Es herrschte zunächst Totenstille.

Jeder starrte sein Gegenüber ungläubig an, bis Severus die Stille Doc Manager (Upload)brach.

„Ähm, frohe Weihnachten Professor!", druckste der Slytherin und verfluchte zum ersten Mal seine Entscheidung, nicht nach Hause gefahren zu sein.

„Was zum...", fragte Minerva, die nahe dran war, die Fassung verlieren. Entsetzt blickte sie zu ihrem Schüler, der nur in Boxershorts vor ihr stand, und danach zu ihrer Tochter, die in einem Morgenmantel auf der Treppe stand, der sicher nicht ihr gehörte.

„Könntest du mir bitte mal erklären, was hier vor sich geht?", fragte Minerva gedrungen ruhig zu ihrer Tochter, die etwas irritiert aussah.

„Wolltest du nicht eigentlich erst nächste Woche kommen? Ich wusste nicht, dass du ... sonst hätte ich ..." , versuchte Amalia zu erklären, doch Minerva war nicht sichtlich begeistert.

„Ich bin davon ausgegangen, dass sich meine einzige Tochter darüber freue, wenn sie nicht allein Weihnachten verbringen müsse. Aber anscheinend ist dies nicht nötig. Du hast dir selbst Gesellschaft für dein Amüsement ins Haus geholt. Du hast zu mir gesagt, dass du Ruhe zum Lernen brauchst!", empört blickte sie erst zu Snape und dann auf den Stubentisch, wo noch die Punschgläser und der Wein standen, nur um danach wieder ihren Schüler zu fixieren.

„Mum bitte!", seufzte Amalia, und hoffte, dass ihre Mutter nicht eine zu große Szene machen würde. Amalia wand sich zu dem Slytherin. „Lässt du mich kurz mit ihr alleine?"

Severus nickte verstehend und beeilte sich aus dem Schussfeld zu kommen. Eilig packte er seine Sachen zusammen, zog sich hastig an, die schimpfende Stimme seiner Lehrerin ignorierend. Er schnappte ein paar Sachen wie „Schlechter Umgang, und nicht ganz geheuer auf." Nach einiger Zeit stampfte er, nachdem er seinen Koffer auf Streichholzschachtelgröße gehext hatte, wieder zurück in den Flur, wo Amalia und Minerva immer noch wild diskutierten. Er beeilte sich in das Wohnzimmer zu gelangen, um die Aufzeichnungen schnell in seiner Tasche verschwinden zu lassen. Gerade in dem Moment brauste Minerva herein.

„Ihr braucht nicht eure Sachen verschwinden zu lassen! Ich weiß auch ohne die Zettel, was da drauf steht. Irgendein schwarzmagischer Unfug! Was soll auch anderes dabei rauskommen, wenn Slytherins vertreten sind!", dabei fuchtelte sie mit der Weinflasche herum, auf dessen Etikett das Wappen der Malfoys drauf war.

„Ich will Sie hier nie wieder sehen!", fauchte Minerva, und zeigte auf die Tür. Severus nickte verstehend und schritt aus der Tür. Amalia lief ihm hinterher. In dem kleinen Vorgarten holte sie ihn ein.

„Bitte Severus, ich wusste nicht...Bitte... es tut mir so leid!", Tränen kullerten ihre Wange hinunter, und Severus gab ihr einen Kuss auf die geröteten Lippen.

„Es ist alles in Ordnung! Es ist nicht deine Schuld. Du weißt, wenn es zu schlimm wird, wo du mich findest. Das kriegen wir schon hin. Und wenn ich mein Lebtag von meiner Mutter vorgehalten bekomme, dass wegen mir, eine Tochter- Mutter Beziehung auseinander geht, ist es mir auch recht. Hauptsache es geht dir gut!", sanft umarmte er seine Freundin.

„Und jetzt geh wieder rein, damit du den Drachen nicht noch rasender machst!", der Slytherin zwinkerte ihr noch aufmunternd zu, bevor er disapparierte.


„So, war die Einladung doch nicht das wahre?", Eyleen Snape blickte ihren Sohn kritisch an, dessen Koffer mit einem Seufzer aus den Händen glitt. „Erwarte jetzt aber nicht, dass alle springen, nur weil der Herr sich entschlossen hat, gnädigerweise die Ferien doch bei seiner Familie zu verbringen. Nimm dir mal ein Beispiel an Rudolphus. Der hat mir sogar eine Weihnachtskarte geschickt!" Severus atmete genervt aus.

„Mutter bitte, nicht jetzt!" Sein Blick wurde trüb.

„Ist was passiert?", fragte seine Mutter, nun eine Spur besorgter, und mütterlich schob sie ihn aus der Eingangshalle in die Küche. „Setz dich erst mal, trink einen Tee und dann erzähl mir, was passierte. Hast du Hunger? Möchtest du was Essen?"

„Mutter!", Severus stöhnte gequält auf.

„Kind, wenn du nicht mit mir redest, kann ich dir auch nicht helfen!", fürsorglich setzte sie sich ihm gegenüber.

„Lass mich raten, Ihr habt euch gestritten und sie hat dich rausgeworfen?"

„Viel schlimmer.", nuschelte ihr Sohn, der sich hinter seiner großen Teetasse verschanzte.

„Ihr wurdet von ihrer Mutter überrascht?". Severus ließ sich noch tiefer in seinen Stuhl sinken. „Nicht dein ernst?", harkte sie ungläubig nach. Als sie wieder keine Antwort bekam, lachte sie laut los.

„Vielen Dank für dein Mitgefühl!", knurrte Severus säuerlich, und versank noch weiter im Stuhl.

„Mein armer Junge!", Eyleen strich ihm tröstend über die Haare. Severus fing an, ihr die Geschichte zu erzählen, und als er geendet hatte, fing seine Mutter wieder an zu lachen.

„Ich hätte meine Seele an den Teufel verkauft, nur um Minervas Blick sehen zu dürfen, als sie dich im Flur gesehen hat!"

„Tut mir leid, ich kann daran nicht witziges finden. Wenn ich Pech habe, was mit großer Wahrscheinlichkeit zutrifft, wird ihr Unterricht in Hogwarts eine noch schlimmere Tortur werden! Jetzt wo sie weiß, dass ich Kontakt zu ihrer Tochter habe. Meine Noten werden dadurch nicht besser werden."

„Aber das wusstest du vorher auch schon, dass wenn Minerva das herausbekommt, dein Verhältnis zu ihr nicht gerade besser wird. Du weißt was für ein Drache sie sein kann. Aber ich denke nicht, dass sie dadurch deine Noten in den Keller reißen wird, nur weil du eine Beziehung mit ihrer Tochter hast. Und wenn es wirklich so sein sollte, geh zu Dumbledore."

„Dumbledore!", stieß ihr Sohn abwertend aus. „Der steht doch sowieso nur zu seinen Gryffindors. Ich muss ja nicht gerade erwähnen, dass McGonagall auch früher in Gryffindor war."

„Ich weiß, ich weiß, ich hatte sie ja früher auch.", sagte Eyleen verständnisvoll, und Severus hab seinen Kopf. „Meinst du, du könntest mit ihr reden, gesetzt dem Falle, dass es wirklich schlimm wird, auch wegen Amalia?"

Seine Mutter runzelte die Stirn. „Ich misch mich doch nicht in deine Beziehungen ein, nur weil deine zukünftige Schwiegermutter einen Hass auf dich hat. Solange deine Noten darunter nicht leiden, halte ich mich daraus. Aber wenn sie unfair wird, kannst du damit rechnen, dass ich ihr mal einen Besuch abstatte!", versprach die Frau mit einem Raubtiergrinsen.


Sehnsüchtig wartete Amalia darauf, dass die Ferien wieder zu Ende gingen.

„Severus.", seufzte die einundzwanzig Jährige traurig, als sie seinen Brief erneut las, den er ihr vor Weihnachten schickte. `Ich hoffe du hast alles im Griff´ stand da.

Hatte sie das wirklich? Amalia blickte in ihrem Zimmer umher. Sie studierte, weil ihre Mutter es wollte. Sie studierte ein Fach, dass sie nicht ausstehen konnte, in einem Land, dass ihr nichts bedeutete. Hatte sie wirklich alles im Griff? Nein. Ihre Mutter hatte alles im Griff, da Amalia ja nicht wisse, was sie wollte. Doch die blonde Frau wusste sehr wohl was sie wollte. Sie wollte endlich unabhängig sein, mal nicht im Schatten ihrer Mutter stehen, das tun und lassen was sie wollte. Sie wollte nicht immer nur um Erlaubnis fragen, wollte eigene Erfahrungen machen. Sie wollte den 4 Jahre jüngeren Mann, der sie genau so liebte, wie sie es tat. Doch wieder stand ihre Mutter dazwischen. Sie hielt ihn für einen Versager, einen schlechten Umgang, er sei ihr nicht ganz geheuer. Amalia ballte die Faust. Ihre Mutter hatte kein Recht so über ihn zu urteilen. Und Amalia nahm sich vor, es ihr zu sagen.

„Amalia! Das Essen ist fertig!", hörte sie ihre Mutter hochrufen.

„Ja Mutter!" Sie würde es ihr sagen. Irgendwann.

„Kind, iss vernünftig!", erinnerte Minerva ihre Tochter, die lustlos auf ihrem Teller herumstocherte.

„Kein Hunger!", murmelte die junge Frau, und schob den Teller von sich weg.

„Du isst seid Tagen nicht mehr vernünftig!", mahnte die Professorin, und Amalia entgegnete nur ein Schulterzucken. „Ich möchte wissen, wer dir diese Flausen in den Kopf gesetzt hat. Früher warst du nicht so aufsässig. Aber das liegt bestimmt an deinem schlechten Umgang, den du pflegst. Nur weil die sich so verhalten, musst du das nicht auch tun."

Etwas lauter als beabsichtigt legte Amalia ihr Besteck auf den Teller.

„Du musst keinem was beweisen, mit deinem Verhalten.", Minerva schaute streng hinter ihrer Brille hervor. „Und ich versteh auch nicht, warum ein so intelligentes Mädchen wie du, sich mit solchem Pack abgeben kann. Nein, das sind keine Leute für dich. Du hast anständige Leute verdient, die auf ehrliche Weise ihr Geld verdienen, und nicht wie die Lestranges, die durch sämtliche Schieberein ihren Unterhalt verdienen. Und für den pubertären Schwarzmagier Zirkus bist du doch auch längst viel zu alt."

„Wir praktizieren keine schwarze Magie!", fauchte Amalia verärgert.

„Nicht in diesem Ton meine Liebe!", mahnte Minerva und schob ihre Brille ein Stück hinunter. „Und warum war der Snape Junge so bedacht darauf, die Pergamente mitzunehmen, bevor er das Haus verließ?"Amalia kräuselte die Stirn.

„Vielleicht, weil es seine Zettel waren?", fragte sie etwas ironisch, und Minerva presste die Lippen zusammen.

„Ich hätte gleich darauf kommen müssen, dass er dir diesen Unfug gezeigt hat! Dieser Snape war mir noch nie geheuer. Und dass du dich auch noch an ihn verschwendest." Amalia presste die Faust zusammen, dass sich ihre Nägel in ihre Handfläche bohrten.

„Ich liebe ihn! Finde dich endlich damit ab!", zischte sie, und ihre Mutter rief ihr noch hinterher:

„Sieh wie weit es schon gekommen ist, jetzt hat er sogar schon einen Keil zwischen uns getrieben!"


So ging die Sonne noch viele Male wieder auf und unter, ohne dass die Beiden etwas voneinander hörten. Nur kurz sprachen sie einmal über den Kamin, wünschten sich für die kommende Zeit alles Gute, und versprachen, sobald Severus wieder in Hogwarts war, sich zu schreiben.

Severus verspürte einen Drang, die kommenden Verwandlungsstunden zu schwänzen, doch Lucius hielt ihn davon ab.

„Das ist doch keine Lösung!", kritisch zog der Blonde die Augenbrauen zusammen.

„Was ist denn dann die Lösung?", fauchte Severus verzweifelt.

„Sprich mit ihr. Ich glaub kaum, dass sie dir das besonders übel nimmt. Amalia ist schließlich alt genug."

„Ich hoffe du hast recht.", murmelte Severus, während er seine Sachen holte, und die Beiden zusammen zum Verwandlungsunterricht gingen.