Ich wachte bereits um halb sieben Uhr auf, was hier in Louisiana noch fast Nachmittag bedeutete und deshalb die Sonne noch genauso schien wie um 12 Uhr.

Gedanken schwirrten mir durch den Kopf. Erinnerungen, die ich mit Eric und Pam hatte, Erinnerungen von davor.

Da ich noch Zeit hatte, stand ich doch früher auf. Pam hatte mir vor kurzem ein kleines Kofferset geschenkt, das jetzt seine erste Verwendung fand.

Ich stopfte rein, was rein ging und stellte alles an die Eingangstür. Da saß ich nun und wartete, dass die Sonne endlich unterging.

„Dana? Was zum... Nein, nein, nein." Eric stand vor mir und hatte mich soeben aufgeweckt.

„Süßer, du bist nicht der einzige Sturkopf hier. Du glaubst doch nicht ernsthaft, dass ich hier in diesem elenden Kaff sitzen bleibe, wenn du nach Dallas gehst." Er war sichtlich genervt, doch nahm resignierend sein Telefon aus der Hosentasche und begann einen zweiten Transportsarg zu organisieren.

„Schätzchen, dass habe ich in meinen über hundert Jahren mit Eric noch nie erlebt. Du hast ihn besser in der Hand als er dich." Pam zwinkerte mir zu, doch Eric unterbrach sein Telefonat,nur um uns darauf hinzuweisen, er würde sehr gut hören, was wir sagen.

Zwei Stunden später saßen wir alle zusammen in einem Auto zum Flughafen. Die Bar hatte heute geschlossen und Pam wollte uns wenigstens noch verabschieden. Ginger, eine Kellnerin aus dem Fangtasia, war ebenfalls mitgekommen, doch war wie immer etwas abwesend.

„Mensch, Leute... Wie oft kann ein Mensch bezirzt werden, bevor er wahnsinnig wird?" Alle mussten lachen, denn ich hatte Recht.

„Also, Pam. Viel Glück mit der Bar und... Wir sehen uns." Sie und ich waren scheinbar die einzigen Personen, die ihm wirklich etwas bedeuteten; er gab ihr, wie mir am Vorabend, einen leichten Kuss auf die Stirn, bevor wir in das Flugzeug stiegen.

„Es ist noch eine Weile, bis der Tag hereinbricht. Wir haben Zeit, uns in die Särge zu verkriechen. Abgesehen davon bekommt selbst ein Vampir in den Dingern Platzangst."

Bei Tagesanbruch verschwanden wir dann in den, wirklich sehr engen Plastiksärgen.

Es war früher Abend und die Sonne war gerade verschwunden, als wir wieder herauskamen.

„Willkommen in Texas meine Liebe." Eric grinste mich triumphierend an, nachdem er sich meinen Kampf mit der Plastikbox mit angesehen hatte. Ein Knurren entwich mir, als er mich so sarkastisch anblickte.

„Guten Abend, Sir. Steigen Sie doch bitte ein." Ein Chauffeur begrüßte uns und öffnete die Tür einer schwarzen Stretchlimousine.

„Ladies first." Also stieg ich in das Auto und war sofort überwältigt. „Wäre ich noch ein Mensch, würde ich mich an diesen Früchten satt essen. Bin ich aber nicht, also werde ich mich mit diesem Fernseher begnügen." Auf der Rückseite beider Kopfstützen waren kleine Monitoren angebracht.

„Das lohnt sich kaum. Die Fahrt dauert zehn Minuten."

Eric hatte definitiv die Geschwindigkeit des Fahrers überschätzt, wir kamen eine volle halbe Stunde später an als gedacht.

„Eric. Ich muss mal schnell mit dir reden." Kaum im Hotel angekommen, stürzte Bill gleich auf uns zu.

„Dana! Hey, du bist auch mitgekommen!" Jessica, ebenfalls ein recht junger Vampir, rannte auf mich zu und sprang mich regelrecht an.

„Hey, Süße. Naja, bei Eric braucht man eine gute Überzeugungskraft. Ich bin doch lange genug bei ihm, ich bin kein kleines Kind mehr." Jess grinste mich an. Sie hatte mich als eine Art Anker betrachtet, immerhin war ich selbst im Alter von zarten 16 verwandelt worden, war aber alles in allem älter als sie und so stellte sie mir die eine oder andere Frage.

„Sobald Bill Eric wieder freilässt muss ich endlich in mein Zimmer. Aber solange... Sag mal, ich hab Hunger. Meine letzte Mahlzeit war ein Junge, der dabei gestöhnt hat, als würde ich es mit ihm treiben und noch dazu wurden wir unterbrochen." Jessica hörte nicht auf, zu kichern bei meiner Ausdrucksweise und so entschuldigte ich mich bei ihr uns stand auf, um mir jemanden zu suchen. „Hm, entschuldigen Sie. Ich suche..." An der Rezeption hoffte ich auf etwas Information, da fiel mir eine Art Speisekarte auf. „Ja, Miss? Suchen Sie etwas bestimmtes?"

„Gibt es hier auch was andres zu essen, als Tru Blood?" Fragte ich die Frau hinter dem Tresen. „Natürlich, Miss. Was für eine Blutgruppe wünschen Sie?" Leider konnte ich nicht antworten, denn Eric stand neben mir.

„Ich habe zwei Einzelzimmer reserviert. Eric Northman." Während die Frau nach der Reservierung suchte, drehte er sich zu mir. „Hast du das Tru Blood gestern nicht getrunken?" Grinste er mich an.

Ohne ihn anzusehen lachte ich nur und hoffte darauf, er würde die unterschwellige Botschaft verstehen.

„Ah, hier. Zimmer 378 und 379. Den Gang entlang rechts sind die Fahrstühle, ihr Gepäck müsste bereits oben auf sie warten." Sie lächelte ein falsches Lächeln mit dem sie uns davongehen sah.

„Na, gefällt dir das Zimmer?" Eric stand in der Tür, nachdem er mir einige Zeit gegeben hatte, erst einmal anzukommen.

„Soll das ein Witz sein? Ich bin noch nicht mal überall gewesen." Er lachte laut auf und schloss die Tür. „Ich weiß, dass du dich für dein Alter ganz gut benehmen kannst, aber eine Reaktion wie gestern im Fangtasia auf den Menschen, den du bedroht hast, wird hier nicht geduldet. Der Sheriff hat sich deutlich gegen Gewalt gegen Menschen ausgesprochen. Nicht dass ich ihn verstehe, aber ich bitte dich, dich daran zu halten." Zwar nickte ich zustimmend, doch kam ich mir vor wie ein bevormundetes Kleinkind.

Um das Zimmer, und vor allem das Bad einzuweihen, stieg ich erst einmal unter die Dusche und genoss das warme Wasser auf meiner kalten Haut. Es fühlte sich dann für einen winzigen Augenblick an, als wäre ich selbst warm.

Danach suchte ich mir Klamotten aus einem der Koffer und zog mich an, die Reiseklamotten konnte ich unmöglich länger tragen als nötig.

Sobald ich fertig war, suchte ich die Fahrstühle wieder und fuhr wieder zur Lobby. „Hey, da du mir gerade vorhin ja das Abendessen versaut hast, wie wäre es mit Essen außerhalb? Hier rennen doch sicher massenhaft Freiwillige rum." Fragte ich Eric, der ,noch immer in den Reiseklamotten, in der Lobby stand. Leider lehnte er ab, doch erlaubte mir, den Zimmerservice in Anspruch zu nehmen.

„Hey Eric, wer ist denn das süße Ding?" Fragte eine Frau, die gerade mit einem Sektglas gefüllt mit Tru Blood oder sogar echtem Blut auf uns zu lief. „Isabel, das ist Dana. Naja, sie ist mein Abkömmling." Die Frau sah ihn mit anerkennendem Blick an. „Eric, du bist fleißig. Zwei Abkömmlinge in zwei Jahrhunderten. Das schafft nicht jeder."