Der abgetrennte Zopf

Kapitel 15 „Flucht nach vorn!"

In Akkon empfand ich das Baden immer als Zumutung.

Ein Holzzuber mit kühlem Wasser war ja eigentlich etwas nettes, aber ganz anders sah es aus, wenn dort schon zig Männer darin gebadet hatten.

Nun ja, und den Dreck mit einer Wurzelbürste abschrubben zu müssen, war auch nicht sonderlich angenehm.

Die Seife war entweder immer verbraucht oder lag im Wasser herum und wenn man sie herausfischte, verlief sie in den Händen.

Soviel zum Baden in Akkon.

In Masyaf gab es ebenfalls Holzzuber.
Auch diese waren mit Wasser gefüllt. Aber Altair meinte, dass die Frauen täglich das Wasser frisch machten und die meisten so oder so im Fluss baden gingen.

Das Wasser war angenehm und statt Wurzelbürsten gab es hier nur Lappen.

War mir recht.

„Schrubb nicht so, dass tut mir weh!", meinte ich nachdem Altair mir fast die Haut von den Knochen schob.

„Entschuldige bitte, dass hab ich noch nie gemacht!", erwiderte dieser und schnaufte belustigt.

„Eigentlich müsste es ja auch umgekehrt sein. Du badest und ich wasche dir den Rücken," meinte ich und kicherte vergnügt als er meinen Arm hob und mich darunter abschrubbte.

„Was ist das für Zeug, was an deinem Körper klebt? Ich krieg das kaum ab!", knurrte er und ich strampelte nun vor Lachen mit den Füßen im Wasser.

„Man nennt das Haut, Altair!", meinte ich und der Assassinen drückte mir den Lappen ins Gesicht.

„Spar dir deine Weisheiten," meinte er und ich lachte erneut „du bist voller Öl!"

„Das ist noch der Rest aus Akkon! Nachdem ich vom Dach gefallen war!", meinte ich und Altair lächelte nun.
„Ach, es war Öl? Ich wunderte mich schon, wo du gelandet bist, so glitschig und übelriechend wie du warst."

„Ich hab fast die ganze Nacht gebadet! Aus den Haaren hab ich es gar nicht rausbekommen!", meinte ich vorwurfsvoll und gluckste erneut vergnügt, als Altair den Lappen frustriert auf den Rand des Zubers klatschte.

„So saut sich nicht mal ein Mann ein," meinte er und ich kicherte.

„Ja, meinte Fürst Wilhelm auch," sagte ich und lehnte mich an Altairs nackten Arm.

Er hatte seine Robe ausgezogen und die Ärmel seines Hemdes hochgekrempelt, damit diese nicht nass wurden.

Doch Altair schüttelte mich ab und stand auf.

„He,"beschwerte ich mich über seine Abwesenheit, doch er zog sich lediglich den Rest seiner Kleidung aus und setzte sich zu mir in den Zuber.

„Der ist doch viel zu klein für uns," meinte ich und Altair lächelte.
„Das haben wir gleich! Komm her!"

Er beugte sich vor zu mir und umgriff meine Körpermitte ehe er mich einfach zu sich auf den Schoß zog.

Wir saßen nun in der Mitte des Zubers und durch meine Bewegung schwappte gut und gern ein Viertel des Wassers auf den Boden

„Endlich können wir einander nahe sein," flüsterte der Mann und legte sanft seine Lippen auf meinen Hals und küsste die empfindliche Haut meiner Kehle.

Ich spürte, wie ich unwillkürlich errötete und mir warm in der Körpermitte wurde.

Wohlig stöhnte ich leise auf als Altairs Hände über meinen Rücken hinab zu meinem Gesäß glitten.

Eine Hand verharrte dort während die andere um meinen Körper herum fuhr und sanft und vorsichtig über meinen Bauch zur Brust glitt.

Seine Lippen verharrten noch immer an meinem Hals. Er wechselte zwischen sanften Küssen und Bissen und ließ hin und wieder seine weiche, feuchte Zunge über die empfindliche Haut fahren.

Ich zuckte heftig als ich seinen rauen Daumen über meine Brustwarze streichen fühlte und stöhnte nun gepresst auf.

„Was machst du mit mir?", stöhnte ich und zuckte erneut als Altairs Hand meinen Po besitzergreifend drückte.

„Soll ich aufhören?", fragte er und ich knurrte und schüttelte den Kopf.

„Dann kannst du was erleben," murmelte ich und legte meinen Kopf schief und empfing seine stürmischen und harten Lippen.

Seine kurzen Barthaare kratzten auf meiner Oberlippe und seine Zunge war wild und ließ sich nicht darum bitten, meine Lippen zu teilen und in meinen Mund einzudringen, wo sie einen schnellen und ausdauernden Tanz – oder war es eher ein Kampf? – mit meiner eigenen Zunge begann.

Altair lehnte sich gegen den Rand des Zubers und zog mich dabei noch ein Stück höher zu sich.

Seine Lippen verließen meine nicht, erst als ich mich gewaltsam von ihm löste und nach Atem rang, ließ er seinen kräftigen Griff und mein Gesäß locker werden.

Nun fuhr er mit beiden Händen über meinen Oberkörper und schloss dabei genießerisch die Augen.

Neugierig betrachtete ich sein Gesichtsausdruck in dem flackernden Licht der Pechfackeln, die an der steinernen Wand hingen.

Seine Züge waren angespannt und ich sah, wie er die Zähne wohl aufeinanderbiss. Seine Kiefermuskulatur trat ein wenig hervor und ich wusste, dass dies nicht der Fall war, wenn er weniger angespannt war.

„Bist du fertig mit starren?", fragte er plötzlich und ich schnaufte belustigt über die Tatsache, dass er ohne hinzusehen scheinbar genau wusste, was ich tat.
„Na, ich könnte dich den ganzen Tag ansehen", raunte ich und küsste ihn sanft auf seinen männlichen und dennoch sinnlichen Mund.

Doch Altair gab sich mit einem einfachen Kuss nicht zufrieden.

Er setzte sich mit einem Ruck wieder auf und zog mich nun fester an sich ehe er mir in den Hals biss.

Ich schrie erschrocken auf und hielt mir selbst die Hand vor dem Mund.

Es musste ja nicht gleich jeder wissen, was wir hier taten.

Altairs Hand fuhr durch meine struppigen Haarsträhnen und zog mich daran zu sich herunter.

„Du bist immer noch viel zu schüchtern. Vielleicht hättest du mit Alicia ein wenig üben können. Gelegenheit hättest du ja dazu gehabt," flüsterte er mir in mein Ohr und ich errötete sofort heftig.

„Das... das war... Altair!", rief ich empört und der Assassine lachte laut auf.

Ich wusste, dass er sich in dieser Hinsicht immer sehr überlegen fühlte.
Er wusste genau, wie er mit Frauen umzugehen hatte, wenn er wollte, dass sie ihm willig und schmachtend zu Füßen liegen sollten.

Doch ich wusste das mittlerweile auch. Obgleich ich eigentlich gerne auf dieses Wissen verzichtet hätte, aber die unzähligen Bordellbesuche mit meinen Waffenbrüdern prägten mich natürlich, obgleich ich ja kaum in der Lage war, etwas zu tun.

Aber dadurch hatte ich auch genügend Zeit zum Beobachten und es war interessant zu sehen, wie Männer sich plötzlich veränderten, wenn es darum ging, sich in einer Frau zu versenken und alles aus sich herauszuholen, damit es hieß, was man doch für ein … wie sagten sie? Hecht? Platzhirsch? Keiler? war.

Ich lächelte Altair süffisant an, als er sich bereits zu meiner Brust hinunter beugen wollte.

„Alicias Lippen waren so weich, Altair," raunte ich und er hob den Kopf und sah mich überrascht an.

„Doch es waren nicht nur ihre Lippen, die mich erbeben ließen. Es waren ihre Worte, ihre wunderbare Sprache. Wie sie immer und immer wieder meinen Namen stöhnte, als ich über ihr lag und ihr schönes Dekolletee bis zur Ekstase massierte. Adrion... oh Adrion!".

Dieser Gesichtsausdruck war mir die schönste Belohnung für all die Quälerei mit ihm. Er entschädigte alles.

Altair waren sämtliche Gesichtszüge entgleist und er war bleich wie Kalk geworden.

„Das hast du nicht gemacht!", sagte er und ließ mich los.

Ich ließ ihn auf meine Antwort warten. Lächelte nur weiterhin und beobachtete ihn dabei wie er sich in quälender Unwissenheit wand.

„Nein. Habe ich nicht," sagte ich schließlich und grinste, „aber Fürst Wilhelm hat. Natürlich hat sie dabei nicht meinen Namen gerufen..."

Ich beobachtete, wie die Farbe in sein Gesicht zurückkehrte und er nun seine Lippen wütend aufeinander presste.
„Ihr seid Bestien! Und du Biest spielst mit mir!", grollte er, packte mich und drückte mich kurz mit den Kopf unter Wasser.

Ich war so überrascht, dass ich nicht mal Zeit hatte, Luft zu holen. Aber Altair ließ mich sofort wieder los und lachte über meinen nun reichlich durchnässten Anblick.

„Wer spielt hier mit wem, Altair? Du weißt doch ganz genau was du willst!", erwiderte ich lachend und Altair zog mich wieder zurück auf seinen Schoß und küsste mir sanft die Stirn.
„Nur dich, niemand anderen," raunte er und ich lachte leise.

„Für einen Augenblick hatte ich gedacht, dass du wenigstens auch mal Alicia küssen wolltest," neckte ich ihn und Altair schüttelte den Kopf.
„Zu dem Zeitpunkt hatte ich nur Augen für dich und ich war eifersüchtig auf Alicia, dass sie dich so ungeniert küssen konnte und ich dich nicht mal anfassen durfte," meinte er und ich lehnte mich an seine breite Brust.

„Eifersüchtig? Du? Das klingt gut!", murmelte ich und ließ mich erneut von ihm küssen.

Mit seinem Kuss signalisierte er nun, dass er nach seiner Ansicht genug geredet hatte.

Er ließ sich auf keine Konversation mehr ein, ließ sich nicht mehr herausfordern oder necken sondern bereitete unmissverständlich den nächsten Schritt dieses Aktes vor.

Diesen nächsten Schritt spürte ich an meinen Bauch hart werden und gebieterisch dagegen drücken.

Altairs Küsse wurden wilder, unkontrollierter und immer wieder fügte er mir kleine Bisse an meinem Hals- und Schulterbereich zu.

Er packte mit beiden Händen mein Gesäß und zog mich nun über seine harte, pulsierende Männlichkeit.

Instinktiv fand er sofort den Weg zu meinen Scheideneingang und ich spürte, wie er sich nun besitzergreifend dagegen drückte.

Er umfasste mein Becken und schob mich nun auf seinen Schoß zurück, wobei er stoßend und stöhnend in mich eindrang.

Mein Körper betrog meinen Willen.

Ohne es vermeiden zu können, schrie ich spitz auf als mich das immer noch fremde Gefühl der Erregung erfasste wie die plötzlich zuschnappenden Kiefer eines wilden Tieres.

„Altair...", keuchte ich erstickt als er mit seinen starken Armen meinen Oberkörper umfasste und mich in seinen sanften und stetigen Rhythmus mitzog.

Immer wieder stieß er in mich und ließ mich vor Lust schier verrückt werden.

Mein geschwächter Körper erlaubte es mir kaum, doch ich stemmte mich immer wieder gegen ihn, wollte seinen Griff lösen, um diesem unerträglichen Gefühl der Ekstase zu entrinnen.

Meine Atmung war nur ein flaches Keuchen und immer wieder stöhnte ich gegen meinen Willen auf.

In seinen Armen zerfloss ich wie heißes Wachs, nichts konnte ich ihm mehr entgegensetzen.

Und Altair war sich dessen bewusst und erfreute sich über die Macht, die er nun über mich hatte.

Er hielt mich fest in seinen Armen und stieß immer wieder unbarmherzig in mich. Er sah was er in mir auslöste, sah, wie sehr mich diese Erregung quälte und wie wenig ich dazu in der Lage war, sie zu steuern.

Er überließ mir keine Kontrolle über mich selbst, sondern führte mich in diesem ekstatischen Akt über den Weg, den er mir gedachte.

„Schau mich an, Elessa," murmelte er, als ich meinen Kopf in den Nacken legte und die Augen schloss.

Ich gehorchte ihm sofort und seine grauen, von Lust verdunkelten Augen bannten meinen Blick fest.

Er atmete sanft gegen meinen Mund und stöhnte dabei immer wieder leise.

Ich schrie erneut auf, als ich seine rauen Finger an meiner nun sehr empfindlichen Brust spürte.

„Was machst... du mit mir?", keuchte ich als Altair seinen Rhythmus beschleunigte und nun tiefer und härter in mich drang.

„Gefällt es dir?", raunte er in mein Ohr und ich war nicht fähig, überhaupt noch etwas zu sagen.
Anstelle von einer Antwort beschloss ich ihn zu küssen und Altair war mehr als nur glücklich über diese bestätigende Geste.

Unser Akt beförderte noch den Rest des Wassers auf den Boden dieser Kammer und ich war mir sicher, dass die Weiber, die am nächsten Tag hier aufräumen mussten, wahrscheinlich genau wussten, was hier geschehen war.

Das Liebesspiel ließ in Altair eine bestialische Wildheit freiwerden.

Ich war in seinen Armen nur die Beute, die ihm auf Gedeih und Verderb ausgeliefert war.

Das wusste er und er hielt mich so heftig umfangen, wie es eine Raubkatze nur mit ihren Krallen vermochte.

Sein Körper presste sich immer wieder hart und fast schon ein wenig brutal gegen mich. Er wäre jetzt kaum fähig, das abzubrechen, was er begonnen hatte.

Mittlerweile stieß er wild und unkontrolliert in mich und begleitete mich so bis zum Rand unserer gemeinsamen Ekstase.

Er krallte sich in meine Seiten und seine kräftigen Finger hinterließen rote Flecken und lange Striemen.

Auf Grund des nun heftigen Schmerzes stöhnte ich laut auf und er umfing meine Taille erneut und presste mich in seinen Schoß.

Ein Ruck durchfuhr mich und ich spürte, wie mein Unterleib in heftiger Erregung krampfte und zuckte.

Als Altair dies verspürte, stöhnte er laut und heftig auf und presste sich gegen mich.

Ich spürte, wie er sich heiß und tief in mir ergoss und er nun gegen meinen Oberkörper erschöpft zusammensackte.

Wärme suchend und zitternd umklammerte er mich. Mir hingegen war so warm, als hätte ich in der prallen Mittagssonne gelegen.

Altairs Kopf ruhte an meiner Schulter und er schmiegte sich immer wieder gegen meine Wange und küsste sie sanft.

Es dauerte eine Weile, ehe wir uns genug erholt hatten, um unsere Kleidung anzuziehen und durch die dunklen Gänge zurück in sein Zimmer schlichen.

Ich war betört und verwirrt zugleich.
Die Anspannung der Schlacht war von mir abgefallen wie eine alte, viel zu schwere Last.

Altair und ich lagen auf dem viel zu kleinen Lager. Er hatte seinen Arm um meine Schultern gelegt und malte mit dem Zeigefinger der anderen Hand kleine Kreise auf die nackte Haut meines Bauches.

Es waren Worte voller Liebe, voller Zuversicht, die er mir leise in mein Ohr flüsterte.

Sein Atem kitzelte mich und ließ mich sanft lächeln.
Die Welt wurde für mich schlagartig besser, so gut, dass ich fast vergessen hatte, wer ich war und was ich tat.

Doch die brutale Wahrheit sollte nur allzu bald auf mich einschlagen.

Etwas später, Altair schlief schon tief und fest, beschloss ich, wieder zurück in den Hof zu gehen, bevor meine Abwesenheit Fragen aufwerfen konnte.

Malik hatte zuvor mein Kettenhemd gebracht. Er war leise in das Zimmer geschlichen, um uns nicht aufzuwecken, doch ich hatte nur einen sehr leichten Schlaf in dieser mondlosen Nacht und war sofort hellwach.

Nachdem Malik gegangen war, stand ich auf und zog mir meine restliche Kleidung über, ehe ich nach einem letzten Blick auf den friedlich schlafenden Altair durch die dunklen Gänge der Festung schlich.

Doch meine kleine Reise nahm ein abruptes Ende.

Ich bog gerade zur Treppe ab, als ich plötzlich aus dem Dunklen heraus von zwei Männern aufgegriffen wurde.
Jeder von ihnen packte einen meiner Arme und gemeinsam stießen sie mich heftig gegen die raue Sandsteinwand.

Im spärlichen Licht konnte ich erkennen, dass es sich bei den beiden Männern um Assassinen handelte

Ihre Gesichter waren vermummt und sie überragten mich ein ganzes Stück weit an Körpergröße und -masse.

„Was soll das?", fragte ich und eine Hand landete an meiner Kehle und drückte zu.

Mir blieben die Worte sprichwörtlich im Hals stecken und ich keuchte erstickt auf.

Ein Mann im langen, weißen Mantel trat vor mir. Ich erkannte ihn. Als ich damals vor Al Mualim stand war er ebenfalls anwesend gewesen und hatte zwischen den Bücherregalen gestanden.

Welche Position er innehatte, wusste ich nicht, ich wusste nur, dass es mehrere Männer mit solchen Mänteln gab. Allesamt waren sie schon recht betagt gewesen.

Dieser hier vor mir hatte dunkelgraues, krauses Haar und ein faltiges Gesicht, welches von einem entbehrungsreichen Leben sprach.

Seine Augen wirkten auf mich wie dunkle, kleine Löcher und jagten mir einen Schauer über den Rücken.

Dennoch ließ ich mich nicht einschüchtern.

Ich hob meinen Kopf und blickte dem Ältesten tief in die Augen.
Ein absolutes Tabu!

Ein Frevel, wie ihn keine Frau je in seiner Gegenwart gewagt hatte.
Ich sah, wie er das Gesicht zu einer wütenden Grimasse verzog. Seine Augen zeigten mir Verachtung und Ekel.

„Du widerliches Weib!", zischte er leise, „eine anständige Frau wäre eher gestorben als sich so zu profilieren! Egal was du tust, du wirst hier in Masyaf keinen Fuß mehr fassen können! Für uns alle wäre es besser, wenn du gehst! Geh mit diesen Barbaren zurück, wo du hergekommen bist, du Hure! Oder es wird dir Leid tun!"

Ich wollte gerade etwas erwidern, als er ein gebogenes Messer zog und es mir unter das Kinn hielt.

„Verschwinde von hier… oder wir werden Altair dafür büßen lassen! Du bist hier nicht erwünscht, du elender Straßenköter!"

Einer der Assassinen verpasste mir einen heftigen Schlag auf meinen rechten Rippenbogen. Ich spürte, wie es in meinem Brustkorb krachte und ich schmeckte den untrüglichen Geschmack von Blut auf der Zunge.

Der Alte spie mir noch ins Gesicht und lief davon, woraufhin die beiden Assassinen mich losließen und ich hustend zu Boden sank.

Ich war vor Schock gelähmt. Gelähmt durch körperlichen und seelischen Schmerz, den ich sowohl durch den Schlag als auch seine Worte erfahren hatte. Ich wusste, dass er die Wahrheit sagte. Ich gehörte nicht zu ihnen, niemals würde ich ein Teil von ihnen sein.

Meshas Worte waren vergessen, aber die von Al Mualim erneut mehr als präsent.

Ja, mag sein, dass ich der Anstoß für deine so zweifelhafte Veränderung war. Jede halbwegs vernünftige Frau wäre tot. Aber du bist einfach nur einfältig und zerrissen. Du wusstest doch nie, wo du hingehörst. Und heute weißt du vor lauter Masken nicht einmal mehr, wer du bist!"

Mühsam und unter qualvollen Schmerzen kam ich wieder auf die Beine und torkelte das letzte Stück in den Hof. Angewidert wischte ich mir dabei den Speichel aus meinem Gesicht.

Meine Brüder schliefen noch friedlich... die Sonne war immer noch nicht aufgegangen.

Mein Herz raste, meine Atmung überschlug sich und blind vor Panik rannte ich weiter und stieß im dunklen Zwielicht mit jemandem zusammen und fiel zu Boden.
Es war Fürst Karzheim.

Er kniete zu mir herunter und umfasste meine Schultern.
„Adrian, ruhig! Ganz ruhig! Atme langsamer, du kippst gleich um!", hörte ich ihn noch sagen, ehe seine Vorhersage eintraf und es um mich herum schwarz wurde.

Ich bin ein... Verräter... ein Lügner... ein Mörder... eine Bestie!
Zerrissen von meinen eigenen Gefühlen, zerfleischt von meinen Zweifeln, verblasst als ob der Regen der Vergangenheit alle Farbe von meinem Leben gewaschen hätte.

Warum war ich zurückgekehrt? Warum... warum war ich Altair begegnet? Warum war ich ihm gefolgt? Warum lebte ich immer noch? Warum lebte ich nach diesen ganzen Kämpfen immer noch?

Das Schicksal trachtete seit Jahren nach meinen Leben, doch der Tod wollte mich nicht.

Ich glaubte, dass sie ein grausames Spiel mit mir trieben. Mich wie eine Schachfigur einander zuschoben...

Wegen mir war Altair in Gefahr! Ich brachte Schande über ihn, wie es Al Mualim gesagt hatte.

Findest du es nicht ein wenig respektlos deinen Wohltäter so in Verruf zu bringen?"

Ich sah geschockt über seine Worte auf.
„Das wollte ich nicht. Ich wollte ihm nur nicht zu Last fallen!"

Du hast das ganze Dorf zum Narren gehalten! Ich kann nicht zulassen, dass dies ungeahndet bleibt. Sonst würde hier alles in Anarchie verfallen!"

„Wach auf!", vernahm ich eine gebieterische Stimme und wurde erneut kräftig geschüttelt.

Meine Hände ergriffen die Hände, die sich um meine Schultern gelegt hatten.
Mein Griff war hart und krampfartig.
„Es genügt", flüsterte ich und öffnete die Augen.

Karzheim runzelte die Stirn und ließ von mir ab.
„Was ist passiert? Was hast du gesehen?", fragte er leise, doch statt zu antworten fragte ich: „Wann reiten wir los?"

Karzheim ließ die Soldaten beim ersten Tageslicht vor Masyafs Toren aufmarschieren. In kürzester Zeit fanden sich die Ritter dort ein. Die Verletzten wurden auf die Pferde gehoben und wir waren bald zum Aufbruch bereit.
Die beiden Assassinen und der Alte fanden sich dort ein und beobachteten uns dabei, wie wir die Truppen aufteilten und organisierten.

Ein zufriedenes Lächeln lag auf seinen Lippen.

Altair war weit und breit nicht zu sehen. Wahrscheinlich schlief er noch und ahnte nicht, was sich hier gerade abspielte.

„Warum möchtest du plötzlich mitreiten, Adrian? Ich dachte du hättest hier eine Familie?", fragte Karzheim, der auf seinem Schimmel reitend neben mir stand.
„Wenn ich hier bleibe, sind ich und der Mensch, der mir am Wichtigsten ist, des Todes! Ich kann nicht mehr zurück", flüsterte ich leise, doch der Fürst vernahm meine Worte und nickte mit kritischem Blick.

„Ziemlich undankbar, wenn du mich fragst! Ich hätte nicht wenig Lust, ihnen dafür ihre dürren Hälse durchzuschneiden. Aber nun gut, ich wollte dich so oder so nur ungern in Obhut dieser Heiden lassen. Bei uns bist du besser aufgehoben, aber das weißt du ja jetzt!", meinte er und sah mit hochnäsiger Geste zu dem Alten der daraufhin wütend das Gesicht verzog.

Ich spürte, wie eine warme Hand sich auf mein Knie legte und zuckte erschrocken zusammen.
Ich erwartete Altair zu erblicken, doch es war Mesha.

„Was tust du?", flüsterte sie und in ihren Augen sah ich Unglauben und Verwirrung.
„Ich hab keine andere Wahl! Verschwinde!", zischte ich wütend und stieß sie zurück.

„Was ist passiert?", beharrte die Frau jedoch und trat wieder näher.

„Nichts! Hau endlich ab!", brüllte ich nun und Mesha zuckte erschrocken zurück.

Sie schüttelte immer noch verwirrt den Kopf und eilte dann in das Dorf zurück.

„Wer war das?", fragte Fürst Wilhelm und ich zuckte mit den Schultern.
„Maliks Weib... ein einfältiges, dummes Ding", grollte ich und ließ Yel sich umdrehen, um nun weder den Alten noch Mesha sehen zu müssen.

Ich schwitzte obgleich es noch recht frisch war und die Schatten des Morgens lang.

Das Atmen fiel mir schwer und immer wieder pochte der heftige Schmerz in meinen Rippen auf.

Karzheim schüttelte den Kopf.

„Was für eine Zeitverschwendung, Adrian. Wir könnten heute schon in Akkon sein... elende Heiden", grollte er und begutachtete nun die Aufstellung.

Der Fürst hob die rechte Hand und gab das Zeichen zum Aufbruch.

Langsam setzten wir uns in Bewegung und folgten nun den Pfad aus dem Dorf heraus.

POV:
Mesha rannte so schnell sie konnte in die Festung zurück.

Sie war diesen Weg schon einmal auf diese Art gegangen... schon einmal hatte sie Altair so eilig aufgesucht.

Immer noch klangen Elessas Schreie in ihren Ohren, als sei die Erinnerung nur wenige Stunden anstatt Jahre alt.
Was war geschehen? Elessa hatte doch gesagt, sie würde bleiben? Warum hatte sie ihre Meinung geändert?

Mesha hatte Elessa nicht wiedererkannt.
Sie hatte auf ihrem Rappen gesessen und wirkte plötzlich unnahbar, ganz anders als am Abend zuvor.

„Altair!", rief sie bereits als die den Flügel mit den Schlafräumen der Assassinen erreichte.

Doch sie wurde abrupt von einem Arm aufgehalten.

„Malik!", keuchte sie überrascht, doch der Araber legte ihr die Hand auf den Mund.
„Sei still!", knurrte er leise.
Ein Schatten huschte über sein Gesicht.
„Sie haben ihn eingesperrt! Es ist alles von ihnen geplant", flüsterte er und Mesha zog scharf die Luft ein.

„Was?", fragte sie leise und Malik nickte.

„Sie haben sie als einen Verräter hingestellt! Sie ist nun ein Christ und noch dazu ein Soldat der Abendländer! Schlimmer kann ihr Vergehen nicht sein. Da kann sie Masyaf noch so oft vor den Templern retten!", murmelte er leise.
„Wir können froh sein, dass sie sie nicht entlarvt haben! Wahrscheinlich fürchten selbst die Alten den Assassinen-Mörder! Oder Altair!"

Mesha begriff nun, dass hier unmittelbar nach der Schlacht, nach Al Mualims Tod, eine Verschwörung gegen die Befreier stattgefunden hatte.

Die Alten hatten das allgemeine Durcheinander genutzt, um Altair und Elessa loszuwerden.

„Wir müssen ihnen helfen, Malik! Wir können Altair und Elessa nicht einfach... nicht einfach ihrem Schicksal überlassen", flüsterte sie leise und Malik nickte.
„Ich weiß, aber für Elessa ist es vorerst sicherer, wenn sie mit den Franken nach Akkon reist. Keiner wird es wagen, sie inmitten dieser Hochburg anzugreifen. Es ist nicht Elessa, um die ich mir Sorgen mache. Es ist Altair. Er weiß zu viel und ich fürchte fast, dass er dem Gremium ein Dorn im Auge ist", sagte er leise und Mesha verstand sofort, worauf ihr Ehemann hinaus wollte.

Wir müssen etwas tun!"

Elessas POV:

„He Adrian... geht es? Du bist ganz blass!"

Wir waren bereits seit den Morgenstunden unterwegs.
Der Schmerz in meiner Hand war kaum auszuhalten und meine Lunge brannte bei jedem Atemzug.

Ich versuchte mich auf den Weg zu konzentrieren, suchte Gespräche zur Ablenkung, doch es half alles nichts.
Unendlich dankbar war ich, als wir am späten Nachmittag eine Pause einlegten.

Müde und unter Schmerzen legte ich mich in das kniehohe Gras direkt unter Yel.

Markus trat zu mir, strich mir die Haarsträhnen aus der verschwitzten Stirn und musterte mich besorgt.

„Lass mich nach deinen Verletzungen sehen", murmelte er leise doch ich schüttelte den Kopf und wehrte seine Hand ab, als er nach meinem Waffenrock griff.
„Hab doch Vertrauen, Bruder."

Die Verzweiflung in seiner Stimme ließ mich zusammenzucken.

„Es ist meine Hand! Meine Hand schmerzt, Markus!", keuchte ich und streckte ihm meine verbundene rechte Hand hin.
Sie pochte und fühlte sich heiß und geschwollen an.

Der Franke zog sein Messer und schnitt den mit Wundwasser durchtränkten Verband auf.

„Oh, verdammt, dass sieht wirklich schlimm aus!", sprach er und zog nun sein Schwert.

Er presste die breite Klinge auf die Wunde und ich spürte den angenehmen, kühlen Stahl auf meiner heißen Haut.
„Danke", flüsterte ich leise und nahm mit der anderen Hand den Trinkschlauch entgegen.

„Was ist mit ihm?", fragte nun auch Fürst Wilhelm und trat zu uns.
„Er ist krank. Die Wunde an seiner Hand sieht wirklich übel aus, seht selbst, Herr", sprach Markus und hielt meine Hand hoch.

Karzheim kniete nun ebenfalls zu mir und nahm die Wunde in Augenschein.
„Oh nein", murmelte er und blickte mir direkt ins Gesicht.
„Wir hätten in Masyaf verweilen sollen, du warst längst nicht reisefähig, Adrian!", murmelte er und ich versuchte zu lächeln.
„Unsinn, ich bin in Ordnung", meinte ich und sah in den Gesichtern meiner Waffenbrüder, dass mir keiner glaubte.

Fürst Karzheim legte mir seine Hand auf die Stirn und schüttelte den Kopf.
„Verdammt, du hast Fieber!", rief er auf und verzog wütend das Gesicht.

„Bringt eine Decke!"

Trotz der brütenden Mittagshitze wickelte man mich in eine Decke.

Wie sich herausstellte, keine Minute zu spät.

Denn das Gefühl unglaublicher Kälte ergriff mich und das unkontrollierte Zittern meiner Muskeln ließ mich im Fieber krampfen.

Ich konnte auf Yel kaum selbst sitzen und so kam es nun, dass Fürst Karzheim mich auf seinem Pferd mitnahm.

Er hatte mich vor sich in den Sattel gesetzt und hielt mich mit einer Hand um meiner Hüfte fest.

Jede Stelle meines Körpers schmerzte und brannte.

Mein Mund war trocken und rissig, obgleich ich in recht kurzen Abständen Wasser eingeflößt bekam.

Ich fühlte mich so müde und kraftlos wie noch nie und doch schaffte ich es nicht, in den erholsamen Schlaf zu gleiten.

„Halt aus, Adrian. Bald machen wir eine Rast", hörte ich den Fürsten murmeln und konnte nur ein leises Knurren von mir geben.

Es war Manfred, der mich später vom Pferd zog und in die Nähe des wärmenden Feuers legte.

Markus verbrachte die ganze Nacht neben mir und wechselte in kurzen Abständen das feuchte Tuch auf meiner Stirn.

Doch das Fieber wurde schlimmer und bald war ich in einem heftigen Delirium gefangen. Immer wieder glaubte ich, weiße Schemen zu sehen, die sich zwischen den schlafenden Brüdern im Lager bewegten.

Ich wusste, dass dort draußen nichts war, was die Soldaten nicht schon vorher entdeckt hätten, aber die fürchterlichen Alpträume ließen mich oft schreiend erwachen und laut im Schlaf stöhnen.

Im Traum sah ich Altair.
Er stand mit dem Rücken zu mir.

Ein grelles, weißes Licht brannte plötzlich auf und ließ den Bereich um ihn herum dahinschwinden bis nur noch Silhouetten zu erkennen waren.

Ich rief seinen Namen und rannte los. Doch je schneller ich rannte, desto weiter entfernte er sich von mir.

Ich konnte ihn nicht erreichen.

Dann war da Al Mualim und der Mann im weißen Mantel, sie zogen ihre Waffen und eilten nun ebenfalls hinter Altair her... und waren schneller als ich.

Während ich zurückblieb kamen sie meinem Geliebten immer näher... und ich hörte, wie er meinen Namen rief.

„Elessa!"

Und dann wurde ein anderer Name gerufen.

Adrian..."

„Ständig rufst du seinen Namen", murmelte Fürst Karzheim mir leise zu, doch ich nahm seine Worte kaum wahr.

Schwer stützte ich mich gegen den Fürsten und hätte der Mann mich nicht festhalten, wäre ich von dem langsam gehenden Pferd gefallen.

Immer und immer wieder schlief ich gegen seine Brust lehnend ein oder wurde von heftigen Fieberkrämpfen geschüttelt.

Doch das Fieber klang am folgenden Tage ab und ich wurde nun wieder wacher und fühlte mich etwas besser.

„Ich kann alleine reiten", bestand ich, doch Fürst Karzheim schüttelte den Kopf und zog mich zurück gegen seine Brust.

„Ruhe dich aus, keine falsche Scham, Adrian", meinte der Ritter und klang dabei wie so oft väterlich und voller Fürsorge.
„Ich... bitte... Ihr seid zu gut", murmelte ich und errötete heftig.

Karzheim lächelte sanft über meine Verlegenheit, sprach nun aber nichts mehr.

Die Vegetation veränderte sich. Das Gras wurde grüner und ich roch schon die Meeresluft.

Ein sanfter Wind strich mir über den Nacken und ich lächelte.

Lange nicht hatte ich mich so zu Hause gefühlt.

Akkons Mauern ragten im trüben Licht des von Wolken verhangenen Tageslichts vor mir auf.

Groß und grau erhoben sie sich und ich hörte bereits hier das Rauschen der Wellen, als sie gegen die hohen Kaimauern schlugen.

Akkon wirkte auf mich immer mächtig, ein schieres Bollwerk, und für mich eine Stätte der Zuflucht und Sicherheit.

Akkon war mein Zuhause geworden. Masyaf hätte niemals mehr diesen Platz einnehmen können.

Fürst Karzheim ritt durch das Stadttor.

Ich hatte fast die ganze Reise bei ihm verbracht und mich schlafend gegen ihn gelehnt.

Nur durch sein Wohlwollen war es mir möglich gewesen, genügend zu Ruhen und hatte eine erstklassige Pflege meiner Verletzung erhalten.

Dennoch... die Fürsorge meiner Brüder kam meiner Enttarnung mehr als nur nahe und so lehnte ich immer wieder ihre Hilfe ab und kümmerte mich um meine Verletzungen selbst.

„Sei doch nicht so unvernünftig," grollte Markus irgendwann.
Markus war einer der Männer, die mir nahestanden, und genau das bereute ich jetzt.

Er setzte sich zu mir, wollte meine Verletzungen sehen. Alle meine Verletzungen!

Meine Kurzatmigkeit hatte ihm längst verraten, dass ich mehr als nur die Wunde an meiner rechten Hand zu verzeichnen hatte.

Doch immer wieder wehrte ich meinen Waffenbruder ab.
„Kümmere dich um deinen eigenen Kram!", wies ich ihn barsch zurück und ließ ihn einfach sitzen.

Wir waren kaum lange im Lager angekommen, als ich es auch schon eigenmächtig verließ.

Die Nähe meiner Brüder war mir zu viel.

Gepackt von Angst und fiebriger Desorientierung stolperte ich durch die Straßen Akkons.

Doch konnte ich keine große Strecke zurücklegen und schleppte mich irgendwann in den Schatten eines zerstörten Gebäudes.
Dort lehnte ich an die Wand und krümmte mich zu einer kleinen Kugel zusammen.

Die Schwäche übermannte mich und ich blieb lange Zeit an dieser Stelle versteckt.

Ich wurde wach als ich eine leichte Berührung auf meinem Gesicht spürte.

„Altair?", flüsterte ich schwach, doch es war Fürst Karzheim, dessen Blick besorgt auf mir lag.

„Adrian, ich glaube du bist mir ein paar Erklärungen schuldig," meinte der Fürst und zog mich aus der Nische hervor.

„Nein... Ihr versteht nicht," murmelte ich und stemmte mich schwach gegen seinen Griff.

„Das mag sein," erwiderte der Fürst und zog mich nun in seine Arme.

Mit einer kraftvollen Bewegung hob der Mann mich hoch und trug mich in seinen Armen durch die Stadt.

Die Blicke der anderen Menschen fielen auf uns und einige steckten tuschelnd die Köpfe zusammen oder lächelten spöttisch.
„Du bist viel zu leicht, Adrian, dass ist nicht gut," murmelte der Fürst zwischen seinen Schritten.

Ich hob stumm den Kopf und sah nun, dass er mich nicht in das Lager zurück trug.
„Wo... wo bringt Ihr mich hin?", fragte ich und der Deutsche lächelte.
„Ich schätze, du und ich brauchen einen ungestörten Ort, wo wir uns unterhalten können. Und egal was du sagst, ich werde mir deine Verletzungen ansehen," knurrte Wilhelm und zuckte zusammen.

Panik ergriff mich und augenblicklich wurde mir der Mund trocken und mir brach der Schweiß auf der Stirn aus.

„Nein!", rief ich und spürte nun wie Karzheims Griff um mich herum fester wurde.

„Nun gib endlich Ruhe. Seit wann vertraust du mir nicht?", fragte der Mann und ich schnaufte.
„Ich... nein! Keiner versteht es! Ich kann nicht..."

„Kannst was nicht? Atme langsamer sonst wirst du gleich wieder bewusstlos! Beruhige dich endlich Adrian!", fuhr er mich barsch an und endlich hatten seine Worte Wirkung auf mich.

Stumm und resigniert lehnte ich meine immer noch fiebrige Stirn gegen das kühle Metall seines Kettenhemds im Bereich seines Ärmels und ließ mich nun ohne großen Widerstand von dem Ritter durch die Straßen Akkons tragen.

In seinen Armen fühlte ich mich wie ein kleines Kind und all meine aufgestauten Sorgen brachen nun erneut über mich herein.

Meine kopflose Flucht aus Masyaf... Altair, den ich schlafend in der Festung zurückgelassen hatte.
Mesha... Malik, der alte Mann...

„Altair," flüsterte ich erneut erstickt und spürte nun ein verräterisches Brennen in meinen Augenwinkeln.

Karzheim runzelte die Stirn, als er den Namen erneut vernahm. Es vertiefte seinen Verdacht nun und seine Schritte wurden ausholender, um schneller an das Ziel zu kommen, dass er nun sorgfältig auserkoren hatte.

„Oh mein Gott, Adrian!"

Ich erkannte die Frauenstimme mit dem schweren, französischen Akzent sofort.

„Alicia?", murmelte ich leise und sah wie Fürst Wilhelm lächelte.
„Was ist geschehen?", fragte die französische Edeldame und kam auf uns zu.

Sie wartete keine Antwort ab und zog Fürst Wilhelm durch die Räumlichkeiten und brachte uns in einen Ruheraum.

Ich hatte noch nie in meinen Leben zuvor auf einem Bett gelegen.

Der Rahmen war aus dunklen Holz und kunstvoll verziert. Vorhänge aus wunderschönem Stoff befanden sich an jeder Seite und die Unterlage bestand aus gewebtem Tuch, welches mit Haaren gefüllt worden war.

Die Decke bestand aus Pelzen von Tieren, deren Namen ich nicht kannte und die es hier im Morgenland wohl auch nicht gab.

Als Fürst Karzheim mich auf dieser prachtvollen Ruhestätte ablegte, sank ich ein kleines Stück in die weiche Unterlage ein und für kurze Zeit hatte ich das Gefühl, ich wäre meinem Körpergefühl gänzlich beraubt worden.

„Komm, zieh den Waffenrock aus, Adrian," meinte Fürst Karzheim und löste bereits den Gürtel um meine Hüfte.
„Nein!", keuchte ich erstickt und griff nach seiner Hand, doch er wehrte mich mühelos ab.

Er erwiderte nichts sondern löste schweigend die Ledergurte um Hüfte und Brust und nahm mir Maliks Kurzschwert ab.

Markus hatte bereits mein anderes Schwert vor Tagen an sich genommen, da es auf Fürst Karzheims Pferd im Weg gewesen war.

„Zieh den Waffenrock freiwillig aus, oder ich schneide ihn dir vom Leib", drohte der Fürst nun und ich seufzte.
„Bitte, bitte nicht Herr!", flüsterte ich leise und setzte mich langsam auf.

Mir war schwindelig und ich spürte, wie ich den sich nun überschlagenden Ereignissen hilflos ausgeliefert war.

Karzheim griff um meinen Rücken und zog mir den roten, groben Stoff einfach über den Kopf.

„Leg dich wieder hin, mach schon!", meinte der Ritter gnadenlos und ich gehorchte nun resigniert seinem Befehl. In einer schnellen Bewegung hatte er mir das Kettenhemd ausgezogen und mein dünnes Leinenhemd bis zum Hals hochgestülpt.

Das war's… meine Tarnung war just in dem Moment aufgeflogen.

Ende Kapitel 15