Der abgetrennte Zopf

Kapitel 11 „Verzweifelt zweifeln!"

Der Sturz presste mir die Luft aus den Lungen. Mein Widersacher landete seitlich neben mir. Er hielt immer noch meine verletzte Hand fest an sich gedrückt, doch allein die kleinste Bewegung schmerzte unaufhörlich.

Ich hatte solche Schmerzen, dass mir mein Schrei im Hals stecken blieb.

Die Welt um mich herum verschwamm bedrohlich und ich spürte, wie die Bewusstlosigkeit behutsam nach mir griff und mich mitziehen wollte.
Eine engelsgleiche Berührung... so würde sie einer unserer Pfaffen wohl beschreiben.

Doch für mich wäre diese Berührung der sichere Tod und egal was nun geschehen würde, ich musste wach bleiben.

Ich zitterte unwillkürlich und war kaum fähig, einen klaren Gedanken zu fassen.

Meine Gedanken rasten und zerteilten sich in Bruchstücke sobald ich auch nur versuchte, mich zusammenzureißen.

Die Panik hatte mich fest im Griff und es gelang mir nicht, mich zu kontrollieren.

Ich musste fort, ich musste hier heraus!
Instinktiv wusste ich ganz genau, wo ich war.

Spätestens jetzt, als ein zweiter Assassine zu uns trat, war ich mir sicher, dass ich mich im Dachgarten befand.
Den Ort, an dem mich Altair gebracht hatte, nachdem er mich damals auf der Straße aufgesammelt hatte.

Im Geiste hörte ich den Tod an meiner Tür klopfen.

Sie würden mich foltern, um an Informationen zu kommen.
Dass ich nichts wusste, würde sie nicht interessieren und vor allem würden sie mir nicht glauben.
Dieses verdammte Schicksal schlug erneut zu, ich würde nie Ruhe finden! Nie!

„Verdammt, halt still. Du verletzt dich doch noch nur mehr!", schrie der Assassine mich an, als ich versuchte meine Hand aus seinem Griff zu befreien.
Die Panik ließ mich den Schmerz aushalten und so trat ich und stemmte mich so stark es meine verblieben Kraft erlaubte gegen den Mann.

Dieser tat sich schwer, mich im Griff zu halten und meine Schläge, die nun unbarmherzig und panisch auf sein Gesicht zielten, abzuwehren.

Ich war blind für die weitere Gefahr, die nun zu uns sprang und mich um meinen Oberkörper packte und von dem Assassinen weg zog.

Der Schmerz in meiner Hand nahm fegefeuergleiche Ausmaße an. Ich schrie mir die Lunge aus dem Leib und da packte sie mich, die Bewusstlosigkeit. Die Umgebung um mich herum verschwand einfach und ich war nicht fähig, überhaupt noch etwas zu tun.

Maliks POV

„Verflucht, was hast du angestellt, Altair! Das ist Adrian! Du solltest ihn töten, nicht hier herbringen. Was soll das?!", herrschte der Jüngere den Assassinen an und legte nun den bewusstlosen Jüngling zurück auf den Boden, ehe er nach der Hand des Soldaten griff.

„Wie ist das denn passiert?", fragte er weiter ohne auf eine Antwort seines Bruders zu warten.

„Es liegt an meinem Messer. Es ist der Mechanismus. Ich hatte neulich erst wieder Probleme damit", meinte Altair und schnallte die Armschiene ab.

„Warum hast du das nicht schon vorher gemacht?", fragte Malik nun und zuckte verwirrt mit seinen Augenbrauen.
„Weil sie mir sonst nicht gefolgt wäre", meinte der andere und setzte sich ächzend auf.
„Verflucht, sie ist so stark wie zehn Kerle. Das ist unglaublich, Malik!", meinte Altair und zog sein Bein unter dem nun fraglichen Soldaten hervor.

„Sie?", fragte Malik und betastete die Hand des Bewusstlosen. Altair nickte.
„Das ist Elessa", meinte er nur tonlos und Malik zog vor Schreck die Hand weg.
„Was?"

Altair umgriff Elessas Oberkörper und zog sie in das Gebäude.
„Ich erkläre dir alles, aber jetzt hilf mir erstmal. Sie ist nicht mehr so leicht wie früher", meinte der nur und Malik schüttelte entsetzt den Kopf und folgte Altair.

Malik war dankbar um Elessas Bewusstlosigkeit. So konnte er die Klinge aus ihrer Hand entfernen, ohne ihr weitere Schmerzen zufügen zu müssen.
„Du bist ein Pechvogel, Elessa. Anstatt dass du einfach mal so zum Tee vorbeikommst, nein, immer muss was mit dir sein", murmelte der Araber und ein leichtes Lächeln umspielte seine Lippen.

Natürlich war ihm das Gesicht des Soldaten von heute Mittag bekannt vorgekommen, aber daran gedacht, dass es Elessa sein könnte, hatte er wirklich nicht.

Ihm wurde zugetragen, dass sie tot sei.

Eine Strafe für Altairs Versagen in Salomons Tempel.

Aber so wie es sich nun herausstellte, wusste dieser schon lange, dass Elessa lebte und wohlauf war.

Er wusste es und hatte dieses Geheimnis wohl behütet, um sie nicht einer erneuten Gefahr durch Al Mualim auszusetzen.

„Ma... Malik."

Malik verband gerade die Wunde als er Elessas Stimme vernahm.

„Na so was. Dafür, dass du mich heute Mittag nicht kennen wolltest, weißt du ja, wie ich heiße", meinte der Mann lächelnd und Elessa schnaufte.
„Tut mir leid. Ich wollte dir keinen Ärger machen. Es war besser, dass du nicht gewusst hast, wen du vor dir hattest", sagte sie und Malik strich ihr sanft durch die kurzen Haare.

„Mach dir keine Sorgen, du bist hier in Sicherheit. Altair hat dich deswegen hierher gebracht."

„Altair?", fragte Elessa und setzte sich auf.

Malik nickte. „Du hast ihn nicht erkannt, oder?", fragte er und Elessa schüttelte den Kopf.

„Ihr habt das Pech, dass ihr alle gleich ausseht. Wo ist Altair?"

„Er ist noch mal zurück, um eure Waffen aufzusammeln. Er wird bestimmt gleich wieder da sein, keine Sorge", meinte Malik und beendete seine Arbeit an Elessas Hand.

„Kannst du deine Finger bewegen?", fragte er und Elessa bewegte vorsichtig die gesamte Hand.

„Es... es schmerzt fürchterlich", murmelte sie und Malik nickte.
„Das wird es noch eine ganze Weile. Die Wunde ist sehr tief", meinte er und Elessa drückte sich ihre Faust an die Brust.

„Das ist nicht gut, ich bin auf den Weg nach Arsur", meinte sie und setzte sich an die Kante des Lagers.

Malik runzelte die Stirn.

„Du willst... mit ihnen weiterreiten?", fragte er und Elessa nickte und blickt dem Araber in die Augen.
„Natürlich", flüsterte sie und schnaufte.

„Ob Al Mualim mich nun doch tötet oder ob ich in Arsur mein Leben lasse, dass ist doch wohl egal, oder?"

„Aber was... was wird aus Altair?", fragte Malik nun und setzte sich bequemer hin.
„Es wäre besser gewesen, ihr wäret nicht noch einmal in mein Leben getreten, Malik", meinte sie und Malik spürte, wie sie verzweifelt versuchte, fest und selbstsicher zu klingen, doch ihre Emotionen betrogen sie.

Sie stand auf und ging einige Schritte zum Ausgang.
„Ich muss fort, bevor sie nach mir suchen Malik", sagte sie und Malik stand ebenfalls auf.
„Warte, das ist Wahnsinn! Wieso tust du das? Wovor hast du solch eine Angst? Es kann unmöglich nur die Angst vor Al Mualim sein", sagte der Araber und folgte ihr in den Vorraum.

„Das ist... richtig, Malik", murmelte Elessa und drehte sich zu ihm um. Nun sah er auch die Tränen in ihren Augen.
„Altair lebt, das ist mir das Wichtigste. Ich könnte es nicht noch einmal ertragen, von ihm getrennt zu werden. Ich schaffe dies alles kein zweites Mal, Malik. Und wie oft zerrt nun schon der Tod an uns beiden? Wie oft wurden wir nun beide Opfer eines üblen Schicksals?"

Malik legte ihr sanft seine Hand auf die nun zitternde Schulter.

„Ich möchte diesen Schmerz nie wieder verspüren müssen. Ich will, dass er lebt, und das kann er nun nicht mehr an meiner Seite. Ich bin Soldat, Malik. Ich habe Inhalt in diesem Dasein gefunden. Lieber sterbe ich in Arsur, als immer in Angst leben zu müssen, dass Altair durch mich zu Schaden kommen könnte."

„Elessa, nun warte doch bitte, bis er zurückkommt und hör dir an, was er zu sagen hat", meinte Malik nur leise, doch Elessa schüttelte den Kopf.
„Das kann ich nicht. Ich ertrage das nicht. Wenn ich jetzt nicht gehe, gehe ich nie und dann jagt uns das Schicksal wieder. So bin ich einfach nur noch für mich verantwortlich", murmelte sie und ging nun in Richtung Ausgang.
„Bitte warte noch kurz. Nimm das hier mit", sagte Malik und verschwand kurz hinter einem Tresen.

Er kam hervor und streckte mir ein Kurzschwert hin. Es sah dem von Altair ähnlich.
„Es war mal meins, aber ich benötige es nicht mehr. Nimm nur, du kannst jetzt nicht unbewaffnet durch die Straßen gehen. Die Zeiten sind unruhig", meinte er nur leise und sah dabei zu, wie sich Elessa den Ledergurt um die Brust band.

„Danke, Malik. Sag Altair bitte, dass er mir nicht folgen soll", erwiderte sie nur und Malik schnaufte belustigt.

„Er wird nicht auf mich hören, Elessa", meinte er und sie lächelte sanft.

„Ich weiß. Sag ihm, ich hätte dich bedroht und du musstest mich gehen lassen. Dann lässt er dich hoffentlich in Ruhe. Leb wohl, Malik", sagte sie leise und umarmte den Araber, „vielen Dank für alles."

Ihre Worte waren nur ein leises Flüstern und Malik wurde es flau im Bauchraum, als sie nun aus der Tür ins Freie trat und den Hinterhof verließ, ohne sich ein weiteres Mal umzusehen.

Warum hatte er sie gehen lassen?

Elessas POV:

Stumme Tränen liefen mir über das Gesicht. Ich vermied es, anderen Menschen in die Gesichter zu schauen, und wischte mir ständig mit dem Ärmel über das Gesicht.

„Verdammt, wieso hört das nicht auf?", murmelte ich leise und verfluchte es nun, dass ich weinte.

Doch die Trauer ließ mich nicht langsamer laufen, ganz im Gegenteil. Ich eilte durch die belebten Straßen und rempelte dabei einen Mann mit einer Holzkiste an.

„Entschuldigt", murmelte ich nur und eilte weiter, ohne ihn noch zu beachten.

„Adrian, halt, warte doch! Lauf nicht so schnell!"

Markus?

Ich drehte mich um und sah wie mein Waffenbruder mir hinterhereilte und schnaufend vor mir zum Stehen kam.
„Da bist du ja! Wir haben überall nach dir gesucht. Robert de Sable sagte uns, du hättest mit einem Assassinen gekämpft! Hast du gewonnen? Du lebst und du hast dein Messer bei dir!"

Markus umfasste meine Schultern und blickte mir nun ins Gesicht. Ich senkte meinen Kopf und wischte mir noch einmal über das Gesicht.
„Was ist denn... weinst du?", fragte er und ich schüttelte den Kopf.
„Unsinn, mir ist nur Dreck in die Augen gefallen", schnauzte ich ihn an und Markus lächelte.
„Natürlich. Wo ist dein Schwert?", fragte er nun und ich seufzte.
„Es ist kaputt. Ich habe es dort zurückgelassen", wieder log ich ihn an und Markus nickte.
„Ah, dass ist nicht schlimm. Ich besorge dir ein anderes. Komm nun mit zurück. Die anderen machen sich Sorgen um dich", sagte der Dunkelhaarige und ging nun voraus.

Ich folgte Markus durch die Straßen zurück ins Lager, doch bevor ich die Stadt komplett verließ, wandte ich mich noch einmal um und seufzte.

„Altair", flüsterte ich leise und spürte erneut Tränen in meinen Augenwinkeln brennen.

„Komm schon, Adrian! Wir sind nun dein zuhause und deine Brüder! Du wirst Europa mögen, wenn wir erstmal zurück sind!", rief Markus, als der mein Zögern bemerkte.

Ich lächelte sanft. „Recht hast du, Markus!", meinte ich und folgte ihm zurück in das Lager.

„Was ist passiert?", fragte Fürst Karzheim als er meine verletzte Hand sah.
„Ich... kämpfte mit einem Assassinen und wurde verletzt", meinte ich nur und der Ritter runzelte grimmig die Stirn.

„De Sable scheint recht damit zu haben, dass diese Leute es nun auf dich abgesehen haben. Bleib nun bei den anderen bis wir abreisen, Adrian. Was ist mit der Hand? Kannst du noch ein Schwert führen?", fragte er.
Demonstrativ zog ich das Kurzschwert von meinem Rücken und zerteilte damit die Luft.

„Es geht schon, Herr. Habt Dank für die Sorge!", meinte ich und Wilhelm lächelte.
„Sei vorsichtig, Adrian. Ich brauch dich in Arsur. Stärke dich und ruh dich nun aus", meinte er und ließ mich mit Markus zurück.

„Komm, ich besorge dir mal ein Schwert, ehe du dich an der dünnen Wassersuppe sattessen kannst", meinte er lächelnd und ging mit mir zwischen den Zelten umher.

Er trat zu einem Ritter aus dem französischen Lager.
„Jacques, seid gegrüßt. Ich wollte Euch fragen, ob Ihr noch ein Schwert für meinen Bruder habt. Seines ist zerbrochen", sagte Markus und der dunkelhaarige Franzose sah zu uns auf.
„Ihr seid Adrian, nicht wahr?", fragte er mit schwer französischem Akzent und ich nickte.

„Ja, das bin ich", meinte ich und der Franzose nickte.

„Folgt mir, Herr. Lasst mich sehen, ob ich noch etwas Passendes für Euch habe."

Er stand auf und ging voraus.

Markus und ich folgten ihm und er führte uns zu einem größeren Zelt, wo verschiedene Waffen und Rüstungen aufbewahrt wurden.
„Adrians Hand ist verletzt, Jaque, vielleicht habt Ihr etwas, was nicht ganz so schwer ist", meinte Markus und sah sich im Zelt um.

„Nun wartet und lass mich sehen", meinte der Franzose mürrisch und wühlte zwischen den Schwertern herum.

Es dauerte eine Weile ehe er eines hervor zog und es mir in die Hand gab.

„Erkennt Ihr es, Adrian?", fragte er und ich sah mir das schöne Schwert an.
Es hatte einen in braunes Leder gebundenen Griff und eine schöne verzierte Parierstange. Die Klinge selbst war recht schmal und sehr scharf geschliffen.

„Woher kommt es?", fragte ich und der Franzose lachte.
„Es ist das Schwert des Assassinen, den Ihr auf Akkons Mauer erschlagen habt, Adrian. Sibrand brachte es Robert De Sable als Beweis der Wahrheit, weil man ihm die Geschichte nicht glaubte, dass ein Jüngling, wie Ihr es seid, in der Lage war, einen Assassinen zu erschlagen", meinte er und ich biss wütend die Zähne aufeinander.

Solch eine Ignoranz! Dämlicher Franzose!

„Ist Euch das Schwert recht, Adrian? Oder noch zu schwer?", fragte der Franzose und ich schüttelte den Kopf und schwang es ein paar Mal durch die Luft.
„Nein, es ist sehr gut. Habt Dank, Jacques."

„Hier, nehmt die Lederscheide noch mit. Ich glaube nicht, dass es in die Eures alten Schwerts hineinpasst. Es ist länger als die meisten von unseren Schwertern. Möge Gott Eure Klinge führen", sagte dieser noch und verließ uns dann.

„Komm, jetzt knurrt mir aber der Magen, Adrian. Lass uns endlich was essen und später können wir das Schwert ja mal testen. Es sieht ein wenig... dünn aus", meinte Markus und folgte mir nun zu unserer Lagerküche.

Wir saßen um ein kleines Feuer herum.

Ich war wach während meine Brüder schon schliefen.

Ich hörte gedämpfte Stimmen und vereinzelt das Geräusch eines schnarchenden Soldaten.

Es war dunkel und wahrscheinlich schon recht spät.

Wir hatten lange zusammen gesessen und geredet. Natürlich musste ich wieder die Geschichte meines nun neuen Kampfes zum Besten geben.

Und so erzählte ich eine leicht abgeänderte Form von meiner zweifelhaften Heldentat.

Sie stießen auf mich an und feierten mich mit dem guten französischen Wein.

Und das Fest kam noch mehr in Gange als Fürst Karzheim nun verkündete, dass er mich zu einem Truppenführer ernannte.

Das steigerte die Laune unserer Truppe noch mehr und sie feierten ausgelassen und verbrachten wenigstens diese Stunden fröhlich und schienen die Bedrohung durch Arsur zu vergessen.

Der Wein bescherte ihnen einen erholsamen Schlaf und ich gönnte ihnen diesen.

An Schlaf war bei mir wieder einmal nicht zu denken.
Ich dachte an meine Begegnung mit Altair und Malik.

Wie sehr sehnte ich mich nach Altair und wie sehr fürchtete ich mich nun davor, ihn zu treffen.

Er war bestimmt wütend, weil ich mich einfach davongemacht hatte.

Bestimmt war er auch wütend auf Malik, weil er mich einfach hatte gehen lassen.

Sicherlich verstand er meine Beweggründe nicht.

Ihm war es wahrscheinlich egal, ob ich mir Sorgen um ihn machte und nur sein Bestes wollte.

Irgendwann legte auch ich mich zum Schlafen hin und war gerade eingedöst, als ein kleiner Stein mich an der Schläfe traf.

„He", raunte ich erzürnt und drehte mich um.

Ein Schatten huschte gerade davon und ich sprang sofort auf und folgte diesem Witzbold.

„Warte nur, bis ich dich in die Finger kriege", knurrte ich und folge der Gestalt die in Richtung der Pferde davoneilte.

Ich verwettete mein Schwert, dass es sich hierbei um einen betrunkenen Franzosen handelte. Die hatten wirklich einen merkwürdigen Sinn für Humor.

„Wo bist du? Kleine Ratte!", fauchte ich und ging zwischen den Pferden hindurch.

Ich verharrte in meiner Bewegung, als ich jemanden bei Yel stehen sah.

Er hatte meinem Pferd die Hand auf die Nüstern gelegt und strich ihm sanft ohne „über" darüber.

„He, Finger weg von meinem Pferd, blöder, kleiner.... oh!"

Beim Näherkommen erkannte ich Altair, der mich aus dem Schatten seiner Kapuze heraus ansah.

Mir blieb beinahe das Herz stehen.

Wieso kam er hierher? Er befand sich mitten im Lager von Templern und Deutschrittern.

„Was machst du denn hier?", flüsterte ich leise und trat zu ihm.

„Ich bewundere dein Pferd", meinte er und ich sah im kargen Mondlicht, wie sich sein Mund zu einem Lächeln verzog.

„Wenn sie dich hier finden... geh, Altair!", sagte ich und wollte ihn wegschieben, doch meine rechte Hand machte mir da einen Strich durch die Rechnung.

„Ach verflucht!", murmelte ich nur und presste mir die Faust an dir Brust.

Altair ergriff meine beiden Hände.
„Ich gehe nicht ohne dich, Elessa", flüsterte er leise, doch ich schüttelte den Kopf.
„Du bist wahnsinnig. Verschwinde von hier!", raunte ich und löste mich aus seinem Griff.
„Was soll das?", fragte er leise und ich schnaufte.
„Ich geh nicht nach Masyaf zurück, Altair! Ich gehöre hierher."

Altair schüttelte den Kopf.
„Was redest du für einen Unsinn? Natürlich kommst du mit mir zurück", meinte er und ich spürte, wie mich die Wut über seine Ignoranz packte. Er verstand überhaupt nichts.
„Nein, komme ich nicht. Ich reite morgen nach Arsur und du kannst mich nicht hindern. Sieh nur, wie du mich verletzt hast. Ich kann mein Schwert kaum nutzen. Wenn mir etwas passiert, dann ist es dein Verschulden!", knurrte ich und Altair trat einen Schritt zurück und wandte seinen Blick ab.

Was war das? Seit wann ließ sich der Assassine lediglich von Worten so zurückscheuchen?

Ich spürte, wie ihn meine Worte verletzt hatten, und anstatt aufzuhören, setzte ich noch einen nach.

„Wieso kommst du jetzt, Altair? Wieso nicht in Akkon? Du hattest mich doch in Akkon schon längst erkannt, nicht wahr? Deswegen hast du nicht mit mir gekämpft und bist nur geflohen, als ich dir auf den Fersen war. Du hättest mich töten können. So oft hättest du das gekonnt. Aber du hast es nicht, weil du wusstest, wer ich war!" sagte ich und Altair schnaufte und drehte sich von mir weg.
„Warte! Jetzt bleib und sag es mir schon!"

Ich sprang hervor und ergriff seinen Arm.

Altair vermied es, mich anzusehen.

„Natürlich bist du in meiner Nähe in Gefahr, Elessa. Ich wollte nicht, dass Al Mualim erfährt, wer du bist. In Akkon hätte ich dich vor Niemandem schützen können. Weder vor Al Mualim, noch vor den Rittern. Es war wichtig, dass du weiterhin getarnt bleibst. Hier in Jerusalem ist Malik der Rafik. Er könnte dich verbergen und schützen!", sagte er nun und ich schüttelte den Kopf.

„Verbergen und schützen für wie lange, Altair?", fragte ich nun und der Assassinen sah mich nun an.
„Ich habe es satt, mein Leben lang nur zu flüchten. Mich nur zu verbergen und Angst zu haben. Du bist in Gefahr, wenn du in meiner Nähe bist, nicht wahr? Jetzt wie auch sonst. Ich bin in Gefahr sobald ich in deiner Nähe bin! So geht es nicht weiter, Altair. So ein Leben möchte ich nicht. Weißt du, wie fürchterlich es für mich war, zu wissen, dass du tot bist? Mein Lebensinhalt zerbrach urplötzlich wie ein Tonkrug in die kleinsten Scherben. Und nun stehst du wieder vor mir und es soll einfach alles so weiter gehen, wie es einst gewesen war?"

Ich ließ seinen Arm los und trat einen Schritt zurück.

„Gehe deinen Weg, Altair. Bleib am Leben", murmelte ich und wollte mich umdrehen, doch Altair war es nun, der meine Schulter ergriff und mich zu ihm herum zog.
„Tu das nicht, Elessa. Tu mir das nicht an", flüsterte er leise und ich hörte seinen Schmerz aus der Stimme deutlich heraus.

Schmerz? Seine Stimme war noch nie so emotional wie sie es plötzlich war!

Was war mit diesem Mann los?

„Liebst du mich denn nicht?", fragte er nun leise und legte seinen Kopf auf meiner Schulter ab.

Wenn man uns so sehen würde, würde man uns beide in Stücke hacken. War ihm dies nicht bewusst? Was machte er bloß? Er vergaß vollkommen, dass wir hier für alle sichtbar standen.

„Altair", flüsterte ich und löste mich erneut von seiner Umarmung.
„Ich liebe dich so sehr, dass ich dich einfach loslassen muss! Ich könnte es mir nie verzeihen, wenn du durch mich zu Schaden kämst. Und ich könnte es nicht ertragen, so eine Farce noch einmal durchmachen zu müssen. Bitte geh nun. Geh und vergiss", flüsterte ich mit tränenerstickter Stimme und lief nun von ihm weg, ohne darauf zu warten, ob er noch irgendetwas sagen würde.

Ich rannte durch das Lager zurück zu meinen Brüdern.
Die schliefen noch und ich setzte mich einfach still zu ihnen und hoffte einfach, dass sich Altair nicht weiter hinein wagen würde.

Und er kam auch nicht.

Er blieb für den Rest der Nacht fern und wieder war ich mit meinen sich überschlagenden Gefühlen allein. Doch ich fühlte mich besser.

Er sollte gehen. Er sollte ohne mich gehen. Als Mann konnte er sich jederzeit eine andere Frau nehmen. Vielleicht eine Frau die Al Mualim ihm genehmigte. Die nicht wieder davongejagt werden würde.
Eine Frau, die nicht lügen musste, um in dieser fürchterlichen Welt zu überleben.

„Gib mir ein wenig von der Decke, Markus", flüsterte ich leise und der Mann drehte sich zu mir herum und gab mir ein Stück davon ab.
Ich legte mich neben meinen Waffenbruder nieder und rollte mich zusammen.

„Was ist passiert?", fragte der nun.
„Wo warst du eben gewesen?"

„Ich habe noch einmal nach Yel gesehen. Mach dir doch nicht immer so viele Sorgen um mich", sagte ich und Markus lachte leise.
„Du weißt genau, dass du nicht ohne einen von uns weg sollst. Karzheim fürchtet um dein Leben und ich glaube nicht, dass sich ein Assassine von dir fernhält, nur weil du dich hier im Lager befindest!"

„Danke für die Rüge, Vater", meinte ich nur leise lachend und versuchte den Rest der Nacht noch zu schlafen.

„Warum dauert so eine verdammte Beerdigung immer so lange?", fluchte Wilhelm von Karzheim und ritt wütend um seine Männer herum.

„Herr, bitte beruhigt Euch", murmelte ich und Karzheim musterte mich entnervt aus seinen blauen Augen.

„Ja ich weiß, Adrian! Dieser verdammte, feige Franzose! Der drückt sich nur vor der großen Schlacht in Arsur!"

Karzheim wetterte noch eine ganze Weile so weiter ehe ihm kurz vor Mittag der Geduldsfaden riss und er seine rund hundert Männer in Bewegung kommen ließ.

Ich war froh, endlich Jerusalem, die Stadt meiner Geburt, und auch Altair, hinter mich lassen zu können.
Maliks Schwert hatte ich mir wieder über den Rücken geschnallt. Vergessen wollte ich ihn nicht, aber ich wusste, dass wir nun aus politischer Sicht wohl Feinde waren und wollte ihn deswegen nicht mehr sehen.

Ich wollte, dass es Altair gut ging und dass er mich vergaß. Es gab noch andere Frauen und ein starker Mann wie Altair würde keine Probleme mit der Suche danach haben.

Diese Gedanken trösteten nur wenig und Trauer war in den letzten zwei Tagen mein ständiger Begleiter gewesen.

Ich ritt einige Stunden schweigend neben meinem Fürsten her, ehe dieser mich ansprach.

„Was ist mit dir, Adrian? Seit Tagen schweigst du schon. Man meint, ein Wolf habe deinen besten Freund gerissen", sagte er und ich seufzte.

„Der Abschied war unangenehm, Herr", murmelte ich lediglich und Wilhelm nickte wissend.
„Das kann ich mir dort jemand, den du liebst?"

Ich nickte sanft.

„Ja, und ich war egoistisch genug, diesem Menschen so sehr weh zu tun, dass ich Hass verdiene", flüsterte ich leise, doch mein Lehnsherr hörte mich.

„Das klingt schlimm, diesen Eindruck hatte ich nie von dir, Adrian!"

„Es... ist nicht so, dass ich nur an mich dachte..."

Doch, genau das war es. Vor lauter Angst, in die alte Stagnation zurückzufallen, hatte ich es abgelehnt, meine falsche Identität abzulegen und mich erneut auf ein Leben mit Altair einzulassen.

Ich wollte autonom sein, für mich selbst verantwortlich. Und das war ich jetzt, mit allen bevorstehenden Konsequenzen.

„Doch, ich dachte nur an mich", gestand ich und lächelte verlegen.

Wilhelm musterte mich. Er wusste nicht viel über mich, doch er wusste oftmals genau, wie ich mich zu fühlen schien. Er las meine Gefühle einfach von meiner Stirn ab, so schien es mir jedenfalls oft.

„Ich bin sehr zufrieden, mit meinem Leben, Herr. Auch wenn wir bald in einer schlimmen Lage sein werden", meinte ich nur und hoffte, dass dies genug erklären würde, damit Wilhelm sich zufrieden gab.
„Gott ist mit uns und er wird uns helfen, das Heilige Land von den Ungläubigen zu befreien, Adrian. Wir werden hier Ländereien erschließen können, und du wirst mir helfen, sie zu verwalten. Das Leben, was nach dem Krieg folgt, wird dir höchst willkommen sein, glaube mir. Und ich bin mir sicher, dass du dann ebenfalls eine Familie gründen kannst", meinte er lächelnd und ich schmunzelte vor mich hin.

Familie? Früher wollte ich so etwas, weil es einfach meine einzige Aufgabe zu sein schien. Aber nun wollte ich lieber durch das Land ziehen, alles sehen, alles hören... ich wollte gerne nach Europa gehen, wie es Markus vorhatte. Doch Fürst Wilhelm wollte hier bleiben, und ich war ihm mit meinem Leben verpflichtet, also würde auch ich hier bleiben müssen... wohl oder übel. Aber ich würde mich weit von Jerusalem einsetzen lassen. Oder zumindest nahe Akkon, ich mochte den Hafen dort immer sehr gerne.

Wilhelm setzte gerade wieder zum Sprechen an, als plötzlich ein Ritter im weißen Gewand zwischen uns erschien.

Er trug ein rotes Kreuz auf der Brust und ich wusste sofort, um wen es sich hier handelte.

„De Sable, da seid Ihr endlich. Euer Zeitgefühl ist... unpassend", höhnte Fürst Wilhelm.

Ich merkte, dass er immer noch nicht sonderlich begeistert über die Unpünktlichkeit des Franzosen war. Wenn mein Herr eines hasste, dann waren es Zeitaufschübe, Unpünktlichkeit und alles was nicht in seinen Zeitrahmen passte.

„Entschuldigt Fürst Karzheim, ich wollte Euch auf keinen Fall erzürnen", sprach der Mann in seinem schweren, französischen Akzent.
Er winkte mir lächelnd zu.

„Seid gegrüßt, Hauptmann Adrian. Ich hörte von Eurem Kampf mit einem Assassinen, wie ist der ausgegangen?", fragte er und ich spürte, wie sich mein Magen zusammenkrampfte.

Ich zwang mich, ruhig zu bleiben, hob wortlos meine Hand und zeigte ihm den blutverschmierten Handschuh, unter dem sich meine verletzte Hand verbarg.

De Sable grinste hämisch.

„Ganz hervorragend! Ich schätze, Ihr verdient den Ruf als „Assassinen-Mörder"! Da habt Ihr einen ausgezeichneten Kämpfer an Eurer Seite, Karzheim!"

Wilhelm nickte. „Das ist richtig, und er dient mir, nicht Euch. Vergesst das nicht!"

„Woher wisst Ihr, von meinem Kampf, Herr?", fragte ich und sah dem Franzosen unerschrocken in die Augen.

„Einer meiner Männer sah, wie Ihr hinter einem in Weiß gekleideten Mann hergegangen seid. Er war gefolgt, um Euch eventuell zu helfen, verlor jedoch Eure Spur. Als ich davon hörte und Euch gestern nicht im Lager antraf, befürchtete ich das Schlimmste, aber jetzt wo ich Euch wohlauf sehe, bin ich erleichtert, dass ich meiner Schwester keine schlechten Nachrichten überbringen muss, wenn ich nach Akkon zurückkehre."

Der Gedanke an Alicia ließ mich sofort erröten.

Altair hatte gesehen, wie ich Alicia geküsst hatte. Nein, wie Alicia mich geküsst hatte! Die Situation war mir so unangenehm gewesen. Auch, als ich nicht wusste, dass Altair in der Nähe war.

„Grüßt Eure Schwester beim nächsten Mal recht herzlich von mir", nuschelte ich und sah wie Fürst Wilhelm sich ein Grinsen unterdrücken musste.

„Wo wart Ihr gestern den ganzen Tag gewesen? Der Kampf kann doch unmöglich so lange gedauert haben?", hakte de Sable nach und ich schluckte.
„Oh doch", schaltete sich nun Fürst Karzheim ein.

„Es hat lange gedauert und Adrian wurde verletzt. Er musste sich in Jerusalem versorgen lassen und ausruhen. Und da keiner unserer Männer sich dort auskennt, fanden wir ihn natürlich nicht gleich. Markus hat ihn gestern Nachmittag gefunden", meinte der Deutsche und ich atmete erleichtert aus.

Wilhelm war nicht sonderlich freundlich zu De Sable, der es allerdings nicht einsah, uns wieder allein zu lassen. Er ritt einfach zwischen uns weiter und wir konnten uns nicht mehr vertraut unterhalten.

Stattdessen versuchte der Franzose, mit mir ein Gespräch zu beginnen. Er fragte gezielt nach Masyaf und wollte wissen, wie es um meinen Wissenstand um die Assassinen bestellt war.
„Tut mir leid, Herr. Ich weiß nicht viel von ihnen. Meine Treffen mit ihnen waren bis jetzt rein zufälliger Natur gewesen und ich habe erst zwei erschlagen können. Ich fürchte, das ist ein Tropfen auf dem heißen Stein", murmelte ich und De Sable lachte laut auf.
„Glaubt mir, Adrian, zwei sind mehr, als manch einer je zu Gesicht bekommen würde! Assassinen sind feige Mörder! Sie greifen ehrlos aus dem Hinterhalt an. Nutzen Schatten und Dächer, um sich zu verstecken..."

Ich versuchte, De Sable zu ignorieren. Er war nie unfreundlich zu mir, aber mir lag nicht viel an dem Franzosen. Ich war mir sicher, er war einer der Sorte Männer, die lächelten, während sie Gift in deinen Wein schütteten.

Doch dann gelang es ihm, meine Aufmerksamkeit zu erregen.
„Ich befürchte, die Assassinen haben es nun wirklich auf Euch abgesehen, Hauptmann Adrian", meinte er süffisant und ich sah ihn an.

Er lächelte über meinen überraschten Gesichtsausdruck und nickte.
„Ja, kaum einer hat es je geschafft, zwei von ihnen zu erschlagen. Ich fürchte, das Oberhaupt der Assassinen wird einen wirklich gefährlichen Gegner wie Euch nicht lange unbeachtet lassen!"

Ich biss wütend die Zähne zusammen. Er wollte mich aus der Reserve locken, das merkte ich. Aber meine Wut machte mich fast blind für die richtigen Worte, die in dieser Situation nun angebracht waren.
„Ich habe keine Angst vor diesem alten Berserker und seinem Rudel winselnder, sabbernder Kojoten!", schrie ich De Sable an und verriet nun mehr als es gut für mich war.

Robert de Sable lachte laut auf.

„Das ist eine passende Bezeichnung für den Alten, Adrian. Ich schätze Euren Mut sehr. Na, herrlich! Ich wusste, dass ich in Euch einen Verbündeten finden würde!"

Verbündeter? Eigentlich wollte ich mit Masyaf, Al Mualim, und, so sehr es mir auch wehtat, Altair nichts mehr zu tun haben.

Nun zerrte mich De Sable in seinen Privatkrieg hinein. Das war mir alles andere als Recht.

„Was ist an diesen Assassinen so schlimm, dass Ihr sie so fürchtet?"

Endlich meldete sich mein Lehnsherr zu Wort und ich sah an De Sables Gesicht, dass ihm dies nicht gelegen kam.

„Es sind Mörder, ehrlose Geschöpfe... und außerdem... Diebe!", stieß De Sable wütend hervor.

Er erzählte uns noch einmal von dem Artefakt, was man ihm vor zwei Jahren gestohlen haben sollte.

Wilhelm hielt De Sable bald für verrückt.

Sicherlich wusste er, dass es Assassinen gab, aber er hielt sie ebenfalls nur für Menschen, und nachdem ich einen von ihnen vor seinen Augen erschlagen hatte, war der Fürst sich sicher, dass es auch unter ihnen keine Unsterblichkeit gab.

In diesem Sinne war er recht einfach gestrickt und seine Entscheidungen fielen ihm leicht. Er bereute, dass der Franzose uns eingeholt hatte, und versuchte sich bald ausschließlich in meiner Nähe aufzuhalten, was mir wiederum zu verstehen gab, dass Wilhelm an der Loyalität von Robert de Sable zweifelte.

Er wollte König Richard bald darüber in Kenntnis setzen, dass der Franzose scheinbar nichts Gutes im Schilde führte, doch wir beide konnten uns keinen Reim auf die Hassreden machen.
Ging es wirklich nur um dieses Artefakt? Diese Dinge waren sicherlich wertvoll, aber für die bevorstehende Schlacht nicht wirklich von Bedeutung.

Die Reise ging weiter und wurde beschwerlicher. Regen setzte ein und machte den Boden unwegsam und glitschig.

Viele Pferde stürzten, einige mussten sogar getötet werden, weil sie sich dabei die Beine brachen.

Wir kamen nur langsam voran. Zu langsam für Robert de Sable.
Er beschloss, mit einer kleineren Gruppe seiner Männer vorauszureiten, und ließ uns hinter sich.

Wir waren keinen Tag mehr von Arsur entfernt, als man uns angriff.

Für mich war es nicht ersichtlich, wie viele feindliche Soldaten es waren, doch sie überrannten uns buchstäblich.

Ein Mann nach dem anderen fiel und egal wie viele Reiter wir erschlugen, auf einen kamen scheinbar zwei neue.

Die Sarazenen beschossen uns mit Pfeilen und zerstreuten unsere Reihen. Wir waren völlig unvorbereitet.

Yel wurde getroffen und ging mir durch.

Ich konnte mich halten, doch das Tier raste ungebremst und unkontrolliert über das Feld davon.

Er trug mich von der Schlachtstätte davon und bald war ich so weit weg, dass mich selbst die Pfeile nicht mehr treffen konnten.

Das Tier schnaufte wild. Ihm hing Schaum vor dem Maul und es hatte die Augen gefährlich verdreht. Doch es wurde nicht langsamer. Der Ritt wurde tollkühner und scheinbar immer schneller. Die Innenseiten meiner Knie waren längst wund und ich hatte Krämpfe in den Beinen, da ich mich verzweifelt und von panischer Angst erfüllt an den Hengst klammerte.

„Yel, halt!", brüllte ich immer wieder, doch das Tier hörte mich nicht, es rannte einfach weiter.
Ich spürte, wie mich nach einiger Zeit die Kraft verließ und ich immer öfter in der Hüfte einknickte.

Mein Sturz war absehbar und egal, was ich tat um ihn zu vermeiden, es genügte nicht.

Ich fiel im vollen Galopp von Yels Rücken, schlug heftig mit meinen Kopf am Boden auf und wurde sofort bewusstlos.

Ende Kapitel 11