Hallo! Bitte entschuldigt, dass es länger gedauert hat als geplant. Doch nun fasle ich nicht länger und lasse euch lesen.

Ginny dachte an die Bellatrix, die sie kannte. Aus dem Ministerium und vom Endkampf. Eine verrückte, von falschen Idealen geblendete Frau, verbittert und wütend.

Sie saßen schweigend beieinander und stickten, bis Lucius eintrat und verkündete, dass er wieder da sein. Sein Blick wanderte von seiner Frau zu Ginny, er zog eine Augenbraue hoch und setzte sich auf den freien Sessel.

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Kapitel 9

Draco kam auch an diesem Abend so spät, dass Ginny schon im Bett lag. Doch diesmal stellte sie sich nicht schlafend. Sie sah ihn an und er senkte daraufhin den Blick. Dann entkleidete er sich und schlüpfte in seinen Pyjama. Er legte sich ins Bett und löschte auf seiner Seite das Licht.

„Gute Nacht Draco", sagte Ginny leise und löschte auch ihre Kerze.

„Gute Nacht", brummelte er.

Ginny fürchtete sich vor dem Einschlafen. Sie erwartete erneut böse Träume. Die auch tatsächlich kamen, als sie einnickte. Sie trat und schrie, als ein riesiger Fisch mit Todessermaske sie am Bein gepackt hatte und ohne Erbarmen unter Wasser zog.

Sie wurde geschüttelt. Ihre Augen öffneten sich und sie sah Draco.

„Sag mal, kannst du nie ruhig schlafen?", herrschte er sie an.

„Entschuldige", murmelte Ginny und Tränen verließen ihr Auge. „Alpträume."

Draco seufzte und legte sich direkt neben sie. „Bilde dir bloß nichts ein! Ich muss morgen ausgeschlafen sein, also muss ich dich ja irgendwie ruhig stellen."

Angespannt lag Ginny da und lauschte seinem Atem, dann entspannte sie immer mehr, bis sie wieder einschlief. Das erste Mal seit dem letzten Kampf schlief sie die ganze Nacht durch und wurde nicht von Alpträumen gejagt. Doch als sie erwachte, war ihr Ehemann wieder weg.

So ging sie wieder alleine durch das Haus, bis sie Narzissa und Lucius beim Frühstück traf.

„Ginny, komm doch herein, wir haben gerade eben angefangen. Du hast doch bestimmt auch Hunger. Tassy, ein weiteres Gedeck!", empfing Narzissa sie. „Es ist immer noch so schlechtes Wetter, wir sollten heute noch etwas üben, wenn du möchtest kannst du mir bei dem Wandteppich helfen, den ich begonnen habe."

„Danke." Sie setzte sich zu ihren Schwiegereltern und aß.

Als Lucius sich verabschiedete, ging sie mit Narzissa in den Salon und stickte. Genauso verlief der nächste Tag. Dann kam der Sonntagmorgen und als Ginny erwachte, kuschelte sie sich gegen den warmen Körper, der sie umschlungen hielt. Ein Arm war um ihre Taille gelegt und ein Kopf lag auf ihrer Schulter. Sie blickte auf und erkannte hellblonde Haare. Er hielt sie im Arm, Draco hielt sie fest. Sie sah auf den blonden Wuschelschopf und lächelte, es tat irgendwie gut, dass er da war.

Leider entschwand dieses gute Gefühl, als der Besitzer des blonden Schopfes erwachte, nachdrücklich seinen Arm von ihr entfernte und sich demonstrativ wegdrehte.

„Brich dir bloß keinen Zacken aus der Krone!", grollte sie ohne nachzudenken.

Draco drehte sich zurück und sah sie belustigt an. „Willst du sagen, es hat dir gefallen?"

„Nein! Natürlich nicht!", wiegelte sie schnell ab, viel zu schnell, um glaubwürdig zu sein. Draco setzte sich auf und schwang die Füße aus dem Bett.

„Spürst du eigentlich schon was?", fragte er ganz unvermittelt.

„Was soll ich denn spüren?"

„Na, von … dem da … dem Kind." Der junge Zauberer drehte sich nicht zu ihr um.

„Nein", lachte sie. „Natürlich nicht, es ist doch noch ganz winzig.

Es ist nur … ich … ich habe Angst."

„Tut mir leid", antwortete Draco nichts sagend und verschwand im Badezimmer.

Nach dem Frühstück verschwand Draco wieder. Er wollte sich mit einigen Freunden treffen. Er hatte Ginny nicht einmal gefragt, ob sie mitgehen wollte. Noch während sie vor sich hin grollte, verabschiedete sich Narzissa und Ginny kam es vor, als druckste die blonde Hexe etwas um den hießen Brei herum. Wohin sie wohl ging?

So war Ginny alleine im Haus. Nicht wirklich alleine, denn Malfoy Senior war ja noch da, doch den hatte sie seit dem Frühstück auch nicht mehr gesehen. Gelangweilt schlenderte Ginny durch das Anwesen. Sie fand einige leere Zimmer und einige verschlossene, die Bibliothek, den Salon und etwas, das sie am ehesten mit ‚kleinem Ballsaal' bezeichnet hätte. Fasziniert ging Ginny über den polierten Parkettboden. Die unterschiedlichen Farben des Holzes gaben dem Boden ein dezentes aber interessantes Muster. An der Decke hingen zwei wundervolle Leuchter, es sah bestimmt wunderbar aus, wenn sie den Raum in schimmerndes Licht tauchten. Ginny schlang die Arme um ihren Körper schloss die Augen und drehte sich langsam zu einer imaginären Melodie, die sie sanft schweben ließ.

Sie schüttelte über sich selbst den Kopf und verließ den Ballsaal. Seufzend ging sie nach unten ins Kellergeschoss. Der Boden des Ganges war mit Steinquadern belegt. Sie öffnete eine knarrende alte Holztür, der fahle Lichtschein der durch die Tür fiel reichte nicht aus um etwas zu erkennen. So zog sie ihren Zauberstab und sprach einen Lichtzauber. Die Härchen ihres Körpers stellten sich augenblicklich auf. Sie stand auf gestampftem Lehmboden, der mit einer dünnen Schicht Stroh bedeckt war. An den rauen unbehauenen Steinwänden hingen raue schmiedeeiserne Ketten und Handfesseln. Ein Kerker … ein gruseliger Kerker.

Ginny machte kehrt und rannte hinaus. Sie eilte ein Stück den Flur entlang und riss eine der anderen Türen auf. Es war die Küche und dort fand sie Tassy, die gerade ein Hauselfenbaby stillte. Der Anblick beruhigte Ginny augenblicklich. Der warme Schein des Feuers und der Fackeln, die den Raum erhellten wärmte auch Ginnys Inneres. Sie lächelte, als sie die Tür schloss und etwas näher zu der Hauselfe trat.

„Du hast ein Baby? Oh Tassy, wie süß!"

„Mrs! Was tut die Mrs denn hier? Es tut mir leid, Tassy hat Sie nicht gehört!"

„Ist gut Tassy, ich wusste nicht, dass du ein Kind hast. Wie alt ist es denn und wie heißt es?"

Unsicher sah die Elfe kurz zu Ginny auf, dann lächelte sie das kleine Wesen in ihrem Arm an. „Er heißt Tobby, er ist jetzt vier Monde alt, Mrs."

„Er ist wirklich süß, Tassy. Ich habe noch nie eines eurer Kinder gesehen."

„Es kommt daher, dass die meisten Herren nur ein Kind ziehen, wenn ein anderer Hauself zu alt wir. Dann suchen sie einen Mann für ihre Elfe. Es gibt auch Herren, die Geld damit verdienen, ihre Hauselfen zu züchten …"

„Aber Tassy, ich dachte, du hättest einen Mann", unterbrach Ginny die Erklärung.

„Nein, wir gehen keine Bindungen ein, nicht mehr seit über hundert Jahren. Doch Mrs sollte jetzt gehen, wenn Mr Malfoy Sie hier findet, bekommen wir beide Ärger."

Wieder im Erdgeschoss überlegte Ginny, was sie noch machen könnte. Sie hatte noch gar nicht den oberen Stock durchstöbert. Voller Tatendrang ging sie nach oben. Wie ein Einbrecher sah sie sich immer wieder um. Eigentlich war das komisch, denn sie wohnte ja hier. Oben fand sie einige Zimmer, die abgeschlossen waren, dann ein Zimmer, in dem ein Spinett und eine Orgel standen. Gemütliche Samtsessel mit halbhohen Lehnen standen im Halbkreis davor. Ein Musikzimmer also. Ein riesiger Wandteppich erweckte Ginnys Neugierde. Der Behang war beinahe so groß wie die Wand, an der er hing. Es war eine Szene die von der Verbannung Merlins durch Morgana handelte, einfach wunderschön mit seltsam realistischen Farben und Goldfäden. Vorsichtig streckte sie sie Hand aus und berührte den kostbaren Stoff. Dieser Teppich war bestimmt antik. Ein leichter Luftzug ließ die Härchen auf ihrer Hand beben. Das Fenster war geschlossen, woher kam der Luftzug? Es gab keinen Kamin und die Tür war geschlossen. Vorsichtig hob Ginny den Wandteppich an und sah dahinter. Sie konnte nichts erkennen. Wachsam streckte sie die Hand zwischen Wand und Stoff, der Windhauch wurde stärker. Sie zog den Stoff weiter vor und tastete die Wand ab. Dann fasste sie ins Leere. Ihre Finger tauchten einfach durch die Wand. Ginny sah sich nochmals um und zwängte sich dann hinter den Wandbehang. Sie verschwand in der Wand und ein düsterer schmaler Gang wurde sichtbar. Ginny zog ihren Zauberstab und sprach den Leuchtzauber. Der Gang war staubig und die rohen unverputzten Wände sahen alt und blass aus. In regelmäßigen Abstand waren kleine Klappen in Augenhöhe. Neugierig hob sie eine der Klappen an. Sie sah in eines der Gästezimmer. Beim nächsten ebenfalls, schließlich das „Märchenzimmer" in dem sie am Anfang gewohnt hatte. Dann hob sie eine weitere Klappe an und fuhr zusammen.

In dem breiten Bett sah sie eine nackte Frau auf allen vieren und dahinter kniete … ihr Schwiegervater!

Vor Anstrengung und Erregung hatte Lucius Malfoy gerötete Wangen. Wild keuchend versenkte er sich immer wieder in der vor Lust quietschenden Frau. Was Ginny am meisten entsetzte, es war nicht Narzissa mit der sich Lucius da vergnügte. Es war eine blonde junge Frau mit drallen Rundungen.

Lucius sah Draco sehr ähnlich, nur war er kräftiger. Fasziniert betrachtete sie das Spiel der Muskeln, das Anspannen der Lenden. Das wollüstige Keuchen erregte auch Ginny. Wie verboten, da stand sie in einem geheim Gang und beobachtete ihren Schwiegervater, dabei wie er eine Blondine ran nahm. Das Pärchen keuchte immer heftiger, bis Malfoy Senior einen animalischen Schrei ausstieß und nach vorne überkippte, auf die Frau, die sich auf das Bett fallen gelassen hatte.

Jetzt, da der Bann gebrochen war, spürte Ginny Wut in sich aufsteigen. Lucius ging fremd! Er betrog Narzissa, hier in ihrem Haus. Selbst als das Liebespärchen schon gegangen war, stand Ginny immer noch in dem Geheimgang. Mit dem Rücken an die Wand gelehnt. War das Leben wirklich so? Musste man nach draußen die heile Welt vorspielen und im Hintergrund war alles anders? Würde sie mit Draco auch so leben?

Nach einer ganzen Weile verließ sie den Geheimgang. Sie ging in die Bibliothek und nahm sich ein Buch über historische Daten der Zauberergesellschaft. Zum Abendessen waren weder Draco noch Narzissa anwesend. Ob Narzissa wusste, was ihr Gatte trieb? War sie deshalb gegangen? Oder tat sie es ihm gleich? Neugierig warf Ginny dem blonden Zauberer, der am Tisch saß und schweigend aß immer wieder Blicke zu. Leider nicht so unauffällig, wie sie geglaubt hatte, denn als sie wieder den Blick zu ihm schweifen ließ, sah er fragend zurück. Das Kribbeln zeigte ihr, dass ihre Wangen brannten. Sie aß schnell auf und flüchtete in das Schlafgemach. Nachdem sie eine Weile gegrübelt hatte, entschloss sie, sich schlafen zu legen.

Sie erwachte ganz kurz, als Draco sich neben ihr hinlegte. Doch sie schlief beinahe augenblicklich wieder ein.

Am nächsten Morgen war Draco wieder verschwunden, bevor Ginny erwachte. Doch zu ihrer Freude schien heute die Sonne. Nach dem Frühstück vertröstete sie Narzissa und ging in den Garten. Sie streifte durch das noch nasse Gras, solange bis ihr Kleid bis zu den Knien durchfeuchtet war. Sie ging unter den Linden hindurch die aufgereiht dastanden wie eine Allee mitten im satten Grün.

Ihre Schultern wurden gepackt und sie wurde mit einer dreihundertsechzig Grad Drehung an einen der Bäume gedrückt. Ihr überraschter Aufschrei wurde durch die Finger auf ihrem Mund gedämpft. Sie zog die Hand weg und sah ihr Gegenüber fragend an.

„Was soll das Walden?"

Doch der Todesser sagte nichts. Er stand nur schweigend da und sah sie mit seinen braunen Augen an. Sein Gesicht kam näher und Ginny hielt die Luft an. Wollte er sie küssen? Nein, weshalb sollte er?

Voldemorts Order!

Er hatte gesagt, niemand dürfe sie anrühren, solange bis sie verheiratet war! Sie war verheiratet, nun konnte Walden machen, was er wollte. Wie weit würde er gehen? Unsicherheit keimte in ihm auf.

Ginny atmete wieder, hart und stoßweise vor Aufregung. Mittlerweile konnte sie die Wärme spüren, die von Waldens Haut abstrahlte, so nah war sein Gesicht dem ihren. Seinen heißen Atem auf ihren Lippen spürend, öffnete sie leicht ihren Mund. Erschrocken über sich selbst riss sie die Augen auf. Wollte sie ihn wirklich küssen? Von ihm geküsst werden?

„Ich habe dich lange nicht gesehen", versuchte sie ihre Nervosität herunter zu spielen.

Walden lachte laut und rau. Der Zauber des Augenblicks war gebrochen. „Weißt du, meine Frau … also Shirley … sie hat ganz schön getobt." Er seufzte theatralisch.

„Könnte daran liegen, dass sie es nicht gut findet, dass sich ihr Mann so sehr um eine andere Hexen kümmert."

„Wäre möglich."

„Wobei ich mir sicher bin, auch mein Gatte wäre fuchsteufelswild, wenn er wüsste, dass du hier wärst, mit mir im Garten, allein, hinter einer Hecke …"

„Baum", sagte Walden und grinste.

„Äh, was? Oh, ja, Baum. Was die Sache an sich nicht groß verändert."

„Nein, allerdings kannst du nicht wirklich glauben, dass mir dein Ehemann Angst einjagt."

„Aber vielleicht sein Vater?"

„Der schon eher, doch Lucius steht nicht besonders gut da vor dem Lord. Er wird nicht in aller Öffentlichkeit zugeben, dass sein Sohn ein solcher Versager ist, dass sich seine Frau schon nach wenigen Tagen einen Liebhaber nimmt."

Liebhaber? Meinte er das jetzt als Scherz? Er wollte wirklich, hier mit ihr, jetzt?

„Jetzt mach' kein Gesicht wie ein Reh im Angesicht des Jägers. Du weißt, dass ich nicht darauf stehe mir Frauen mit Gewalt zu nehmen."

„Und was … was machen wir jetzt?", fragte Ginny und sie war sich nicht sicher, ob sie die Antwort wirklich wissen wollte.

„Was hältst du von einem Ausflug in die Winkelgasse?"

„Was?", fragte Ginny konsterniert.

„Ich verspreche auch, dich nicht in ein billiges Stundenhotel zu zerren … es sei denn, du willst es." Ein breites Grinsen zierte Waldens Gesicht.

Ginny spürte, wie ihre Wangen anfingen verräterisch zu brennen. Waldens Grinsen wurde breiter, als er Ginnys Erröten sah.

„Bekomme ich einen Vorschuss?", hauchte er in ihr Ohr und wartete die Antwort gar nicht ab, sondern legte seine Lippen sanft auf ihre.

Völlig überrascht wehrte ihn Ginny nicht ab. Sie ließ seine Zunge in ihren Mund ein und als er ihre Zunge anstupste, ließ sie sich auf das Spiel ein. Waldens Hände berührten ihre Wangen, strichen über ihren Hals und wuschelten schließlich in ihren Haaren. Er löste sich von ihr und sah sie an, als wolle er erkunden, ob er zu weit gegangen war.

Doch so sehr auch ihre innere Stimme zeterte, dass sie hier Walden Macnair vor sich hatte, den Todesser, Mörder, Henker, den Mann vor dem sich selbst einige der anderen Todesser fürchteten, sie genoss seine Zuneigung.

tbc