafsaal und zog sich in Rekordzeit neue Sachen an.

Sogleich eilte sie wieder hinunter und sah sich ängstlich um, hatte sie Jim oder Daren nun verpasst?

Aber keine der Beiden war zu sehen und sie ließ sich erst einmal keuchend in einen freien Sessel fallen.

Eigentlich hätte sie nun noch ihre Haare trocknen sollen, aber so nervös wie sie war, ließ sie lieber die Finger von ihrem Zauberstab. Am Ende steckte sie sich selbst in Brand.

Mit einem heftigen Kopfschütteln flogen die Haare durcheinander und senkten sich dann wieder auf ihre Schultern. Das musste an Pflege reichen, trocknen würden sie von alleine.

Es sich bequem machend zog sie die Beine an und umschlang sie mit ihren Armen.

So blieb sie sitzen und sah umher, immer in der Hoffnung, Daren irgendwo zu entdecken, bis Jim wieder kam.

Ihr Mund war schon offen um ihre Frage zu verkünden, aber Jim schnitt ihre Worte mit einer Handbewegung ab und beugte sich zu ihr herunter, damit nicht jeder mithören konnte.

„Er ist oben, aber…" Ein Lächeln wollte sich schon auf ihrem Gesicht ausbreiten, doch dessen Anfänge fielen bei dem ‚aber' ziemlich schnell in sich zusammen.

„Aber?", hakte sie mit dünner Stimme nach.

„Er wollte nicht mit mir sprechen." Das war alles, mehr sagte er nicht, doch sein bedeutungsschwerer Blick teilte ihr noch viel mehr mit. Daren schottete sich ab und ließ niemanden an sich heran.

Nervös kaute sie an ihren Fingernägeln während sie diesen Gedanken weiter verfolgte.

Anscheinend war er so deprimiert, dass er nicht einmal mit Jim reden wollte. Das hatte es noch nie gegeben. Ihm musste es wirklich schlecht gehen.

Die nächste Schlussfolgerung war: Sie musste ihm helfen. Aber wie?

Jim, der immer noch vor ihr stand, hatte sie fast vergessen, bis er sich noch weiter zu ihrem Ohr beugte.

„Bald sind alle beim Abendessen, vielleicht kannst du dann versuchen, ihn etwas aufzumuntern", flüsterte er leise und richtete sich dann auf.

Mit einem Nicken verabschiedete er sich und ging dann zur restlichen Mannschaft hinüber, die eine Sitzgruppe für sich beansprucht hatte.

Während dem Abendessen? Meinte er sie sollte…?

Nachdenklich drehte sie eine ihrer nassen Strähnen in ihrer Hand und wickelte sie um die Finger herum.

Bald verließen die ersten Schülergruppen den Gemeinschaftsraum und gingen hinunter in die Große Halle.

Der Tag war für alle eine Enttäuschung gewesen, da wollten sie nicht auch noch hungrig ins Bett.

Jim schleppte die Quidditchspieler, und damit gleichzeitig deren Fan, mit sich hinaus.

Irgendwann war der große Raum leer.

Verunsichert stand Julie auf und ging langsam auf die Treppe zu.

Laut der Schulordnung durfte sie dort nicht hinauf.

Eh, Moment! Laut der Schulordnung dürfen Jungs nicht in die Mädchenschlafräume, was die Treppe ja erfolgreich verhindert.

An eine Regelung bezüglich Mädchen im Jungenschlafsaal konnte sie sich gar nicht erinnern. Ja gut, dass hieß nicht dass es keine gab, aber eigentlich war ihr das egal.

Daren war oben, sie hier unten und wenn er nicht runter kam, musste sie eben hoch.

Mutig setzte sie ihren Fuß auf die erste Stufe und kletterte die Treppe empor.

Das Zurechtfinden war nicht schwer, es sah alles genauso aus wie bei den Mädchen. Eine Wendeltreppe strebte nach oben, immer wieder unterbrochen von Absätzen. Von diesen aus konnte man in die Schlafräume gelangen, welche alle beschriftet waren.

„Schlafsaal I, Erstklässler", „Schlafsaal II, Zweitklässler", und so ging es weiter.

Vor dem Schlafsaal der siebten Klasse stoppte sie und hob die geballte Hand.

Außer Daren waren bestimmt alle beim Abendessen, sonst hätte Jim ihr das nicht vorgeschlagen.

Überhaupt, sie brauchte nicht erst die Treppe nach oben steigen und dann nur hier rumstehen. Zaghaft klopfte sie an das raue Holz und wurde zunehmend nervöser, während sie die Sekunden zählte.

Nach einiger Zeit klopfte sie noch einmal, doch wieder nichts.

Etwas verloren sah sie sich um.

Daren musste da drin sein, Jim hatte es ihr gesagt! Und sie wollte ihn keinesfalls allein lassen.

Noch ein verstohlener Blick, ob sie auch bestimmt niemand beobachtete, dann drückte sie leise die Klinke herunter, schlüpfte schnell in den Raum und schloss die Tür hinter sich.

Bebend spähte sie in jede Richtung und rechnete schon fast damit, dass sie gleich irgendjemand schreiend hinaus warf. Aber nichts dergleichen geschah.

Tief durchatmend versuchte sie, sich zu beruhigen und nahm dann die Einrichtung genauer unter die Lupe.

Auch hier kam ihr das meiste vertraut vor, alle Möbel waren ein genaues Abbild derer in ihrem Schlafsaal.

Fünf große Himmelbetten standen an den Wänden verteilt, dazwischen Nachttische, Schränke, Stühle…

Nur ein Bett hatte die Vorhänge geschlossen, das zweite rechts von ihr. Da sonst niemand zu sehen war, auch im Bad nicht - die Tür dazu stand offen - musste Daren dort sein.

Leise trat sie näher.

„Daren?" Mehr als ein Flüstern brachte sie nicht heraus, aber es reichte offenbar.

Ratschend fuhren die Vorhänge auseinander und Daren starte sie ungläubig an.

Mit einem Blick erfasste sie sein blasses Gesicht, die verstrubbelten Haare und den bekümmerten Ausdruck, war aber gleichzeitig sehr erleichtert, dass sie ihn endlich gefunden hatte.

„Was machst du denn hier?", fragte er verdattert als sie nichts tat, außer dastehen und ihn ansehen.

Schnell machte sie ein paar Schritte auf ihn zu, beugte sich hinunter und umarmte ihn ungeschickt.

„Ich habe dich gesucht", murmelte sie leise.

Bei ihrem Angriff war er zuerst erstarrt, doch nun tätschelte er ihre Schulter, spendete ihr Trost und nicht, wie es sein sollte, umgekehrt.

Bald zog er sie neben sich auf das Bett, ohne dass sie ihre Umarmung lösten, denn auf Dauer war es unbequem, wenn sie stand und er saß.

Ein paar Mal war sie versucht, ihn zu fragen warum er sich verkroch, aber sie wusste nicht, ob er sie dann am Ende wieder wegschicken würde, also blieb sie lieber stumm.

Vorerst waren sie sich genug, es bedurfte keiner großen Erklärungen.

Erst als auf der Treppe Schritte klangen, schreckten sie auf aus ihrer Versunkenheit.

Beide sahen sie zur Tür, dann sich gegenseitig ins Gesicht.

Während sie hier die Zeit vergessen hatten, sind die Anderen vom Abendessen zurück gekommen.

Julie konnte nicht mehr nach unten, ohne jemandem in die Arme zu laufen, aber hier bleiben ging auch nicht.

Sie sah schon die nächste Strafarbeit, untermalt von Standpauken, auf sich zukommen, da umfasste Daren ihre Hüfte, zog sie noch weiter auf das Bett und schloss mit seiner freien Hand die Vorhänge.

Überrascht tastete sie in der Dunkelheit umher, bis sie seine Hand gefunden hatte und drückte diese.

Plötzlich war sein Mund an ihrem Ohr.

„Ist es für dich okay wenn du hier bleibst?", flüsterte er leise und in diesem Moment knarzte die Tür, Jemand betrat das Zimmer.

Beide lagen sie regungslos und lauschten angespannt auf die gedämpften Geräusche, welche durch den Stoff drangen.

„Sollen wir nicht nachsehen, wie's ihm geht?", fragte jemand und Schritte näherten sich.

„Lass ihn, er braucht erst Mal seine Ruhe."

Tatsächlich entfernte sich die besorgte Stimme wieder, während sie noch irgendetwas zu Jim - der sie beide gerade gerettet hatte - sagte.

Vorsichtig tastete Julie Daren ab, bis sie seinen Kopf gefunden hatte und ihm ein „schon in Ordnung" zu wispern konnte.

Dass er sie auf diese Antwort hin fest an seine Brust zog war ihr Beweis genug, dass er sich nicht darüber ärgerte, sein Bett diese Nacht teilen zu müssen.

Zärtlich schlang auch sie ihre Hände um ihn und kuschelte sich an.

Dabei schabte aber ihre Handfläche an seiner Hüfte über seine Hose und erstaunt stellte sie fest, dass er seine Jeans trug.

Ihm schien es nicht zu entgehen, dass es sich bei ihr genauso verhielt, denn er zog sich wieder etwas von ihr zurück, streckte sich und drückte ihr dann etwas Weiches in die Hände.

„Hier, das kannst du anziehen", murmelte er leise und sie tastete sich durch den Stoff, bis sie ein großes Shirt erkannte.

Lieb von ihm, dass er so an sie dachte, denn mit den normalen Klamotten wäre sie sonst nur schwer eingeschlafen, da ziepte immer irgendetwas.

War ihr die Dunkelheit vorhin noch lästig, nun war sie dankbar dafür.

Sie kniete auf dem Bett, da sie so am leichtesten aus ihren Sachen kam. Einfach war das nicht, da sie nur wenig Raum zur Verfügung hatte und auch noch möglichst leise sein sollte.

Daren nahm ihre abgelegten Kleider und beförderte sie kurzerhand unter das Bett.

Er hatte sich auch umgezogen, war dabei aber schneller gewesen als sie und zurück an das Kopfteil des Bettes gerutscht, um ihr mehr Platz zu lassen.

Endlich war auch sie fertig, streckte die Hände aus und tastete sich zu ihm, bis sie einen Arm von ihm ergriff.

Etwas umständlich legten sie sich zurecht, bis sie wieder dieselbe Position hatten wie zuvor, Julie an Darens Brust gekuschelt.

Fürsorglich stopfte er das Kissen für sie zu Recht und vergewisserte sich, dass sie auch vollständig unter der Decke lag.

Obwohl es für beide ungewohnt war, zu zweit in einem Bett zu schlafen, dauerte es nicht lange und sie kamen zur Ruhe.