5. Something Unstoppable Set Into Motion
(Once Upon A Time There Was An Ocean – Paul Simon)


Als ihr Dad aus dem Haus kam, wild mit den Armen fuchtelte und irgendetwas Unverständliches zu ihnen heraufschrie, war George einen Moment lang so abgelenkt, dass er nicht mehr auf Ginny achtete und diese geschickt den Quaffel durch seine Deckung hindurch ins Tor werfen konnte.

George ärgerte sich nicht einmal. Er war viel zu verblüfft, als auch noch seine Mum aus dem Fuchsbau kam, ihr Dad sie bei den Händen nahm und vor dem Haus mit ihr einen Freudentanz aufführte. Er lenkte seinen Besen hinunter und flog zum Haus. Die anderen hatten endlich auch bemerkt, dass etwas Ungewöhnliches vorging, und folgten ihm.

Ihr Dad wirbelte ihre Mum so wild herum, dass es nicht lange gutgehen konnte. Und das tat es auch nicht. Noch bevor George sie erreicht hatte, stolperte ihr Dad, fiel hin und ihre Mum landete auf ihm. Dabei lachte er noch immer, als hätte er den Verstand verloren. Inzwischen war George nahe genug, dass er das Schimpfen seiner Mum hören konnte, aber seltsamerweise klang es alles andere als wütend.

»Arthur! Lass das! Lass mich los!«

Ihr Dad machte keine Anstalten, sondern küsste sie. Während sie auf dem Boden lagen!

»Arthur Weasley! Du benimmst dich kindisch!«, protestierte ihre Mum, aber weder besonders heftig noch schien sie ihm wirklich böse zu sein. Im Gegenteil: Sie machte den Eindruck, als würde sie sich bestens amüsieren.

George landete vor ihnen, als ihr Dad gerade dabei war, ihre schwächlichen Proteste mit einem weiteren Kuss zu ersticken. Neben ihnen lag ein Pergament auf dem Boden, das ihr Dad wohl fallen lassen hatte und das George nun aufhob.

Er überflog den Inhalt, während hinter ihm auch die anderen landeten.

»Herzlichen Glückwunsch … bla, bla, bla«, murmelte er halblaut vor sich hin. »Gratulieren wir Ihnen … in der alljährlichen Verlosung des Großen Galleonen-Preises des Daily Prophet den …« Er stockte und las noch einmal. »… den Hauptgewinn gezogen!«, schrie er fast. »Siebenhundert Galleonen!«

Die anderen starrten ihn an, ihr Dad lachte am Boden, und Fred riss ihm den Brief aus der Hand, um ihn selbst zu lesen.

»Was ist da unten los?«, rief plötzlich eine Stimme von oben. Percys Kopf erschien an seinem Zimmerfenster und blickte irritiert auf sie herab.

»Wir haben gewonnen, Percy!«, schrie ihr Dad nach oben. »Siebenhundert Galleonen!«

Ihre Mum nutzte die Gelegenheit, sich aus seinen Armen zu winden und sich aufzurappeln.

»Steh jetzt auf Arthur! Du benimmst dich unmöglich! Deine Robe bekommt Grasflecken!«, befahl sie ihm energisch, lächelte aber dabei.

»Jahh!«, sagte Fred gleichzeitig und schwang triumphierend die geballte Faust in die Luft. »Siebenhundert Galleonen!«

Ron und Ginny stimmten in sein Triumphgeheul ein, als sie begriffen, dass es kein Witz war, sondern sie tatsächlich gewonnen hatten.

»Das sind hundert Galleonen für jeden!«, jubelte Fred.

»Wann kriegen wir unseren Anteil?«, fragte George ihren Dad. Er lachte sie aus.

»War 'nen Versuch wert«, grinste George ihn an. Dann boxte er ihn glücklich auf die Schulter. »Siebenhundert Galleonen, alter Mann! Was machen wir mit so 'nem Haufen Kröten?«

»Ich brauch' einen neuen Zauberstab!«, verlangte Ron sofort und eröffnete damit die Vorschlagsorgie. An Wünschen herrschte kein Mangel. Ginny wollte unbedingt eine eigene Eule und neue Roben. Fred und er brauchten eigentlich dringend einmal eine neue Treiberausrüstung, ihre alten Sachen wurden allmählich etwas eng, Percy, der sich inzwischen ebenfalls aus seinem Zimmer herabbequemt hatte, wollte – Langweiler, der er war –, dass sie den größten Teil des Gewinns anlegten, er selbst würde sich mit einem neuen Schreibset bescheiden, und das war erst der Anfang.

Schließlich hob ihr Dad beschwichtigend die Hände. »Ruhe! Gebt endlich Ruhe! Über ein paar Sachen können wir vielleicht reden, aber wenn es nach euch geht, ist unser ganzer schöner Gewinn weg, bevor wir eine einzige Galleone in Händen halten! Wir werden in aller Ruhe überlegen, wofür wir das Geld ausgeben! Und zwar so, dass wir alle etwas davon haben!«

»Arthur«, mischte sich ihre Mum ein. »Ein Familienurlaub, Arthur! Mit der ganzen Familie! Das wollten wir doch schon immer, hatten aber nie genug Galleonen dafür übrig! Die Nil-Kreuzfahrt, die wir letztes Jahr nicht machen konnten! Wäre das nicht schön? Wir alle zusammen?«

George sah einen großen Teil ihres Gewinns den Nil hinabschwimmen, als ihr Dad erstaunt ihre Mum ansah und dann in breites Lächeln ausbrach.

»Großartige Idee, Molly! Wir holen Charlie in Rumänien ab und treffen uns dann mit Bill in Ägypten! Ich habe noch mehr als genug Urlaub, die Kinder haben Ferien, wir können ohne Probleme einen ganzen Monat wegfahren.«

»Aber, Dad!«, quengelte Ron beinahe verzweifelt. »Was ist mit meinem kaputten Zauberstab?«

»Ach, dafür reicht es allemal«, meinte ihr Dad wegwerfend. »Keine Sorge, wir behalten schon genug für ein paar kleine Anschaffungen übrig.«

George tauschte zweifelnde Blicke mit seinem Bruder aus. Ein Urlaub mit der gesamten Familie nahm nicht unbedingt den Spitzenplatz auf ihrer Wunschliste ein. Es mochte ja ein ganz netter Einfall sein, und bestimmt würde es mit Bill und Charlie auch lustig werden, aber es hätte wohl auch gereicht, wenn die beiden sie im Fuchsbau besucht hätten. Aber ihr Dad schien vollauf begeistert von der Idee und war inzwischen erneut damit beschäftigt, ihre Mum abzuknutschen. Wahrscheinlich war es am besten, sich damit abzufinden und sich darauf zu freuen. Ägypten hörte sich auch gar nicht so schlecht an, wenn er darüber nachdachte.

»Aber was ist mit Harry?«, protestierte auf einmal Ginny. »Dad! Hör doch zu! Was ist mit Harry? Du hast versprochen, dass wir ihn abholen!«

Ihr Dad runzelte die Stirn, lächelte aber gleich wieder. »Uns wird schon was einfallen, Ginny. Jetzt freu dich erst mal! Für Harry finden wir eine Lösung, keine Sorge!«

Ginny schmollte zwar überdeutlich, aber ihr Dad schien es gar nicht zu bemerken.

»Siebenhundert Galleonen, Molly«, verkündete er strahlend ihrer Mum, packte sie an der Hüfte und begann wieder, mit ihr über den Hof zu tanzen. Etwas langsamer diesmal, aber nicht viel. »Siebenhundert Galleonen! Ist das nicht einfach unglaublich, was wir für ein Glück haben?«

»Ich bekomm' einen neuen Zauberstab!«, verkündete Ron immer noch strahlend seinem gleichgültigen Publikum.

»Den hättest du auf jeden Fall gekriegt«, versetzte Ginny ungnädig. »Mum und Dad hätten dich doch nicht ohne Zauberstab zurück nach Hogwarts geschickt! Blödmann!«

Wo sie recht hatte, hatte sie recht, fand George und musste noch mehr grinsen, als Ron plötzlich ziemlich belämmert dreinschaute. Percy murmelte etwas über einen Aufsatz für Flitwick, den er noch schreiben müsse, und verschwand wieder im Haus.

»Scheiße!«, fluchte Fred. »Die Hausaufgaben!«

Auch George stöhnte auf. Sie hatten bisher noch keinen einzigen Strich für Hogwarts getan, und wenn sie tatsächlich einen vollen Monat wegfahren sollten, würden sie in den nächsten anderthalb Wochen alles auf einmal erledigen müssen. Eine grauenhafte Vorstellung.

Auch Ginny und Ron machten plötzlich lange Gesichter. Sie waren natürlich in verschiedenen Klassen, während Fred und er sich die Arbeit aufteilen und dann voneinander abschreiben konnten. Es hatte doch unbestreitbare Vorteile, ein Zwilling zu sein.


»Strandklar?«, fragte ihn Gloria, und Terry nickte. Sie verabschiedeten sich von seinem Vater, der sich gerade noch eine Aspirin einwarf und sich danach wieder vorsichtig auf dem Sofa des abgedunkelten Wohnzimmers ablegte. Dann brachen sie allein auf.

Als sie aus dem Haus traten, zog sich Terry die Sonnenbrille vom Hut und setzte sie auf. Ein leichter Wind wehte, aber er verteilte die Hitze nur gleichmäßig, ohne Abkühlung zu bringen. Es war früher Vormittag, fast noch Morgen, aber die Sonne brannte bereits vom wolkenlosen Himmel und tauchte die Reihe der weißen Ferienhäuser auf ihrer Seite der Straße in gleißendes Licht. Terry schulterte den Sonnenschirm und folgte Gloria, die mit der Kühltasche vorausging.

Zumindest was ihn betraf, hätte dieser Urlaub gar nicht besser sein können. Er liebte die Sonne, den Wind und das Meer. Selbst die mörderische Hitze der Mittagsstunden machte ihm nicht viel aus. Sein Vater dagegen war schon am zweiten Tag krebsrot geworden und hatte sich wie eine Schlange gehäutet. Und gestern hatte er sich bei ihrem Ausflug ins Hinterland einen Sonnenstich eingefangen, der sich gewaschen hatte. Er vertrug die Hitze wirklich nicht gut.

Während sie die Bungalowreihe entlangwanderten, wunderte sich Terry – wie immer – warum so viele von ihnen einen Pool hatten. Das Meer wartete schließlich fast direkt vor der Haustür. Es war sogar so nah, dass er das Rauschen der Wellen nachts in seinem Zimmer hören konnte. Schlafen war sowieso zu einer seltsamen Angelegenheit geworden, seit sie hier waren. Sobald er in seinem Bett lag, praktisch nackt, nur mit einem Bettbezug als Decke, und die Augen schloss, schien er wieder im Meer zu treiben und das Auf und Ab der Wellen zu spüren. Es war wie ein vertikales Schwindelgefühl, jedoch keineswegs unangenehm. Als wäre sein Bett ein trockenes Meer und die Wellen in seinem Kopf wollten ihn in den Schlaf wiegen. Außerdem war es oft noch sehr warm, trotz des geöffneten Fensters, und seine Haut schien immer noch von der Sonne des vergangenen Tages zu brennen. Es war seltsam, aber er liebte es.

Sie brauchten kaum fünf Minuten zum Strand. Es war schon relativ viel los, aber seit er vor zwei Tagen, als sie einen Ausflug nach Cádiz gemacht hatten, die normalen Touristenstrände gesehen hatte, wollte er sich nicht mehr beschweren. Dagegen wirkte ihr Strand, trotzdem er gut besucht war, menschenleer.

Sie mussten nicht lange suchen, bis sie ein relativ freies Plätzchen fanden. Terry spannte den Sonnenschirm auf, und Gloria breitete in dessen Schatten die Handtücher aus.

Terry stieg aus seinen Sandalen und vergrub seine Zehen im feinen, heißen Sand. Während er aus seinem Hemd und seinen kurzen Hosen schlüpfte, ließ er seinen Blick über den Strand schweifen. Es war erheblich mehr los als je zuvor, aber wahrscheinlich lag das daran, dass die letzten zwei Tage Levante geherrscht hatte. Es war am Strand nicht lange auszuhalten gewesen; er hatte es ausprobiert, obwohl ihn Gloria gewarnt hatte. Sie schätze ein Gesichtspeeling so sehr wie jeder andere, zöge es aber vor, wenn es nicht mit einem Sandstrahlgebläse gemacht würde, hatte sie gesagt. Er hatte es für einen ihrer üblichen Witze gehalten, gelacht und war allein zum Strand gegangen. Es war schließlich nur Wind, hatte er geglaubt. Doch dieser Wind hatte nicht nur Staub aus der Sahara mitgebracht, sondern auch den feinen Sand am Strand kräftig aufgewirbelt. Nach kurzer Zeit war das Prickeln der Sandkörner auf der Haut sehr unangenehm geworden. Er war eine Runde geschwommen, wegen des unberechenbaren Wellengangs einiges an Salzwasser geschluckt und dann eingesehen, dass es wirklich keinen Spaß machte. Nur einige Surfer waren draußen gewesen, aber das waren sie eigentlich immer. Auch heute waren sie unterwegs, obwohl der Wind stark nachgelassen hatte.

Er setze sich auf sein Badetuch und stopfte Hemd und Hose unter das Kopfende. Erst dann nahm er seine Sonnenbrille ab. Mit zusammengekniffenen Augen versuchte er, sich langsam an das Gleißen zu gewöhnen.

»Terry?«, sagte Gloria und hielt ihm die Sonnencreme hin. »Rücken.«

Sie lag auf dem Bauch und hatte die ihr Bikini-Oberteil bereits ausgehakt. Terry folgte der Aufforderung nicht eben widerwillig. Es war ein bisschen seltsam, aber auch wenn Gloria mindestens genauso alt war, sie war schließlich nicht seine Mutter. Ihr Rücken war schon ziemlich braun, eigentlich war alles an ihr schon braun. Er verstrich eine ordentliche Portion Sonnencreme auf ihrem Rücken – gründlich.

»Soll ich dir auch den Rücken eincremen?«, fragte ihn Gloria, als er fertig war.

»Nein«, erwiderte Terry schnell. »Ich schwimm' erst 'ne Runde.«

Er stand auf, nahm seinen Hut ab und ließ ihn einfach auf sein Badetuch fallen, bevor er sich zum Wasser aufmachte. Der Sand schien nach ein paar Schritten zu glühen. Er musste ein ganzes Stück gehen, da Ebbe herrschte. Das Wasser fühlte sich nach dem heißen Sand bemerkenswert kalt an seinen Füßen an, jedoch nur im ersten Augenblick. Er ging weiter ins Meer. Als das Wasser über seine Badehose ging und seinen Bauch erreichte, schnappte er nach Luft, so kalt schien es ihm auf der Haut, aber auch das dauerte nur einen kurzen Moment. Er ging noch ein Stück weiter hinein, tauchte dann ab und schwamm ein paar Züge unter Wasser. Auf dem Sandgrund des Meeres war nicht viel zu sehen. Nur gelegentlich huschten kleinere Fische über den Boden. Er hatte Schnorchel, Taucherbrille und Flossen mitgebracht, aber es lohnte sich eigentlich nur am Rande des Strands, wo es felsiger wurde und sich Anemonen, Seesterne und Seeigel, Krebse und manchmal auch der eine oder andere Fisch einfanden.

Er tauchte wieder auf, schwamm noch einige Züge weit hinaus und drehte sich dann auf den Rücken, um sich von den Wellen auf- und abschaukeln zu lassen. Es waren heute keine besonders großen dabei, aber er ließ sich trotzdem eine Weile mit geschlossenen Augen treiben und die Sonne auf den Bauch scheinen. Doch irgendwann hatte er auch davon genug, dreht sich wieder um und schwamm langsam zum Strand zurück. Die Welt wirkte düster und farblos, nachdem er so lange durch das orange Glühen seiner geschlossenen Lider in die Sonne gestarrt hatte.

Er suchte am Ufer ihren Sonnenschirm und schwamm darauf zu, als er ihn gefunden hatte. Er ließ sich beinahe stranden, bevor er aufstand und aus dem Wasser stieg. Gloria schien eingedöst zu sein. Ihre blonden Haare hingen ihr ins Gesicht, so dass er nicht erkennen konnte, ob ihre Augen offen waren. Er näherte sich sehr vorsichtig und achtete darauf, dass keine Tropfen aus seinen Haaren auf sie fielen und sie vorwarnten. Als er seine nassen Hände unvermittelt auf Glorias Rücken presste, stieß sie einen erstickten Schrei aus.

»Terry!« Sie richtete sich halb auf. Er versuchte, nicht allzu offensichtlich auf ihre Brüste zu starren. »Irgendwann hacke ich dir die Hände ab!«

Er grinste nur, schüttelte wild seinen Kopf und deckte sie mit einem Schauer aus Salzwassertropfen ein. Sie griff nach seinem Handtuch und schlug damit nach ihm, aber er war schneller und lachte sie aus. Wahrscheinlich würde sie sich später mit einem der eiskalten Kühlakkus rächen, der plötzlich irgendwie auf seinem Rücken oder Bauch landen würde, wenn er mal nicht aufpasste. Schließlich gab sie das Herumwedeln mit dem Handtuch auf und warf es ihm zu. Er trocknete sich flüchtig ab, breitete es wieder neben ihr unter dem Sonnenschirm aus. Seine Kleider und die Sandalen stopfte er als Kopfkissen darunter, bevor er sich hinlegte.

»Eincremen!«, befahl Gloria und warf ihm die Sonnencreme zu.

»Sobald ich trocken bin«, erwiderte Terry.

»Das kann noch ein paar Jährchen dauern«, meinte Gloria ironisch. »Vor allem hinter den Ohren. So lange würde ich an deiner Stelle nicht warten.«

Terry hatte sich eigentlich vor dem Urlaub fest vorgenommen, Gloria nicht leiden zu können. Es hatte nicht geklappt. Er fand immer noch, dass sie überhaupt nicht zu seinem Vater passte. Außerdem sah seine Mutter jünger und besser aus, zumindest was das Gesicht anging. Aber sie war witzig, behandelte ihn nicht wie ein kleines Kind und hatte ihn und seinen Vater haushoch im Scrabble geschlagen. Sie sprach einigermaßen Spanisch, hatte auf ihrem Ausflug nach Cádiz die perfekte Fremdenführerin gespielt und ihnen Kirchen und andere Sehenswürdigkeiten gezeigt. Seinen Vater hatte es offensichtlich gelangweilt, aber Terry hatte es interessant gefunden. Irgendwie mochte er sie einfach.

»Hast du eigentlich Kinder?«, fragte er sie.

Sie hob erstaunt den Kopf und machte dann ein säuerliches Gesicht. »Eine Tochter.«

»Wie alt?«, wollte er neugierig wissen.

»Erwachsen!«, schnappte sie böse. »Oder was man so ›erwachsen‹ nennt. Und wenn sie so weitermacht, schafft sie es noch, mich in der Blüte meiner Jahre zur Großmutter zu machen. Versucht hat sie es inzwischen oft genug.«

»Oma Gloria!«, lachte Terry. »Hört sich doch ganz nett an.«

»Pass bloß auf«, warnte ihn Gloria. »Ich geb' dir gleich eine ›Oma‹ hinter die Löffel. Niemand sollte in meinem Alter schon Großmutter werden. Ich muss das wissen, ich habe jahrelange Erfahrung darin, in meinem Alter zu sein.«

Das war etwas, was Terry ihr sofort glaubte. Grinsend suchte er nach seiner Sonnenbrille und setzte sie auf. So ließ sich unauffälliger beobachten. Es waren nicht viele interessante Mädchen in ihrer Nähe. Rechts von ihnen ließ etwas relativ Gutaussehendes und Braungebranntes mit langen schwarzen Haaren einen Drachen am Strand steigen. Aber sie war so weit weg, dass sich Terry ein Fernglas gewünscht hätte. Nicht weit vor ihnen lag eine junge Frau mit – wahrscheinlich – ihrem Freund, aber man konnte nur ihre Oberschenkel und Beine gut sehen, weil der Rest von einem Sonnenschirm verdeckt wurde.

Links spielten einige jüngere Leute auf dem heißen Sand Fußball, aber es waren keine Mädchen dabei. Das wäre wohl etwas für Simon oder Luna gewesen, entschied Terry grinsend, und sah sich weiter um. Nicht weit entfernt stieg ein durchaus passables Wesen aus den Wellen, aber eine Badehose hätte ihr wohl gereicht. Jedenfalls war in ihrem Badeanzug nicht einmal der Ansatz eines Busens auszumachen, was wirklich schade war, so wie sie aussah.

Fast alle am Strand waren beneidenswert braun, aber Gloria hatte ihm erklärt, dass die meisten Touristen in der Hochsaison ohnehin Spanier waren, also war das nicht verwunderlich. Selbst wenn er sich dazu hätte überwinden können, ein Mädchen anzusprechen, hätte sie wahrscheinlich kein Englisch gekonnt. Aber den Anblick zu genießen und ein bisschen zu träumen, konnte ihm niemand verbieten.

Als ihn die Sonne einigermaßen getrocknet hatte und auch nicht mehr viel Wasser aus seinen Haaren kam, cremte er sich ein. Dann stieß er Gloria an, damit sie den Rücken übernahm. Während er dasaß und sie Sonnencreme auf seinem Rücken verteilte, fiel sein Blick wieder auf die Fußballspieler. Plötzlich fiel ihm ein, was er sie schon lang hatte fragen wollen, sich aber am Anfang nicht getraut hatte.

»Wie hast du es eigentlich geschafft, meinen Vater in ein Musical zu schleppen? Und dann auch noch in das?«

Sie hielt einen Moment beim Eincremen inne, schien dann aber zu begreifen, was er meinte und lachte kurz auf.

»Meinst du, ich hätte ihm vorher sagen sollen, worum es geht?«, fragte sie dann mit gespielter Unschuld. »Das wäre doch unfair gewesen. Ich hasse es jedenfalls, wenn man mir die Handlung vorher verrät.«

Sie gab ihm einen Klaps auf die Schulter, als sie fertig war. »Hast du den Film gesehen, oder wie kommst du darauf?«

»Nö«, murmelte Terry und streckte sich auf seinem Handtuch aus. »Hab' 'nen Freund, der das Buch gelesen hat. Meinte, es sei scheiße.« Simon hatte sich zwar anders ausgedrückt, aber das war die Quintessenz dessen, was er darüber zu sagen gehabt hatte.

»Möglich«, gab Gloria zu und wühlte in der Kühltasche. »Das Buch habe ich nie gelesen.«

Terry döste kurz darauf ein. Später – viel später – landete ein eiskalter Kühlakku auf seinem Bauch und riss ihn aus seinen Träumen. Er rollte quiekend von seinem Handtuch auf den heißen Sand, begleitet von dem schadenfrohen Gelächter Glorias. Er schwor blutige Rache, ging aber dann doch lieber noch eine Runde mit ihr schwimmen, bevor sie beide vor der Mittagshitze flüchteten und den Strand verließen.


Simon las gerade in einem Buch über Schutz- und Bannzauber, als etwas gegen die Scheibe seines Fenster krachte. Er schrak auf und erkannte in der Dunkelheit eine Eule, die gleich darauf begann, mit ihrem Schnabel an die Scheibe zu klopfen. Er sah auf die Uhr. Es war kurz nach zwei Uhr nachts. Keine Zeit, zu der man üblicherweise Eulenpost erwartete.

Das Klopfen und Picken an der Scheibe hatte etwas Verzweifeltes, und er stand schließlich auf und öffnete sein Fenster. Herein flatterte ein ziemlich mitgenommen aussehendes Exemplar aus der Ordnung Strigiformes. Genauer konnte er die Art nicht einordnen, aber eines war ganz offensichtlich: Diese Eule hatte ihre besten Tage hinter sich. Erschöpft sprang und hüpfte sie im Flatterflug durch sein Zimmer und schaffte es schließlich im zweiten Anlauf auf seinen Schreibtisch, wo sie in sich zusammensank und offensichtlich … einschlief. Er hoffte jedenfalls, dass sie nur schlief und nicht dabei war, in einen komatösen Zustand zu verfallen, aus dem es kein Erwachen geben würde.

Sie rührte sich nicht, als er den Brief aus ihren Krallen löste. Er erkannte Georges Handschrift auf dem Umschlag sofort, obwohl er noch nicht viel davon gesehen hatte. Sein Herz schlug höher, aber er zögerte trotzdem, den Brief zu öffnen. Er bezweifelte stark, dass es sich um einen Liebesbrief handelte, den George geschrieben hatte, um ihm mitzuteilen, wie sehr er sich nach ihm verzehrte, und der für ihr nächstes Zusammentreffen wilden Sex in Aussicht stellte. Gleichzeitig hoffte er inständig, dass George es sich nicht doch noch anders überlegte hatte. Er fürchtete, wenn er den Brief öffnete, würden irgendwo die Worte stehen: »Tut mir leid, es war alles ein riesiger Fehler. Ich will nichts von dir, beenden wir das Ganze. Es ist besser, wenn wir uns nie wieder treffen.«

Schließlich überwand er sich doch und machte den Brief auf.

Hallo, Simon!

Was willst du zuerst hören? Die gute oder die schlechte Nachricht? Ist eigentlich dieselbe, also fang ich mit der guten an: Wir (eigentlich unser Dad, aber das läuft aufs Gleiche raus) haben gewonnen! Den Hauptgewinn bei der großen Verlosung des Daily Prophet! 700 Galleonen! Kannst du dir das vorstellen? Wahrscheinlich schon, oder? Für einen reichen Pinkel wie dich ist das ja nur Taschengeld, oder? (Ha, ha, ist ein Witz, reg dich nicht auf!)

Zur schlechten Nachricht: Wir haben gewonnen! Den Hauptgewinn! 700 Galleonen! Und wir fahren nächste Woche weg. Zuerst holen wir Charlie (unseren Bruder) aus seinem Drachenreservat in Rumänien ab, und dann Bill (noch einer, der älteste) in Ägypten, und dann verbringen den Rest der Ferien da. Kreuzfahrt auf dem Nil und das volle Programm halt. Die ganze Familie, also auch Fred und ich. Das heißt, wir können nicht zum nächsten Treffen bei Lovegood kommen. Wir bleiben bis zum Ende der Ferien, also werden wir uns erst im Hogwarts-Express sehen. Du kannst mir ja einen Platz frei halten. (Oder wir teilen uns einen, wie wär's damit?)

Mach kein so dummes Gesicht! Ich weiß, du wirst mich schrecklich vermissen. Wenn ich mir echt große Mühe gebe, vermisse ich dich vielleicht auch ein ganz kleines bisschen. Soll ich mir Mühe geben?

Ich habe keine Zeit, mehr zu schreiben. Errol wird sowieso ewig brauchen, wenn er es überhaupt noch heute schafft. Er ist nicht mehr der Jüngste, aber ich wollte Percy nicht fragen, ob ich Hermes benutzen darf. Hast du Vielsafttrank bei der Hand? Ich würde Percy lähmen, im Keller verstecken und ihm alle Haare ausreißen, und du könntest dann an seiner Stelle mit nach Ägypten kommen. Keiner würde einen Unterschied merken. (Außer ich, ha, ha und so weiter.)

Mach's gut. Wir sehen uns im Hogwarts-Express. Du weißt schon.

George Weasley

PS: Versuch bitte, Errol ein bisschen aufzupäppeln, bevor du ihn zurückschickst. Wenn du ihm eine Nachricht mitgeben willst, schreib nichts, was nicht jeder lesen kann. Errol ist total verkalkt und nicht sehr zuverlässig. Er würde den Brief jedem geben, der ihm einen Keks hinhält.

Simon versuchte nicht einmal, sich für George zu freuen. Natürlich hätte der Inhalt des Briefes schlimmer sein können, aber es reichte ihm auch so. Er würde George den Rest der Sommerferien nicht mehr sehen. Das war mehr als ungerecht, das war eine mittlere Katastrophe. Und sie hatten bisher immer noch nicht mehr getan, als sich geküsst. Simon hatte gehofft, sie würden etwas weiter kommen, bevor sie wieder nach Hogwarts mussten. In der Schule würde es keinesfalls leichter werden, sich auch nur allein zu treffen – von allen anderen Aktivitäten ganz zu schweigen. Und in einem Urlaub konnte viel passieren. George könnte sich verlieben, schlimmstenfalls sogar in ein Mädchen. Ein Urlaubsflirt war vielleicht keine ernsthafte Gefahr an sich, aber selbst dieses kleine Risiko schien ihm bedrohlich groß.

Er starrte missmutig auf die schlafende Eule. »Aufpäppeln« hatte George gemeint. Sie hatten nicht einmal Eulenkekse im Haus. Verdammtes Eulenvieh. Er überlegte, womit er das Tier wiederbeleben sollte.

Schließlich schlich er in die Küche, füllte eine Schale mit Wasser und eine zweite mit Katzentrockenfutter und brachte sie dem Vogel. Dieser blinzelte erst misstrauisch, stürzte sich dann aber auf Wasser und Futter, als wäre er halb verhungert und verdurstet. Dabei richtete er eine ziemliche Sauerei auf dem Schreibtisch an. Simon nahm sich einen alten Schulatlas aus einem Regal und benutzte diesen als Unterlage, während er seine Antwort aufsetzte.

Hallo, George!

Meinen Glückwunsch zum Hauptgewinn! Ich freue mich sehr für dich und deine Familie und hoffe, dass ihr viel Spaß in Ägypten habt! Du kannst mir ja erzählen, wie es war, wenn wir uns im Hogwarts-Express sehen.

Selbstverständlich hast du in fast allen Punkten recht. Ich bin ein unverbesserlicher Streber und vermisse die Schule und vor allem das Drumherum jetzt schon. Unter diesen Umständen sollte es dich nicht wundern, dass ich es kaum noch erwarten kann, bis die Ferien zu Ende gehen. Und Ja(!), du solltest dir wirklich Mühe geben, wenn du verstehst, was ich damit meine. (Gute Noten sind schließlich wichtig.) Wie du richtig erkannt hast, werde ich es jedenfalls tun.

Das Übliche, und du weißt schon!

Simon Grey

Er las es noch einmal durch. Er war nicht zufrieden, aber was konnte er schon groß schreiben, ohne allzu offensichtlich zu werden? Die Gratulation am Anfang klang in seinen eigenen Ohren extrem unaufrichtig, aber das lag wahrscheinlich nur daran, dass er selbst genau wusste, dass sie es auch war.

Er faltete das Pergament zusammen, kramte einen Briefumschlag aus seinem Schreibtisch und steckte es hinein. Zur Sicherheit schrieb er noch groß und deutlich »George Weasley« darauf. Die Eule hatte mittlerweile ihr Gelage beendet und war anscheinend wieder eingeschlafen.

»Du! Eule!«, versuchte er sie aufzuwecken. Wie hieß sie noch? »Errol?«

Sie reagierte nicht. Zuckte nicht einmal. Da war wohl nichts zu machen. Kurzerhand lochte er den Umschlag am Rand, um ihn mit einer Schnur ans Bein der Eule zu binden. Erst danach kam ihm in den Sinn, dass er gar keine Schnur hatte. Er durchwühlte seinen Schreibtisch – wider besseres Wissen –, aber wie er schon vorher geahnt hatte, fand sich nicht einmal ein Bindfaden. Draußen im Schuppen war der einzige Ort, wo er sicher war, dass er eine Rolle finden würde. Aber mitten in der Nacht in den Schuppen schleichen?

Er wollte sich fast schon auf den Weg machen, als ihm wieder einfiel, dass er ein Zauberer war. Er verfluchte seine eigene Dummheit, rollte ein Blatt Papier zusammen und verzwirbelte es, bevor er es in ein Stück Schnur verwandelte. Er zog die Schnur durch den Umschlag und band sie der Eule ums Bein. Sie ließ das geschehen, ohne sich zu rühren oder einen Mucks von sich zu geben. Hoffentlich würde der Zauber auch halten.

»Bring den Brief zu George«, flüsterte er der Eule zu, aber auch diesmal rührte sie sich keinen Millimeter. Er hatte keine Ahnung, ob sie ihn gehört hatte, bezweifelte es jedoch.

Schließlich beschloss er, sich einfach wieder hinzulegen und das Fenster offen zu lassen. Irgendwann würde die Eule schon von selbst wieder munter werden und nach Hause fliegen.

Als Simon gegen Mittag erwachte, war der Vogel tatsächlich verschwunden, und nur die verstreuten Katzenfutterbröckchen auf seinem Schreibtisch erinnerten noch daran, dass er da gewesen war.


Luna hatte schlechte Laune. Das war an sich selten, und sie wusste selbst nicht recht, aus welchem Grund. Möglicherweise langweilte sie sich nur, aber sie war sich nicht sicher, ob es nur daran lag. Und sie hatte keine Lust mehr, weiterzupflücken. Die Schüssel war zwar erst halbvoll, aber die verwilderten Erdbeeren hatten so kleine Früchte, dass sie noch ewig gebraucht hätte. Für einen Kuchen konnte es gerade so reichen, und wenn nicht, sollte sich Bitzer etwas einfallen lassen, dachte sie ärgerlich.

Sie nahm die Schüssel und ging damit zurück zum Turm. Die Küche war leer. Sie berührte kurz die Wand und fragte den Turm, wo ihr Dad gerade war. Der Eindruck, den ihr der Turm vermittelte, sagte eindeutig Arbeitszimmer, aber ihr Dad war dort nicht allein. Das wäre an sich noch nicht außergewöhnlich gewesen. Sie hatten zwar selten Besuch, aber hin und wieder kam doch jemand vorbei. Mitarbeiter aus der Redaktion, Photographen, Leute, die gelegentlich für den Quibbler schrieben oder die ihr Dad interviewen wollte. Aber das Bild, das ihr der Turm von diesem Besucher vermittelte, sagte ihr nichts, und doch kam es ihr seltsam bekannt vor. Natürlich lieferte der Turm auch keine richtigen Bilder, auf denen sich etwas vom Aussehen des Besuchers hätte erkennen lassen, sondern nur eine Art Gesamteindruck davon, wie sich ein Mensch für ihn anfühlte. Eine Aura. Und etwas an dieser speziellen Aura machte einen vertrauten Eindruck.

Sie ließ den Turm los und ging hinauf ins Wohnzimmer. Da nur der Kamin in der Küche an das Netz angeschlossen war, musste der Besucher hier durchgekommen sein, wenn er nicht appariert war. Und wer apparierte schon freiwillig, wenn man auch das Kaminnetz benutzen konnte.

»Hi, Großvater!«, grüßte sie das Porträt, das auf dem Kaminsims stand.

»Luna«, grummelte er.

»Wer ist Dads Besuch?«, kam sie gleich zur Sache.

Ihr Großvater blickte mürrisch aus seinem Porträt auf sie herab. »Hat sich nicht vorgestellt«, brummte er ungnädig. »Sollte mich aber nicht wundern, wenn es ein Weasley war.« Ihr Großvater schüttelte missbilligend den Kopf. »Dein Vater hat ihn Arthur genannt, und er hatte rote Haare, wenn auch nicht besonders viele davon.«

»Ginnys Dad ist hier?«, fragte Luna aufgeregt. »Was kann er von Dad wollen?«

Luna hoffte, dass die Zwillinge nichts ausgeplaudert hatten. Oder Ginny ihrem Dad von letztem Jahr erzählt hatte. Das würde zu unangenehmen und sehr lästigen Fragen führen.

»Woher soll ich das wissen?«, polterte ihr Großvater. »Aber in letzter Zeit haben sich ja einige Weasleys hier herumgetrieben, da kommt es auf einen mehr oder weniger auch nicht mehr an.«

»Pst«, machte Luna und grinste ihn verschwörerisch an. »Das muss nicht jeder wissen, Großvater!«

»Ach macht doch, was ihr wollt!«, erwiderte das Porträt unwirsch. »Ich halte jetzt mein Nickerchen und möchte nicht gestört werden! Aber denk an meine Worte: Weasleys bringen nur Ärger!«

Luna kicherte. Ihr Großvater schaffte es immer wieder, sie aufzuheitern. Aber warum war Ginnys Dad wirklich hier? Sie beschloss, der Sache auf den Grund zu gehen. Leise schlich sie sich die Stufen der Treppe hoch. Bald konnte sie die Stimmen von oben hören. Gut, ihr Dad hatte die Treppe nicht zugemacht. Wahrscheinlich hatte er es vergessen oder gedacht, dass sie ja sowieso draußen war und nicht stören würde. Sie tapste so leise wie möglich so weit, wie es nur ging, die Wendeltreppe hoch und setzte sich dann auf eine Stufe, um zu lauschen. Im Moment herrschte jedoch Stille. Luna befürchtete schon, Mr. Weasley oder ihr Dad hätten sie gehört, aber dann sagte ihr Dad wieder etwas.

»Nun, versteh mich bitte nicht falsch, Arthur, aber das ist ein recht großer Gefallen. Nicht eigentlich natürlich, nicht per se, aber wir reden hier von Harry Potter. Ich habe nichts gegen den Jungen, aber … die Zeiten könnten wieder unruhiger werden. Ich möchte in nichts hineingezogen werden. Ich muss auch an Luna denken.«

»Ich weiß, Xenophilius, es ist viel verlangt. Aber ich habe meiner Tochter versprochen, dass ich mich darum kümmere, und es war ihre Idee, dass wir zuerst bei euch fragen sollen. Wenn ich es nicht getan hätte, hätte sie mich an die Gartengnome verfüttert.«

»Ja«, seufzte ihr Dad. »Töchter.«

Luna war beinahe ein bisschen beleidigt. Ihr Dad hätte nicht so verzweifelt klingen müssen. Auf jeden Fall hatte offenbar Ginny ihren Dad hergeschickt. Wegen etwas, was Harry Potter betraf.

»Ginny meinte, dass sich deine Tochter ebenfalls über Gesellschaft freuen würde. Außerdem würde sie Harry schon kennen. Die beiden sollen sogar miteinander getanzt haben.«

Ihr Dad gab ein komisches Geräusch von sich und hustete dann. Sie war sich eigentlich fast sicher gewesen, dass sie ihm von der Todestagsfeier des Fast Kopflosen Nick erzählt hatte, aber entweder hatte er nicht richtig zugehört, oder sie hatte es doch vergessen. Vielleicht hatte sie auch nur nicht erwähnt, mit wem sie getanzt hatte? Das war gut möglich.

»Alles in Ordnung, Xenophilius? Ich dachte –«

»Luna hat mit Harry Potter getanzt? Meine Luna?«

Jetzt übertrieb ihr Dad aber wirklich!

»Äh, ja, so hat man es mir berichtet«, sagte Mr. Weasley vorsichtig. »Mein Jüngster hat es bestätigt. Sie hat wohl auch Ron wenigstens einmal auf die Tanzfläche gezwungen. Tapferes Mädchen, muss ich sagen.«

Luna fühlte sich ein klein wenig geschmeichelt, auch wenn Mr. Weasley offensichtlich nur einen Scherz hatte machen wollen.

»Luna, Luna, Luna.«

Allmählich wurde Luna böse auf ihn. So benahm man sich nicht vor fremden Leuten, auch wenn es ein Nachbar war.

»Wie gesagt«, erklang wieder Mr. Weasleys Stimme, »ich würde mich um alles kümmern. Du müsstest ihn nur am ersten August bei seinen Muggel-Verwandten abholen. Ich kläre die Formalitäten mit Dumbledore ab, aber euer Turm ist mindestens so sicher wie der Fuchsbau. Sicherer, vermutlich. Ich kann mir nicht vorstellen, dass er Einwände hat, wenn der Junge den Rest des Sommer bei euch verbringt.«

Ihr Dad schwieg, und Luna dachte nach. Wollte sie, dass Harry herkam? Der Junge war ja ganz nett, aber auch ein bisschen komisch. Außerdem hätte sie zwar dann Gesellschaft, aber es würde noch schwieriger werden, unbemerkt die Treffen im Turm abzuhalten.

»Eines verstehe ich nicht, Arthur: Warum lebt der Junge überhaupt bei diesen Muggeln? Noch dazu, wenn sie ihn schlecht behandeln? Es gibt doch noch einige Potters, bei denen er hätte unterkommen können. Und James und Lily Potter hatten doch auch genug Freunde, die wesentlich besser geeignet gewesen wären, oder?«

Mr. Weasley räusperte sich verlegen. »Das ist eine komplizierte Geschichte, Xenophilius. Es waren unruhige Zeiten. Und sein Patenonkel … tja, du weißt ja, was Sirius Black getan hat. Dumbledore hat sich für die Lösung entschieden, die er damals für die Beste hielt.«

»Die Sache will mir nicht gefallen«, meinte ihr Dad nach einer Weile. »Falls –nur falls, wohlgemerkt – ich mich dazu bereiterkläre, dann höchstens als nachbarschaftliche, rein persönliche Gefälligkeit. Ich will nichts mit Politik zu tun haben.«

»Das ist selbstverständlich, Xenophilius«, versicherte Mr. Weasley. »Um mehr würde ich dich nie bitten. Es ist ehrlich nur ein persönlicher Gefallen, den du mir tun würdest.«

»Nun gut«, erwiderte ihr Vater. »Ich werde es mir durch den Kopf gehen lassen. Ich kann dir jetzt noch keine definitive Antwort geben. Auf jeden Fall muss ich vorher mit Luna sprechen und sie fragen, was sie davon hält.«

Das war wohl ihr Stichwort.

»Geht klar, Dad!«, rief sie nach oben, stand auf und erklomm die letzten Stufen ins Arbeitszimmer.

Ihr Dad sah sie stirnrunzelnd an, Mr. Weasley hatte sich in seinem Sessel umgedreht und schaute verdutzt drein, als sie auf der Treppe erschien.

»Hi, Mr. Weasley«, grüßte sie ihn und machte einen kleinen Knicks. »Wie geht es Ihnen?«

Er erholte sich schnell von seiner Überraschung und stand aus seinem Sessel auf. »Guten Tag, Miss Lovegood«, sagte er mit einer leichten Verbeugung.

Sie schenkte ihm Lächeln, von dem sie hoffte, dass es huldvoll wirkte. »Sie dürfen Luna zu mir sagen.«

»Seit wann lauschst du schon?«, fragte ihr Vater und versuchte ein böses Gesicht zu machen. Er war nicht sehr gut darin, fand Luna.

»Hmm … eine Weile?«, meinte sie. »Das meiste hab' ich jedenfalls mitbekommen, denk' ich.«

»Wirklich?«, fragte er ziemlich trocken. »Und du hast nichts dagegen, dass wir den Rest des Sommers einen Gast beherbergen?«

»Nein«, antwortete sie möglichst ernsthaft. »Könnte ganz lustig werden.«

»Aha.«

Mr. Weasley räusperte sich verlegen. »Vielleicht sollte ich mich verabschieden. Ihr wollt das Ganze bestimmt unter vier Augen besprechen.«

»Ja, sicher Arthur«, sagte ihr Dad und stand auf. »Ich werde dir morgen meine Entscheidung mitteilen. Lass mich dich nach unten begleiten. Es gibt noch etwas, was ich gerne kurz bereden würde. Ebenfalls unter vier Augen.«

Dabei warf er Luna einen tadelnden Blick zu, den sie aber nicht weiter schwernahm. Sie zwinkerte Mr. Weasley zu, dass er sich keine Sorgen zu machen brauchte.

»Du wartest hier«, sagte ihr Dad zu ihr, als er sich an der Treppe noch einmal umdrehte. »Wir haben einiges zu bereden, junge Dame.«

Er gab sich wirklich Mühe, aber es war zu komisch. Sie schaffte es gerade so, ernst zu bleiben. Wahrscheinlich wäre er beleidigt gewesen, wenn sie jetzt zu kichern angefangen hätte.

Während ihr Dad Mr. Weasley nach unten brachte, fragte sie sich, wie es wohl werden würde, mit Harry Potter unter einem Dach zu leben. Ihr blieb nur zu hoffen, dass er hier nicht so langweilig wie in der Schule war, sonst würde der Sommer öde werden. Und falls er doch langweilig war, dann würde sie ihn eben umkrempeln müssen. Jedenfalls tat sie Ginny damit bestimmt einen Gefallen, und wozu waren Freundinnen sonst da?


»Was denn? Auch schon wach?«, tat seine Mum verwundert, als Simon in die Küche geschlurft kam.

»Nein«, erwiderte er unleidlich, »ich schlafwandle. Sieht man das nicht?«

»Doch«, meinte sie und schob ihm eine Tasse Tee hin. »Jetzt, wo du's sagst.«

Normalerweise war Simon während der Ferien nicht sehr an der Berichterstattung des Daily Prophet interessiert. Aber das Photo war auf der Titelseite und unübersehbar. Leider nur schwarz-weiß. Neun Leute winkten heraus, und die meisten erkannte er.

Er studierte das Bild ausführlich, aber es war zu klein, jedenfalls nicht nahe und detailliert genug, als dass er hätte sagen können, welcher der beiden Zwilling George und welcher Fred war. Es ärgerte ihn, aber er würde es trotzdem später ausschneiden und aufheben. Immerhin war einer der beiden mit Sicherheit George. Zwei Leute auf dem Photo erkannte er nicht. Das mussten Charlie und Bill sein, aber auch sie trugen keine Namensschilder, und eine vernünftige Bildunterschrift schien auch zu viel von den »Journalisten« des Daily Prophet verlangt. Käseblatt.

Er las den Artikel. Er bestand in weiten Teilen aus unverhohlener Eigenwerbung und einem kurzen Interview, in dem Mr. Weasley ankündigte, dass er das gewonnene Gold für einen Sommerurlaub in Ägypten ausgeben wolle. Simon starrte einen Moment lang verwirrt auf das Photo. Im Hintergrund war eine große Pyramide zu sehen, also mussten die Weasleys bereits in Ägypten sein. Die Tagesaktualität des Daily Prophet ließ wirklich zu wünschen übrig.

Seine Mum war mit dem Guardian beschäftig und hatte der Zaubererzeitung anscheinend noch keine Beachtung geschenkt. Es war eine Gelegenheit. Ein Wink des Schicksals, in gewisser Weise, obwohl er nicht an so etwas glaubte. Trotzdem war er hin- und hergerissen. Sollte er, oder sollte er nicht? In vieler Hinsicht war es durch diesen verdammten Ägyptenurlaub nicht mehr so dringend. George war sowieso weit weg.

Plötzlich lachte seine Mum.

»Was schreibt der Grauniad?«

»Unser hochverehrter Herr Premierminister hat drei seiner Kabinettskollegen mit der treffenden Bezeichnung ›Bastarde‹ tituliert. Wahrscheinlich nur drei, weil er nicht weiter zählen kann. Dann hat er auch noch auf Lyndon B. Johnsons Maxime angespielt, als er gefragt wurde, warum er sie nicht entlässt. Ein BBC-Techniker hat nach einem Interview den Ton weiterlaufen lassen und alles aufgenommen.«

»Was für 'ne Maxime?«

»Johnson über Hoover: ›Ist wahrscheinlich besser, wenn er im Zelt ist und nach draußen pisst, als dass er draußen ist und zu uns hereinpisst.‹«

»Auch ein Motto.«

Simon beobachtete seine Mum genau, aber ihre gute Laune hielt natürlich nicht an. Ein Mal murmelte sie sogar »Idioten!«, bevor sie weiterblätterte. Währenddessen rang er mit sich. Er nahm einen Schluck Tee und schimpfte sich selbst einen Feigling, aber es half nichts. Seine Nervosität nahm ungekannte Ausmaße an, als seine Mum sich dem Ende ihrer Zeitungslektüre näherte. Er versuchte an George zu denken und sich einzureden, dass es schon nicht so schlimm werden würde. Der Erfolg blieb aus. Sein Herz hämmerte wie verrückt und ihm wurde richtiggehend körperlich schlecht, als seine Mum den Guardian weglegte und zum Daily Prophet griff. Er schaffte es noch nicht einmal, auf sich selbst wütend zu werden, so aufgeregt war er. Er hatte Salazar Slytherins geheime Kammer überlebt, also würde er doch auch das überleben, sagte er sich. Doch die Angst war zwar anders, aber nicht kleiner als damals.

Wozu sollte er es eigentlich tun, schoss ihm durch den Kopf, während seine Mum bereits die Titelseite überflog. Es hatte doch keinen großen Sinn, es ihr zu sagen. Wenn man es genau nahm, ging es sie schließlich überhaupt nichts an. Und wenn er George diesen Sommer ohnehin nicht mehr sehen konnte, würde es auch in den Weihnachtsferien noch reichen, wenn es denn überhaupt sein musste.

Er starrte auf das Titelbild seiner Zeitung. Verdammt, er wusste nicht einmal, ob George rechts oder links stand. Perfekt achsensymmetrisch winkten die beiden aus dem Photo heraus. Rechts, entschied er, weil es auch egal war.

Seine Mum schien mit der Titelseite durch zu sein und machte Anstalten, den Daily Prophet aufzuschlagen. Jetzt oder nie, befahl er sich selbst. Und er hätte einiges dafür gegeben, wenn es »nie« hätte sein können.

»Mum«, versuchte er zu sagen, aber vor Aufregung überschlug sich seine Stimme und er brachte nur ein peinliches Kieksen zustande.

»Hm? Alles in Ordnung mit dir?«, fragte sie, während er versuchte, den Frosch im Hals hinunterzuschlucken.

»Das Photo auf der Titelseite«, würgte er schließlich heraus. »Hast du es dir angesehen?«

»Das Photo?«, fragte sie verwirrt und blätterte zurück. »Meinst du das Gruppenbild? Was ist damit?«

»Siehst du die Zwillinge am Rand?« Seltsamerweise fühlte er, wie er plötzlich ruhiger wurde. Nicht viel, aber auch das half.

»Sicher«, meinte seine Mum und starrte ihn mit gerunzelter Stirn an. »Was ist mit ihnen? Kennst du sie?«

Er konnte nicht fassen, dass er das hier wirklich tat. Aber jetzt noch einen Rückzieher machen – doch, er hätte es noch gekonnt. Und die Versuchung war groß. Überwältigend geradezu.

»Schau dir den rechten an«, stieß er schnell hervor, bevor ihn die eigene Feigheit wieder übermannen konnte.

»Ja? Und?«, fragte sie. »Moment. Rechts von wo aus gesehen?«

»Scheißegal!«, entfuhr es Simon. »Jedenfalls ist das George. Mein Freund. Mehr oder weniger.«

Er wusste nicht, warum er das »mehr oder weniger« dazugesagt hatte. Vielleicht ein letzter verzweifelter Versuch seines Unterbewusstseins, sich ein Hintertürchen offen zu halten?

»So?« Seine Mum sah ihn verständnislos an. »Und warum –«

»Freund-Freund, Mum! Nichts von wegen platonisch. Wir gehen miteinander. So offiziell inoffiziell. Halboffiziell.«

Er wurde geradezu ruhig, während seine Mum fassungslos durch ihn hindurchstarrte.

»Das … das … Soll das ein Witz sein?«, fragte sie schließlich ungläubig. »Willst du mich auf den Arm nehmen?«

»Nein«, antwortete Simon schlicht. Er fühlte sich wunderbar gelassen, sein Herzschlag war überraschenderweise schon wieder dabei, sich zu beruhigen, und er harrte geduldig der Dinge, die da kommen mochten.

»Du willst mir damit sagen –«

»Genau, Mum«, fiel er ihr ins Wort. »Ich bin schwul. Andersrum. Steh' nicht auf Mädchen. Etwas in der Richtung.«

Sie starrte ihn sprachlos an, und schwieg eine ganze Weile. Auf ihrem Gesicht war keine Regung zu sehen. Er erwiderte ihren Blick so fest wie möglich, auch wenn es zunehmend schwerer wurde, je länger die Stille zwischen ihnen anhielt.

Nach einer halben Ewigkeit des Schweigens fragte sie plötzlich: »Seit wann?«

Er wusste nicht recht, was sie meinte. »George und ich? Erst seit ein paar Wochen, wenigstens von seiner Seite –«

»Seit wann du glaubst … du weißt, dass du schwul bist?«, fragte sie tonlos.

»Immer schon«, erwiderte er wahrheitsgemäß. »Seit zwölf oder so eben.«

»Du hattest eine Freundin«, sagte sie anklagend. »Colleen Hodgson. Ihr habt immer Hausaufgaben zusammen gemacht.«

Simon verzog das Gesicht. »Das war platonisch. Wenn überhaupt.« Das war noch gewesen, als sie in Leeds gewohnt hatten, und war so lange her, dass es schon nicht mehr wahr war. Sie waren nicht einmal besonders eng befreundet gewesen. Colleen hatte sich von ihm bei den Hausaufgaben helfen lassen, und er hatte diese Gelegenheiten dazu benutzt, heimlich ihren älteren Bruder anzuhimmeln. Er war damals ziemlich in Jerry Hodgson verknallt gewesen. Groß, blond, Rugbyspieler, Mädchenschwarm, ein Traum. Und ein Traum wäre es selbstverständlich auch dann geblieben, wenn sie nicht weggezogen wären. Es war wirklich in einem anderen Leben gewesen. »Es ist keine ›Experimentier-Phase‹, falls du das denkst, Mum.«

Sein Mum schüttelte langsam den Kopf, sah auf das Titelbild des Daily Prophet und schließlich wieder ihn an. Dann ließ sie die Zeitung sinken, stand wortlos auf und verließ die Küche. Kurz darauf hörte er die Haustür und sah durch das Fenster, wie seine Mum vorbeiging. Gartenarbeit. Solche Anfälle hatte sie manchmal, wenn sie gestresst war. Insgesamt betrachtet war es wohl besser gelaufen, als er vernünftigerweise hätte erwarten können. Er versuchte, tief durchzuatmen. Nach all der Aufregung fühlte er jetzt fast nichts mehr.

Eine Weile starrte er auf George – oder womöglich Fred, das war jetzt auch schon egal –, wie er fröhlich grinsend aus seinem Bild herauswinkte. Er beschloss, den Artikel nicht auszuschneiden und gleich die ganze Zeitung aufzuheben. Er stand auf, sah noch einmal aus dem Fenster, aber seine Mum war nicht zu sehen, nahm die Zeitung mit und ging auf sein Zimmer.

Simon ließ sich auf sein Bett fallen und fragte sich, wann sich endlich die Erleichterung einstellen würde, die er eigentlich spüren sollte. Sie ließ auf sich warten. Er sah sich noch einmal genau die Zwillinge an und versuchte irgendwelche Unterschiede zu erkennen, aber es war aussichtslos. Es war eben nur ein Zeitungsphoto, und außer zu winken und in die Kamera zu grinsen, taten die Personen darauf nichts.

Er gähnte ausgiebig. Er war gestern zwar relativ früh weggedöst, aber immer noch müde, und die zwei Schlucke Tee hatten ihn nicht munter gemacht. Er überlegte, ob er weiterlesen sollte, aber starrte dann doch lieber noch eine Weile das Bild auf der Titelseite an. Selbst Percy grinste bis zu den Bügeln seiner Hornbrille. Mit dem Fes auf dem Kopf sah er lächerlich aus. Allerdings prangte auf seiner Brust das blankpolierte Abzeichen eines Schulsprechers. Anscheinend hatte er es doch geschafft. War wohl auch zu erwarten gewesen. Die zwei unbekannten Gestalten auf dem Photo waren jedoch interessanter, jede auf ihre Weise.

Der eine Mann war klein und kompakt, kaum größer als Mrs. Weasley. Irgendwie wirkte er fast wie eine etwas ältere Ausgabe der Zwillinge, die ja auch nicht besonders groß geraten waren. Seine Haare waren ein verstrubbeltes Durcheinander, und er sah auch sonst ziemlich wild aus. Der andere war großgewachsen, trug eine Art Lederjacke, hatte lange Haare, die zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden waren, und einen ziemlich großen Ohrring – einen großen Zahn oder eine Kralle, soweit man das auf dem Photo erkennen konnte. Natürlich auf der falschen Seite, wenn man darauf etwas geben wollte. Bill und Charlie, aber Simon konnte genauso wenig wie bei den Zwillingen sagen, wer wer war. Wie auch? Er wusste nur, dass einer irgendetwas mit Drachen machte und der andere der Älteste war. Nichts davon ließ sich auf dem Bild eindeutig feststellen. Der Ohrring war auch kein echter Hinweis. Für einen Drachenzahn oder eine Drachenkralle war er dann doch zu klein, oder? Höchstens von einem Babydrachen vielleicht.

Als er Schritte auf der Treppe hörte, steckte er schnell die Zeitung unter sein Bett. Gleich darauf stand auch schon seine Mum in der Zimmertür. Sie hatte immer noch ihre Gartenhandschuhe an, und schien das gerade selbst zu bemerken. Sie zog sie aus und legte sie auf seinen Schreibtisch, bevor sie zu ihm herüberkam. Sie setzte sich neben ihn aufs Bett und sah ihn lange an.

»Also …«, begann sie dann endlich. »Es tut mir leid. Es kam nur so … unerwartet.«

Er fand nicht, dass sie sich für etwas entschuldigen musste, aber seine Kehle war wie zugeschnürt, und er brachte keinen Ton heraus. Also zuckte er nur mit den Achseln.

»Ich weiß, das war bestimmt nicht leicht«, sagte sie leise und strich ihm über den Kopf. »Heute nicht und vorher auch nicht.«

Sie streichelte ihn immer wieder über den Kopf, als wäre er die Katze. Seltsamerweise liefen ihm ein paar Tränen über die Wangen, als er blinzelte. Was sollte das?

»Warum hast du es mir nicht früher gesagt?«, fragte sie, und sie schien das ernst zu meinen. Er musste schlucken, konnte aber immer noch nichts sagen und zuckte wieder nur mit den Schultern. Die Tränen liefen einfach weiter, als hätten seine Augen einen eigenen Willen.

»Du weißt doch, dass ich dich liebe, oder? Du bist mein Sohn, und was auch immer passiert, ich werde dich immer lieben.«

Er unternahm sein Möglichstes, als er das Schluchzen aufsteigen fühlte, aber es stieg ihm unaufhaltsam die Kehle hinauf, ohne dass er es hätte verhindern können. Seine Mum zog ihn hoch und nahm ihn in die Arme, während er zu heulen begann. Völlig irrational, sagte er sich, während er in ihren Armen lag und ihre Bluse durchnässte. Es mussten die Nerven sein. Die Anspannung. Ja, vermutlich nur ein kleiner Nervenzusammenbruch. Das konnte doch jedem einmal passieren, nicht wahr?

Es half nichts. Er heulte weiter Rotz und Wasser, seine Schultern zuckten unkontrolliert, und es gab nichts, was er dagegen tun konnte. Zu allem Überfluss begann seine Mum auch noch, in Babysprache zu verfallen.

»Na, na, na, mein Kleiner, na, na, na«, machte sie, drückte ihn an sich und klopfte ihm beruhigend auf den Rücken. »Wer wird denn weinen? Na, na, na. Alles wird gut, Schätzchen. Wer wird denn da weinen?«

Es war unglaublich peinlich. Nach langen Minuten gelang es ihm endlich, sein Geflenne zu einem heftigen Schniefen zu drosseln. Seine Mum rieb ihm über den Rücken und fuhr mit ihren Tröstungsversuchen fort, während er darum kämpfte, auch die letzten Zuckungen seines dummen Weinkrampfes abzustellen.

Schließlich entwand er sich ihren Armen und wischte sich das nasse Gesicht an seinem T-Shirt ab.

»Na, siehst du«, meinte seine Mum reichlich zusammenhanglos. Sie zog ihn noch einmal zu sich und drückte ihm einen Kuss auf die Stirn. »Alles halb so schlimm, oder?«

Er musste beinahe lachen. Tatsächlich gluckste er etwas. Alles halb so schlimm? Das sagte sie jetzt?

»Hier! Putz dir die Nase!«, befahl sie und hielt ihm ein Taschentuch hin. Die Demütigungen schienen kein Ende nehmen zu wollen. Er tat trotzdem, was sie gesagt hatte. Danach schaffte er es, wieder einigermaßen normal zu atmen.

»Gib dich keinen Illusionen hin, Söhnchen« fuhr sie dann streng fort. »Wir werden ein oder zwei sehr ernste Gespräche führen müssen, wir beide.«

Das fehlte noch. Hoffentlich wollte sie ihn nicht noch einmal »aufklären«. Das würde er nicht überleben. Es war schon beim ersten Mal sehr knapp gewesen.

»Ich denke da vor allem an unzählige Witze über ›Tigger-Jagden‹, die ich mir anhören musste und die ein gewisser Jemand besser nicht gemacht hätte!«

Diesmal musste er wirklich lachen. Und bekam einen Schluckauf. Das musste wirklich der schlimmste Tag seines Lebens sein. Vielleicht gab es irgendwo da oben doch einen Gott, der es ihm übelnahm, dass er nicht an ihn glaubte.

Seine Mum beachtete gar nicht, dass er verzweifelt mit einem Schluckauf kämpfte. »Deinen Geschmack, was Männer angeht, hast du jedenfalls nicht von mir«, stellte sie trocken fest. »Obwohl … Zwillinge? Warum nicht. Da kann man schon mal ein Auge zudrücken, was, du kleiner Möchtegern-Casanova?«

Er musste trotz seines Schluckaufs wieder lachen. »Hör auf, Mum!«, verlangte er verzweifelt.

»Tigger jagen«, meinte sie empört und gab ihm einen Klaps auf den Kopf. »Da muss ich mir sagen lassen, dass ich ›Tigger jagen‹ gehe, und mein Herr Sohn ist unterdessen selbst heimlich auf der Pirsch im Unterholz!«

»George …« Ein erneutes Hicksen unterbrach ihn. »George ist kein Tigger.«

»Nicht? Was dann? Ein Heffalump?«

Lächerlich! Allmählich wurde das Ganze kindisch. Er beschloss, sich nicht von ihr aufziehen zu lassen. Und wartete den nächsten Schluckauf ab, bevor er hastig hervorstieß: »Nein. Er ist Pooh!«

Diesmal war es seine Mum, die lachte. »Ach, Simon. In deinem Alter glaubt man, jeder sei Pooh. Aber meistens steckt dann doch nur derselbe alte Tigger unter dem Bärenfell.«

Er starrte sie böse an, aber sie lächelte nur. Wahrscheinlich hätte er froh sein sollen, dass sie es letzten Endes so gefasst aufgenommen hatte und Witze darüber machte. Er sah nur nicht ein, wieso die Witze unbedingt ihn oder George zum Ziel haben mussten. Aber wenn das der Preis dafür war, würde er ihn wohl zahlen müssen. Und es sah ganz danach aus.


Der Hund hob die Nase in den Wind und prüfte den durch seine Nase zitternden Luftstrom. Meer, Algen, Salz, tote und lebende Fische, feuchter Sand und Schlamm und eine Million anderer Gerüche brachte der Wind mit sich.

Er huschte weiter über den aufgewühlten Boden. An einigen Stellen blitzte das Weiß blanker, gesplitterter Knochen auf. Er roch auch die Leichen dieses Totenackers, doch es störte ihn kaum. Wichtiger war, dass er endlich den Mauern seines Gefängnisses entkommen war. Er musste zum Meer, zum Strand. Dann musste er schwimmen, und irgendwann würde er wieder festes Land betreten.

Das Rauschen der Wellen hörte er, bevor er das Wasser sah. Bald schon stand er im Schlick. Doch was nun? Wohin sollte er schwimmen? Wo war das Land? Wenn er in die falsche Richtung aufbrach, würde er jämmerlich ertrinken, so viel stand fest. Zorn und Hass allein konnten ihm hier nicht weiterhelfen. Wo war das Land?

Nach Westen, der untergehenden Sonne nach, sagte eine Stimme in ihm. Irritiert fletschte er die Zähne. Es war Nacht! Tiefste dunkelste Nacht! Welcher Sonne sollte er folgen?

Seine innere Stimme hatte keine Antwort darauf. Verzweifelt versuchte der Hund im Wind einen Landgeruch auszumachen, aber da war nicht genug, um sicher zu sein.

Es war Sommer! Ende Juli! Etwas in ihm wurde aufgeregt. Beinahe – fast – fühlte er so etwas wie Freude in sich aufkeimen. Einen stillen Triumph, den er zuerst nicht verstand. Der Hirte steht am Himmel! Großvaters Stern!

Er hob seinen Blick und wusste sofort, welcher der Sterne es war. Er war heller als alle anderen am Firmament. Er watete ins Wasser, immer auf ihn zu. Kälte drang durch sein Fell, noch gedämpft, doch schon bald würde sie ihm bis auf die Haut dringen. Doch er musste es versuchen. Er musste an Land. Der Verräter lebte. Er war frei. Und er würde sich schon bald wieder in der Nähe seines Patensohns aufhalten. James' Junge. Der Hund verstand seine eigenen Gedanken nicht, doch Verzweiflung, brennender Hass und unaufschiebbare Dringlichkeit trieben ihn weiter ins Meer hinaus.

Bald verlor er den Boden unter den Füßen und musste schwimmen. Die Kälte des Wassers kroch schon nach wenigen Metern in seinen Körper. Die Wellen schwappten hoch, und er schmeckte Salzwasser auf der Zunge und roch die unendlichen Meergerüche von neuem. Er paddelte verzweifelt. Er wusste, dass er nicht viel Kraft hatte. Seine wenigen dünnen Muskeln schmerzten bereit jetzt, und die Kälte fraß an seinem abgemagerten Körper. Er wusste nicht, woher er die Energie nehmen sollte, weiterzumachen, aber aufzugeben hätte ertrinken bedeutet. Er durfte nicht ertrinken. Er hatte eine Aufgabe.

Nach einer halben Stunde unaufhörlichen Schwimmens wärmte ihn nicht einmal mehr sein Hass. Seine Beine ruderten nur noch mechanisch, der Schmerz wich einer Taubheit, die das Ende seiner Kraft ankündigte. Salzwasserschluckend führte er seinen Kampf mit der nächsten Welle, die ihm das Meer entgegenschickte. Seine Augen brannten, doch er hielt seinen Blick starr auf den hellen Stern über dem Horizont gerichtet. Sein Fell schien ihn nach unten ziehen zu wollen. Er gab nicht auf. Er durfte nicht aufgeben.

Er hielt noch fast eine weitere halbe Stunde durch, doch dann verließen ihn endgültig die Kräfte. Er hätte sein Paddeln eingestellt und sich auf den Grund des Meeres sinken lassen, nur um seiner Agonie ein Ende zu bereiten, wenn sich nicht in diesem Moment der Wind gedreht hätte.

Auf einmal drang der Geruch trockener Erde, von Bäumen und Gras, Blüten und Pollen, von Menschen und Tieren, rauchigen Abgasen und Ruß und unzähligen anderen Dingen in der Luft an seine Nase. Energie zum Weiterschwimmen hatte er keine mehr, doch er schaffte es, sich noch eine Weile über Wasser zu halten.

Dann waren da ferne Lichter vor ihm. Das Ufer musste fast in Reichweite sein, doch seine letzten Reserven waren aufgebraucht. Die nächste Welle schlug über seinem Kopf zusammen, doch er tauchte wie durch ein Wunder wieder auf. Ein letztes Mal versuchte er, den Hass in sich zu wecken, sich die Dringlichkeit seiner Aufgabe ins Gedächtnis zu rufen. Verzweifelt strampelte er mit seinen verkrampften, tauben Beinen im Meer.

Plötzlich wurde er von einer warmen Strömung erfasst, die ihn wie mühelos mitnahm und näher ans Ufer trug. Erneut schöpfte er Hoffnung und bemühte sich, den Kopf noch ein Weilchen oben zu halten. Bereits das weniger kalte Wasser half. Direkt an der Oberfläche fühlte es sich beinahe warm an. Er ließ sich mit dem Strom treiben. Eine Winzigkeit ließ die Taubheit seiner Beine nach und wurde wieder von Schmerz abgelöst. Schließlich war das Ufer nur noch hundert Meter entfernt. Er bäumte sich ein letztes Mal auf und paddelte darauf zu. Die rettende Nähe des Ufers verlieh ihm keine neuen Kräfte, wie er gehofft hatte, doch irgendwie schaffte er es dennoch.

Er blieb wie tot im Uferschlamm liegen, und die größeren Wellen rollten über ihn hinweg, während er schnappend nach Atem rang. Er lag minutenlang regungslos, bis er sich aufraffte und weiterkroch.

Und dann war da ein Mann. Sirius Black schleppte sich keuchend und zitternd auf allen vieren weiter und weiter. Als er die Böschung erreicht hatte und trockenen Boden und Gras unter seinen Fingern fühlte, brach er zusammen. Mühsam rollte er sich auf den Rücken und starrte in den Nachthimmel. Wahrscheinlich verlor er kurz das Bewusstsein, denn die Sternbilder waren weitergewandert, als er die Augen wieder öffnete. Er wollte sich aufsetzen, doch unerträgliche Schmerzen ließen ihn wieder zurücksinken. Ein plötzlicher Krampf erfasste ihn und es gelang ihm gerade noch rechtzeitig, sich zur Seite zu drehen, bevor er sich übergab.

Seltsamerweise half ihm der saure Geruch, wieder einen klaren Gedanken zu fassen. Er zwang sich erneut, den Oberkörper zu heben, und ignorierte die Schmerzen. Die Krämpfe in seinen Beinen machten es zu einer besonderen Qual, und er brauchte mehrere Anläufe, aber schließlich stand er schwankend auf. Wenn nicht alles umsonst gewesen sein sollte, musste er schnellstmöglich von hier weg. Hier, am Meeresufer, würden sie zuerst suchen, sobald sie seine Flucht bemerkten. Er hatte nur ein paar Stunden – bestenfalls – bis die Jagd auf ihn eröffnet wurde.

Er sah noch einmal zu Himmel. Arcturus war inzwischen weitergewandert und stand nur noch knapp über dem nordwestlichen Horizont. Boötes' hellster Stern und seit Jahrhunderten Namensgeber unzähliger Blacks. Noch war er der strahlendste am ganzen Firmament, doch nicht mehr lange. Nicht mehr lange.

Ein seltsamer Laut kam aus seiner Kehle. Es tat weh, schmerzte in seiner Seite und seinen Rippen, hörte sich wie krächzendes Husten an, aber er konnte das Lachen nicht unterdrücken. Das erste Lachen seit zwölf Jahren. Und wem hatte er es zu verdanken? Fudge, diesem fetten kleinen Dummkopf. Dieser trottelige Politiker hatte tatsächlich versucht, ihn zu bestechen, ihn zu rekrutieren. Ihn, einen Black. Der Einfaltspinsel hatte ihn überreden wollen, wieder zu seinen »alten Freunden« zurückzukehren und für das Ministerium »Todesser-Sympathisanten« auszuspionieren; nachdem er in einem unbrechbaren Eid dem Ministerium unverbrüchliche Treue geschworen hätte, wie sich von selbst verstand. Es war in so vieler Hinsicht absurd gewesen, dass er nicht einmal hatte lachen können. Fudge. Das war einmal ein Zaubereiminister, wie ihn die Zaubererwelt verdiente.

Doch dann hatte Sirius die Zeitung gesehen, die in Fudges Manteltasche gesteckt hatte. Buchstaben. Gedruckte Worte. Keine Versuchung hätte größer sein können. Er hätte seine Seele dafür verkauft, nach all diesen Jahren wieder eine einzige Zeile lesen zu dürfen, selbst wenn es nur eine von Fudges Reden gewesen wäre. Er hatte dem Dummkopf gesagt, er würde es sich überlegen, wenn er dafür die Zeitung haben könne. Fudge musste es für eine Bestätigung seines angeblichen Wahnsinns gehalten haben, aber er hatte ihm trotzdem den Daily Prophet durch die Gitterstäbe der Zelle zugeworfen.

Als Fudge endlich abgezogen war, hatte Sirius die ersten Wörter verschlungen wie ein Verhungernder ein Stück Brot. Doch er war nicht weit gekommen. Selbst im schummrigen Licht seiner Zelle hatte er Peter sofort erkannt. Der Anblick hätte ihn fast doch noch um den Verstand gebracht. Inzwischen kannte er jedes Wort des Artikels auswendig. Weasleys, Hogwarts, Ende der Sommerferien – und auch James' Sohn ging nach Hogwarts.

Beim bloßen Gedanken flammte sein Hass erneut auf. Der Verräter würde bezahlen. Er würde Peter umbringen, wie er es schon damals hätte tun sollen, und diesmal würde keine Magie der Welt diesen Bastard retten. Die Ratte Peter würde den Tag bedauern, an dem seine Mutter die Beine für seinen Vater gespreizt hatte. Die eigene Zeugung und sämtliche seiner Vorfahren würde dieser Verräter verfluchen, sobald er dessen flohverseuchten Rattenkörper in die Finger bekam, so wahr er Sirius Black hieß.

Er biss die Zähne zusammen und machte den ersten Schritt. Humpelnd und stolpernd setzte er einen Fuß vor den anderen und entfernte sich Stück für Stück vom Ufer des Meeres, von Azkaban und den zwölf letzten, verlorenen Jahren seines Lebens.

Peter würde erfahren, was Furcht, Schmerz und Tod waren. Bald würde Sirius wieder am Himmel erscheinen. Und wie es seine Art war, würde er heller strahlen als alle anderen Sterne. In wenigen Wochen schon würde er die Sonne überholen und wieder vor ihr über den Horizont steigen als flammendes Fanal seiner Rache. Peter würde es wissen. Die Angst würde an ihm fressen, jedes Mal, wenn er zum Himmel sah, bis nichts mehr von ihm übrig war.

Eine seltsame Zufriedenheit ergriff ihn, während er in die Dunkelheit voranstolperte. Was auch immer die Zukunft bringen würde, jetzt und hier war er frei, und er hatte nicht vor, sich wieder einfangen zu lassen. Nie wieder würden sie ihn lebend zu fassen bekommen, nicht die Dementoren, nicht die Auroren, keine Armee von Muggeln, keine Macht der Welt. Er würde ihnen zeigen, wozu ein Black fähig war. Aber zuerst … ja, zuerst wollte er seinen Patensohn sehen. Es war zwölf Jahre her, dass er den kleinen Harry in den Armen gehalten hatte. Ja, ein Besuch war schon lange überfällig.