11. Strictly Rhythm
(Sultans Of Swing – Dire Straits)


George sah sich um, aber der Korridor lag verlassen da, wie es an einem Samstagmorgen zu nachtschlafender Zeit nicht anders zu erwarten war. Es war so früh, dass sogar alle Fackeln noch brannten. Er wollte gerade leise anklopfen, als er hörte, wie ein Schlüssel im Schloss gedreht wurde, und sich die Tür der Bibliothek von selbst öffnete.

»Komm rein!«, forderte ihn Simon viel zu laut auf.

George betrat hastig die Bibliothek, ehe doch noch jemand im Korridor auftauchte und ihn sah. Bevor er ein einziges Wort herausbringen konnte, fiel Simon über ihn her, und er fand sich mit dessen Zunge im Mund wieder. Für einen Augenblick lähmte ihn die Überraschung, aber dann schob er Simon energisch von sich weg.

»Was soll das?«, zischte er ihn an. »Wenn jemand kommt!«

Simon schüttelte den Kopf, steckte einen großen Schlüssel ins Schloss der Tür und sperrte wieder ab. »Niemand kommt.« Er sah reichlich verschlafen aus und hatte Ringe unter den Augen. »Kein Grund zur Panik. Wir machen erst in zwanzig Minuten offiziell auf.«

»Und was ist mit Pince?«, wollte George wissen, während ihn Simon schon hinter sich her durch die halbdunkle Bibliothek zog. Offensichtlich war er nicht so müde, wie er aussah.

»Lässt sich frühestens heute Mittag zum Schichtwechsel mal kurz blicken. Ist schließlich ihr freier Samstag. Ich hab mich für heute freiwillig gemeldet. Ab nächster Woche dürfen wir ja auch am Samstag zum Unterricht.«

Simon schleppte ihn an der Theke vorbei in einen kleinen Raum, in dem nur zwei Tische und ein paar halb gefüllte Bücherregale waren. Es roch ein bisschen komisch. Und auf einem der Tische lag die magische Karte – offen, aktiviert, einfach so.

»Siehst du?«, meinte Simon gelassen. »Weit und breit niemand außer uns.«

Was Menschen anging, mochte er ja recht haben, aber George sah noch einen Namen auf der Karte, und zwar gar nicht weit weg von der Bibliothek.

»Und was ist mit Peeves? Wenn er zufällig hereinkommt, weiß bald das ganze Schloss –«

»Peeves traut sich nicht in die Bibliothek. Madam Pince hat ihm geschworen, dass sie ihn exorziert, wenn er sich jemals in ihren heiligen Hallen blicken lässt.«

George war nicht völlig überzeugt, aber da war Simon schon wieder dabei, über ihn herzufallen und ihm die Zunge in den Hals zu stecken. Was nicht wirklich schlecht war, und er ließ es sich auch eine Weile gefallen, aber als Simons Hände über seinen Rücken nach unten zu wandern begannen, drückte er ihn wieder weg.

»Was war eigentlich so dringend?«, fragte er und hielt ihn auf Armeslänge von sich.

Er erntete einen dieser nichtssagenden Blicke, die er an Simon hasste. »Ich wollte dich eben sehen? Allein?«

George hätte ihn am liebsten geschüttelt. »Und deswegen die Nachricht? Ich dachte schon, es wäre irgendwas passiert! Die Karte, Flitwick, jemand hätte herausgefunden, dass … was weiß ich!«

Simon zuckte nur mit den Schultern. »Nein, ich wollte dich nur sehen. Ungestört.«

»Toll!«, stöhnte George auf. »Wirklich toll! Vielen Dank, dass du mich dafür zu nachtschlafender Zeit in die Bibliothek bestellst! An einem Samstag!«

Simon ließ ihn los, setzte sich, verschränkte die Arme und schwieg ihn an. Es war wohl nicht besonders taktvoll gewesen, und ein bisschen weniger Sarkasmus hätte es wohl auch getan, aber George war sauer. Er hatte tatsächlich befürchtet, dass irgendetwas aufgeflogen war. Möglichkeiten gab es genug, bei all den Geheimnissen, die sie mit sich herumschleppten: der Stein der Weisen, dass noch zwei weitere magische Karten in Umlauf waren oder … die Sache zwischen Simon und ihm.

»Was?«, fragte er verärgert, die einzige Antwort, die er bekam, war ein Stirnrunzeln. Er hätte nicht einmal sicher sagen können, ob Simon enttäuscht oder wütend war – oder einfach nur angestrengt nachdachte. Normalerweise war er ziemlich gut darin, andere Menschen zu durchschauen, aber bei Simon funktionierte das eher selten. George versuchte, sich mit ihm ein Blickduell zu liefern, aber nach einer Weile hatte er den unbestimmten Eindruck, dass er der einzige Beteiligte daran war. Er gab auf, zog sich einen Stuhl heran und setzte sich gegenüber von Simon.

Als noch immer keine Reaktion kam, rüttelte er an Simon Knie und sagte: »Hey! Jemand zu Hause?«

»Sehr witzig, Mr. Weasley«, antwortete Simon bissig. »Was würde ich nur ohne Sie tun? Sie schaffen es immer wieder, mich zum Lachen zu bringen.«

George musste grinsen. »Ich geb' mir Mühe, Mr. Grey«, meinte er ironisch. »Nicht jeder kann so viel Charme und Witz versprühen wie Sie.«

»Bist du dir überhaupt …«, begann Simon, unterbrach sich jedoch und verfiel wieder in Schweigen.

George wusste nicht, was er sagen sollte. Er mochte es nicht, wenn die Dinge kompliziert wurden. Außerdem hatte er überhaupt keine Erfahrung mit Gefühlszeug. Die Situation ging ihm auf Nerven. Schließlich beugte er sich einfach vor und entwand Simons verschränkte Arme und nahm ihn bei den Händen, obwohl er sich dämlich dabei vorkam.

»Hör mal, ist ja noch so, dass ich mich beschwert hätte, es wäre mir nur lieber gewesen, wenn –«

»Was gefällt dir an mir?«, unterbrach ihn Simon.

»Was?«, fragte George verwirrt zurück.

Simon musterte ihn seltsam. »Was gefällt dir an mir? Was magst du an mir? Ernsthaft. Keine Fangfrage.«

Dreck! Einen Moment lang hoffte George, dass Simon ihn nur aufziehen oder sich über ihn lustig machen wollte, aber dafür gab es keinerlei Anzeichen. Er hatte immer noch die Stirn gerunzelt und sah ihn ohne erkennbare Gefühlsregung an. Riesendreck! Scheiße! Was sollte diese schwachsinnige Fragerei? Und warum wollte ihm darauf keine Antwort einfallen? Er überlegte fieberhaft, aber »Du hast so ein einnehmendes Wesen« wäre ihm wahrscheinlich wieder als Sarkasmus ausgelegt worden – nicht zu Unrecht – und »Ich mag eben dein langweiliges Gesicht« war auch nicht besonders schmeichelhaft, obwohl es der Wahrheit wohl am nächsten kam. Es gab nur einen erkennbaren Ausweg: Gegenangriff!

»Was findest du denn an mir so unwiderstehlich?« Er versuchte, es scherzhaft klingen zu lassen, aber er hätte sich denken können, dass Simon es komplett humorlos nehmen würde.

»Du bist gemein.«

George war wie vor den Kopf geschlagen, und plötzlich legte sich ein Finger sanft seinen Mund.

»Ich meine damit«, sagte Simon, während er langsam mit seinem Finger über Georges Lippen entlangfuhr, »du hast da etwas Gemeines an dir, das mir gefällt. Schurkencharme. Im weitesten Sinne amoralisch. Ein bisschen was Unmenschliches. Jedenfalls so etwas in der Richtung.«

»Das hab' ich nicht!«, protestierte er. Schurkencharme, okay, was auch immer damit gemeint sein sollte, aber niemand mochte jemanden, weil derjenige »gemein« oder »amoralisch« war. Außerdem war er das wirklich nicht! Und erst recht nicht »unmenschlich«!

Simon nahm endlich wieder den Finger von seinem Mund, begann dann aber beunruhigenderweise, Kreise auf sein Knie zu malen. »Es mag vielleicht unvernünftig klingen, aber Attraktion hat immer auch etwas Irrationales, also warum sollte man rationale Maßstäbe daran anlegen?«

George war sprachlos. Dass da ein Finger an seinem Knie herumspielte, half ihm auch nicht gerade, wieder einen klaren Gedanken zu fassen.

Simon gönnte ihm jedoch keine Pause. »Also? Du hast meine Frage immer noch nicht beantwortet.«

Er war am Rande einer Panik und sagte das Erstbeste, was ihm einfiel: »Du hast ein langweiliges Gesicht.«

Der Finger stand plötzlich still. George sah Simon nicht an, sondern starrte auf Tisch und die Karte, während er innerlich vor sich hin fluchte. Simon gab ein komisches, asthmatisch klingendes Keuchen von sich, aber erst als der Finger sich wieder in Bewegung setzte, begriff George, dass es ein unterdrücktes Lachen war. Er starrte ungläubig auf Simon, der ihm – zuzwinkerte?

»Weltbewegende Neuigkeit, mein rothaariges Sommersprossenmonster!«

George versuchte zu begreifen, was hier eigentlich gerade vor sich ging. Er verstand diesen Jungen einfach nicht, so viel war klar. Was er aber verstand, war, dass der Finger nun langsam auf seinem Oberschenkel kreiste und sich weiter nach oben arbeitete. Natürlich war der Stoff von Robe und Hose zwischen seiner Haut und dem Finger, aber das änderte nichts daran, dass er wie gelähmt dasaß, sein Herz immer schneller schlug und ihm das Blut in den Kopf stieg – und nicht nur dorthin.

Jetzt stand er nicht mehr nur am Rande, sondern fand sich inmitten der schönsten Panik wieder, die man sich nur vorstellen konnte. Einerseits. Andererseits … vielleicht konnte er mit ein bisschen Panik leben? Er fühlte nur noch Simons Zeigefinger, der sich immer mehr seiner Körpermitte näherte, und an etwas anderes zu denken, fiel ihm momentan schwer. Aber als er sicherheitshalber einen schnellen Blick auf die Karte warf, die auf dem Tisch neben ihm lag, sah er einen Punkt im Korridor vor der Bibliothek.

»Es kommt jemand!«, raunte er Simon zu – mit einer gewissen Erleichterung.

»Scheiße«, meinte dieser und warf ebenfalls einen Blick auf die Karte. »Wart' einfach hier, und verhalt' dich still. Das ist ein Stammkunde. Der verzieht sich sowieso gleich in die Verbotene.«

Er stand auf und zerrte an seiner Robe herum. »Sieht man was?«

George musste nicht fragen, was er damit meinte. »Nicht – nicht nennenswert.«

Simon grinste ihn an. »Sehr schmeichelhaft. Zuerst hab ich ein langweiliges Gesicht und dann einen kleinen Schwanz. Überleg dir doch noch mehr solche Komplimente, bis ich wieder da bin.«

Und dann war er weg. Bei Merlin, Morgana, Mordred und Tiamats Titten! George hätte es beinahe laut gesagt. Er hörte, wie Simon zur Tür ging, aufsperrte und zu jemandem »Guten Morgen« sagte. Undeutlich antwortete eine Stimme. George starrte vor sich hin, während ein kurzes Gespräch stattfand, von dem er nur ein paar einzelne Wörter mitbekam. Er stellte fest, dass seine Hände zitterten. Nicht sehr, eigentlich kaum zu merken, aber wenn er genau hinsah, war da ein stetes leichtes Flattern. Er legte sie fest auf die Knie, atmete tief durch, schloss die Augen und bemühte sich, seinen Herzschlag unter Kontrolle zu bekommen.

Er war weit davon entfernt, sich beruhigt zu haben, als Simon auch schon wieder zurückkam. Er stand schnell auf, bevor dieser womöglich noch auf die Idee kam, da weiterzumachen, wo sie gerade aufgehört hatten. Aber Simon löschte nur mit einem »Unheil angerichtet!« die Karte und steckte sie ein.

»Ich muss dann vor«, meinte er bedauernd. »Ein paar kommen immer schon vor dem Frühstück und wollen Bücher abgeben und so.«

George konnte es selbst kaum glauben, aber er fühlte tatsächlich so etwas wie einen Anflug von Enttäuschung in sich aufsteigen. Diesmal war er es, der Simon an sich zog und ihn ausgiebig küsste.

»Ist ›Du bist ein annehmbarer Küsser‹ als Kompliment gut genug?«, fragte er ihn danach.

»Besser als nichts«, meinte Simon. »Allerdings möchte ich bezweifeln, dass diese Aussage auf einer ausreichend großen Zahl von Vergleichswerten beruht.«

George kam sich ziemlich mutig vor, als er »Das geht dich gar nichts an!« sagte und Simon dabei an den Hintern fasste. »Hast du morgen früh auch wieder Bibliotheksdienst?«

»Morgen ist Sonntag«, erinnerte ihn Simon.

»Mist.«

»Ja.«

George dachte nach, aber es änderte sich nichts an der verzwickten Lage. »Solange Flitwick die Karte hat, können wir uns nicht mal nachts in den Geheimgängen treffen«, sprach er die traurige Wahrheit aus.

»Mhm«, meinte Simon, und das Vibrieren der Lippen, die gerade eine Stelle zwischen seinem Hals und Schlüsselbein berührten, bereitete George eine wohlige Gänsehaut. »Wenn wir wenigstens diesen dämlichen ›Rein-Raus‹-Raum gefunden hätten. Ein geheimes Versteck im siebten Stock wäre perfekt gewesen.«

George genoss mit halb geschlossenen Augen das kitzelnde Gefühl, das Simons Flüstern in seinem Nacken verursachte. Dann blinzelte er.

»Was für ein Raum?«, fragte er perplex.


Fred starrte nachdenklich auf die Szene. Wer auch immer diesen Wandbehang verbrochen hatte, musste mehr als nur einen Knick im Hut gehabt haben. Barnabas der Bekloppte allein war schon bekloppt genug, aber die nackten Trolle im rosa Tutu, die ihn umringten und eine Weile bei seinem Ballettunterricht mitspielten, bevor sie die Geduld verloren und ihn mit ihren Keulen bearbeiteten, ließen einem unvorbereiteten Beobachter die Augen bluten. Es war ein Anblick, den man nicht so schnell vergaß. Und er hatte ihn nicht vergessen – höchstens verdrängt.

Er wandte sich um und betrachtete die gegenüberliegende Wand. Aber da war nichts. Und er war sich ziemlich sicher, dass da etwas hätte sein müssen. Oder spielte ihm sein Gedächtnis einen Streich?

Vielleicht – er gab es nur ungern zu – war wirklich etwas an diesem Rein-Raus-Raum dran. Natürlich konnte man sich auf Informationen aus dieser Quelle nicht verlassen, aber wenn es die Hauselfen bestätigt hatten? Und die Hauselfen hätten George bestimmt nicht angelogen, oder? Außerdem war da dieses Gefühl, dass er in diesem Korridor schon einmal gewesen war und diesen Wandteppich durch einen Türspalt hindurch gesehen hatte. Es musste eine ganze Weile her sein, sonst hätte er sich besser daran erinnern können. Wie war das nur gewesen?

»George? Brüderchen?«

Sein Bruder drehte sich um. »Kommt jemand?«

Hastig sah Fred auf die magische Karte, die er für einen Moment völlig vergessen hatte. Glücklicherweise hatte sich keiner der Punkte im siebten Stock ihrem Standort genähert.

»Nein, alles in Ordnung«, erwiderte er erleichtert. »Aber weißt du noch, wie das mit der ultimativen Stinkbombenkatastrophe war? Unser zweites Jahr?«

»Natürlich!« Ein nostalgisches Grinsen erschien auf Georges Gesicht. »Das waren noch Zeiten! Das Schloss hat noch 'ne ganze Woche lang gestunken. Und niemand hat uns was anhängen können. Obwohl sie wirklich alles versucht haben!«

»Genau«, sagte Fred nachdenklich. »Aber es war knapp, oder? Filch hätte uns fast erwischt, war ziemlich knapp. Wir waren schon im siebten Stock, aber er hatte uns den Weg zum Porträtloch abgeschnitten. Wir waren praktisch schon erledigt. In der Falle, ohne Fluchtweg. Wir haben dann nach 'nem Besenschrank oder irgendwas gesucht, wo wir uns vor Filch verstecken könnten. Und plötzlich, wie aus dem Nichts, haben wir dann 'nen Besenschrank gefunden. Weißt du noch?«

»Jaah«, meinte George gedehnt, und Fred konnte sehen, wie es ihm langsam dämmerte. »Du meinst, das war hier?«

»Da!«, bestätigte Fred und zeigte auf die leere Wand gegenüber. »Ich weiß es, als wär's gestern gewesen. Nachdem Filch vorbei war und ich die Tür wieder aufgemacht hab', war das Erste, was ich gesehen hab', Trolle in Ballettröckchen! Es war genau da drüben!«

»Du hast recht.« George ging zu dem Stück Wand, das noch immer nur das war – ein Stück Wand. »Ich … ich hab's auch gesehen. Ich hab' nur nicht mehr dran gedacht. Aber du hast recht. Es muss hier gewesen sein!«

George begann, seine Suche auf diesen Abschnitt des Korridors zu konzentrieren, während Fred wieder einen Kontrollblick auf die Karte warf. Dann beobachtete er seinen Bruder dabei, wie dieser alles an Öffnungs-, Enthüllungs-, Sichtbarmachungs- und Offenbarungszaubern auf die Wand losließ, was sie in ihrem Repertoire hatten.

Fred beobachtete das Geschehen skeptisch. »Ich glaub' nicht, dass –«

»… das was bringt«, beendete George den Satz für ihn. »Schon klar. Wir haben überhaupt keinen Zauberspruch benutzt, als wir die verdammte Besenkammer gefunden haben. Aber was war's dann?«

»Wir haben nach einer Besenkammer oder irgendeinem Versteck gesucht«, schlug Fred vor.

»Und jetzt suchen wir auch nach einem Versteck für unser Labor«, sagte George. »Was soll der Unterschied sein?«

Fred dachte angestrengt nach. »Bist du dir sicher, dass du nicht einfach nach 'ner Geheimtür gesucht hast?«

George starrte ihn verblüfft an, dann biss er die Zähne zusammen und knurrte: »Dreck! Du hast recht! Ich hab' nach einer beschissenen Tür gesucht!«

Sein Bruder starrte minutenlang wütend auf die Wand – die unbeeindruckt darauf beharrte, eine Wand zu bleiben. Er versuchte noch ein paar Zaubersprüche, obwohl sie sich einig gewesen waren, dass das nutzlos war. Und schließlich gab er auf. »Irgendwas machen wir falsch.«

Das war offensichtlich. »Aber was?«, fragte Fred.

»Irgendwas muss anders gewesen sein, als wir die Besenkammer gefunden haben. Was haben wir genau gemacht?«

Fred zuckte mit den Schultern. »Ich weiß wirklich nicht mehr. Wir waren ziemlich in Panik, oder? Ich dachte nur noch an die vielen Wochen Nachsitzen, die wir uns gleich einfangen würden, wenn Filch uns in die Finger bekommt. Wir sind wie ein paar aufgescheuchte Hühner hin und her gerannt und haben nach irgendeinem Versteck …«

»Fred!« Georges Augen leuchteten auf. »Wenn das klappt, werde ich dich von nun an nur noch ›mein brillantes Ebenbild und verkapptes Genie‹ nennen!«

Fred war sich nicht sicher, was er eigentlich gesagt hatte, aber George hatte offenbar eine Idee. Und er begann, zu einem Ende des Korridors zu rennen. Und wieder zurück zum anderen Ende. Und hin und her. Und als Fred sich gerade fragte, ob er George zu seiner sportlichen Leistung gratulieren oder doch lieber gleich Poppy Pomfrey holen sollte, da war da plötzlich eine stabile, eisenbeschlagene Holztür, wo vorher keine gewesen war.

George hielt keuchend an und hob dann triumphierend die geballten Fäuste in den Himmel, als hätte er gerade ein Hundertmeterrennen gewonnen – was in gewisser Weise ja auch nicht allzu weit von der Wahrheit entfernt war. Fred vergewisserte sich noch einmal auf der Karte, dass niemand in der Nähe war, und ging dann auf die Tür zu. George stand hinter ihm, als er vorsichtig die Klinke berührte. Erst als nichts geschah und das Metall des Griffs hart und real in seiner Hand lag, drückte er langsam nach unten. Er wollte eigentlich nur einen Blick durch den Türspalt riskieren, aber George drängelte hinter ihm, und er stolperte in den Raum hinein.

»Pass doch auf!«, fuhr er seinen Bruder an, aber George lächelte nur verzückt. Und dann fiel auch Freds Blick auf die Einrichtung des Raums, und er vergaß alles andere. Das war keine bessere Besenkammer, in der sie nur mit Müh' und Not ihren Kessel hätten aufstellen können – das hier war ein wahrgewordener Traum.

Ein riesiger Arbeitstisch stand mitten im Raum, gleich daneben ein großer Kupferkessel unter einem gemauerten Abzugskamin, die Feuerstelle bereits feinsäuberlich mit Holzscheiten bestückt. Auf der anderen Seite des Tischs eine Reihe kleinerer Kessel: Zinn, Bronze, Silber, sogar ein Goldkessel war dabei! An der hinteren Wand stand ein weiterer, schmalerer Tisch, und im Regal darüber glänzten und blitzten Retorten, Röhren, Glaskolben und Phiolen in allen Größen und Formen. Eine Spüle und ein steinerner Ausguss befanden sich an der linken Wand, und aus dem Mund eines marmornen Wasserspeiers floss ein stetiger Strom klaren Wassers. Und rechts … war George bereits dabei, die Schubfächer eines gewaltigen Schrankgebildes zu untersuchen, dass nach menschlichem Ermessen nur ein überdimensionales Zutatenkabinett sein konnte.

Er klopfte auf das Holz des Arbeitstisches, aber es fühlte sich echt an. Das hier war jedenfalls keine einfache Illusion. »Wie hast du das gemacht?«

»Bezoare, Fred!«, schrie ihn George an, ohne seine Frage zu beantworten. »Einhornhorn und Drachenzähne, fertig gemahlen und ganz! Getrocknete Letifold-Haut! Fünf perfekte Phönixfedern! Und das normale Zeug ist haufenweise da!«

»Sei leise!« Fred drehte sich unbehaglich zu der immer noch offenen Tür um. »Wenn uns jemand hört!«

»Mach einfach die Tür zu!«, sagte sein Bruder unbekümmert. »Ist sowieso sicherer!«

»Aber …«, wollte Fred einwenden, aber dann fiel ihm selbst ein, dass sie auch damals in der Besenkammer die Tür hinter sich zugemacht hatten und nichts Schreckliches passiert war. Trotzdem war ihm unbehaglich zumute, als er die Tür ins Schloss fallen ließ. Er fragte sich, ob sie jetzt von draußen überhaupt noch zu sehen war oder ob wieder ein nacktes Stück Wand ihren Platz eingenommen hatte. Er öffnete sie gleich wieder, nur um sicherzugehen, aber sofort waren der Korridor und der Wandteppich von Barnabas dem Bekloppten wieder da.

»Jetzt sag schon, wie du das gemacht hast!«, fuhr er seinen Bruder an, der immer noch ein Schubfach nach dem anderen aufzog.

»Ach, mein brillanter Bruder, ist das nicht offensichtlich?« George machte eine schwungvolle Geste, die den ganzen Raum zu umfassen schien. »Ich hab' uns ein Labor gewünscht, du verkapptes Genie!«

Fred fand, dass George viel zu viel Spaß an der Sache hatte. Es sah alles zu gut aus, um wahr zu sein. Sie brauchten nicht einmal ihre eigene Laborausrüstung herzuschleppen. Im Vergleich zu dem, was hier bereits einfach so herumstand, stank alles ab, was sie an Braugerät und Zutaten besaßen. Es war absoluter Wahnsinn zu glauben, dass so ein Labor unbenutzt war und nur darauf gewartet hatte, dass sie ankamen und es in Beschlag nahmen. Einfach nicht vorstellbar!

»Was sagt eigentlich die Karte, wo wir sind?«, fragte George ihn plötzlich.

Hastig sah Fred auf die Karte. Er suchte, aber da war nichts. Der Korridor war leer, und da, wo ihre Punkte und Namen hätten erscheinen sollen, war überhaupt nichts. Kein Labor, kein Fred, kein George.

»Nichts«, murmelte er unbehaglich. »Rein gar nichts. Wir sind nicht drauf!«

»Genial«, strahlte George ihn an, während Fred sich fragte, auf was sie sich da eingelassen hatten. Es war alles viel zu glatt gelaufen. Das Labor war ein Geschenk des Himmels. Ein Traum, der in Erfüllung gegangen war. Er klopfte noch einmal auf die Eichenholzplatte des Arbeitstischs, aber sie war noch immer stabil. Irgendwo an dieser Sache musste ein Haken sein. George und er hatten ihr ganzes Leben lang um alles kämpfen müssen; hart, mit Klauen und Zähnen. Es war einfach nicht vorstellbar, dass sich ihr Glück derart drastisch gewendet haben sollte und ihnen das Schicksal mal einfach so einen Hauptgewinn zugespielt hatte. Irgendwo hatte diese Sache einen riesigen Haken. Bestimmt war er nur zu gut versteckt, und wahrscheinlich hatten sie ihn auch schon geschluckt.

Er beschloss, sich später darüber Sorgen zu machen, und begann fürs Erste, George dabei zu helfen, das Zutatenkabinett zu inventarisieren. Er war beinahe erleichtert, als er doch noch einen Fehler an ihrer Entdeckung fand, auch wenn er nicht groß genug war, um ihn völlig zu beruhigen.

»Nichts leicht Verderbliches und erst recht nichts Frisches«, stellte er nüchtern fest. »Alles da, aber nur getrocknetes und konserviertes Zeug. Drachen- und Re'em-Blut sind da, aber keine verderblichen Zutaten! Und keine frischen Pilze, Wurzeln, Blätter und so Zeug!«

»Wer weiß, wie lange das alles schon herumliegt«, meinte George nur achselzuckend. »Außerdem lässt sich das meiste, was fehlt, ganz einfach beschaffen. Da sind sechs perfekte Einhornhörner. Wenn wir nur zwei davon verscherbeln, können wir uns von dem Gewinn alles dazukaufen, was wir sonst noch so brauchen!«

Da war etwas dran, es sei denn …

»Bist du sicher«, fragte Fred plötzlich, »dass wir überhaupt Sachen aus diesem Raum mitnehmen können?«

George starrte ihn entgeistert an. »Mordred! Daran hab' ich nicht gedacht!«

»Wenn wir nichts mit rausnehmen können, ist das Labor vollkommen nutzlos.« Bei ihrem Glück war genau das der Fall.

»Ausprobieren!«, sagte George nur, nahm sich ein Einhornhorn und reichte ihm ebenfalls eines.

Fred steckte das Horn in die Tasche seiner Robe und folgte George zur Tür. »Die Luft ist rein!«, sagte er nach einem Blick auf die Karte, und gemeinsam verließen sie das Labor wieder. Er fühlte das Gewicht des Horns, als er durch die Tür schritt, aber er war noch nicht bereit zu jubeln. Sie stellten sich unter den Wandteppich von Barnabas dem Bekloppten und warteten. Es dauerte einen Moment, aber dann verschwand die Tür zum Labor, und sie hatten wieder eine nackte Wand vor sich. Und das Gewicht in Freds Tasche war noch da. Er griff vorsichtig hinein und holte das Einhornhorn heraus. Es war völlig unverändert, soweit er das beurteilen konnte.

»Und wenn jetzt …?« Aber sein Bruder brach ab und ging wieder zu der Stelle, wo gerade noch die Tür gewesen war. Er schien einen Augenblick nachzudenken und begann dann, auf und ab zu gehen. Vermutlich war das Gerenne auch wirklich überflüssig, aber das würden sie ja gleich sehen.

Fred beobachtete die Wand diesmal genau, aber das Auftauchen der Tür bekam er trotzdem nicht mit. Sie war plötzlich einfach da, als wäre sie nie weg gewesen. Er folgte George wieder hinein, der sich sofort auf das riesige Kabinett stürzte und eine Schublade herauszog.

»Vier«, meinte George enttäuscht. »Das heißt, dass die Vorräte begrenzt sind.«

Fred hätte beinahe laut gelacht. Das wäre dann doch ein bisschen zu sehr wie im Schlaraffenland gewesen, wenn sich die Zutaten auch noch von selbst wieder aufgefüllt hätten. George hatte wohl den Sinn für die Realität komplett verloren, wenn er diese Möglichkeit ernsthaft in Betracht gezogen hatte.

»Ist dir klar, was wir alles hätten anstellen können, wenn wir vor drei Jahren besser aufgepasst hätten?«, fragte George mit verkniffener Miene. »Überleg mal! Ein voll ausgestattetes Labor. Wertvolle Zutaten, die wir für einige Galleonen hätten losschlagen können. Die Möglichkeiten wären …«

»… unendlich gewesen.« Es traf Fred wie ein Schlag. »Wir waren eben noch jung und dumm«, versuchte er ihre drei Jahre jüngeren Ichs zu verteidigen, aber es tat trotzdem weh. Sein Bruder hatte recht. Sie hätten es bemerken müssen. Sie hätten diesen Raum schon vor drei Jahren finden müssen. Die Demütigung war eine Erleichterung. Sie war ein Haken, wenn auch ein ziemlich verspäteter, der aber tief genug saß, um wehzutun.

»Aber wir sind nicht mehr jung und dumm, oder, Bruderherz?« Fred konnte sich zum ersten Mal seit ihrer Entdeckung so richtig über dieses Geschenk des Himmels freuen. »Und jetzt gehört es uns! Was lange währt, wird endlich gut, oder so!«

Und mit glücklichem Lächeln und neu erwachtem Besitzerstolz betrachtete er ihr zukünftiges Privatlabor. Die Weasley-Zwillinge hatten ein eigenes, voll ausgerüstetes Zaubertranklabor. Bald schon würde ganz Hogwarts merken, dass ab sofort ein anderer Wind durch die Hallen und Korridore wehte. Und er würde den herrlichen Geruch von Stinkbomben und abgebrannten Feuerwerkskörpern mit sich bringen. Fred konnte ihn beinahe schon riechen, den wunderbarsten Duft, den man sich nur vorstellen konnte.


»Ich denke, damit wäre das Wichtigste besprochen. Insgesamt bin ich sehr zufrieden mit Ihrer bisherigen Arbeit«, stellte Filius fest und erlaubte sich ein kleines Lächeln. »Vier Beschwerden und eine kollektive Absetzungsforderung des zweiten Jahrgangs. Ein schöner Erfolg, Miss Urquhart.«

Sie fragte in gespielter Enttäuschung: »Nur vier?«, während Mr. Tomlin sein Schmunzeln hinter vorgehaltener Hand verbarg.

»Vier sind völlig ausreichend«, versicherte Filius seinen beiden Vertrauensschülern. »Das Schuljahr ist erst drei Tage alt.«

Er erlaubte sich, einen Teil seiner Belustigung offen zu zeigen. Er war tatsächlich äußerst zufrieden mit dem Gang der Dinge. Das altbewährte Konzept von Zuckerbrot und Peitsche würde wieder etwas dringend benötigte Disziplin in die Reihen seiner Ravenclaws bringen. Vor allem, wenn sein Haus erst einmal begriffen hatte, dass sich hinter dem Zuckerbrot nur eine weitere Peitsche in Wartestellung verbarg. Sollten Miss Urquharts Bemühungen an Effektivität verlieren – nur eine Frage der Zeit, so wie er den Einfallsreichtum und die Widerständigkeit seiner Chaostruppen gegen Disziplinarmaßnahmen einschätzte –, dann würde Mr. Tomlin den Stab aufnehmen und mit drakonischen Strafen einige Exempel statuieren. Seine Ravenclaws würden gar nicht wissen, wie ihnen geschah. Es wäre doch gelacht, wenn er es nicht schaffen würde, sein eigenes Haus wieder unter Kontrolle zu bringen. Laissez-faire war tot, lang lebe die Tyrannei!

Er rieb sich die Hände und schenkte seinen Vertrauensschülern ein warmes Lächeln. »Jedenfalls danke ich Ihnen für die ausgezeichnete Arbeit, die Sie beide bisher geleistet haben. Machen Sie nur weiter so, und keine Sorge – die Zahl der Beschwerden wird bald in astronomische Höhen schießen, da bin ich ganz sicher!« Er zwinkerte den beiden zu. »Wenn es von Ihrer Seite nichts mehr zu besprechen gibt …«

Mr. Tomlin richtete sich in seinem Sessel auf. »Da wäre noch die Frage, wer dieses Jahr die Aufsicht über den Arbeitskreis Zauberkunst führen soll, Professor.«

»Habe ich nicht vergessen, aber danke, dass Sie mich erinnern, Mr. Tomlin.« Natürlich hatte er es vergessen. Es war aber auch kein Wunder. Er hatte mit vier ersten Klassen zu kämpfen und sich mit über hundert neuen Schülern und deren Namen und Gesichtern herumzuplagen. Und es würde nicht besser werden. Er hatte einfach nicht daran gedacht, in seinen NEWT-Klassen nach Freiwilligen zu fragen. Er seufzte.

»Sobald sich geeignete Kandidaten gefunden haben, werde ich einen Aushang machen. Aber die NEWT-Klassen sind ebenfalls stark beschäftigt, und es kann noch ein paar Wochen dauern, bis alle Projekte vergeben sind und etwas Ruhe eingekehrt ist. Falls Anfragen kommen: Es wird in jedem Fall wieder einen Arbeitskreis geben. Termine und Leitung werden rechtzeitig durch Aushang –« Es klopfte an der Tür seines Büros. »– bekanntgegeben. Herein!«

Remus öffnete die Tür und steckte den Kopf herein. »Störe ich, Professor Flitwick?« Er sah erschöpft und übermüdet aus, aber gestern war auch die letzte Nacht seines Verwandlungszyklus gewesen. »Soll ich draußen warten?«

»Nein, nein«, antwortete Filius und winkte ihn herein. »Wir sind fertig! Oder gibt es noch etwas zu besprechen?«

Seine Vertrauensschüler schüttelten einmütig die Köpfe.

»Dann sehen wir uns spätestens nächste Woche wieder, falls nichts Unvorhergesehenes dazwischenkommt. Machen Sie nur weiter so, und nochmals danke für die gute Arbeit. Miss Urquhart, Mr. Tomlin!«

Die beiden erhoben sich von ihren Sesseln und drückten sich an Remus vorbei, der immer noch an der Tür stand.

»Remus! Komm näher!« Mit einer Geste seiner Hand schob er einen der Sessel weg und platzierte den anderen direkt vor seinen Schreibtisch. »Setz dich!«

Remus nahm linkisch Platz und räusperte sich. »Sie wollten mich sprechen, Professor Flitwick?«

Filius fühlte sich unwillkürlich an den kleinen Jungen erinnert, der vor nunmehr einem Vierteljahrhundert einer seiner Erstklässler gewesen war. Aufgeweckt, aber zurückhaltend an der Grenze zur Schüchternheit und doch Mitglied einer Bande von Unruhestiftern, die ihresgleichen gesucht hatte. Ein begabtes und sensibles Kind, das stets nach Anerkennung gesucht hatte. Er hatte sich immer gefragt, wie viel davon auf natürliche Veranlagung und wie viel auf die frühe Infektion mit Lykanthropie zurückzuführen war. Wolfsnaturen waren ein Fall für sich.

»Filius, bitte«, korrigierte er den jungen Mann, der nun vor ihm saß. »Professor Flitwick nur vor den Schülern.«

Remus rutschte unbehaglich in seinem Sessel hin und her. »Wie Sie wünschen, Prof… – Sicher. Filius.«

Filius lächelte ihm aufmunternd zu. »Geht es dir gut? Wenn du dich nicht wohlfühlst, können wir auch ein andermal reden. Es ist nichts Dringendes.«

»Nein.« Remus lächelte entschuldigend. »Danke … Filius, aber es geht mir besser, als ich wahrscheinlich aussehe. Der Wolfsbanntrank von Severus wirkt wahre Wunder. Ich habe mich so kurz nach dem Vollmond noch nie so gut gefühlt wie heute.«

»Das freut mich zu hören.« Filius selbst hatte anfangs seine Zweifel gehabt, ob es wirklich eine gute Idee war, einen Lykanthropen zu berufen – selbst wenn es sich um Remus Lupin handelte. Aber es gab nun den Wolfsbanntrank, und Severus würde mit Argusaugen darüber wachen, dass Remus den Trank regelmäßig zu sich nahm – schon angesichts der gemeinsamen Geschichte der beiden.

»Das freut mich wirklich«, versicherte er seinem jungen Kollegen noch einmal ganz aufrichtig. »Aber ich habe dich nicht sprechen wollen, nur um mich nach deinem Gesundheitszustand zu erkundigen. Ich habe da auch etwas für dich. Eine Überraschung, ein kleines Willkommenspräsent könnte man sagen.«

Filius machte ein geheimnisvolles Gesicht und zog die oberste Schublade seines Schreibtisches auf.

»Hier«, sagte er und reichte das Pergament über seinen Schreibtisch. Remus stand auf und schien einen Moment verwirrt, aber dann zog ein Leuchten über seine Züge. »Ich gehe wohl recht in der Annahme, dass ich einem der Hersteller gegenübersitze?«, fragte Filius belustigt.

»Woher …?«

»Das war nun wirklich nicht schwer. Nun nimm es schon!« Remus nahm ihm vorsichtig das Pergament ab, als wäre es ein zerbrechlicher Schatz. »Ich vergesse vielleicht gelegentlich die Gesichter und Namen meiner Schüler, aber an ihre Zauberkunst kann ich mich im Allgemeinen recht gut erinnern. Die magischen Signaturen waren unverkennbar.« Remus starrte noch immer auf das leere Pergament. »Außerdem stehen eure Namen darauf«, gab Filius zu. »Das war ein kaum zu übersehender Hinweis.«

»Unsere Namen …?«

»Nun, Moony … und so weiter«, antwortete Filius vage, um ein paar wunde Punkte zu vermeiden. »Ihr dachtet doch nicht, dass wir Professoren nicht wüssten, wie ihr euch nennt und wer hinter dem ganzen Unsinn steckt, den ihr in der Schule veranstaltet habt?«

Aber Remus schien ihn gar nicht zu hören. Er ließ sich in seinen Sessel zurücksinken und streichelte über das Pergament. »Wie neu …«, flüsterte er. »Sie ist wie neu. Als hätten wir sie erst gestern gemacht.« Er zog seinen Zauberstab, tippte die Karte an und sagte: »Ich schwöre, dass ich Moony bin.«

Es war nicht der Aktivierungsspruch, den Filius kannte, und das Ergebnis war ebenfalls anders, soweit er das auf die Entfernung beurteilen konnte. Statt der Karte von Hogwarts erschienen geschriebene Zeilen auf dem Pergament. Er sah zu, wie Remus gebannt auf die Schrift starrte. Der Junge schluckte mehrmals, und Filius meinte, Tränen in seine Augenwinkeln glitzern zu sehen.

»Remus?«, machte er sich vorsichtig bemerkbar.

Remus Kopf ruckte hoch. »Ja, Professor?«

Filius verzichtete darauf, ihn zu korrigieren. »Vielleicht möchtest du die Karte in aller Ruhe studieren? Allein?«

»Sicher.« Remus sah schnell wieder auf die Karte und löschte sie. »Ich bringe sie Ihnen bald wieder, Professor Flit–«

»Filius«, unterbrach ihn Filius diesmal. »Und das ist nicht nötig. Du bist einer der Hersteller, also gehört sie dir. Ich hatte sie nur kurzzeitig in Verwahrung.«

Remus wirkte ein wenig verwirrt, aber Filius hatte keine Lust, ihm die Details auseinanderzusetzen. Er glaubte nicht an viele Koboldgesetze und befolgte noch weniger, aber ihre Eigentumsregelungen hatten ihm immer eingeleuchtet. Das, was man selbst gemacht hatte, gehörte einem auch; aber Menschen neigten dazu, nicht recht zu begreifen, dass der Hersteller einer Sache auch ihr Eigentümer blieb, solange diese Sache existierte. Es war einfach notwenig und richtig gewesen, die Karte zurückzugeben, sobald sich die Gelegenheit bot.

»Danke, Filius«, sagte Remus unnötigerweise. »Ich weiß gar nicht, was –«

»Nichts zu danken!«, wehrte Filius ab. »Eine Selbstverständlichkeit, nichts weiter.«

Remus schien nicht zu wissen, was er darauf sagen sollte. Filius versuchte, das peinliche Schweigen zu überspielen und auf ein angenehmeres Thema überzuleiten: »So, nächste Woche beginnt also die gerechte Strafe für all die Streiche, die wir von euch ›Marodeuren‹ erdulden mussten. Ich finde es immer höchst befriedigend, wenn jemand Gleiches mit Gleichem heimgezahlt bekommt. Poetische Gerechtigkeit hat doch etwas zutiefst Befriedigendes. Und unsere heutigen Unruhestifter erreichen zwar nicht immer euer legendäres Niveau, aber sie geben sich die größte Mühe, wie du bald am eigenen Leib erfahren wirst.«

Das schüchterne Lächeln seines Gegenübers erinnerte Filius wieder an den kleinen Jungen, der Remus einst gewesen war.

»Damit werde ich zurechtkommen«, behauptete er mit reichlich naiv wirkender Zuversicht. »Wenn jemand alle Tricks und Schliche kennt, dann doch wohl ich, oder?«

Filius nickte nur ermutigend, obwohl er wusste, dass es sich hierbei um eine Illusion handelte, der die meisten neuen Lehrer zu Beginn noch erlagen. Das Erwachen in der Realität des Schulalltags war eine Erfahrung, die man niemandem erklären konnte – sie musste erlebt werden. »Viel Glück!«, wünschte er trotzdem. Sein junger Kollege würde es gebrauchen können.

»Ich mache mir mehr Sorgen …«, begann Remus und zögerte dann. Filius hob nur fragend die Brauen und ließ ihm Zeit.

»Ich meine, ich bin nicht sicher, ob ich auch wirklich qualifiziert bin. Als Lehrer. Als Hogwarts-Professor.«

Filius hätte beinahe gelacht. In Anbetracht der Fehlgriffe der letzten Jahre wäre jeder Durchschnittszauber eine unerhörte Verbesserung gewesen. Und Remus war im direkten Vergleich geradezu überqualifiziert.

»Nur keine Sorge«, beruhigte er seinen jungen Kollegen. »Das ist nur die normale Unsicherheit vor dem ersten Unterricht! Lampenfieber vor dem ersten Auftritt. Du bist mehr als fähig, Verteidigung zu unterrichten!«

»Hoffentlich«, kam die wenig überzeugt klingende Antwort. »Ich werde mir jedenfalls Mühe geben, aber ich muss gestehen, dass mir beim Gedanken an Montag der kalte Schweiß ausbricht.«

»Vollkommen normal«, versicherte ihm Filius. »Das legt sich nach einer Woche, du wirst schon sehen.«

Remus nickte, aber die Zweifel standen ihm deutlich ins Gesicht geschrieben. »Da fällt mir ein«, begann er zaghaft, »eigentlich wollte ich Filch fragen, aber … Gibt es noch mehr Irrwichte im Schloss – außer dem, der gerade ins Lehrerzimmer eingezogen ist, meine ich?«

»Selbstverständlich«, gab Filius bereitwillig Auskunft. »Das ist ein großes altes Schloss. Wir haben immer drei oder vier Irrwichte, die sich in irgendwelchen Schränken oder Besenkammern verstecken. Daran hat sich nichts geändert. Warum?«

»Nur so«, meinte Remus. »Ich dachte, ich beginne die erste Unterrichtsstunde gleich mit einer praktischen Übung, und Irrwichte sind zwar harmlos, aber doch interessant. Ich war mir nur nicht sicher, ob genug für alle Klassen da sein würden.«

Etwas in Filius erstarrte zu einem Eisblock. »Praktische Übung? Für die Schüler? Mit Irrwichten?«

Als er in Remus verwirrte Miene sah, hätte er am liebsten die Augen geschlossen und leise bis zehn gezählt. Er zwang sich zu einem Lächeln. Stein und Fels, bewahrt uns vor mittlerer Weisheit! All dieser Unsinn: Stell dich deinen Ängsten! Es gibt nichts zu fürchten als die Furcht selbst. Ein treuer Feind ist besser als ein unzuverlässiger Freund! Ein Ende mit Schrecken ist besser als ein Schrecken ohne Ende. Überall ein winziges Körnchen Wahrheit, aber eben nur ein Körnchen in einer großen Lüge. Manchmal war es zum Verzweifeln. Selbst der Verstand der klügsten Köpfe schien auszusetzen, wenn man ihnen irgendein Gefasel in Form eines wohlklingenden Paradoxons präsentierte.

»Ich bin nicht sicher, dass es eine gute Idee ist, praktische Übungen an Irrwichten durchzuführen«, gab er schließlich vorsichtig zu bedenken.

»Warum?«, fragte Remus mit einem Ausdruck ehrlicher Verwunderung, der Filius nun doch dazu zwang, die Augen zu schließen. Nur fünf Sekunden, um sich zu sammeln und danach vernünftig argumentieren zu können.

»Weil Pomona die Pflanzen für deinen Wolfsbanntrank mit Silberlösung düngen würde, was ihnen und dir nicht guttun würde. Überflüssig wäre es ohnehin, da Severus deine nächste Dosis in einem Silberkessel ansetzen würde. Das alles nur, wenn dich nicht Minerva vorher in die Finger bekommt und in einen neuen Schmutzabtreter für die Eingangshalle verwandelt.«

Vielleicht ging vernünftiges Argumentieren anders, aber manchmal war es einfach unfassbar, auf was für Ideen die jungen Leute kamen. Remus saß verstört und fassungslos in seinem Sessel, und Filius setzte wieder eine freundlichere Miene auf. Vermutlich hatte der Junge einfach nicht nachgedacht und bestimmt nur das Beste gewollt.

»Ist in deiner Schulzeit jemals eine praktische Übung mit Irrwichten veranstaltet worden? Ist dir in deinen OWLs oder NEWTs jemals einer vorgesetzt worden? Ja, der Gegenspruch gehört zum Stoff und wird geprüft, aber doch ohne dass ein Irrwicht anwesend wäre, nicht wahr?«

»Aber …«

»Lass es mich anders erklären.« Filius zerbrach sich den Kopf, wie er das zugrundeliegende Problem dem Jungen am besten verständlich machen konnte. »Was wäre dein Irrwicht gewesen, wenn du als Schüler mit einem konfrontiert worden wärst? Und wie hätte es dir gefallen, wenn ihn nicht nur dein Lehrer, sondern auch deine Mitschüler gesehen hätten? Was wirst du tun, wenn bei deinen Übungen der Irrwicht zufällig eine der tiefen Ängste eines Schülers erwischt, statt irgendeiner gewöhnlichen Phobie oder einer banalen Oberflächenfurcht? Es geschieht nicht oft, dass Irrwichte tief im Unterbewusstsein ihrer Opfer graben, aber es kommt vor, wie du weißt.«

»Aber ist es nicht besser, wenn die Schüler vorbereitet sind – sich ihren Ängsten schon einmal gestellt haben? Was passiert, wenn sie eines Tages eine Schranktür öffnen und zum ersten Mal unvorbereitet einem Irrwicht begegnen?«

»Wegrennen«, antwortete Filius lapidar. »Womöglich getrieben von dem dringenden Bedürfnis, ihre Unterwäsche zu wechseln, so schnell sie können und unter Umständen mit einem schlimmen Schock. Es kommt vor. Nicht sehr oft, weil Argus darauf achtet, dass die uns bekannten Irrwichtverstecke abgesperrt sind, und wir nötigenfalls auch einmal ein besonders störendes Exemplar vertreiben oder umsiedeln. Aber es kommt alle paar Jahre vor. Im Allgemeinen kümmert sich Poppy um die Folgen. Wenn es jemanden aus den unteren Klassen erwischt und das Trauma groß ist, wird in Extremfällen auch die Erinnerung gelöscht. Soweit ich weiß. Wie gesagt, Poppy kümmert sich darum.«

»Aber was spricht dagegen, die Schüler vorzubereiten? Wenn sie in der Gruppe sind, dann kann doch ein Irrwicht keinen allzu großen Schaden anrichten, und auch die Angst ist gemeinsam leichter zu überwinden als allein.«

Es war Remus ganz offensichtlich ernst. Ein idealistischer junger Lehrer, der nur das Beste für seine Schüler wollte. Man konnte ihm kaum böse sein. Sein Standpunkt klang sogar vernünftig und logisch. Leider änderte das nichts daran, dass er falsch war.

»Szenario eins«, erklärte Filius mit seiner sanftesten Stimme. »Eine Schülerin oder ein Schüler tritt vor den Irrwicht. Dieser verwandelt sich in einen toten Elternteil des Kindes.« Remus schien etwas einwenden zu wollen, aber Filius sprach ungerührt weiter. »Szenario zwei: Der Elternteil ist nicht tot, aber wütend und hat einen Zauberstab oder ein weniger subtiles Werkzeug zur direkten körperlichen Züchtigung drohend erhoben. Vor deinen Augen und den Augen der Mitschüler. Szenario drei: Ein naher Verwandter erscheint. Nicht wütend, nicht drohend, dafür aber nur unvollständig bekleidet. Was tust du dann? ›Riddikulus‹ rufen?«

Remus schnappte entsetzt nach Luft und sah geschockt aus. Aber es war besser, wenn er jetzt auf dem harten Boden der Realität landete, als in eine selbstgegrabene Grube zu fallen, auf deren Grund spitze Pfähle warteten.

»Das …«, begann er entsetzt und verstummte wieder.

»… sind nur Szenarien«, gestand ihm Filius zu. »Nicht die harmlosesten, nicht die wahrscheinlichsten, aber bereits vorgekommene und noch nicht die schlimmstmöglichen. Die Ängste der Menschen sind ein gefährliches Spielfeld, Remus. Auch die von Kindern. Bitte überleg dir gut, was du tust. Irrwichte produzieren ein Stück öffentlich sichtbare Legilimentik, weit gefährlicher und potenziell demütigender als der Sprechende Hut es tut. Das sollte man nicht auf die leichte Schulter nehmen.«

Er hatte eigentlich nicht vorgehabt, seinem jungen Kollegen einen derartigen Vortrag zu halten – noch vor dessen erster Unterrichtsstunde –, aber es war auch nicht immer sinnvoll, der unangenehmen Wahrheit aus dem Weg zu gehen. Remus wirkte mitgenommen und starrte blass und geistesabwesend ins Leere. Er war wohl immer noch eine relativ sensible Wolfsnatur und begriff nicht wirklich, welche Untiefen und Niederungen die Welt der Menschen bereithielt. Intellektuell mochte er die Seltsamkeiten der Spezies Mensch nachvollziehen können, aber das emotionale Verständnis, das intuitive Erfassen ihrer dunklen Seiten lief vermutlich seiner Wolfsnatur zuwider. Ein problematischer, aber keineswegs unsympathischer Charakterzug.

»Denk nicht zu viel darüber nach!«, riet ihm Filius, obwohl er bezweifelte, dass der Junge willens und in der Lage war, seinen Rat zu befolgen.

»Danke, Professor«, sagte Remus plötzlich und sprang beinahe aus seinem Sessel. »Ich meine … danke für die Karte … und Ihren Ratschlag.«

Filius war gegen seinen Willen gerührt. »Keine Ursache, Remus. Und wenn du dich nicht bald dazu überwinden kannst, mich Filius zu nennen, werde ich in Zukunft ›Professor Lupin‹ zu dir zu sagen.«

Der junge Mann verzog sein Gesicht, als hätte er in eine Bertie-Botts-Bohne mit Silbergeschmack gebissen – wenn es solche überhaupt gab –, und floh aus seinem Büro, als säße ihm sein persönlicher Irrwicht im Nacken.

Filius atmete tief durch und lehnte sich müde in seinen Stuhl zurück. Er schüttelte bedächtig den Kopf. Irrwichte. Selbstverständlich waren sie in gewisser Weise harmlos. Trotzdem zog er es vor, ihnen aus dem Weg zu gehen. Er kannte seinen Irrwicht nur allzu gut. An manchen Tagen blinzelte dieser Schrecken ihm morgens aus dem Spiegel entgegen. Das Alter, der fortschreitende Verfall, das Nachlassen des Verstandes, der körperliche und geistige Kontrollverlust. Ein hilfloser inkontinenter Greis mit leerem, geistlosem Blick, aus dessen stets geöffnetem Mund der Sabber der Demenz troff. Oh ja, er kannte seinen Irrwicht auf geradezu intime Weise.

Es war unfassbar. Was würde ihnen wohl als Nächstes einfallen? Legilimentikstunden für interessierte Erstklässler? Irrwichte! Im Unterricht! Was ging nur in den Köpfen der jungen Leute vor?


Das Gras glitzerte noch nass, als Anthony und die anderen aus dem Eingangtor des Schlosses traten. Die Sonne stieg gerade über den fernen Bergen im Osten auf. Es war ein kühler Herbsttag, aber nicht wirklich kalt. Anthony hoffte, dass es auch so bleiben würde. Hagrids Hütte stand am Waldrand, und dort trieben sich gelegentlich Dementoren herum. Von deren Kälte hatte er genug. Er fasst nach seiner Brust und spürte die beruhigende Anwesenheit seines Amuletts durch den Stoff der Robe. Seit der Begegnung im Zug hatte es sich nicht mehr gerührt, und er fragte sich langsam, ob Dementoren wohl das Einzige waren, vor dem ihn dieses Runengebilde beschützen sollte. Er hatte seiner Mutter geschrieben und dringend, aber sachlich und erwachsen um Aufklärung gebeten, bisher war jedoch noch keine Antwort eingetroffen.

Luna zog fröhlich hüpfend an ihm vorbei, was ein höchst bizarrer Anblick war. Anthony sah sich nach Simon und Terry um, die jedoch das genaue Gegenteil von Lunas Fröhlichkeit ausstrahlten. Simon war sein übliches heiteres Morgenselbst, und Terry machte ebenfalls ein Gesicht, als ginge es zu seiner Hinrichtung.

Anthony beschloss, nicht auf die beiden zu warten und sich nicht auch noch herunterziehen zu lassen. Er folgte Luna mit langen Schritten über das Schulgelände zu Hagrids Hütte. Sie hopste bemerkenswert schnell vor sich hin, und er bemühte sich, nicht hinzusehen. Luna war seit Tagen noch seltsamer als gewöhnlich, und alle machten einen möglichst weiten Bogen um sie. Es war einfach sicherer. Der Seamus-Zwischenfall war noch nicht vergessen, auch wenn keiner genau wusste, was eigentlich vorgefallen war. Jedenfalls war der arme Junge völlig mit den Nerven fertig gewesen und hatte sich das ganze Wochenende nicht aus dem Gryffindorturm getraut, wenn man Padma glauben konnte.

Sie waren die Ersten, die bei der Hütte des Wildhüters ankamen. Anthony drehte sich um und sah zwei weitere Grüppchen, die jedoch gerade erst durchs Schlosstor getreten waren. Und dann hörte er das »Auslauf!« in seinem Rücken. Er brauchte nicht hinzusehen. Es reichte, dass er eine Sekunde später den Biss des Buchs an der Ferse spürte.

»Luna!«, herrschte er sie an. »Bring dein verdammtes Monster unter Kontrolle, oder ich schwöre dir, ich lass es diesmal wirklich in Flammen aufgehen!«

Sie kicherte. Er war kurz davor, den Zauberstab zu zücken und seinen Worten Taten folgen zu lassen, aber da befahl sie streng: »Bei Fuß!«, und das Buch ließ von ihm ab. Er starrte Luna und ihr Buch böse an, aber sie waren das Bild perfekter Unschuld. Brav saß das Buch auf der nassen Wiese neben Lunas Fuß. Anthony hoffte, dass seine Seiten aufweichten und es einen grausamen Wassertod starb.

Die Tür der Hütte flog plötzlich auf, und der riesenhafte Wildhüter stand vor ihnen. Er trug einen schwarzen Landmantel, und neben ihm erschien seine gewaltige Dogge.

»Oh, ähm …«, grummelte ihr neuer Professor etwas unsicher, als er sie vor seiner Hütte stehen sah.

»Guten Morgen, Professor Hagrid!«, begrüßte ihn Luna, ohne mit der Wimper zu zucken. Anthony murmelte ebenfalls ein »Guten Morgen«, während er misstrauisch den großen Hund beäugte.

»Sin' noch'n bisschen früh dran, oder?«, fragte Hagrid sie. »Ham noch'n paar Minuten, nich wahr?«

Luna strahlte ihn an. »Ja, Professor.« Währenddessen begann ihr Monsterbuch, mit raschelnden Seiten und selbstmörderischer Zielstrebigkeit auf den Hund zuzuschleichen. Anthony freute sich diebisch über das vorhersehbare Ende des grünen Unheils – jedoch zu früh.

»Bei Fuß!«, befahl Luna, als sie den Ausreißversuch ihres Buches bemerkte. »Böses Buch! Lass das arme Hundi in Ruhe!«

Der Wildhüter sah Luna an, wie alle Leute sie ansahen, die sie nicht kannten. Luna lächelte ihn unschuldig an und erwiderte seinen Blick mit schiefgelegtem Kopf. Anthony hatte beinahe Mitleid mit ihm.

»Is aber gut erzogen«, brummte Hagrid, während sein Hund misstrauisch in Richtung des Monsterbuchs schnüffelte. »Ham Se's auch gelesen?«

Luna schüttelte unbekümmert den Kopf. »Simon meint, es wär' nicht besonders interessant. ›Scamander für Arme‹.«

»Um, wirklich?«, gab ihr neuer Professor etwas verlegen von sich. »Nich so gut wie Scamander?«

Luna ignorierte die Frage und stellte stattdessen selbst eine: »Stimmt es, dass man ihr Leben nicht verlängern kann?«

Hagrid wiegte bedauernd den Kopf: »Neh, da is nix zu wolln. Wenn's mal vorbei is, isses vorbei. Sin' aber doch trotzdem lustige kleine Dinger, oder?«

»Mhmm«, machte Luna, und endlich kamen auch Simon und Terry an. Zusammen mit Morag, Lisa und Mandy, dicht gefolgt von Wayne Hopkins und Justin Finch-Fletchley. Ein Chor von »Guten Morgen, Professor« erscholl, aber es kamen immer noch mehr Schüler. Die Slytherins und Gryffindors trafen als Letzte ein. Anthony nickte Draco und Millicent zu. Millicent winkte ihm lässig, ohne ihr Gespräch mit Pansy und Daphne zu unterbrechen, und Draco nickte steif zurück. Anthony war schon zufrieden, dass er überhaupt reagierte. Er hatte lange überlegt, ob er ihm überhaupt noch sein Beileid aussprechen sollte, und je länger er gewartet hatte, umso schwieriger war es geworden. Aber nachdem er sich schließlich doch dazu überwunden hatte, war es relativ glatt über die Bühne gegangen. Im Nachhinein war er froh, dass er es getan hatte.

»Sin' etz alle da?«, rief Hagrid über ihre Köpfe hinweg. Natürlich bekam er nur unbestimmtes Gemurmel zur Antwort. Woher sollten sie auch wissen, ob sie vollzählig waren?

»Ähm ja«, räusperte sich der Wildhüter schließlich. »Is unsre erste Stunde, unn ich hab' was ganz Besondres für euch geplant! Kriegt ehr nich jeden Tag zu sehn, so was! Kommt mit!«

Und dann stürmte der Riese los. Es war nicht einmal so, dass er besonders schnell ging, er machte einfach so große Schritte, dass man ihm fast im Dauerlauf folgen musste, wollte man nicht abgehängt werden. Luna schien damit keine Probleme zu haben. Es war ein Bild für Götter – absolut und völlig durchgeknallte Götter, die zu viel Nektar gebechert hatten. Anthony verfolgte grinsend, wie der riesige Wildhüter im schwarzen Mantel vorauseilte, sein Hund an seiner Seite laufend, gefolgt von der fröhlich dahinhüpfenden Luna, den Zauberstab hinter dem Ohr, das lange blonde Haar hinter ihr herwippend, während ihr grünes Monster wie ein tollwütiger Riesenfrosch neben ihr her durchs Gras sprang. Der größte Teil der Schüler war wie gelähmt von dem Anblick. Simon und er waren die Ersten, die sich in Bewegung setzten. Terry hielt sich hinter ihnen. Vermutlich hatte er sich immer noch nicht damit abgefunden, dass der »riesige Zottelbart-Neandertaler« ihnen Unterricht erteilen sollte.

Simon gähnte ungeniert neben ihm. »Wie lange glaubst du, dass sie das durchhält?«

Anthony hätte in sich hineingegluckst, wenn er sich nicht so hätte beeilen müssen, um das seltsame Paar vor ihnen nicht aus den Augen zu verlieren. »Wer weiß?«, antwortete er nur, um sich den Atem fürs Laufen aufzusparen. »Luna. Da würd' ich nicht wetten.«

Sie umwanderten im Laufschritt einen Ausläufer des Verbotenen Waldes und kamen noch einigen Minuten an einer großen umzäunten Koppel an. Der Professor und Luna warteten schon am Gatter. Als Anthony sich umsah, hatte sich die Klasse in einen lang ausgezogenen Schülerwurm verwandelt, der sich hinter ihnen nicht gerade enthusiastisch auf die Koppel zuschlängelte.

»Auf geht's!«, dröhnte Hagrid los. »'n bisschen Bewegung! Alle am Gatter aufstelln!«

Allmählich trudelten die einzelnen Grüppchen ein und reihten sich um die Koppel herum auf. Bis jetzt war diese immer noch leer und reichlich unspektakulär. Jedenfalls konnte Anthony nichts erkennen, so angestrengt er auch hinsah. Womöglich waren Thestrale darauf? Aber zumindest das hohe Gras hätte sich dann doch bewegen müssen, oder?

»Vielleich solltn wir erst …« Hagrid brach ab und warf einen unsicheren Blick auf Luna, die immer noch wie eine Assistenzlehrerin an seiner Seite stand. »Oder vielleich is später besser. Erst unsre Hauptattraktion! Ich geh' dann mal unn hol se!«

Und er drehte sich tatsächlich um und verschwand im Wald.

»Was will er holen?«, fragte Terry, und ihm war die Besorgnis dabei anzusehen.

»Keine Ahnung«, meinte Simon. »Mach mir mal 'nen Stuhl.«

»Mach dir selber einen«, gab Terry entnervt zurück. »Oder setz dich ins Gras!«

»Nass«, lehnte Simon unter Gähnen ab, setzte sich dann aber tatsächlich im Schneidersitz auf die Wiese. Die Minuten vergingen, das Gemurmel der Schülergrüppchen wurde immer lauter, und Anthony überlegte ernsthaft, ob er sich nicht ebenfalls setzen sollte – eine nasse Robe war mit dem richtigen Zauber schließlich gleich wieder trocken –, als die ersten Hippogreife auf die Koppel trotteten.

Er fand sich neben Luna an den Holzstangen des Gatters wieder und starrte auf die Tiere. Sie waren einfach nur schön. Er hatte als Kind schon einmal Hippogreife und echte Greife, Pegasi und junge Reitdrachen auf einer Flugschau gesehen. Er hatte danach natürlich unbedingt einen eigenen kleinen Drachen haben wollen, und seine Eltern hatten ihre liebe Mühe gehabt, ihn von der Unmöglichkeit seines Wunsches zu überzeugen – und ganz war es ihnen nie gelungen.

Es waren zwölf Hippogreife, die Hagrid an Ketten und Lederhalsbändern auf die Koppel führte, einer schöner als der andere. Ihr Fell und Gefieder reichten von dunkelstem Blauschwarz über Rotbraun, Bronze, Ocker bis zu hellem Beige und fast albinotisch wirkendem Weiß. Die handlangen Krallen ihrer adlerhaften Vorderbeine bohrten sich tief in den weichen Boden, während die pferdeartigen Hinterläufe mit dumpfem Hufschlag über die Wiese der Koppel stapften. Ihre Flügel reichten ihnen bis zum Ende des breiten Rückens, wo nervöse Pferdeschwänze zuckten.

Anthony achtete kaum auf das, was Hagrid von sich gab. Er hatte nur noch Augen für die Hippogreife, die stolz ihre scharfen Schnäbel in die Luft reckten und mit ruckenden Köpfen wachsam ihre Umgebung musterten. Sie schienen seine Blicke aus orange glühenden Augen zu erwidern, als wollten sie ihn herausfordern. Am liebsten wäre er über das Gatter geklettert und näher herangegangen.

»… euch merken, dass 'n Hippogreif 'n stolzes Tier is! Sin' leicht beleidigt! Also tut's nich! Wer 'nen Hippogreif beleidigt, der hat zum letzten Mal jemand beleidigt!«

Er hörte nur mit halbem Ohr, was Hagrid erzählte. Das stand alles in jedem Schulbuch, und Höflichkeit war immer eine gute Idee, wenn man es mit magischen Geschöpfen zu tun hatte. Wozu hatte er seit Jahren Unterricht in Etikette und gutem Benehmen?

»Unn nie vergessen, Herrschafftn, immer schön ruhig bleibn und warten, dass der Hippogreif den erstn Schritt macht, verstanden? Hingehn, verbeugen, unn dann warten! Wenn er sich auch verbeugt, is alles in Ordnung. Wenn nich, dann macht euch besser schnell vom Acker! 'ne Bekanntschaft mit 'ner Hippogreifkralle is nich grad angenehm!«

Einer der Hippogreife erwiderte Anthonys Blick besonders herausfordernd. Er hatte ein rostbraunes Fell, und der Übergang zum etwas dunkleren Federkleid war so fein, dass man ihn kaum sah. Anthony wagte nicht, zu blinzeln. Angeblich sollte man das bei Hippogreifen vermeiden. Er war so fasziniert, dass er Hagrids Frage nach Freiwilligen fast überhört hätte.

»Hier!«, rief er, ohne nachzudenken, und kletterte schon im selben Moment mit klopfendem Herzen über das Gatter und hielt auf den Hippogreif zu.

»Um, großartig! Vielleich Seidenschnabel …?«, meinte Hagrid, aber Anthony beachtete ihn nicht, sondern hielt vor dem rostbraunen Hippogreif an, der ihn immer noch mit stolzen, fast verächtlichen Blicken durchbohrte. Er sah so fest wie möglich in die grausamen, in kaltem Orange brennenden Vogelaugen und bemühte sich nach Kräften, so selbstsicher wie nur möglich zu wirken. Sich niemals die Angst anmerken lassen, redete er sich gut zu. Er gab sich alle Mühe, aber das Herz schlug ihm bis zum Hals, als er sich verbeugte. Es war eine tiefe Duellverbeugung, angemessen bei einem ehrenhaften Gegner, von dem man annahm, dass er das Überraschungsmoment nicht ausnützen würde. Er verharrte zwei Sekunden mit gebeugtem Rücken und gesenktem Blick und richtete sich dann wieder auf.

Die Augen des Hippogreifs blitzten ihn ungerührt an. Der Schnabel wirkte aus der Nähe wesentlich größer und schärfer, als ihn sich Anthony vorgestellt hatte. Eine Ewigkeit schien der Hippogreif ihn von oben herab abzuschätzen, und dann, als Anthony schon fast nicht mehr damit gerechnet hatte, sank er auf die Knie.

Er atmete erleichtert aus, und auch Hagrid, der bis jetzt ganz still neben dem Hippogreif gestanden hatte, ließ ein erleichtertes Schnaufen hören.

»Tja«, sagte er mit etwas gedämpfterer Stimme als sonst. »Dreizeh. Schönes Tier, hat aber rechts 'nen Zeh verlorn. Drum der Name.«

Währenddessen nahm er dem Hippogreif die Kette und das Lederhalsband ab. »Kannst'n etz anfassen. Aber nur vorsichtig übern Schnabel streicheln.«

Anthony streckte bedächtig die Hand aus und legte sie auf den Schnabel des Hippogreifs, ohne die großen Nasenlöcher zu berühren. Er musste sich zusammennehmen, um nicht zurückzuzucken, als der Hippogreif den Kopf schüttelte und gleichzeitig seine Schwingen ausbreitete. Sie waren einfach nur unbeschreiblich, riesig und gewaltig. Selbst Hagrid wirkte mit einem Mal klein und unwichtig. Von Flügelspitze zu Flügelspitze mussten es fast fünf Meter sein.

»Vielleich lässt er dich sogar reiten«, meinte Hagrid zögernd. »Biste schon mal geflogen? Wenigstens aufm Besen?«

Anthony lächelte nur. »Wie steigt man auf?«

Er wusste, dass es verrückt war, einfach so einen Hippogreif zu besteigen, und sein Verstand sagte ihm, dass es nicht nur verrückt, sondern noch dazu auch lebensgefährlich war, aber er hörte nicht auf ihn. Er ließ sich von Hagrid erklären, wo am Flügel er den Fuß aufsetzen konnte, und dann saß er auf dem Rücken eines Hippogreifs. Er klammerte sich hastig an dessen Hals fest, als dieser sich wieder aufrichtete. Es war bereits jetzt ganz anders als auf einem Besen. Unter ihm bewegte sich der breite Rücken des Tiers, und er rutschte etwas weiter auf den Pferdeteil zurück, aber in diesem Augenblick machte der Hippogreif auch schon einen Satz, der ihm die Arme auszukugeln schien, und sie hatten den Boden verlassen.

Die Schwingen knallten in der Luft, unter ihm bewegten sich die Flugmuskeln der Flügel, und Anthony klammerte sich an den Hals des Hippogreifs und presste seine Schenkel an den Pferdekörper, als hinge sein Leben davon ab. Vermutlich tat es das auch.

Er sah zuerst nur die Federn des Hinterkopfs und fühlte den zunehmenden Höhenwind. Dann wagte er einen vorsichtigen Blick nach unten. Die große Koppel war nur noch ein kleiner Fleck, den eine dünne Linie umschloss. Er sah Köpfe und Gesichter wie bunte, winzige Stecknadelköpfe auf einem grünen Stoffkissen unter sich vorbeiziehen. Erst jetzt dachte er wieder daran zu atmen. Hier oben wehte ein Wind, der am Boden nicht da gewesen war. Das Rauschen der gewaltigen Flügel war das einzige Geräusch, das zu hören war. Der Hippogreif flog eine langgezogene Kurve über den Verbotenen Wald. Es war kein schnelles Fliegen und alles andere als bequem. Sein Rennbesen wäre um Längen schneller gewesen, und die Polsterungszauber waren wesentlich angenehmer als das stetige Reiben und Arbeiten der Muskeln unter ihm. Wahrscheinlich würde er das nicht lange aushalten. Trotzdem war es überwältigender als alles, was er auf einem Besenflug jemals erlebt hatte. Vielleicht lag es daran, dass ein Besen einen nicht abwerfen konnte. Der Hippogreif hätte das ganz leicht gekonnt, das war keine Frage. Wunderbarerweise verzichtete er aber darauf.

Anthony sah unter sich den Verbotenen Wald wie einen dunkelgrünen Moosteppich ausgebreitet. Er spürte einen Krampf in seinen Beinen aufziehen und versuchte, eine etwas entspanntere Haltung einzunehmen und sich den rhythmischen Flugbewegungen des Hippogreifs anzupassen. Plötzlich stieß das Tier einen schrillen Schrei aus, der einer Banshee alle Ehre gemacht hätte, und ließ sich fallen. Anthony schrie mit und umklammerte mit aller Kraft den Hals des Hippogreifs. Aber es war nur ein kurzer Sturzflug. Der Hippogreif öffnete gleich wieder seine Flügel und bremste mit rauschenden Schwingen ab. Der Ruck war weniger schlimm als der Schreck. Eine weitere Runde drehte der Hippogreif mit ihm über der Koppel und dem Wald. Anthony sah nur noch den federbedeckten Nacken des Tiers, den Horizont, die Berge und die sich wegdrehende Sonne, das grüne Wipfelmeer des Verbotenen Waldes, die fernen, winzigen Häuschen von Hogsmeade und die Türme von Hogwarts und die spiegelglatte dunkle Fläche des Sees. Er konnte nicht denken, hielt sich nur fest und fühlte den Wind im Gesicht, der seine Augen zum Tränen brachte. Und dann war es vorbei.

Ehe Anthony richtig begriffen hatte, wo er eigentlich war und was er hier tat, hielt der Hippogreif wieder auf die Koppel zu und verlor langsam an Höhe. Stimmen setzten ein, Rufe waren zu hören, und mit einem dumpfen Schlag setzte der Hippogreif auf der Wiese in der Koppel auf. Anthony ließ vorsichtig den Hals los und glitt mehr vom Rücken des Hippogreifs, als dass er abstieg. Zum Glück fing ihn Hagrid ab, bevor er ganz herunterfallen konnte.

Seine Beine zitterten und fühlten sich nicht wie seine eigenen an, als er wieder festen Boden unter den Füßen hatte. Er schwankte und meinte beinahe, den aufziehenden Muskelkater schon spüren zu können. Es war doch sehr anders gewesen, als auf einem Besen mit ordentlichen Polsterungszaubern zu sitzen. Er bekam einen Schlag auf den Rücken, der ihn fast stolpern ließ.

»Großartig! Prima Flug!«, dröhnte Hagrid begeistert. »Das is mal 'ne erste Stunde, was?«

Anthony wankte wortlos zum Gatter, wo ihn die anderen erwarteten.

»Hat's Spaß gemacht?«, wollte Luna wissen, während Simon den Kopf schüttelte und ihn einen irren Vollidioten nannte. Terry blieb stumm, aber sein Blick sagte, dass er Simons grundsätzlich Einschätzung teilte, aber »irrer Vollidiot« noch für untertrieben hielt.

Anthony klettere mit zitternden Beinen über das Gatter und fiel auf der anderen Seite auf das nasse Gras. Von dort aus sah er zu den Hippogreifen hinüber und lachte so lange, bis er plötzlich einen heftigen Krampf im rechten Oberschenkel bekam und aufstampfend und wild fluchend über die Wiese lief. Danach lachte er weiter, während irgendein anderer Schüler auf dem Rücken eines Hippogreifs in den Himmel emporstieg.