Sobald die Sonne verschwunden war, wachte ich auf. Kaum mehr als einen Bruchteil einer Sekunde glaubte ich, ich hätte geträumt, so oft es auch noch passieren sollte, ich würde es wohl immer für unwahr halten. Doch kaum spürte ich, wie sich Godric zu bewegen begann und seine Hände sanft über meinen Rücken strichen und dabei eine Gänsehaut verursachten, war die Befürchtung wie weggeblasen.
„Guten Abend, Dana." Meinte er ohne die Augen zu öffnen oder mit dem Streichen über meinen Rücken aufzuhören. „Guten Abend, Godric." Antwortete ich und und küsste ihn sanft auf den Mund. „An so ein Aufwachen könnte ich mich gewöhnen." Sagte er leicht lächelnd und öffnete nun auch seine Augen. Dieses Grün-Blau seiner Augen war einfach überwältigend.
Wir brauchten bestimmt eine Stunde, um uns endlich vom Sofa zu bequemen und uns anzuziehen.
„Hm, da sind ja die Turteltäubchen." Flüsterte Eric Pam übertrieben laut zu.
„Eric, ich bitte dich." Meinte Godric zu seinem Kind. Das Grinsen fiel aus Erics Gesicht. Er schien seinen Macher zu respektieren, was mich immer noch etwas überraschte, vor allem da er um einiges älter wirkte als der Junge, der gerade meine Hand hielt.
Ich hatte die sehr wahre Annahme, Godric würde ganz und gar nicht in das Fangtasia passen. Er war nicht unbedingt der Typ, der einen Lederanzug trug und seine Handgelenke mit Stachelarmbändern dekorierte. Bei der Vorstellung musste ich unwillkürlich ziemlich kindisch kichern.
„Was ist los?" Fragte Godric sofort und lächelte mich mit gleichzeitig fragendem Blick an. „Ganz ehrlich? Ich hab mir dich grade in solchen Klamotten vorgestellt, wie sie hier diese Klischeehaften Typen tragen. Komische Vorstellung." Kritisch sah er an sich runter, seine Kleidung war einfach und hatte so gar nicht noch den Vampiren, die hier massenhaft ein- und ausgingen. „Hm, hast du wohl recht." stimmte er nachdenklich zu.
Es war ungewohnt, nicht mindestens einmal in der Nacht von jemandem dumm angebaggert zu werden.
Stattdessen traf es doch tatsächlich Godric, und zwar öfter, als ich es in so manchen Nächten von Eric gewohnt war. „Sag mal, ist das hier immer so?" Fragte Godric mich nach einiger Zeit.
„Süßer, das sind Fangbanger. Die suchen nur nach Vampiren, die sie wollen. Manche haben eben die Hoffnung, die gutaussehenden würden sie wollen." Ich lächelte ihn bedeutungsvoll an, damit er verstand, dass das als Kompliment gemeint war.
Plötzlich kam Sookie durch den Eingang gestürmt und rannte an uns vorbei schnurstracks auf Pam zu, um sie zu fragen, wo Eric sei. Pam meinte, er sei gerade beschäftigt, doch Sookie wollte ihn sehen.
Ich konnte mir in Etwa vorstellen, was „beschäftigt" bei Eric bedeutete, also grinste ich nur und wandte mich wieder Godric zu. Er dachte wohl etwa Ähnliches wie ich, denn auch ihm lag ein Grinsen auf den Lippen.
Es dauerte nicht lange, dass sie schrecklich genervt und gestresst wieder zurückkam, ein weiteres Ml an uns vorbei rannte und durch die Tür verschwand. „Hey, Pam. Was zur Hölle war das denn gerade? Und will ich wissen, womit Eric beschäftigt ist?" Pam kam zu mir und erklärte mir: „Bill ist verschwunden und Sookie dachte, Eric hätte etwas damit zu tun. Als er ihr versichert hat, er wäre unschuldig, hat sie ihn nach einer Lorena gefragt. Ach und, du kennst Eric gut genug um zu wissen, dass er um diese Uhrzeit nicht mit Papierkram beschäftigt sein wird." Den letzten Teil sagte sie mit solch einer bedeutungsvollen Miene, dass es mir tatsächlich klar war, dass Eric nicht an seinem Schreibtisch saß. „Moment, Bill wird vermisst? Und wie kommt Sookie da auf Eric?" Fragte ich.
„Liebste, Eric begehrt was Bill gehört. Da liegt es doch nahe, dass er etwas mit seinem verschwinden zu tun hat. Zumindest wenn man ihn nicht gut genug kennt." Schaltete sich Godric ein.
Kurz darauf kam Eric aus der Richtung, aus der Sookie kurz zuvor gerannt gekommen war und kam auf uns zu. „Ich muss mich um Etwas kümmern. Da Bill in meinem Aufgabenbereich lebt, muss ich mich, so sehr es mir widerstrebt, der Sache annehmen. Sookie hat gemeint, ich solle mit seiner Macherin sprechen. Wir haben ja gesehen, wie sie drauf ist. Sie ist zu allem fähig, um die beiden auseinander zu bringen." Erklärte er kurz.
„Das würdest du natürlich nie tun, was, Eric?" Fragte ich mit erhobener Augenbraue. „Das tut nichts zur Sache. Ich werde nach Möglichkeit mit Lorena Kontakt aufnehmen. Wir werden sehen, was sich tun lässt." Man sah ihm deutlich an, dass es ihm wirklich widerstrebte, sich darum zu kümmern.
Er verschwand in seinem Büro und ließ uns alleine. „Er hat Recht. Nach dem, was Lorena in Dallas getan hat, traue ich ihr alles zu. Ich kenne sie eigentlich nicht, doch soviel kann ich sagen. Sie hätte Sookie am liebsten den Kopf abgerissen, hätte ich es ihr gestatten." Meinte Godric. Ich hatte die Szene im Nest fast vergessen, als Sookie von einer Vampirin angegriffen worden war. Ich hatte damals nicht gewusst, dass sie Bills Macherin war.
Nach einiger Zeit kam Eric wieder zurück und setzte sich auf seinen Thron. Wir ließen ihn in Ruhe, da wir alle wussten, wie allergisch er darauf reagierte, gestört zu werden, wenn er sich gerade um ein Problem kümmern musste.
Da war unser Überraschungsgast nicht gerade von Vorteil. Der Magister, so eine Art oberster Richter unserer Art kam zu Besuch, zusammen mit der Vampirkönigin von Louisiana.
Die Königin, Sophie-Anne, schickte jeden aus der Bar, inklusive Pam, Godric und mir. Wir warteten in einem Hinterzimmer darauf, dass die beiden wieder abzogen.
Es dauerte nicht lange, bis Eric uns wieder aus dem Zimmer ließ. Pam musste scheinbar noch etwas erledigen, weshalb sie verschwand. „Eric. Was war das denn bitte? Der Magister und die Königin kommen hier ins Fangtasia? Schön und gut, du bist der Sheriff dieses Bezirks, aber ich glaube Routinebesuche standen in den letzten fünf Jahren nie an. Also, was ist los?" Fragte ich ihn.
„Scheinbar werden in den anderen Bezirken Vampire vermisst. Es wird vermutet, dass der Markt für Vampirblut wächst und diese Vampire womöglich Dealern und Abzapfern zum Opfer gefallen sind. Sie haben gefragt, ob Vampire in meinem Bezirk vermisst werden." Er hätte wissen müssen, dass ich frage, und doch stockte er, als ich ihn nach seiner Antwort fragte. „Ich habe es der Königin unter vier Augen gesagt. Ich konnte es dem Magister nicht verraten." Ich fragte nicht weiter nach, weshalb, damit wollte ich lieber nichts zu tun haben.
Kurz darauf verschwand Pam, sie hatte „etwas wichtiges zu tun" wie sie meinte, doch ich sah an ihrem vielsagenden Blick Eric gegenüber, dass sie mir etwas verschwiegen.
„Eric, ich hoffe du tust nichts Unüberlegtes." Meinte Godric und verschwand dann durch eine Tür, sodass ich mit Eric allein war.
„Eric? Für wie bescheuert haltet ihr mich eigentlich? Glaubt ihr, ich sehe nicht, dass ihr Geheimnisse vor mir habt? Ganz ehrlich? Ich glaube ich will es auch lieber gar nicht wissen." Genervt und ohne auf eine Antwort zu warten verschwand ich ebenfalls durch die Tür, die zu meinem Zimmer führte und durch die Godric soeben gegangen war.
Er saß auf dem Sofa und sah etwas verträumt ins Nichts des Zimmers, da setzte ich mich neben ihn und lehnte meinen Kopf auf seine Schulter. „Du kennst Eric schon viel länger als ich. Denkst du, er könnte tatsächlich dazu fähig sein, Vampirblut zu verkaufen?" Ich hatte nicht gewusst, ob ich das so offen aussprechen sollte, doch ich musste es wissen.
„Ich weiß es nicht. Ich hoffe nur, er weiß was er tut, was auch immer es ist, das den Magister zusammen mit der Königin hierher führt." Antwortete er während er mir seinen Arm umlegte.
