Minerva hatte in den letzten Jahren sehr viele Schüler unterrichtet und sehr viele Sachen erlebt, doch noch nie waren der Professorin solch reuelosen Schüler untergekommen, wie diese, die mit einem arroganten Blick vor ihr saßen und leise mit den Fingern auf dem Tisch trommelten.
„Sie sind sich hoffentlich im klaren, dass Ihr Verhalten ein schwerer Fehler war, und Konsequenzen mit sich ziehen wird?", Minervas Stirn zog sich in Falten. Die Slytherins zuckten nur gleichgültig mit den Schultern.
Rudolphus antwortete mit grollender Stimme: „Wir haben Ihren Goldjungen in die Schranken gewiesen! Etwas, was anscheinend sonst niemand tut!"
„Das ist nicht Ihre Aufgabe, wenn Sie ein Problem haben, sagen Sie es ihrem Hauslehrer und attackieren nicht einfach Schüler.", donnerte Minerva.
„Anscheinend tun diese aber nicht ihre Pflichten. Wenn sie es tun würden, säßen wir nicht hier!", keifte Bellatrix und Minerva lehnte sich ein wenig vor.
„Was wollen Sie damit sagen, Ms. Black?"
„Ich dachte, dass wäre klar! Würden Sie als Hauslehrer ihre Lieblinge mal nicht mit Samthandschuhen anfassen, würden die nicht in der Annahme sein, sich alles rausnehmen zu dürfen!"
„10 Punkte Abzug von Slytherin für diese Unverschämtheit!", maßregelte Minerva.
„Und wenn Sie uns 100 abziehen, wir würden es noch mal tun!", zischte Rudolphus und eine rote Haarsträhne fiel ihm ins Gesicht.
„Wenn das so ist, werden 3 Wochen Strafarbeit für jeden von Ihnen vielleicht hilfreich, um sich im Klaren darüber zu werden, was Sie da angestellt haben. Wegen Ihnen verpassen Mr. Potter, Mr. Black und Mr. Pettigrew wertvolle Unterrichtsstunden, die sie für ihre Abschlussprüfungen brauchen werden!"
„Oh ja, und wie sie die nötig haben!", knurrte Severus, der bis jetzt stumm geblieben war.
„Einige Extrastunden in Verwandlung könnten Ihnen auch nicht schaden!", mahnte Minerva und Severus rümpfte die Nase.
„Verwandlung ist nichts weiter als Zeitverschwendung. Völlig überflüssig!", spie Severus verächtlich.
„Wenn Sie das so sehen, legen Sie sicher kein Wert auf eine gute Note, sehe ich das Richtig?", hinterfragte Minerva kritisch.
„Ich lege keinen Wert darauf, andauernd Nachteile zu beziehen, nur weil ihre Goldjungen über die Stränge schlagen!", fauchte Snape angriffslustig.
„Wenn Sie nichts weiter als Schuldzuweisungen zu sagen haben, können Sie gehen. Ich hätte wenigstens Ihnen, Ms. Black ein wenig mehr Moral zugetraut, als dass sie ihren eigenen Cousin in den Krankenflügel fluchen."
Bellatrix Augen funkelten stolz und ihr huschte ein kleines Lächeln über das Gesicht. Sie hatte gute Arbeit geleistet, und das wusste sie. So schnell würde sich Sirius nicht mehr erholen. Welch Tragödie.
Liebe Amalia
Ich hoffe es geht dir gut, und hast alles im Griff. Ich habe das Rezept für den Fluch beigelegt, aber befürchte, dass es etwas verwirrend aufgeschrieben wurde. Hier haben wir alle Hände voll zu tun, um die Abschlussprüfung einigermaßen zu meistern. Wir hatten mal wieder eine kleine Meinungsverschiedenheit mit dem Potterquartett. Natürlich, wie auch sonst, waren Potter und co. laut Mc Gonagall natürlich unschuldig. Sei mir nicht böse, aber du weißt, was ich von ihr halte. Naja, jedenfalls mussten Potter und Black sich mal wieder aufspielen, doch zu ihrem Pech waren Rudolphus und Bellatrix in ihrer Nähe, und na ja, Potter, Pettigrew und Black liegen jetzt für längere Zeit im Krankenflügel. Und wir haben jeder 3 Wochen Strafarbeit zu machen. Ich gehe davon aus, dass ich Weihnachten zu dir komme, oder?
Liebe Grüße Severus
Nun waren es schon zwei Wochen her, und er hatte immer noch keine Antwort von Amalia bekommen. Ob der Brief verloren gegangen war? Oder hatte sie kein Interesse mehr mit ihm zu schreiben? Severus schaute auf die Uhr, es war schon lange nach Mitternacht. Und es würde noch später werden, wenn er mit seinen Hausaufgaben fertig werden würde. Müde schlug er sein Buch zu, und nahm sich vor, am nächsten Tag weiterzumachen. Immerhin hatte er alle Aufgaben für den morgigen Tag erledigt. Dachte er.
Als Severus erwachte, prasselte der Regen gegen seine Fensterscheibe, und dunkle Wolken hingen vor seinem Fenster, sodass er noch nicht einmal sehen konnte, wo schon die Sonne stand. Als er in den Spiegel schaute, schauderte der Slytherin. Die Augen waren blutunterlaufen, und tiefe dunkle Ringe zeichneten sich unter ihnen ab. Er war sichtlich übermüdet, und konnte seine Augen nur schwer offen halten. Und plötzlich fiel ihm ein, dass er die Facharbeit heute abgeben musste, die halb fertig auf seinem Schreibtisch lag. Hastig schaute er sich um, Lucius war schon aufgestanden, und wahrscheinlich schon beim Frühstück. Schnell kramte er seine Facharbeit heraus, und begann weiter zu schreiben. Er schmierte die Buchstaben nur so hin, und betete dass er rechtzeitig fertig werden würde. Mc Gonagall würde ihm den Kopf abreißen, wenn er es nicht fertig bekäme. Der Kopf von dem Slytherin schien zu bersten, als er die Steinstufen zur großen Halle hoch rannte, jeder Schritt dröhnte und schallte in seinem Kopf wieder, doch als er auf die Uhr schaute, wusste er, dass heute nicht sein bester Tag war.
Severus hatte das Frühstück verpasst und die ersten 10 Minuten von Mc Gonagalls Unterricht. Seine Schritte beschleunigten sich, und der Slytherin stürmte die Treppen hoch in den Westteil des Schlosses und prompt stieß er mit Albus Dumbledore zusammen, als der junge Snape flüchtig auf die Uhr schaute.
„Tschuldigung Professor!", murmelte er peinlich berührt und sammelte seine Schultasche wieder auf, die von seiner Schulter gerutscht war. Resigniert betrachtete er einen dunklen Fleck, der sich immer rascher ausbreitete. „Oh Scheiße!", heulte er, als er seine Facharbeit in den Händen hielt, die von dem kaputten Tintenfass einen großen schwarzen Fleck abbekam
„Scheint heute nicht Ihr Tag zu sein, Mr. Snape?", fragte Dumbledore mit einem mitleidigem Lächeln, „Sie sollten sich beeilen, der Unterricht hat schon begonnen!", Albus zwinkerte seinem Schüler zu, der gequält aufstöhnte.
Severus knallte die Tür zum Unterrichtsraum auf, und japste eine Entschuldigung, während er versuchte zu Luft zu kommen. Mit Erschrecken musste er feststellen, dass seine Klasse eine Arbeit schrieb.
„Sie kommen eine halbe Stunde zu spät, Mr. Snape!", tadelte Minerva, während sie ihm einen Zettel auf seinen Tisch legte. Stöhnend ließ er sich auf die Bank fallen, und griff nach dem Arbeitsblatt, was sich gleich darauf schwarz färbte. Verzweifelt blickte er auf seine Hände, die von der Tinte schwarz getränkt waren.
„Das gibt's doch nicht!", jammerte er, und Minerva blickte ihn scharf an.
„Seien Sie leise, schreiben Sie die Arbeit, und machen Sie die Tinte weg!"
Der Slytherin las sich die Aufgaben durch und ein Hitzeschwall durchfuhr ihn. Es kam selten vor, doch er hatte keine Ahnung von dem, was dort auf dem Zettel stand. Aus den Augenwinkeln schielte er zu Lucius, der seinen Zettel etwas zu Severus schob. Er konnte einiges Abschreiben, doch nach viel zu kurzer Zeit schallte MC Gonagalls Stimme durch den Raum.
„Jetzt müssten Sie alle fertig sein, legen Sie alle Ihre Federn hin. Accio Arbeiten!"
Hilflos musste Snape mit ansehen, wie seine halbfertige Arbeit unter seinen Fingern durchflutschte und zu seiner Lehrerin rauschte. Lucius blickte ihn fragend an.
„Du wusstest doch, dass wir heute schreiben! Warum kommst du so spät?"
Doch sein Freund schüttelte nur mit dem Kopf. „Heut ist einfach nicht mein Tag.", seufzte er resigniert.
„Das können Sie laut sagen, Mr. Snape!", Minerva MC Gonagall blickte auf ihren Schüler hinunter. „Ihre Facharbeit bitte.", ungeduldig hielt sie die Hand offen.
Hastig kramte der Pechvogel in seiner Tasche und fischte ein Stück schwarzes Pergament heraus.
„Ist das Ihr ernst?", fragte Minerva erbost und hielt das Stück Pergament hoch, wovon man keinen einzigen Buchstaben mehr erkennen konnte.
„Vorsicht, dass färbt!", murmelte Severus, und der Blick seiner Lehrerin verfinsterte sich, als ihre Fingerspitzen auch den Farbton des Papiers annahmen.
„Ich sehe es! Es ist eine Unverschämtheit, dass Sie zu spät zum Unterricht erscheinen, es nicht für nötig gehalten haben, für die Arbeit pünktlich zu erscheinen und dann auch noch die Frechheit besitzen, mir ein schwarzes Stück Pergament zu geben, wahrscheinlich mit der Ausrede, dass Ihnen unterwegs das Tintenfass kaputt gegangen ist, damit ich Ihnen keine schlechte Note für Ihre nichtvorhandene Facharbeit gebe. So etwas ist mir selten untergekommen, Mr. Snape, dass können Sie mir glauben!" Minerva wunderte sich, als der Slytherin nicht antwortete. Er schien in keiner guten Verfassung zu sein. Seine Augen waren blutig, und er war kalkweiß im Gesicht.
Als er nach einigen Sekunden antwortete, zitterte seine Stimme. „Fragen Sie Professor Dumbledore, wenn Sie mir nicht glauben. Bevor ich mit dem Direktor zusammengestoßen bin, war die Facharbeit noch heil."
„Sie können sicher sein, dass ich dies prüfen werde.", kam als Antwort und Minerva fügte noch hinzu, „Nach dem Unterricht kommen Sie noch mal zu mir!", und der Slytherin wusste, heute war ganz sicher nicht sein Tag.
