Jetzt wird ein bisschen gehupft, da ich dieses Kapitel im Hochsommer geschrieben habe und da überhaupt keine Weihnachtsstimmung aufkommen wollte. Also lassen wir den Part einfach aus, wedeln und wutschen und schwuppsdiwupps, Weihnachten und Neujahr vergangen und wir setzen ein, als die Ferien schon wieder vorbei sind ;)
Kapitel 14: Neues Jahr, neues Glück?
~ Julie ~
Es konnte erst später Nachmittag sein, doch die Dämmerung ließ die Farben bereits dunkler werden.
Immer weniger Details ließen sich erkennen, während die Landschaft an ihrem Zugfenster vorüber zog.
Als kurze Zeit später die Lampen angingen und das Abteil erleuchteten, spiegelte die Scheibe so sehr, dass sie zwar sich selbst betrachten, aber nicht mehr hinaussehen konnte.
Gähnend streckte sie sich und setzte sich dann anders hin, da ihr linkes Bein langsam zu kribbeln anfing.
Ihr war langweilig.
Lesen wollte sie nicht, aus dem Fenster sehen ging auch nicht mehr und allein in einem Abteil unterhielt es sich schlecht.
Trotzdem war es immer noch besser, als mit ein paar Zwergen zusammen zu sitzen. Die jüngeren Schüler hatten sie sowieso schon sehr schräg angesehen, als sie auf dem Gang war.
Kein Wunder eigentlich, vermutlich war sie die einzige aus dem Abschlussjahrgang, die nicht nach Hogsmeade appariert war und in diesem Moment ihre Koffer gemütlich in das Schloss schweben ließ.
Damit hätte sie sich diese elendslange und sterbenslangweilige Fahrt erspart, das nervtötende Gekicher der kleinen Mädchen, den blauen Fleck, denn sie sich geholt hatte, als ihr der Koffer auskam und gegen ihren Unterschenkel geprallt war…
Aber nein, sie hatte es ja geschafft, bei den letzten beiden Apparierprüfungen durchzufallen. Als Einzige!
Und deshalb durfte sie sich hier zu Tode langweilen, anstatt schon mit Daren durch die, fast noch leeren, Gänge von Hogwarts zu wandern.
oOoOoOo
Sie hatten sich mal wieder die ganzen Ferien nicht gesehen und jetzt vermisste sie ihn so sehr, dass selbst diese wenigen Stunden, welche sie noch getrennt verbringen mussten, fast zu viel waren.
„Nicht mehr lange", tröstete sie sich selbst und tastete nach ihrer Kette.
Das Lederband, an dem ein tropfenförmiger, dunkelblauer Anhänger befestigt war, hatte sich in dem Päckchen befunden, welches Darens Eule an Weihnachten gebracht hatte. Zusammen mit einem Brief, in dem er schrieb, es wäre ein Amulett zum Schutz gegen Feuer und außerdem habe er es ausgesucht, weil die Farbe ihn an ihre Augen erinnert hatte.
Großer Merlin, war ihr das peinlich gewesen, dass er gleich einen Talisman gekauft hatte wegen ihrer Ungeschicktheit. Andererseits… sie fand es einfach unglaublich süß von ihm. Und schämte sich in Grund und Boden wenn sie daran dachte, was sie ihm geschenkt hatte: Socken.
Okay, nicht irgendwelche, immerhin waren sie, genau wie seine neuen Handschuhe, mit einem Wärmezauber versehen und sie hatte wieder seine Initialen darauf gehext, aber es waren immer noch Socken!
Dabei hatte sie es anfangs für eine so tolle Idee gehalten, als sie gehört hatte, wie Daren und Jim darüber klagten, dass ihre Hände und Füße nach jedem Training halb erfroren waren.
Aber jetzt… er verehrte ihr so etwas Hübsches und so Persönliches (wenn er es doch nach ihrer Augenfarbe ausgesucht hatte!) und sie…
Wieder wurde sie Rot vor Scham und lehnte ihre heiße Wange gegen das angenehm kühle Fenster.
oOoOoOo
Als der Zug schließlich langsamer wurde und ihn die Bremsen mit einem unangenehmen Quietschen zum Stillstand brachten, war es bereits stockfinster. Doch mit Hilfe der vielen Laternen, fanden die Schüler sicher ihren Weg zu den pferdelosen Kutschen.
Am Einsteigeplatz herrschte ein reges Gedränge, jeder war froh, der klirrenden Kälte zu entkommen, welche ihren Atem sichtbar werden ließ.
Ohne Darens Beistand fehlte Julie der Mut, sich vor zu drängeln, und so zog sie ihren Mantel nur dichter um sich, blieb in sicherer Entfernung stehen und wartete.
Erst als die meisten Kutschen bereits Richtung Schloss rollten und nur noch wenige Schüler anwesend waren, ging sie auf einen Wagen zu und kletterte hinein.
Ruckelnd beschleunigte das Gefährt und sie sah die hellen Fenster von Hogwarts stetig näher kommen.
oOoOoOo
Glücklich betrat sie die Eingangshalle, Wärme und aufgeregte Stimmen schlugen ihr entgegen.
Nur langsam verteilten sich die Schülertrauben, als sich die Meisten auf den Weg in ihren Gemeinschaftsraum machten.
Noch blieb etwas Zeit bis zum Abendessen und diese konnte man nutzen, um die Koffer auszupacken und den Freunden die erhaltenen Weihnachtsgeschenke zu präsentieren, von denen man im Zug schon ausführlich berichtet hatte.
Dergleichen hatte Julie nicht im Sinn, als sie sich Richtung Turm aufmachte. Sie wollte Daren finden.
oOoOoOo
Kaum hatte sie den Gemeinschaftsraum betreten, fand sie sich in einer festen Umarmung wieder und Jim wünschte ihr lautstark ein frohes neues Jahr.
Lachend wiederholte sie seine Worte, diesmal an ihn gerichtet, und bedankte sich, ungeschickt nach Worten suchend, für die Süßigkeiten, welche seine Eule an Weihnachten abgeliefert hatte.
Lässig winkte er ab. „Ach komm, gegen dein Geschenk war das doch gar nichts. Wenn hier jemand zu danken hat, dann bin ich das! Ich zieh ihn schon gar nicht mehr aus."
Grinsend zupfte er an dem Schal, welcher tatsächlich um seinen Hals lag.
Es hatte den Anschein, als hätte sie genau das Richtige für ihn ausgesucht und vor Freude färbten sich ihre Wangen.
„Daren hat mir erzählt, was er bekommen hat. Ich glaube, er weiß nicht einmal, was für ein Glück er hat, dass du seine Freundin bist." Jim tippte sich nachdenklich mit dem Zeigefinger gegen sein Kinn, während das Rot in ihrem Gesicht zu nahm.
„Ich muss mir auch ein Mädchen suchen, die mir wärmende Socken schenkt", sinnierte er weiter. „Hoffentlich gibt es noch Eine, die weiß was Quidditchspieler brauchen…"
„Meinst du denn, er hat sich darüber gefreut?", fragte sie verunsichert nach. Daren hatte sie in seinen kurzen Briefen nicht erwähnt, ein weiterer Grund weshalb sie annahm, ihn mit den banalen Socken verärgert zu haben.
„Klar! Er hat mir mindestens eine halbe Stunde mein Ohr abgekaut, so begeistert war er." Jim verzog bei dieser Erinnerung das Gesicht zu einer Grimasse.
„Oh." War sie erleichtert. „Weißt du wo er ist?" Jetzt konnte sie ihm auch unter die Augen treten, ohne sich zu schämen.
Doch das Kopfschütteln von Jim half ihr nicht weiter.
„Ich gehe ihn suchen, bis nachher", verabschiedete sie sich, drehte um und verließ den Raum wie sie ihn betreten hatte – nur ohne Gepäck. Darum würden sich sicher die Hauselfen kümmern.
Vielleicht war Daren ja schon in der Großen Halle. Langsam wurde es sowieso Zeit, dass sie sich dorthin begab. Und spätestens zum Essen würde er wohl auftauchen.
oOoOoOo
Etwas später stapfte sie ziemlich frustriert über den steinigen Fußboden eines dunklen Ganges und wusste nur ungefähr, wo sie sich befand. Irgendwo zwischen Krankenflügel und Große Halle. Genau genommen hatte sie keine Ahnung.
Still verfluchte sie diese blöden Treppen, welche immer dann in die falsche Richtung zeigten, wenn man es einmal eilig hatte oder jemanden finden wollte. Oder beides.
Das da hinten konnte doch…?
Hoffnungsvoll trat sie näher und jubelte, als sie vor der Tür der verschlossenen Bibliothek stand. Jetzt wusste sie, wo sie war und wo sie hin musste.
Merlin sei Dank, langsam hieß es, sich zu beeilen.
Als sie so mit schnellen Schritten den Gang entlang lief, sah sie aus dem Augenwinkel zwei Gestalten, die in einer Nische ziemlich eng beieinander standen.
Rasch wandte sie ihren Blick in die andere Richtung, so genau wollte sie das gar nicht sehen.
Sie war schon mindestens zehn Schritte an diesem unzureichendem Versteck vorbei gegangen, als sich bei ihr ein Schalter umlegte.
Moment Mal.
Warum standen Daren und Samaine Ich-bin-so-toll zusammen und auch noch so, dass man sie nicht sofort entdeckte?
Leise ging sie den Weg zurück und blieb dann stehen, kurz bevor sie die Beiden sah. Vielleicht hatte sie sich auch geirrt und das war gar nicht Daren?
Überzeugt war sie nicht und wenn sie sich täuschte, dann würde sie die beiden nur stören… Und wenn es doch Daren war?
Vorsichtig ging sie weiter, alles andere als sicher, ob sie wirklich sehen wollte, wer da stand.
„Daren?", fragte sie leise, doch da hatte sie ihn schon erkannt.
Er hatte eine Hand auf Samaines Arm gelegt und redete offensichtlich auf sie ein.
Als er sie erkannte verstummte er, ließ er die Slytherin los und trat auf sie zu.
„Hallo Julie, wie waren die Ferien?" Da er größer war als sie, lächelte er auf sie herab und beugte sich kurz hinunter, um sie zu umarmen.
„Ja, ganz schön", murmelte sie, ohne ihren Blick von der Vertrauensschülerin zu nehmen, welche sie ihrerseits aus kalten Augen anstarrte.
„War die Zugfahrt… angenehm?", flötete sie nun und durch ihr Zögern verkehrte sie diese, an sich freundliche Frage, in blanken Hohn.
Julie nickte nur stumm und sah zwischen dem Mädchen und Daren hin und her. Was hatte das alles zu bedeuten?
„Na gut, ich denke wir sehen uns morgen, Daren?" Nun erdreistete diese… Person… sich sogar, vor zu treten und ihre Hand auf Darens Arm zu legen. Und der hatte sogar noch die Stirn zu nicken!
„Dann noch viel Spaß ihr Beiden. Und viel Glück bei der nächsten Apparierprüfung", während sie schon davon stöckelte, blickte sie sich noch einmal um und lächelte hinterhältig. „Jeder schafft es… irgendwann…"
Bevor sie sich groß aufregen konnte, hatte Daren schon ihre Hand ergriffen und zog sie mit sich.
„Komm, wir müssen uns beeilen, das Festessen beginnt gleich!"
oOoOoOo
Wie jedes Mal nach den Ferien war einiges aufgeboten worden, um die Schüler wieder im Schloss willkommen zu heißen.
Sie schafften es gerade noch auf ihre Plätze, bevor Dumbledore sich erhob.
„Willkommen zurück! Ich hoffe, alle sind gut erholt und voller guter Vorsätze für das neue Jahr zurück gekehrt. Es werden sicher eine Menge Herausforderungen auf euch warten und als erste Hürde gilt es, diese Köstlichkeiten zu bewältigen. Haut rein!"
Der begeisterte Applaus hielt nur kurz an, da man bald beide Hände brauchte, um den Auftrag des Direktors auszuführen.
Als der Nachtisch erschien, war Julie bereits so voll, dass sie beim besten Willen nichts mehr runter brachte. Bedauernd musterte sie die verlockend duftenden Kuchen und Leckereien, an denen sich die Anderen gütig taten.
Selbst Schuld, sie hätte sich vorher mäßigen sollen.
Träge lehnte sie sich zurück, lauschte dem Besteckklappern und den gedämpften Unterhaltungen, die überall am Tisch geführt wurden.
„Schon fertig?" Daren hatte sich zu ihr gebeugt, ein Löffel angefüllt mit einer sahnigen, giftgrünen Masse, verharrte auf halbem Wege zu seinem Mund.
„Ja, das war zu viel", erklärte sie ihre Kapitulation.
Der Löffel wanderte weiter und erreichte sein Ziel.
„Hast du eigentlich meine Briefe alle bekommen?" Diese Sache ließ ihr einfach keine Ruhe. Wann immer sie lange und ausführliche Pergamentrollen zu ihm geschickt hatte, kamen nur kurze, knappe Antworten zurück. Und manchmal gar nichts.
„Hm." Er musste erst schlucken, ehe er zu einer Antwort ansetzte:„Ich habe alle bekommen und gelesen. Nur hatte ich so viel zu tun, lernen, für die Schule… Deswegen hab ich manchmal vergessen, zurück zu schreiben…"
„Kein Problem, ich hätte mir denken können, dass du beschäftigt bist…" Kurz hatte sie den Eindruck, seine Augen würden ihr ausweichen, doch dann schalt sie sich selbst.
Nur weil er gelernt hatte und sie die ganzen Ferien auf der faulen Haut gelegen war, musste sie seine Aussage gleich wieder schlecht machen.
Fast hätte sie sich selbst überzeugt, wenn da nicht noch etwas gewesen wäre, das an ihr genagt hätte…
„Was wollte die Montgommery denn von dir?", hakte sie nach.
„Samaine? Ach, die hatte eine Frage, weil sie in Verteidigung etwas nicht ganz verstanden hat." Er sagte das mit einer Selbstverständlichkeit, die ihr ein wenig unheimlich war. Seit wann war sie für ihn ‚Samaine'? Und warum fragte sie ausgerechnet ihn? Wäre nicht Professor Jones die erste Anlaufstelle gewesen, oder, wenn der keine Zeit hatte, zumindest jemand aus Slytherin?
„Ah, hast du den Aushang im Gemeinschaftsraum schon gesehen?", unterbrach Daren ihre Gedanken.
Leicht abwesend schüttelte sie den Kopf. Sie war noch nicht am Schwarzen Brett gewesen.
„In drei Wochen spielen wir gegen Hufflepuff."
Diese Information brachte ihm schlagartig ihre Aufmerksamkeit zurück.
Merlin, sie betete, dass dieses Spiel nicht wie das Letzte ausging. Sie hasste es, Daren so niedergeschlagen zu erleben.
„Diesmal gewinnen wir", sagte er grimmig und musterte den Löffel in seiner Hand, als galt es, diesen mit reiner Willenskraft zu bezwingen.
„Und…", sein Griff um den dünnen Metallstiel lockerte sich, „wenn nicht, ist es auch kein Beinbruch."
Seine Worte und sein einnehmendes Lächeln hob auch ihre Laune an. Wenn er so darüber scherzte, konnte es ja nicht allzu schlimm werden – egal wie es ausgehen sollte.
