Dieses Kapitel ist wieder von Alex' POV geschrieben. Ich hoffe, es wird Euch gefallen.

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Die Sanitäter einfach so dicht an sich ranzulassen zu müssen, machte Alex nervös. Er brauchte seine Distanz, und Fremde, die über seine gesetzten Grenzen herüber auf Tuchfühlung gingen, lösten alle seine Alarmsysteme aus.

Er wusste, dass sie nur helfen wollten, aber trotzdem konnte er nicht anders, als sich zu verspannen.

Sanitäter, Ärzte und Schwestern waren ganz oben auf der Liste von Leuten, die er unter allen Umständen zu vermeiden versuchte. Deswegen hatte er sich auch so gesträubt, als die Sanis entschieden hatten, dass er im Krankenhaus weiter untersucht werden sollte.

Nicht, dass sein Einspruch sehr effektiv gewesen war. Sein Hals fühlte sich an wie Sandpapier und das Sprechen viel ihm schwer. Ganz abgesehen von dem ständigen Hustenreiz.

Aber es war die Erschöpfung gewesen, die ihn am Ende einlenken lies. Das war ein Kampf, den er nicht gewinnen konnte.

Alex war bewusst, dass er nicht ganz auf allen Zylindern lief. Der ständige Husten ließ seine Rippen höllisch Brennen und schien auch seine Kopfschmerzen noch zu verstärken.

Und im Moment hatte er einfach nicht mehr die Energie, mit den Sanitätern weiter zu diskutieren.

Dann fiel sein Blick auf den Autobahnpolizisten. Während Gerkhan die Aufräumarbeiten überwachte, ließ der sein Blick immer wieder auf Alex und die Sanitäter zurück schweifen.

Es überraschte Alex, wie froh er darüber war, dass der Autobahnpolizist noch hier war.

Er hatte sich automatisch ein wenig entspannt als er gemerkt hatte, das Gerkhan nicht, wie er erwartet hatte, direkt nach dem dessen Kollegen eingetroffen waren, abgefahren war um seiner Chefin Bericht zu erstatten, sondern sich auch wider erwarten nicht weit von Alex' Seite wegbewegt hatte.

Wahrscheinlich war das nur Zufall, aber es half Alex zu wissen, dass Gerkhan noch ein Auge auf ihn hatte.

Wie schnell er sich daran gewöhnt hatte, dem Autobahnpolizisten soweit zu vertrauen, dass ihm allein dessen Anwesenheit das Gefühl gab, Rückendeckung zu haben, verblüffte Alex total.

Klar, er war immer noch vorsichtig und ein wenig skeptisch, schließlich kannte er Gerkhan ja kaum, aber er konnte nicht umhin zu bemerken, dass der Autobahnpolizist ihm in den letzten Tagen nicht nur einmal aus der Klemme geholfen hatte. Und dabei hatte Gerkhan ohne zu Zögern sein eigenes Leben riskiert.

Alex konnte sich kaum noch daran erinnern, wann es das letzte Mal jemanden gegeben hatte, der der für ihn Kopf und Kragen riskiert hatte.

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Als die Sanitäter ihn in den Rettungswagen luden, wurde Alex bewusst, dass er seinen Partner wider Willen wahrscheinlich nicht mehr wieder sehen würde.

Der Fall war abgeschlossen. Gerkhan hatte selbst alles miterlebt, und Alex' Aussage würde wahrscheinlich nicht gebraucht werden.

Überraschenderweise machte ihn dieser Gedanke etwas melancholisch. Das war es also jetzt gewesen. Die Chance in den Polizeidienst zurückzukommen war vorbei.

Dabei hätte er gerne mit so jemandem wie Gerkhan weitergearbeitet. Jemand, auf den Alex sich verlassen konnte.

Bevor die Sanitäter die Türen des Rettungswagens schlossen, kam der Autobahnpolizist noch einmal zu Alex. Die aufmunternden Worte und Gerkhan's Versprechen, dass dieser zum Krankenhaus kommen würde, hellten Alex' Stimmung wieder ein bisschen auf.

Allerdings hielt das nicht lange an.

Die Türen des Krankenwagens wurden geschlossen und Alex bemerkte, dass er nicht nur Ärzte, Sanitäter und Schwestern hasste, sondern auch, dass in einem Rettungswagen transportiert und behandelt zu werden, seiner persönlichen Hölle sehr gleich kam.

Es war eng und einer der Sanis war gerade damit beschäftigt, ihm eine Sauerstoffmaske anzulegen. Das machte zwar das Atmen für Alex deutlich einfacher, aber der Sanitäter war ihm einfach viel zu nahe und Alex war sich sehr seiner verwundbaren Position bewusst.

Er war auf der Liege fixiert und würde sich nicht einmal wehren können, wenn etwas war.

Er hasste dieses Gefühl ausgeliefert zu sein. Zu sehr erinnerte ihn die Situation an die Krankenstation im Gefängnis. Ein Ort wo er absolut zuviel Zeit verbracht hatte und der nicht so sicher war, wie man es sich vielleicht gedacht hätte.

Es dauerte einen Moment, bis Alex registrierte, dass der Sanitäter in seinen Untersuchungen inne gehalten hatte und ihn jetzt alarmiert ansah. Erst dann bemerkte er, dass sein Herz raste und er automatisch angefangen hatte schneller zu Atmen, als er sich an die Krankenstation und das Gefängnis zurück erinnert hatte.

Noch mehr Aufmerksamkeit von den Sanitätern konnte er jetzt wirklich nicht brauchen, deshalb zwang er sich, sein Atmen zu verlangsamen und sich wenigstens ein bisschen zu entspannen.

Diese Zeit war vorbei. Er war nicht mehr im Gefängnis und weder die Mitinsassen noch die Wärter konnten ihm noch etwas anhaben.

Er war frei.

Jetzt musste er nur noch die Untersuchungen im Krankenhaus über sich ergehen lassen, dann konnte er machen, was er wollte.

Der Gedanke, sich auf sein Motorrad zu schwingen und irgendwohin ans Meer zu fahren, reizte ihn immer noch sehr.

Mit diesem, etwas trostvolleren Aussichten schloss Alex die Augen und zwang sich alles was um ihn herum vorging zu ignorieren.

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Wäre voll lieb, wenn mir der ein oder andere hier mal ein Review dalassen würde. :-)