Mimi wollte sich ablenken und mit Tai ein Gespräch anfangen.

"Davis ist schon ein Süßer, oder?"

„Süßer?"
Tai sprach das Wort wie eine Beleidigung aus. Er war immer noch wütend, auch wenn er nicht wusste auf wen. Immerhin hatte Davis im Grunde genommen nichts Falsches gemacht und Mimi noch weniger.
Davis… Immer wieder wenn er diesen Namen hörte, sei es auch in seinen Gedanken, machte es einfach rasend vor Wut. Immer wieder hatte Tai das Verlangen, Davis zu verprügeln oder ihn zumindest einen Schlag zu verpassen.
Ich muss unbedingt Matt aufsuchen, dass kann doch nicht normal sein, dieses…Verlangen, diese Wut

„Du Tai?"
Tai schrak auf, er war so in seine Gedanken und „Problemen" vertieft, dass er Mimi gar nicht mehr realisiert hatte.

„Ja?" Trotzdem tat er so, als ob er nicht überrascht wäre.

„Was machen wir jetzt?"

„Was meinst du?"

„Naja, wir haben bis 19 Uhr, nichts zu tun und wir haben jetzt viertel nach sechs."

„Wir könnten ja Matt und Sora suchen gehen, vielleicht sind sie jetzt ‚fertig'."

„Glaub ich nicht. Vergiss nicht, sie sind allein zu zweit in einem Zimmer mit Betten, wobei sie würden bestimmt nichts dagegen haben, es auf dem Fußboden fortzusetzen."

Mimi hatte beim letzten Satz einen vielsagenden Blick aufgesetzt.

„Du glaubst doch nicht wirklich, dass die Beiden, es jetzt in unseren Zimmer treiben oder?"

„Ich glaube, sie sind mehr als bereit dazu."

„Wie kommst du denn darauf?"
Mimi seufzte kurz auf und schaute Tai mit strengem Blick an, als ob sie einem kleinen Kind erklären müsse, dass man sich nicht vordrängeln soll.

„Erst ein mal, die Tatsache, dass die Beiden unseren Streit auf der Toilette, was ich dir immer noch nicht verziehen habe, als wilden Sex gedeutet haben, beweist doch dass sie nichts anderes als dieses Thema im Kopf haben und außerdem hat Sora, schon mal so etwas ähnliches angedeutet.

„Echt?" Tai zog verwundert eine Augenbraue hoch.

„Ja, aber wehe du sagst etwas. Matt etwa nicht?"

„Nein, nein, natürlich, hat er sich darüber schon Gedanken gemacht, aber er dachte für Sora wäre es noch zu früh. Ich meine sie sind erst seit knapp zweieinhalb Wochen zusammen und…"
Mimi verdrehte ihre Augen

„Jaja. Ihr notgeilen Jungs werdet auf eine harte Probe gestellt, ihr müsst euch zurückhalten bis das Mädel bereit ist." Mimis Ton war spielend abwertend, aber trotzdem ging Tai darauf ein.

„Also hör mal, so notgeil sind wir nicht. Ist ja nicht so als ob wir unbedingt eine Freundin zum vögeln brauchen. Man braucht sich einfach nur ein schönes Mädchen", dabei sah er Mimi direkt an „vorzustellen und dann verschwindet der Druck ganz von allein."

„Boa Tai! Nein! Hör auf damit, dass ist ja widerlich." Mimi war sichtlich angeekelt und wich einen Schritt zurück, Tai hingegen verfiel in schallendes Gelächter.

„Mein Gott, Mimi du glaubst doch auch wirklich alles." Während Tai weiter lachte, verschränkte Mimi beleidigt die Arme und schaute zur Seite. Nach wenigen Minuten wandte Tai sich noch mal zu Mimi.

„Nein, jetzt im Ernst, bevor du noch einen schlechten Eindruck von mir hast. Jungs denken nicht immer an Sex, vielleicht manche, aber nicht alle und ich gehöre zu den ‚nicht allen'. Aber jetzt mal Themenwechsel: Was soll das heißen, du hast mir meine Toilettenaktion nicht verziehen?"

Langsam drehte sich auch Mimi wieder zu Tai um und schaute ihn verdutzt an.

„Wie kommst du denn jetzt darauf?"

„Du hast es eben noch erwähnt. Ich frage mich wirklich, was du hast, immerhin sind deine Haare jetzt seidig weich und vor allem sauber."
Mit diesen Worten fuhr Tai Mimi durch die Haare, vom Ansatz bis hinunter zur Haarspitze. Bei dieser Berührung durchzuckte es Mimi wie ein Blitz und sie konnte nicht anders, als Tai in die Augen zu schauen. Doch sie bereute es sogleich wieder, denn sie war nun in seinen rehbraunen Augen gefangen.

Wie kann das sein, warum kann ich einfach nicht mehr weg schauen, wenn ich ihm in die Augen sehe. Warum sind die denn auch so unendlich schön braun? Verdammt. Aber es ist einfach so schön ihn anzuschauen
Tai ging es in dieser Situation nicht anders, unbemerkt fuhr er Mimi weiter durch die Haare, hielt aber auf halber Strecke inne.

Sie sieht atemberaubend aus. Ihr Gesicht, ihre Augen, ihre Lippen..
Tais Blick blieb an Mimis Lippen eine Weile hängen, sah ihr aber dann wieder in ihre Augen und ohne es zu bemerken kam er ihr einen Schritt näher. Aber auch Mimi machte einen Schritt auf Tai zu.
So kam es, dass die Beiden sich gegenüber standen und den Atem des jeweils anderen spüren konnten. Tais Hand hatte wie von selbst Mimis haar verlassen und berührte nun sanft ihre Wange. Mimi schmiegte sich unbewusst an seine Hand, ohne den Blickkontakt zu lösen. Das Berühren wurde zu einem Streicheln.

Was hat dieser Typ nur, dass es mich so wehrlos macht. Dieser Moment ist einfach so…so…
Das Denken fiel Mimi immer schwerer bis ihr Kopf sich schließlich von selbst abschaltete. Langsam kam Tai, Mimis Gesicht immer näher, es war nur noch wenige Millimeter von seinem entfernt, Mimi schloss automatisch ihre Augen, Tai ebenfalls. Derweil kamen sie sich immer näher, ihre Lippen berührten sich kaum

So etwas hätte ich nicht erwartet das ist der schönste Moment in meinen Leben

„YAGAMI! TACHIKAWA!"

Besagte sprangen sofort auseinander und drehten sich peinlich berührt voneinander weg. Gerade noch rechtzeitig, denn schon kam Herr Ichitaka (der Störenfried) um die Ecke.

„Wo bleiben Sie denn? Wir hatten doch vereinbart, dass wir uns pünktlich zum Abendessen im Speisesaal um 19 Uhr treffen. Und wir haben schon viertel nach.

„WAS?" riefen Beide erstaunt.

„Schauen sie nicht so erstaunt. Wir haben 19:15 Uhr, haben Sie denn keine Uhr? Ich erwarte Sie im Speisesaal und zwar sofort!" Ohne ein weiteres Wort drehte Herr Ichitaka sich um und ging von dannen man hörte ihn nur noch murmeln

"Man sollte doch erwarten können, dass Oberstufenschüler eine Uhr besitzen. Meine Güte."

Mimi und Tai blieben immer noch wie erstarrt stehen, sie schauten sich ungläubig an, bis ihnen die Situation von vorhin wieder einfiel und sie sich wieder abwandten. Doch ihnen ging das Gleiche durch den Kopf

Oh mein Gott! Soll das heißen dass wir uns eine ganze Stunde lang angestarrt haben, wie ein verliebtes Pärchen? Das kann doch nicht wahr sein und hätte Herr Ichitaka uns nicht unterbrochen, dann… dann…

gleichzeitig schauten sich die Beiden wieder an um sich dann wieder wegzudrehen. Es vergingen wieder ein paar Minuten bis Tai sich zusammenriss und den Vorschlag machte, zum Speisesaal zu gehen. Dort erwarteten sie Sora und Matt und ein sehr mürrisch dreinblickender Herr Ichitaka.