Plötzlich riss etwas Alex aus der Dunkelheit. Jemand zog an seinem Bein und dann an seiner Jacke. Ihm war heiß und das Atmen fiel ihm schwer. Er spürte wie dieser jemand ihn hochzog, aber er konnte einfach keinen klaren Gedanken fassen.
Dann atmete er auf einmal wieder frische, kühle Luft. Der Sauerstoff tat das Übrige und der Schleier in seinem Kopf liftete sich etwas. Genug um zu registrieren, dass er auf der Heckklappe des überschlagenen Wagens stand und jemand ihn aufrecht hielt.
Mit verschwommenem Blick konnte er ein schwarzes Auto wahrnehmen, das immer dichter hinter dem Wrack fuhr. Etwas sagte ihm, dass er auf das andere Auto springen musste, um sich zu retten. Er nahm noch mal alle Kraft zusammen und während er absprang merkte er, wie sein Helfer ihm noch einen extra Schub gab. Dann landete er auch schon unsanft auf der Motorhaube des nachfolgenden Wagens, kurz gefolgt von seinem Helfer. Der Wagen bremste danach sofort ab und hielt an. In dem Moment explodierten fast zeitgleich der Truck und das Autowrack, das fast zu Alex' Metalgrab geworden wäre.
Sein Helfer warf sich schützend über Alex bis die Explosionen abgeklungen waren. Dann war es still bis auf das Knistern der Flammen, die noch immer in den Wracks loderten.
Alex' Gehirn war jetzt endlich zu einer Bestandsaufnahme fähig:
Er lebte noch.
Seine Lungen bekamen endlich wieder Luft. Saubere Luft, die nicht sengend heiß war.
Das Auto war explodiert, aber er hatte es geschafft vorher raus zukommen.
Jemand hatte ihm geholfen und ihn aus dem Auto befreit.
Wäre sein Helfer nicht gewesen, wäre Alex mit dem Wagen in die Luft geflogen. Sein Helfer, den er nun als den Autobahnpolizisten Gerkhan identifizierte.
Einen Moment später sagte Gerkhan etwas zu ihm, das Alex mit kurzer Verzögerung als Nachfrage, ob er ok war, interpretierte.
Noch immer klingelten Alex die Ohren und obwohl sich der Schleier vor seinen Augen fast verzogen hatte, stand ihm der Schock noch tief und er nickte nur.
Gerkhan hatte sich inzwischen von der Motorhaube herunter bewegt und kam neben Alex und Gerkhan's junger Kollegin, die den Dienstwagen gefahren hatte, zu stehen.
Alex schaffte es endlich seinen Blick von den brennenden Wagen wegzureißen und setzte sich auf.
In dem Moment, wo er sich von der Motorhaube herunter gleiten lies um sich hinzustellen, merkte er, dass das gar keine gute Idee war. Plötzlich meldeten sich seine Rippen und sein Kopf wieder, die er fast vergessen hatte. Es begann vor seinen Augen zu verschwimmen und seine Beine gaben unter ihm nach.
Hätte Gerkhan ihn nicht festgehalten, wäre er ziemlich unsanft auf dem Boden aufgekommen. Der Autobahnpolizist lies ihn nun langsam herab und einen Moment später saß Alex auf dem Boden, mit dem Rücken gegen den BMW gelehnt.
Erst jetzt registrierte er, dass Gerkhan mit ihm redete. Dessen junge Kollegin war derweilen am Funkgerät und sprach darauf energisch ein. Aber Alex konnte seinen Kopf einfach nicht genug ordnen um sich darauf zu konzentrieren, was die Beiden sagten.
Alex war müde. Die Geschehnisse der letzten Tage waren nicht spurlos an ihm vorbei gegangen. Er hatte kaum geschlafen, zuviel war geschehen. Er wollte sich einfach nur kurz zurücklehnen und ein bisschen Energie tanken. Alex schloss die Augen und legte seinen Kopf nach hinten gegen das kühle Metal des Dienstwagens.
Eine gefühlte Millisekunde später wurde er wieder in das Hier und Jetzt geholt. Eine Hand tätschelte ihm leicht ins Gesicht und jemand redete mit ihm. Als er die Augen wieder aufmachte, sah er Gerkhan, der mit einem besorgten Gesichtsausdruck neben ihm hockte. Die Hand von dem Autobahnpolizisten konnte Alex immer noch auf seiner Schulter spüren. So als wollte Gerkhan sich vergewissern, das Alex nirgendwo hin ging.
Dass der Autobahnpolizist sich um ihn sorgte, überraschte Alex. Das hatte schon lange keiner mehr getan. Und jetzt schuldete er Gerkhan sogar sein Leben. Dass der sein eigenes Leben riskiert hatte, um Alex aus dem brennenden Wrack zu retten, das konnte gerade in Alex' Kopf nicht rein. Und es war nicht das erste Mal gewesen, dass der der Autobahn-Cop ihm unter Einsatz seines eigenen Lebens geholfen hatte.
Der Typ kannte ihn doch gar nicht.
Wieso war es, dass seine eigenen Freunde ihn ohne mit der Wimper zu zucken ins Messer hatten laufen lassen, während dieser Polizist einfach mal so für Alex sein eigenes Leben aufs Spiel setzte?
