So.

Ich hoffe, dass dies hier noch einer liest.
Mir ist völlig bewusst, dass ich ne verdammt lange Pause hatte.
Dies will ich nun beenden, die Story aufarbeiten, die folgenen Kapitel aber auch nochmals neu bearbeiten.

In den vergangenen Jahren ist bei mir privat sehr viel passiert. Das waren unter anderen Gründe meines Rückzugs, meiner Demotivation.

Doch ich will weiter machen und beenden was ich einst angefangen habe.

Das bin ich euch und mir selbst schuldig und ich freue mich auf das Schreiben und auf Euch.

LG

Falk

Der abgetrennte Zopf

Kapitel 27: „Von Feinden umringt!"

Sie hatte sich so sehr verändert.

Während sie in Akkon noch immer den Soldaten gemiemt hatte, selbstsicher und fast schon gewalttätig aufgetreten war, so wirkte sie nun ganz anders auf ihn. Distanziert. Ruhig. Sie verdeckte ihre Emotionen hinter einer Maske aus stoischer Gelassenheit und einer Mischung aus Ignoranz und Arroganz.

Altair war sich nicht sicher, ob es nur an der Kleidung lag, aber sie wirkte nun auch wesentlich größer auf ihn als er es in Erinnerung hatte.

Größer und auch stämmiger. Aber dennoch kleiner im Verhältnis zu den meisten Menschen in und um Xanten und immer noch relativ schlank.

„Lange nicht gesehen, Assassinen-Mörder," erwiderte er den Gruß und blickte ihr fest in die Augen.

Auch ihre Augen hatten sich verändert. Die Farbe war die gleiche, doch sah er unweigerlich die Leere darin und eine tiefe Wut. Ein Groll, welcher, wie er wusste, von ihm selbst damals in Akkon ins Leben gerufen wurde.

„Die ist ein schlechter Ort zum sprechen, Altair. Es ist kalt und laut hier draußen," sprach sie nun weiter und verschränkte die Arme vor der Brust. Ein sichtbares Zeichen dafür, dass seine Gesellschaft ihr nicht willkommen war.

„Wer sagt denn, dass ich mit dir sprechen möchte, Elessa?", entgegnete Altair und sah nun wie sich ihr Blick sofort verfinsterte.

„Was willst du dann, Assassine?"

Nun nahm sie die Arme wieder herunter und wechselte ihren Stand, schob unmerklich den linken Fuß einige Zentimeter vor und straffte ihren Oberkörper.

Eine verdeckte Kampfhaltung.

Elessa erwartete also einen Angriff.

Ein grimmiges Lächeln erschien auf Altairs Zügen.

Nur zu bildlich erinnerte er sich an Jerusalem und nur zu gut wusste er, wozu sie damals schon fähig war und zu ungenau wusste er nun, was sie heute würde alles tun können.

Ihre Körperhaltung verriet nur wenig. Ihre Schultern waren locker, ihre Arme hingen an ihren Körperseiten hinab und somit waren ihre Hände auch nicht wirklich in Reichweite ihres Schwertes, welches sie an der Seite trug, dennoch deutete ihre Fußstellung unnachahmlich eine Kampfhaltung an.

Beide Fußspitzen deuteten in seine Richtung, nicht zur Seite, wie es der Fall war wenn jemand eine Auseinandersetzung scheuen wollte.
Altair kannte die Anzeichen eines bevorstehenden Konfliktes und er war sich sicher, dass Elessa auf die Konfrontation eingehen würde wenn sich ihr nun Gelegenheit dazu bot.

Altair griff in seinen breiten Ledergürtel, war dabei sehr darauf bedacht möglichst langsam und sichtbar seine Aktion durchzuführen denn eine falsche Bewegung – so wusste er - würde sofort die Situation zum kippen bringen und ein Kampf würde in dreißig Metern Höhe beginnen. Ein Kampf den er dieses mal vielleicht nicht gewinnen konnte.

Er zog eine weitere, weiße Feder hervor, welche sich im heulenden Wind in seiner kräftigen Hand bog. Elessas Blick ruhte immer noch ruhig und beobachtend auf ihm. Nur kurz glitt dieser zu der Feder in seiner Hand und legte sich dann aber wieder sofort auf sein Gesicht.

„Dies ist deine Feder, Elessa. Ich bin mir nicht ganz sicher, welche Rolle du in dieser Jagd spielst. Du verrätst mich und die Bruderschaft an die Templer, versuchst mir eine Falle zu stellen und an das Artefakt zu gelangen. Dazu ist selbst dir sogar jedes Mittel recht," raunte er nun und veränderte nun auch seine eigene Körperhaltung.

Altair verlagerte nun seinen Schwerpunkt auf die Knie, spannte sich nur soweit an, wie er sicher war, dass Elessa es möglichst nicht so schnell bemerken würde.

„Ich habe auch nicht wirklich viele Alternativen zum handeln, Altair," erwiderte Elessa und schüttelte dabei den Kopf.
„Ich verrate euch nicht! Ich versuche sie von dir und den anderen abzulenken! Ich habe ein kleines Zeitfenster schaffen können, bis Sonntag, aber das scheint für dich ja völlig nebensächlich zu sein. Du bist schlecht informiert, Assassine."

Altair klemmte die Feder erneut hinter seinen Gürtel und ließ nun ebenfalls seine Hände sinken.

„Bist du Hilfe, oder Fluch?", fragte der Assassine nun und Elessa zuckte mit den Schultern.
„Ich schätze, dass hängt ganz davon ab, wie du beides auslegst, Altair. Meine Loyalität gilt weder deinem Orden, noch dem Orden der Templer oder Lazarener. Sie gehört allein dem Fürsten Wilhelm von Karzheim. Das weißt du. Seine Befehle sind die erste Priorität und wenn er sagt, ich solle im Alleingang gegen alle Templer antreten, so werde ich das tun. Sagt er aber, dass ich auch im Alleingang gegen euch Meuchler gehen soll, so werde ich ebenfalls nicht einen Atemzug lang zögern," sagte sie und nun heulte der Wind erneut laut auf und ließ die Kleidung der beiden Kontrahenten, denn zu diesem Zeitpunkt waren sie kaum etwas anderes, wild durch die Luft flattern.

„Dennoch, es gibt ein Friedensabkommmen zwischen den Assassinen und den Rittern von Kelsen. Ich werde den Vertrag nicht brechen, Altair. Ich werde ihn erst brechen, wenn du mich angreifst, dessen sei dir bewusst."

Sie wartete also auf einen Angriff?

Nur zu gern würde Altair diesem Impuls nun nachgeben! Sie anspringen, zu Boden reißen! Schütteln wie ein Wolf einen Hasen schüttelte!

Nur zu schwer lag nun die Last der letzten Jahre auf seinen Schultern!

Ihre Ablehnung ihm gegenüber hatte ihn trotz seiner Vernunft und seiner Bereitschaft, ihr die Freiheit zu lassen, die sie sich so sehr erkämpft und gewünscht hatte, so fürchterlich verletzt!

Seit drei Jahren dachte er unentwegt an sie. Dabei mischten sich viele Gefühle miteinander, kämpften und tobten gegeneinander an und vertrugen sich nie.

Ständig hatte er allein sein wollen und hatte die Einsamkeit dann doch nicht ertragen können.

Dies war der Grund gewesen, warum er Seza aus den Räumen der Festung mit sich nahm, sie nur für sich beanspruchte, wie es einem Meister-Assassinen auch zustand.

Dies sanierte seinen angeschlagenen Ruf, genauso wie die Tatsache, dass er einen Sohn mit ihr, einer guten, braven Frau, welche noch dazu wunderschön war, gezeugt hatte.

Zunächst hatte Altair mit Seza nur wenig anfangen können. Er hatte seine männlichen Bedürfnisse an ihr gestillt, sie aber kaum weiter angefasst und noch viel weniger an seinem eigentlichen Leben teilhaben lassen.

Er hatte ihr von Anfang an gesagt, dass er sie nicht würde lieben können. Das er dies nie können würde und Seza war darüber natürlich traurig, aber sie gab sich mit ihrem Leben zufrieden und kümmerte sich dennoch ohne ein Wort der Beschwerde um sein Wohl und bald auch um das Wohl seines Sohnes.

Eine erste Veränderung fand statt als man Elessa damals für Tod erklärte. Dies war bereits fünf Jahre her.

Die nächste Veränderung kam als Elessa freiwillig von ihm ging und dann veränderte sich erneut schlagartig all sein Denken, als er Sinan zum ersten Mal auf den Arm nahm.

Altair war über die bevorstehende Geburt völlig verunsichert gewesen! Verunsichert und leider, wie er zugeben musste, auch vollkommen überfordert!
Er hatte nur wenig Geld, auch wenn die Bruderschaft sich zum größten Teil um ihre Belange kümmerten!
Aber was konnte er einem Kind schon bieten? Wie lange würde er ihm ein Vater sein können? Und würde er nicht allein daran schon scheitern? Er? Der „sprechende Stein!", wie ihn Raoul zwischenzeitlich nannte.

Er hatte Seza in eines der Frauenhäuser gebracht, wo auch Maliks Frau Mesha als Geburtshelferin einen guten Ruf genoss.

Die Geburt hatte lange gedauert und er hatte sich in sein kleines Haus vor der Festung zurückgezogen, den Kopf in die Hände gelegt und bis heute vermochte er nicht zu sagen, ob er verzweifelte, trauerte oder gar frohlockte.

Es war Malik gewesen, welcher ihn aus dem dunklen Gebäude zerrte und ihn zu Seza brachte, die von den Strapazen der Geburt ruhte und Mesha trat auf ihn zu und gab ihn dieses kleine, hilflose Bündel Mensch einfach in den Arm.

Sämtliche Muskelkraft war in diesem Moment aus ihm herausgewichen, vor Angst, er könne dem kleinen Mensch auf seinem Arm weh tun.

Malik sagte später, dass er so einen Ausdruck noch nie auf Altairs Gesicht gesehen hatte. Doch dann stutzte der Ober-Assassine und sagte: „Doch. Einmal. Damals, als du Elessa halbtot aus der Festung getragen hast. Damals sahst du genauso aus!"

Elessa hatte in ihren Gesprächen keinen Platz mehr eingenommen und war in diesem Jahr überhaupt nicht erwähnt worden.

Altair hatte kurz den Blick von seinem Sohn abgewendet und sein Gesicht verfinsterte sich für kurze Zeit, doch das Glucksen des Kindes brachte ihn schnell zurück in die Realität und ein Lächeln, rar und selten zu diesen Zeiten, erschien auf seinen Lippen.

Doch nun hatte sich auch sein Leben wieder gewendet!
Alles, was er mit so schweren Gefühlen mühsam aufgebaut hatte schien nun in Trümmern zu liegen!
Aus der Heimat verjagt, gejagt über Länder die er niemals hatte sehen wollen und nun stand sie wieder vor ihm und wirkte so bedrohlich und kühl wie nie zuvor!

Mit aufkommender Wut erinnerte er sich an den schicksalsträchtigen Tag in Akkon!

Er hatte sie nicht gehen lassen wollen und tat es dennoch! Anschließend bereute er dies, denn mit ihr gingen all die Gefühle die er je als tröstend und schön empfunden hatte!

Einst liebte er sie, doch nun war er sich dessen gar nicht mehr sicher.

Sie war gegangen und hatte sich nicht einmal zu ihm umgedreht! Zog die Lüge seiner Liebe vor!

Unwillkürlich ballte Altair nun seine Hände zu Fäusten und hob den Kopf.

Er war sich sicher, dass sie nun sein Gesicht sehen konnte. Neue Narben waren hinzugekommen und es zeigte die Strapaze und das Elend, welches er nun seit über einen Jahr auf seinen Rücken schleppte.
Doch er ertrug es für die anderen, deren Leben er damit gerettet hatte und er würde es auch weiterhin für seinen Sohn ertragen!

„Dir... dir ging es hier scheinbar sehr gut," sagte er nun und seine Stimme kam einem heiseren Stöhnen gleich. Er spürte wie er nun vor Wut zu zittern begann und als Elessa auch noch die Frechheit besaß zustimmend zu nicken, glaubte er sich schon gar nicht mehr halten zu können.

Doch dann sprach sie erneut zu ihn und Altair spürte, wie ihre Worte seine Wut besänftigten.

Dies war einer dieser Effekte gewesen, welchen sie auf ihn ausübte, sobald sie in seine Nähe kam. Elessa war fähig gewesen, seinen inneren Sturm, welcher alle Zeit tobte, zu beruhigen.

„Hör zu, Altair. Ich wünschte auch dir wäre all das, was wohl hinter dir liegt, erspart geblieben. Es tut mir sehr Leid was dir widerfahren ist, denn auch du verdienst den Frieden und die Liebe die du dir so sehnsüchtig wünschst. Wenn ich nun dazu etwas beitragen kann, so möchte ich nichts unversucht lassen und das nicht, weil der Vertrag mich daran bindet, sondern weil ich euch Assassinen gegenüber generell nicht schlechter Gesinnung bin. Ich mache mir Sorgen um Malik und die anderen, auch wenn ich sie kaum kannte und möchte nicht, dass ihnen etwas zustößt. Ich helfe dir, Altair ibn la-Ahad. Vorausgesetzt du möchtest das. Also sag mir, warum du hier bist," sagte sie und Altairs wütendes Zittern endete.

Er atmete tief durch und ließ ihre Worte auf sich wirken ehe er nun einen Schritt auf sie zuging.

Elessa bewegte sich nicht, weichte nicht vor ihm zurück.

Auch nicht, als er anschließend so nahe war, dass sich ihre Nasen fast berührten.

„Wenn ich die Liebe und den Frieden, den ich mir so sehnsüchtig wünsche verdiene, warum gibst du ihn mir dann nicht?", raunte er leise und sah ihr dabei tief in die honigfarbenen Augen.

Auch sie erwiderte seinen Blick furchtlos und mit stoischer Gelassenheit.

Elessa atmete langsam und ruhig und dann sah er, wie sich ein Lächeln in ihren Blick schlich.

„Ich kann nicht duejenige sein, der es dir gibt, weil meine Freiheit nicht neben deinen Frieden und deiner Liebe existieren kann. Das weißt du selbst und deswegen ließt du mich in Akkon gehen. Ein großer Schritt, den ich dir eigentlich nie zugetraut habe, Altair. Ich war... enttäuscht, als du es dennoch tatest," sagte sie und noch immer klang ihre Stimme ruhig und hatte fast schon etwas tröstendes, was Altair aber bestenfalls als beleidigend einstufte.

Er war schließlich kein Kind, dass man trösten musste!

„Ich war in der Lage dir etwas zu geben, aber du warst nicht fähig es zu erwidern. Was glaubst du, wie sehr es mich verletzte als du es einfach nahmst und gingst? Zerrissen hat es mich! Tag um Tag! Getrieben wie ein geschundenes, altes Pferd! So fühle ich mich! Ich flüchte von einem Tag zum nächsten und bin jeden einzelnen überdrüssig! Zu jeder Stunde wünsche ich mir, dass heute gestern wäre. Gestern... zu der Zeit wo wir noch zusammen waren und uns liebten," flüsterte er und sie seufzte leise.

„Du meinst, wo wir uns begannen zu lieben? Eine Beziehung mit dir aufzubauen war mehr als schwer, Altair. Das gibst du wohl selbst zu, nicht wahr? Jeder hat sein Bestes dazu beigetragen um all dies zu zerstören! Al Mualim, Hamid, ja, vielleicht sogar Karzheim, denn er wollte mich nicht mit dir teilen, auf die ein oder andere Art! All diese Arbeit und alles umsonst! Denn du und ich, wir können nicht nebeneinander existieren! Jetzt nicht mehr, denn es war bereits vorbei, bevor wir es wussten, Altair. Außerdem hast du nun eine Familie, die dich braucht! Der Kleine braucht dich sehr! Auch ich hätte meinen Vater gebraucht, nachdem meine Mutter starb! Doch er war nie für mich da, und ich fiel ihm zur Last! Egal was ich tat! Nichts war gut genug! Nichts!"

Ihre letzten Worte hatte sie ihm fast entgegengeschrien, und da merkte Altair erst, wie sehr sie doch unter ihrer Vergangenheit, welche noch weit vor ihrem Zusammentreffen in Jerusalem lag, litt.

Grimmig lächelte er. Sie hatte ihm eine direkte Angriffsfläche geboten und er würde sie nun nutzen.

„Sie verfolgen dich bis heute, nicht wahr? Du bist niemals darüber hinweggekommen, dass deine Eltern dich nicht liebten. Deine Mutter, sie hieß Jessara, erinnerst du dich überhaupt noch an ihren Namen?, sie liebte dich, doch sie ließ dich allein als du noch viel zu klein warst um es zu verstehen! Du bist so unglaublich stark an Körperkraft und Willen! So selbstsicher und mutig wie keine Frau die ich jemals kannte, aber du bist nicht fähig um deine Vergangenheit aufzuarbeiten und endlich das was war loszulassen und einen Schlussstrich zu ziehen! Das macht dich schwach, denn die Vergangenheit auf dem Rücken der Gegenwart ist unerträglich, nicht wahr? Und das ist auch der Grund, warum du nicht lieben kannst!", sagte er nun und auch seine Stimme nahm einen wesentlich sanfteren Tonfall an. Allerdings nicht, um sie zu trösten, denn dies stand ihm zu diesem Zeitpunkt nicht im Sinn.

Elessa trat nun einen Schritt zurück.

Mit einer merkwürdigen Art von Genugtuung bemerkte Altair, dass sie über seine Worte, welche er ebenfalls mit bedacht gewählt hatte, überrascht und zugleich scheinbar auch entsetzt war.

„Wieso sprichst du über solche Sachen erst nach so langer Zeit? Warum hast du mir dies nie früher sagen können? Ich stand immer mit allem alleine da! Mit all meinen Zweifeln und Ängsten! Immer musste ich damit alleine zurechtkommen und war dennoch bereit deine ein Stück weit mitzutragen! Keiner konnte mich je verstehen! Keiner hat es je interessiert außer Fürst Karzheim und Markus! Warum müssen zwei wildfremde Menschen kommen, damit ich endlich einen Teil der Last loslassen kann? Aber du hast Recht! Es ist noch viel zu viel von der Vergangenheit da und ich kann sie nicht loslassen, denn nie hatte ich die Gelegenheit um all das zurückzugeben, was man mir angetan hatte! Es sind nicht die Schläge und Worte, Altair! Es ist der offensichtliche Hass gewesen und die Gewissheit, dass egal was ich je tun würde, und egal wie groß meine Taten wären, nie für sie genug gewesen wären! Nie! Sie hassten mich, weil ich... ich weiß nicht mal warum! Ich weiß nicht, was ich getan hatte um das zu verdienen! Ich war verdammt noch mal ein KIND!"

Zunächst glaubte Altair ein leichtes Zittern ihrer Schultern zu sehen.

Er hatte eine alte Wunde geöffnet und dies war der Grundstein zu Elessas Versteckspiel und Wunsch nach einer anderen Identität.

Doch das sah er alles erst jetzt. Hier! Dreißig Meter über den Boden inmitten eines tosenden Herbststurmes, der den kalten Atem des nahen Winters mit sich trug.

Elessa gab nun ihre Haltung gänzlich auf und drehte ihm den Rücken zu.

Diese Bewegungen gaben Altair ebenfalls das Signal, dass sie nun in keinsterweise mehr beabsichtigte mit ihm weiter zu sprechen.

„Es ist dumm, dass wir in einen solchen Moment so streiten, Außerdem geht dich das alles nichts mehr an! Für uns beide hängt viel davon ab, Altair! Du willst deinen Sohn retten, nicht wahr? Und ich... ich ganz Kelsen! Wir haben beide nichts davon, wenn wir jetzt bis Sonntag streiten! Doch jetzt wo du wieder aufgetaucht bist, verspüre ich den fürchterlichen Drang, mich tausende von Meilen fortzuwünschen! Dir folgt das Schicksal auf dem Fuß, Altair!", sagte sie mit bitterer Stimme und zuckte erschrocken zusammen, als Altair nun laut lachte.

„Nein, nein, nein!", sagte Altair und grinste. „Komm nicht auf den Gedanken, mir die ganze Schuld in die Stiefel schieben zu wollen, Elessa! Das Schicksal sitzt dir auf dem Rücken! Wie jeden von uns Menschen! Diese Dinge geschehen, weil sie geschehen müssen und nicht weil einer von uns es so will! Mach es dir nicht so einfach. Ich habe auch immer einen Schuldigen für meine Fehler gesucht. Aber am Ende ist man immer selbst der, der die Konsequenzen trägt. Jetzt wo ich dich sehe, sehe ich in einen Spiegel! Du bist so geworden, wie ich einst war! Ein Flüchtender! Jemand der hin und hergerissen ist und nicht mehr weiß, was noch richtig oder falsch ist!", sagte er und Elessa drehte sich zu ihm herum.

„Mag sein, dass es so ist. Kram nur weiter in alten Dingen, Altair. Mach mir nur Vorwürfe. Vielleicht sind sie alle gerechtfertigt. Aber mich erreichst du dadurch nicht," grollte sie, klopfte mit Zeige- und Mittelfinger auf ihre linke Brust und ging nun an ihn vorbei und betrat das Gebäude ohne sich noch einmal nach ihm umzudrehen.

Altair sah noch einen kurzen Augenblick zu der dunklen Öffnung, in der sie verschwunden war, ehe er sich nun selbst daran machte, nach einen Schlafplatz für die Nacht zu suchen.

Diese Runde ging definitiv an ihm...

Elessas POV:

Ganz ruhig bleiben!
Was hatte ich erwartet? Was hatte ich verdammt noch mal erwartet?
Das er mir um den Hals fällt und er mir sagt, dass er sich freut mich zu sehen? Nein! Das habe ich mir bestenfalls gewünscht, aber nicht erwartet!

Altairs Haltung mir gegenüber war alles andere als positiv!

Ich Idiot hatte ihm eine offene Angriffsfläche geboten und er hatte sie natürlich genutzt!
In seinem Gesicht las ich den Vorwurf und er macht nicht einmal einen Hehl daraus, dass er auf mich mehr als nur wütend war.

Aber warum hatte er mich dann gehen lassen?
Und noch dazu... er sprach mit mir, als würde er mich tausend Jahre kennen! Als würde er mich verstehen! Damals hatte er kaum zwei Sätze am Tag mit mir sprechen können! Und jetzt sprach er ganze Monologe!

Das... so kannte ich den Assassinen überhaupt nicht und das machte mich nervös!

Dies war nicht der Altair gewesen, den ich vor fünf Jahren in Jerusalem antraf!

Auch an ihm hatte die Zeit nun genagt und er hatte sich verändert. So wie auch ich mich verändert hatte!
Das war halt so! Verdammt! Was hatte ich denn bloß erwartet?

Ich verließ eilig den Wachturm, sagte nichts zu den beiden Männern in der Wachstube und ging zurück zum Haupthaus wo ich nun Fresan antraf!

„Fresan?", fragte ich völlig verwundert.
Es war recht spät und soweit ich wusste, wurde keinem der Templer ohne Absprache mit dem Fürsten selbst Einlass gewährt.

„Ah, Adrian! Zu Euch wollte ich," sagte die Frau und lächelte ihr kühles Lächeln.

Sie kam auf mich zu und berührte meine unter dem Tuch verborgene Wange.

In mir zog sich vor Schreck alles zusammen!

Wie lange war sie schon da? Und hatte sie Altair und mich gesehen?
Aber dies schien nicht der Fall zu sein, denn sie kam mit einem komplett anderen Anliegen zu mir.

„Nun, Adrian. Ein weißer Waffenrock mit rotem Kreuz würde Euch sicherlich gut stehen. Man würde Euch gerne in den Reihen der Templer sehen," meinte Fresan und berührte mit ihren Fingern nun den Stoff, der mein Gesicht bedeckte und stülpte ihn unter mein Kinn.

„Ein gar hübscher Jüngling seid Ihr, zu Schade, dass Ihr diesem Fürsten dient," meinte sie doch ich schüttelte den Kopf und meinte: „Der Fürst ist wie ein Vater für mich. In meiner schlimmsten Stunde linderte er meine Not und rette mir mein Leben. Ich diene ihm vom ganzen Herzen."

Fresan nickte.

„Sicher. Ihr fühlt Euch gebunden. Nun, lasst es mich wissen, wenn sich dies einmal ändert," sagte sie mit ihrem schweren, französischen Akzent und ließ ihren Zeigefinger nun über mein Kinn gleiten.

„Nun, Ihr wärt dann mein erster Ansprechpartner, Fresan. Was führt Euch her? Der Fürst wird Euch zu solcher Stunde nicht empfangen," meinte ich und Fresan lächelte.
„Nun, eigentlich wollte ich zu Euch und Euch herzlich zu unserer Erntedankmesse einladen. Wir zelebrieren sie im Kloster Hagenbusch in Xanten. Es ist eine große Ehre, da wir nie einen Aussenstehenden daran teilhaben lassen," sagte sie und ich nickte vorsichtig.
„Ich fühle mich mehr als geehrt und nehme die Einladung gerne an," murmelte ich und musste mit mir kämpfen um nicht das Gesicht zu verziehen.
Solche Messen dauerten immer lange und das viele stillsitzen und beten mochte ich nicht besonders.

„Nun, dann freue ich mich sehr auf Euer kommen, Adrian. Und noch mehr auf die Jagd, die danach beginnt," raunte sie und ließ nun von meinem Gesicht ab.

Fresan verließ die Halle und ich begab mich, nachdem die Tür hinter ihr ins Schloss gefallen war, zurück zum Fürsten, der an der offenen Tür gestanden und wohl jedes Wort mitangehört hatte.

„Immer wieder versuchen die dich mir abspenstig zu machen, Adrian. Allein dafür verdienen die schon eine Abreibung," meinte der Fürst und deutete mir mit einer Geste mich zu ihm zu setzen.

Ich schenkte mir und dem Fürsten etwas von dem warmen Honigwein ein und wärmte mir an dem Gefäß die Hände, nachdem ich meine Handschuhe ausgezogen und neben mich auf die Holzbank gelegt hatte.

Fürst Karzheim selbst setzte sich mir gegenüber und betrachtete nachdenklich mein Gesicht, ehe er sagte: „Du siehst aus, als hättest du einen Geist gesehen!"

Ich nickte verdrossen.
„In der Tat, Herr. Das habe ich. Ich begegnete vor ein paar Minuten Altair auf dem Bergfried und lasst mich Euch sogleich auch berichten, dass seine Gesinnung mir gegenüber zweifelhalfter Natur ist," antwortete ich und der Fürst verschluckte sich fast an dem heißen Getränk.

„Also ist er nun doch aufgetaucht? Ich habe damit gerechnet und dennoch gehofft, dass es nicht ausgerechnet er ist, den die Templer suchen!", meinte der Fürst und mir entrang sich ein Seufzen.

„Sie haben seinen Sohn und Altair will ihn natürlich befreien. Ich musste ihn an den Friedensvertrag erinnern, denn ich war mir bei weitem nicht sicher, ob er mich nicht ebenfalls angreifen wollte. Er ist... sehr verletzt über meine Zurückweisung und... wütend auf mich. Aber er hat mich nicht angegriffen. Zumindest nicht körperlich. Altair wirkte ganz anders auf mich und ich fürchte, damit hat er mich mehr getroffen als mit einen Schlag. Ich glaube kaum, dass ich ihm etwas entgegenzusetzen habe, sollte er sich dazu entscheiden mich anzugreifen! Ich werde mich nicht wehren können, Fürst Wilhelm!", sagte ich leise und senkte den Kopf.

Der Fürst schwieg für lange Zeit bedächtig.

Er strich sich langsam durch den gepflegten Bart und musterte mich eindringlich.

„Also gibst du schon wieder auf, bevor die ganze Sache richtig begonnen hat?", fragte er und ich sah anschließend zu ihm auf.
„Natürlich nicht. Für Kelsen würde ich gegen jede Armee im Alleingang kämpfen. Aber Altair ist mittlerweile ein Gegner, den ich einfach nicht gewachsen zu sein scheine," erwiderte ich und der Fürst fragte: „Warum?"

Warum? Weil...

„Ich... ich weiß es nicht. Ich fühle mich wie gelähmt, wenn ich in seiner Nähe bin! Ich kann kaum atmen!"

„Warum?"

Wieder dieses dumme, lästige „Warum!"

„Ich habe keine Angst vor ihm, wenn Ihr das meint," sagte ich und der Fürst schüttelte lächelnd den Kopf.
„Nein, dass hast du nicht. Aber ich sage dir, was dein Problem ist: Du liebst ihn noch," sagte er und seine Worte trafen mich augenblicklich wie ein Schlag mit der Faust.

„Nein... nein, dass tue ich nicht! Ich habe... andere Pläne! Ohne Altair!", sagte ich sofort und der hohe Herr lächelte sanft.

„Mit Markus. Ich weiß," meinte er und schenkte mir den Met nach, der nun scheinbar auf unerklärliche Weise aus meinem Becher verschwunden war.

„Woher...?", fragte ich, doch der Fürst winkte ab.

„Markus hat es mir erzählt! Er spricht ständig von dir! Macht sich ständig Sorgen und mir Vorträge darüber, dass ich dich nirgends alleine hinschicken soll," sagte er und ich errötete nun heftig.

„Das ist... es ist noch nichts nennenswertes passiert und... Markus trauert sehr um seine Frau. Man kann der Sache noch nicht Mal einen Namen geben, Fürst Wilhelm," meinte ich und nahm noch schnell einen großen Schluck von dem Wein.

„Sicherlich noch nicht, aber lass dir gesagt sein, dass Markus dir ein gutes Auskommen bescheren könnte. Er besitzt ein kleines Stück Land und ist von gutem Stand. Sein Familienname ist weit bekannt und meinen Segen hättet ihr jeder Zeit," meinte er und ich spürte wie ich noch mehr errötete.

„Das hat doch alles noch Zeit," murmelte ich und klang dabei fast schon ein wenig hilflos.
Eben erst war Altair aufgetaucht und nun musste ich mitanhören, wie hier jemand wohl schon ans heiraten dachte.

„Sicherlich. Noch hat es das. Du hättest ein gutes Leben bei ihm, dass weißt du selbst. Du kennst Markus mittlerweile wohl genauso gut wie ich und du weißt, was für ein guter Mensch er ist," meinte der Fürst und ich nickte.

„Ich kann es mir auch gut vorstellen, mit Markus zu leben! Wir kämen bestimmt prima miteinander aus und wir können immer viel miteinander reden! Ich genieße es jedes Mal, wenn ich bei ihm bin! Ich mag ihn wirklich sehr," gestand ich nun und blickte dabei auf die Tischplatte.

„Ich mache mir allerdings nun Sorgen. Jetzt wo Altair aufgetaucht ist, gilt es, den alten Gefühlen wieder gegenüberzustehen. Du hast ihn sehr geliebt und wolltest ihn niemals loslassen! Dennoch hast du es getan und du bist anschließend von deinen Zweifeln beinahe umgebracht worden," meinte der Fürst und trank nun selbst von dem Wein.
„Nun schau mich nicht so überrascht an. Ich bin weder blind, noch bin ich dumm und ab und an steht dir direkt auf der Stirn geschrieben was du denkst oder wie du dich fühlst."

Ich lächelte resigniert.
„Ja und von allen könnt Ihr es am besten lesen," murmelte ich und sah zu dem Mann auf und lächelte dankbar.

Auch in dieser Nacht sollte ich kaum Ruhe finden.
Altair war auf Kelsen, verbarg sich irgendwo im Schatten und wartete auf seine Gelegenheit.

Welche Gelegenheit?

Meine Hände schwitzten und in mir tobte der wildeste Gefühlssturm. Der Herbststurm dort draußen war nichts im Vergleich dazu.

Altairs Zorn war groß aber anders als früher. Ich war mir ziemlich sicher, dass es wirklich nur der Friedensvertrag war, der ihn davon abhielt mir die verborgene Klinge durch den Hals zu jagen.

Zumindest solange sein Sohn nicht in Sicherheit war und er scheinbar auch keinen Plan hatte, dieses Dilemma heil zu überstehen.

Auf diese verrückte Art und Weise waren wir nun von einander sogar abhängig, doch schwer lastete die Gewissheit auf mir, dass nach den Kämpfen mit den Templer und Lazarenern eine Auseinandersetzung mit Altair unausweichlich sein würde.

Was würde er tun, wenn er erfahren würde, dass ich und Markus... er würde ihn ein Leid antun!
Er würde Markus töten, dessen war ich mir sicher!
Doch das würde ich nie zulassen! Was wusste Altair schon? Und ich würde ihm nichts sagen! Ich hatte keinen Grund mit ihm zu sprechen! Und auf seine Provokationen würde ich einfach nicht reagieren! Mein Leben ging ihn nichts mehr an! Sicher! Hier kreuzte er es wieder, aber mehr auch nicht! Die Templer waren mein Problem, und Altair würde es erst gar nicht werden!

Das nahm ich mir fest vor, aber da wusste ich schon, dass ich irrte.

Von draußen vernahm ich nun die traurige Stimme eines Vogels, welcher leise den schwachen Morgen begrüßte. Nur noch drei Tage und die Zeit erschien mir hier so verschwindend gering.

POV:

Es war später Mittag als Markus mit den anderen durch die Tore Kelsens ritt.

Man hatte ihre Namen laut auf den Mauern gerufen und er war sich sicher, dass der Ruf bereits an die Ohren des Fürsten gedrungen waren.

Sie waren zum ersten Tageslicht aufgebrochen und hatten Malik versprochen so bald es möglich war mit Hilfe zurückzukommen.

Diese Hilfe würde aus Nahrung und Medizin bestehen, und wenn es möglich war auch aus wärmerer Kleidung.

Doch zunächst mussten sie die freundlichen Belagerer loswerden, und der Franke war sich nach wie vor nicht sicher, ob Alexanders wahnwitziges Vorhaben überhaupt funktionieren würde.

Aber der Plan klang so verrückt... einen Hauch von Hoffnung verspürte er doch.

Sie ließen ihre Pferde von den Knappen versorgen, unter denen sich auch sein Sohn befand, und sprachen dann gleich bei dem Fürsten vor.

Auch dieser glaubte nicht so recht an die Sicherheit von Alexanders Plan, doch einen besseren Einfall hatte auch er nicht.

Von Frank war noch keine Nachricht eingetroffen und das machte die ganze Sache noch aussichtsloser als ohnehin schon.

„Wo ist Adrian?", erkundigte sich Markus, als er sie nirgendwo entdeckte.

Der Fürst wusste es nicht. Er wusste nur, dass sie am Morgen bereits in den Ställen gewesen ist.

„Yel hat nicht gestanden. Vielleicht ist sie nach Xanten? Oder bei Fresan und Santo?", mutmaßte Karl und Markus seufzte innerlich.

„Altair ist aufgetaucht und seine Gesinnung ist zweifelhaft. Ich fürchte fast, dass sie sogar in Gefahr ist. Also seht zu, dass ihr sie beschützt," meinte der Fürst und Markus sah schockiert zu dem Fürsten auf.

„Er ist hier? Und Ihr lasst sie alleine durch die Gegend laufen? Wo ist denn Manfred?", fragte er sofort und der Fürst verzog grimmig das Gesicht.
„Natürlich weiß ich um die Gefahr, Markus, aber ich kann Adrian jetzt nicht wie ein rohes Ei behandeln, sonst schöpfen Fresan und Santo vielleicht noch Verdacht! Außerdem wird sie mit diesem Assassinen fertig werden, dessen bin ich mir sicher. Manfred ist außerdem meine Vertretung im Rechtswesen, vergiss das nicht," stellte Karzheim schroff klar und Markus senkte seinen Kopf und seufzte.
„Verzeiht Herr, aber ich bin in großer Sorge um sie."

„Ich weiß. Nun geh und such sie schon," meinte der Fürst mit sanfterer Stimme und Markus verließ den Platz ohne ein weiteres Wort.

„Er bemuttert sie ein wenig zu sehr. Wenn das so weitergeht, macht er aus Adrian ein Weichei," meinte Alexander und Karl schnaufte.
„Ach, du bist einfach nur hohl. Wenn du mal genauer hinsehen würdest, würdest du wissen, dass das mittlerweile andere Gründe hat, als die bloße Sorge ihr könne was geschehen!", meinte er und Alexander sah zu den größeren Mann auf.

„Was? Hab ich was verpasst?", fragte er sogleich und Karl lächelte.

„Ja, hast du. Und ich verrate es dir nicht," meinte er und der Rothaarige verzog ungehalten das Gesicht.

„Warum nicht?", fragte er sogleich, doch Karl schüttelte den Kopf.
„Frag sie selbst, ich sag nix."

Gerade als Markus das Hauptgebäude verließ, sah er wie Elessa durch das Tor geritten kam.

Auch sie entdeckte ihn gleich und hob die Hand zum Gruß.

„Ihr seid schon zurück?", fragte sie und Markus nickte.

Er kam ihr entgegen und ging neben Yel bis zum Stall her.

„Habt ihr gefunden, wonach ihr suchtet?", fragte sie gleich und der Franke nickte.
„Ja, ich soll dich von ihm grüßen! Eigentlich hat er dich erwartet, versteht aber den Ernst der Lage und ist bereit auf dich zu warten," meinte er und sie schnaufte belustigt.
„Nun, eine andere Wahl hat er ja nicht," sagte sie und stieg nun aus dem Sattel, ehe sie Yel an seinen Stellplatz führte.

„Sicherlich," meinte Markus und schnallte für sie den Sattel von dem Pferderücken.

„Wo warst du gewesen?", fragte er nun und Elessa seufzte.
„Nur das Pferd bewegen und den Kopf lüften! Ich werde hier noch wahnsinnig, Markus! Du ahnst nicht was hier los war!", meinte sie und fuhr sich mit der Hand in einer nervösen Geste über das Gesicht.

„Ich weiß, dass Altair gestern Abend aufgetaucht ist. Und ich weiß von der Einladung der Templerin am Sonntag. Du musst mit Alexander sprechen. Er hat einen Plan. Der ist völlig verrückt und kann eigentlich nur schiefgehen, aber er ist unsere einzige Hoffnung."

Nun sah sie zu ihm auf und Markus lächelte ihr beruhigend zu.

„Wir sind jetzt wieder da, also denk nicht, dass du mit deinen Schwierigkeiten alleine da stehst," meinte er doch sie seufzte und sagte: „Mit den Templern und Lazarenern vielleicht nicht, aber mit Altair muss ich alleine fertig werden, Markus."

Markus schüttelte den Kopf, trat nun einen Schritt auf sie zu und legte ihr beide Hände auf die Schultern.

„Nein. Musst du nicht. Ich lasse nicht zu, dass er hier auftaucht und all das vernichtet, was du dir in der Zeit so mühselig aufgebaut hast! Ich lasse nicht zu, dass er dich mir nun wegnimmt! Du bist mir wichtig, Elessa. Sehr sogar," sagte er, sah ihr dabei fest in die Augen und berührte ihr Kinn, als sie den Blick senken wollte und zwang sie mit sanfter Gewalt ihn anzusehen.

Zunächst sah es danach aus, als wolle sie etwas erwidern, doch sie stockte, trat einen Schritt nach vorn und legte ihr Arme um seine Schultern.

Markus war überrascht. Bisher war sie immer sehr zurückhaltend und unsicher gewesen und dies war das erste Mal, dass sie ihm von selbst näher kam.

Lächelnd erwiderte er ihre Umarmung und lehnte seine Stirn an ihren Hals.

Elessas POV:

Die Angst trieb mich nach vorn! Ließ mich diesen Schritt tun. Diesen einen, letzten Schritt in Markus' Arme.

Die Nacht war völlig schlaflos verlaufen, der Tag anstrengend und Yel trug mich weit in das vom Sturm heimgesuchte Land hinein.

Meine Gedanken waren weit fort und so kam es, dass mein Reittier den Weg ging, den er für gut hielt.

Wir ritten dem Rhein entlang, durch Wiesen, Wald und Hügel... und irgendwann stieg ich ab, kniete, krallte von Wahnsinn getrieben die feuchte Erde und schrie mir fast die Lunge aus dem Leib.

Doch mein Schrei blieb unbeantwortet und er verhallte in der Ferne. Nur der Wind trug ihn fort, und vielleicht würde man ihn weit von mir noch vernehmen, doch keiner antwortete.

Mein Herz raste und ich spürte, wie mein Mund trocken wurde.

Wie sollte ich nur diese Situation meistern? Wie nur überstehen?

Ich zermarterte mir den Kopf, schwelgte in Erinnerungen und bereute auf dem Weg zurück nach Kelsen jede einzelne Entscheidung, die ich jemals im Leben getroffen hatte.

Doch zurück konnte ich nicht mehr!
Neu beginnen? Wo? Wann? Wie?

Sämtliche Gelegenheiten waren fort und es gab nur noch eines was ich tun konnte: sterben.

Mit zitternden Händen krallte ich mich in Markus Waffenrock, zog mich näher zu ihn heran und hielt mich an ihn fest, als würde ich drohen zu fallen.

Doch ich fiel tief. Und wenn ich mich noch so sehr an ihn klammerte, aber das Fallen hatte begonnen und keiner hier konnte mich halten.

„Lass nun los, bevor uns jemand sieht," murmelte Markus mir leise ins Ohr und nur mühselig konnte ich meine tauben Finger aus dem Stoff befreien.

„Entschuldige," raunte ich mit nun heiserer Stimme, doch Markus schüttelte den Kopf.
„Es ist in Ordnung. Ich kann nur erahnen, wie du dich fühlst. Ich bin bei dir, vergiss das nicht. Komm nun. Lass uns essen und besprechen, wie wir als nächstes vorgehen!", sagte er und ich nickte schwach und folgte ihm nun aus den Stall.

Karl und Alexander befanden sich bereits am Tisch im Saal und hatten sich Wein, Brot und kalten Braten bringen lassen.

Alexander ließ sich nicht zweimal bitten, mir seinen Plan zu erläutern. Er erzählte mir jedes Detail, nur einen Haken hatte das Ganze noch. Wann und wie würden wir das Gift verabreichen können.

„Da... da kann ich helfen, Alexander. Ich bin am Sonntag zur Messe in Hagenbusch eingeladen worden. Dort werden sie wohl das Blut Christi trinken... und vielleicht könnten wir es schaffen, es dort hineinzuschütten," meinte ich und Alexanders Miene hellte sich sofort auf.
„Herrje! Du bist einfach nur schlau! Natürlich können wir das! Perfekt! Und dieser kleine Schluck würde schon reichen! Lass uns morgen nach Xanten reiten und uns das ansehen, ja? Dann sehen wir genau, was sich bis Sonntag machen lässt! Außerdem ist morgen Freitag! Da ist Markt! Es werden eine Menge Leute nach Hangenbusch pilgern und wir werden wahrscheinlich nicht einmal auffallen!"

„Du siehst sehr müde aus," meinte Karl, nachdem er einige Zeit beobachtete, wie ich lustlos in meiner Linsensuppe rührte.

„Ich werde nun besser schlafen, schließlich seid ihr wieder da," murmelte ich und aß nun die kalte, dünne Suppe.

„Ach, so sehr hast du uns vermisst? Schau mal einer an! Ich singe dir heute Abend ein Schlaflied, oder noch besser: Ich habe mir eine neue Geschichte ausgedacht! Sie wird dir gefallen," meinte Alexander und grinste mir zu.

„Was geht nur in deinem Kopf vor sich, Alexander! Du planst den Untergang der Templer, singst und denkst dir dabei noch Geschichten aus. Platzt dir nicht bald der Schädel?", fragte Karl belustigt und Alexander schüttelte den Kopf.
„Ach, rede du nur! Ich bin ein absoluter Freigeist, damit du es weißt. Selbst Lady Alicia mag meine Geschichten."

„Vielleicht hat der Fürst in Zukunft noch eine Stelle als Hofnarr frei? Du eignest dich hervorragend für diesen Posten! Als Wachmann bist du nicht zu gebrauchen, denn du pennst sogar im stehen, und als Leibwache bist du viel zu feige! Aber als Narr eignest du dich sicherlich," erwiderte Karl und Alexander schnaufte empört.

„Pass mir nur auf, mein Lieber. Du wirst sehen, was du von deinen Schmachreden hast!", warnte Alexander und zwinkerte mir zu.

Da würde noch etwas kommen.

„Wage es einmal, Alexander, du wirst deines Lebens nicht mehr froh!", erwiderte Karl, packte seine Schüssel mit der noch heißen Suppe und goss sie dem Rothaarigen über die Hose.

Alexander brüllte und sprang vom Tisch.

Nun stand er mit völlig durchnässter Hose vor uns und hielt den heißen Stoff von seiner empfindlichen Haut fern.

„Auch ich kann gemein sein," meinte Karl und aß nun ungestört weiter.

Das spielerische Getöse zwischen den beiden brachte mich lediglich zu einen müden Lächeln.

Fast gleich nach dem Essen trottete ich in meine Kammer, warf Waffenrock und Rüstung unachtsam in den Raum, legte mich unter die Pelze und schlief fast sofort ein.

Ich hatte mehrere Stunden geschlafen und es war mitten in der Nacht, als ich von einer federleichten Berührung, welche sanft über meinen Nacken verlief, geweckt wurde.

Es war viel zu dunkel, als das ich erkennen konnte wer neben meinen Lager kniete. Ich konnte kaum die Umrisse der Gestalt ausmachen und somit streckte ich meine Hand aus und berührte nun den nackten Arm meines Besuchers.

Als meine Hand zum Oberarm glitt bemerkte ich, dass dieser kein Hemd trug und nun fühlte ich raue Bartstoppel unter meinen Fingerkuppen.
„Markus," murmelte ich leise und eine Hand legte sich nun auf meine eigene.

Sie wurde zu seinen Lippen geführt und der Mann hauchte sanfte Küsse auf meinen Handrücken, ehe er sich zu mir beugte und dies nun ebenfalls mit meinen Lippen tat.

Zunächst war es nur ein sanftes Auflegen, welches dann langsam fordernder wurde.

Sanft zupfte er mit seinen Lippen an meinen, küsste den Bereich zwischen Kinn und Hals und ließ seine Zunge dann feucht über die Haut dort wandern.

Mir schoss die Röte ins Gesicht, als ich völlig ungewollt ein kehliges Stöhnen von mir gab.

Markus verstand – wie befürchtet- das Geräusch als Einladung und küsste mich nun verlangend auf den Mund. Dabei strich er mit seiner warmen Zungenspitze über meine Lippen und ließ sie in meine Mundhöhle gleiten, als ich meine Lippen dazu teilte.

Erneut entrang sich mir ein leises Stöhnen und ich gab seinen sanften Druck nach und räumte ihm Platz ein.

Markus schlüpfte, ohne dabei den Kuss zu unterbrechen, unter meine Decke. Die Haut seines Oberkörper war kühl und ich fühlte, als ich vorsichtig meine Finger über die Haut gleiten ließ, dass sich dort die Haare aufgestellt hatten und er nun scheinbar leicht fror.

Seine Hände umfassten nun zunächst meine Taille, ehe er sie um meinen Rücken wandern ließ und mich gegen seine wesentlich breitere Brust drückte.

Nur langsam ließ er von meinen Lippen ab, küsste anschließend sanft meine Stirn und zog mich fest in seine Umarmung hinein.

„Du wehrst dich nun gar nicht," murmelte er leise in mein Ohr und ich seufzte.
„Ich brauch diese Nähe nun, Markus. Denn ich habe Angst! Angst wie schon lange nicht mehr. Es tut gut, dass du da bist," flüsterte ich leise zurück und lehnte mich dankbar an seine Schulter.

Markus schwieg einen Moment lang bedächtig, ehe er seine Lippen wieder auf meine hinabsenkte.

Wir küssten uns lange und zwischendurch murmelte er mir beruhigende, liebevolle Worte zu und ließ seine Finger langsam und vorsichtig die Haut meines Oberkörpers erkunden.

Das Gefühl seiner Berührungen war unbeschreiblich. Markus ließ sich extrem viel Zeit, schien sich jeden Zentimeter meines Körpers einzuprägen und tastete sich vorsichtig und langsam vor. Zwischenzeitlich verharrte er einfach und mir schien fast, als würde er auf eine Erlaubnis von mir warten, doch ich schwieg, hatte meine Arme um seinen Nacken gelegt und versuchte einfach mich auf ihn einzulassen. Mich für ihn fallen zu lassen.

Altair hatte es ja schließlich auch gekonnt.

Er war ziemlich bald, nachdem wir auseinander gegangen sind, einfach zu einer anderen Frau gegangen.
Und ich hab seit über drei Jahren nicht mehr bei einem Mann gelegen.

Ich spürte Markus' Atem auf meinen Lippen und hob nun den Kopf um seine Lippen erneut zu empfangen.

Auch ich legte nun wesentlich mehr Leidenschaft in diesen Kuss hinein, begrüßte seine Zunge mit meiner und bewunderte, wie anders er doch im Gegensatz zu Altair schmeckte.

Ich erkannte die Nuancen von dem süßen Fruchtwein und der Linsensuppe, aber da war auch noch ganz deutlich Salbei dabei.

Markus stöhnte leise und ich spürte, wie er lächelnd von mir abließ und seinen Kopf wieder an meinen Hals vergrub und die Haut dort nun liebkoste und befeuchtete.

Er rutschte auf dem Lager ein Stück tiefer, schob nun mein Filzhemd hoch und entblößte meinen Bauch der kalten Nachtluft.

„Warte..." murmelte ich nun doch, als mich der nächste Zweifel überkam, doch Markus' Lippen, welche nun über meinen Bauch wanderten, entlockten mir nur ein gepresstes Zischen und ich drückte mich selbst zurück in das weiche Heu.

Markus war nicht auf meinen Einwand eingegangen. Stattdessen ließ er seine Zunge über meine Haut wandern, küsste die Stelle über meinen Nabel und wagte es nun das erste Mal, mit den Fingern meine Brust zu berühren.

Sanft strich er an den Rundungen entlang und ich stöhnte erneut auf und wand mich unter seinen Berührungen, bis er sich erneut streckte und das Hemd nun noch höher schob.

Erneut wollte ich etwas sagen, doch auch hier brachte mich sein Liebkosen zum schweigen. Ein fast schon schmerzhaftes Verlangen machte sich im Bereich meines Unterleibs bemerkbar.

Mir blieben die Worte regelrecht im Hals stecken, als ich seine rauen Barthaare an meinen empfindlichen Brustwarzen spürte, welche gleich darauf von seine feuchten Zunge freudig begrüßt wurden.

Erschrocken stöhnte ich so laut auf, dass er mir blitzschnell die Hand auf den Mund legte.

„Nicht so laut! Ich will nicht, dass Alexander hier reinspringt, weil er glaubt, dass du irgendwie Schmerzen hast!", flüsterte Markus lachend und ich seufzte.

Der Mann rollte sich von mir herunter und kam nun leise lachend neben mir zum Liegen.
„Ich denke, dass ist auch jetzt genug. Du brauchst morgen in Hagenbusch einen klaren Verstand, und ohnehin sollten wir uns dafür etwas mehr Zeit lassen," sagte er und zog nun mein Hemd wieder hinab.

Ich glaubte nicht richtig zu hören. Völlig entsetzt starrte ich in der Dunkelheit in seine Richtung.
„Was? Das meinst du jetzt nicht ernst, oder?", fragte ich und hörte ihn erneut lachen.
„Doch. Es tut mir Leid, dass ich dich so überfallen habe," meinte der Franke und ich rang nun mit der Fassung.

„Du willst jetzt hier einfach aufhören? Das kannst du nicht machen! Ich... ich... das geht jetzt nicht!", stammelte ich und Markus lachte nun noch lauter.
„Natürlich geht das. Ich höre ja auch einfach auf, und ich bin schließlich ein Mann!"

„Ja, du bist ein Mann, aber wie oft hast du im vergangenen halben Jahr bei einer Frau gelegen? Bestimmt vier oder fünfmal! Ich habe seit über drei Jahren nichts tun können! Du kannst jetzt nicht einfach NICHTS tun!", sagte ich und setzte mich auf.

Markus zog mich leise lachend zurück.
„Du bist stürmisch, dass muss ich dir lassen. Vielleicht hat der Fürst Recht und du bist wirklich ein wenig zu wild für mich," meinte er und ich keuchte entsetzt auf.

„Ich kann so unmöglich wieder schlafen!", meinte ich, doch Markus ließ sich zu nichts mehr überreden.
Er drehte sich auf die Seite und wünschte mir eine gute Nacht... und ich lag den Rest der Nacht wieder einmal wach.

„Warum bist du heute morgen denn so schlecht gelaunt?", fragte Alexander zum dritten Mal.

Er trieb seinen Schecken an, damit er mit Yel mithalten konnte.
Entnervt knurrte ich.

„Ich bin doch nicht schlecht gelaunt? Wie kommst du denn darauf?", grollte ich und Alexander schüttelte verwirrt den Kopf.
„Ja, weil du heute schon jeden von uns angeschrien hast! Selbst dem Fürst hast du keine brauchbare Antwort gegeben, als er dich fragte, was du wegen Santo zu tun gedenkst!"

„Ich habe ihm doch gesagt, dass ich es noch nicht weiß!", schrie ich nun und der Rothaarige zuckte zusammen.
„He! Schrei mich doch nicht an! Man meint ja, du hattest gestern schlechten Beischlaf gehabt!", sagte er nun und grinste dann wissend, als mir sämtliche Gesichtszüge entglitten und ich so rot wurde, dass man meine Haut von dem Waffenrock nicht mehr unterscheiden konnte.

„Aha, verstehe schon," meinte der Rothaarige und sein dämliches Grinsen verfolgte mich nun den Rest des Tages.

Ende Kapitel 27