Tanz der Vampire einmal anders

~ Die ersten Proben ~

Eine Woche später fanden sich alle Darsteller wieder zur ersten Probe ein.

„So, meine lieben Ehemaligen", ergriff der Regisseur Dumbledore enthusiastisch das Wort, als alle anwesend waren. „Wie ihr seht, waren Minerva und Argus die letzte Woche fleißig und haben schon eine geeignete Bühne für unsere Proben geschaffen. Ich hoffe, jeder hat seinen Text nach Kräften gelernt, sodass es nun gleich losgehen kann." Flitwick hibbelte nervös ein wenig auf und ab. „Als erstes werden wir alle mit der Ouverture beglückt", fuhr der Schulleiter währenddessen unbeirrt fort. „Zu diesem Zwecke wurden Instrumente derart verzaubert, dass sie uns mit der nötigen Musik versorgen. Danach kommt die erste Szene, in der unser Professor und Alfred durch das verschneite Transsilvanien irren… Ich denke, damit fangen wir gleich mal an." „Wunderbar!", rief Flitwick daraufhin und sprang von einem der Stühle, die vor der Bühne für die Darsteller bereit standen, die gerade nicht spielen mussten. „Alfred, mein Junge, wo bist du?" Alan stand auf. „Hier bin ich, Professor." Er trat auf Flitwick zu und war sehr gespannt, wie das nun alles klappen würde. Amanda nahm ein wenig aufgeregt Severus Hand. „Ich bin ja so gespannt", meinte sie. „Vermutlich werde ich gleich eh den ganzen Text wieder vergessen." Severus grinste ein wenig, vor allem wegen seinem übermotivierten Lehrerkollegen. „Ich auch, das kannst du mir glauben", sagte er dann und zog Amanda zu zwei Stühlen, um sich dort zu setzen und dem weiteren Treiben erst einmal zuzusehen.

„Nun denn, Albus… Wie hast du es dir vorgestellt?", wollte Flitwick währenddessen wissen und folgte Dumbledore auf die Bühne, der daraufhin den beiden Darstellern erklärte, wie er sich ihren ersten Auftritt vorgestellt hatte. Leon, der auch anwesend war, obwohl seine Rolle erst im zweiten Akt auftauchen würde, setzte sich, während noch die Regieanweisungen liefen, zu Amanda und Severus. Als Alan schließlich begann seine ersten Textpassagen vorzutragen, breitete sich ein breites Grinsen auf seinem Gesicht aus. „Du hast ja noch ein wenig länger Schonfrist", antwortete Amanda währenddessen Severus und sah dann Leon an. „Was grinst du so, hm?" Severus grinste nun ebenfalls. „Und darüber bin ich nicht unglücklich." Als er ausgesprochen hatte, antwortete Leon schließlich. „Ach, ich amüsiere mich nur ein wenig über Alan. Er ist irgendwie süß, wenn er so verzweifelt tut", lachte er dann leise. Ebenfalls lachend schüttelte Amanda den Kopf. „Na du bist ja nett. Kommt da etwa der Beschützerinstinkt auf?" Dann wandte sie sich erneut an Severus. „Wehe du lachst über mich!"

Alan hingegen folgte derweil Dumbledores Anweisungen und war nun kurz davor seine ersten Worte zu singen. Es ließ sich nicht verschweigen, dass ihn das ziemlich nervös machte, doch schließlich würden das alle von ihnen noch tun müssen. Er holte noch einmal tief Luft und begann dann zu singen: „He ho he! Wo sind sie Professor…"

„Es würde mir nie in den Sinn kommen, über dich zu lachen", grinste Snape zur gleichen Zeit Amanda an und küsste sie kurz, dann hörte er ein wenig dem ängstlich wimmernden Alfred auf der Bühne zu, während er sich das Lachen über Flitwick verkneifen musste, der kaum zu sehen zwischen den künstlichen Schneewehen von McGonagall saß und so tat, als ob er gedankenverloren Notizen in ein kleines Büchlein schreiben würde. Ein paar Minuten später bat Dumbledore schließlich das Ensemble auf die Bühne und erklärte ihnen das Prozedere, während Filch im Hintergrund genervt vor sich hinmurmelnd die Bühnenbilder umher schob und zum Chagall'schen Gasthaus wechselte. Als er fertig war, setzte auf einen Wink von Dumbledores Zauberstab die Musik wieder ein und jeder verfiel in seine zugeteilte Rolle und versuchte sein Bestes zu geben. Dies war allerdings nicht immer besonders viel und so kam es des Öfteren vor, dass die Musik zwar spielte, aber der eine oder andere seinen Text vergessen hatte und deshalb schwieg. Das sorgte wiederum beim Rest für den einen oder anderen Lacher.

„Das will ich doch schwer für dich hoffen", kommentierte Amanda an Severus gewandt seine letzten Worte und beobachtete dann ebenfalls das Schauspiel auf der Bühne, während sie im Kopf noch einmal ihre ersten Textzeilen durchging. Als Filch grummelnd die Kulisse verschob, wies ihn Professor McGonagall kurz zurecht: „Kommen sie Argus, es gibt wirklich schlimmere Aufgaben!" Zur ersten Szene im Gasthaus mussten nun auch Olivia Brown, David und Sandra auf die Bühne.

Nach mehreren Unterbrechungen während der Lieder und Szenen war das Schauspiel schließlich an dem Punkt angekommen, wo auch Amanda beziehungsweise Sarah zum ersten Mal auftrat. „Bis gleich", sagte Amanda leise zu Severus, als der Moment gekommen war und gab ihm einen Kuss auf die Wange, bevor sie sich erhob und auf die Bühne ging. Geduldig hörte sie Dumbledores Anweisungen zu und begab sich daraufhin in ihr Zimmer, um schließlich Sarahs Bademelodie anzustimmen, während David, als ihr Vater Chagall, Alfred und Professor Abronsius durch das Haus führte. „Bis gleich", antwortete Severus ebenfalls, bevor er noch grinsend und mit seiner verführerischsten Krolock-Stimme anfügte: „Lass mich deine Bademelodie hören." Dann verfolgte er das erneut beginnende Schauspiel auf der Bühne, während er weiter an einem Stück Kuchen kaute, das er sich kurz zuvor am aufgebauten Büffet geholt hatte.

Nachdem Dumbledore auch diesmal die Akteure mehrmals unterbrochen und sie verbessert hatte und diese erneut alles mehrere Male wiederholt hatten, sah er auf die Uhr. „Bei Merlin! Schon so spät! Ich denke, wir machen Schluss für heute. Mir knurrt auch schon der Magen und ich glaube, da bin ich nicht der einzige. Also lasst uns doch zum gemütlichen Teil des Abends übergehen!"

Erleichtert lächelnd sprang Amanda von der Bühne und kam, gefolgt von Alan, auf Severus und Leon zu. Für das erste Mal hatte sie es gar nicht so schlimm gefunden. „Und? Genug gehört?", wollte sie schmunzelnd leise von Severus wissen. Alan hingegen gab Leon einen kurzen Kuss. „Oh man, das ist ganz schön anstrengend." „Mhm", brummte Severus sehr sonor und leise als Antwort in Amandas Ohr und versenkte dann seinen Blick in ihren Augen. Er hatte schon jetzt den unbestimmten Drang sie zu beißen, oder anderes zu tun. Doch bevor er diesen Gedanken noch weiterdenken konnte, wurde er von Lucius herausgerissen, der ihm plötzlich im Vorbeigehen frotzelnd und grinsend auf die Schulter klopfte. „Das Essen steht aber dort drüben, kleiner Vampir!" Leon musste leise lachen, als er das alles mitbekam, dann wandte er sich wieder an Alan. „Dein Herbert wird dich dafür heute Abend verwöhnen", zwinkerte er dann seinem Liebsten zu und küsste zurück. „Es gefällt mir übrigens, wenn du am Anfang so ängstlich herumjammerst."

Seufzend ließ Amanda ihren Kopf an Severus Schulter sinken. „Gehen wir etwas essen, der Rest dann später." Alan musste derweil auf Leons Worte hin grinsen. „Du bist gemein! Brauchst dir ja nicht einbilden, dass ich das sonst zu deinem Vergnügen tun würde." Dann nahm er Leons Hand und zog ihn Richtung Buffet. „Komm, lass uns etwas essen."

Mit verengten Augen sah Snape Malfoy kurz nach, dann wandte er sich wieder an Amanda. „Vorschlag angenommen." Dann zog er sie mit sich zum Buffet. Leon, der mittlerweile Alan gefolgt war, lachte ein wenig. „Das ist schade… Ich finde es sehr niedlich." Grinsend sah er Alan an, dann nahm er sich einen Teller. Gemeinsam aßen schließlich noch alle zu Abend, bevor sie sich auf den Weg nach Hause machten.

Eine Woche später trafen sie sich erneut zur Probe. Zunächst begannen sie mit Davids erster richtiger Szene:

David (Chagall):
Eine schöne Tochter ist ein Segen.
Doch ein Segen der meschugge macht.
Denn was soll der Vater tun dagegen,
wenn das Weib in seinem Kind erwacht?

Amanda wandte sich schmunzelnd an Severus: „Ist er nicht süß als besorgter Vater? Das Problem ist nur, dass er die Beweggründe kaum spielen braucht." Severus lachte leise auf Amandas letzte Worte hin. „Du erwartest ja wohl nicht, dass ich dazu jetzt Stellung nehme?", wollte er dann wissen und zog einen Mundwinkel amüsiert hoch. Amanda schüttelte daraufhin nur grinsend den Kopf.

Er bemerkt zuerst, was an ihr dran ist.
Und versteckt sie oder sperrt sie ein.
Denn er weiß, weil er ja selbst ein Mann ist,
jeder Mann ist irgendwie ein Schwein.

Als Snape nun sah, wie David gespielt die Tür zu Amandas Zimmer vernagelte, konnte er nicht mehr anders und er musste hörbar auflachen. „Sie glauben doch wohl nicht ernsthaft, dass mich das aufhalten wird, Brown!" David hörte auf zu singen und stand auf. „Können sie ihre blöden Sprüche nicht für sich behalten, Snape?", blaffte er ihn an. „Ich sage ja auch nichts, wenn sie singen!" Süffisant zog Severus einen Mundwinkel hoch. „Auch nicht besonders schwer, schließlich hatte ich noch nicht das Vergnügen", entgegnete er dann und funkelte David herausfordernd an. Dieser funkelte zurück, doch noch bevor er etwas antworten konnte, griff Dumbledore ein und bereitete dem aufkeimenden Streit ein vorzeitiges Ende. „Severus", sagte er nur und blickte ihn dann mit einem alles sagenden Blick über seine Halbmond-Brillengläser hinweg an, dann wandte er sich an David. „Weiter bitte, Mr. Brown. Lassen sie sich nicht beirren." Es dauerte einen Moment doch schließlich begann David wieder zu singen:

Schlaf, mein Wuschel-Schätzchen!
Träum mein Kuschel-Kätzchen!
Niemand darf dich wecken, niemand dich entdecken.
Dir würd's schaden, mir würd's schaden, uns würd's schaden.
Bleib bei Papa.

Der Gedanke, dass ein geiler Lüstling
sie befingert, weckt das Tier in mir.
Drum, bevor sie so ein Wüstling küsst schwing
ich den Hammer und blockier die Tür.

Dann erst kann ich mich zum Schlafen legen,
und mach trotzdem kaum eine Auge zu.
Eine schöne Tochter ist ein Segen,
doch die Angst um sie raubt mir die Ruh.

Schlaf, mein Wuschel-Schätzchen!
Träum mein Kuschel-Kätzchen!
Niemand darf dich rauben, nie werd' ich's erlauben!
Dir würd's schaden, mir würd's schaden, uns würd's schaden.
Bleib bei Papa.

Eine schöne Tochter ist ein Segen,
doch ein Segen der das Herz bedrückt.
Sie lässt sich an keine Kette legen,
und das macht den Vater fast verrückt.

Als David fertig war, ergriff seine Mutter das Wort: „Wieso wird die Tür denn überhaupt zugenagelt? Soll er doch froh sein, wenn jemand das Mädchen heiraten will!" Dabei warf sie einen vielsagenden Blick auf Amanda, die daraufhin nur entnervt die Augen verdrehte.

„Der Graf will sie ja nicht heiraten, nur beißen, meine Liebe", klärte Flitwick sie auf. „Und laut Drehbuch meint es Alfred auch nicht ernst mit dem armen Ding", kicherte er dann, denn das Musical und alles darum herum amüsierten ihn ohnegleichen.

„Ach, sicherlich hätte man Alfred da schon überzeugen können", entgegnete Olivia. „Oh Mama, bitte! Lass uns lieber weiter machen", sagte Amanda genervt und erhob sich dann, denn als nächstes würde sie wieder singen müssen. „Machen wir gleich weiter Professor Dumbledore, oder wollen sie noch etwas wiederholen?" „Nein, nein… Wir machen weiter", entgegnete dieser und winkte ab. „Chagall, Frau Chagall, Sarah, Alfred, Magda… Ach ja und du auch Filius", zählte er dann die Leute auf, die bei Nie Geseh'n ihren Auftritt haben würden.

Als sich schließlich Alfred und Sarah gesanglich anzuhimmeln begannen, setzte sich Lucius zu Severus und redete ihn mit gesenkter Stimme an: „Bei Merlin, deine Schwiegermutter ist ja ein Drachen! Und ich dachte schon, die alte Black wäre schlimm gewesen…" Snape grinste ein wenig und wandte sich an den Blonden, während er mit einem Ohr weiter Amanda zuhörte. „Den Nagel auf den Kopf getroffen, Lucius." Nach einer kleinen Weile Schweigen begann Lucius erneut: „Oh, jetzt wird es interessant. Jetzt hat sie ihren größten Auftritt im ganzen Stück." Er lachte leise. „Und dein Fast-Schwager wird von seiner Freundin abserviert." „Boshaft wie eh und je, Lucius", grinste Severus. „Ich weiß. Ist normalerweise deine Aufgabe… Ich wollte dich nur ein bisschen aufheitern, mein Freund. Immerhin kommt gleich dein erster großer Auftritt." Malfoy grinste, doch Severus rollte nur mit den Augen. „Danke, dass du mich daran erinnerst", gab er dann ein wenig giftig zurück.

Als alle fertig gesungen hatten, verließen sie die Bühne, um Filch und McGonagall Platz zu lassen, die erneut die Kulisse verändern mussten. Amanda war nun schon sehr gespannt auf Severus ersten Auftritt und damit war sie keineswegs alleine. Aus dem Augenwinkel konnte sie beobachten, wie David Sandra grinsend etwas zu flüsterte und auch sonst schienen sich immer mehr Blicke auf Severus zu richten. Schließlich setzte sich Amanda neben ihn. „Du bist nun dran", meinte sie lächelnd. Kurz nach ihr setzte sich auch Alan zwischen sie und Leon. „Den nächsten, den ich anschmachte bist dann du", sagte er lächelnd. „Na hoffentlich", sagte dieser und küsste Alan kurz. Severus hingegen verzog lediglich ein wenig das Gesicht, als Amanda ihn ansprach, dann stand er auf und begab sich, ohne auch nur noch irgendwen anzusehen, schnurstracks auf die Bühne, bevor ihn Dumbledore noch dazu aufforderte. Dort hörte er sich gelassen dessen Anweisungen an, bevor er leise und schicksalsergeben seufzte. Wieso hatte er sich bloß für diesen Schwachsinn überreden lassen? Aber nun war es zu spät. Er musste in den sauren Apfel beißen… Noch einmal rief er sich die Situation seiner Figur vor Augen, bevor er schließlich versuchte, Dumbledores Anweisungen in die Tat umzusetzen und zu singen begann:

Severus (Von Krolock):
Jahre lang war ich nur Ahnung in dir.
Jetzt suchst du mich und hast Sehnsucht nach mir.
Nun, freu dich! -
Uns beide trennt nur noch ein winziges Stück.
Wenn ich dich rufe, hält dich nichts mehr zurück,
getrieben von Träumen und hungrig nach Glück.

Ensemble:
Sei bereit! Sei bereit!
Sei bereit! Sei bereit!

Amanda seufzte leise, nachdem Severus die ersten Zeilen gesungen hatte. Er machte das wirklich sehr gut und hatte genau die passende Stimme wie sie fand. Auch Alan neben ihr war sichtlich beeindruckt und hörte zunächst gebannt zu. Sandra hörte ebenfalls gebannt zu und war durchaus erstaunt. So etwas hätte sie ihrem ehemaligen Lehrer gar nicht zugetraut. David hingegen tat wenig beeindruckt, denn es störte ihn noch immer, dass ausgerechnet Snape diese Rolle spielen musste.

Severus (Von Krolock):
Gott ist tot.
Nach ihm wird nicht mehr gesucht.
Wir sind zum ewigen Leben verflucht.
Es zieht uns
näher zur Sonne, doch wir fürchten das Licht.
Wir glauben nur Lügen, verachten Verzicht.
Was wir nicht hassen, das lieben wir nicht.

Ensemble:
Sei bereit!

Narcissa beugte sich zu ihrem Mann. „Also ich hätte ihm das so nicht zugetraut, um ehrlich zu sein. Ich hatte mich schon gewundert, warum ihn Dumbledore ausgesucht hatte." „Hm", brummte Lucius nur bestätigend, denn auch er hörte gebannt und durchaus verwundert zu. Es gab wohl noch so einiges an seinem Freund, das ihm bisher verborgen geblieben war, dachte er sich.

Severus (Von Krolock):
Was ich rette, geht zugrund.
Was ich segne, muss verderben.
Nur mein Gift macht dich gesund.
Um zu leben musst du sterben.
Schweb mit mir in den Abgrund der Nacht
und verlier dich in mir!
Wir werden bis zum Ende jeder Ewigkeit gehn.
Ich hüll dich ein in meinen Schatten…

„Wow", murmelte nun auch Leon leise und fing an in seiner Version des Drehbuchs zu blättern, um die Stelle zu suchen an der sie gerade waren. Dann bemerkte er gerade noch rechtzeitig, dass Amanda auch eine kleine Textzeile zu singen hatte. Er stupste sie kurz an als er merkte wie gebannt und abwesend auch sie war und machte sie darauf aufmerksam. „Aufwachen Amanda! Lass ihn nicht hängen, du bist gleich dran!" „Was?" Erstaunt warf sie einen Blick in Leons Skript. „Oh, verdammt", murmelte sie und stand auf, damit man sie auch hören konnte:

Amanda (Sarah):
Ich hör eine Stimme die mich ruft…

Nach dieser kurzen Zeile ließ sie sich wieder auf ihren Stuhl sinken. „Oh man, das war knapp", meinte sie und grinste etwas. „Vielen Dank", sagte sie zu Leon. „Bitte", lächelte der zurück und hörte dann wieder Snape zu, der nun Amanda ansah und weiter sang:

Severus (Von Krolock):
Nun freu dich! -
Uns beide trennt nur noch ein winziges Stück.
Wenn ich dich rufe, hält dich nichts mehr zurück,
getrieben von Träumen und hungrig nach Glück.

Ensemble:
Gott ist tot, nach ihm wird nicht mehr gesucht.
Wir sind zum ewigen Leben verflucht.
Es zieht uns näher zu Sonne doch wir fürchten das Licht.
Wir glauben nur Lügen, verachten Verzicht.
Was wir nicht hassen, das lieben wir nicht.

Kaum hatte Severus zu Ende gesungen, verließ er auch schon wieder die Bühne, um den nächsten Darstellern Platz zu machen. Amanda, die in der nächsten Szene singen musste, begegnete ihm auf dem Weg zur Bühne und lächelte ihn an. „Das war sehr schön", meinte sie leise und strich sanft über seinen Arm, bevor sie schließlich auf die Bühne ging. Die beiden nächsten Lieder verliefen mit den üblichen kurzen Unterbrechungen von Dumbledore. Während Professor Flitwick zu guter Letzt seinen ersten Soloauftritt hatte, welchen er zugleich zum Amüsement aller glorreich meisterte, ging Amanda zurück zu Severus und setzte sich zu ihm.

Carl Brown hatte, wie schon die vergangenen Male, während der Probe auf seine beiden Enkelkinder aufgepasst und beschlossen, die Eltern heute zum Ende der Probe zu überraschen. „Gar kein Dach", sagte der kleine Christopher und zeigte auf die verzauberte Decke der Großen Halle, während er vor seinem Opa herstampfte. Carl lächelte. „Psst, du willst doch Mama und Papa überraschen, oder?" Der kleine Junge nickte, sah aber weiter fasziniert nach oben. „Die Decke ist verzaubert", erklärte sein Großvater schließlich.

Das Mädchen an seiner Hand, kam langsam hinter seinem Rücken hervor. „Da ist ja Papa", sagte sie und deutete auf die Bühne. Carl nickte. „Ja, hast du schon deine Mutter entdeckt?" Die Kleine nickte. „Dann geh mal zu ihr", meinte Carl dann leise. „Ich will auch zu Mama und Papa", sagte Christopher und sah seinen Opa an. „Ich hab sie auch schon entdeckt", antwortete dieser und zeigte auf Amanda und Severus, welche in der vorletzten Reihe saßen. „Geh doch zu ihnen." Christopher nickte und ging langsam auf seine Eltern zu. Er wollte sie überraschen und war daher leise und vorsichtig, drehte sich aber hin und wieder verschmitzt grinsend zu seinem Großvater um und legte den Finger auf den Mund, um zu zeigen, dass der nichts sagen sollte. Carl nickte daraufhin nur schmunzelnd und sah Christopher dabei zu, wie er schließlich seitlich hinter Severus stand und sacht an dessen Robe zupfte.

Der drehte sich auch sofort mit finsterer Miene um, denn er rechnete natürlich überhaupt nicht damit, dass sein Sohn es war, der ihn so unkonventionell störte. Stattdessen hatte er wieder Lucius im Verdacht, dessen Namen er auch gleich leise und ein wenig giftig zischte. Doch als er merkte wer an Stelle des Blonden hinter ihm stand, entspannten sich seine Gesichtszüge sofort wieder und wichen der Freude. „Soso… Wer zupft mich denn da so frech an meiner Robe?", fragte er sofort und grinste ein wenig. Dann nahm er Christopher hoch und auf den Schoß. „Na, mein Großer? Jetzt hast du mich aber mächtig überrascht!"

Im ersten Moment erschrak Christopher etwas, doch dann strahlte er seinen Vater an. „Wollte ich auch", sagte er dann. „Hey, wie kommst du denn hierher?", wollte Amanda von Christopher wissen. „Sagst du mir nicht hallo?" „Opa hat mich gebracht", antwortete dieser und zeigte dann über Severus Schulter auf Carl, dann beugte er sich zu Amanda und drückte ihr einen Kuss auf die Wange.

Ziemlich erstaunt durch das was da neben ihr geschah, stieß Narcissa ihren Mann leicht an und nickte in die Richtung der kleinen Familie neben sich. Ob er gewusst hatte, dass Severus Vater war? Lucius sah sie fragend an, dann drehte er seinen Kopf und erstarrte einen Moment. Sah er gerade richtig? Er blinzelte kurz. Ja, das Kind war wirklich noch da. „Bei Merlin!", sagte er schließlich leise, als er seine Stimme wieder gefunden hatte. „Seit wann… Und wieso wusste ich davon nichts?"

Währenddessen war Flitwick mit seiner Solonummer fertig geworden und Dumbledore hatte die Probe für heute als beendet erklärt, als er die beiden Kinder entdeckte, die mittlerweile hinzu gestoßen waren. „Sieh einer an…", kam er schließlich lächelnd auf seinen Tränkelehrer zu. „Na, kleiner Mann? Musst du nicht erst noch ein paar Jahre warten, bevor du nach Hogwarts zur Schule gehen darfst?", zwinkerte er dann Christopher zu.

Flitwick kam nun auch noch neben dem Schulleiter zum Stehen. „Bei Merlin, Albus!", quiekte er dann völlig perplex. „Sagen sie bloß, das ist ihr Sohn, Severus!" „Nun Flitwick, es sieht ganz danach aus, nicht wahr?", entgegnete Snape trocken. „Und Albus wusste es natürlich als Einziger… Mein lieber Herr Gesangsverein! Wo ist Minerva? Minerva! So ein drolliges kleines Bürschchen…" Mit diesen Worten trippelte der Zauberkunst-Lehrer wieder von dannen, um mit seiner Kollegin diese neuesten Informationen auszutauschen, oder um zu erfahren, ob sie etwa auch schon davon gewusst hatte.

Christopher war etwas irritiert von so vielen fremden Menschen. Zwar kannte er Dumbledore durchaus, aber als er so direkt angesprochen wurde schmiegte er sich doch lieber etwas enger an seinen Vater und sah diesen an. „Arbeitest du hier?", wollte er dann leise wissen. Narcissa beobachtete lächelnd den kleinen Jungen. „Du hättest ruhig etwas erzählen können, zwei ist er doch sicher schon oder?" Severus drückte seinen Sohn sanft ein wenig an sich und küsste ihn kurz auf die Haare um ihm zu zeigen dass er sich nicht fürchten musste. „Ja, hier arbeite ich", sagte er dann leise zu ihm. Dumbledore lächelte. „Ach herrje… Jetzt haben wir dich verängstigt, was?" Er zwinkerte. „Nun… Dann werde ich mich jetzt mal auf das Buffet stürzen. Diese ganze Regiearbeit macht hungrig und es soll heute vorzügliches Zitronensorbet geben, habe ich gehört." Mit diesen Worten verabschiedete er sich und gesellte sich zu den schon Essenden.

Severus wandte sich währenddessen Lucius und seiner Frau zu. „Es gab keine Notwendigkeit dazu, Narcissa. Du weißt ja, ich habe gern meine Ruhe." „Na, aber mir hättest du es erzählen können, du alter Geheimniskrämer!", protestierte Lucius. „Dann hätte es gleich die restliche Zauberwelt erfahren, du alte Klatschbase." Severus grinste frotzelnd, dann richtete er das Wort wieder an seinen Sohn. „Und? Hat dir dein Opa schon etwas zu Essen gegeben heute Abend? Oder magst du mit mir jetzt schauen gehen, was es leckeres gibt?" „Noch mal gucken", sagte Christopher und sah seinen Vater an.

Professor McGonagall hörte währenddessen Flitwick nach ihr rufen. „Was ist denn los?", wollte sie wissen und drehte sich zu ihm um, wobei sie Severus mit dem schwarzhaarigen Kind auf dem Schoß sah. Das konnte doch kaum seins sein, oder? „Minerva", setzte Flitwick erneut an. „Hast du gewusst, dass Severus einen Sohn hat? Sieh dir das an… So ein niedlicher kleiner Kerl! Wer hätte das für möglich gehalten… Ich wusste davon nichts!" Weiterhin erstaunt sah die Professorin für Verwandlung zu ihrem Zaubertränkekollegen. „Nein, das wusste ich auch nicht. Wirklich ein niedliches Kind." Dann schüttelte sie kurz den Kopf. „Wieder mal typisch, dass er es so lange verschweigt." Flitwick nickte. „Typisch für Albus und Severus", sagte er dann nur noch.

Amanda war ebenfalls recht beeindruckt vom Aufruhr, den die Anwesenheit ihres Sohnes verursacht hatte. Damit hatte sie nun nicht gerechnet. „Danke, dass du gekommen bist, die beiden Kleinen freuen sich sicherlich riesig", sagte sie zu ihrem Vater, welcher sich gerade hinter sie gesetzt hatte. Carl nickte. „Ja, sie waren schon die ganze Zeit vollkommen aufgedreht." Amanda lachte. „Ja, das kann ich mir vorstellen." Während sie das sagte, fiel ihr Steven auf, welcher sie vom Buffet aus beobachtete. Sonderlich begeistert sah er nicht aus, doch Amanda reagierte gar nicht weiter darauf, sondern wandte sich lieber wieder ihrem Vater zu.

Tatsächlich war Steven durchaus sehr erstaunt, dass Amanda mit diesem Snape eine Familie gegründet hatte. Er konnte sich noch immer nicht vorstellen, dass dieser Griesgram zu irgendeiner positiven menschlichen Regung im Stande war, aber vielleicht waren diese auch nur sehr, sehr tief versteckt. Auch die anwesenden ehemaligen Schulkameraden von Amanda und vor allem von Severus kamen heute aus dem Staunen nicht mehr heraus. Verwundert über das Schauspiel das sich ihnen gerade bot tuschelten Lauren und Amy Corey, zusammen mit Emily Primes über das, was sie gerade sahen. Alle drei konnten nicht glauben, dass Amanda wirklich ein Kind mit Snape hatte und vergaßen ob ihres Erstaunens völlig das Essen.

Severus stand nun mit Christopher auf dem Arm auf. „Amanda, kommst du mit? Wir gehen schauen, was es zu essen gibt", fragte er dann und sah gleich danach auch Carl fragend an, ob er mitkommen würde. Amanda nickte. „Ja gern, hatte mein Schatz noch nichts zu essen?" „Doch natürlich", erklärte Carl schmunzelnd und erhob sich ebenfalls. „Aber vermutlich ist das hier spannender." Christopher grinste nur breit und wartete darauf, dass sie zum Essen gehen würden. So fanden sich alle Browns und ihre Angehörigen schließlich am Buffet ein und aßen gemeinsam, während Christopher und seine Eltern immer mal wieder erstaunt beobachtet und angesprochen wurden. Schließlich, als der Kleine auf Severus Arm eingeschlafen war, machten sie sich auf den Weg nach Hause, um sich eine Woche später erneut zur nächsten Probe zu treffen.