Der abgetrennte Zopf

Kapitel 12 „Gemeinsam einsam!"

Ich erwachte erst, als Yel mir mit seinen weichen Lippen über mein Gesicht strich.

Der schwarze Hengst stand über mir. Sein Fell war von Schweiß und Dreck verklebt und der weiße Schaum hing ihm immer noch vor dem Maul und verteilte sich nun auf meinem Gesicht.

„Na danke," murmelte ich leise.

Mein Kopf dröhnte heftig und noch während ich versuchte mich aufzusetzen, sank ich wieder zurück.

Das Bild vor meinen Augen verschwamm und meine Bewegungen fühlten sich unkoordiniert und fahrig an.

Es dauerte eine ganze Zeit lang, ehe ich mich aufsetzen konnte und auch sitzen blieb.

Ein heftiger Schmerz in meiner rechten Schulter und Körperhälfte signalisierte mir, dass ich mir nicht nur den Kopf gestoßen haben konnte.

Jeder Atemzug brannte fürchterlich in meiner Brust und war eine einzige Qual.

Verflucht.

Die Pechsträhne seit Jerusalem riss einfach nicht mehr ab.
Erst meine Hand, nun mein gesamter Körper... schlimmer ging es nicht mehr.

Von meinen Waffenbrüdern war nichts zu sehen.
Ich hatte keinerlei Orientierung und befand mich scheinbar auf keiner befestigten Straße.

An Yels Kruppe befand sich ein langer Schnitt. Dieser war scheinbar der Grund, warum er mir durchgegangen war.

Ich musste zurück! Hier in der Wildnis konnte ich nicht verweilen.

Ich ergriff den Steigbügel und zog mich zitternd in den Stand. Es fiel mir schwer und Schmerz explodierte in meiner rechten Körperseite und raubte mir den Atem.

Yel selbst war erschöpft und verletzt. Ich befürchtete fast, dass er mich nicht tragen können würde.

Doch ich schaffte es, stehen zu bleiben.
Mein Kopf lehnte gegen die Schulter des Rappen und ich atmete angestrengt ein und aus.

Immer wieder wollte die Welt vor meinen Augen verschwimmen und dunkel werden, doch ich kämpfte so stark es mir nur möglich war gegen die Bewusstlosigkeit an.

Es begann zu regnen doch ich stand immer noch an Ort und Stelle.
Soldat und Pferd waren beide so erschöpft, dass sie sich nicht rühren konnten.
Erst als ich ein entferntes Wiehern hörte, sah ich auf.

Ich erwartete erst, meine eigene Truppe zu sehen, die nach mir suchte, oder die Sarazenen, aber es war lediglich ein Reiter.

Meine Hand krampfte sich in das Leder des Sattels.

Der Reiter war in weißen Roben gekleidet und er war kaum näher gekommen, als ich sah, dass es sich weder um einen Priester noch um einen Gelehrten handelte. Es war ein Assassine!
Er war bewaffnet und verbarg sein Gesicht im Schatten seiner Kapuze.

„Oh nein", flüsterte ich und griff meinem Pferd in die Mähne und wollte mich in den Sattel ziehen. Doch ich konnte die Kraft nicht aufbringen und verharrte lediglich an Ort und Stelle.

Der Schmerz in meiner Schulter hinderte mich ebenfalls daran, mein Schwert zu ziehen.

So kraft- und wehrlos war ich ihm völlig ausgeliefert. Ich konnte nur zusehen, wie er sich mir auf seinem braunen und im Vergleich zu Yel kleinen Pferd näherte.

Yel selbst rührte sich nicht. Er ließ nur erschöpft seinen Kopf hängen und schnaufte schwer.

Mein Kurzschwert lugte hinter dem Rücken des Assassinen hervor.
„Du?", keuchte ich, als er nahe genug war, um mich zu hören.

Ich sah, wie er lächelte.

„Ich hoffe, diesmal bist du glücklicher, mich zu sehen, Elessa", murmelte er und stieg von seinem Pferd ab und trat zu mir.

Ein erneuter Schwindel ergriff mich und ich klammerte mich verzweifelt mit meinem unversehrten Arm an den Sattel als mir die Knie einknicken wollten.

Altair umfing meinen Oberkörper und hielt mich hoch.

Reißender Schmerz explodierte in meiner Brust und nun schmeckte ich auch unverkennbar Blut auf meiner Zunge.

Ich spürte, dass ich bald dem Diesseits entgleiten würde. Ich wurde von Atemzug zu Atemzug schwächer.

„Warum... warum bist du hier, Altair? Geh! Lass mich in Ruhe!", sagte ich und hatte nun keine andere Wahl als gegen ihn zu lehnen.

Altair schwieg. Er hielt mich eine kurze Zeit lang an Ort und Stelle, ehe er mich hochhob und in Yels Sattel schob.

Ich erstarrte. Was...?
„Was tust du da?", meine Stimme war nur ein Schnaufen und es fiel mir ohnehin schwer noch ein weiteres Wort hervorzubringen.

„Ein Sturm zieht auf und ich werde nicht gerne nass."

Das waren die einzigen Worte die er zu mir sprach. Er nahm Yels Zügel und führte das Pferd neben seinem eigenen her.

Yel schnaubte angestrengt und er tat mir leid. Sanft strich ich ihm durch die Mähne.

Ich lehnte an seinem muskulösen Hals und hatte mein Gesicht dem Assassinen zugewandt, der mit gesenktem Kopf und somit verhülltem Gesicht neben mir her ritt.

Wir ritten eine ganze Zeit lang langsam durch den Regen, ehe wir zu einem alten, halb zusammengefallen Gebäude kamen.

Es würde uns nur mäßig vor einem Sturm schützen können, aber etwas Besseres würden wir in dieser Einöde nicht finden.

Der Assassine stieg von seinem Pferd und band beide unter einem Vordach fest, ehe er mich aus dem Sattel zog.

Er legte mir seinen Arm um die Hüfte und zog meinen linken Arm um seine breiten Schultern, ehe er mich langsam in das Gebäude begleitete.

Die Löcher im Mauerwerk ließen genug vom restlichen Tageslicht herein. Ich sah, dass dieser kleine Raum trotzdem trocken war. Stroh war auf dem Boden verteilt, doch es roch alt und muffig.

Altair legte mich vorsichtig auf einem kleinen Lager in der hinteren Ecke ab und kniete sich neben mich.

Seine Finger lösten schnell meine Ledergürtel und entfernten diese, ehe er mir den Waffenrock über den Kopf ziehen wollte.
Doch meine linke Hand schnellte hervor und hinderte ihn daran.
„Was soll das?", zischte ich wütend. Ich war auf keinen Fall gewillt, ihn noch näher an mich heran zu lassen, als er ohnehin schon war.

„Lass mich nach deinen Verletzungen sehen, kleiner Soldat."

„Nenn mich nicht so, Altair. Meine Verletzungen gehen dich nichts an!"

Ein heftiger Reizhusten ließ mich, bevor ich ihm noch mehr an den Kopf werfen konnte.

Der Assassine lächelte. Er ignorierte meine weiteren Einwände und zog mir den Waffenrock über den Kopf.

Für das Kettenhemd setzte er mich auf und zog es mir ebenfalls einfach über den Kopf.

Die Ketten kratzten mir über den Nacken, doch sie waren wirklich das Wenigste, worum ich mir Sorgen machte. Es tat mir gut, als die schwere Last von meinem Körper verschwand und ich freier atmen konnte.

Gerade als er mir nun mein Leinenhemd hochziehen wollte, ergriff ich erneut seine Hand.

„Bitte nicht", flüsterte ich nun. Ich konnte hier nichts ausrichten und hatte somit lediglich die Hoffnung, er würde meine Bitte akzeptieren.

Er sah auf mich herab. Röte schoss mir ins Gesicht und ich wandte es schnell ab, ließ seine Hand aber nicht los.

„Vertrau mir doch, Elessa. Ich will dir doch nur helfen", sagte er nun leise und seine Stimme strahlte eine neutrale Art von Ruhe aus.

.

„Nein, fass mich nicht an, ja? Du hättest mir nicht folgen dürfen, Altair. Geh!"

Ich verlor endgültig meine Nerven und schrie ihn an. Mir war es so unglaublich peinlich, dass Altair mich nun so sah. So verletzlich. So verwundbar.

Die ganzen Jahre, die ich in Akkon verbracht hatte, lebte ich ein komplett gegenteiliges Leben. Doch kaum befand ich mich in Altairs Nähe, schien scheinbar alles schief zu gehen, und ich war… so wehleidig und schutzbedürftig wie eine… Frau.

Wie es Elessa immer gewesen war. Schwach. Doch das wollte ich nie wieder sein!

Ich schob seine Hand energisch weg und krümmte mich vor Schmerz.

„Ich kann nicht anders handeln, warum verstehst du das denn nicht?"

Ich reagierte nicht auf seine Worte, wollte sie nicht hören, doch plötzlich spürte ich seine Lippen an meinem Ohr.

„Ich liebe dich, Elessa und ich wäre dir bis nach Arsur gefolgt und von dort aus bis in den Tod, wenn es hätte sein müssen. Für dich würde ich sterben. Jederzeit!", flüsterte er sanft und strich mit seiner Hand über mein Gesicht.

Nun konnte ich die Tränen nicht mehr zurückhalten. Ich versuchte, mein Schluchzen zu unterdrücken, doch wieder einmal betrog mich mein Körper und ich war machtlos gegen meine meinen Gefühlen.

Ich ärgerte mich darüber, dass ich nun vor ihm weinte und Schwäche zeigte.

In diesem Moment war ich alles andere als dankbar, dass Altair zu mir gekommen war, um mich zu retten.

Seine Gegenwart störte mich, verwirrte mich. Ich wusste nicht, was ich tun wollte und sollte.
Ich reagierte einfach und merkte dabei kaum, wie sehr ich diesen Mann doch verletzte.
Niemals hätte ich geglaubt, dass ich ihn so verletzen konnte. Ich wusste gar nicht, was ich tat

Ich drehte mich auf die linke, unversehrte Seite und rollte mich zusammen.

Altair saß immer noch hinter mir und schnaufte frustriert.

Ich hörte, wie er aufstand und das Gebäude verließ. Dann hörte ich nur noch den Regen auf die Erde klatschen und das entfernte Grollen von Donner.

Das Geräusch des Regens lullte mich ein und ich spürte nun wie die Müdigkeit nach mir griff und ich einschlief.

Meine Vergangenheit jagte mich durch meine Träume und ließ mich nicht erholsam schlafen.

Immer wieder sah ich Altair und Malik, Bilder aus einer kurzen, glücklichen Vergangenheit.

Wie wir zusammen saßen und lachten.

Dann wieder Al Mualim, der der Menge verkündete, welche Strafe ich für meine Lüge zu erwarten hatte.

Aber die fünfzig Peitschenhiebe waren nichts gewesen im Vergleich zu dem, womit ich mich nun selbst strafte.

Verbannung. Einsamkeit durch ein selbstgeschaffenes Exil. Mein neues Leben drehte sich um Adrian, doch dafür hatte ich Elessa aufgegeben. Der Preis für ein freies, erfolgreiches, scheinbar unbeschwertes Leben als junger Bursche war die Vertreibung meiner eigenen Seele gewesen. Und übrig blieb nur noch eine gähnende Leere in mir.

Ich erwachte schwer atmend und schweißgebadet.

Der Schmerz in meiner Brust erschwerte mir die Atmung und ich drehte mich unruhig auf diesem kargen Lager hin und her.

Verwirrt sah ich mich um und erinnerte mich nach und nach, wo ich war und wie ich hergekommen war.
„Altair?", fragte ich leise und setze mich langsam auf.

Ich erhielt keine Antwort, bemerkte lediglich, dass helles Tageslicht durch den Eingang strömte. Der Regen war vorüber und scheinbar war es mitten am Tag.

Ich presste die Zähne aufeinander, als ich langsam aufstand und mich an der feuchten Wand entlang zum Eingang tastete.

Schmerzhaft fiel mir das Sonnenlicht in die Augen und es dauerte einen ganzen Moment, bis ich die Umrisse meiner Umgebung scharf erkennen konnte.

Ich befand mich inmitten einer Einöde.

Einige Bäume standen einige Meter von der Hütte entfernt und beim näheren Hinsehen bemerkte ich, dass es sich um Orangenbäume handelte.

Die Luft roch nach ihnen, wobei sich nun mein Magen knurrend meldete.

Doch mein Magen war zweitrangig.

„Yel", murmelte ich und ging zu dem leise wiehernden Rappen. Ich legte ihm die Hand auf die Stirn und strich sanft über sein weiches Fell.
Ich ging um ihn herum und bemerkte, dass man ihn gebürstet und seine Wunde versorgt hatte.

„Armer Yel", sagte ich und berührte sanft seine verletzte Kruppe.

Mein Sattel lehnte an der Hausmauer und man hatte dem Hengst einen Haufen frisches Gras hingelegt.

Ein braunes Pferd stand nur wenige Meter von Yel angebunden und blickte eifersüchtig auf dessen Futter.

Ich erkannte den Braunen und lächelte sanft.
„Liakun, schön dich zu sehen, du elender Teufel", meinte ich und Liakun wieherte und streckte seinen Hals nach einigen Halmen von Yels Gras aus.

Doch der Strick an Liakuns Halfter ließ ihn nicht weiterkommen und so war ich mir sicher, dass Yel auf jeden Fall nicht verhungern würde.

„Du warst schon immer so gierig", meinte ich nur zu Liakun und schob ihm mit dem Fuß noch ein wenig von dem Gras herüber, ehe ich selbst nun zu den Orangenbäumen hinüber ging.

Es hingen nur wenige reife Früchte daran und es dauerte einen Moment lang, bis ich eine erspähte.

Sie hing nicht hoch, doch es schmerzte sehr, mich danach auszustrecken. Insgesamt fand ich drei einigermaßen reife Früchte und ich setzte mich zu Yel und schälte sie mir mühsam.

Meine Waffen lagen in der Hütte und ich war nicht geistesgegenwärtig genug, um Maliks Kurzschwert als Schälmesser zu benutzen.

Die Orangen waren noch recht sauer, aber das störte mich kaum. Ich war hungrig und aß eine nach der anderen.

Yel stieß mich mit seinem Kopf an und versuchte, mir ein Stück davon aus der Hand zu nehmen, doch ich gab es ihm nicht.
„Du hast dein eigenes! Iss doch das! Liakun wird es dir wegnehmen, wenn du dich nicht beeilst", meinte ich zu dem Rappen und schob den kräftigen Kopf beiseite.

Yel hatte das Gras nicht angerührt. Er schnupperte nur daran und hob dann wieder den Kopf und schaute auf meine Orange.
„Was ist damit nicht in Ordnung?", fragte ich leise und der Hengst schnaubte und scharrte mit dem Vorderlauf am Boden.

Am Ende überließ ich ihm doch die letzte Orange und sah amüsiert zu, wie er das Maul auf Grund der sauren Frucht verzog.

„Selbst schuld", meinte ich, klopfte Yel den Hals und setzte mich wieder hin.

Ich lehnte mich an die Hauswand und legte meine Arme auf die angewinkelten Knie ab.

Bitter fiel mir der gestrige Tag wieder ein. Die Sarazenen, der Sturz... Altair...

Ich spürte, dass ich Altair mit meinem Verhalten verletzt hatte.

Er hatte mir immer wieder gesagt, wie sehr er mich liebt und sich um mich sorgte, und ich hatte nichts Besseres zu tun gehabt, als ihm zu sagen, er solle gehen und die ganze Sache vergessen.

Ein furchtbar unangenehmes Gefühl in meiner Magengrube verriet mir, dass ich Schuldgefühle hatte. Ich konnte mir nicht helfen und verloren in einer Spirale von verwirrenden Gedanken kam mir plötzlich wieder in den Sinn, all meine Entscheidungen in Frage zu stellen.

Doch wie lange sollte ich nun noch zweifeln?
Wie lange sollte ich mit mir selbst noch hadern?
Kämpfen? Oder Aufgeben?

Mir wurde urplötzlich klar, dass ich mir die ganze Zeit selbst im Weg gestanden hatte.

Der Feind war nicht Al Mualim, Altair, De Sable... die Sarazenen oder sonst wer.
Der einzige Feind hier war lediglich ich. Alle anderen waren nichts im Vergleich zu meinen eigenen Gefühlen.

Einst glaubte ich, meine Gefühle zu kennen.
Einst glaubte ich, sie lenken zu können.

Und einst glaubte ich auch, die Gefühle der anderen berühren zu können.
Keiner war Altair jemals so nahe gekommen, wie ich es einst war. Für keinen hatte Altair jemals etwas empfunden.

Malik hatte es mir erzählt. Altair vermied es, in Gesellschaft zu sein.

Nur bei mir würde er sitzen und mir stumm bei der Arbeit zusehen.

Vielleicht das ein oder andere Wort sprechen.

Ich ließ ihn sprechen. Ich ließ ihn schweigen. Ich ließ ihn er selbst sein, so wie er es gerne wollte.

Altair wurde nur gefährlich, wenn man ihn mit seinen Gefühlen konfrontierte. Wenn man ihn seelisch unter Druck setzte.

Das erkannte ich bald und hatte die Hoffnung einen Faden für ihn gefunden zu haben.

Doch dann wurden wir getrennt und die ganze schwere Arbeit war umsonst und fing nun wieder von vorne an.

Frustiert legte ich meinen Kopf in meine Hände und schnaufte.
Verflucht.

Was hatte ich getan?
Warum tat ich das nur? Das hatte er nicht verdient!

Wie gern wollte ich ihn in die Arme nehmen. Ihn liebkosen und küssen, ihm sagen, dass es mir gut ging und er sich keine Sorgen machen sollte.

Doch es ging mir nicht gut.

Ich litt ohne Ende unter mir selbst und meinem dummen Benehmen.

Wohin?
Nach Arsur? Nach Jerusalem? Nach Masyaf?
Egal wohin ich gehen würde, ich wäre nirgendwo zu Hause.

Ich konnte nicht ewig bei den Truppen der Abendländer bleiben, das wusste ich.

Über kurz oder lang würde ich erneut vor dem Nichts stehen, wie damals, als mein Vater mich von zu Hause rauswarf.

Egal was ich tun würde, die ganze Chose würde immer und immer wieder von vorne beginnen.
Und ich drehte mich im Kreis, kam immer wieder da an, wo alles angefangen hatte.

Bei den Trümmern meiner Kindheit...

Ich konnte ein Schluchzen nicht unterdrücken. Auf meine Handflächen spürte ich die Tränen, die sich ihren Weg, wie so oft in den letzten Tagen, über mein Gesicht bahnten.

Ich weinte schon wieder.

Ich hab doch schon so viel geweint.
Wann würde das nur enden?
Wann würde die Leere fort sein? Wann würde die Wut vergehen? Wann würde ich die Verzweiflung nicht mehr spüren?

Ich saß lange Zeit allein in meinem Elend, ehe ich erschrocken wahrnahm, dass jemand vor mir kniete und seine Arme beschützend um mich legte.

Mit einem erstickten Schluchzen presste ich nun mein Gesicht in den rauen Stoff von Altairs Roben.

Meine Hände krallten sich krampfartig in seine Kleidung und nun schluchzte ich laut und hemmungslos an seiner Brust.

Ich sah mein Leben in Trümmern liegen und ich glaubte mich an ihm festhalten zu müssen, um nicht wieder in dieses tiefe Loch zu fallen.

Lange weinte ich. Lange verharrten wir.

Altair ließ mich nicht los. Er hielt mich im Arm, wie man wohl ein kleines Kind halten würde. Und in diesem Moment war ich wohl auch nichts anderes, als ein kleines Kind, das schier um Beachtung und Schutz bettelte.

Irgendwann versiegten meine Tränen und meine Gefühle schienen nun taub zu sein. Die Gedanken an meine miserable Situation erblassten allmählich und hatten ihre Kraft, mich einzuschüchtern, verloren.

Ich ließ Altair los und lehnte wieder gegen die Hauswand. Mit meinem Ärmel wischte ich mir über das Gesicht, welches von den salzigen Tränen nun brannte und wohl gerötet war.

Altair setzte sich neben mich und legte mir sanft seinen Arm um die Schulter.
Er sagte nichts, war einfach nur da. Dies war die Tatsache, die mir am meisten half.

Es dauerte nicht lange und ich lehnte mich einfach an seine Seite und blickte selbstvergessen vor mich her.

Nach einiger Zeit fand meine Hand die seine und ich umgriff seinen Zeige- und Mittelfinger mit meiner Hand.

Es war nun zwei Jahre her, als mir zum letzten Mal aufgefallen war, wie groß er doch war. Und dennoch wirkte er auf mich immer grazil und geschmeidig. Erhaben.

Damals wirkte er auf mich gewaltätig und grauenvoll.

Vor ihm hatte ich mehr Angst als vor dem Wachen.

Doch bald spürte ich seine Unsicherheit und Zerrissenheit die unter dem Deckmantel der Wut und Gewalt nur zu gut verborgen wurde.

Dieser erhabene, stolze und starke Mann hatte den Schatten eines verunsicherten und vielleicht auch ängstlichen Kindes.

Stolz, stark, verunsichert und ängstlich... dies waren alles Eigenschaften die sich immer gegenseitig fraßen.

Doch eines stand zwischen ihnen wie ein Fels in der Brandung.

Die bedingungslose und aufopfernde Liebe zu mir.

„Bitte verzeih mir", flüsterte ich und Altair sah mich an.

Er runzelte leicht die Stirn.
„Was soll ich dir verzeihen?", fragte er und ich schluckte und wischte mir noch einmal über das Gesicht.
„Meine Worte von gestern, meine Worte von vor ein paar Tagen. Die zahlreichen Versuche dich zu töten... such dir was davon aus", murmelte ich nur betreten und vermied es, ihn anzusehen.

Altair ließ seinen Blick nun über die Umgebung schweifen.
„Mh. Ja, dass ist wirklich... fast unverzeihlich", meinte er und ich spürte, wie sich ein Kloß in meinem Hals bildete und mir beinahe die Luft nahm.

„Genauso unverzeihlich wie die Tatsache, dass ich dich zwei Jahre lang in Akkon allein ließ, einfach den Lügen glaubte und nicht nach dir suchte, dich an deiner Hand verletzte, dich wieder von mir gehen ließ und dich nun beinahe in den sicheren Tod reiten ließ."

Ich sah zu Altair auf und dieser lächelte und strich mir sanft eine der letzten Tränen von der Wange, ehe er weiter sprach.

„Aber ich denke, ich kann dir noch mal verzeihen. Und ich fürchte, ich würde es immer wieder tun, egal was passiert", sagte der Assassine und spürte, wie mir ein großer Stein vom Herzen fiel und sich Erleichterung in mir breitmachte.

Ich war für kurze Zeit sprachlos und Altair drückte sanft meine Hand.
„Und du?", fragte er nun und ich lächelte.

„Meine Gnade kostet dich was", murmelte ich und Altair runzelte verwirrt die Stirn.

„Was?", fragte er und ich nickte.

„Ja, hast richtig gehört. Mindestens einen Kuss, und der ist hier sofort zu entrichten", sagte ich und sah wie Altair nun lächelte.

„Was ist, wenn ich dich nicht küsse?", fragte er nun und seine Stimme nahm fast einen herausfordernden, neckenden Tonfall an.
„Dann... werde ich von jetzt an jeden Tag einfach heulen. Ich bin eine Frau, ich fürchte, dass kann ich gut", meinte ich und Altair schnaubte.
„Das... nein, dass möchte ich nicht. Komm her!"

Er schob mich einfach zu sich herum und legte ohne zu Zögern seine Lippen auf meine.

Obwohl ich den Kuss gefordert hatte, war ich überrascht.

Ich hätte nicht gedacht, dass er das überhaupt tun würde. Eigentlich war ich als Frau nie in der Position gewesen, auch nur irgendwas zu fordern. Verwunderung und ein Glücksgefühl stahlen sich in mein Herz, als mir mein Wunsch dann doch erfüllt wurde.

Altairs Lippen ließen mir keine Zeit, mich darüber noch länger zu wundern. In dem Moment, als ich dachte, er würde von mir ablassen, vertiefte er den Kuss und fuhr nun fordernd mit seiner Zunge über meine Unterlippe. Doch ich gewährte ihm nicht mehr als diesen einen Kuss.

Ich ließ von ihm ab und distanzierte mich etwas von ihm.

Sein Blick verriet mir seine Enttäuschung und zugleich seine Faszination und Erregung.

Sein Ausdruck war verklärt und wirkte fast wild auf mich. Ich glaubte zu wissen, was nun in seinem Kopf vorging, und bereute sofort meine so intime Annäherung. Oder Herausforderung? Welches Wort war passender?

Denn wenn sich Altair einer Sache bewusst war, dann der, dass er ein Mann war.

Und wie er seine Bedürfnisse als Mann stillen konnte, hatte ich schon einmal miterlebt.

Ich rutschte von Altair weg und lächelte verlegen.
„Das war schön, Altair", murmelte ich und errötete ein wenig.

„Aber mehr willst du nicht, nicht wahr?", fragte er und strich mir dabei sanft über die Lippen.

„Ist das schlimm?", fragte ich unvermittelt zurück und Altair schnaufte belustigt und schüttelte den Kopf.

„Natürlich nicht, aber mach das nicht zu oft mit mir", sagte er und nun nahm seine Stimme einen warnenden, fast bedrohlichen Tonfall an.

„Hm, mal sehen", meinte ich grinsend und stand auf.

Altair blieb sitzen und blickte mich lauernd unter seiner Kapuze heraus an.

Mit einem mulmigen Gefühl fragte ich mich, ob ich wieder einmal die falschen Worte gewählt hatte und nun mit einer heftigen und unkontrollierten Reaktion rechnen musste.

Ich kannte ihn nun schon gut. Zu gut, um das, was kam, nicht zu erwarten.

Ich sah kaum, wie er sich bewegte. Er sprang mich an und riss mich von den Beinen.

Wir schlitterten beide über den feuchten Boden und ich konnte nicht mal vor Überraschung schreien, da Altair meinen Mund mit seinem bedeckte und mich wild, hart und verlangend küsste.

Zuerst wehrte ich mich dagegen.

Dies tat ich mehr aus dem Schreck heraus. Doch bald gab ich mich seinem Kuss und seiner Wildheit hin und ließ mich von seiner Lust mitreißen.

Unsere Finger verhakten sich ineinander und wir knabberten und bissen uns gegenseitig verlangend in die Lippen.

Immer wieder wollte er seine Hände aus meinen Griff entwinden, doch den Spaß ließ ich ihm nicht, sondern lenkte ihn immer wieder mit meinen Lippen von dieser Idee ab.

Er ließ sich ablenken, aber nicht lenken.

Altair entwand sich meinem Griff und packte nun meine Körpermitte.

Er war es auch, der mich zurück in den Verschlag drängte und mich auf dem muffigen Lager ablegte.

Kein einziges Mal unterbrachen unsere Lippen ihren Kontakt.

Es war um unsgeschehen. Altair klammerte sich an mich, schob meine Kleidung zur Seite und liebkoste und küsste bald jede freie Hautstelle an meinem Körper.

In diesem Moment hatte ich das Gefühl, dass das Schicksal uns für die letzten zwei Jahre entschädigen wollte.

Dass Altair und ich nun zusammen lagen, fühlte sich perfekt an und all die Zweifel waren nun weit weg.

POV

Altair betrachtete lange Elessas Gesicht während sie schlief.

Ihre schmalen Lippen waren leicht geöffnet und sie atmete selbst im Schlaf flach und vorsichtig.

Sie hatte eine faustgroße, dunkelblaue Verfärbung am rechten Rippenbogen.

Altair wusste von Malik, dass an dieser Stelle sich wohl Blut unter der Haut gesammelt hatte, weil das darunter liegende Gewebe verletzt worden war. Er hatte schon unzählige solcher Flecken abbekommen und wusste, dass sie sich als nächstes grün und gelb verfärbten, ehe sie verschwanden.

Elessas Arm wies keine sichtbaren Verletzungen auf. Lediglich die Schulter war ebenfalls blau verfärbt.

Trotz dass sie nun so verletzt war, war es ihr möglich gewesen, seine suchenden, neugierigen Hände lange Zeit im Zaum zu halten, ehe sie sich dann doch entschied, sich ihm hinzugeben und ihn frei walten ließ.

Für ihn war es das größte Geschenk, was sie ihm hatte machen können.
Ein absoluter Vertrauensbeweis und ein Beweis ihrer Zuneigung und Liebe.

Die aufkeimende Erinnerung, dass er sie fast verloren hatte, verdrängte er sofort wieder aus seinem Bewusstsein.

Allein nur daran zu denken, verursachte in ihm ein Gefühl von nie da gewesenem Schmerz.

Er war damals in seinem Schmerz allein gewesen.

Elessa war nicht mehr da, die Freundschaft zu Malik durch seine Vermessenheit und Arroganz zerbrochen. Er war allein gewesen. Allein mit sich und seinen Gedanken.

Warum hatte Al Mualim ihm das angetan?
Sicherlich war der Fehlschlag in Salomons Tempel bitter gewesen, aber hatte er seine Aufgaben nicht sonst immer tadellos erfüllt? War sein Meister nicht immer sehr zufrieden mit seiner Arbeit gewesen?
Warum musste Al Mualim seine Wut an Elessa auslassen?
Er hatte die Feder gesehen, die Hamid Al Mualim präsentierte.

Hamid...

Er sah immer noch genau vor sich, wie er zu Al Mualim trat.

Sein Gesicht war blutverschmiert und ein breiter, langer Schnitt zierte seine Züge.

Doch er verkündete stolz, dass er Elessa mit einem einzigen Schlag tötete, ehe die Franken auf ihn aufmerksam wurden und ihn verletzten. Dies sei der Grund gewesen, warum er nicht den Leichnam mit ins Dorf bringen konnte, wie es Al Mualim gefordert hatte.

Die Franken hätten ihn mitgenommen und er wisse nicht, was damit geschehen wäre.
Im Morgenland erzählte man sich die grausigsten Dinge über die Abendländer.

Aber so grauenvoll konnten sie nicht sein, wenn sie scheinbar Elessas Leben retteten und sie bei sich behielten, obgleich Elessa ihre Abstammung nicht verleugnen konnte.

Man sah ganz deutlich, dass sie arabische Züge hatte.

Ihr dunkelbraunes Haar, das ihn an Liakuns Fellfarbe erinnerte, doch nun war es verblichen und wirkte staubig und so zottig, als sei es Fell eines Hundes.

Ihre Augen hatten einen fremdartigen Braunton, der ihn an den Honig von wilden Bienen erinnerte.

Diese Farbe hatte sich im Laufe der Zeit nicht verändert.
Nur ihr Blick selbst.

Altair wusste nicht, was andere Männer in ihrem Blick gesehen haben mochten, doch er sah in ihm nur den verzweifelten Schrei nach Hilfe, Liebe und Zuneigung.

Sah das Elend und die Hoffnungslosigkeit und wie sehr sie dieses Leben bereute.

Doch nun war Selbstsicherheit und Stärke an diese Stelle getreten. Sogar eine große Spur von Kampfbereitschaft und unerschütterlichem Willen.
Diesen Willen hatte er nun schon einige Male zu sehen und zu spüren bekommen.
Elessa war zweifellos nicht mehr der Mensch, den er vor zwei Jahren in Jerusalem von der Straße geholt hatte.

Und dennoch, war sie seineElessa.

Sanft strich er ihr über die Wange und küsste ihre schlafenden Gesichtszüge.

Sie wurde von seiner zaghaften Berührung wach und sah müde zu ihm auf.

Nach wenigen Augenblicken erschien ein Lächeln auf ihren Lippen.
„Ich fürchtete es sei ein Traum, aber du bist da und entweder schlafe ich immer noch oder ich bin tot und im Paradies gelandet. Dabei habe ich doch gar nicht meine zahlreichen Sünden gebeichtet", murmelte sie und lachte leise.

Altair musste über ihre Worte lächeln.

„Du bist weder tot, noch bin ich ein Traum. Du bist wach, Elessa, und wirklich bei mir", meinte er leise und Elessa seufzte wohlig und drängte sich nun nach Wärme suchend an ihn.

Daher kuschelte sie sich weiter an ihn und legte ihren Kopf auf seine Schulter ab.

Dann atmete sie tief ein und stellte nun die Frage, die längst hätte geklärt werden müssen.

„Was ist damals passiert, Altair? Warum trennte uns dasSchicksal für so fürchterlich lange Zeit?"

Zuerst sagte er nichts, wandte seinen Blick ab und umfasste ihre Taille mit beiden Armen.

Er suchte nach den Worten, die er ihr schon so lange hatte sagen wollen. Die er sich in den Nächten, nachdem er sie in Akkon entdeckt hatte, zurechtgelegt hatte. In den Nächten, die er allein verbracht hatte.

„Ich... ich habe versagt. In so vieler Hinsicht. Ich war dir kein guter Mann, ich behandelte dich so unwürdig. Dann schlug mein Auftrag fehl und Malik verlor wegen mir seinen Arm und seinen Bruder Kadar. Der Hass, den er für mich empfindet, ist mehr als nur berechtigt. Al Mualim bestrafte mich für mein Versagen und schickte Hamid, um dich zu töten. Ich sah die blutige Feder und er berichtete davon, dass die Franken deinen Leichnam mitnahmen. Aber... sag mir, was zwischen dir und Hamid passiert ist und warum du unversehrt bist?"

Elessa lächelte und legte sich auf den Rücken.

Sie sah an die Decke und ergriff Altairs Hand.

„Hamid überraschte mich im Schlaf. Er hätte mich bereits in unserem Haus getötet, wenn ich dein Kurzschwert nicht hätte greifen können. Dann floh ich so schnell und weit wie ich nur konnte, doch er holte mich wieder ein und erneut war es dein Kurzschwert, das mir das Leben rettete. Dein Kurzschwert und die Männer von Fürst Karzheim. Sie vertrieben ihn und er kam nicht mehr zurück", erzählte sie und Altair nickte.
„Und du gingst mit den Franken, weil du Angst vor den Assassinen hattest?", fragte er und sie nickte.

„Ja, und merkwürdigerweise waren es die nettesten Menschen, die ich in meinen ganzen Leben jemals getroffen hatte", meinte sie und Altair schnaufte.

„Aber ich schätze, das lag daran, weil sie mich alle für einen Jüngling hielten. Wenn die gewusst hätten, dass ich eine Frau war, hätten auch sie mit mir kurzen Prozess gemacht."

Elessa drehte sich zu ihm herum.

„Wie ging es mit dir weiter, nachdem du von meinen Tod Bericht erhieltest?", fragte sie nun und Altair legte sich die Hand auf die Stirn.
„Du hast keine Ahnung, was diese fürchterliche Nachricht in mir auslöste. In diesem Moment stand ich vor dem absoluten Nichts. Ich war zu nichts zu gebrauchen und es dauerte eine lange Zeit, bis Al Mualim mich wieder rausschicken konnte. Er hatte mich einsperren lassen. Ich weiß nicht was ich getan hätte, wenn ich nicht eingesperrt gewesen wäre", meinte Altair und drückte Elessas Hand unwillkürlich fester.

„Und dann kam der Tag in Akkon. Du folgtest mir auf das Dach und... ich erkannte dich sofort! Aber du warst so anders und ich hatte keine Zeit, um mit dir zu reden. Später entschied ich, dass du in Akkon sicherer warst und Al Mualim so vorerst weniger Chancen hätte, zu erfahren, dass du noch lebst."

„Dann kam das Attentat an Montferrat, nicht wahr? Das warst du auch", meinte Elessa und Altair schnaufte belustigt.

„Irgendwie hast du es immer wieder geschafft, dass sich unsere Wege treffen. Du bekamst ein Gespür für unsere Methoden. Du hast dich in unsere Wesenszüge hineinversetzt. Das beeindruckte mich und als du dann Hamid auf den Mauern Akkons getötet hast, lehrtest du dem Orden das Fürchten. Es war plötzlich von einem „Assassinen-Mörder" die Rede und Al Mualim beschloss, eine Feder auf dein Haupt zu legen, und mir den Auftrag zu geben, dich auszuschalten."

POV

Er hatte den Auftrag mich zu töten.

Ich schloss schockiert die Augen und setzte mich auf.

„Wirst du? Altair, wirst du mich töten?", flüsterte ich und wagte erst meine Augen zu öffnen, als ich seine Hand an meinem Gesicht spürte.

Er hatte sich ebenfalls aufgesetzt und küsste mich nun, da ich ihn ansah, sanft auf die Lippen.
„Wenn ich dich töten würde, würde ich mich selbst vernichten, Elessa. Stell nie wieder so eine Frage. Ich könnte dir nie ein Leid zufügen!", knurrte er und ich bemerkte, dass er sauer über meine Frage zu sein schien.

„Tut mir Leid, Altair. Ich weiß doch, dass du mich über alles liebst. Aber ich weiß auch, dass dir der Orden sehr wichtig ist, sonst hättest du ihn längst verlassen", meinte ich und lehnte mich wieder gegen seine nackte Schulter.

„Wo hätte ich hingehen sollen, Elessa? Du warst fort und ich habe auch niemanden. Ich habe auch immer das Gefühl, dass es für mich dort draußen keinen Platz gibt, genau wie du", flüsterte er und lehnte seinen Kopf in mein Haar.

„Also sind wir gemeinsam einsam?", fragte ich und Altair schnaubte belustigt.
„Ja, ich schätze so kannst du es nennen", sagte er und küsste mich erneut auf die Stirn.

Eine ganze Zeit lang saßen wir so beieinander und schwiegen.

„Wir müssen heute noch nach Jerusalem zurückreiten, Elessa. Meinst du, du schaffst das?", fragte Altair und ich sah zu ihm auf.
„Wird es mein Pferd schaffen?", fragte ich zurück und Altair lächelte und nickte.

„Ich denke schon."

Er druckste noch kurz herum, ehe er mir einen Kuss auf die Lippen gab und raunte: „ Am liebsten würde ich mit dir in dieser Wildnis bleiben."

Ich nickte.

„Ja, ich freue mich auch nicht unbedingt auf Masyaf. Aber jetzt, wo du bei mir bist, fühle ich mich sicherer und ermuntert. Ich will bei dir bleiben, Altair. Egal was kommt", meinte ich und empfing seine Lippen erneut.

Ende Kapitel 12