Hier kommt das erste Kapitel von Semir's POV. Zu Alex kommen wir später wieder zurück. :-)
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Fassungslos starte Semir auf den brennenden Range Rover. Eben noch hatte Brandt mit dem Wagen den Truck mit der Bombe verfolgt, dann war der Geländewagen plötzlich durch eine Explosion in die Luft geschleudert worden, hatte sich mehrmals überschlagen und wurde jetzt auf dem Dach hinter dem Transporter hergezogen.
Das Fahrzeug stand in Flammen und Jenny und er hielten den Atem an. Noch immer war in dem brennenden Wagen keine Bewegung zu erkennen. Nichts lies erahnen, ob Alex Brandt noch am Leben war, oder ob er seine Suche nach Gerechtigkeit jetzt mit dem Leben bezahlt hatte.
Semir wollte nicht glauben, dass der junge Mann, der so stark gekämpft hatte, jetzt einfach tot war.
Brandt war keiner, der einfach so aufgab. Und Semir würde dass jetzt auch nicht tun.
„Halt das Lenkrad, ich steig rüber" rief er zu Jenny. Die riss überrascht die Augen auf. „Semir, das schaffst Du nie!" antwortete sie mit deutlichem Zweifel in der Stimme.
Doch Semir grinste sie nur an. Er machte diesen Job schon seit 20 Jahren, während Jenny erst angefangen hatte. Was er schon alles geschafft hatte, da würden seiner jungen Kollegin wahrscheinlich die Augen herausfallen.
Auch jetzt konnte er nicht einfach zurücksitzen und den jungen Mann sterben lassen. Solange auch nur eine klitzekleine Chance bestand, dass Brandt noch am Leben war, musste Semir es einfach versuchen ihn da rauszuholen.
Mit diesem Gedanken sprang er von der Motorhaube des Dienstwagens ab und landete auf der Heckklappe des umgestürzten Land Rovers. Sofort konnte er die Hitze spüren, die von dem brennenden Fahrzeug ausging.
Als er ins Innere des Wagens kletterte wurde die Wärme noch intensiver und Rauch quoll ihm entgegen. Auf dem Boden des Fahrerraumes konnte er eine Gestalt liegen sehen. Brandt! Einen Moment hielt Semir den Atem an. Der junge Mann rührte sich nicht.
War es jetzt wirklich zu spät?
Doch dann nahm Semir eine leichte Bewegung wahr und atmete auf. Brandt war verletzt und bewusstlos, aber er war noch am Leben. Jetzt musste Semir ihn nur schnellstmöglichst aus dem Auto herausbekommen, bevor ihnen der Wagen um die Ohren flog.
Semir kletterte neben Brandt und versuchte den verletzten Mann durch Zureden und durch Schütteln an dessen Schulter aufzuwecken. Als Brandt sich bewegte, sah Semir, dass dessen rechtes Bein hinter dem Lenkrad eingeklemmt war. Kein Wunder, dass der junge Mann nicht alleine aus dem Autowrack herausgekommen war.
Mit einem kräftigen Ruck gelang es dem Deutsch-Türken, Brandt's Fuß zu befreien. Dann zog er den jüngeren Mann, der immer noch ziemlich weggetreten war und alles einfach nur mit sich machen lies, zum hinteren Teil des Wagens.
Hier richtete Semir den Verletzten auf und winkte Jenny zu, dass sie den Dienstwagen näher bringen sollte. Er wusste, dass sie springen mussten.
Semir hatte das schon unzählige Male getan, und obwohl Brandt sich jetzt endlich soweit erholt hatte, dass er einen Teil seines Gewichtes selbst tragen konnte, war es Semir klar, dass der verletzte Mann das in diesem Zustand nicht alleine schaffen würde.
Als der schwarze BMW endlich nah genug war, gab Semir erst Brandt Hilfestellung, damit dieser es auf die Motorhaube des Dienstwagens schaffte, dann sprang er selbst ab und landete sicher neben dem jüngeren Mann.
Sofort hielt Jenny den Wagen an. Keine Sekunde später explodierten der Range Rover und der Truck mit der Bombe. Schnell drehte sich Semir weg und lehnte sich schützend über Brandt.
Als keine weiteren Explosionen mehr zu erwarten waren, stieg Jenny aus dem Dienstwagen aus und trat zu ihnen, den Blick noch immer auf die lichterloh brennenden Fahrzeuge gerichtet.
Semir setzte sich auf der Motorhaube auf. Er tauschte einen kurzen Blick mit Jenny. Das war verdammt knapp gewesen. Aber sie hatten es geschafft.
Dann musterte er Brandt, der sich jetzt auch langsam aufrichtete, mit einem langen prüfenden Blick. Die Anspannung viel von Semir ab, als er sah, dass der junge Mann ok zu sein schien.
Trotzdem wollte er sich vergewissern. „Nah? Alles klar?" fragte Semir den jüngeren Mann, ohne ihn aus den Augen zu lassen. Brandt's Antwort war nur ein leichtes Nicken.
Semir lachte leicht. Da sie jetzt aus der Lebensgefahr raus waren, fand er es irgendwie amüsant, wie weggetreten der sonst so scharfsinnige Ex-Polizist noch schien.
