Kapitel 3 – Erwachen, erahnen, fürchten

Pansy spürte den Boden unter sich. Er war feucht und roch nach Vanille, doch obwohl sie den Geruch mochte drehte sich ihr Magen ungemütlich. Ihr Kopf fühlte sich an, als hätte sie Alkohol bis zum Umfall getrunken und sie konnte sich nicht erinnern ob nicht gerade das vorgefallen war.

Ihr Magen krampfte sich zusammen und mit einem ungeschickten Satz war sie auf den Beinen und lief ohne auch nur auf ihre Umgebung zu achten, zu dem nahe gelegenen Klo und ließ die Tür krachend ins Schloss fallen, bevor sie ihren Körper von jeglicher Substanz befreite.

Tränen brannten ihr in den Augen und sie hatte das Gefühl ihre Schädeldecke explodierte. Mit unendlicher Mühe schaffte sie es sich aus ihrer Kleidung zu befreien und sich in die Duschkabine zu bewegen, wo sie den Wasserstrahl anwarf und sich ungeschickt auf den gekachelten Boden setzte und das Wasser nieder prasseln ließ.

'Das muss der schlimmste Kater sein, den ich je erlebt habe.´, schalt sie sich selbst.

Ihre Finger zitterten. Und sie presste ihren Kopf gegen ihre Knie in der Hoffnung der Schmerz würde nachlassen. Ihre Finger glitten in ihre blonde Mähne und waren dabei die Kopfhaut zu massieren, als neben dem nassen Haar noch etwas anderes auf ihrem Kopf war.

Ruckartig und mit weiten Augen zog sie ihre Finger zurück und blickte auf eine weiß-goldene Feder. An ihr klebte leicht getrocknetes Blut.

Ihre Kehle schnürte sich zusammen unter der dunklen Vorahnung, dass das was immer es auch zu bedeuten hatte, es nicht gut sein konnte. Pansy fühlte wie ihr Magen sich erneut ungemütlich drehte.

Komplett nass und unbeholfen wechselte sie ihre Position zur Toilette und übergab sich erneut. Es ging ihr so elend, dass bereits schwarze Punkte vor ihren Augen tanzten.

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Seine Augen brannten und sein Körper lag mit dem Rücken gegen das Bücherregal. Auf seinen Lippen schmeckte er den eisernen Geschmack von Blut. Merlin... er wusste, das war bereits das erste Anzeichen für ein Problem, von dem er kaum die Ausmaße ahnen konnte. Es war diese Befürchtung die ihn aus seiner Starre holte.

Der Trank, die Explosion. Er hörte wie jemand aus dem Raum flüchtete, doch er sah nur ein Paar Füße, bevor eine Tür hinter derjenigen ins Schloss fiel.

Er fuhr sich mit der Hand durchs Haar und hielt augenblicklich inne. Mit angehaltenem Atem drehte er seinen Hand Rücken zu sich und gab ein Keuchen von sich. In Blutrot war ein Pentagramm auf seinem Handrücken eingraviert und innerhalb des Pentagramms war ein Zeichen das er noch nie zuvor gesehen hatte.

„Oh Merlin!"

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Harry hatte Hermine mit sich auf den Boden gerissen, als der Kessel explodiert war. Dann war alles schwarz. Hermine war es die ihn rüttelte und schüttelte, bis er mit einem Keuchen aus der Bewusstlosigkeit gerissen wurde. Schmerzen explodierten entlang seines Körpers. Erst heiß dann kalt. Sein Magen krümmte sich und er unterdrückte nur gewaltsam den Drang sich zu übergeben.

„Oh mein… Merlin, Harry? Was ist passiert?"

Die andere Gryffindor sah extrem blass aus, als er sie erblickte. Irgendetwas war gewaltig anders, doch er konnte es einfach nicht erkennen. Sein Kopf dröhnte unter Schmerzen. Er schmeckte frisches Blut auf seinen Lippen.

„Hermine bist du ok? Ich kann kaum sehen."

Er hörte wie sie schluchzte.

„Ich mach mir mehr Sorgen um dich." Ihre Finger glitten über seine Wange hin zu seinen Augen und sie wischte Flüssigkeit von seinem Augenlid. Als sie ihm die Finger zeigte sah er verschwommen das Rot an ihren Fingern. Er selbst griff sich irritiert gegen die Augen, nur um gegen einen Widerstand zu kommen. Seine Brille, wie er schnell erkannte. Er zog sie von seiner Nase und schloss seine Augen, die ihn schmerzten.

Warum um Himmels Namen passierte ihm das. Was auch immer es war, er wollte es eigentlich auch nicht wissen.

Als er die Augen wieder öffnete, blickte er in die immer noch weit aufgerissenen Augen von Hermine. Er konnte sie erkennen. Das Schlucken fiel ihm auf einmal schwer, als er seinen Blick abwendete und er nicht weit von ihnen entfernt Draco Malfoy liegen sah.

„Fuck!" Harry stand langsam auf und war froh, als er nicht das Gleichgewicht verlor. Hermine hatte nun ihren Blick auch auf Draco geworfen.

"Das ganze Blut, oh Merlin, lebt er?" Hermine würgte hinter ihm ein Schluchzen herunter. Sie sah sich im Raum nach den anderen beiden Slytherins um, aber keiner der beiden war anwesend. Doch sie erkannte Blutflecken und Angst überfiel sie. Warum war das passiert? Vor allem was war nach der Explosion geschehen?

Harry kniete über dem Blonden. Blut verklebte das seidige Haar, welches ihm nun bis über die Schultern reichte. Überall befleckte die rote Substanz den Jugendlichen und Harry wusste, dass er kaum anders aussehen durfte. Hermine hatte wesentlich weniger Stellen, wo sich Wunden zu befinden schienen.

Blaise und Pansy waren weg und blockierten vermutlich die jeweiligen Bäder und Harry war durchaus besorgt, vor allem um Draco, der bislang weder durch seine Versuche ihn zu wecken erwacht war, noch sah er sonderlich gesund aus. Die Haut war überaus blass und der Atem war unregelmäßig.

"Ich bringe ihn in unser Zimmer. Das Blut muss weg, um zu sehen, ob irgendwelche Wunden dringend behandelt werden müssen. Bitte schau nach Pansy und Blaise. Was auch immer ist, bitte komm erst zu mir, bevor wir uns an Hogwarts wenden."

Im ersten Moment verstand sie nicht, warum sie sich nicht an Hogwarts wenden sollten, bis ihr klar wurde, dass sie für den Vorfall vermutlich suspendiert, wenn nicht sogar der Schule verwiesen werden konnten. Sie nickte eilig und blickte ein weiteres Mal besorgt auf Draco. Sie hatte mehr als Angst, doch Harry würde die Situation nicht ausnutzen um sich zu rächen, das hatte er nie getan, wenn sich der andere nicht währen konnte und jetzt erst recht nicht. Dem Slytherin würde nichts passieren. Wäre Ron anstelle von Harry hier, dann wäre das was anderes.

Als Hermine davon eilte, schlang Harry den bewusstlosen und verletzten Jugendlichen in die Arme. Er konzentrierte sich auf sein Inneres. Was auch immer mit dem Zaubertrank geschehen war, er hatte Einfluss auf die Struktur seiner Magie genommen. Beklemmende Angst durchzog ihn, als er sich zu seinem magischen Kern vorarbeitete und halb blind durch den Korridor und dann die Treppe zusammen mit Draco hinab lief. Und Draco war kein Leichtgewicht.

Schwer atmend legte er den Blonden auf sein Bett und wischte sich mit dem Blut verkrusteten Ärmel über die Stirn. Ihm war schlecht, doch er selbst konnte erst mal auf sein Wohlergehen verzichten. Er versetzte sich in die geübte Trance und durchforstete sein Inneres bis er auf die Kernstruktur seiner Magie traf.

In einem Netz aus verschiedenen Farben lag seine Magie eingebettet und pulsierte beständig mit seinem Herzschlag. Als er auf die Quelle zugriff, glühte die Struktur grell auf.

„Enervate." Es war schwieriger nach der Magie zu greifen und sie zu wirken, als es jemals zuvor gewesen war, doch das Resultat kam sofort. Draco schrie auf, als hätte Harry ihm mehr Schmerzen zugefügt als ihn nur aufzuwecken. Der Gryffindor wich erschrocken zurück, bevor er mitbekam was er soeben getan hatte.

„Draco!" Harry nahm die geballten Hände des anderen vorsichtshalber in einen festen Griff. Doch Draco war zu sehr beschäftigt, sich zu krümmen. Blut lief seine Wange hinunter. Ein makaberer Anblick, den Harry würgen ließ.

Er musste irgendetwas tun, um dem anderen zu helfen, doch er war hilflos. Er wusste nicht was. Er wusste weder was hier vorging noch wie man helfen konnte. Er wollte fragen, doch Draco sah nicht aus als könnte er antworten.

‚Ich muss etwas machen!'

Dracos Atem war unregelmäßiger als zuvor. Kalter Schweiß lief ihm die Stirn hinab und von der Wärme der Hände ausgehend vermutete Harry hohes Fieber. Vielleicht Verletzungen?

Um Harrys Hände bildete sich eine grüne Aura. Erst hätte er sie nicht bemerkt, wenn er nicht dieses kribbelnde Gefühl in ihnen gespürt hätte, doch die Farbe wurde intensiver, bis sie sich um Draco wand. Harry schaute entsetzt auf seinen Zimmergenossen. Er hatte Angst vor sich selbst. Angst, dass er keine Kontrolle hatte über das, was geschah.

Doch Dracos Atem wurde langsamer, stabiler und seine zusammengekniffenen Augen öffneten sich vorsichtig.

Eisblaue Augen durchdrangen seine. Eisblau? Draco hatte graue Augen. Harry schluckte schwer. Merlin...

„Was… geht hier vor?" Die Stimme war rau.

Harry schüttelte den Kopf. Er selbst war aschfahl. Er hatte keine Ahnung und er wusste absolut nicht, was er Draco sagen sollte.

„Ich weiß es… nicht." Harry ließ langsam die Hände los. Seine eigenen zitterten und er versuchte tief durch zu atmen, doch sein Körper schien den Schock noch nicht überwunden zu haben. Er stieß seinen Atem aus und spürte Schweiß von seiner Stirn laufen. Ihm war so unglaublich schlecht.

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Wie Hermine es geschafft hatte alle beide Slytherins aus dem Bad zu holen, wusste Harry nicht, doch er war froh, dass sie alle erschienen waren. Hunger hatte niemand und Harry hätte es selbst auch nicht geschafft, Essen zu kochen. Ganz alleine der Gedanke daran, ließ seinen unruhigen Magen aufleben.

Blaise war leichenblass und hätte mit Draco in einem Wettbewerb vielleicht sogar gewonnen. Seine Haare normalerweise rabenschwarz wie Harrys, waren nun mit braun und Rottönen durchzogen. Seine Saphir Augen stachen da kontrastreich hervor. Er hielt seine Hände unterm Tisch. Auf ihnen hatte Harry merkwürdige Symbole gesehen.

Harry selbst, der sich erst sehr spät im Spiegel gesehen hatte, war schockiert und erschrocken gewesen. Nicht nur hatte er mit Brille nichts mehr erkennen können, sondern seine Sehstörung schien sich korrigiert zu haben. Seine Augen wirkten ohne die Brille eindeutig besser. Seine Ohren, normalerweise abgerundet, waren nun spitz und ähnelten nun Dracos, der dieselbe Veränderung aufwies. Sein Haar war jedoch immer noch das selbe Nest aus widerwilligen Haaren. Seine Eckzähne waren weiter ausgeprägt. Seine Fingernägel ähnelten Krallen und obwohl er vampirische Merkmale zeigte, so schlug sein Herz und er durstete nicht nach Blut.

Pansy mit den goldenen Federn im Haar wirkte komplett verändert. Ihre Haut war bronzefarben und ihre Augen waren intensiv und markant. Sie waren nun noch durch die Röte der vergangenen Tränen verstärkt und sie wich den Anwesenden mit den Augen aus.

Draco der verwunderlicherweise neben Harry saß, sah sich die anderen verwundert an. Er selbst hatte sein nun langes blondes Haar in einem Band nach hinten gebunden. Spitze Ohren, Blässe, makellose Haut und wenn er das richtig einschätzte war er um einige wenige Zentimeter gewachsen.

Hermine schob ihr welliges Haar aus ihren Gesicht. Ihre Augen schimmerten irritiert in einem Bernsteinbraun und wanderten dann zu beinahe goldenen Augen, als sie wieder Pansys Hand ergriff. Sie hatte kaum Veränderungen aufgewiesen im Gegensatz zu den anderen.

„Wir stecken ganz schön in der Scheiße." Pansy rollte ihre Augen und gab ein Schnauben von sich. Blaise sah sie verärgert an, doch auch als er bereits zu einer vernichtenden Antwort auf ihr Verhalten ausarten wollte, wurde ihm schmerzhaft gegen das Schienbein getreten. Schuldzuweisungen, wie Draco selber wusste, würde ihnen nicht helfen.

„Was sollte der Trank werden?" Draco sprach ruhig und bedacht, nicht weitere Konflikte zu entfachen.

„Es sollte die Animagusfigur des Trinkers deuten. Spiritus Bestia.", entgegnete Hermine.

Draco runzelte die Stirn und auch Blaise versuchte angestrengt nachzudenken. Harry hingegen gab sich erst gar nicht die Mühe.

Harry räusperte sich.

„Es ist nur eine vage Vermutung, aber könnte es möglich sein, dass wir magische Kreaturen sind? Ich sehe aus wie ein Vampir, von dem was ich aus der Beschreibung gelernt hab, so richtig nun auch wieder nicht, weil ich lebe und auch kein Blut will. Pansy sieht aus wie eine Mythengestalt aus Büchern aus, die ich mal gesehen hab." Pansy biss sich auf die Lippen und hielt dem Blick von Harry nicht stand.

„Es wäre gut, wenn ich zur Winkelgasse gehe. In der Zeit kommt ihr bestimmt zu einer möglichen Reaktion von Eidechsenkraut auf den Rest des Trankes. "

Vier Gesichter sahen ihn verständnislos an. Hermine rieb sich den Nasenrücken, doch ihre Augen verließen seine nicht. Ihre argwöhnischen Augen waren nun dunkelbraun.

„Und wie willst DU das anstellen? Willst du mal eben rüberflohen?" Sie klang spöttisch und Harry wusste, dass sie das auch war. Sie war gestresst und sie hielt das alles als einen schlechten Scherz, den Harry gerade aus dem Ärmel schüttelte und er verengte seine Augen genervt.

„Soweit ich weiß, sind wir nicht im Flohnetzwerk verankert. Ich dachte da eher ans Apparieren.", gab er mit einem bösen Blick zu bestätigen. Mit einer Handbewegung warf er seine Magie durch den Raum und ohne zu schauen wusste er, dass er die Teekanne zu sich gerufen hatte. Als sie seine Hand erreichte, folgten fünf Tassen, die sich vor jeden der Anwesenden stellten.

„Tee?" Sein Gesicht spiegelte nicht wider, wie sehr er die erschrockenen und ungläubigen Gesichter aller Anwesenden genoss. Doch er hasste es in Frage gestellt zu werden. Er schenkte sich selbst eine Tasse ein. Der Tee dampfte unter der erneuten Erwärmung. Er blickte zu Draco, der im Moment des Blickkontaktes seinen Mund abrupt schloss aber zu der unausgesprochenen Frage nur nickte.

„Seit… wann?" Hermine war aschfahl.

„Seit einer Weile." Er nahm einen Schluck von seiner Tasse, nachdem er die Kanne an Hermine weitergereicht hatte. „Meinst du wirklich, ich würde mir sonst meinen Stab abnehmen lassen, damit Dumbledore noch mehr Überwachungsmaßnahmen darüber ausspricht, während ich in weiß Merlin wo versauern darf."

„Merlin…", flüsterte Blaise, der seinen Blick hastig vom Gryffindor abwendete.

Draco hingegen wendete seinen Blick nicht ab, als Harry seinen streifte.

„…Klingt nach einer logischen Erklärung. Kommend von einem Gryffindor ist das jedoch etwas eigenartig. Slytherins denken eher so..."

Harry lachte und Hermine ließ eine Andeutung von einem Lächeln über ihre Lippen streifen. „Gryffindor ist mein sekundäres Haus, mein primäres Haus ist eigentlich Slytherin und war es schon immer."

Theoretisch hätte sie an diesem Tag nichts mehr schockieren dürfen, nicht nachdem sie miterlebt hatten, wie die beiden Gryffindors vorgeschlagen hatten, Dumbledore Informationen vorzuenthalten, nachdem dramatische Folgen des explodierten Trankes und Harrys Magie, die er ohne einen Zauberstab benutzen konnte. Doch die drei Slytherinschüler sahen Harry an, als wäre er ein Außerirdischer.

„Habt ihr kein sekundäres Haus, in das ihr hättet gehen können, wenn eure Slytherineigenschaften nicht überragt hätten? Hermine zum Beispiel hätte auch nach Ravenclaw gehen können. Ich hab mein sekundäres Haus genommen. Dumbledore hatte sich echt mühe gegeben meine Meinung gegenüber Slytherin so zu formen, dass ich den sprechenden Hut überstimmt habe."

„Wenn man es so nimmt, dann ist Ravenclaw auch mein sekundäres Haus.", gab Blaise von sich nachdem er seine Stimme wieder fand. Er schaute kurz zu Hermine, die ein Lächeln zu dem Slytherin warf. Draco schwieg und sah in seine Tasse, bevor er an ihr nippte.

Harry stand auf und rief seinen Mantel zu sich.

„Die Läden werden nicht mehr lange offen haben, deswegen gehe ich jetzt. Wenn Hogwarts hiervon erfährt, bin ich nicht der einzige, der vermutlich die Folgen zu spüren bekommt." Seine Worte fielen nicht auf taube Ohren und Blaise und Pansy zuckten beinahe unwillkürlich zusammen.

„Nimm mich mit..., bitte. Vielleicht kann ich helfen." Draco sah Harry durchdringend an. Sein helles Haar wirkte auffällig und doch unterschied es sich irgendwie von dem des älteren Malfoys.

Harry überlegte einen Moment. Noch immer spürte er die Folgen des Trankes. Er hatte gehofft, dass es sich legen würde, doch bislang fühlte er sich an als könnte er eine Woche schlafen.

Hermine presste ihre Lippen zusammen, doch zuckte nur mit den Achseln. Sie stand aber ebenfalls auf und nahm einen Zettel und notierte etwas darauf, was sich letztendlich als eine Einkaufsliste für ihn erschloss. Letztendlich gab er Draco sein Einverständnis. Es würde ihm nicht schaden den Slytherin bei sich zu haben. Zumindest hoffte er das.

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Harry lief die Winkelgasse in schnellen Schritten entlang. Draco versuchte mit ihm mitzuhalten. Es regnete genauso stark, wie es in Ashwell tat und die Winkelgasse war so gut wie leer. Menschen suchten sich Überdachungen, um die Zeit zu verweilen.

Harry hatte einen leichten Zauber gesprochen, der wie ein Schirm über ihn und Malfoy hing. Der Regen prallte daran ab und ließ sie relativ gut passieren, nass wurden sie leider dennoch. Sein erstes Ziel war Flourish und Blotts. Sein getarntes Ich strich sich durch das nasse braune Haar.

Draco schüttelte sich, als sie den Laden endlich betraten und hätte am liebsten den Mantel von sich gezogen, doch er unterband den Drang und lief zu einem der Regale. Seine Haare waren ein dunkleres blond und immer noch so lang. Er würde sie sich schneiden müssen und es graute ihm bereits davor. Währenddessen überblickten seine Augen die Titel in der Abteilung und zog zwei hervor.

Magische Wesen und ihr Lebensraum

Kreaturen unter uns

'Kreaturen unter uns' war sehr fiktiv wie Draco empfand und er stellte es in das Regal zurück.

Nach einer halben Stunde kam Harry auf ihn zu. Er hielt fünf Bücher in seinen Armen. Zwei davon waren Enzyklopädien und ganz alleine mit einem der beiden Bücher würde man jemanden erschlagen können. Die anderen drei waren über Heilkunst, Animagi und gehobene Illusionszauber und Tarnzauber.

„Hast du etwas gefunden?" Doch der Blick auf die drei Bücher, die Draco rausgesucht hatte reichte um zu wissen, dass der Slytherin seine Wahl getroffen hatte. Zwei Lehrbücher über Kreaturen der magischen Welt und den verschiedenen Kontinenten und das andere über Zaubertränke. Letzteres war jedoch für seinen privaten Gebrauch und er machte Harry darauf aufmerksam, dass er ihm das Geld zurückzahlte, sobald er wieder offiziell die Zaubererbank betreten konnte. Doch Harry zeigte ihm an, dass es okay war.

Der Gryffindor bezahlte den enormen Betrag, der für die Bücher verlangt wurde, schrumpfte die Bücher und ließ sie in seiner Manteltasche verschwinden. Er hatte extra noch zuvor Geld aus seinem Verließ holen müssen, um die Erledigungen zu tätigen.

Wie gerne Draco Fragen stellen wollte, es gab so vieles, dass ihm anders erschien und er bemühte sich nicht in seine gewohnte Manier zu verfallen, sondern Harry schweigsam zu folgen als sie wieder in den Regen wanderten. Harry blickte den Slytherin kurz an und deutete auf die Nokturngasse. Sie liefen im Schweigen und es war ein merkwürdiges Gefühl.

„Wenn wir schon mal hier sind, kann ich gleich meine Bestellung abholen. Brauchst du noch irgendwas?" Zauberer und Hexen schoben sich an ihnen vorbei. um schnell zu ihrem Ziel zu gelangen. Nicht einer würdigte sie eines Blickes und Draco zog seinen Mantel enger.

„Wir könnten einen Hitzekristall besorgen, dann müssten wir uns nicht so darum bemühen, ständig Feuerholz nachzulegen." Harry nickte nachdenklich.

„Willst du mitkommen oder willst du den Hitzekristall besorgen gehen?" Normalerweise würde Draco alleine losziehen und schnell die Besorgung machen, um dem Gryffindor zu entweichen, doch jetzt war er zu neugierig.

„Ich komme mit." Harry nickte und führte sie weiter in die Nokturngasse hinein. Der Slytherin war jedoch enttäuscht als das einzige was Harry besorgte ein weiteres Buch war. Er hatte keinen genauen Blick darauf werfen können, bevor Harry es ebenfalls geschrumpft und verstaut hatte.

Draco führte sie danach weiter, um einen Hitzekristall zu besorgen. Der Stein war relativ klein und glühte Orange als der Verkäufer ihn demonstrierte. Trotz der enormen Kosten ließ Harry ihn sich einpacken, damit er ihn sicher nach Hause transportieren konnte und legte dem überraschten Verkäufer die Gallonen bar auf den Tresen.

Erst als beide Jugendlichen den kleinen Laden verließen, ließ der Regen allmählich nach.

Harry seufzte, er sah den Laden in der Nokturngasse nun das dritte Mal an diesem Abend, bald würde er schließen und irgendwie hatte er das Gefühl er sollte dorthin, ganz alleine weil er in Begleitung von Draco war.

Er lief nun darauf zu und öffnete die Tür.

Der Laden war nicht allzu groß und überall befanden sich Materialien und Zutaten. Es war ein Verkäufer der mit dunklem, langen Haar auf sie zu kam.

„Sie begehren neue Zauberstäbe?" Draco sah sich die Wände an. Im hinteren Teil des Ladens waren bereits gefertigte Stäbe säuberlich verpackt. Der Laden wirkte überdurchschnittlich im Vergleich zu den anderen Geschäften in der Nokturngasse.

Harry nickte.

„Für meinen Begleiter und mich. Wir bräuchten einen, der vom Ministerium nicht erfasst wird." Draco wirbelte überrascht zu Harry herum, doch er schwieg bei dem ermahnenden Blick, den Harry ihm zuwarf. Der Verkäufer schwieg kurz und nickte bedenklich.

„Einen neuen spezifisch erstellten oder einen bereits erstellten?" Der Mann rieb sich über seinen dürren Handrücken.

„Einen neuen spezifisch erstellten. Dieser Kauf ist jedoch nicht weiter zu tragen. Ich erwünsche absolute Diskretion. Können sie diese beschwören oder sollte ich mich an einen anderen Händler wenden?" Harrys Stimme war von einer Autorität getränkt, die Draco stark an seinen Hauslehrer erinnerte. Der Verkäufer jedoch nickte nur verständnisvoll und schwor bei gerechter Bezahlung den Kauf niemals zu erwähnen oder zu erfassen.

„Bitte treten sie vor. Ich brauche einen Tropfen ihres Blutes." Harry deutete Draco an, dass er zuerst bedient werden würde.

Der Tropfen wurde auf eine Kristallkugel aufgetragen, die sich bei der Berührung des Blutes in schillernde Farben verwandelte.

„Der Kern des Stabes ist eine überraschende Zusammenstellung, Mr. Malfoy. Wenn ich mich richtig entsinne haben sie eine Einhornsträne und einen Eiskristall als Kern. Für ihren neuen brauche ich einen Splitter eines Mondspiegels, sehr schwer zu bekommen und sehr selten bei einem Kern." Der Hersteller ging in seinen Hinterraum um das Objekt zu holen.

„Warum bezahlst du mir einen neuen Stab?", keifte Draco. Der Effekt ging jedoch verloren bei Harry, der besorgt darüber erschien, dass der Ladeninhaber Draco erkannt hatte. Scheinbar hatte nicht nur Ollivander die Gabe Menschen zu erkennen, wenn er sie sah, egal ob sie maskiert oder mit einem Tarnzauber versehen waren.

„Wir sind drei Wochen in einem Merlinverlassenen Ort und ich kann nicht alles ohne Stab. Es ist anstrengender, als mit einem Stab und du wirst ihn genauso brauchen. Ich glaube, dass Dumbledore irgendetwas geplant hat, außerdem muss man beachten, dass ich mehr Feinde habe als mir lieb ist. Wenn sich es noch mal ergibt, bringe ich die anderen auch noch her." Seine Stimme war gedämpft und Draco konnte nicht antworten als Herr Gavallere, so stand es zumindest auf einem Schild auf seinem Tresen, zurückkehrte und ein milchiges Glasstück, dass silbrig glänzte ablegte, von dem Harry bereits weiter entfernt die Zauberkraft pulsieren fühlte. Daneben legte Gavallere Einhornhaare und eine schwarze Schuppe.

„Ihr Vater war nicht sehr erfreut damals als ich Ihnen offenbarte, dass eine Einhornsträne zu ihrem Zauberstabskern gehörte." Draco zuckte zusammen.

„Er fand den Gedanken abscheulich, dass ich den Kern von einer so zarten und absoluten Lichtgestalt bekam", antwortete Draco in gepresst ruhiger Stimme. Harry schnaubte leise.

„Absurd so zu denken. Die Träne eines Einhorns, besonders wenn freiwillig gegeben, ist weit aus stärker als so manch andere Kerne. Sie ist gut für Heil oder Defensivsprüche in Kombination mit einem Eiskristall verstärkt sie Offensivsprüche. Der Träger eines solchen Stabes ist nicht wie von vielen gedacht unbedingt „Warmherzig" oder gar ein „Weißmagier" sondern er könnte einfach weise oder intelligent sein."

Gavallere nickte. „Sie wissen gut bescheid, Mister Potter. Jedoch zurück zu ihrem neuen Kern, Mister Malfoy. Sie haben eine kraftvolle Zusammenstellung. Splitter eines Mondspiegels, Einhornhaare aus der Mähne und die Schuppe eines Indigodrachens. Es ist immer erstaunlich in wie weit man sich verändern kann nach einigen Jahren. Nun zum Holz..." Gavallere kam herum und lief zu Draco und nahm dessen Arm.

„12 Zoll wären angemessen. Weißdorn könnten wir wieder verwenden oder Rotbuche." Er ging zu den Regalen und holte zwei Scheiten des jeweiligen Holzes. Er reichte Draco erst die Rotbuche und kurz danach den Weißdorn.

„Bei welchem hatten sie ein besseres Gefühl?" Draco wog noch mal beide Holzscheiten.

„Irgendwie sind sie beide merkwürdig. Es ist nicht das gleiche Gefühl wie damals dabei." Gavallere schwieg kurz und brachte die Scheiten wieder weg und ging dann durch die Reihen und kam mit einer weiteren Scheite wieder.

Ein Lächeln glitt auf Dracos Gesicht als er das Holz unter seinen Fingern spürte.

„Interessante Wahl. Dattelpalme oder Phoenixbaum bei uns."

Es dauerte eine Weile, in der Draco und Harry zusahen wie er den Kern erschuf und ihn in einen 12 Zoll langen Stab einband. Doch Dracos Gesichtsausdruck, als er den Stab in den Händen hielt, erinnerte Harry stark an den Besuch bei Ollivander Jahre zuvor, wo er seinen Stab erhalten hatte.

„Mister Potter, ich weiß aus sicherer Quelle, dass sie eine Phönixfeder im Kern haben. Einen, den es als solchen noch einen Bruder hat."

Harry nickte und ließ einen Tropfen seines Blutes auf die Kugel tropfen. Wieder erschien ein Kaleidoskop an verschiedenen Farben. Von violett zu einem satten grün und weiter zu schwarz und einem dunklen blau. Gavallere schien darin jedoch mehr zu sehen, als nur Farben, denn er runzelte angestrengt die Augen, als würde er lesen können, was der Kern wäre. Es wirkte wie ein Wahrsager, der in seiner Kugel Geheimnisse lesen konnte, die andere nicht konnten und vielleicht tat er genau das, denn er verschwand kurzzeitig wieder.

„Hier haben wir die Kralle einer Chimäre, die Träne eines Dhampir und das Gift einer Königskobra." Gavallere rümpfte verwirrt seine Nase. Das wich von der Phönixfeder stark ab. Harry fühlte jedoch, wie seine Magie bereits nach den Materialien sich ausstreckte und um sie wickelte.

Harry streckte seinen Arm ein wenig und Gavallere nahm Maß vom Arm.

„12 Zoll für Sie ebenfalls. Das Holz muss sehr robust sein, um den Kern zu beherbergen. Schwarzes Ebenholz." Er holte die Scheite und reichte es Harry, der verwundert auf das Holz schaute.

„Es kribbelt."

„Sehr gut, sehr gut." Bemerkte Gavallere und machte sich an die Arbeit, den Kern zu formen.

„Sie haben einen sehr ungewöhnlichen Zauberstab. Ich würde eine Einschätzung machen und sagen, dass Sie nicht so ganz Weißmagier sind, wie Dumbledore sie versucht den Medien zu verkaufen."

„Wenn Sie nach meiner Loyalität fragen Mister Gavallere dann sollten sie wissen, dass ich mir alleine loyal bin." Harry sprach mit Nachdruck und Draco sah dem Verkäufer an, dass er nicht mit der Antwort gerechnet hatte.

Der neu gefertigte Stab lag auf dem Tresen. Er sah so anders aus und unterschied sich von seinem alten enorm. Er war beinahe schwarz und war auf eine Weise edler und stolzer, als der ursprüngliche. Harry wollte am liebsten den Stab an sich reißen, um zu testen, wie er sich in seiner Hand anfühlte, doch bevor er nicht bezahlt hatte, würde er auch den Stab nicht bekommen.

Der schwarzhaarige Jugendliche griff in seinen Beutel und holte die Gallonen, die er für die beiden Stäbe zahlen sollte und bedankte sich freundlich.

Ungeheure magische Kraft sammelte sich, als Harry den Stab ergriff. Er schwang ihn und rief ein Lumos, um zu sehen, welchen Effekt er erreichen konnte. Das Ergebnis ließ selbst den Verkäufer sprachlos werden. Das Licht war so grell, dass Harry den Spruch sofort zurücknehmen musste.

„Es war mir eine Ehre mit Ihnen Geschäfte zu machen, Mister Potte.r", murmelte der ältere Mann, als er seine Kunden verabschiedete.

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Vielen Dank für die ganzen netten Reviews.

Tut mir leid dass es momentan so lange dauert mit dem Updaten, ich bin etwas im Stress und irgendwie finde ich nicht so oft die Zeit zum Schreibseln.

Dicken Kuss

Feilian