Ich wachte auf, als sich die automatischen Jalousien am nächsten Abend nach Sonnenuntergang öffneten. Godric hatte einen Arm um mich gelegt und fuhr mit einer zarten Berührung meinen Rücken auf und ab.

„Guten Abend..." Begrüßte ich ihn und streckte mich, um ihm einen Kuss zu geben. Es übermannte mich und ich gab ihm noch einen Kuss und noch einen, bis wir wieder voll dabei waren, miteinander zu knutschen.

Nur durch Zufall fiel mein Blick auf den Wecker auf dem Nachttischen. „Mist... Eric hat gemeint, ich soll um acht Uhr fix und fertig unten in der Lobby stehen." Godric wurde wohl schlagartig klar, was ich meinte als er auf die Uhr sah und bemerkte, dass es bereits halb acht war.

„Wie kommt er nur auf die Idee, so früh schon zurück zu wollen? Geht um zehn Uhr oder noch später etwa kein Flieger?" Regte ich mich auf, während ich durch das Zimmer huschte, mir Klamotten zum Anziehen raus suchte und den Rest so gut es ging in die Koffer stopfte.

Während ich so gestresst durch das Zimmer(oder eher die Wohnung, so groß wie das war) flitzte, zog sich auch Godric wieder an, offensichtlich wollte er mir wenigstens noch Tschüss sagen, bis wir uns bis auf unbestimmte Zeit verabschieden mussten.

„Soll ich dir nicht lieber was abnehmen?" Fragte er, während er mir grinsend dabei zuschaute, wie ich verzweifelt versucht, alles auf einmal zu tragen.

„Wäre nett, ja." Meinte ich mit säuerlicher, sarkastischer Stimme. Godric schaffte es natürlich problemlos den Großteil meines Gepäcks alleine zu tragen, sodass mir kaum noch etwas blieb.

In der Lobby wartete Eric schon ungeduldig und fing zu lachen an, als er uns auf sich zu laufen sah. „Hattest du echt so viel Zeug dabei? Was hast du denn mit so viel Klamotten gemacht?" Meinte er. Immer noch lachend begaben wir uns auf den Parkplatz, wo die Limousine wieder wartete. „Ich komme noch bis zum Flughafen mit." Einen Arm um mich gelegt stiegen wir in das Auto, gefolgt von Eric.

Die leider sehr kurze Fahrt verbrachte ich angelehnt an Godric und all meine Konzentration darauf verwendend, nicht so zu heulen.

Das Flugzeug erwartete uns bereits und ich hatte mich fest dazu entschlossen, die Verabschiedung so kurz wie nur möglich zu halten, weshalb ich ihm eine Umarmung schenkte und nach einem schnellen Kuss lief ich die Treppen hoch ins Flugzeug.

„Alles okay? Ich meine, du..." Eric setzte sich neben mich und sah mich eindringlich an. „Die Frage ist nicht ernst gemeint, oder? Natürlich, es geht mir hervorragend." Mein Innerstes wollte die Tränen nur so fließen lassen, doch ich wollte zum Einen die Flugzeugsitze und meine Klamotten nicht vollbluten und außerdem wusste ich, wie Eric reagierte, wenn jemand Gefühle zeigte.

Zum Glück schien er es verstanden zu haben und stand auf. Nachdem ich wohl kurz eingenickt war, stand eine Flasche Tru Blood neben mir.

Erst da fiel mir ein, dass ich schon viel zu lange nichts getrunken hatte, also würgte ich das Zeug runter und gab dem noch ein lang gezogenes „Bääh!" hinterher.

Es dauerte nicht mehr lange, bis wir dann doch sogar ankamen. „Guten Morgen, Schlafmütze." Die Blutspuren an Erics Ohren verrieten mir, dass er wohl schon länger wach war.

„Den restlichen Tag müssen wir wohl hier verbringen. Unsere Ankunft war für viel früher geplant, aber es gab wohl Probleme in der Luft."

Zwei Flughafenmitarbeiter zeigten uns einen kleinen Raum, wo zwei Särge auf uns warteten. „Na dann. Bis heute Abend." Die Dinger waren selbst unbequemer als Reisesärge, was mein Einschlafen natürlich nur fördern konnte. Meine Gedanken kreisten um Dallas und was dort in so kurzer Zeit alles passiert war.

Der Sonnenuntergang ließ mich meine Augen wieder öffnen. Vor dem Flughafen warteten Pam und Chow mit einem Auto. „Eric! Endlich!" Pam war überglücklich, unseren gemeinsamen Macher zu sehen, wonach dann ich drankam.

Die Fahrt ins Fangtasia kam mir endlos vor und die Bar war mir unbekannt geworden. Ich fühlte mich hier nicht mehr wie zu Hause, es war einfach zu viel passiert.

Da die Bar wie erwartet geschlossen hatte, zog ich mich in mein Zimmer zurück und suchte mir einen Film aus, um mich wenigstens ein wenig abzulenken.

Erst als der Abspann mit lauter Musik einsetzte, bemerkte ich, dass der Plan wohl gescheitert war, denn ich hatte rein gar nichts mitbekommen. 'Toller Plan.' Dachte ich und ließ mich in die weichen Kissen des Sofas fallen, auf dem ich saß.

„Hey, haben wir Tru Blood da? Du weißt ja, 0 negativ." Fragte ich Ginger, die trotz ihres eigentlich freien Tags hinter der Bar auf einem Hocker saß.

„Natürlich meine Liebe. Einen kleinen Moment, ja?" Wüsste ich nicht, dass der Großteils ihres Charakters herbei bezirzt war, fände ich sie echt nett. Ginger war bei unwillkommenen Gästen besser als jede Alarmanlage, da sie bei Fremden sehr leicht einen Schreianfall bekam.

Kaum kam die Flasche aus der Mikrowelle kippte ich den Inhalt runter. „Mist, wenn wir geschlossen haben. Nur hier kann man sich halbwegs sicher sein, keinem Fanatiker über den weg zu laufen und von denen habe ich echt die Schnauze voll. Spätestens nachdem das halbe Nest in Dallas von denen in die Luft gesprengt wurde." Noch ein Talent der Blondine: zuhören. Sorgen waren bei ihr besser aufgehoben als in einem Tagebuch, dafür war bereits mehrmals gesorgt worden.

„Ginger, wo auch immer die beiden sind, wenn Eric und Pam zurückkommen, würdest du ihnen bitte sagen, dass ich weg bin? Ich kann nicht die ganze Nacht hier verbringen, das habe ich schon zu viele Male gemacht und ich sterbe hier noch den wahren Tod vor Langeweile."

Leider kannte ich kaum einen Club in der Nähe, da ich in einem wohnte war ich die darauf angewiesen, woanders hin zu gehen.

Nach einem Herumirren fand ich tatsächlich etwas vielversprechendes. Der Club war so gut wie leer und außerdem ziemlich heruntergekommen - und ich wunderte mich ständig, dass das Fangtasia von Leuten geradezu überrannt wurde. „Ein herunter gekommener Laden, nicht wahr?" Da stand plötzlich ein Typ neben mir, bestimmt Mitte bis Ende Zwanzig und sah mich mit einem ekelhaft begehrenden Blick an.

„Hm, ich finde die Atmosphäre eigentlich echt... Beruhigend." Ich grinste ihn mit einem bösen Blick an. „Natürlich... Die abbröckelnden Wände und die feuchten Tapeten sind wunderschön." Er sah mich an, als hätte ich soeben den Verstand verloren.

„Lass uns woanders hingehen." Mein Gesichtsausdruck veränderte sich und ich sah ihn gespielt unschuldig an.

Wenige Minuten später stand ich im Hinterhof der Bar und hatte meine Fangzähne in den Hals des Mannes gegraben; wie sehr ich das doch vermisst hatte...

Als ich fertig war, ging ich zurück ins Fangtasia, wo ich mich dann doch für die letzten zwei Stunden dieser Nacht langweilte, während Eric noch immer damit beschäftigt war, Pam von Dallas zu erzählen.

„Dana, willst du ihr von Godric erzählen?" Er sah mich grinsend an, während Pam nur dasaß und eine Augenbraue hochzog. „Godric? Das nächste Mal komm ich aber mit, ich bin hier gesessen und hab die Bar geschmissen. Also, was ist passiert?" Sie stand auf und setzte sich mit neugierigem Blick mir gegenüber. Es passte so gar nicht zu Pam, so zu reagieren.

„Na bitte. Ich habe Godric sozusagen davor bewahrt, Selbstmord zu begehen und sich in die Morgensonne Texas' zu stellen. Naja, daraufhin hat sich was entwickelt." Ich funkelte Eric böse an, dafür, dass er mir gerade diesen teil überlassen hatte; er wusste, wie sehr ich mich im Reden manchmal schwertat.

„Du und Godric, ja? Sozusagen dein Vampiropa, streng genommen..." Meinte sie mich bewusst provozierend. „Bitte sprich es nicht aus. Es reicht mir, wenn ich das Gefühl habe, vor ihm auf die Knie zu fallen, anstatt ihn zu küssen, Schwesterherz." Das letzte Wort betonte ich besonders und sah ein weiteres Mal dabei zu, die Eric sich bei dem Wort „küssen" versteifte, als hätte ich ihm gerade persönlich eine reingehauen.

„Was zur HÖLLE ist mit dir los?" Fragte ich gereizt und verschwand in den Hinterraum, den ich mein Zimmer nannte.