Als Severus das kleine Haus betrat, schlug ihm eine angenehme Wärme in alle abgefrorenen Gliedmaßen, und spätestens bei der Tasse Tee fühlte er sich pudelwohl.

„Und du wärest wirklich alleine über Weihnachten gewesen?", skeptisch kräuselte er die Stirn

. „Man stelle es sich vor, so was soll es geben.", keck zwinkerte sie ihm zu.

„Aber das kleine Detail, dass du wahrscheinlich deine Mutter dazu genötigt hast, weg zu bleiben, vergessen wir ganz schnell wieder, okay?", Severus zwinkerte zurück.

„So in etwa!", lachte sie, und auch Severus stimmte mit ein.

Nach einigen Stunden roch es in dem kleinen Haus nach Zimt und Vanillin und zwei große Bleche mit Puderzucker bestäubte Kekse warteten auf ihren Verzehr. Doch sie mussten sich noch etwas gedulden, denn ihre Erschaffer versuchten gerade das Wohnzimmer weihnachtlich herzurichten. Amalia stand auf einem Stuhl und versuchte die Tannenbaumspitze gerade auf zu setzten, während Severus mit einem Wink seines Zauberstabes Kugeln und kleine Engel platzierte.

„Was hältst du davon, wenn wir nachher Lucius, Rudolphus und Bellatrix einladen, um die Testreihenergebnisse zu präsentieren?", fragte Amalia nebenbei, während Severus ihr vom Stuhl half.

„Warum nicht, könnte bestimmt interessant werden. Dann könnte Lucius noch ein paar Steine mitbringen, die wollte er unbedingt testen. Er vermutet, dass das einige Artefakte sind, er hat sie im Kerker von Malfoy Manor gefunden.", interessiert lauschte Amalia und warf eine Handvoll purpurfarbenes Pulver in den behangenen Kamin.

„Malfoy Manor, Lucius Arbeitszimmer!", kurze Zeit später erschien sein Kopf in den Flammen. Sein gelangweilter Blick schlug um in leicht genervt.

„Was willst du von mir?", raunte er mürrisch und Amalia stutzte.

„Stören wir dich gerade? Das tut mir leid!", beschwichtigend bat sie um Verzeihung. Lucius rollte ungeduldig mit den Augen.

„Komm zur Sache!", brummte er und fügte noch ein „Bin beschäftigt", hinzu.

„Wir wollten fragen, ob du nachher zu uns kommen möchtest, wir wollten die neue Testreihenergebnisse präsentieren. Rudolphus und Bellatrix kommen wahrscheinlich auch noch."

Lucius legte die Stirn in Falten. Dann sprach er mit seiner üblichen teilnahmslosen Stimme

„Wenn das so ist, ein bisschen Belustigung dürfte meinen Zeitplan nicht sprengen!" Severus und Amalia schauten sich fragend an.

„Wie dem auch sei, ich habe noch zu tun!", und mit einem Plopp verschwand der Malfoy Erbe wieder aus dem Kamin.

Amalia fand als Erstes die passenden Worte.

„Das hört sich ja so an, als ob wir ihm eine Last sind, und dass er nur herkommt, um sich über uns lustig zu machen.", empört zupfte sie an der Tischdecke und Severus lachte laut auf.

„Du verstehst es falsch, es war Lucius Art uns zu sagen, dass er unheimlich gerne kommt. Vertrau mir, wahrscheinlich war sein Vater mit im Zimmer!"

Amalia legte nur die Stirn in Falten und ging in die Küche. „Hilfst du mir beim Essen machen?", rief sie ins Wohnzimmer, und der Slytherin, der gerade den Inhalt des Bücherregals musterte, seufzte auf.

„Natürlich helfe ich dir!", enttäuscht wand er sich ab, mit dem Entschluss, diese Bücher noch einmal gründlich zu studieren.

Die Küche war groß und gemütlich eingerichtet. Die Farben beliefen sich auf blassgelb und orange, und auch das angrenzende Esszimmer passte super zu dem Einrichtungsstil. „Mann, da hat sich aber einer Mühe beim Einrichten gemacht!", staunte Severus, als er das Geschirr aufdeckte, was farblich zu dem Tischtuch passte.

„Ja, meine Mutter ist da sehr pingelig!", antwortete Amalia, und zeigte spöttisch auf die Serviertenringe, die das gleiche Muster hatten, wie die Gardine.

„Alles klar!", sofort zog der 7. Klässler die Finger zurück und hob die Hände. „Dann geh ich wieder ins Wohnzimmer, bevor ich deiner Mutter hier was unordentlich mache!"

Künstlich beleidigt knuffte ihn die junge Frau und witzelte: „Du bist doof, du weißt doch, dass sie erst in einer Woche zu erwarten ist!"

Leise murmelte Severus, so dass Amalia es nicht hören konnte : „Na wollen wir es hoffen!", während er langsam wieder ins Wohnzimmer ging, um sich den Büchern zu widmen. Ein Türschellen ließ ihn jedoch wieder aufschrecken.

„Severus, machst du bitte mal die Tür auf?", fragte Amalia ersuchend, und hielt ihre mehligen Hände hoch, um zu zeigen, dass sie selbst nicht gehen konnte. Severus legte das Buch auf einen Hocker, ging durch den kleinen Flur und öffnete die Tür.

„Bella, Rudolphus, kommt rein, ihr friert sonst fest!", bat der 7. Klässler seine Klassenkameraden hinein. Rudolphus half Bellatrix aus dem Mantel und sog sinnenfreudig die Gerüche ein.

„Es riecht verlockend nach Plätzchen!", stellte er erfreut fest, und Bellatrix ergänzte ihn: „Und nach selbstgemachtem Punsch!"

„Was für ein Zufall!", lachte Amalia, als sie mit einem Tablett mit Punsch und Keksen in den Flur kam. „Ich hab die Stube aufgeheizt, fühlt euch wie zuhause!", lud sie liebenswürdig ein, und schwatzend folgten die Gäste ihr in die Stube. Nach kurzer Zeit stieß auch der Malfoy Erbe dazu, der einen teuren Elfenwein mitbrachte.

Nach einiger Zeit, nachdem gegessen wurde, und der Punsch langsam Wirkung zeigte, holte Lucius einen kleinen Beutel mit seltsam schimmernden Steinen heraus.

„Die hab ich in unseren Kerkern gefunden!", verschmitzt lächelte er, wie nur ein Malfoy lächeln konnte. Bei näherer Betrachtung viel auf, dass eine kleine Nebelschwade in jedem Inneren war. Bellatrix, ihr Gesicht schon leicht gerötet, grapschte nach den Steinen.

„Ich finde, die stehen mir ausgezeichnet!", lallte sie und hielt sich die Steine ans Ohr. Behutsam nahm Rudolphus ihr die Steine aus der Hand, und legte sie wieder auf den Tisch. Amalia betrachtete sie skeptisch.

„Die sehen aus, wie Artefakte. Nicht unbedingt ungefährliche Artefakte."

„Dann sollten wir die mal ausprobieren. Vom Angucken werden wir nicht schlau", grinste Bellatrix breit, und nahm sich erneut einen Stein. Noch bevor die anderen reagieren konnten, schüttelte Bellatrix den Stein in ihrer Hand. Ein blau-gräuliches Licht schien aus ihrer Faust, und kreischend, als wenn sie etwas gebissen hätte, warf sie den Stein wieder auf den Tisch. Alle starrten gebannt auf den Stein, der leicht vibrierte. Es gab einen lauten Knall, dann erlosch der Stein.

„Ist irgendwas passiert?", fragte Bellatrix enttäuscht, und Rudolphus hielt den Stein gegen das Licht. „Der Nebel, oder was darin auch immer noch war, ist verschwunden.".

Draußen fing es immer Stärker an zu Regnen, während die Fünf immer noch um die Steine herum saßen. „Wir haben einen blau-gräulichen Stein, einen rötlichen, einen braunen, einen weißen, und einen schwarzen Stein. Und wir haben keine Ahnung, was sie bringen. Abgesehen davon, dass sie kurz aufleuchten.", stellte Amalia nach einiger Zeit enttäuscht fest. „Aber immerhin haben wir ja noch die anderen Testversuche. Dein Zauberspruch ist übrigens..."

So saßen sie noch lange bis in die Nacht zusammen in der kleinen Wohnstube. Keiner schien zu bemerken, wie es immer stärker regnete, und niemand achtete auf den Horizont, der sich blau-grau verfärbte.


Am nächsten Morgen regnete es immer noch, als Severus die Augen aufschlug. Amalia lag neben ihm, und lächelte ihn warm an.

„Guten Morgen!", begrüßte er seine Freundin, und setzte noch ein „Frohe Weihnachten!" hinzu.

Als sie aufstehen wollte, gab er ihr einen Kuss, und drückte sie leicht wieder in die Kissen. „Bleib liegen, ich bring dir Frühstück ans Bett."

Sie sah ihn noch hinterher, und war beinahe wieder eingeschlafen, bis ein lautes Scheppern sie aufschrecken ließ. Besorgt schnappte sie sich Severus Morgenmantel, den sie sich hastig über die Schultern warf, und lief die Treppe hinunter.

Severus schloss leise die Tür, und ging leise die Treppe hinunter. Er wollte ja schließlich Amalia schlafen lassen. Er fror leicht, denn seinen Morgenmantel hatte er oben liegen gelassen, und nur in Shorts bekleidet war es zur dieser Jahreszeit nicht gerade sehr warm.

Gerade als er die Tür von der Küche öffnen wollte, fiel langsam die Haustür in Schloss , und im Flur stand eine verschneite Minerva McGonagall, die ihren Koffer erschrocken fallen ließ.