Hermine kuschelte sich in ihre Decke. Draußen war tiefster Winter und die Luft war eisig. Selbst in der Hütte konnte man die Kälte regelrecht mit Händen greifen. Unter der warmen Decke fühlte sie sich sicher vor der Kälte und vor Snape. Ohnehin war sie viel entspannter, denn seit dem Zwischenfall vor drei Tagen hatte er sich nicht mehr blicken lassen. Ein wenig beunruhigt war sie bei dem Gedanken ganz alleine in dieser Hütte, mitten im Wald zu sein zwar schon, doch sie schaffte es immer wieder sich einzureden, dass er für den Notfall immer noch nebenan war. Unter ihrem Kopfkissen holte sie eines der Bücher hervor, welche sie aus dem Regal stibitzt hatte. Ein weiterer Vorteil von Snapes Abwesenheit. Hermine schlug das Buch behutsam auf und blätterte bis zu der Stelle, an der sie das letzte Mal aufgehört hatte zu lesen. Nach wenigen Seiten schon konnte sie sich allerdings kaum noch auf den Text konzentrieren. Sie dachte an ihre Eltern, Harry und Ron und an all die anderen, die jetzt da draußen waren, sich versteckten, oder sogar kämpften. Traurig und frustriert schlug sie das Buch zu. Warum konnte sie jetzt nicht bei ihnen sein? Um ehrlich zu sein fühlte sie sich sogar schlecht, weil sie es sich hier „gemütlich" machte, mit einem eher weniger sinnvollem Buch und nichts tat. Auch jetzt, wo sie immerhin schon fast vollkommen genesen war, konnte sie dennoch nichts unternehmen um ihren Freunden zu helfen. Insgeheim schämte sie sich dafür.
Severus Snape apparierte wutentbrannt zurück in das geheime Versteck. Nach seinem Gespräch mit Dumbledore hatte er nun wirklich keine Lust auf eine Auseinandersetzung mit dieser Göre in seinem Wohnzimmer. Nachdem er sich ein paar Tage Auszeit gegönnt hatte, hatte ihn die Realität mit voller Wucht eingeholt, in Form von Dumbledores Patronus. Der alte Mann hatte doch tatsächlich einen Auftrag für sie beide. Am besten konnte er alleine arbeiten, doch Dumbledore hatte ihm ausdrücklich befohlen sie mitzunehmen. Als er sich in der Hütte umsah, fiel sein Blick auf Hermine, die in ihrem Bett lag und ihn mit großen Augen verblüfft anschaute. Snape ging entschlossen auf sie zu und zog ihr energisch die Decke weg. „Es wartet Arbeit auf uns. Das Faulenzen und bedient werden ist jetzt vorbei", sagte er gehässig. Hermine wollte schon protestieren, von wegen bedient werden, jedoch schluckte sie ihre bissige Bemerkung lieber hinunter. Wenn es wirklich etwas zu tun gab, wollte sie wirklich nicht hier liegen bleiben. „Was sollen wir tun?", fragte sie zittrig, da sie weder an die Kälte außerhalb der Decke, noch an das Sprechen gewöhnt war. „Dumbledore hat einen Auftrag, den wir erfüllen müssen", sagte er gepresst, als ob ihn der Gedanke daran wütend machte. Schnell streifte Hermine sich einen dritten Pullover über und schaute Snape erwartungsvoll an.
Doch dieser drehte sich um und rauschte in sein Schlafzimmer. Hermine blieb enttäuscht zurück. Sie hätte sich eigentlich denken können, dass er sie weder einweihen noch sonst irgendwie miteinbeziehen würde.
Als sie schon zum Bett zurückkehren wollte, um wenigstens nicht in dieser Kälte zu stehen, kam er zu ihrer Überraschung wieder. Sofort sah sie allerdings, dass es kein Respekt war, der ihn dazu gebracht hatte, sie nicht einfach so stehen zu lassen. Was für eine dumme Idee überhaupt. Snape sie respektieren? Nein er war zurückgekommen, mit dem Buch, wegen dem er ihr schon vor Tagen Vorhaltungen gemacht hatte, weil sie gewagt hatte es zu lesen. Hermine verschränkte die Arme und machte sich für ein Donnerwetter der feinsten Sorte bereit.
Doch Snape setzte nicht zum Schreien an, er erhob noch nicht einmal die Stimme. Stadtessen schlug er das Buch auf und ging augenscheinlich das Inhaltsverzeichnis durch. Hermine konnte nicht anders, sie stasrte ihn ungläubig an. Dass er so unerwartet ruhig geblieben war, brachte Hermine völlig aus dem Konzept. Sie hatte geglaubt, dass er keine Schikane auslassen würde, um sie dafür zu bestrafen, was geschehen war, was auch immer es auch gewesen war. Als ihr ehemaliger Lehrer auch noch einen ihr sehr bekannt vorkommenden Befehlston anschlug, musste sie sich erst einmal setzten. „Sie werden in diesem Buch Kapitel zwei, drei, fünf und sechzehn studieren. Kapitel vierzehn kennen sie meines Wissens nach bereits", sagte er und blitzte sie während der letzten Worte böse an. Dann legte er das Buch auf den Tisch und ging hinüber zu einem der Bücherregale. Hermine war immer noch total perplex. War das gerade die Bestrafung für ihr „ Fehl verhalten" gewesen? Dieser eine kurze böse Blick? In der Hoffnung einer Schimpftirade entgangen zu sein, nahm sie beherzt das Buch zu Hand und begann die einzelnen Kapitel in sich aufzusaugen. Immer wieder legte Snape ihr ein neues Buch hin, mit Notizen, welche Kapitel sie zu lesen hatte. Voller Freude, endlich etwas zu tun zu haben, nahm Hermine jedes Buch eifrig an. Als Snape zufrieden seine Auswahl beendet hatte, schaute er seufzend auf den Stapel Bücher, der Hermine fast vor seinen Augen verdeckte. Dumbledore hatte Recht, wenn sie all diese Kapitel gelesen hatte und er einige Tage Arbeit in dieses Mädchen investierte, würde sie wenigstens keine unmittelbare Belastung werden. Erstaunt nahm Severus Snape zur Kenntnis, dass Hermine schon einige der Bücher zu den Gelesenen gelegt hatte. Er grinste gehässig, ein bisschen Ansporn musste sein. „ Ich erwarte, dass sie die Theorie aller Kapitel die ich ihnen aufgeführt habe bis morgen beherrschen. Es wäre doch schade, wenn sie nicht in der Lage wären. ihren neuen Zauberstab auszuprobieren."
Ruckartig schaute Hermine auf. „Einen neuen Zauberstab?" Ihr alter Zauberstab war im Gefecht nach der Hochzeit zerbrochen. Seitdem hatte sie sich komplett schutzlos gefühlt. Hatte er wirklich einen neuen Zauberstab für sie? Aber woher? Olivander war doch verschwunden.
Snape drehte sich auf dem Absatz um und ging zurück in sein Zimmer, während Hermine ihm irritiert nachsah. Dann raffte sie sich auf. Um alles zu lesen würde sie normalerweise zwei Tage brauchen. Aber sie war entschlossen heute Nacht noch fertig zu werden.
Die meisten Bücher waren über Heilzauber und Heiltränke. Einige waren jedoch auch über Metamorphologie und Animagie. Hermine zerbrach sich während dem Lesen gründlich den Kopf darüber, was Snape und Dumbledore wohl ausgeheckt hatten.

Am nächsten Morgen erwachte Snape von einem bohrendem Gefühl im Magen. Schon seit fast zwei Tagen hatte er nichts mehr gegessen. Er würde jedoch Kraft brauchen und Hermine auch. Hermine, Hermine, warum dachte er am frühen Morgen schon an sie? Das verdarb irgendwie die Laune und er stand grummelnd auf um eine kalte Dusche zu nehmen. Eine Eiskalte wenn es ging.
Als er aus dem Bad kam und ins Wohnzimmer trat, sah er Hermine, zu seinem Erstaunen komplett bekleidet auf dem Sofa liegen. Sie schlief und nach ihrer Büchersortierung zu schließen, hatte sie tatsächlich alle Bücher durch bekommen. Ehrlich beeindruckt betrachtete er Hermine. Irgendetwas an ihr hatte sich verändert und er wusste nicht warum es ihm erst jetzt auffiel, doch Hermine war kein Kind mehr. Ihr Gesicht, das so ebenmäßig, so ruhig im Schlaf wirkte, war nicht mehr das eines Mädchens , sondern viel eher das einer jungen Frau. Einer sehr schönen, jungen Frau dachte Snape, doch sogleich verbannte er diesen Gedanken wieder. Wie kam er auf solche Hirngespinste? Hermine war immerhin seine Schülerin und überhaupt, was hatte er heute nur für einen Blödsinn im Kopf? Ungehalten machte er sich in der Küche zu schaffen, was unweigerlich bewirkte, dass Hermine unsanft aus ihrem Schlaf gerissen wurde. Noch etwas benommen nahm sie wahr, dass Snape in der Küche stand und verdrossen vor sich hin hantierte. Fasziniert beobachtete sie, wie ihr ehemaliger Lehrer ein großzügiges Frühstück zubereitete. Zwar mit Magie, wodurch es nicht allzu außergewöhnlich wirkte, doch Hermine hätte sich nie träumen lassen, dass sie Snape jemals so sehen würde. Sie fühlte sich sogar etwas merkwürdig, wie ein ungebetener Zuschauer.
Nach und nach schwebte alles, was Snape anrichtete auf den Tisch und als alles gelandet zu sein schien, winkte er Hermine mürrisch heran.
Wieder einmal hatte Hermine das Gefühl, sich diesen Mann einfach nicht erklären zu können. Zwar hatte sie wohl einiges von ihm gesehen, wahrscheinlich wusste sie sogar mehr über ihn als jeder andere lebende Mensch, doch konnte sie sich einfach keinen Reim auf all das machen.
Dieses Essen war eindeutig liebevoll hergerichtet und doch tat er so als würde es ihn anwidern es herzustellen.

Nach dem sehr schweigsamen Essen holte Snape eine kleine Schachtel hervor und überreichte sie Hermine. Diese öffnete sie mit erwartungsvoll zitternden Händen. Darin lag ein Zauberstab von mittlerer Länge. Er war schlank und aus sehr hellem Holz. Gespannt nahm sie den Zauberstab aus dem Kästchen und fühlte fast augenblicklich, dass dieser sie annahm. Freude durchfloss sie und bevor sie wusste was sie tat, sprang sie auf und umarmte Snape, der gerade neben sie getreten war. Stocksteif , fast wie gelähmt, stand dieser da. Sofort ließ Hermine ihn wieder los: „Es tut mir leid Professor! Ich war nur so überwältigt", sagte sie zerknirscht und trat ein paar Schritte zurück. Snape ignorierte das Geschehene und ging direkt zum nächsten Tagesordnungspunkt über. „ Wie sie hoffentlich bereits gemerkt haben, ging es mir bei ihrer Lektüre vor allem um das Heilen und die Veränderung und Verwandlung des menschlichen Körpers." Hermine nickte eifrig, kam jedoch nicht zu Wort, da Snape sofort weiter redete. „Heute werden wir einige Zauber der Metamorphose anwenden. Sie an mir und ich an ihnen um die Theorie zu praktizieren." Es war Snape zwar keineswegs geheuer sie an seinem Äußeren herumexperimentieren zu lassen, doch konnten so schnellere und bessere Resultate erzielt werden. Hermine nickte ernst. „Professor", sagte Hermine jetzt doch noch schnell dazwischen. „In „Metamorphus/Magische Gene", stand eindeutig, dass nur Menschen mit Veranlagung diese Zauber dauerhaft und präzise wirken können. Bei uns würden sie nicht länger als ein paar Stunden halten, wenn sie überhaupt zustande kommen!" „Einige Stunden sollten uns vorerst reichen Miss Granger, es ist nicht nötig unser Erscheinungsbild länger zu verändern. VORERST."