Der abgetrennte Zopf

Kapitel 25 „Hoffnungslose Hoffnung!"

Kaum war ich darüber überrascht, wie Mesha auf Asra reagierte.
Sie schloss das kleine Kind in die Arme und weinte und weinte und ich fragte mich nach einiger Zeit ernsthaft, ob dies nie enden würde.

Dies war ein sicheres Zeichen für mich, wie traumatisiert Mesha doch zu sein schien.

Ihre Wunden heilten nur langsam und sie wirkte auf mich sehr schwach und in sich zusammengefallen.

Mesha brachte auch weiterhin kein Ton hervor, doch Asra schaffte es, dass sie nicht jedes Mal beinahe bewusstlos vor Angst wurde, wenn ich und Markus auftauchten.

Markus hatte in dem Beutel eine zusätzliche Entdeckung gemacht.

Ein ähnliches Stückchen Metall, wie das, welches ich in Genua von Claude erhalten hatte und ich war mir ziemlich sicher, dass es sich hierbei um einen weiteren Teil des Edensplitters handelte.

Dieses Stück warf nun noch mehr Fragen auf und ich stand allem völlig ratlos gegenüber.

Minute um Minute zermarterte ich mir den Kopf.

Was war nur geschehen?

Masyaf war wohl angegriffen worden. Asra sagte, dass es wieder die Templer gewesen waren, doch... sie sprach ebenfalls von Dämonen.

Auch der Aussätzige in Xanten hatte von Dämonen gesprochen. Dämonen des Lazarus?

Was war bei Cassel passiert? Wo befanden sich der Pfad der Morgenröte und der herabstürzende, jüngere Bruder.

Welche Beute schlägt der Adler als nächstes?

Alle drei Toten standen in direkter Verbindung miteinander und ich war mir mittlerweile sicher, dass es die Tat der Assassinen war.

Aber das würde bedeuten, dass sie in der Nähe wären. Wenn sie in der Nähe waren, warum machten sie nicht vom Gastrecht gebrauch? Karzheim hatte mit Malik einen Friedensvertrag abgeschlossen und war verpflichtet, den Assassinen Exil oder Asyl zu bieten.

Asra weigerte sich weiterhin mir zu sagen, woher sie die befleckte Feder hatte.

Sie hatte sich schnell mir Raimund, Karzheims dreijährigen Spross, angefreundet und spielte jeden Tag mit ihm und zu meiner Erleichterung hatten Alicia und Karzheim selbst ein Auge auf sie.

Eine Sache, um die ich mich wenigstens nicht kümmern musste.

Ich hatte alle meine Waffenbrüder in das Rätsel eingeweiht, doch keiner wusste so recht damit was anzufangen.

Selbst der kluge Alexander nicht.

„Zwei große Brüder... ein kleiner? Was für ein Blödsinn! Pfad der Morgenröte... hmmmmm!"

Dies waren die einzigen Kommentare, welche ich von ihm erhielt. Wesentlich mehr Hilfe erhielt ich dann schon von Markus.

„Es gab mal ein Kloster, welches man Eos nannte, doch es brannte vor gut fünfzig Jahren aus und seitdem wird es nicht mehr besetzt. Es befindet sich im süd-östlichsten Teil des Landkreises Wesel und fast außerhalb von Karzheims Ländereien. Die Gegend ist unwirtschaftlich, da der Boden nichts abwirft und man hat ja in Xanten selbst ein neues Kloster eingerichtet. Also benötigte man es nicht mehr," sagte er und ich seufzte.

„Klingt nach einem vagen Anhaltspunkt, Markus. Morgenröte als Kloster? Aber was ist mit diesen Brüdern? Ich blicke da gar nicht durch!", grollte ich und schüttelte verwirrt den Kopf.

„Vielleicht sollten wir uns mal die Karten in Karzheims Schreibstube ansehen. Ich bin mir sicher, dass der Pfad der Morgenröte etwas mit diesem Kloster zu tun hat," meinte Markus und ich nickte.

Eine Alternative gab es hierzu nicht und ich hatte das Gefühl, als stünde ich mit dem Kopf zur Wand. Ein Blick auf die Karte konnte also nicht schaden.

Der Fürst gab uns bereitwillig sämtliche Karten über das Wesergebiet heraus.

„Ich weiß nicht viel über dieses Kloster, aber es ist ein steiles und unwegsames Gebiet und dort gibt es jede Menge Bären. Von diesem Kloster dürften auch kaum mehr als ein paar Mauern übrig sein. Ich denke nicht, dass ihr richtig liegt," sagte der Fürst und reichte uns mehrere große Rollen mit Karten.

Markus und ich zogen uns in die Schreibstube zurück und schauten uns jede einzelne der Karten genau an.

Das Kloster selbst war auf mehreren von ihnen verzeichnet. Der Name Eos tauchte allerdings auch nur über dieses Gebäude selbst auf.

Kein weiteres Wort deutete auf drei Brüder hin. Somit suchten wir nun ebenfalls nach Männernamen, doch wir fanden nichts.

„Das ist zum verrückt werden!", grollte ich irgendwann entnervt und ließ mich auf den Stuhl zurück sinken.

Wir durchsuchten den ganzen Tag jeden Winkel auf der Karte von Weser, doch nichts half irgendwie weiter.

Markus hatte da wesentlich mehr Geduld als ich. Während ich irgendwann nur noch auf dem Stuhl saß und diese Feder betrachtete, studierte er jede Karte mehrere Male.

„Einzig und allein Eos, was anderes deutet nicht darauf hin. Vielleicht sollten wir diese Gegend mal untersuchen? Karzheim wollte so oder so einen Bärenpelz," meinte Markus irgendwann und ich seufzte.

„Eine andere Wahl scheinen wir nicht zu haben. Wir sprechen morgen früh mit dem Fürsten, was er davon hält," meinte ich müde und stand auf und streckte mich.

Es war bereits dunkel geworden und wir hatten Abendessen und Messe einfach ausfallen lassen.

Seit dem Vorfall mit dem Kuss hatte ich nicht mehr die Gelegenheit gehabt, mit Markus in Ruhe zu sprechen.

Meshas Auftauchen hatte mein unbesonnenes Leben und meine Sorglosigkeit vollständig zum Kippen gebracht.

„Kennst du das Gefühl, wenn man ein schlechtes Gewissen hat, weil es einem selbst besser geht als anderen Menschen?", fragte ich nach einiger Zeit leise und Markus sah von der Karte auf und in meine Richtung.

Das Kerzenlicht reichte kaum aus um noch viel sehen zu können und so ließ er die Pergamentrollen zusammenfahren und wandte sich von dem Tisch ab.

„Ja, das Gefühl kenne ich, aber... so solltest du nicht denken. Du kannst nichts dazu, dass ihnen das widerfahren ist. Du hättest es kaum ändern können, selbst wenn du bei ihnen gewesen wärst. Vielleicht wäre dir auch irgendwas Schlimmes passiert, wenn du dort gewesen wärst," sagte Markus und setzte sich ebenfalls auf einen der hölzernen Stühle.

„Jetzt bin ich seit mehr als drei Jahren hier und Fürst Karzheim ist mit mir zufrieden. Alicia und Raimund mögen mich sehr und ich kann mit euch viel Zeit verbringen. Ich fühle mich wohl und zuhause, doch nun... nun... ich fühle, dass sich nun wieder alles ändert, und will es eigentlich gar nicht, Markus," meinte ich leise und hörte den Mann schnaufen.

„Es wird sich nichts ändern. Selbst wenn ganz Masyaf nun vor den Toren steht, was soll sich ändern außer, dass vielleicht das Brot über den Winter knapp wird? Du bist nun mal bei uns! Du hast dich entschieden und nichts kann das alles ungeschehen machen" sagte er und ich nickte.

„Du hast Recht. Ich mache mir umsonst Sorgen. Es wird alles so bleiben, wie es ist, egal wer oder was kommt," murmelte ich und lächelte vorsichtig.

Seine Worte erweckten Hoffnung und Sicherheit, welche durch Mesha und Asras Auftauchen für kurze Zeit verloren gegangen waren.

Dies war es, was ich an meinem Freund so schätzte und mochte. Seine Fähigkeit mich wieder aufzubauen, egal wie hoffnungslos alles nun zu werden schien.

„Danke Markus! Was täte ich nur all die Zeit ohne dich," murmelte ich und hörte den Franken leise lachen.

„Im Kreis rennen und schreien!", meinte er belustigt und nun lächelte auch ich.

Dennoch seufzte ich und stand auf.

Die ganze Angelegenheit nagte an mir und nur zu deutlich spürte ich, dass die folgenden Ereignisse von größerer Bedeutung waren. Egal wie sehr ich auch versuchte es mir schön zu reden, aber eine Veränderung stand erneut bevor.

Markus beobachtete mich kurz und stand dann ebenfalls auf.

Er überbrückte die kurze Distanz und umarmte mich einfach.

Wieder war ich völlig über sein Tun überrascht. Als Freunde standen wir uns immer recht nahe, sicherlich. Aber nicht so nahe...

Es fühlte sich fremd an, von ihm nun umarmt zu werden, obgleich dies wohl eine der harmlosesten Geste war, die es überhaupt gab. Nichts im Vergleich zu seinem Kuss vor wenigen Tagen, der mir in diesem Moment wieder siedend heiß einfiel.

„Du machst dir viel zu viel Sorgen," murmelte der Franke nun und seine Stimme nahm einen ruhigen, sehr sanften Klang an.

Zu meiner Bestürzung musste ich zugeben, dass ich auf diese Stimmlage wirklich reagierte.

Mit einem schmerzhaften Gefühl in der Brustgegend zog ich scharf die Luft ein und ließ meine Stirn auf seiner Schulter zu Ruhe kommen.

„Ja," flüsterte ich in den rauen Stoff seines Waffenrocks und atmete erneut scharf ein.

„Ja, das tue ich wirklich."

Ich spürte, wie Markus Hände vorsichtig um meinen Rücken tasteten und mich gegen seine Brust zog.

Das Zimmer verdunkelte sich noch ein Stück weit und als ich von seiner Schulter aufblickte, sah ich, dass eine der Kerzen nun erloschen war.

Nun spürte ich, dass Markus den Kopf bewegte und seine kurzen Barthaare schabten an meiner Wange entlang und reizten die empfindliche Haut dort.

Erneut atmete ich tief ein und dies war auch der Punkt, wo ich einen Schritt nun zurücktreten wollte, doch der Franke ließ es nicht zu, hielt mich in seiner Umarmung fest und strich mir sanft über den Rücken.

„Wir... wir sollten das nicht tun," brachte ich endlich hervor, wobei es sich anfühlte, als würde ich jedes Wort mühselig fast schon erbrechen.

Markus antwortete nicht sofort. Er hatte sein Kinn auf meiner Schulter abgelegt und strich mir immer noch sanft und beruhigend über den Rücken.

„Warum nicht?", fragte er nun leise und sein Arm wanderte um meine Hüfte und legte sich darum.
Ich schluckte.
Warum eigentlich nicht? Weil... er... er war bis vor kurzen noch verheiratet! Er war mein bester Freund! Und ich... und ich... ich war einsam und allein.

Laut seufzte ich und legte wieder meine Stirn auf seiner Schulter ab.

„Wieso tust du das?", fragte ich nun zurück und Markus gab ein leichtes, schnaufendes Lachen von sich.

„Es ist unhöflich, eine Frage mit einer Frage zu beantworten, aber egal. Ich tue das, weil ich es möchte. Möchtest du es nicht? Vermisst du nicht die Wärme eines Körpers? Die Sicherheit einer Umarmung? Den Kuss eines liebenden Menschen?", fragte er nun, und ich fühlte wie sich mein Magen schmerzhaft zusammen zog.

„Doch, genau dies! All dies," gestand ich nun mit von Tränen erstickter Stimme.

Mit diesen ruhig und sanft gesprochenen Worten und dieser liebevollen Geste, welche seine Hand immer wieder auf meinem Rücken tat, brach er meinen imaginären Panzer wie eine überreife Walnuss auf.

Ich ärgerte mich nun leicht darüber, dass ich ausgerechnet in diesem Moment die Nerven verlor und nun heulte wie ein kleines Kind, dem man das geliebte Deckchen weggenommen hatte, doch der Mann vor mir ließ mir kaum Gelegenheit, mich noch mehr darin zu verflüchtigen.

Markus schob seinen Zeigefinger unter meinem Kinn und hob meinen Kopf an.

Ich hatte immer seine eisblauen Augen bewundert, wie sie in mich hineinsahen und mich zu lesen verstanden, wie kaum ein anderer jemals zuvor.
In all den Jahren hatte kaum jemand auf mich so einwirken können, wie Markus. Von Anfang an hatten wir uns immer sehr nahe gestanden, mochten uns, und nun... nun küssten wir uns.

Markus schmale, von dunklen Barthaaren umrandete Lippen senkten sich sanft auf meine hinab. Zunächst war es nur eine federleichte Berührung, kaum Druck auf meinen eigenen Lippen und ich ließ es zunächst geschehen ohne es zu erwidern. Wiederum wehrte ich mich aber auch nicht.

„Ich habe mich immer gewundert, wie sich deine Lippen anfühlen würden, täte ich das. Ob sie wirklich auch so rau wären, wie die eines Mannes, oder ob da doch noch etwas von der Frau ist, die keiner sehen soll," raunte er sanft gegen meinen Mund und verschloss diesen mit seinen Lippen erneut.

Unser Kuss schien auf mich unschuldig und liebevoll zu sein. Wie der von sehr jungen Menschen. Vorsichtig tastete sich Markus vor, testete, wie weit er gehen durfte und legte bald den Kopf schief und öffnete seinen Mund.

Ich spürte, wie seine Zunge leicht gegen meine Lippen stieß und dies war dann der Moment, als ich den Kopf wegdrehte und sagte: „Mehr nicht! Bitte!"

Bis heute weiß ich nicht, wie ich es schaffte dies in einem so bestimmten Tonfall zu sagen, dass Markus wirklich von mir abließ.

Er nickte, ließ mich los und trat einen Schritt zurück.

Endlich, als die ersehnte Distanz zwischen uns lag, atmete ich auf.
„Danke, Markus. Ich brauch... einfach noch ein wenig Zeit, nimm mir das bitte nicht übel," murmelte ich leise und senkte den Kopf.

„Das macht doch nichts," flüsterte Markus leise und berührte sanft mein Kinn.

„Ich hoffe, ich habe dich nicht zu sehr erschreckt."

Hatte er mich erschreckt? Zunächst ja und ich fragte mich immernoch, ob dies nicht an seiner Trauer lag, die er nun zu bekämpfen versuchte, doch dies sah für mich nun schon gar nicht mehr danach aus.

Für mich sah es eher danach aus... als hätte er sich wirklich verliebt...

Es fühlte sich nun komisch an. Einst mein bester Freund und nun mehr? Aber wie viel war denn mehr?

Langsam legte ich meinen Kopf in meine Handfläche.

„Jetzt bin ich total verwirrt," flüsterte ich leise und hörte Markus leise lachen.

„Das wollte ich wirklich nicht. Und dabei brauchst du doch im Moment einen klaren Kopf, nicht wahr? Geh schlafen, wir haben morgen viel zu tun," meinte er und schob mich an den Schultern ein Stück weit zurück.

„Ja, das wird das Beste sein," meinte ich nur dumpf und fuhr mir nervös über den Nacken.
„Na dann, schlaf gut."

Meine Stimme war nur noch ein schwaches Murmeln und ich glaubte mein Schritte nicht zu spüren. Alles um mich herum wurde taub.

Was war nur mit mir los?

POV:

Fürst Wilhelm von Karzheim zu Kelsen hatte einen solchen Tumult in den Morgenstunden nicht erwartet.

Er war von einem seiner Soldaten geweckt worden, welcher den Besuch von... Templern ankündigte.
Dieser Soldat war kalkweiß und der Schreck steckte ihm schier in den Gliedern.

„Da sind noch andere dabei!", hatte er gewispert und Karzheim wunderte sich, warum ein paar Templer ihn derart in Angst und Schrecken versetzten.

Dieser Soldat, und mochte er noch so jung sein, war damals in Masyaf dabei gewesen und hatte erfolgreich diese Schlacht überlebt.

„Lass die Soldaten wecken und Kampfbereitschaft herstellen. Die Hofwache soll sich im Saal einfinden!", meinte der Fürst und der junge Soldat eilte nun durch die Gänge davon.

Alicia hatte sich aufgesetzt und Raimund, welcher nun zu weinen begann, aus dem Kinderbett genommen.

„Wilhelm?", flüsterte sie leise und der Fürst sah die Angst und Unsicherheit im Gesicht seiner Frau.

„Keine Angst, Alicia. Sie werden es nicht wagen, mich in meinen eigenen Ländereien anzugreifen! Das wäre ihr Todesurteil!", meinte der Fürst und zog sich nun eilig sein Kettenhemd über den Gambeson.

Er gürtete sein Schwert und strich sich die blonden Haare zurecht, dann trat er zu der schönen Französin und küsste sie sanft auf die vollen Lippen.

Noch bevor er ging drückte er seinen Sohn kurz an sich und liebkoste ebenfalls die roten Bäckchen des Kindes.

Im Audienzsaal hatten sich bereits die Wachsoldaten sowie Karl eingefunden. Sie standen um die vier ungebetenen Gäste herum und signalisierten dem Fürsten allein mit ihrer Körperhaltung die Kampfbereitschaft.

Alexander trat durch die Tür, welche zu den Wohnräumen führte, nun ebenfalls zu der Gruppe hinzu, während Frank und Manfred durch den Haupteingang von draußen kamen.

Karzheim fiel sofort auf, dass Elessa fehlte.

Dies war höchst ungewöhnlich. Ihr entging so gut wie nichts und war immer in der Nähe der anderen Vier.

Der Fürst setzte sich auf seinen Lehnstuhl und blickte die Templer wütend an.

„Eine sehr ungebetene Stunde habt Ihr Euch für Euren Besuch ausgedacht! Was verschafft mir die zweifelhafte Ehre?", fragte der Fürst mit donnernder Stimme und ein Templer, gewandet im weißen Waffenrock mit rotem Kreuz auf der Brust, trat hervor und zog sich den Topfhelm vom Kopf.

„Eine Frau?", raunte es plötzlich durch Saal und Karzheim selbst musste nun ebenfalls zugeben, dass er über dies sehr überrascht war.

Vor ihm stand eine Frau, recht groß, bewaffnet und gerüstet wie die üblichen Templer.

Ihr Gesichtsausdruck wirkte auf ihn kalt und herrisch, doch dies war nichts im Vergleich zu der Kälte in ihrer Stimme.

„Fürst Karzheim, die Stunde schlägt! Ein Assassine befindet sich in Euren Ländereien und er hinterlässt eine Spur von Blut und Tod! Sein jüngstes Opfer war der Herzog von Cassel und es ist doch sehr verdächtig, dass Ihr ein Bündnis mit dieser Brut zu haben scheint, aber mit dem ehemaligen Herzog im Streit lagt!", sprach sie mit schweren, französischen Akzent und Karzheim biss wütend die Zähne aufeinander, bemühte sich aber, seine Wut nicht zu offenbaren.

„Assassinen? Hier im Abendland? Ihr macht Euch lächerlich! Nichts ist mir zu Ohren gekommen, und Balthasar hatte ausnahmslos viele Feinde, das wisst Ihr selbst! Unhöflich seid Ihr, wo ihr nun zu dieser Stunde in meinen Hof stürmt und mir nicht einmal Euren Namen nennt, Weib!", grollte der Fürst und die Frau lächelte nun.

Doch in ihren Augen sah der Fürst mit einem aufwallenden Gefühl der Genugtuung, dass seine Worte sie mehr als nur erzürnten!

„Mein Name ist Maria Clodette Fresan und als Diplomatin bin ich zu Euch gekommen! Doch verlangt es mich auch, den Assassinen-Mörder Adrian zu sprechen! Ist er hier anwesend?", fragte die Frau und Karzheim lächelte leicht.

„Was wollt Ihr von meinem Vasallen? Nein, er ist nicht hier, darum solltet Ihr Euch zunächst mit mir begnügen, Fresan," meinte der Fürst und Maria verzog das Gesicht zu einen süffisanten Lächeln.

„Ich möchte Euch in Kenntnis setzen, Fürst Karzheim, dass die Kirche sehr erzürnt über Eure Taten in Masyaf ist und an Eurer Gottesfürchtigkeit sehr zweifelt! Sie glaubt nun ebenfalls, dass Ihr dem Assassinen Unterschlupf gewährt oder sogar vielleicht ihre Anschläge steuert! Vielleicht seid Ihr ja auch eines der Oberhäupter dieser Barbaren, wer weiß?", sagte die Frau nun und Karzheims Sicherheit verschwand nun.

Die Kirche! Einen mächtigeren Feind gab es wohl kaum!
Und die Templer dienten direkt unter dem Kreuz, also hatten sie diesen mächtigen Feind natürlich als Verbündeten.

„Was wollt Ihr von Adrian?", lenkte Karzheim nun ein und Maria trat einen Schritt vor.
„Weit ist sein Ruf zu vernehmen! Ein Assassinen-Mörder ist er! Tapfer und stark! Unser ehemaliger Großmeister Robert de Sable hielt viel von ihm und wir haben ein Angebot für Euch und ihn! Drum lasst ihn rufen und hört mich an," sprach die Frau nun gewandt und Karzheim warf den Freunden von Adrian einen Blick zu.

Alexander löste sich augenblicklich aus der Menge und eilte nun davon.

„Er wird gleich da sein," meinte Karzheim und lehnte sich in seinem Stuhl zurück.

„Nun, das ist positiv aber was ist das hier für eine Gastfreundschaft? Wir sind weit gereist und Ihr bietet uns nicht einmal Speise und Trank an!", sagte Maria und Karzheim verzog ungehalten das Gesicht und dachte nicht einmal im Traum daran, diesem dreisten Weib den Wunsch zu erfüllen.

Elessas POV:

Die Nacht war wie erwartet vollkommen schlaflos verlaufen.

Alexander schlief tief und fest neben mir. Er merkte gar nicht, dass ich mich wieder aus den Decken befreite, meine abgelegte Kleidung überstreifte und das Zimmer verließ.

Mein Weg führte mich zu den Ställen, zu Yel. Ein Lebewesen, welches mich nicht mit Fragen oder sonstigen Worten überschütten konnte.

Mein Kopf war voller Zweifel und in meiner Brust bekämpften sich immer wieder gegenseitig erschlagende Gefühle. Dies war wieder ein Moment zum schreien, doch ich blieb stumm. Wie so oft...

„Ah, hier bist du!"

Alexanders Stimme riss mich jäh aus meiner Tag- oder war es noch Nacht? -träumerei.

Er stand in der spärlich beleuchteten Stallgasse und ich hörte, wie sein Pferd am anderen Ende zum Gruß laut wieherte.

„Komm, Adrian! Da sind Templer im Audienzsaal! Sie wollen dich sprechen!", meinte er ohne auf sein Pferd einzugehen und ich löste mich von Yel, der seinen Kopf an meine Brust gelehnt hatte und leicht mit seinen Lippen an meiner Kleidung nestelte.

„Entschuldige mich, kleiner Kerl," murmelte ich dem Hengst leise zu und trat zu Alexander, der mir gleich das Stroh aus der Kleidung klopfte.

Templer? In Kelsen? Sie waren alles andere als gern gesehene Gäste und ich konnte mir nur zu gut vorstellen, dass der Fürst diesen Leuten genau das spüren ließ.

Ich wunderte mich nun, was sie hier wollten. Sonderlich erfreut über deren Auftauchen war ich natürlich nicht, denn es verhieß unumgänglichen Ärger.

Vielleicht wussten sie von dem Edensplitter, welcher sich in meiner Tasche befand?

Als ich das Hauptgebäude gefolgt von Alexander betrat schlug mir bereits eine derart schwere Anspannung entgegen, dass ich dazu geneigt war, mein Schwert sofort zu ziehen.

Dennoch widerstand ich dem Drang meine Waffe zu ergreifen und trat durch den Weg, den mir meine Waffenbrüder nun freimachten.

Karzheim saß auf seinem Lehnstuhl, während Karl und Manfred nun zu seinen beiden Seiten standen. Frank stand rechts von mir inmitten einer Gruppe Soldaten, deren Gesichter angespannt und wütend wirkten, und Markus trat nun, gefolgt von seinem Sohn durch die Tür zu den Kammern.

Ich wandte mich dem Fürsten zu.
„Herr, Ihr habt mich rufen lassen?", fragte ich und schlug nun einen sehr ruhigen und tiefen Ton an.

„Adrian, dies sind Maria Clodette Fresan und ihre Begleiter. Wie du unschwer erkennen kannst, sind sie Angehörige des Templer-Ordens. Sie kommen mit einer Nachricht zu uns drum höre gut zu," raunte der Fürst und ich sah in seinem Gesicht wie wütend und angespannt er war.

Normalerweise war dies bereits der Punkt, wo der Fürst die Beherrschung verlor... doch hier zwang er sich zu einer unglaublichen und für ihn untypischen Ruhe.

„Ihr seid Adrian?", fragte die Frau zu meiner Rechten und trat einen Schritt auf mich zu.

„Jung seht Ihr aus und Eure Augen haben einen gar merkwürdigen Glanz."

Sie berührte mein Gesicht und zunächst wollte ich meinen Kopf beiseite drehen, doch entschied ich mich dagegen und starrte ihr stattdessen mit schon fast stoischer Gelassenheit in die Augen.

Grün waren sie und ihr Ausdruck beunruhigte mich. Ich sah darin Leere, Grausamkeit und etwas, was ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht deuten konnte. Nur ein gewisser Anflug von... nein! Ich war mir nicht sicher.

„Was wollt Ihr von mir?", fragte ich, anstatt auf ihre Worte einzugehen. Die Frau lächelte das kälteste Lächeln, was ich jemals gesehen habe.

Zuvor hatte ich meinen Blick wachsam zu ihrem Gefolge gleiten lassen.

Es waren nur drei weitere Männer. Zwei davon ebenfalls Templer, doch einer trug einen schwarzen Waffenrock mit einem grünen Tatzenkreuz auf der Brust. Er war völlig vermummt und wirkte auf mich in gewisser Weise wesentlich bedrohlicher als die Templer.

Diesen Orden kannte ich nicht und war mir in Akkon überhaupt nicht aufgefallen.

Fresan trug eine komplette Kettenrüstung und die Haube verbarg ihr Kopfhaar gänzlich. Ebenfalls war sie mit einem Schwert bewaffnet. Einem Anderthalbhänder. Was wollte eine Frau mit so einer großen Waffe?
Und eine Frau bei den Templern... ungewöhnlich!

Da ging etwas nicht mit rechten Dingen zu.

Diese Frau ging um mich herum und betrachtete mich scheinbar von allen Seiten.

„Weit eilt Euer Ruf, Adrian! In Akkon nannte man Euch einen Assassinen-Mörder. Erfolgreich jagtet Ihr sie, weil Ihr ihre Geflogenheiten kennt und wisst, wie sie denken und handeln. Man sagt, Ihr wart selbst einst ein Assassine," raunte die Frau und berührte mit ihren Fingerspitzen meinen Arm.

„Das stimmt nicht," erwiderte ich ruhig und fast schon zu leise.

„Eure Augen haben fast denselben merkwürdigen Glanz, wie seine Augen. Ihr kennt ihn, Adrian. Man nennt ihn den „Engel des Todes". Es ist der Mann, der Wilhelm von Montferrat, Sibrand, Garnier von Naplus und Robert de Sable tötete. Ihr habt diesen Mann bereits herausgefordert, nicht wahr? In Jerusalem? Doch wart ihr euch ebenbürtig und Ihr wurdet verletzt," sagte sie und ergriff meine rechte Hand.

Die Farbe der Narben, welche durch Altairs versteckte Klinge entstanden waren und sich unterhalb meines Daumens und auf meinen Handrücken befanden, hob sich stark von meiner üblichen Hautfarbe ab, welche seit ich in Europa war, längst nicht mehr so dunkel wie zuvor war.

„Ihr habt die versteckte Klinge überlebt, wenn auch zu einem hohen Preis. Wie lange habt Ihr unter dieser fürchterlichen Verletzung gelitten?", fragte sie und hob meine Hand an.

Ich sah, wie die Blicke ihrer anderen Ordensbrüder auf meine Hand fielen und einer verzog sogar erstaunt das Gesicht.

„Nicht allzu lange," antwortete ich und zog meine Hand wieder an mich.

Ich warf dem Fürsten einen Blick zu, doch dessen Miene war unergründlich und ich würde vorerst keine Hilfe von ihm erwarten können, da er scheinbar selbst nicht genau wusste, worauf Fresan hinaus wollte.

„Wir jagten sie, Adrian. Auch wir waren erfolgreich, denn der Verrat in ihren eigenen Reihen ging tief und wurde ihrem unerfahrenen Führer zum Verhängnis. Nun! Vor mehr als einem Jahr schafften wir es, Masyaf zu stürmen und uns von der Landplage der Assassinen zu befreien. Doch leider entkam uns eine Hand voll von diesem Ungeziefer. Wir konnten einen großen Teil jedoch finden und ausmerzen, doch fanden wir dennoch nicht unser Artefakt! Einer von ihnen hat es und wir sind uns mittlerweile sicher, dass er sich hier in diesen Ländereien aufhält!", sagte sie und ich sah sie nun an.

„Jeder Engel kann fallen, nicht wahr, Adrian?", hauchte sie und trat noch einen Schritt näher an mich heran.

Ich fühlte Fresans Atem auf meinem Gesicht und ihre Nähe wurde mir plötzlich so unangenehm, dass ich nur schwer dem Drang widerstehen konnte, einen Schritt zurückzutreten.

Ihre Stimme nahm nun eine leicht erhöhte, sehr süffisante Tonlage an. Das Lächeln auf ihrem Gesicht wirkte auf mich wie aus Stein gemeißelt und ein ungutes Gefühl machte sich in meinem Magen breit.

„Jeder Engel fällt irgendwann," murmelte ich nun mehr zu mir selbst als ihre Frage zu beantworten.

Maria umrundete mich, während sie weiterredete: „Er hat etwas, was uns gehört, Adrian. Aber wir haben auch etwas, was er begehrt! Kommt doch nachher vor das Haupttor in unser Lager. Ich bin sicher, wenn Ihr uns helft, wird die Kirche ihre Wut über Euren Frevel in Masyaf überdenken. Es gibt keine Assassinen mehr, Adrian, also gibt es auch keinen Friedensvertrag, der Euch bindet. Ich erwarte Euch nach der Mittagsmesse."

Fresan nickte dem Fürsten zu, deutete eine knappe Verbeugung an und verließ das Gebäude.

Kurz nachdem sie durch die Tür gegangen war, traten meine fünf Freunde zu mir, umrundeten mich und ich spürte mit wachsender Dankbarkeit, wie Markus mir beruhigend die Hand auf die Schulter legte.
Sie schwiegen und ich war mir sicher, dass sie genau das dachten, was mir gerade im Kopf herumspukte.

Hatte ich Fresan da richtig verstanden?
Sie glaubte, dass ich ihr helfe, die Assassinen zu jagen?

Ich sah zu Karzheim und unsere Blicke trafen sich. Nur zu gut konnte ich mir vorstellen, dass er genau wusste, was ich dachte.

„Nein, es ist unklug sie anzugreifen. Es geht nicht um die Templer. Viel schlimmer: Die Kirche ist auf uns aufmerksam geworden. Einen mächtigeren Feind gibt es nicht, auch wenn sie längst nicht mehr so einflussreich ist, wie vor einigen Jahren. Ich werde meinem Bruder eine Nachricht zukommen lassen, dass ich Unterstützung benötige. Frank, du reitest nach Hünxe, nimm dir eine Handvoll Soldaten mit," sagte der Fürst und setzte sich an den Tisch und tauchte eine Schreibfeder in das Tintenfass.

Schnell hatte er einen Brief verfasst, rollte diesen zusammen und versiegelte ihn mit Wachs.

„Nimm den Ausgang durch die Katakomben und sieh zu, dass dich keiner sieht!", sagte der Fürst und reichte Frank das Schriftstück.

Der Älteste von uns nickte und verschwand augenblicklich durch den Eingang.

Alicia trat zu uns. Sie hielt den kleinen Karzheim auf dem Arm, welcher mit seinen großen, blauen Augen in die Runde blickte.

Wir hatten uns alle Sechs in Karzheims Wohnraum eingefunden um zu beratschlagen, was nun als nächstes passieren sollte.

Die Templer brachten die Situation, welche ich bis dato unter Kontrolle glaubte, sofort zum kippen.

Nun wusste ich auch, warum sie so einen erfolgreichen Streich gegen Masyaf führen konnten.

Die Ritter unter dem grünen Kreuz waren Angehörige des Lazarener-Ordens.
Die Dämonen des Lazarus.

Der Lazarener-Orden bestand aus Rittern, welche sich mit dem Aussatz infiziert hatten.

Sie waren ein hochangesehener Orden und sie kämpften wie die Berserker, denn die hatten nichts mehr zu verlieren.

Die Ritter kamen meistens freiwillig von den anderen Orden zum Lazarus-Orden und so mischten sich die unterschiedlichsten Ordensangehörige zu diesem zusammen. Egal ob Templer, Hospitaliter, Deutsch-Orden, Franziskaner... und was es sonst noch so alles gab!

Aussätzige waren ab einem gewissen Stadium der Krankheit sehr entstellt und verstümmelt und nun verstand ich auch, warum Asra von Dämonen gesprochen hatte. In diesem Moment, wo diese Ritter in Masyaf auftauchten, musste sie wohl geglaubt haben, das Höllentor hätte sich geöffnet!

Selbst Saladin hatte großen Respekt vor ihnen.

Die Templer hatten scheinbar ein Bündnis mit ihnen, aber das verwunderte mich nicht, da es beides Mönchsorden waren und die halfen sich immer gegenseitig.

Und schließlich ging es um ein heiliges Artefakt. Dies war wohl Grund genug, um ein ganzes Dorf zu vernichten.

„Wir müssen Mesha und Asra wegbringen. Wir müssen das Rätsel um den „Pfad der Morgenröte" lösen," sagte ich und Markus nickte.

„Jetzt haben wir nicht mehr viel Zeit und ich schlage vor, ehe wir noch mehr davon verlieren, brechen auch wir auf!", meinte Karl und Karzheim schnaufte.

„Ich gebe ungern zu, dass ihr Recht habt. Aber ich fürchte Adrian wird sich jetzt nicht darum kümmern können. Fresan will ihn für die Assassinen-Jagd. Sie suchen einen bestimmten, und ich fürchte, ihr wisst alle, um wen es sich dabei handelt," meinte Karzheim und nahm seinen Sohn aus Alicias Arm.

„Ich reite los und bringe die beiden Frauen von hier weg," meinte Karl und Karzheim nickte.

„Alexander und Markus werden dich begleiten. Manfred wird hier bei mir und Adrian bleiben," sagte der Fürst und Markus und Alexander nickten.

Fürst Karzheim strich sich nachdenklich durch den blonden Bart.

„Ich fürchte, es wird in den nächsten Tagen unangenehm werden," sprach der Mann leise und starrte vor sich her.

Ich spürte, dass es in ihm brodelte und auch ich glaubte, dass es zu den nächsten unschönen Ereignissen kommen würde.

Ein Unwohlsein tief in meinem Innernergriff nun wie eine starke, kalte Hand mein Herz und schnürte mir bald die Luft ab.

Dieses Gefühl des Unwohlseins verließ mich auch nicht, als ich Mesha und Asra in die Obhut meiner drei Waffenbrüder gab und sie durch die dunklen, feuchten Gänge der Burgkatakomben begleitete.

Ich spürte, wie mir die Zeit davonlief und die Gefahr mir nun im Nacken saß wie ein blutrünstiges Tier.

Alles stürzte erneut auf mich ein, die Vergangenheit klopfte an die Tür der Gegenwart und ich versuchte zu atmen, dennoch hatte ich ständig das Gefühl, ich würde ersticken. Egal wie tief ich Luft holte, dieses Gefühl, als wäre meine Kehle abgeschnürt, ließ mich nicht los.

„Ich wünschte, ich könnte mit euch reiten," hatte ich kraftlos gemurmelt.

Zurück blieben nur ich und Manfred! Wir beide gegen viele Templer und noch mehr Lazarener!

Monster! Dämonen! Dämonen des Lazarus! Knuts Worte sandten nun einen Schauer über meine Haut, wie zuvor nicht!

„Halt sie hin, Adrian! Wir werden sehen, was wir finden! Und wir finden eine Lösung! Es wäre doch gelacht, wenn die frommen Brüder es mit unserer Durchtriebenheit aufnehmen könnte!", sagte Alexander und hob Asra auf seinen Schecken, ehe er selbst in den Sattel stieg.

Er grinste mir so selbstsicher zu, wie es eben nur Alexander in einer so schlechten Situation vermochte.

„Unserer Durchtriebenheit und unserem Zusammenhalt! Denk dran, du bist nicht allein," erwiderte Karl, welcher bereits mit Mesha im Arm im Sattel seiner Fuchsstute saß.

Markus berührte sanft meinen Arm und diese Berührung bedeutete für mich nun mehr als nur eine freundschaftliche Geste. Wie sehr wünschte ich mir in diesem Moment, ich müsste an nichts anderes denken als nur an diese Sache, welche ich nun eigentlich in Anbetracht der ganzen Umstände als positiv, verwirrend aber gut, empfand?

„Bleib ruhig! Es sind auch nur Menschen, Adrian! Wer hoch fliegt, kann auch tief fallen! Halt die Augen offen. Wir kommen zurück, so schnell wie es uns möglich ist," sagte er und sah mir zum Abschied noch einmal tief in die Augen.

Sie wirkten so beruhigend auf mich, wie ein Schlaflied, gesungen zu später Stunde von einer süßen, gar lieblichen Stimme.

Ich schnaufte und nickte.

„Ich werde warten, auf euch alle! Wir... wir kommen auch hier durch! Die werden sich wundern," sagte ich und sah wie Karl und Alexander lächelte und nickte.

Markus lächelte auch und wandte sich seinem eigenen Pferd zu.

„Friede und Sicherheit," flüsterte ich nun und hob die Hand zum Abschied. Meine Brüder taten es mir gleich und ritten dann durch das schwache Licht des frühen Morgengrauens davon.

Ende Kapitel 25