Dieses Kapitel hat eine ganz spezielle Bedeutung. Das merkt man nicht nur beim Lesen, sondern wird es vorallem dann feststellen, wenn Bellatrix vollkomen "entschlüsselt" wird. An dieser Stelle sollte jedoch nicht zu viel verraten werden ;-)
Was ich bisher vergessen habe zu erwähnen: Ich habe, wie ihr sicherlich bemerkt habt, mit dem Alter bestimmter Personen gespielt (Severus Snape, James Potter, Lucius Malfoy,...) . Dies hat den Grund, dass ich nicht zu viele unbekannte Charaktere mit ins Spiel bringen wollte, sodass man sich in meiner Geschichte auch ein wenig zurecht findet. Ich hoffe, ihr nehmt mir das nicht übel :)
xoxo accio-black
3. Zu Hause
„Der Mensch ist frei geboren und liegt doch überall in Ketten."
Jean-Jacques Rousseau
Andromeda zitterte am ganzen Leib, als Bellatrix die Tür hinter sich zuwarf. Was so eben geschehen war, ist zwar schon öfter passiert, doch dieses Mal hatte sie wahre Ängste durchgestanden. Noch nie war ihre ältere Schwester so hart und kalt gewesen, immer hatte sie Leben in ihren Augen gesehen. Doch heute Abend schienen Bellatrix' Augen wie hinter einem beschlagenen Glas verborgen. Es war kein Leuchten mehr in ihnen. Auch keine Leere. Es war etwas Bedrohliches gewesen, etwas Dunkles.
Langsam kroch das noch immer weinende Mädchen zum Kopf ihres Bettes, legte ihren Kopf auf das Kissen, schlang die Arme um den Körper und schluchzte auf.
Bellatrix hatte schon seit dem Tag sie denken konnte ihre Erziehung übernommen. In Hogwarts und auch in den Ferien. Es gab kein Tag, an dem sie nicht unter ihrer Beobachtung stand und Tadel kassierte, wenn sie etwas falsch machte. Doch heute, das war etwas anderes gewesen. So heftig hatte Bellatrix ihr noch nie ins Gesicht geschlagen, ihr nie solche hasserfüllten Blicke zugeworfen, nie solche Worte benutzt. Andromeda wusste nicht, was mit ihr los war, doch sie hoffte, dass dies das erste und letzte Mal gewesen war.
Doch es dauerte nicht lange, bis ihr auch der letzte Funken Hoffnung genommen werden würde.
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Narzissa lag unter ihre Bettdecke gekuschelt und schaute sich im halbdunklen Zimmer um. Es war perfekt hier. Die Angst, die sie in den letzten Wochen begleitet hatte, war bereits vergessen und glücklich schaute sie sich die schlafenden Gestalten um sie herum an. Das Mädchen, das neben ihr schlief, hatte sich bisher als die Netteste herausgestellt. Ihr Name war Felicia McKeen und sie war, wie Narzissa, reinblütig. Da würde einer Freundschaft nichts im Wege stehen, da auch Bellatrix damit einverstanden sein würde. Das dichte, schwarze Haar des Mädchens breitete sich über das ganze Kissen aus, es reichte ihr bis zu den Hüften. Sie standen im krassen Kontrast zu Narzissas langen, blonden Haare und sie hatten schon vor einigen Stunden ihre Haare zusammen als Zopf flechten lassen.
Narzissa wandte den Blick zu dem Mädchen rechts von ihr, kurze, hellblonde Haare, ein spitzes Kinn und volle Lippen. Keine Frage, Zara würde mal eine Schönheit werden. Und das wusste sie auch. Trotz ihrer Halbblütigkeit besaß sie jetzt schon hohes Ansehen bei den Slytherin-Erstklässlern und hatte sich bereits durch Hochmut und Arroganz einen Namen gemacht.
Die junge Black verdrehte die Augen. Sie würden sich wohl nie verstehen, jetzt schon waren sie Rivalinnen.
Narzissa schloss die Augen und stellte sich den Garten zuhause vor. Die Früchte, die sie im Sommer immer pflückte und aß. Die Bäume, auf die sie geklettert war. All das schien nun ganz weit weg und nicht mehr wichtig. Hier gehörte sie hin.
Schließlich schlief sie ein und träumte von ihren Eltern. Sie saßen an einem Tisch mit einer weiteren Person, deren Gesicht sie nicht erkennen konnte. Cygnus sah ängstlich aus, Druella besorgt. Schon während des Traumes fragte sich Narzissa, was da wohl vor sich gehen mochte. Auf einmal wurde alles hell und zum ersten Mal hörte die junge Slytherin eine Stimme. Es war Cygnus, der mit vor Furcht zitternder Stimme flüsterte: „Ich schwöre…"
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Bellatrix wachte schweißgebadet auf. Sie hatte nicht die leiseste Ahnung, wie spät es war. Ihr Brustkorb schien sich zu weiten, von innen zu platzen. Schmerzen durchzogen sie und sie glaubte, dass sie sterben müsse. Ihre Knochen schienen zu zerspringen, ihr Herz nicht mehr eins zu sein. Sie konnte nicht einmal einen Schmerzensschrei ausstoßen, stattdessen liefen ihr heiße Tränen die Wangen hinunter, als sie sich mehrere Male im Bett aufbäumte. Sie tastete nach ihrer Brust, doch sie spürte nur ihre eigene, wenn auch nasse Haut. Nichts schien ihr von außen Schmerzen zu bereiten und sie dachte schon, es wäre vorbei, als erneut ein Stich ihren Brustkorb durchzog. Diesmal stieß sie einen kurzen, spitzen Schrei aus.
Dann war es vorbei und sie blieb keuchend im Bett liegen. Hanna Willington war aus ihrem Bett gesprungen und kam auf Bellatrix zugestürmt. „Was um Himmels Willen ist mit dir los?" Bellatrix' Augen rollten in ihre Tiefen zurück und ihr Körper zitterte unter der Anstrengung. Sie war kreidebleich und kalter Schweiß rann überall an ihr herab. War das der Tod? War es so friedlich? So einfach? Nein, dachte Bellatrix und lachte in Gedanken.
Am nächsten Tag
Bellatrix kam im Krankenflügel zu sich, in neuen Kleidern und wohlauf. Professor Slughorn stürmte hinein, direkt zu ihr. „Oh Ms. Black. Sie sind wach, sehr gut. Wir haben uns wirklich fürchterliche Sorgen um Sie gemacht. Man hat sie ohnmächtig in ihrem Bett gefunden und Ms. Willington hat geschworen, Sie schreien gehört zu haben. Doch sie haben keine äußeren oder inneren Verletzungen. Anscheinend wurden sie nicht einmal verhext." Der junge Professor überschlug seine Worte beinahe vor Aufregung, auf seiner Stirn hatte sich bereits Schweiß gesammelt. Natürlich machte er sich Sorgen um sie. Denn sie war ja nicht nur in seinem Haus, sondern auch noch einer seiner Lieblingsschülerinnen. „Sonst noch was?", murrte sie und Professor Slughorn schaute sie entsetzt an. Noch nie hatte er eine solche freche Erwiderung von ihr zu hören bekommen. Er war völlig verdattert. „Äh… nein. Wenn Sie sich gut fühlen, so können sie den Krankenflügel bald verlassen. Heute haben Sie jedoch noch keinen Unterricht, zu meinem Bedauern." Als er endlich begriff, dass man mit Bellatrix anscheinend keine gute Gesprächspartnerin gefunden hatte, beendete er seinen Monolog und ging von dannen.
Stöhnend rappelte sich Bellatrix auf und strich sich die schwarzen Locken aus dem Gesicht. Was war gestern Nacht passiert? Sie war ohnmächtig gewesen? Hatte geschrien? Sie schüttelte den Kopf und lachte. Lächerlich sowas, einfach lächerlich. Da musste sich Ms. Willington aber wichtig gefühlt haben. Verdammtes Halbblut.
Dann ließ sie sich wieder in das Krankenbett zurück sinken und vergrub ihr Gesicht im Kissen. Naja, wenigstens hatte sie jetzt noch einmal die Gelegenheit, vor dem Schulstress auszuschlafen. Und schon versank sie in einen tiefen, traumlosen Schlaf.
Als Bellatrix wieder aufwachte, spürte sie instinktiv, dass sie nicht allein war. Und sie sollte recht behalten. Auf dem Bett neben ihr saß der Schulleiter, Professor Albus Dumbledore. Bei seinem Gesicht machte sich ein unwohles Gefühl in ihrer Magengegend breit. Sie hatte ihn noch nie ausstehen können, aber wenn sie ihn jetzt sah schien sie ihn richtig zu hassen. „Ausgeschlafen, Bellatrix?" fragte er und schaute sie mit seinen klugen Augen an. „Ja.", antwortete diese kurz und kniff dann die Lippen zusammen. Wie konnte er es wagen, sie mit Vornamen anzusprechen? Gut, er tat es bei jedem Schüler, aber sie war eine Respektsperson, nicht nur in ihrem Haus, sie hatte an der gesamten Schule einen Ruf. „Da hast du uns aber einen gehörigen Schrecken eingejagt. Weiß warst du, dein Körper hat gezittert und du warst schweißnass." Jetzt auch noch duzen. Bellatrix bekam Kopfschmerzen. Er wartete anscheinend auf eine neugierige Frage ihrerseits. Als diese ausfiel, fuhr er fort. „Natürlich haben wir alles an dir abgesucht." Der Gedanke ekelte sie an. „Jedoch haben wir nichts gefunden. Weder äußerlich schien irgendetwas vorgefallen zu sein und auch organisch ist alles in bester Ordnung. Jedenfalls kann das nur eines bedeuten, nämlich dass sie verhext wurden." Wow, der Mann hat Grips. „Aber ich habe auch in magischer Hinsicht keine Spur gefunden. Entweder ist ihr Körper nun, sehr eigen, oder es war ein sehr mächtiger und kurzer Zauber." Er nahm nun die Brille ab und schaute ihr tief in die Augen. „Spürst du irgendetwas? Etwas, was anders ist als sonst?" Außer das ungewohnte Gefühl, dass ich sie gleich am Bart hier hinaus schleifen möchte? Doch Bellatrix hatte sich unter Kontrolle. „Nein. Nichts. Nichts, Sir." Er schien kurz nachzudenken, dann blitzten seine Augen auf und er blickte sie schockiert an. „Gut, das ist gut. Ich… ich muss dann." Und schon verschwand er; endlich.
Gerade als Bellatrix ihre Augen wieder schließen wollte, ging die Tür erneut auf. Eine Professorin kam herein und im Arm hielt sie Narzissa. "Was tust du denn hier?", rief die Ältere erschrocken auf und sprang aus dem Bett. "Bin beim Fliegen abstürzt.", gab Narzissa zähneknirschend zu. Die Professorin sah sie streng an. "Ms. Black, sie sind Hals über Kopf losgeflogen, ohne auf meine Anweisungen zu achten. Ich hatte Ihnen noch nicht einmal erklärt, wie man ordentlich startet und schon sind sie vom Boden abgehoben. 20 Punkte Abzug für Slytherin." Bellatrix lächelte. "Du bist echt geflogen? Ohne erste Anweisungen?" Narzissa lächelte, doch verdrückte ein Lächeln, als sie ihre Lehrerin ansah. Diese ließ die Schwestern nun allein und ging davon.
Bellatrix legte sich zurück in ihr Krankenbett und mache neben sich Platz, sodass sich Narzissa an ihr ankuscheln konnte. Das blonde Mädchen schloss unter der Decke einen Arm Bellatrix und vergrub ihr Gesicht in deren schwarzem Haar. Die ältere Schwester streichelte ihr sachte über den Hinterkopf und lächelte. "Was du gemacht hast, war zwar nicht ganz erlaubt, aber ich bin trotzdem sehr stolz auf dich. Aus dir wird mal was großes, das wusste ich schon, als ich dich zum ersten Mal in meinen Armen hielt." Narzissa sah ihr tief in die Augen und grinste. "Meinst du?" - "Auf jeden Fall. Aber pass bitte auf, ja? Ich möchte nicht, dass irgendwelche Professoren Briefe nach Hause schreiben müssen. Setze dein Talent lieber für Hauspunkte ein." Als sie Narzissas enttäuschten Gesichtsausdruck sah, küsste sie das Mädchen auf die Stirn, streichelte ihr über das blonde Haar und legte ihren Kopf gegen ihr Wange und fuhr fort. "Natürlich ist es nicht leicht. Wir alle machen Fehler. Ich mache heute noch viele Dinge, für die ich eigentlich von Hogwarts verwiesen werden müsste. Der Untschied ist, dass ich mich nicht erwischen lasse. Dennoch, pass auf dich auf." Narzissa grinste nun über beide Ohren, beugte sich noch näher zu Bellatrix und flüsterte: "Eigentlich tat der Absturz gar nicht weh. Aber mir hat ein Freund von dir erzählt, dass du hier bist, darum hab ich so getan." Die Schwarzhaarige zog die Stirn in Kraus und fragte skeptisch: "Welcher Freund?" - "Na der Große, mit den langen, blonden Haaren und den grauen Augen." Lucius. "Achso. Was wollte er denn von dir?" Narzissa zuckte mit den Schultern. "Er kam auf mich zu und fragte mich, ob ich denn die neueste Black auf der Schule wäre. Und dann hat er mir von deiner Ohnmacht erzählt."
Die beiden lagen lange zusammen gekuschelt im Bett, lachend und plaudernd. "Bella? Ich habe letzte Nacht von unseren Eltern geträumt. Sie waren ganz traurig." Aus irgendeinem Grund wollte Narzissa ihrer Schwester jedoch nicht von den anderen Geschehnissen ihres Traumes berichten. Etwas in ihr sagte, dass das, was sie gesehen hatte, gar nicht gut und vor allem nicht für Bellatrix' Ohren bestimmt war. "Glaubst du sie sind traurig, weil wir hier sind?" Die Schwarzhaarige nickte geistesabwesend. Apprupt setzte sich Narzissa im Bett auf und schaute ihre Schwester böse an. "Ich glaube das nicht. Vater und Mutter vermissen uns nicht. Das merke ich doch. Wie sie schreiben, wie sie mit uns reden und uns berühren. Sie sind bestimmt froh, dass wir weg sind."
Bellatrix spürte undeutbare Wut in sich hoch kommen, auch sie setzte sich auf. "Wie kannst du es wagen, so über diese beiden Menschen zu sprechen? Sieh dir doch an, wo du bist. Was du hast! Schau dir dein gesamtes Leben an. Ohne sie wären wir nichts, Cissy!"
Das junge Mädchen sprang auf und rannte zur Tür, mit Tränen der Wut in ihren Augen, die sie fast erblinden ließen. Kurz bevor sie hinausging, drehte sie sich nocheinmal um und schrie: "Ich will nie wieder nach Hause. Nie wieder. Hier bin ich glücklich!"
