Hermine räusperte sich nervös. Sie wusste, würde sie etwas falsch machen, würde er sie wahrscheinlich eigenhändig umbringen. Doch noch war sie nicht an der Reihe. Angestrengt versuchte sie, sich jeden einzelnen Zauber, den Snape vollführte, genau so einzuprägen und zu verinnerlichen.
Sie spürte, wie ein warmer Windhauch mal über ihr Gesicht, mal über ihren Kopf und mal über ihren ganzen Körper floss.
Konzentriert betrachtete Snape Hermine. Um das Äußere eines Menschen glaubhaft zu verändern, musste man nach und nach alle Details des Gesichtes und des Körpers so lange umgestalten, bis die Person nicht mehr zu erkennen war.
Hermine hatte bereits hellbraune, glatte Haare, etwas verkleinerte, dunkelgrüne Augen und einen sehr schmalen blassen Mund. Es machte ihm kein Vergnügen Hermine so zu verunstalten, vor allem, weil ihm dadurch noch stärker vor Augen geführt wurde, wie hübsch sie wirklich war.
Die Frau, die nun vor ihm saß, hatte kaum noch Ähnlichkeit mit der Hermine, die eben noch auf dem Stuhl ihm gegenüber gesessen hatte.
Zum Zeichen, dass er fertig war nickte er kurz und Hermine ging ins Bad um sich zu begutachten. Die Aufgabe war klar, sie sollte ihn so verändern, dass er wie ihr Bruder wirkte. Dadurch wollte er ein allzu experimentelles Abschweifen von Hermine verhindern.
Als sich Hermine in dem kleinen Spiegel betrachtete, sah sie einem ihr vollkommen unbekannten Menschen entgegen. Und obwohl sie ihre Gesichtszüge noch einigermaßen darunter erkennen konnte, fühlte sie sich sehr merkwürdig.
Die Einzelheiten, die er verändert hatte, versuchte sie kurz nachzuvollziehen, dann ging sie wieder zu ihm ins Wohnzimmer. Snape sah müde aus, dazu musste sie ihn nicht einmal eingehender betrachten. Was hatte er nur in den letzten Tagen gemacht? Ohne es zu wollen, machte sie sich Sorgen um ihren ehemaligen Zaubertränkelehrer. Doch all diese Gedanken wischte sie nun weg. Sie musste sich konzentrieren und zwar sehr. Es zu vermasseln durfte sie gar nicht erst in Erwägung ziehen. Auch wenn es nicht Snape wäre, den sie hier verwandelte, wäre sie mit einem schlechten Ergebnis nicht zufrieden. Sie betrachtete ihn. Als erstes nahm sie sich seine Haare vor, die waren am leichtesten.
Leise murmelte sie den Zauber, den auch Snape verwendet hatte und kurze Zeit später hatten sie seinen Haare eine annähernd ähnliche Farbe verliehen, wie ihren. Aus Spaß verkürzte sie seine Haare dabei ein wenig. Nun der Mund, auch ihn bewältigte sie ganz passabel. Die Augen stellten sich als eine echte Herausforderung heraus. Mindestens eine Viertelstunde, in der Snape mindestens zehn mal fast die Nerven verlor, brauchte sie um seine Augen so zu verändern, dass sie ihren ähnelten. Dazu kam, das Hermine, bis Snape irgendwann einen Handspiegel heraufbeschwor, andauernd ins Bad rennen musste, weil sie andauernd vergaß, wie die Augen aussehen sollten. Nicht zuletzt, weil sie seine Augen, so intensiv, dunkel, faszinierend und tiefschwarz wie sie waren, irgendwie irritierten, nervös machten und sie stark ablenkten. Seine Nase hingegen fiel ihr wieder leicht.
Als sie zufrieden den Zauberstab sinken ließ und ihm den Spiegel reichte, sah sie Snape gespannt an. Wäre sie ihm so auf der Straße begegnet, hätte sie ihn auf keinen Fall erkannt. Dadurch, dass er wegen der Maskerade so harmlos aussah, wurde Hermine bewusst, wie bedrohlich Snapes Äußeres allein schon wirkte. Diese Erkenntnis ließ sie ihn aus einem anderen Blickwinkel betrachten. Snape war nicht einfach nur Snape, eine dunkle, zwielichtige Gestalt. Er war ein interessanter Mann, so geheimnisvoll und unergründlich wie die Magie selbst.

Severus Snape ließ den Spiegel sinken. Hermine hatte ihn überraschend gut verändert. Obwohl er natürlich wusste, dass sie eine sehr ehrgeizige und außergewöhnlich gute Schülerin war, hatte er nicht so gute Resultate erwartet. „Ich akzeptiere ihr Ergebnis ", sagte er schlicht ,ohne sich sein Erstaunen anmerken zu lassen. Er war jetzt wirklich nicht in der Stimmung irgendjemanden zu loben. Hermine sah enttäuscht aus, er wusste, dass sie mehr erwartet hatte. Doch die Genugtuung blieb aus irgendeinem Grund aus. Wegen dieser Tatsache etwas verstimmt, ging er zum nächsten Schritt über. Das Verändern der Körpergröße. Dies war ein etwas schwierigeres Unterfangen, aber sehr effektiv.
Einige Stunden übten sie sich in allen möglichen Metamorph-Magischen Zaubern, bis Hermine total erschöpft auf das Sofa sank. Snape, dem es angefangen hatte Spaß zu machen, war etwas überrascht, dass Hermine plötzlich so überfordert war. Sie hielt sich die rechte Seite, ihr Gesicht war schmerzverzerrt. „Miss Granger?", fragte er, doch Hermine schüttelte nur den Kopf und biss die Zähne zusammen.
Besorgt runzelte Snape die Stirn. Hermine keuchte und presste zwischen den Zähnen hervor: „ Es ist ihr Trank, Professor. Er schwächt mich." Snape nickte nur, es war genug für heute. Immerhin hatten sie eine Menge erreicht. Mehr als er zu hoffen gewagt hatte. Wenn es so weiterging konnten sie schon bald ihren Auftrag durchführen.

Hermine ließ sich zurück sinken. Die Schmerzen ließen langsam etwas nach. Erleichtert sah sie zu Snape auf, der immer noch vor ihr stand und sie betrachtete. Er ließ sich neben sie nieder, streckt die Beine aus und fing, zu Hermines Erstaunen, an zu grinsen. Auf seinem veränderten Gesicht sah es gar nicht so furchteinflößend aus, fand Hermine. Er schien zufrieden mit ihr zu sein und er grinste sogar. Wenn das mal kein Lob war! Hermine versuchte seine gute Stimmung für sich zu nutzen und fragte so vorsichtig wie möglich: „ Sir, könnte ich duschen? Das habe ich seit Tagen nicht! Und ich bräuchte etwas frische Kleidung. Ich kann das hier nicht mehr sehen!" sagte sie und deutete auf ihr zerschlissenes Kleid. Snape nickte nur knapp und Hermine eilte zum Bad, welches sie bis jetzt nicht hatte betreten dürfen, da es hinter Snapes Schlafzimmer lag. Unter der Dusche war es herrlich und sie verfluchte sich dafür, dass sie sich zuvor nicht getraut hatte ihn zu fragen. Wie immer wenn sie sich wohl fühlte und alleine war, begann sie komplizierte, aber starke Zaubertrankzutaten für verschiedenste Tränke zu rezitieren. Seit einem halben Jahr tat sie dies schon, um die schwierigen Heiltränke nicht zu vergessen, die sie auswendig gelernt hatte, in der Hoffnung sie im Notfall verwenden zu können.

Snape überlegte kurz, dann beschwor er ein paar Kleidungsstücke für Hermine herauf, und hoffte, dass sie ihr passen würden. Dann ging er zum Bad hinüber und klopfte an die Tür. Nach einem kurzen Laut Hermines trat er ein. Vor Schreck fielen ihm die Kleidungsstücke aus der Hand und er starrte Hermine an, die gerade aus der Dusche kam und ihn, Selbstgespräche führend, nicht bemerkt hatte. Er wusste, er sollte jetzt schleunigst verschwinden, doch seine Augen hingen an dem jungen, wohlgeformten Körper. Den nassen Haaren, die ihr am Nacken klebten, den kleinen, spitzen Brüsten, deren Knospen , ihrem flachen Bauch. Sein Blick glitt immer weiter hinunter und er musste heftig schlucken. Sie war so wunderschön! Hermine schaute auf und ihr Gebrabbel verstummte. Ihre Augen trafen sich. Snape hob eine Hand, in der er, zu seinem Entsetzen, noch einen Schlüpfer hielt und krächzte:"Kleidung!" Zu mehr war er nicht in der Lage. Hermine schnappte sich nach dem ersten Schrecken schnell ein Handtuch und schlang es eilig um sich. Snape ergriff die Flucht.
Eindeutig, sie war zu einer Frau geworden und zu was für einer! Er verfluchte sich gleichzeitig dafür. Sie war seine Schutzbefohlene. Was hatte er nur getan?

Als Hermine , nun mit den frischen Kleidern wieder in den Wohnraum trat, herrschte ein peinliches Schweigen. Snape wagte es nicht sie anzusehen. Hermine versuchte die peinliche Stimmung zu durchbrechen. "Vielen Dank Sir, für die Kleidung. Sie ist wirklich nett." Snape musterte sie kurz, jedoch ohne ihr dabei in die Augen zu schauen. Die Sachen passten ihr gut und es war ihm wirklich angenehmer wenn sie angezogen war. Trotzdem brauchte er jetzt etwas Zeit für sich, weshalb er in sein Zimmer ging.
Aber er fand einfach keine Ruhe. Immer wieder stieg ihr Bild vor seinem inneren Auge herauf. Nackt und bildschön. Seine Männlichkeit regte sich stark. Krampfhaft versuchte er sich auf etwas anderes zu konzentrieren, doch er schaffte es einfach nicht.

Hermine war unterdessen, so erschöpft wie sie war, in ihr Bett gekrochen und fast sofort eingeschlafen. Kurz bevor ihr die Augen zufielen, sah sie wieder seinen faszinierten Blick auf sich gerichtet. Widerwillig gestand sie sich ein, dass es ihr gefiel, wie er sie angesehen hatte.

Mitten in der Nacht wurde Hermine von einem eigenartigen Geräusch geweckt. Es klang wie das Kratzen einer Eule. Verwundert setzte sie sich im Bett auf. Sie bekamen hier keine Eulen! Keiner wusste dass sie hier waren! Niemand wusste überhaupt, dass sie noch lebten! Angst packte Hermines Herz und begann ihren Magen unangenehm zu schütteln. Angespannt griff sie nach ihrem Zauberstab; wie froh sie war ihn zu haben! Ängstlich lief sie durch die Dunkelheit zu Snapes Zimmer und schlich zu seinem Bett. Eine Hand legte sich ihr von hinten auf den Mund. Hermine versuchte zu schreien, doch die Hand presste sich noch fester auf ihren Mund. Leise flüsterte Snape ihr ins Ohr: „ Sei still, es ist jemand im Haus!" Hermines Augen weiteten sich vor Angst, doch war sie froh, dass es Snape war, der sie gepackt hatte und nicht der unerwünschte Eindringling. Er ließ sie los und spähte in den dunklen Wohnraum. Eine leise, schnarrende Stimme kam aus der Dunkelheit. „Habe ich euch endlich gefunden! Ich wusste doch, dass unser guter, alter Mc Nair Recht behält. Sie sind hier, eindeutig, und sie sind am Leben!"

„Lucius", keuchte Snape entgeistert.