Der abgetrennte Zopf
Kapitel 14 „Assassinen und Ritter"
„Al Mualim," knurrte ich erbost und richtete mich langsam auf.
Der Alte stand vor mir und in seiner dunklen Robe, dem gepflegten Bart und mit diesem goldenen Objekt in seiner Hand wirkte er auf mich so erhaben, wie ein mächtiger König.
Seine dunklen Augen fixierten mich misstrauisch und seine Gesichtszüge wirkten angespannt und strahlten dennoch eine weite Überlegenheit aus. Er war sich seiner Sache so bewusst und sicher.
Ich erinnerte mich daran, dass auch der Assassine in Akkon bis zum bitteren Ende scheinbar nicht daran geglaubt hatte, dass er den Kampf gegen mich verlieren würde.
Doch Al Mualim war nicht wie Hamid.
Er
war auch nicht wie Altair.
Er war nicht umsonst das Oberhaupt der
Assassinen und sein alter und scheinbar gebrechlicher Körper
täuschte nur über seine immense Körper- und Willensstärke hinweg.
Dieser Gegner war weit mehr gefährlich... und er würde mir mehr abverlangen, als einfach nur siegreich zu sein.
„An Euren Kleidern sehe ich, dass Ihr kein Templer seid. Nun denn, nennt mir Euren Namen, mein Sohn, und der Grund warum Ihr diese Feste besucht," sagte er und seine Stimme klang wie die eines unendlich geduldigen Gelehrten.
Wenn
man ihn so sprechen hörte, glaubte man nicht, wie grausam er doch
sein konnte.
Aber ich brauchte darüber nicht zu spekulieren.
Ich
hatte es am eigenen Leib erfahren.
Mit grimmiger Genugtuung vernahm ich, dass er mich nicht erkannte. Dies erfüllte mich mit bisher unbekanntem Glück. Fühlte ich mich etwa hier überlegen?
Ich
atmete scharf ein.
„Ihr erkennt mich nicht, Al Mualim?",
fragte ich und der Alte musterte mich und runzelte leicht die Stirn.
„Roter Waffenrock, schlank, kantige Gesichtszüge und eine nicht zu leugnende arabische Abstammung. So wurde mir Adrian, der Assassinen-Mörder, beschrieben," sagte der Alte langsam und festigte nun seinen Griff um das Schmuckstück in seiner altersbefleckten Hand.
„Passend beschrieben. Ich stehe vor Euch, und ja, ich höre auch auf den Namen Adrian. Aber einst hörte ich noch auf einen anderen Namen, Al Mualim.
Eine Lüge, für die du mich straftest, rettete mir vor zwei Jahren das Leben. Nun sagt mir, alter Mann, wer bin ich?", raunte ich und bemühte mich sehr um eine ruhige und dennoch bedrohliche Stimme. Eine Eigenschaft, die ich Altair nacheiferte. Sie zu beherrschen war in vielerlei Hinsicht sehr hilfreich gewesen.
Mein Herz pochte wild in meiner Brust als ich in seinem Gesicht las, dass er mich nun erkannte und seine Selbstsicherheit in Wut überging.
„DU? Wieso lebst du? Du dreckige, kleine Ratte aus Jerusalems Gassen!"
Ich lächelte über seine Entgleisung.
„Ich lebe, weil Hamid schlampig arbeitete und sich feige von den Soldaten des Fürsten vertreiben ließ. Ich lebe, weil ich log. Ich lebe, weil ich leben wollte. Ich lebe, weil ich mich nie mit Altairs angeblichem Tod abfinden konnte. Ich lebe, weil ich Eure Lüge spürte! Dieses Schwert ist das Schwert Eures treuen und nun toten Assassinen," höhnte ich und der Alte verzog wütend das Gesicht. Er zeigte mir die Zähne und ich nahm wahr, dass ich lächelte.
Ich war bereit, egal was kommen sollte!
„Was ist es, was Altair dazu zwingt, immer wieder nach dir zu suchen? Wie kontrollierst du seine Gedanken? Du hast ihn vollkommen in der Gewalt!", zischte der Mann und ich schüttelte den Kopf.
„Ich kontrolliere Altair nicht. Warum sollte ich das tun?"
Ich verstand nicht, worauf dieser Mann nun hinaus wollte.
Al
Mualim lachte.
„So? Tust du das nicht? Seit Altair dich das
erste Mal sah, kreisen seine Gedanken nur noch um dich. Er denkt
nicht weiter, sondern nur an dich als Person. Er plant nicht, er
kalkuliert nicht. Allein deine Anwesendheit ist es, was er am meisten
begehrt. Das kann nicht nur bloße Liebe sein, wenn man alles um sich
herum vergisst. Also sag schon, was hast du getan, dass er dir derart
untergeben ist?"
„Untergeben?"
Altair, mir untergeben? Was redete er für einen Unsinn?
Es hatte Zeiten gegeben, da musste ich meine Worte an ihn so behutsam und besonnen wählen, da mein Leben davon abzuhängen schien.
Ich musste meine Worte an Altair zeitweise so vorsichtig anbringen, dass mein Leben davon abhängig zu sein schien.
Er war sprunghaft und ich war bisher nie in der Lage gewesen, ihn irgendwie zu lenken. Vielleicht zu beruhigen, zu besänftigen, aber doch nie zu lenken.
„Er ist mir nicht untergeben," erwiderte ich unwirsch und Al Mualim lachte.
„Du kannst mir nicht erzählen, dass du nicht weißt, wie er dich ansieht, wenn du nicht hinsiehst! Du kannst mir nicht erzählen, dass du seine Aktionen nicht bewusst lenkst", sagte der Alte nun und ich schüttelte erneut den Kopf.
„Wärst du nicht aufgetaucht, wäre Altair mein willenloser Sklave geblieben! Ein funktionierendes Werkzeug, das soll ein Assassine sein!"
Er
lachte laut auf.
„Mit deinem Tod brach ich seinen Willen. Es
funktionierte alles reibungslos, bis du nun wieder seinen Weg
gekreuzt hast! Ich wusste von Anfang an, dass du Schwierigkeiten
machen würdest, Elessa!"
„Altair würde niemals dein willenloses Werkzeug sein, Al Mualim! Altair ist stolz und sein eigener Herr! Weder du noch ich spielen dabei eine Rolle!"
Meine Worte hallten in diesem Garten in einem mehrfachen Echo und darunter mischte sich bald Al Mualims hämisches Gelächter.
„Glaubst du das wirklich? Bist du so blind? Altair ist ein Monster! Er funktioniert. Und er funktioniert nur solange, wie ich ihm einen Sinn dazu gebe. Wenn ich verschwinde, wird er gar nicht mehr in der Lage sein, irgendwas zu tun. Du müsstest es gemerkt haben. Altair ist nicht in der Lage etwas anderes zu tun, als einfach nur blind zu gehorchen! Zu töten,töten und abermals zu töten!"
„Das ist nicht wahr!", flüsterte ich. Die Wut über Al Mualims fürchterliche Worte schnürte mir beinahe die Kehle zu. Meine Hände begannen zu zittern und ich ballte sie wütend zu Fäusten.
„Mag sein, dass du für ihn wichtig bist, aber meinen Platz wirst du nie einnehmen können. Denn ich war es, der von Anfang an da war, nicht du! Es wäre für ihn besser gewesen, wenn er dir nie begegnet wäre," sagte er und hob nun mein Schwert auf.
Er betrachtete den Stahl und schüttelte den Kopf.
„Bedauerlich. Er hatte sicher seine Fehler, aber er war gleich neben Altair einer meiner besten Männer," sagte er und ich schnaufte wütend.
„Einer deiner besten Werkzeuge...," knurrte ich und erzitterte vor Zorn.
Al Mualim lächelte und hob das Schwert vor seine Augen.
Er simulierte dabei meine Geste, die ich zu tun pflegte, ehe ich einen Kampf eröffnen würde.
Ich hatte sie von meinen Waffenbrüdern übernommen und hatte gelernt, dass es ein gutes Mittel war, um manch einen Gegner einzuschüchtern.
Aber Al Mualim würde sich nie einschüchtern lassen, genauso wenig wie ich, denn ich wusste, dass es nun viel zu spät war, um zu fliehen.
Er bediente sich meiner Geste und verspottete mich damit.
Al Mualim griff mich an und schlug nun mit meinem eigenen Schwert nach mir.
Ich strauchelte zurück und zog mit einem kräftigen Ruck Maliks kurzes Schwert von meinem Rücken.
„Dafür, dass du dich den Franken angeschlossen hast, scheinst du von unseren Waffen sehr angetan zu sein," meinte der Alte und sprang wieder auf mich zu.
Ich parierte eine Reihe von heftigen Schlägen, doch er schaffte es, mich abzudrängen und schlug mit der Faust zu.
Der Schlag traf mich am Wangenknochen und schleuderte mich in eine recht große Tonvase.
Diese zerbrach scheppernd unter mir.
„Verdammt!", fluchte ich und kam strauchelnd wieder auf die Beine.
Ich hatte ihn unterschätzt. Ich hätte nie geglaubt, dass Al Mualim noch so schnell und stark war.
Seine scheinbar normalen, schwungvollen Schläge erwiesen sich als die reinsten Blockadenbrecher.
Egal wie stark ich mich in meinen Block hineinstemmte, ein Schlag von Al Mualim reichte, um mich aus dem Gleichgewicht zu bringen.
Bald landete er den nächsten Schlag auf meinem Kehlkopf.
Hustend blieb ich für kurze Zeit liegen.
Zeit genug für Al Mualim, um die Distanz zu mir zu überbrücken und mit dem Schwert zuzustechen.
Ich schloss die Augen und wartete auf den Schmerz, doch stattdessen schrie Al Mualim.
Geistesgegenwärtig öffnete ich die Augen und sah, dass in Al Mualims rechtem Arm nun ein Messer steckte.
Er ließ mein Schwert fallen.
Ich reagierte pfeilschnell, wirbelte herum und fing das Schwert mit meiner rechten Hand auf.
In derselben Bewegung heraus stach ich mit dem Schwert aufwärts zu und durchbohrte seinen Bauch.
Kein Tropfen Blut benetzte meine Hand.
Schnell und kraftvoll umschloss seine Hand sogleich mein Handgelenk und zog mich auf Augenhöhe hoch.
Al Mualim lebte. Al Mualim lachte.
Mit
einem heftigen Ruck riss er mich erneut von den Füßen und
schleuderte mich gegen die Balkonbrüstung.
Diese zerbrach und ich
fiel hinab in den seichten Teich des Gartens.
Verdammt!
Was
war das? Er müsste doch... kein Mensch überlebt so einen Stich!
Ich kam wieder auf die Beine und stieg aus dem Teich.
Al
Mualim stand nur wenige Schritte von mir entfernt.
Er hatte das
Schwert bereits aus seinem Bauch entfernt. Die Klinge war noch
genauso sauber wie ich sie heute Morgen poliert hatte.
Kein einziger Tropfen Blut befleckte sie.
„Und du schimpfst Altair ein Monster", meinte ich und ging noch einen Schritt auf ihn zu.
„Ich sehe hier nur ein Monster, Al Mualim. Und das ist auf keinen Fall Altair!"
Meine Worte gaben mir neuen Mut.
Natürlich
war ich über dieses Phänomen verwundert, aber die Angst schaffte es
nicht, mich zu erreichen.
Ich wusste, dass Altair sich in diesem
Garten verbarg und auf seine Chance wartete.
Er würde seine
Gelegenheit nicht erhalten, wenn ich jetzt den Kürzeren zog.
Ich musste alles tun, um Al Mualim von Altair fernzuhalten.
Nach diesen wenigen Augenblicken unseres Gefechtes war mir bereits bewusst geworden, dass ich den Kampf gegen Al Mualim nicht gewinnen konnte.
Ich nicht.
Aber Altair würde es können. Mit meiner Hilfe!
„Altair ist eine Hülle. Und ich bin sein Inhalt. Was zwischen dir und ihm geschah, war lediglich eine kleine Fehlfunktion. Hier in Masyaf gibt es genügend Frauen, Elessa. Wunderschöne, rassige Weiber. Willig und beugsam. Frag ihn nach diesen. Er lag in der Zeit als du nicht da warst oft bei ihnen, weil er die Einsamkeit nicht ertragen konnte", meinte der Alte und lachte.
Wütend presste ich meine Kiefer aufeinander.
Mein klarer Verstand sagte mir, dass er log. Aber mein Herz... mein Herz war immer noch so voller Zweifel.
Doch ich musste ruhig bleiben. So etwas konnte man später klären und ich vertraute Altair.
Das
war in dieser Situation einfach das Wichtigste.
Mein
bedingungsloses Vertrauen in Altair.
„Ich
bin nicht schön, auch nicht rassig, was auch immer das bedeutet. Ich
bin nicht willig und erst recht beuge ich mich nicht. Die Zeiten sind
vorüber, Al Mualim. Dank dir!", fauchte ich und der Alte
lachte.
„Ja, mag sein, dass ich der Anstoß für deine so
zweifelhafte Veränderung war. Jede halbwegs vernünftige Frau wäre
tot. Aber du bist einfach nur einfältig und zerrissen. Du wusstest
doch nie, wo du hingehörst. Und heute weißt du vor lauter Masken
nicht einmal mehr, wer du bist!"
Seine Worte machten mich rasend.
Was wusste er schon? Er wusste nichts!
Wütend
griff ich ihn mit Maliks Kurzschwert an.
Meine Schläge waren
blind und voller Emotionen und diese schwächten meine Angriffe
erheblich.
Um erfolgreich im Kampf zu sein, benötigte man ein kaltes Herz. Man musste unberührbar sein, doch dies gelang mir diesmal nicht.
Die Wut loderte in mir wie ein heftiger Brand. Sie vernebelte meine Sinne, verlangsamte meine Reaktion.
Mit mehr Glück als Verstand schaffte ich es, Mualims Schlägen noch einmal auszuweichen.
„Verflucht!", murmelte ich wütend und brachte Distanz zwischen mir und dem Alten.
Doch dieser lief erneut auf mich zu.
Meine Kraftreserven waren erschöpft, das Atmen fiel mir nun schwerer und meine Lunge brannte.
Al Mualim wollte mich gerade erneut angreifen, als er zum zweiten Mal von einem Wurfmesser getroffen wurde.
Der Alte wirbelte schreiend herum und verlor dadurch den Edensplitter aus der Hand.
Al
Mualims Gesichtsausdruck veränderte sich sofort.
Die
Selbstsicherheit und das Lächeln verschwanden und schiere Panik
ergriff ihn.
Ich erkannte sofort meine Gelegenheit, rannte ihm hinterher und rammte ihn so heftig mit der Schulter, dass der Alte nun zur Seite stürzte und über den Boden schlitterte.
Meine rechte Schulter schmerzte fürchterlich. Pochend breitete die Pein sich in meinem gesamten Arm aus und ich war nicht fähig, meinen Arm noch weiterhin zu benutzen.
Der Schmerz zwang mich in die Knie und ließ mich laut aufschreien.
Ich biss die Zähne aufeinander und blickte zu dem Assassinenführer, der sich gerade aufsetzte.
Dies war der Moment als Altair zuschlug.
Er tauchte wie aus dem Nichts auf und landete mit wehenden Roben über Al Mualim.
Ich vernahm den erstickten Laut des Alten als Altair auf ihn wie ein Adler auf seine Beute nieder stürzte und ihm seine versteckte Klinge in den Hals rammte.
Ich
fühlte, dass es endete.
Eine Welle der Erleichterung erfasste
mich und ich seufzte sanft auf.
Doch mir blieb keine Zeit, um kurz zu ruhen oder nachzudenken.
Frank und Alexander tauchten auf und zogen mich auf die Beine.
„Danke, es geht," murmelte ich und griff mir an meine schmerzende Schulter.
Ich hatte Mühe, mein Schwert aufzuheben, doch ich konnte jetzt nicht aufgeben. Ich musste es aushalten.
Altair kniete immer noch bei Al Mualim und hatte sich nicht zu uns umgedreht.
„Die Templer, sie stehen vor den Toren, Adrian! Karzheim hat alle Reiter vor der Festung postieren lassen. Aber es sind... es sind so furchtbar viele!", rief Frank und ich schluckte.
Verflucht! Nicht jetzt! Verdammt noch mal nicht jetzt!
Ich verließ den Garten, ohne mich um Altair oder Al Mualim noch zu kümmern.
Malik begegnete mir am Eingang.
„Wie
viele Männer hast du?", fragte ich.
„Siebenunddreißig, der
Rest ist nicht zu gebrauchen!"
„Gut, meinst du, du kannst sie auf der Mauer mit Pfeil und Bogen platzieren? Ich brauche dringend Feuerschutz von hinten!"
Malik nickte und ich eilte weiter, ohne noch ein Wort an ihn zu richten.
Karzheim stand im Innenhof. Einige bewaffnete Männer standen um ihn herum.
Ich stieg auf Yel und ritt an ihn heran.
„Ich werde rausgehen," sagte ich und der Ritter nickte und saß ebenfalls auf.
„Ich komme mit. Reiter und Lanzenträger befinden sich bereits in Formation."
Der Mann holte tief Luft und lächelte trostlos.
„Ich hoffe, dass Gott seine Hand schützend über uns hält, Adrian. Schwertträger nach vorn!", rief er in die Menge und die Männer gingen in geschlossenen Zweierreihen durch das Tor.
Vor den Toren hatten sich bereits mehrere Schwertkämpfer versammelt. Ein Stück weiter unten standen die Reiter und vor ihnen befanden sich die Lanzenträger, um die feindlichen Reiter abzuwehren.
Assassinen hatten sich zwischen die nervösen Männer gemischt und selbst mit diesen sah unsere Armee verschwindend klein aus gegenüber der drohenden Gefahr, die sich nun durch den unteren Teil des Dorfes bewegte.
Die Templer hatten das Dorf bereits passiert und standen nur noch weniger Meter von uns entfernt.
Wir versperrten ihnen den Weg, doch diese Übermacht war mehr als nur beängstigend.
Mir wurde binnen Sekunden heiß und kalt und Schweiß brach in meinen Händen und auf meiner Stirn aus.
Karzheim hob die rechte Hand und der Anführer der Templer, ein dünner Mann der selbst in Gambeson und Kettenhemd kaum etwas hermachte, erhob seine ebenfalls.
„Fürst Karzheim," sprach der Franzose wobei sichsein grauer Bart um seinen Mund herum bewegte.
„Ich bin überrascht, Euch hier anzutreffen. Was bewegt Euch, sich auf die Seite dieser gottlosen Diebe zu stellen?"
Karzheim antwortete nicht sofort. Er wog seine Worte genau ab.
„Masyaf ist neutrales Gebiet. Es sollte nicht in unserem Sinne stehen, es anzugreifen, Jerome. Aber Ihr seid nicht wegen der Festung hier, oder wegen der kläglichen Reichtümer, die dieses Dorf zu bieten hat. Nicht wahr?", sprach der Ritter und seine Stimme klang fest und furchtlos.
„Das ist richtig, Wilhelm. Ich bin wegen des Artefakts hier, welches De Sable versäumte zurückzugewinnen. Ich werde Masyaf bis auf die Grundmauern niederbrennen für ihre Verbrechen! Seid vernünftig und stellt Euch auf unsere Seite, Karzheim. Ihr habt nichts davon, wenn ihr den Heiden helft!"
Der Franzose zog sein Pferd herum und präsentierte uns seine Kehrseite.
„Ich habe auch nichts davon, wenn ich Euch helfe, Jerome," meinte Karzheim und einige seiner Männer lachten grimmig.
Stille legte sich über die Bewaffneten und ich zog nun mein Schwert.
Es
lag mir unglaublich schwer in der Hand und der pochende Schmerz wurde
rasend.
Doch ich zwang mich, es zu vergessen.
Und die drohende Gefahr, die nun wie ein dicker Schleier über uns lag, half mir dabei.
Auch
Jerome zog nun sein Schwert und streckte es uns entgegen.
„Deus
lo vult!", schrie
er und gab seinen Pferd die Sporen.
Der
Kampf entbrannte.
Jerome ritt sofort auf uns zu und attackierte
Karzheim.
Ich riss Yel herum und parierte die Schläge eines anderen Reiters, der plötzlich an meiner Seite auftauchte.
Um mich herum brach die Schlacht herein. Masyafs Tore wurden geschlossen und der erste Pfeilhagel regnete auf das gegnerische Heer nieder.
Diese hatten damit nicht gerechnet.
Die ersten Toten fielen zu Boden. Männer schrieen, Pferde wieherten und das Geräusch von aufeinandertreffendem Metall erfüllte die Luft.
„Zersprengt die Reihen!", brüllte ich zwischen meinen Schwerthieben und mehrere Reiter preschten los, um die Fußtruppen auseinanderzutreiben.
Die Bogenschützen auf der Mauer waren effektiv. Sie schossen Reihe um Reihe nieder, trafen Pferde und machten sie scheu und reiterlos.
Doch auch die Gegner waren erfolgreich und bald lagen Assassinen sowie Träger des roten Waffenrocks auf Masyafs staubigem Boden.
Der Kampf dauerte an und während ich mir mit diesem Ritter einen heftigen Zweikampf zu Pferd lieferte, starben um mich herum Freund wie Feind.
Bald wurden wir auseinandergetrieben und waren in einer scheinbar bedrückenden Unterzahl.
Sie hatten es geschafft, uns in den unteren Teil des Dorfes zu treiben, wo die Bogenschützen in der Festung längst nicht mehr so effektiv waren.
Wir standen Rücken an Rücken, Angriffe parierend, Reihen lichtend, sterbend!
Ich sah das Ende kommen, sah mich schon blutend im Dreck dieser Stadt liegen.
Und doch wollte Gott erneut nicht, dass ich vor seinen Toren stehen würde.
Reiter von Masyaf preschten heran und eilten uns zu Hilfe. Sie zersprengten erneut die Reihen und nun wendete sich das Blatt. Von neuem Mut und Hoffnung beflügelt begann der Kampf erneut aufzuflammen.
In dem Gewirr war ich nicht in der Lage, nach Karzheim oder Altair Ausschau zu halten. Ich war völlig damit beschäftigt, diesen Ritter im Schach zu halten.
Ich
konnte sein Gesicht nicht erkennen, da er einen Topfhelm trug, und
seine Angriffe schwächten mich.
Meine Verletzungen ließen es
nicht zu, dass ich mich schnell bewegte.
Ich konnte mich
lediglich in Geduld üben, parieren und auf meine Gelegenheit warten.
Und die Gelegenheit kam.
Der Kampf ließ meinen Schmerz ein wenig verstummen und unsere Angriffe wurden nun schneller und heftiger.
Der Ritter stürmte nach vorne, um mich mit einem wuchtigen Schlag zu töten. Ich wagte es, einen knappen Ausweichschritt zu machen, und rammte ihm mein Schwert komplett durch die Brust.
Sein Schwert streifte meinen Oberschenkel und heißer Schmerz ließ es lahm werden.
Der Feind war sofort tot und blieb auf dem blutgetränkten Boden reglos liegen.
Das Schwert steckte fest und ich schaffte es nicht, es aus ihm herauszuziehen. Die Rüstung musste sich mit ihmverhakt haben.
Nun befand ich mich mitten auf einem tosenden Schlachtfeld, waffenlos... und mein Pferd war auch weg. Schlechter konnte es eigentlich nicht laufen.
Doch, es wurde schlechter.
Gleich vier Männer entdeckten und umkreisten mich.
Auch wenn ich den vorigen Kampf so souverän für mich entschieden hatte, schien mich nun das Glück zu verlassen.
Aber auch hier zeigte sich, dass Gott mich nicht wollte.
Karzheim eilte mir zur Hilfe und tötete mit einem Hieb den ersten unachtsamen Templer ehe er sich mit dem Rücken zu mir schützend vor mich stellte.
„Adrian! Nimm dein Schwert, mach schon!", rief er und ich packte mein Schwert an dessen Griff und versuchte so stark wie es mir möglich war, es aus dem Körper des toten Ritters zu ziehen.
Doch mein Arm war wie gelähmt.
Ich konnte kaum mehr Kraft auf ihn übertragen und schaffte es nicht, meine Waffe an mich zu nehmen.
Verzweifelt zerrte ich an dem Stück Stahl und Panik ergriff mich nun. Wir waren von Soldaten umstellt und keiner würde noch lange warten.
Doch dann schloss sich eine Hand um meine und zog gemeinsam mit mir das Schwert aus dem Leichnam.
Ich wandte meinen Kopf und entdeckte Altair schräg hinter mir stehend.
„Keine Sekunde zu spät," murmelte ich nun und atmete erleichtert auf.
Altair hob nun selbst sein Schwert und wir standen zu dritt, Rücken an Rücken, inmitten feindlicher Soldaten und begannen den Kampf erneut.
Bald waren die Reihen der Templer so stark gelichtet, dass ein großer Teil floh und die Kämpfe endeten.
Karzheims Männer versammelten sich um ihn und man begann damit sie zu zählen.
Die meisten ließen sich einfach erschöpft dort nieder, wo sie gerade standen.
Wie lange hatte der Kampf gedauert?
Ich
fühlte mich, als hätte ich tagelang das Schwert geschwungen.
Ich
wusste gar nicht, wo es mir am meisten wehtat.
Die Verluste waren nicht sonderlich hoch. Karzheim war sehr zufrieden mit diesem Kampf.
Rund achtzig Templer wurden erschlagen, während von unseren Männern sechsundzwanzig zu beklagen waren.
Karzheim mutmaßte später, dass es wohl an der Zusammenarbeit mit den Assassinen gelegen hatte.
Doch auch diese hatten Verluste und waren verletzt worden.
Es verging mehr als eine Stunde, ehe Malik zu mir und Karzheim trat.
Wir saßen immer noch an Ort und Stelle, tranken Wasser aus unseren Lederschläuchen und organisierten die Truppen.
Altair hatte uns kurz nach dem Ende der Kämpfe schweigend verlassen und ich hatte schwer mit mir selbst zu kämpfen, um ihm nicht nachzueilen.
„Fürst Karzheim? Adrian?"
Malik stand hinter mir. Ich wandte mich zu ihm um und sah ihn an.
Der Araber verbeugte sich ein Stück.
„Ihr solltet Euch ausruhen, bevor Ihr aufbrecht! Es ist unvernünftig, gleich zu gehen. Ihr seid müde und verletzt! Bleibt und erholt Euch. Wir bitten Euch, unsere Gastfreundschaft als ein Geschenk für Eure Hilfe anzunehmen."
„Danke Malik, aber ich fürchte, es würde zu Unruhen in Eurer Bevölkerung kommen, wenn wir hier zu lange verweilen."
„Einige Eurer Männer sind gar nicht mehr fähig, auch nur eine Meile zu reiten. Ihr würdet so oder so bald wieder anhalten müssen", erwiderte Malik und ich nickte.
„Ihr
könnt im Innenhof der Festung lagern. Wir versorgen Eure Verletzten,
macht Euch keine Sorgen", meinte er und nun sah ich Fürst Karzheim
an.
Der Ritter nickte.
„Habt Dank, Assassine, wir nehmen Euer Angebot des Verweilens gerne an", sagte er und Malik nickte.
Die Männer wurden mit Wasser und Essen versorgt.
Die Assassinen benahmen sich uns gegenüber freundlich und besonnen und die Franken waren viel zu müde, um einen Streit vom Zaun zu brechen.
Malik ließ nach den Verwundeten sehen und sicherte mir zu, hier verweilen zu können, bis sie fähig waren, nach Akkon zu reisen.
Das war das Vernünftigste.
Alle waren von den Kämpfen und der Reiterei erschöpft. Sie schliefen fast sofort ein, nachdem sie sich im Hof der Festung von Masyaf zur Ruhe gelegt hatten.
Nur ich schlief nicht. Zu viele Dinge gingen mir durch den Kopf, zu viele Erinnerungen suchten mich heim.
Malik musste mich an meiner Schulter berühren, um mich aus ihnen herauszuholen.
„Lass mich nach deinen Wunden sehen", murmelte er leise und ich schüttelte den Kopf.
„Ich bin nicht verletzt, lass gut sein", meinte ich nur, doch Malik blieb stur.
„Was redest du da? Ich bewundere dich, dass du überhaupt noch stehen kannst. Deine Männer sind alle versorgt, und jetzt komm! Dein Kettenhemd ist auch beschädigt, wir reparieren es dir wieder."
Ich seufzte und stand auf, um Malik zu folgen.
„Adrian?", Alexander wollte sich von seinem Lager erheben, doch ich deutete ihm, dass er liegenbleiben sollte.
„Schlaf, Alexander. Uns wird hier kein Leid zustoßen."
Der Mann nickte und legte sich wieder zurück, worauf ich Malik folgte.
„Sie
vertrauen dir alle bedingungslos", murmelte er und ich freute mich
ein wenig über seine Anerkennung.
„Ja, sie vertrauen mir,
obgleich sie wissen, dass ich sie jederzeit in den Tod schicken
könnte", meinte ich daraufhin nur dumpf und betrat nach Malik das
Gebäude.
Wir kamen in eine Stube mit einem Tisch und mehreren Stühlen. Wahrscheinlich eine Art Aufenthaltsraum oder Wachstube.
„Gib mir dein Hemd ich bringe es zum Reparieren", meinte Malik und ich löste meine Ledergürtel und streifte mir Waffenrock und Kettenhemd ab. Ich gab ihm das schwere Teil und er nahm es mit den Worten er sei gleich zurück mit.
Müde setzte ich mich auf einen Stuhl und lehnte mich zurück.
Der Raum war dunkel und muffig.
„Schau nur, sie ist es wirklich!", hörte ich jemanden flüstern und drehte mich in die Richtung, aus der die Stimme kam.
Eine junge Frau stand im Eingang.
Sie hatte langes, schwarzes Haar und wunderschöne, weiche Gesichtszüge.
Sie hielt eine Schüssel mit Wasser in den Händen und neben ihr stand ein kleines Mädchen.
Es hatte den Rock der Älteren umfasst und sah mich ehrfürchtig aus großen, dunklen Augen an.
Ich erkannte sie. In den zwei Jahren hatte sie sich kaum verändert.
„Mesha?", fragte ich leise und die junge Frau lächelte sanft und stellte die Schüssel auf dem niedrigen Holztisch ab.
„Willkommen
zurück, Elessa", flüsterte sie leise und blickte mich verwirrt
an, als ich mich nervös umschaute.
Doch dann nickte sie.
„Keine Sorge. Malik hat uns von deiner Geschichte erzählt. Wir wissen, dass du für die Franken Adrian sein musst. Zeig mir mal dein Bein", meinte sie und griff nach meiner Hose.
Sie streifte mir das Hosenbein hoch und ich bemerkte nun erst den kleinen, vertikalen Schnitt.
Er blutete nicht mehr und schmerzte auch nicht, doch Mesha wusch mir die Wunde aus und strich mir eine scharf riechende Salbe darüber.
„Ich habe dieses Zeug schon immer gehasst", murmelte ich leise und Mesha lächelte sanft.
„Malik benutzte es immer, wenn ich oder Altair verletzt waren", fügte ich noch hinzu und Mesha sah zu mir auf.
„Malik,
ich bin seine dritte Frau", flüsterte sie und ich konnte mir ein
Grinsen nicht verkneifen.
„Herzlichen Glückwunsch, Mesha, du
hast einen wundervollen Mann, ich beneide dich!",
Mesha lächelte.
„Danke Elessa. Wann kommst du nach Masyaf zurück? Altair und du, ihr fehlt uns allen!"
„Ich denke, Altair und ich werden hier bleiben", murmelte ich und meine Zunge fühlte sich der Worte wegen schwer an.
Ich hasste den Gedanken, an diesem Ort verweilen zu müssen.
„Du hättest ihn sehen sollen, Elessa," flüsterte Mesha und sie sah sich verschwörerisch um.
„ Als Al Mualim ihm sagte, dass du tot wärst, ist er wahnsinnig geworden. Er schrie, schrie nach dir! Rannte los und jeder, der sich ihm in den Weg stellte... es war fürchterlich! Ich habe ihn gesehen und er hat so gelitten", sagte sie und ich schnaufte schwer.
Mir fielen Al Mualims Worte ein. Aber Mesha sprach nun anders und Mesha war mir sympathischer und glaubwürdiger als Al Mualim.
Dennoch fragte ich: „Hat Altair bei anderen Frauen gelegen, während ich nicht da war?". Mesha sah verwirrt zu mir auf.
„Was redest du da? Al Mualim gab ihm eine andere Frau, doch er wollte sie nicht. Er rührte sie nicht an, sprach nicht mit ihr und als sie ihm zu viel sprach... Elessa, er hat sie schreiend durch Masyaf gejagt!"
Ich schnaubte belustigt.
„Ja, das klingt nach Altair", meinte ich und konnte mir nun ein kleines Lächeln nicht verkneifen.
„Altair liebt nur dich, Elessa. Es... es wäre sein Ende, wenn du ihn verlässt. Und du liebst ihn doch auch. Sag mir nicht, dass es nicht so ist. Ich habe es in deinen Augen gesehen, wenn er in deiner Nähe ist. Es war schon immer so. Alles andere ist eine Lüge", meinte sie leise und trennte den Verband an meiner rechten Hand auf.
Sie war schockiert, als sie meine Hand sah.
„Oh,
das sieht übel aus! Das sollte sich Malik ansehen!", meinte sie
nur und wandte sich an das kleine Mädchen.
„Hol deinen Vater,
Asra", sagte sie und die Kleine lief los.
„Das ist Maliks Tochter von seiner ersten Frau", meinte Mesha als ich Asra nachsah.
Ich nickte.
„Sie war kleiner, als ich sie das letzte Mal bei euch in den Backstuben traf," meinte ich und Mesha nickte.
Die Wunde an meiner Hand hatte sich entzündet und war heiß und geschwollen.
Die Bewegung schmerzte sehr und ich vermied es oft, die Hand mehr zu belasten, als es nötig war. Aber die Rechte war nun mal meine Schwerthand und als solche war sie heute mehr als nur überstrapaziert worden.
Malik ließ nicht lange auf sich warten.
Er kam zurück und nahm meine Hand in seine.
„Oh je, Elessa. Das ist nicht gut", murmelte er und wandte sich nun an Mesha.
„Wir müssen die Wunde spülen. Warum hast du nicht... wieso kümmerst du dich nicht um deine Verletzungen?", fragte er und sah mich vorwurfsvoll an.
Ich errötete und senkte beschämt meinen Kopf.
„Nun hast du den Salat. Wir müssen den Eiter ablassen. Beklag dich nicht, wenn es schmerzt. Daran bist du nun selbst schuld. Du hättest bei uns in Jerusalem bleiben sollen!"
„Und wer wäre dann mit einer Armee nach Masyaf gekommen? Wenn nicht ich?", zischte ich und signalisierte deutlich, dass ich Maliks Rüge unangebracht fand.
Dass dies gar nicht geplant gewesen war, musste er ja nicht wissen.
„In der Hinsicht hast du Recht, verzeih."
Ich musste meine Hand in das Wasser tauchen und Malik reinigte diese vorsichtig.
Es schmerzte höllisch und ich konnte kaum einen Laut unterdrücken.
Das Wasser färbte sich in eine rote Brühe und das junge Mädchen starrte mich weiterhin an.
„Das tut doch weh, wieso schreit sie denn nicht? Mama schreit immer, wenn sie sich weh tut!", rief die Kleine plötzlich und Malik lächelte sanft.
„Elessa ist ein ganzer Kerl von einer Frau. Und Kerle schreien nun mal nicht," meinte er und lächelte mir zu.
„Elessa ist Soldat und Soldaten müssen tapfer sein," meinte Mesha zu der Kleinen, die nun verwirrter zu sein schien, als zuvor.
„Das verstehe ich nicht," meinte sie nur und Malik und Mesha lachten beide.
„Es ist spät, Asra. Geh schlafen," meinte Malik nur und das Mädchen nickte und gab ihn einen Kuss auf die Wange.
„Gute Nacht, Papa," meinte sie nur und lief zum Eingang. Dort drehte sie sich noch einmal um.
„Gute Nacht, tapferer Soldat! Mein Papa ist auch sehr tapfer!"
Ich nickte und lächelte.
„Schlaf gut, Asra. Dein Vater wird dich beschützen," murmelte ich und das Kind eilte in den Flur davon.
Malik reinigte mehrmals meine Wunde und spülte sie mit einer rötlichen Tinktur. Der Geruch war noch widerwärtiger, als der des Kräutersudes, und ich sparte mir die Frage, woher dieses Zeug stammte.
Er verband meine Hand und strich mir sanft über den Arm.
„Ist es auszuhalten, Elessa?", fragte er leise und ich nickte.
„Mach dir nicht so viel Sorgen um mich, Malik!", flüsterte ich und er lächelte.
„Du weißt genau, dass ich mir immer Sorgen um dich mache."
Ich nickte und seufzte.
„Ich weiß. Danke."
Ich rieb mir über den Nacken und sah den Araber an.
„Wo ist Altair?", fragte ich und Malik sah zu mir auf.
„War
er denn nicht bei dir?", fragte er zurück und ich schüttelte den
Kopf.
„Nein, er ging recht früh weg. Ich dachte er wäre
verletzt und auf dem Weg zu dir," meinte ich und Malik schüttelte
verwirrt den Kopf.
„Ich habe keine Ahnung wo er ist," sagte er und ich schnaufte.
„Na wunderbar. Fängt das schon wieder an."
„Er ist in seinem Zimmer im Westflügel. Ich glaube er wollte schlafen", meinte Mesha und erklärte mir auch gleich, wie ich dort hinkommen könnte.
„Geh nur zu ihm, ich lasse dir das Kettenhemd später bringen. Etwas Schlaf täte dir auch gut, Elessa," meinte Malik nur leise und ich griff meinen Waffenrock und mein Schwert und ging den mir beschriebenen Weg.
„Eins... zwei... drei... vierte," murmelte ich leise, als ich an den Türen vorbeiging.
Diese hier musste es sein.
Es war die vorletzte am Ende des Ganges und ich beschloss einfach, die Tür zu öffnen und meinen Kopf hineinzustecken.
Meine Suche war erfolgreich.
Altair lag auf einem Lager und schlief.
Ich erkannte ihn kaum in dem wenigen Licht, was die kleine Öllampe auf dem Tisch spendete, aber instinktiv wusste ich, dass es Altair war.
Ich trat in den Raum und legte meine Sachen auf den Boden neben seiner Ausrüstung ab.
Er wurde von den Geräuschen wach, wobei er sich erschrocken umdrehte.
Doch er atmete erleichtert auf, als er mich erblickte.
„Als Assassine würdest du nichts taugen", murmelte er und setzte sich auf, „dafür bist du viel zu laut."
Ich lachte leise und trat zu ihm.
„Ich hab nichts gegen einen guten Zweikampf. Mir würde bald langweilig werden," meinte ich tollkühn und strich ihm mit meinen Fingern über die Wange.
„Ist alles in Ordnung mit dir? Bist du nicht verletzt?", fragte ich nachdem Altair seinen Kopf an meinen Bauch lehnte und sich von mir umarmen ließ.
„Nein, ich bin nicht verletzt. Dank dir," meinte er und ich runzelte die Stirn.
„Wovon redest du? Hättest du mir unten im Dorf nicht geholfen, läge ich tot im..."
Ich
kam nicht dazu, die Worte auszusprechen.
Altair hatte mir die
Hand auf den Mund gelegt und schüttelte nur den Kopf.
„Sag es einfach nicht, Elessa. Wegen mir bist du in so große Gefahr geraten. Ohne dich wäre Masyaf verloren gewesen," meinte er leise, stand auf und umarmte mich.
Ich
zuckte vor Schmerz zusammen und stieß ihn ungewollt fester zurück,
als ich es eigentlich wollte.
„Verzeih!", beeilte ich mich
sogleich zu erklären, „Aber mir tut alles weh. Ich hab keine
Stelle an meinem Körper, die nicht schmerzt. Vergib mir bitte meinen
rüden Stoß."
Altair
nickte und beugte sich nun zu mir und legte mir sanft seine Lippen
auf meine.
Sein Kuss war nur ein Hauch. Zart
und liebevoll,
vorsichtig und sorgsam.
„Du solltest dich abwaschen", murmelte er nach einiger Zeit gegen meine Lippen und ich lächelte beschämt.
„Entschuldige, aber dazu kam ich wirklich noch nicht," meinte ich leise und er lächelte sanft.
„Ich weiß. Komm mit, ich helfe dir. Das wird deinem geschundenen Körper gut tun," erwiderte er und gab mir noch einen Kuss ehe er mich sanft zur Tür heraus schob.
Ende Kapitel 14
