„Ich habe noch nie eine so schlechte Arbeit gesehen!". Vollkommende Stille breitete sich in dem großen Raum aus, als Minerva mit großen Schritten zu dem hintersten Tisch ging, und Severus seine Arbeit auf den Tisch knallte. „Es ist eine Anmaßung so eine Arbeit abzugeben. Sie sind sich hoffentlich darüber im klaren, dass diese Arbeit nicht sonderlich fördernd ist für Ihre Abschlussnote?", Minerva sah ihren Schüler abschätzend an. Severus erwiderte nichts, lediglich seine rechte Hand, die auf seiner Linken lag, und diese beinahe zu zerquetschen schien, beschrieb seinen Zorn. Leises Gelächter kam aus den ersten Reihen.

So ging es viele Verwandlungsstunden lang, bis zu dem Tag, wo Severus endgültig die Nerven verlor. Zornig stand er von seinem Platz auf, als Minerva sich vor ihm aufbaute und ihm wieder vorhielt, dass seine Leistungen unterdurchschnittlich waren. Wütend fegte er seine Sachen über den Tisch in seine Tasche.

„Da meine Note nicht mehr zu retten ist, brauch ich dann wohl auch nicht mehr ihre wertvolle Zeit vergeuden, Professor!", bemerkte der Slytherin zornig und ließ eine verblüffte Professorin zurück.


„Hast du vollends den Verstand verloren?", Lucius Malfoy schepperte die Zimmertür gegen die Wand. Severus, der auf seinem Bett lag, fuhr erschrocken hoch. „Damit hast du dir gerade dein Todesurteil unterschrieben!", brauste er auf und Severus lehnte den Kopf gegen die Wand, während er versuchte seinen Herzschlag wieder zu normalisieren.

„Was hast du dir dabei gedacht?", fragte der blonde Slytherin aufgebracht, während er ungeduldig im Zimmer auf und ab ging.

„Krieg dich mal wieder ein!", forderte der schwarzhaarige Slytherin und kämpfte sich aus seinem Bett.

„Ich kann mich nicht einkriegen, wenn ich sehe, wie leichtfertig du mit deinem Abschluss umgehst!"

Severus wurde etwas ungehalten „Ach seid wann kümmert es denn den Herren, wie mein Abschluss aussieht? `Du hast doch dein Abschluss so gut wie in der Tasche. Zum Leben reicht es alle mal.´ Waren das nicht deine genauen Worte? Waren sie doch?", bellte er und wischte einen Wasserkrug von seinem Nachttisch.

Lucius sah ihn einen Moment lang an, sah den Schmerz, der in den schwarzen Augen sich mit blanken Hass vermischte. Hass auf eine Gesellschaft, die sich einen Dreck um ihre Außenseiter scherte.

Lucius senkte den Blick. „Dumbledore erwartet dich in einer halben Stunde in seinem Büro.", sagte er rasch und als er an der Tür angekommen war, drehte er sich noch mal um. „Mach dich nicht kaputt!.", bat er leise, dann verschwand der Malfoy Erbe so plötzlich, wie er gekommen war.


Nachdenklich machte er sich auf den Weg zu dem Schulleiter, nervös, was ihn erwartete. Auf halbem Weg stieß er mit jemanden zusammen.

„Hey, Snifelus, wohin des Weges?", fragte Black gespielt höflich und Potter grinste schief.

„Wahrscheinlich die Suppe auslöffeln, die du dir vorhin eingebrockt hast. Echt klasse Auftritt. Wir haben uns alle köstlich amüsiert!"

„Ja, über dein `T´ in Verwandlung, echt saubere Leistung!", ergänzte Black James, und Pettigrew hechelte erwartungsvoll. Nur Lupin stand etwas Abseits, und blickte wieder kopfschüttelnd in sein Buch.

„Slytherin hat über 50 Punkte verloren!", belustigt zückte Potter seinen Zauberstab und hielt ihm den an die Kehle. Blitzschnell schossen zwei rote Lichter aus Pettigrews Zauberstab, die Snape an die Wand pressten.

Erstaunt schauten sich James und Sirius an, bevor sie sich wieder ihrem Opfer zuwandten. Severus sah nur eine schnelle Faust auf sich zukommen, bevor er einen stechenden Schmerz spürte. Höhnisch lachte Black, als er nochmals auf seinen Mitschüler einschlug. Dann hörte Snape ein Aufheulen und als sich seine Sicht wieder klärte, sah er Black am Boden liegen und ein roter Schopf beugte sich über ihn und zog Black an einer Schulter leicht hoch.

„ Du hast grad dem Falschen ans Bein gepinkelt, räudiger Köter!", und mit einer selten gesehenen Genugtuung richtete Rudolphus Lestrange seinen Zauberstab auf Black und säuselte genüsslich „Stupor", während Bellatrix James in Schacht hielt. Lucius holte inzwischen Severus von der Wand.

„Alles klar?", fragte er etwas überflüssig und Severus wischte sich das Blut aus dem Gesicht, welches stetig aus der Nase kroch.

„Langsam werdet ihr so etwas wie meine Schutzengel!", stellte Severus dankbar fest, als er dem Gryffinor-Quartett nachsah, was sich schleunigst aus dem Staub machte.

„Ich glaub nicht, das dir Flügel stehen!", Bellatrix knuffte Lucius in die Seite.

„Na mehr, als dir n Heiligenschein!", grinste er zurück und Rudolphus rümpfte seine Falkennase.

„Lass dir doch von denen nicht immer alles gefallen!", Bellatrix gab ihrem Verlobten einen Klaps auf den Hinterkopf.

„Es kann nicht jeder so ein tollkühner Draufgänger sein wie du."

„Wir sehen uns nachher! Und vielen Dank noch mal!", rief der Slytherin seinen Hausgenossen hinterher, die eine Abkürzung durch einen Wandteppich nahmen. Der junge Snape schmunzelte. Sollten doch die Goldjungen in dem Glauben gelassen werden, dass sie die Einzigen wären, die sich im Schloss auskannten.

Seine Euphorie löste sich langsam wieder auf, als er die großen Stufen des Wasserspeiers hinauf hetzte, um noch rechtzeitig zu kommen. Als Severus die Tür öffnete, stockte er kurz, bevor er eintrat. An dem großen Schreibtisch saß Albus Dumbledore, links davor Minerva McGonagall, und rechts neben dem Fenster...

„Severus!", begrüßte ihn seine Mutter kühl. Sie trug ihre braunen Haare zu einem langen geflochtenem Zopf, so wie sie es immer tat, wenn sie etwas zu klären hatte und in ihrem Gesicht spiegelten sich kaum Emotionen ab.

Typisch Snape, dachte sich Severus etwas erleichtert. Seine Mutter vermittelte allen Fremden die gleiche Maske, einer verbitterten, distanzierten Mutter, die ihre Familie und ganz besonders ihren Sohn, für eine große Enttäuschung hielt. Um zu sehen, dass sie alles Andere war, als enttäuscht, brauchte er nur zu ihrem rechten Mundwinkel schauen. Dieses leichte hochziehen des Mundwinkels hieß so viel wie : „ Ihr werdet schon sehen was es heißt, mich als Feind zu haben." Sie war eine liebe nette Frau und Mutter, die jedoch auch gut und gerne mal Gift versprühte. Albus Dumbledore zeigte auf einen freien Stuhl genau zwischen McGonagall und seiner Mutter, auf dem der Slytherin sich mit einem etwas mulmigen Gefühl niederließ.

„Mir ist zu Ohren gekommen, dass es in der letzten Zeit Schwierigkeiten gab, bezüglich des Verwandlungsunterrichtes?", fragte Albus interessiert, und Minerva nickte zustimmend.

„Inwiefern?", fragte der Direktor interessiert, und legte die Stirn in Falten. Minerva erhob das Wort.

„In der letzten Zeit ist das Lernverhalten von Severus deutlich abgesunken, und die Noten sind stark gefährdet. Zumal er heute meinen Unterricht verlassen hatte, mit den Worten, dass seine Note angeblich nicht mehr zu retten wäre."

Eyleen blickte kurz zu ihrem Sohn, der nur abfällig schnaufte.

„Zudem fällt Ihr Sohn auch öfters durch Gewaltakte gegenüber Mitschülern negativ auf.", erklärte Minerva bestimmend. Severus keuchte empörend auf.

„Zusammen mit einigen anderen Mitschülern werden Mr. Potter, Mr. Pettigrew und Mr. Black bedroht und stark eingeschüchtert. Sie wiesen öfters Verletzungen auf, die durch Flüche entstanden sein müssen. Mr. Lestrange gestand sogar, dies mit voller Absicht getan zu haben und er zeigte auch keine Reue, sondern teilte mir mit, dass er jederzeit wieder dazu bereit wäre, die drei zu verletzten!" Eyleen Snape hüstelte belustigt.

„Rudolphus ist einer der freundlichsten Jungen, die ich kenne. Wenn er so etwas gesagt haben sollte, wird es auch seine Gründe gehabt haben. Er ist nicht der Typ, der sich wahllos Leute heraussucht, um sie zu quälen. Haben Sie auch gefragt, was Mr. Potter und Co. gemacht haben, bevor sie angeblich angegriffen wurden?", fragte Mrs. Snape, und ließ ein zuckersüßes Lächeln auf den Lippen erscheinen.

„Natürlich. Laut Mister Potter, gab es keine Vorkommnisse."

„Und laut Mr. Lestrange?"

Eine kurze Pause entstand.

„Zudem ist mir auch aufgefallen, dass Severus gefährliche Artefakte mit sich führt.", überging Minerva die Frage ihrer ehemaligen Schülerin.

„Gefährliche Artefakte?", fragte diese kritisch nach und blickte ihren Sohn einschärfend an. Minerva holte aus ihrer Tasche eine Handvoll Steine hervor. Die selben, die Weihnachten bei ihr auf dem Stubentisch lagen. Severus biss sich auf die Zunge. Wie konnte er nur so nachlässig gewesen sein, die nicht mit eingepackt zu haben.

„Wie Sie vielleicht wissen, gehören diese Artefakte zu der Gefährlichkeitsstufe 3. Laut den Ergebnissen meinen Nachforschungen sind dies die 5 Steine der Elemente von Schattenlotus.", Minerva machte eine kurze Pause, und auf die fragenden Blicke antwortete sie langsam:

„Liloe Schattenlotus war eine gefürchtete Zauberin vor geraumer Zeit, und sie bannte in jeden Stein die Seele eines Dämons. Für jeden der Elemente einen. Sie sollten von da an verflucht sein, und das Unheil über die Menschheit bringen."

„Und was hat Severus damit zu tun?", fragte Albus interessiert, und legte die Fingerspitzen aneinander.

„Er führte sie mit sich, und ließ sie für alle zugänglich auf einem Tisch liegen.", Minerva machte eine Pause. „Sie müssen auch aktiviert worden sein, nur so sind die sinnflutartigen Regenergüsse zu erklären, die zur dieser Zeit Schottland überkamen."

Eyleen stockt kurz. Konnte das möglich sein?

„Der einzige Grund, weswegen mein Sohn diese Seine mit hatte, war, dass ich ihn darum gebeten hatte." , erklärte Mrs. Snape nach einer kurzen Überlegung.

„Eyleen?", fragten Minerva und Albus schockiert.

„Durch Zufall kam ich an diese Steine, war mir der Bedeutung aber nicht bewusst. Da ich wusste, dass mein Sohn über die Weihnachtsferien zur Ihrer Tochter fahren würde, die ja alte Artefakte und alte Zauber studiert, bat ich ihn darum, dort um Rat zu fragen, was es mit den Steinen auf sich hatte. Weder ich noch Severus war im Klaren darüber, dass es sich um ein gefährliches Artefakt handelte. Und im übrigen ließ Severus diese gefährlichen Artefakte nicht für alle zugänglich auf den Tisch liegen, da nur er und Ihre Tochter zu dem Zeitpunkt zu Hause waren.", erklärte Eyleen selbstverständlich, und Severus schaute seine Mutter beeindruckt an. Er hätte nicht gedacht, dass seine Mutter ihn da raus hauen konnte.

„Zumal denke ich, dass die Leistungsschwankungen darauf zurück zu führen sind, dass Sie liebe Minerva, eine persönliche Abneigung gegenüber meinem Sohn pflegen, da er seit längerem in einer Beziehung zu Ihrer Tochter steht, wie Sie am Weihnachten ja herausgefunden haben. Es spricht nicht gerade für sich, wenn man es erst Weihnachten bemerkt, dass das eigene Kind seit mehreren Jahren in einer festen Beziehung lebt, nicht wahr?", Eyleen Snape lächelte, wie nur sie lächeln konnte.

„Ist das wahr?", fragte Albus überrascht, und Minerva nickte zähneknirschend.

„Ich möchte, dass so lange dieses persönliche Problem nicht aus der Welt geschafft ist, mein Sohn von dem Verwandlungsunterricht freigestellt wird. Er wird trotzdem an der Abschlussprüfung teilnehmen, wie alle anderen auch. Er wird den Stoff genauso durcharbeiten wie alle anderen auch, nur nicht mehr in dieser Unterrichtskonstellation. Wäre das möglich?", Eyleen wand sich zu Albus, der seine Stirn in Falten legte.

„Ich bin der gleichen Meinung, dass durch so einen Vorfall dass Persönliche doch dem Schulischen überwiegt. Und solange Mr. Snape damit einverstanden ist, sehe ich dort hin kein Problem.", erklärte er, und Severus stimmte zu.


„Wie hast du das nur geschafft?", fragte Severus seine Mutter skeptisch, die ihn etwas pikiert ansah.

„Ich bin deine Mutter!", erklärte sie mit einem selbstverliebten Lachen und nach einiger Zeit blieb sie stehen.

„Ich will nicht wissen, woher du die Steine hast, und ich will auch nicht wissen, was ihr damit gemacht habt. Ich will es einfach nicht wissen, weil ich denke, dass du alt genug bist, um die Gefahren abzuschätzen. Doch sollte ich es noch einmal mitbekommen, dass du damit erwischt wirst, wird deine Note in Verwandlung dein geringstes Problem gewesen sein!"

Ihr Sohn nickte verstehend, und seine Mutter fing wieder an zu lachen. „So und jetzt erzähl mir den Vorfall mit Rudolphus und dem Potterquartett. Hat er das wirklich Minerva ins Gesicht gesagt?"