Yo Leute,
jetzt poste ich das Kapitel doch noch hier auf .
Ich weiß, wahrscheinlich werd ich das in Kürze bereuen weil man mich wieder wegen irgendwas sperrt, bannt, basht... etc.
Ich will eigentlich gar nicht drüber nachdenken, dennoch habe ich den Entschluss gefasst, die Story hier zu beenden! Egal was kommt, egal was passiert *bineinkämpfer *
Meine Wut ist ein wenig abgeflaut, Verständnis habe ich aber immer noch keines aufbringen können.
Hm.... nun ja, bringt nichts, sich den Kopf zu zerbrechen.
Ich werd die Story aber auch auf posten, weil es dort noch fast gar keine deutschen Geschichten über AC gibt^^. Ich komm mir vor wie ein Gärtner vor brachliegendem Acker ;)
So, aber nun zu den netten und zahlreichen Revs:
Lady: Siehst du? Mit der Überschrift war ich mir anfangs gar nicht sicher. Schön, dass sie doch so gut passt und glaub mir, Altair so zu beschreiben hat mich Haare gekostet! Andere kauen ja bekanntlich Tischplatten ;p
Kara: Ich bin besonders auf dein Rev gespannt, was den Anfang dieses Kapitels betrifft^^ Ich glaube fast, du wirst ihn mögen.
Vielleicht magst du auch den Endteil^^, der geht auch ein wenig ins … ich nenns mal Abstrakte!
Ich wollte es erst gar nicht so schreiben, weil nun wirklich... ähm... düster?, wird.
Deswegen bin ich mal gespannt ;) Was mich umgestimmt hat? Keine Ahnung... vielleicht weil ich noch ein wenig in der „Kiste der Vergangenheit" von Altair und Elessa wühlen möchte? Mal gucken.
Orca: Ja, Karzheim ist einer meiner Meisterstücke^^ Ich liebe ihn abgöttisch. Ich dachte zunächst, dass dieses hin und hergespringe vielleicht ein wenig unübersichtlich wird. Aber scheinbar ist es soweit okay. Ihr würdet mir ja sagen, wenn es so wäre, ne?
Shipu: Du wirst es nicht glauben, aber ich habe mich fast gar nicht getraut, Altair weinen zu lassen.
Ich wehrte mich mit Händen und Füßen zunächst dagegen und wollte es gar nicht so geschehen lassen. Der harte Assassine... tränenaufgelöst! Wenn ich das so schreibe klingt es vor allem... unglaublich schräg und doof.
Ich denke, es war okay, dass ich das Weinen selbst nur mit wenigen Worten beschrieb und stattdessen seine seelische Marter dazwischenschob. Hm... Sera? In diesem Moment hätte ich dich dringend gebraucht *smile *
Anyway: Ich glaube du wirst die Einleitung in das Kapitel wahrlich, hm? Genießen? Viel Gefühl, sag ich nur. Auch das zähle ich zu eines meiner Meisterstücken und es hat mich viel Papier, Tinte und Stunden gekostet ^^
DeKo: Malik kommt hier und in den nächsten Kapiteln voll auf seine Kosten, versprochen. Todesengel= Rettungsengel *smile *, der Vergleich gefällt mir. Vielleicht lässt sich daraus ja was machen *grübel *
Sünderin: Ja, ich wollte eigentlich
niemanden zu Tränen rühren^^, aber das bedeutet dann wohl, dass ich
voll ins Schwarze getroffen habe, hm?
Tja, die Hoch und Tiefs
werden weitergehen *fühledichgewarnt *, denn diese Story besteht aus
diesen Dingen^^, genauso wie aus Peinlichkeiten, Schwierigkeiten und
schwer ineinander verkeilte, zwischenmenschliche Beziehungen.
all: Diese Story ist mein Baby, und deswegen hab ich mich von diesen OPS so dermaßen angegriffen gefühlt *knurr *
So, und jetzt geh ich erstmal ne Runde meditieren, weil ich mit dem 20. Kapitel nun schon zum zwanzigsten Mal anfange *grins *
LG
Falk
Der abgetrennte Zopf
Kapitel 18 „Schatten der Vergangenheit"
Die einst willkommene Dunkelheit stürzte plötzlich mit brachialer Gewalt auf Altair ein.
Er verspürte ein beklemmendes Gefühl in seiner Brust und es raubte ihn den Atem.
Diese Gefühle vernebelte ihm die Sinne, ließ ihn im Wahn verfallen und er begann sich in seiner Qual hin und her zu winden um all dies so schnell wie möglich abschütteln zu können.
Die Kontrolle über die Situation, in
der er sich eben noch so sicher wähnte, entglitt ihm und er glaubte
nun von den Wänden dieses Zimmer erdrückt zu werden.
Er war
Elessa so nahe wie seit Tagen nicht und plötzlich schien sie so
fern, wie er es nie für möglich gehalten hätte.
Erinnerungen, Jahrzehnte alt, schlugen auf ihn ein! Zerbrachen wie dünnes Glas in winzige Splitter und diese Scherben brachten die pure Höllenqual mit sich.
Altair ließ sich innerlich fallen,
wobei er deutlich spürte, wie scheinbar ein großer Teil seiner
Seele aus der physikalischen Hülle glitt.
Er entsagte nun der
Kontrolle und ließ sich in diesen Nebel aus Zweifel und unbändiger
Wut gleiten... so unendlich tief fallen!
Ihm wurde abwechselnd heiß und kalt!
Der Kloß, welcher sich in seinem Hals geformt hatte, wurde nun so dick, dass er glaubte, daran ersticken zu müssen und erneut wand er sich in seiner Pein und schrie nun gedämpft auf.
Kaum war er zu diesem erstickten Laut
überhaupt nur fähig, und ein Schmerz explodierte in seiner Brust,
für den er kaum Erklärung fand.
Schmerz, real und dennoch nicht
vorhanden!
Seine Brust zog sich zusammen und mehr aus Reflex griff er danach und drückte die Faust so fest er konnte gegen die nun merkwürdig schmerzende Stelle.
Seine Finger kribbelten, seine Augen brannten und entsetzt nahm er wahr, dass sein Körper ein Eigenleben entwickelte!
Was fühlte er? All diese Gefühle
kannte er nicht!
Altair wusste, wie sich die Extremen anfühlten!
Wut und Liebe, doch nun mischten sich so viele andere … Dinge...
dazwischen, dass er völlig den Bezug zu den beiden verlor und seine
Entscheidungsgewalt komplett darin unterging.
Hilflos! Er war plötzlich so hilflos!
Wieder konnte er nichts tun! Er konnte Elessa nicht helfen! Wie so oft konnte er ihr nicht helfen...
Altair glaubte, rennen zu müssen! Zu
flüchten?
In die offenen Arme der Wut! Dieses alte Gefühl...
dieses gewohnte Ding, welches ihm immer wieder überspülte und ihn
in seiner Rolle als Assassine funktionieren ließ, aber all seine
weiteren Wesenszüge wurden von ihr überdeckt. Wut war nun sein
einziger Schutz vor dem nun aufkeimenden Wahnsinn, verursacht durch
die ganzen Gefühle, die er nie kannte!
Altair hob leicht den Kopf und sah, dass Alicia und Markus noch immer an der gegenüberliegenden Wand standen.
Markus war mittlerweile aufgestanden und starrte zu ihm und Elessa.
Sie standen nur da... und taten nichts.
Die tobende Wut überschwemmte den Assassinen wie eine gewaltige Welle und riss ihn mit in den Strudel der tobenden Leere!
Er konnte ihr nicht entsagen, wollte sie nicht stoppen, wollte sie loslassen wie ein bösartiges, tobendes Tier.
Altair war sich des Haltens plötzlich so müde und die Welt um ihn herum verlor an Farbe und Geräusche... er stand im Leben, doch stand er nun auch im Nichts.
Alles war fort! Elessa... der einzige Mensch in seinem Leben, der ihn so tief berührt hatte wie kein anderer jemals zuvor, lag sterbend unter ihn.
Jeder Atemzug konnte ihr letzter sein und kein Mensch... inklusive er... konnte ihr helfen.
„Warum tut ihr nichts?", brüllte der Assassine Alicia und Markus zu, und es klang mehr nach einer Drohung, einem Vorwurf, als nach einer Frage.
„Wir können nichts mehr tun,
Altair," murmelte der dunkelhaarige Franke und vermied es den
Assassinen zu tief in die zornigen Augen zu sehen.
Altair hatte
die Kapuze zurückgestülpt um ihren Herzschlag besser hören zu
können.
Ihm schien in diesem Moment alles egal zu werden und Markus bekam nun das beklemmende Gefühl, dass hier gleich die Hölle losbrechen würde.
„Alicia... geht! Schnell!", murmelte er und schob die Französin in Richtung Tür.
Das war einer der fatalsten Fehler, die
Markus machen konnte.
Elessa wusste, dass sie, sobald Altair vom
Zorn auch nur ansatzweise ergriffen worden war, sich weder rühren
durfte, noch ihn in die Augen sehen sollte.
Doch sie hatte keine
Gelegenheit gehabt, mit Markus diese Erfahrung auszutauschen.
Es waren nur winzige Millimeter gewesen, die der Franke sich bewegt hatte, doch er konnte nicht einmal blinzeln, als Altair bereits bei ihm war und ihn am Hals gepackt gegen die Wand drückte.
Markus war nicht klein, doch gegen Altair wirkte er in diesem schrecklichen Moment wie ein schwächlicher Knabe.
Auch hatte er gegen die eiserne Kraft des Assassinen nichts entgegenzusetzen.
Altairs gesamter Zorn entlud sich nun in den Angriff auf Markus. Er beobachtete wie der Franke versuchte zu atmen, und dabei kläglich scheiterte.
Daraufhin wurde Altairs Griff um dessen Kehle noch fester und nur beiläufig nahm er wahr, wie Alicia gellend aufschrie und ihn anflehte, Markus loszulassen.
Der Assassine, sonst immer in seinen Entscheidungen und Emotionen kontrolliert, wurde Opfer seiner eigenen vernachlässigten Gefühle.
Angst und Trauer vermischten sich nun mit den Zweifeln und der ohnehin gefährlichen Wut.
Altair hatte nichts mehr zu verlieren! Er war in seiner eigenen Mission, nämlich Elessa zu schützen, klaglos gescheitert und es war purer Selbsthass, der ihn nun wie ein rasendes Tier um sich beißen ließ.
Markus wand sich in Altairs Griff! Die
Luft war aus seinen Lungen gewichen, als hätte man sie mit
brachialer Gewalt herausgedrückt.
Seine Augen brannten, seine
Nase begann zu bluten und es sah bsld danach aus, als würde er noch
vor Elessa vor Gott treten müssen.
Alicia schrie und weinte verzweifelt und konnte Markus nicht helfen und doch war es Karzheims überraschender und zugleich kraftvoller Schlag, der den Assassinen quer durch den Raum schlittern ließ und Markus vor dem nahen Tod bewahrte.
Der Soldat rutschte hustend und keuchend an der Wand herunter und mit einer zitternden, fahrigen Bewegung wischte er sich das Blut von der Nase.
Die Faust des Ritters hatte Altair direkt am Wangenknochen getroffen und den Assassinen mehr als nur wirksam augeschaltet.
Die Welt verschwamm kurz vor Altairs Augen und doch kämpfte er sich rasend und blind vor Wut und Verzweiflung auf die Beine.
Doch vier Soldaten stürzten sich gleichzeitig, noch bevor er vollends aufgestanden war, auf ihn und rissen ihn mit ihren Körpergewicht zu Boden.
Sie umklammerten ihn und hielten seinen Schwertarm fest.
Reflexartig ließ Altair den Mörderdolch an seiner linken Hand hervorschnellen, doch noch bevor er den Arm heben konnte um dem Nächstbesten das Leben zu nehmen, landete ein Fuß auf sein Handgelenk und verdammte ihn nun zur völligen Bewegungsunfähigkeit.
Altair hob den Blick und entdeckte Malik über ihn stehen.
Seine schwarze Robe bauschte im frischen, kräftigen Durchzug der durch die nun geöffnete Tür verursacht wurde.
Altair wurde nun von Fürst Karzheim völlig entwaffnet und zwei äußert kräftige und große Soldaten verdrehten ihm schmerzhaft die Arme auf den Rücken.
„Bringt ihn in den Keller. Ich weiß, dass De Sable dort zwei Zellen hat. Legt ihn in Ketten, damit er zur Vernunft kommt," sprach Karzheim und die Männer nickten.
Mit Markus waren sie nun zu fünft und bis auf die beiden Hünen, die Altair jeweils Links und Rechts hielten, hatten nun alle ihre Schwerter gezogen.
Sie zerrten den sich heftig wehrenden Assassinen aus dem Raum und Malik tat nichts um Altair zu Hilfe zu eilen.
Er wusste, dass es nun besser war, wenn
der Mann aus dem Weg war.
Mesha hatte ihm die Geschichte erzählt,
als Altair vor Al Mualim gebracht wurde, und die Nachricht von
Elessas Tod überbracht bekommen hatte.
Dies hier war nun erneut geschehen und
Altair... konnte nicht gesteuert werden.
Selbst Al Mualim war
damals nicht dazu fähig gewesen und er musste Altair für fast ein
Jahr einsperren und ihn täglich mental bearbeiten, um ihn wieder zu
seinen Tätigkeiten zu bewegen.
Der Araber trat an das Bett zu Elessa.
Kritisch überprüfte er ihre Verletzung und ihren Herzschlag.
Er wandte sich sofort an Markus, als dieser aus dem Kerker kam.
„Wann war sie das letzte mal wach?", fragte Malik und Markus gab ihn bereitwillig Auskunft über Elessas Befinden in den letzten vier Tage.
„Wir dürfen keine Zeit verlieren. Die Schwellung drückt auf die Lunge! Wir müssen Blut ablassen! Kommt, helft mir, Markus! Verzeiht meinem Freund! Er ist nicht er selbst!", sprach er Markus an und dieser nickte und trat ohne zu Zögern näher.
„Ich brauche abgekochtes Wasser und frische Verbände," wandte sich Malik an Alicia, die entschlossen nickte und aus dem Zimmer eilte.
Eine Zofe, ebenfalls Araberin mit langem, schwarzen Haar und mandelförmigen, braunen Augen, kam bald darauf mit einer dampfenden Schüssel während Alicia Gewänder von Templern brachte.
Malik wunderte sich zunächst, doch die Französin schnitt sie in lange Streifen und der Assassine konnte sich ein kurzes Grinsen nicht verkneifen, als er begriff, was sie tat.
Er ergriff Altairs Kurzschwert und zog es aus der Scheide.
„Vorbildlich, mein Freund," murmelte er, als er mit dem Daumen über die Klinge fuhr und die Schärfe begutachtete.
Der Araber trat nun zu Elessa und reichte Markus das Messer.
„Ihr müsst die Schwellung jetzt kreuzförmig einschneiden. Ungefähr so," meinte Malik und zeichnete seinen Plan mit seinem Zeigefinger vor. Markus nickte und blickte entschlossen und ernst drein.
Malik sah sich um.
„Fürst
Karzheim! Haltet Elessa fest! Es könnte sein, dass sie sich bewegt,"
meinte er und der Ritter schüttelte den Kopf.
„Unmöglich! Das
kann ich nicht," schnaufte dieser nun und trat zurück.
„Wir haben keine Zeit für sowas, Fürst!", meinte er und der Fürst trat nun doch zögernd näher und drückte Elessa an beiden Schultern auf das Bett.
Malik trat nun ebenfalls dazu und setzte sich auf ihre Beine.
„In Ordnung. Markus, Jetzt! Schneidet ein," sagte er und der Franke trat an die Rechte Seite des Bettes, setzte das Messer behutsam an und lies die Klinge die oberste Hautschicht zerschneiden.
Dunkles, wässriges Blut quoll hervor und mischte sich mit alter, gelblicher Wundflüssigkeit.
Der Gestank von altem Blut und
faulendem Fleisch erfüllte nun die Luft und wie es Malik
vorausgesagt hatte, krampfte Elessa heftig und hob nun abwehrend die
Arme.
Der Araber fing ihren linken Arm ab und drückte ihn zurück
in das Polster, doch der andere Arm schob sich schützend über ihre
Körperseite.
Karzheim wurde durch den Geruch und den Anblick augenblicklich blass und würgte.
„Herr, Ihr erlaubt?"
Manfred tauchte plötzlich neben den Fürsten auf und schob den leichenblassen Mann behutsam weg. Der Fürst suchte ohne ein weiteres Wort das Weite und der dunkelhaarige Riese ergriff Elessa an den Schultern und es war nun auch Alexander, der ebenfalls schweigend hinzutrat und den anderen Arm festhielt.
„Ihr müsst noch ein wenig tiefer schneiden. Ihr kennt doch Pökelfleisch? Ungefähr so tief, dass man die Schwarte abziehen kann," meinte Malik und Markus setzte erneut das Messer an.
Er vertiefte den Schnitt und beförderte nun noch mehr totes Sekret an das Tageslicht und der Gestank wurde beißender.
Doch keiner der Franken verzog das Gesicht oder musste aufgeben. Scheinbar kannten sie den Geruch schon mehrfach.
Malik fing das Sekret mit einem Lappen auf, den ihn die Zofe reichte und deutete Markus den nächsten Schnitt anzusetzen.
Elessa hatte während den zweiten Schnitt kurz aufgeschrien, doch nun stemmte sie sich gegen sie und schrie sich beim dritten Schnitt fast die Lunge aus dem Leib.
Malik zweifelte nicht daran, dass sie im ganzen Haus zu hören war und er hörte wie einer der Franken zu Karzheim, der in den Vorraum geflüchtet war, sagte, dass der Assassine im Keller durchdrehe.
Doch Malik musste Karzheim vertrauen. Er hoffte nur, dass Altair den Fürsten nicht dazu trieb ihn wie ein Spanferkel aufzuspießen.
Der Araber drückte die neu entstandene Wunde solange aus, bis sich helles, frisches Blut unter das Eiter und Wundsekret mischte, danach spülte er sie mit einer Tinktur, die er in das warme Wasser gemischt hatte, und trug eine Salbe auf den Bluterguss auf.
Er ließ Markus Elessas kompletten Oberkörper fest verbinden und Manfred schob ihr dann wieder die Polster unter den Rücken.
Malik nickte zufrieden und musterte Elessa, die beim Schreien wohl ihre allerletzten Kraftreserven aufgebraucht hatte. Doch ihre Wangen hatten dadurch wenigstens etwas Farbe bekommen.
Die Soldaten waren vom Bett zurückgetreten und hatten schweigend dabei zugesehen, wie Malik Elessa zudeckte und ihr einen kühlen Lappen auf die Stirn legte.
„Sie atmet tiefer," murmelte Markus und wischte sich den Schweiß von der Stirn, „vielleicht... vielleicht schafft sie es! Euch hat der Himmel geschickt, Malik!"
„Noch ist nichts vorbei," sagte der Einarmige und lächelte freudlos.
„Den Rest muss Elessa selbst schaffen."
Er schwieg einen Moment ehe er sich erneut an Markus wandte.
„Bleibt Ihr hier? Ich möchte nach Altair sehen," meinte dieser und Markus nickte und deutete Alexander, dass er Malik den Weg zeigen solle.
Dieser ging ohne zu zögern voran und Malik folgte dem rothaarigen Franken.
Karzheim war bereits dort und er stand mit Karl und Frank, die beide ihre Schwerter gezogen hatten, vor den Gittern der Zelle.
Maliks Blick fiel auf Altair, der am Boden kauerte und an seinen Fesseln, die aus schwerem Eisenmanchetten und einer Kette bestanden, wie von Sinnen zerrte.
Der Araber lächelte amüsiert über die offensichtliche Angst von Karl und Frank.
Karzheim hatte wütend die Arme vor der Brust verschränkt und schüttelte den Kopf als er Malik erblickte.
„Ich habe zu viel Geduld mit euch Assassinen. Er hätte Markus beinahe getötet! Markus ist einer meiner besten Männer! Ihr dürftet ebenfalls meiner Meinung sein, Malik! Dieser hier tobt wie ein Schwein, dass man kastriert hat, bevor man es schlachtet!", höhnte der Fürst und Altair brüllte wütend auf.
„Markus ist ein ganz hervorragender Heiler, Fürst Karzheim! Er muss sehr wertvoll für Eure Truppen sein!", sprach Malik und hoffte, dass seine Worte den Fürsten beschwichtigen würden.
„In der Tat! Alle meine Männer sind für die Truppe wichtig! Auf die ein oder andere Art! Auch Adrian! Ich bin fast gewillt Euren Freund hier unten verrotten zu lassen! Er weiß unsere Strapaze nicht zu schätzen! Apropos Strapazen! Wie geht es ihr?", fragte der Fürst und Malik lächelte sanft.
„Wir gehen gleich gemeinsam zu ihr, Fürst. Lasst mich nur kurz zu meinen Kumpan!", meinte Malik und der Fürst nickte.
Karl öffnete das schwere Tor und Malik trat hindurch zu Altair.
Dessen sturmgraue Augen ruhten voller Wut und Verzweiflung auf den Araber, der sich zu ihm kniete.
Malik tippte auf dessen bereits wundgescheuerte Handgelenke.
„Du solltest das lassen, Altair, oder du hast in wenigen Tagen eine Infektion die sich gewaschen hat," sprach dieser und der Assassine sah ihn entsetzt an.
Nun dämmerte ihn, dass Malik es nicht vorhatte, ihn hier rauszuholen.
„Was soll das?", grollte der Assassine und Malik lächelte freudlos.
„Du und dein fürchterlicher Stolz. Du und deine noch fürchterlichere, und dazu unkontrollierbare Wut! Du hättest beinahe alles Zunichte gemacht! Du hast doch schon viel zu viel angestellt, und doch nichts daraus gelernt! Da konnte Al Mualim dich bis nach Arsur schicken, und es kam hier oben nur die Hälfte an, Altair!", sagte Malik und klopfte dem Assassinen frech gegen die Stirn.
„Ich kann dich da oben nicht gebrauchen, Altair! Solange Elessa nichts gegenteiliges sagt, wirst du nun eine Weile hier schmoren! Mit deiner Aktion hast du nicht nur ihr Leben gefährdet. Du hast blindlinks alles angegriffen und ich wette, du hättest sogar Alicia ein Leid angetan, hätte der Fürst dich nicht so souverän ausgeschaltet!"
Malik stand auf und sah auf den verwirrt und dennoch wütend grollenden Assassinen herab.
„Ich erwarte von dir, dass du dir die ganze Sache durch den Kopf gehen lässt, und du dich bei Markus und Lady Alicia für dein unmögliches Benehmen bald entschuldigst! Noch dazu wirst du keine Informationen über Elessas Zustand erhalten! Sieh es als Strafe für deine Untugenden!"
Altair sprang auf und Karzheim konnte Malik gerade noch rechtzeitig packen und zurückziehen, als Altair bereits an der Stelle stand, wo der Araber gerade noch gewesen war.
Der Assassinen sprang erneut nach vorn und wurde nun von den Ketten zurückgehalten und zu Boden gerissen. Karl verschloss das schwere Gitter und schob den Riegel vor.
„Das kannst du nicht machen! Was glaubst du, wer oder was du bist, mir so einen Befehl zu geben und mich zu bestrafen!", brüllte Altair völlig außer sich und Malik lächelte ihm zu.
„Mein Name ist Malik Al-Sayr! Und ich bin das neue Oberhaupt von Masyaf!", sprach dieser und ging ohne eine Antwort abzuwarten mit bauschender, schwarzer Robe davon.
Mit grimmiger Genugtuung beobachteten die Franken, wie Altair entsetzt hinter dem Araber her sah und von nun an kein Wort mehr sagte.
Elessas POV:
„Wo... bin ich?"
Um mich herum verschwand die Umgebung in gleißendes weißes Licht. Kälte durchströmte mich, doch es fühlte sich nicht schlecht an.
Fast glaubte ich, dass diese Kälte schon immer in mir war und ich hatte das Gefühl, sie wäre ein Teil von mir, so wie auch das Atmen für mich völlig normal gewesen ist.
Schwarze Schatten befanden sich um mich herum.
Sie hatten verschiedene Körpergrößen und bewegten sich nicht.
Ich lief langsam los und meine Schritte hallten, als ob ich mich in einem großen und leeren Raum befinden würde.
„Weißt du, wo du hier bist?",
fragte eine leise Stimme und ich hob den Kopf.
Diese Stimme war
unverkennbar die eines Kindes.
Sie wurde von einem leisen, unschuldigen Kichern begleitet und dieses Geräusch füllte nun diesen Raum, als ob für nichts anderes Platz darin wäre.
„Wer bist du?", warf ich in das
Kichern hinein und es verstummte.
„Wer ich bin? Das weißt du
nicht? Also weißt du auch nicht, wo du hier bist, nicht wahr?",
fragte die Stimme zurück und ich sah mir erneut diese Schatten an.
Einer hatte sich bewegt.
Es
war der kleinste von ihnen. Er trat von den anderen fort und auf
mich zu.
Als er näher an mich herankam, bekam der Schatten Form und Umriss und ich … erkannte mich! Im Alter von fünf Jahren.
Verwirrt runzelte ich die Stirn. Was ging hier vor sich?
Der ehemalige Schatten lächelte sanft und streckte ihre kleine Hand nach mir aus.
„Komm! Ich muss dir was zeigen!", rief sie mit glasklarer Stimme und ergriff meine Hand, als ich ihrer Bitte nicht nach kam.
Ich verspürte einen sanften Druck, als sie mich durch den weißen Raum führte.
Vor uns tat sich ein kleiner,
dunkler Fleck auf und sie berührte ihn mit den Fingern.
Er wurde
größer und irgendwann zog sie mich durch diesen hindurch.
Plötzlich drangen Geräusche an
mein Ohr.
Ein leises Schluchzen.
Dunkelheit hatte mich eingehüllt, doch sie verschwand nun und ich befand mich in einem von Kerzenlicht erhellten Raum.
Ich kannte dieses Zimmer... und hatte seit diesem Tag nicht mehr daran auch nur denken wollen.
Selbst als ich in Jerusalem zu Besuch war... hatte ich diesen Raum ignoriert, als ob es ihn einfach nicht geben würde.
„Mama..."
Ich erkannte im sperrlichen Licht vor mir ein Lager. Es bestand nur aus wenig Stroh, und sehr schmutzigen Laken.
Eine Frau lag darauf und als ich näher trat sah ich … ES...
Es lag zwischen ihren Beinen. Grausam entstellt.
Wie damals... wandte ich sofort
meinen Blick ab und sah in das Gesicht der Frau.
Sie atmete noch
und blickte aus starren Augen in meine Richtung.
Sie sah nicht das Kind an, welches
vor ihr kniete, ihre Hand hielt... und so bitterlich weinte.
Sie
blickte direkt in meine Richtung!
Diese Frau war für mich immer das schönste und reinste Wesen gewesen.
Als der Priester in einer der Messen einst von Engeln sprach, sah ich diese Person vor meinem inneren Auge.
Doch als er von Dämonen redete, sah ich sie auch... mit diesem entstellten Ding zwischen den Beinen.
Und das Kind, welches vor ihr saß... weinte und weinte... und tat dennoch nichts.
„Mutter," murmelte ich und wollte mich bewegen, doch meine Extremitäten waren taub und ich war nicht mehr fähig auch nur einen Schritt zu tun.
Die Frau auf dem Lager hob die Hand in meine Richtung und bewegte die Lippen, doch keine Laut drang an meine Ohren.
Das Kind neben ihr drehte sich zu mir herum und ich sah in mein eigenes, verweintes Gesicht.
Ich habe damals nichts verstanden...
„Uah!"
Die Erinnerung löste sich auf und das Bild wurde gegen gleißendes, weißes Licht eingetauscht.
Ich wollte schockiert einatmen... aber ich atmete nicht!
Keine Luft strömte in meine Lungen.
Was...? Warum...?
Ich griff mir nervös an die
Brust und blickte zu dem Schatten-Kind, welches mir nun nicht mehr
ähnlich sah.
Sie hatte meine Hand losgelassen und ihre Arme um ihre Körpermitte gelegt.
„Warum... warum zeigst du mir
das?", fragte ich und es kicherte wieder.
„Weil so vieles fehlt! Dies ist eine Prüfung! Sag mir deinen Namen!", forderte die dunkle, kleine Gestalt und ich wollte meinen Namen nennen, doch ich brachte kein Wort hervor.
„Siehst du? Du bist noch nicht fertig! Geh weiter!", sagte sie und deutete nun an mir vorbei zu den anderen Schatten.
Ein weiterer war hervorgetreten. Er ging langsam auf mich zu und ich beschloss ihm nun entgegen zu gehen.
Auch er war kleiner und als ich
nahe genug herangetreten war, stand ich wieder mir selbst gegenüber.
Damals war ich elf...
„Ich habe lange auf dich gewartet. Bis eben dachte ich, du kommst nicht. Aber die wenige Zeit die ich jetzt zur Verfügung habe, müssen wir unbedingt nutzen," sagte der zweite Schatten und lächelte sanft und schüchtern.
Sie vermied es, meine Hand zu nehmen sondern ging langsam voraus.
Ich folgte ihr, obgleich es eigentlich nun gar nicht mehr wollte.
Doch ich war nicht in der Lage mich zu steuern und setzte mich ohne es zu wollen in Bewegung.
Wieder erschien ein kleiner, immer größer werdender Fleck.
Doch dieser war nicht dunkel... sondern hell erleuchtet.
Ich trat hinter dem Schatten hindurch und befand mich in unserem Hof in Jerusalem.
Es war Mittag und die Schatten der Menschen im Hof waren recht kurz.
Sie hatten einen Kreis geformt und tanzten, sangen dabei und klatschten.
In ihrer Mitte befand sich eine in dicken, dunklen Schleiern gehüllte Person.
Ich sah zu meinem Schatten-Doppelgänger und bemerkte, dass sie gebannt auf diese Person starrte.
Ich wusste, wer sich unter diesen Schleiern befand und wollte eigentlich gar nicht sehen, was nun passieren würde.
Die Leute bemerkten uns nicht, tanzten und sagen weiter bis... ein lauter, zorniger Schrei den Frieden zerriss.
Ein Mann kam hinter mir herangestürmt und rannte geradewegs durch mich hindurch auf die Person in der Mitte zu.
Er packte sie, schlug auf sie
ein und brüllte dabei unzusammenhängende Beleidigungen.
Ich wollte mich bewegen, dazwischen gehen, doch ich blieb wie angewurzelt stehen und war zu nichts fä kochte in mir hoch und ich wollte am liebsten schreien und... und mit IHM etwas tun!
Die Frau schrie, hob die Hände um
sich zu schützen, doch nichts konnte sie vor dem rasenden Mann
bewahren.
Die anderen Frauen schauten entsetzt dabei zu, doch
keiner eilte ihr zur Hilfe.
Dann ließ er von ihr ab und ging zurück in das Haus.
Eine Frau trat nun in die Mitte. Sie trug ebenfalls einen Schleier und viel Schmuck an den Armen. Sie hatte kalte, schwere Augen. Augen die ich nie vergessen würde.
Sie hob den Schleier... und spie mir ins Gesicht.
Dies war der Tag als meine erste Hochzeit abgesagt wurde.
Auch diesmal löste sich die Erinnerung auf und wieder stand ich neben den Schatten im weißen Licht.
„Sag mir deinen Namen!", forderte dieser und ich zögerte nun und schüttelte dann den Kopf.
Der Schatten lächelte und nickte fast anerkennend darüber. Dann hob er seinen Arm und deutete erneut auf die anderen Schatten.
„Der nächste," murmelte ich und trat auch diesem nun wieder entgegen.
Ich fühlte meine Bewegungen nicht. Ich fühlte mich leicht und … leer.
„Wird auch Zeit das du kommst. Zu schade, dass du nicht bleibst!", meinte der nächste Schatten.
Er gewann an Gestalt und zeigte nun mein Ebenbild im Alter von ungefähr fünfzehn Jahren.
Doch eines unterschied sich grundlegend von den anderen beiden Schatten.
Mein langer Zopf fehlte.
Wieder führte der Weg zu einen Fleck und als ich hindurchtrat befand ich mich an dem Außenposten, zu dem mich Altair und Malik gebracht hatten, nachdem ich die Strafe von Al Mualim über mich ergehen lassen musste.
Liakun stand an der Seite des Hauses
und kaute auf etwas Heu herum.
Es war bereits dunkel und ich
fühlte instinktiv, dass die Ereignisse, die ich sehen sollte, in dem
Gebäude selbst stattfanden.
Ich betrat das vertraute Gebäude und durchquerte den Raum.
Als hätte ich es geahnt, sah ich Altair und mich auf dem Lager liegen.
Dies war unmittelbar nachdem Altair von seinem Auftrag zurückgekehrt war.
„Hör auf. Hör auf, Altair Ibn La Ahad!", hörte ich mich schreien und der Kampf auf dem Lager endete abrupt
Ein zweiter Schatten formte sich direkt am Fußende des Lagers.
Dort stand er nun, ungesehen von Altair und... meinem Selbst und starrte zu mir und meinem jüngeren Schatten-Ich herüber.
„Dies war das erste mal, wo er sich nun in dir regte. Er war immer da gewesen, doch in dieser Nacht war er aufgewacht," sprach mein jüngerer Schatten ohne mich anzusehen. Ihr Blick ruhte auf diese dunkle Gestalt und die Szenerie änderte sich, löste sich allerdings nicht auf, wie die vorherigen Erinnerungen.
Wir befanden uns noch im selben Zimmer, allerdings beugte sich nun ein Assassine über mich und würgte mich fast zu Tode.
Ich konnte nun gut von außen beobachten wie ich Altairs Kurzschwert greifen konnte und es dem Assassinen in blinder Panik samt Lederscheide gegen den Kopf schlug und anschließend floh.
Auch dort stand der Schatten immer noch ungerührt am Fußende des Lagers.
Die Erinnerung löste sich
schlagartig wieder auf und ich stand wieder im weißen Licht.
Links von mir stand mein fünfzehnjähriges Ich, welche traurig und verzweifelt den Kopf schüttelte, während der zweite Schatten ein Stück weit entfernt vor mir stand und nun die Arme vor der Brust verschränkte.
„Dies war ein Ende... und zugleich ein Anfang. Wie ist dein Name?", fragte nun auch dieser Schatten und eine dicke Träne rollte über ihre Wange, als ich ihr nicht antworten konnte.
Auch sie hob nur wieder stumm den Arm und zeigte auf den Schatten vor mir.
„Willkommen, Seelenloser. Ich bin hier um dir ein Angebot zu unterbreiten," murmelte dieser nun und seine Stimme klang tief und rau. Er sprach langsam und klang dabei fast hähmisch.
„Hier ist das Ende... und der Anfang. Es gilt nun bald eine Wahl zu treffen. Folge mir und sieh dir mein Angebot an,"sagte es und schritt voraus.
Der Schatten hatte keine andere
Form angenommen sondern blieb einfach dunkel und schemenhaft.
Anstelle eines Flecks erschien nun eine Tür.
Ich wunderte mich, doch der Schatten beantwortete sogleich meine ungestellte Frage.
„Ich bin keine Erinnerung, sondern eine Tatsache."
Dies verwirrte mich noch mehr.
Doch er öffnete die Tür und wir gingen hindurch.
Ich befand mich bald darauf in der Taverne am Hafen. Wir waren dort selten abgestiegen, weil die Engländer dort so stark vertreten waren.
Ich entdeckte mich mitten im Raum bekleidet im Waffenrock und mit gezogenem Schwert. Das Schwert hatte ich auf einen Engländer gerichtet, der gerade einer Frau die Kleidung vom Leib gerissen hatte und sich auf einem Tisch über sie hermachte.
Ich sah, wie ich den Mund bewegte,
hörte jedoch nichts.
Der ganze Raum war verstummt und ich war
lediglich fähig, die Bilder zu sehen.
„Dein Herz raste, dein Mund war trocken... und doch hast du es getan! Du hast diese Frau vor Schlimmeren bewahrt. Das hättest du unter anderen Umständen nie getan. Du hättest nicht einmal darüber nachgedacht," sprach der Schatten und sah selbst noch mal auf die Szene.
Dem Engländer hatte ich mittlerweile den Griff meines Schwertes auf die Stirn geschlagen und eine heftige Schlägerei fand nun in der Taverne statt.
Die Umgebung veränderte sich langsam wieder und nun fand ich mich auf Akkons Mauer wieder.
Wieder entdeckte ich mich selbst und Fürst Karzheim, als wir gemeinsam gegen Hamid, den Assassinen, kämpften.
Ich beobachtete wie dieser flüchtete und ich ihm über den Rand der Mauer folgte.
„Ohne mich wärst du nie fähig gewesen, diese Form von Rache zu nehmen. Hamid war es, der dein Leben zerstörte und dir das nahm, welches du nicht zu schützen fähig warst!", zischte der Schatten nun und seine Stimme nahm einen aggressiveren Ton an.
Wieder veränderte sich die Umgebung und nun tauchte die Seitenstraßen Jerusalems um mich herum auf.
Ein erschlagener Wachmann lag am
Boden und ich stand mit blutverschmierten Schwert über Malik.
Diesen zog ich auf die Füße und sprach stumm mit ihm.
„Du hättest Malik nicht retten können, hättest du dich nicht meiner bedient," flüsterte der Schatten, der sich nun unmittelbar neben mir befand.
Erneut verschwamm die Umgebung und ich befand mich nun in den dunklen Gängen von Masyaf.
„Sieh hin! Sieh wie sie mit dir umgehen! Wie sie dich behandeln... ich war in diesem Moment nicht nicht da, oder? Deine Sorge und Liebe zu Altair hat mich vertrieben! Ich benötige ein leeres Herz um existieren zu können... sieh nur hin!"
Der Schatten glitt um mich herum und mein Blick fiel auf die beiden Assassinen, die mich beide festhielten und der alte, der mir ins Gesicht spie und mich beschimpfte.
Die Szene endete, als mir der Assassine auf den Oberkörper schlug und ich hustend zusammenbrach.
Das gleißende Licht hüllte mich wieder ein und nun stand ich umringt von den vier Schatten.
„Mein Angebot ist so simple. Vergesse dich und all das, was du einst warst und nimm dafür die Macht, die ich dir biete.
Sag meinen Namen, und niemals wieder wirst du an dir zweifeln, hadern! Niemals wirst du mehr ein Opfer sein! Niemals wirst du schwach sein! Habe ich dich nicht so wunderbar durch die Jahre begleitet? Vergiss dein altes Leben und ergreife die Macht, die dir längst zusteht!", flüsterte der Schatten erneut.
Die anderen standen nur um mich herum und schwiegen.
„Beende die Prüfung und nenne den Namen, der dein Schicksal werden soll!", forderte der Schatten erneut und ich sah nun, dass er eine Form nahm.
Wieder sah ich mich selbst, jedoch in der Kleidung der Deutschritter, bewaffnet, mit stolzen Blick und selbstsicheren Lächeln.
„Halt, noch fehlt etwas!"
Diese Stimme war nun gänzlich anders als alle Stimmen die ich je gehört hatte.
Ich hatte das Gefühl als ob ich die Worte nicht hörte, sondern spürte.
Ein weiterer Schatten, wesentlich größer als ich selbst und fast durchsichtig, formte sich neben mir.
„Eine Erinnerung gibt es nicht, dennoch ist dies Teil deiner Vergangenheit," sprach dieser fremdartige Schemen und das weiße Licht veränderte sich und um mich herum formte sich nun erneut die Umgebung...
„Wo bin ich?", fragte ich
nun, obgleich ich das überhaupt nicht mehr wissen wollte.
„In Jerusalem. Sieh, dort ist
der Fluss," antwortete der Schemen und ich konnte mich nun schwach
an diese Stelle erinnern.
Ich folgte dem Schatten zum Fluss
hinab.
Wieder vernahm ich das Weinen eines Kindes und ich war
nicht weit gegangen, da entdeckte ich nun auch zwei am Steg sitzen.
Ein kleines Mädchen und ein etwas
älterer Junge.
Das Mädchen war höchstens drei oder vier Jahre,
der Junge mindestens neun.
Sie hatte sich die Knie
aufgeschlagen und weinte bitterlich. Der Junge ergriff nun schüchtern
ihre Hand und sah sie an.
„Es... tut mir Leid," sagte er leise
und ich runzelte die Stirn und glaubte, den Jungen zu kennen.
„Altair! Komm her! Sie warten auf uns!"
Der Junge hob den Kopf und sah
zurück an das Ufer.
Ich wandte ebenfalls mein Kopf und entdeckte
dort einen anderen Jungen.
„Malik!", flüsterte ich und
versuchte mir das Bild des kleinen, fast pummligen Jungen
einzuprägen. Er hatte ein volles Gesicht und ein fröhliches
Lächeln.
Dann blickte ich wieder zu den anderen Jungen.
„Altair!", murmelte ich und
musterte den schlanken, bereits recht großen Jungen.
Er hatte
kurzes, glattes Haar und seine sturmgrauen Augen blickten jetzt schon
so grimmig und wachsam in die Welt, wie sie es in seiner Gestalt als
Erwachsenen taten. Seine Kleidung war zerrissen und schmutzig und
dennoch wirkte er stolz und stark.
Altair hielt immer noch das
Mädchen bei der Hand und ging mit ihr nun gemeinsam über den Steg
zurück an das Ufer.
„Elessa?"
Eine Frau erschien nun ebenfalls am Fluss und das kleine Mädchen löste sich aus Altairs Hand und rannte zu ihr.
„Mutter," murmelte ich nun
und trat einen Schritt auf die Frau zu.
Sie hatte das Mädchen...
hatte mich... auf den Arm gehoben und Altair sanft über den Kopf
gestrichen.
„Danke, Altair. Du bist ein guter
Junge," meinte sie und lächelte sanft.
Dann hob sie erneut den
Kopf und sah in meine Richtung.
Ihr Lächeln wurde breiter und
sie drehte sich langsam um und ging davon.
„Warte!", rief ich und wollte ihr hinterher, doch die Umgebung löste sich schlagartig auf und ich stand wieder im Nichts.
Ich drehte mich zu den Schatten um, der nun mit mir alleine hier stand.
„Du kannst ihr noch nicht folgen.
Deine Zeit ist noch nicht gekommen, auch wenn du dich nach meiner
Umarmung mehr als nur sehnst," sprach dieser und ich griff mir mit
der Rechten Hand an die Brust.
„Du... du bist der Tod?",
fragte ich, doch es klang mehr nach einer Feststellung als eine
Frage.
Der Schatten flackerte kurz.
„Ich habe viele Namen, so wie auch du."
„Hat sie mich gesehen? Auch als ich...?", fragte
ich erneut und der Schatten flackerte erneut.
„Ja. Sie konnte
dich in der Erinnerung sehen, weil sie bereits eine Angehörige des
Diesseits ist. Unter gewissen Umständen... können Erinnerungen
lebendig werden. Dieser Ort besteht eigentlich nur aus
Erinnerungen."
„Ich... ich will zu ihr!", sagte ich und der Schatten lachte leise.
„Nein, ich sagte bereits, dass ich entscheide, wann ich dich zu uns nehme. Du hast woanders noch soviel zu tun. Ich habe dir die Erinnerungen gezeigt um dir eine Chance zu geben, dich selbst wiederzufinden. Und außerdem wird es an der Zeit, dich zurückzuschicken, sonst muss ich wohl doch noch einige Seelen zu mir holen, weil sie aus Sorge um dich gestorben sind," murmelte der Schatten nun und ich vernahm ein Lachen in seiner Stimme.
„Altair..." murmelte ich und zuckte besorgt zusammen.
„Ja, der auch," sprach der Tod und ich spürte nun wie mein Körper plötzlich schwer wurde und eine Wärme sich von meiner Körpermitte heraus ausbreitete.
Irgendetwas schien nun an mir selbst zu ziehen.
Das weiße Licht um mich herum verschwand und ich tauchte hinab in die warme Finsternis meiner andauernden Bewusstlosigkeit.
Ende Kapitel 18
